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stARTcamp Wien
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Was ist ein stARTcamp und warum sollten Sie dabei sein?

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Jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum stARTcamp Wien. Nach den vielen Feiertagen möchte ich jetzt noch einmal ordentlich die Werbetrommel rühren, denn bis jetzt haben viele, so mein Eindruck, noch gar nicht mitbekommen, dass es am 15. Juni wieder soweit ist. Wie aber bewirbt man eigentlich ein stARTcamp? Was ist das überhaupt und warum sollte man dorthin gehen?

Die wichtigsten Informationen habe ich ja bereits vor einiger Zeit in einem eigenen Blogbeitrag gepostet. Ein Facebookevent ist erstellt und über die Twitterkanäle informiere ich auch immer wieder. In Rückmeldungen taucht immer wieder die Frage auf, was denn ein stARTcamp eigentlich sei. Den Namen haben wir in Anlehnung an die stARTconference gewählt, eigentlich versteckt sich hinter dem stARTcamp ein Barcamp. Während bei einer Konferenz im Vorfeld ein Programm zusammengestellt wird, mit dem die Veranstaltung beworben wird, ist das bei einem Barcamp nicht der Fall. Wikipedia beschreibt dieses Format als „eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden“.

Was ist ein stARTcamp?

Im Unterschied zu einer Konferenz steht bei einem stARTcamp, das nach dem Barcamp-Prinzipien funktioniert, das Programm also nicht von Anfang an fest. Würde ein stARTcamp nach den Regeln einer klassischen Konferenz – eine SprecherIn, viele ZuhörerInnen – funktionieren, wäre der Einwand, man kauft die Katze im Sack, zutreffend: Ich kaufe ein Ticket, weiß aber noch nicht, wer zu welchen Themen etwas erzählen wird und hoffe, dass mich das dann interessiert. So ein Wagnis gehen wohl die wenigsten von uns ein.

Aber ein stARTcamp funktioniert eben nicht wie eine Konferenz. Ich bin nicht Konsument, sondern ein ganz entscheidender Teil dieses Formats. Wenn ich nur darauf warte, was dabei herauskommt, dann bin ich davon abhängig, was andere anbieten. Das finde ich, wenn überhaupt, heraus, indem ich auf die Liste der Sessionvorschläge schaue, die meist im Vorfeld veröffentlicht werden. Ich habe die Liste für das #scvie18 heute erstellt und meinen Sessionvorschlag dort eingetragen. In dieser Liste können Sie sehen, wer welche Themenvorschläge gemacht hat und danach entscheiden, ob Sie die Veranstaltung interessiert oder nicht.

Aber so ganz optimal ist diese Idee nicht, denn dann müssten Sie warten, bis wirklich alle, die eine Session gestalten möchten, ihren Themenvorschlag auf die Liste setzen. Das passiert aber eigentlich nie. Viele Themenvorschläge erfolgen erst in der Eröffnungssession. Wenn Sie so vorgehen, werden Barcamps für Sie schnell zur Enttäuschung. Oder Sie gehen nie zu einem hin. ;-)

Warum stARTcamps auch heute noch so wichtig sind

Sie können aber auch Ihre Erwartungshaltung verändern und genau das wäre auch mein Wunsch für dieses stARTcamp. Getreu dem Motto „Engage your audience“ glaube ich, dass der Erfolg eines Barcamps davon abhängt, wie aktiv die TeilnehmerInnen sind. Es ist, wie gesagt, keine Konferenz, sondern ein partizipativeres Format. Eben weil das klassische Konferenzformat schnell ermüdend wirkt, wurden die Barcamps erfunden. Sie leben von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen, sich auf das Thema und die anderen einzulassen. Sie müssen keine ExpertIn sein, um sich vor die anderen zu stellen und eine Session zu halten. Die umgekehrte Variante ist auch möglich: Sie wollen etwas wissen und um Sie herum sitzen Menschen, die Ihnen weiterhelfen können.

Deshalb können Sie in die Liste auch Themenvorschläge eingeben, also Themen, zu denen Sie nichts vortragen, sondern etwas darüber lernen wollen. Die Datenschutzgrundverordnung zum Beispiel ist erst wenige Tage alt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es hierzu viele Fragen gibt, die vielleicht gar nicht beantwortbar sind. Aber Sie können sich mit anderen austauschen und herausfinden, wie die mit Ihrem Problem umgehen. Oder nehmen wir Facebook, Instagram, Twitter… es gibt doch viele Dinge, die uns umtreiben.

Ich sehe im digitalen Raum eine Entwicklung, in der wieder verstärkt alle gegen alle kämpfen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, das sind alte Verhaltensmuster. Warum die Netzwerke nicht als das nutzen, was sie sind, Netzwerke? Und genau aus diesem Grund sind Barcamps oder stARTcamps auch heute noch so wichtig. Der Netzwerkgedanke scheint gerade etwas in den Hintergrund zu treten. Genau deshalb ist es mir auch wichtig, nach dem World-Café beim letzten stARTcamp (mehr dazu im Blogbeitrag „Rückblick auf das stARTcamp Wien„) wieder zum klassischen Barcamp-Format zurückzukehren. Es geht um die Themen, die uns, die wir beim #scvie18 dabei sind, interessieren.

Nun wird sich vielleicht jemand fragen, was denn passiert, wenn es keine Themen gibt? Ich fürchte mich vor vielen Dingen, aber vor einem ganz sicher nicht: Dass uns die Themen ausgehen. :-) Aber trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass am Ende nichts dabei herauskommt. Ich habe das zwar noch nie erlebt, aber dieses Risiko ist der Preis dafür, dass Barcamps der Versuch sind, die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Vordergrund zu stellen. Haben die keine beziehungsweise artikulieren sie nicht, habe ich keine Chance, ein Scheitern droht. Ich kann dieses Risiko zwar nie ganz ausschließen, aber ich kann es auch als TeilnehmerIn minimieren. Indem ich einfach das Thema vorschlage, das mich interessiert. Ich muss die Session ja nicht selbst oder alleine halten. Aber es ist ein erster Schritt, um zu verhindern, dass mir die Veranstaltung nichts bringt. Und es ist vielleicht auch die Chance, sich mit anderen zusammen zu tun, die sich mit gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen. Über das stARTcamp hinaus, womit wir beim Thema wären, um das sich die Veranstaltung am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (Musuemsquartier) drehen soll.

Hier gibt es die Tickets. ;-)

 

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stARTcamp Wien: Am 15. Juni sind wir in der Kunsthalle im Museumsquartier zu Gast

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Credit: Kunsthalle Wien Museumsquartier, © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff

Lange hat es gedauert, aber nun ist es soweit: Ich freue mich, die 5. Ausgabe des stARTcamp Wien ankündigen zu dürfen. Am 15. Juni 2018 sind wir zu Gast im Museumsquartier in der Kunsthalle Wien (Museumsplatz 1, 1070 Wien), also genau an dem Ort, wo wir am 23. August 2013 begonnen haben (siehe dazu die Ankündigung des stARTcamps hier im Blog).

Nachdem wir im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit dem World-Café gemacht haben und zu interessanten Ergebnissen gekommen sind (siehe dazu: „Rückblick auf das stARTcamp Wien„), konzentrieren wir uns 2018 wieder auf das gute alte Barcamp-Format mit vielen spannenden Sessions. Wir, das sind dieses Mal Anne Aschenbrenner und ich. Zusammen haben wir das #scvie18 unter das Motto „Engage your Audience“ gestellt. Wir beide sind der Ansicht, dass es für die Kultureinrichtungen nicht nur darum geht, möglichst viele Fans oder Follower zu haben, sondern um die Frage, welchen Wert ihre Beziehung mit den UserInnen bzw. BesucherInnen hat.

Die Grafik soll veranschaulichen, warum ich die Änderungen im Facebook-Newsfeed vor allem als Chance sehe. In meinem Beitrag „Social Media: Engagement statt Interaktion“ für das Kulturkonzepte-Blog habe ich beschrieben, wie der Weg zu einer qualitativ sich ständig weiter entwickelnden Beziehung aussehen kann. Mit diesem Weg wollen wir uns am 15. Juni in der Kunsthalle Wien beschäftigen. Ist der Aufbau einer Community ein sinnvoller Ansatz? Helfen mir dabei Apps und Chatbots? Um diese und noch viele anderen Fragen in diesem Kontext soll es am 15. Juni in der Kunsthalle Wien gehen. Ob wir darauf auch Antworten erhalten, hängt von Ihnen ab. Sie selbst tragen zum Erfolg des stARTcamps bei. Lehnen sich alle bequem zurück und lassen sich berieseln, dann wird es ein fader Tag. Aber keine Sorge, die vergangenen stARTcamps waren nie langweilig. Es gab interessante Sessions, genügend Freiräume, um sich kennenzulernen und auszutauschen sowie ein gutes Catering. All das wird es auch dieses Jahr wieder geben, mit 35 Euro sind Sie dabei. ;-)

Eventbrite - stARTcamp Wien

Ein weiterer Grund für dieses Thema ist für uns das Europäische Kulturerbejahr, das es dieses Jahr zu feiern gilt. Auf der Website des Bundeskanzleramts, in dem Kunst und Kultur zu Hause sind, kann man nachlesen, dass

„mit dem Themenjahr (…) das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft und das Gefühl einer europäischen Identität gestärkt werden (soll).“

Das Ziel sei es außerdem, die Rolle des Kulturerbes für die Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen und die Bedeutung von dessen Erhaltung, Schutz und Zugänglichkeit hervorzuheben, heißt es dort weiter. Mit Hilfe von partizipativen Ansätzen sollen alle Mitglieder der Gesellschaft und hier besonders junge Menschen angesprochen werden.

Auch hier heißt es: „Engage your Audience“, um gemeinsam Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu bauen. Aber wie funktioniert das im digitalen Zeitalter, in dem praktisch alles gespeichert und aufbewahrt wird? Welche Rolle spielen dabei Archive oder Museen, wenn doch alles digital verfügbar ist? Brauchen wir diese Institutionen noch oder reicht ein Supercomputer mit ausreichend Speicherplatz?

Um diesen Fragen genügend Raum zu geben, lädt das ORF-Dialogforum schon einen Tag vorher, am 14. Juni zu einer Diskussionsveranstaltung ein, die den Titel „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ trägt. Sie beginnt um 19 Uhr und findet im Studio 3 des Radiokulturhaus in der Argentinierstraße 30a in 1040 Wien statt. Die Teilnahme daran ist kostenlos, die Anmeldung ist ab sofort per Mail unter praesentation@orf.at möglich.

Mit dieser Veranstaltung soll der Versuch unternommen werden, einen Rahmen zu schaffen für die Abläufe, die in obiger Grafik abgebildet sind. Ich beziehe mich in diesem Zusammenhang gerne auf den von den beiden Kulturwissenschaftlern Aleida und Jan Assmann geprägten Begriff des kulturellen Gedächtnisses. Es ist nicht nur in uns Menschen angesiedelt, wie etwa das individuelle und das kollektive Gedächtnis, sondern es „objektiviert sich auch in Dingen wie Texten, Symbolen oder Bildern“, so Jan Assmann. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses.

Aber wie sieht Vergessen aus in einer Zeit, in der alles digital abgespeichert werden kann und wird? Können wir überhaupt noch vergessen? Und wie ist es möglich, sich an etwas zu erinnern, das ich noch nie vergessen habe? Was bedeutet das für ein Europäisches Kulturerbejahr, in dem das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft werden soll?

Den Rahmen dafür stecken wir in der ORF-Diskussionsveranstaltung „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ ab. Mit der Frage, wie Kultureinrichtungen und die digitalen und analogen BesucherInnen dabei miteinander vorgehen, wie sie Beziehungen aufbauen um füreinander Mehrwerte zu schaffen, beschäftigen wir uns dann am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (im Museumsquartier) beim stARTcamp.

Ich würde mich freuen, wenn Sie bei beiden Veranstaltungen dabei sind, hier noch einmal die wichtigsten Infos:

  • ORF-Dialogforum:
    • Thema: „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“
    • Datum: 14. Juni 2018
    • Beginn: 19 Uhr
    • Ort: Radiokulturhaus, Studio 3 (Argentinierstarße 30a, 1040 Wien)
    • Anmeldung: per Mail an praesentation@orf.at
    • Kosten: Die Teilnahme ist kostenlos

 

  • stARTcamp (#scvie18):
    • Thema: Engage your Audience“
    • Datum: 15. Juni 2018
    • Beginn: 9:30 Uhr (Einlass ab 9 Uhr)
    • Ort: Kunsthalle Wien im Museumsquartier (Museumsplatz 1, 1070 Wien)
    • Tickets: online auf der Plattform Eventbrite
    • Kosten: 35 Euro

 

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Rückblick auf das stARTcamp Wien

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Bild: ©www.lupispuma.com

Ich überlege schon seit einiger Zeit, wie ich auf das stARTcamp zurückblicken und welche Schlussfolgerungen ich daraus ziehen soll. Und da ich bis heute nicht zu einem wirklichen Ergebnis gekommen bin, schreibe ich meine Gedanken dazu einfach mal zusammen.

Fangen wir mit der Location an: Die Rote Bar im Volkstheater Wien ist natürlich ein Traum gewesen und ich bin dem Haus und besonders Lena Fuchs sehr dankbar, dass wir dort zu Gast sein durften. Wenn Sie nicht selbst dabei waren, vermitteln die Fotos von Karola Riegler sehr schöne Eindrücke. Erstens vom Haus und zweitens vom stARTcamp selbst. Auch Dir Karola sage ich danke, dass Du das stARTcamp wieder mit der Kamera begleitet hast. Das Essen war super, RITA bringt’s hat das Essen nicht nur einfach gebracht, sondern auch gut gekocht.

Um aus diesen Zutaten ein stARTcamp zu machen, braucht es ein Team. Ich bedanke mich bei Anne Aschenbrenner, Barbara Royc und Michael Wuerges, dass ich mit ihnen zusammen die vierte Ausgabe des #scvie organisieren durfte. Ohne sie hätte es vermutlich das Experiment mit dem World-Café nicht gegeben. Ich spreche bewusst von einem Experiment, denn die Sache hätte ja auch schiefgehen können. Das ist sie zum Glück nicht, aber ich sehe die Sache ähnlich kritisch wie Anne Aschenbrenner in ihrem Rückblick auf das stARTcamp.

Wir reden oft über neue Technologien und den Content, der mit deren Hilfe unter die Leute gebracht werden soll. Der Kulturbetrieb selbst, der diese Aufgabe möglichst gut lösen soll, wird aber dabei in der Regel vergessen. Häufig ist dann von der Unternehmenskultur die Rede, die geändert werden müsse. Nur wie ändere ich diese „Kultur“ eigentlich? In meinem Beitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich auf ein Modell verwiesen, um zu zeigen, welche Stellschrauben es eigentlich gibt.

7S Modell

Unsere Idee war es, im Rahmen des World-Café drei Fragen zu stellen, die sich auf den oberen Teil der Grafik, konkret auf die Bereiche Strukturen und Prozesse beziehen sollten. Unsere Fragen lauteten:

  • Welche Strukturen wünsche ich mir für meine Arbeit?
  • Welche Prozesse und Arbeitsabläufe brauche ich, um meine Arbeitsziele zu erreichen?
  • Was kann ich tun, um Veränderungen von Strukturen und Prozessen herbeizuführen?

Anne kritisiert in ihrem Beitrag, dass die ersten beiden Fragen zu ähnlich gewesen seien, denn es zeigte sich, dass an den meisten Tischen nicht zwischen Struktur und Prozess unterschieden wurde. So gibt es bei den Antworten auf die ersten beiden Fragen viele Übereinstimmigkeiten. Fangen wir mit der Frage nach den Strukturen an, die wir uns für unsere Arbeit wünschen. Hier sehen Sie die Flipchartblätter aller sieben Tische:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nachdem Sie vermutlich Probleme haben werden, die Punkte zu entziffern, habe ich alle Beiträge auf den Flipchartblättern in einem Excel-Sheet zusammengefasst. Beachten Sie bitte, für jede Frage gibt es ein einzelnes Sheet, Frage 1, Frage 2 und Frage 3.

Hier sind die Tischergebnisse zur Frage 2:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Unsere Idee war es, sich bei diesen beiden Fragen nicht unbedingt an der Realität zu orientieren, sondern in den „Wunschmodus“ zu gelangen. Mit Hilfe der dritten Frage sollten diese Wünsche dann „geerdet“ werden, es ging um die Frage, was wir selbst tun können, um diesen Wunschvorstellungen aus eigener Kraft ein Stück näher zu kommen. Anne Aschenbrenner schreibt in ihrem Beitrag, die dritte Frage wäre zu „pädagogisch angeleitet“. Ja, natürlich ist sie das, die Fragen richtig zu formulieren, ist sicher mit die größte Herausforderung bei diesem Format. Aber irgendeinen Plan muss man ja haben, wenn man Fragen stellt. Ich denke, diese „pädagogische“ Herangehensweise passt ganz gut.

Mich stört eher, dass wir es nicht geschafft haben, mit Frage eins und zwei auf die Ebene der Wunschvorstellungen zu kommen. Ich hätte mir gewünscht, dass hier beispielsweise gefordert wird, bestehende Strukturen aufzubrechen und nur noch in Projektteams zu arbeiten. Und jedes Team bekommt eine Art Kommandozentrale, in der gemeinsam gearbeitet wird.

Nicht geschafft haben wir es anscheinend auch, die Unterschiede zwischen Struktur und Prozess herauszuarbeiten. Viele der genannten Punkte finden sich sowohl als Statement zu Frage eins und zwei. Trotzdem sind die Ergebnisse hochinteressant, denn sie zeigen ein hohes Maß an Übereinstimmung, was in Kulturbetrieben geändert gehört. Und es kommen jede Menge konkrete Vorschläge, wie diese Änderungen angegangen werden könnten. Klar ist auch, dass es hier nicht ausschließlich um das Thema Social Media geht. Klar, der Wunsch, einen Redaktionskalender zu haben, bezieht sich auf die Social Media-Aktivitäten, aber der Wunsch, abteilungsübergreifend zu arbeiten, zeigt schon, dass der Wunsch vorhanden ist, das Potenzial des ganzen Hauses zu nutzen und alle ins Boot zu holen.

Und was können wir selbst tun, um unsere Wünsche wahr werden zu lassen? Die Antworten darauf sind oft sehr mutig und selbstkritisch, wie die einzelnen Blätter zeigen:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich würde mich über Reaktionen bzw. Rückmeldungen zu diesen Ergebnissen freuen, werde mich aber selbst auch noch weiter damit beschäftigen.

Nach dem World-Café war die Spannung dann ein wenig raus, sei es durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema oder weil so ein Mittagessen schnell müde macht. Wir hatten uns erhofft, dass am Nachmittag die Chance genutzt wird, ausgehend von den Themen des Vormittags konkrete Aspekte oder auch Projekte zu diskutieren, vorzustellen, etc.. Vielleicht wäre es besser gewesen, stattdessen ein neues Thema zu beginnen und die drei Sessionrunden dafür zu nutzen. Hier habe ich die Willen, mal ganz egoistisch eigene Themen zu pushen, vermisst. Corinne Eckenstein, die Leiterin des Dschungel Wien, war die einzige, die die Chance genutzt hat und eine Frage in die Runde geworfen hat. Davon leben Barcamps. Stattdessen warteten, so mein Eindruck, viele darauf, jetzt noch möglichst informative und hilfreiche Vorträge vorgesetzt zu bekommen. Aber ok, ich will nicht meckern, das Engagement beim World-Café war großartig.

Soviel zum stARTcamp Wien, jetzt fehlt noch die Blogparade, mit der ich mich in einem nächsten Beitrag beschäftigen werde.

PS: Folgende Beiträge sind über das stARTcamp geschrieben worden (falls ich jemanden übersehen habe, bitte einfach hier kommentieren, ich ergänze die Liste dann.):

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#scvie: In zwei Wochen ist es soweit

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Foto von Finn Hackshaw auf Unsplash

Noch zwei Wochen sind es bis zum stARTcamp hier in Wien und nachdem ich nun schon ein paar Mal gefragt wurde, was da denn genau passiert, möchte ich gerne noch mal erklären, worum es in diesem Jahr gehen und wie das @scvie ablaufen wird.

Die wohl drängendste Frage ist die nach dem Thema. Anne Aschenbrenner, Barbara Royc, Michael Wuerges und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir dem stARTcamp das Motto „(z)wischen Inhalten und Technologien“ voranstellen. Auf der einen Seite haben wir die Inhalte, den „Content“ und die Frage, wie wir damit das Interesse unserer Zielgruppen wecken können. Eine Methode, um bestimmte Inhalte zu transportieren, ist das Storytelling (siehe dazu mein Blogpost: „Storytelling: Es geht um das Wie, nicht um das Was„). Mit diesem Themenbereich beschäftigt sich das stARTcamp Bern, das ebenfalls am 21. November stattfinden wird.

Auf der anderen Seite haben wir die Entwicklungen im digitalen Bereich. die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Immer neue technologische Möglichkeiten tun sich auf, unseren Content zu verbreiten und sichtbar zu machen. Die Technologie ist ein unerbittlicher Treiber, wer von uns hatte zum Beispiel vor ein paar Monaten Chatbots auf dem Radar? Heute gibt es dazu bereits einen eigenen Wikipediaeintrag und in Bälde werden bei uns vermutlich die ersten Kultureinrichtungen damit zu experimentieren beginnen. Um diese Technologien geht es – auch am 21. November – beim stARTcamp in Essen.

Kultureinrichtungen können nicht einfach so damit beginnen, Inhalte mit Hilfe neuer Technologien zu kommunizieren, wenn sie auch wirklich davon profitieren wollen. Sie müssen sich verändern, weiterentwickeln und einen Veränderungsprozess einleiten, der zur Zeit mit dem Schlagwort „digitale Transformation“ etikettiert wird. In meinem letzten Blogbeitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich versucht zu zeigen, dass es dabei etliche Stellschrauben gibt, an denen wir drehen müssen. Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle haben in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, gestalten, verändern“ (Affiliate-Link) ein Modell entwickelt, das die folgende Grafik abbildet:

7S Modell

Diese Grafik zeigt den Bereich, der „zwischen“ den Inhalten und den (neuen) Technologien liegt, mit dem wir uns beim stARTcamp Wien beschäftigen werden, das am 21. November im Volkstheater Wien stattfinden wird. Da wir leider nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, beschränken wir uns auf die obere Hälfte der Grafik, nämlich die Bereiche System/Prozesse, Struktur und Strategie.

Im Unterschied zu den klassischen Barcamps werden wir dieses Mal nicht mit den sonst üblichen Sessions beginnen, sondern ein anderes Format versuchen: das World-Café. Nachdem beim letzten stARTcamp im MAK der Wunsch aufkam, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen, probieren wir dieses für uns neue Format einmal aus. Für mich besteht der Vorteil darin, dass wir hier alle miteinander – ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen – ins Gespräch kommen und gemeinsam überlegen können, wie diese Veränderungsprozesse idealerweise aussehen. Wir haben dafür drei Fragerunden a 30 Minuten zur Verfügung und das in einer Location, die dafür besser nicht sein könnte, die Rote Bar im Volkstheater. Am Ende fassen wir die Ergebnisse aller Tische zusammen, diskutieren sie und überlegen, welche Konsequenzen sie für unsere Arbeit haben.

Dafür steht dann am Nachmittag noch das Session-Format zur Verfügung, das wir alle von Bar-und stARTcamps her kennen. Hier haben wir die Möglichkeit, Inhalte zu vertiefen, Fragen zu beantworten oder einfach weiter zu diskutieren.

Und da wir als stARTconference glauben, dass wir es hier mit einem für den Kulturbereich wichtigen Thema zu tun haben, gibt es seit heute auch eine Blogparade dazu. Unter der Überschrift „Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ laden wir alle Interessierten dazu ein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und dazu eigene Blogbeiträge zu verfassen. Die besten Blogbeiträge  und die Ergebnisse der stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen, das wir kostenlos zur Verfügung stellen. Wie das genau aussehen wird, können wir im Moment noch nicht sagen, weil das natürlich ein Stück weit davon abhängt, zu welchen Ergebnissen wir bei den stARTcamps kommen und welche Beiträge im Rahmen der Blogparade veröffentlicht werden.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und beim stARTcamp dabei sein möchte: hier gibt es die Tickets, die wie im letzten Jahr wieder 30 Euro kosten. Außerdem informieren drei Blogbeiträge über das stARTcamp, das auch dieses Jahr wieder den Hashtag #scvie haben wird:

stARTcamp Wien
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stARTcamp Wien: Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART)

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Von einem #neustART zu sprechen, bedeutet, Gefahr zu laufen, in der Marketingecke mit den dummen Werbesprüchen zu enden. Ich möchte dem gerne entgegenwirken und erklären, warum dieser Hashtag ganz gut passt. Aber vorweg mal die wichtigsten Fakten: Am 21. November 2016 findet von 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00) das vierte stARTcamp Wien statt, zu Gast sind wir dieses Jahr im Volkstheater. Die Tickets gibt es hier, sie kosten wie im letzten Jahr 30 Euro. So und was ist nun neu?

  1. Wenn am Ende November 2016 das #scvie über die Bühne geht, ist damit nicht nur die sprichwörtliche Bühne gemeint. Ich freue mich, dass uns dieses Jahr zum ersten Mal ein Theater eingeladen hat. Und dass wir unter anderem einen der schönsten Bühnenräume, die ich kenne, benutzen dürfen, die Rote Bar.Rote Bar Volkstheater Wien
  2. Neu wird auch das Format sein. Im letzten Jahr meinten viele, dass es schade sei, wenn man für ein Thema nur 45 Minuten habe und dann schon wieder auseinandergehe. Zu diesem Punkt gab es auch eine eigene Session, in der wir überlegten, welche Möglichkeiten für uns in Frage kommen, um sich länger mit einem Thema zu beschäftigen. So ist die Idee entstanden, es dieses Jahr mit einem World-Café zu versuchen. Das bedeutet, wir beschäftigen uns drei Fragerunden lang alle zusammen mit einem Thema (dazu später mehr), fassen die Ergebnisse – nach dem Mittagessen – zusammen und hängen dann noch zwei Runden klassisches Barcamp hinten dran, um gleich konkrete Vorhaben anstoßen und besprechen zu können oder auch einfach nur weiter zu diskutieren.
  3. „Wir“, das sind in diesem Jahr Anne Aschenbrenner (vielen von ihren Aktivitäten bei den Kulturfritzen bekannt), Barbara Royc, Michael Wuerges und ich.
  4. Zum ersten Mal wagen wir es, drei stARTcamps gleichzeitig stattfinden zu lassen. Bis jetzt hatten wir immer das Problem, die unterschiedlichen Termine zu koordinieren. Nun legen wir die stARTcamps in Bern, Essen und Wien auf ein und den gleichen Tag. Sie haben also die Qual der Wahl, die Vorzüge von Wien muss ich jetzt hier nicht hervorheben, oder? ;-)
    Für uns und unsere Aktivitäten rund um die stARTconference ist das auch Neustart. Nachdem es in der letzten Zeit sehr ruhig um den Verein gewesen ist, werden wir über diese Schiene in der nächsten Zeit wieder aktiver werden. Der erste Schritt werden die stARTcamps sein. Außerdem planen wir, das ist dann Schritt 2, die Ergebnisse der drei stARTcamps zu dokumentieren und sie als eBook zu veröffentlichen.
  5. Der Grund, wieder aktiv zu werden, hat mit den Entwicklungen im digitalen Bereich zu tun. Wir, und da spreche ich jetzt für das Team rund um die stARTconference, sind der Meinung, dass wir gerade wieder so etwas wie einen Quantensprung erleben. Vergleichbar mit der Zeit, als das Thema Social Media aufkam und wir die stARTconference organisierten. Was damals mit dem Begriff „Web 2.0“ begann und die sozialen Netzwerke entstehen ließ, hat sich zu einem der wichtigsten Treiber für die Veränderungen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft entwickelt. Während wir damals über Facebook und Twitter und deren Auswirkungen auf das Marketing diskutierten, geht es heute im Bereich der Unternehmungen um neue Strukturen, Prozesse und Strategien.
  6. Womit wir bei den Themen wären: „Zwischen Inhalten und Technologien“ lautet unser Motto. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie wir die neuen Technologien nutzen können, um unsere Inhalte zu kommunizieren. Dafür braucht es die schon erwähnten Strukturen, Prozesse und Strategien und genau um die wird es in unserem World-Café gehen. Dahinter stecken Themen wie „digital Governance“ oder „Customer Journey“. Unsere Aufgabe wird es sein, mit Hilfe dreier Fragen diesen Rahmen abzustecken und eine für uns alle interessante und ergiebige Diskussion in Gang zu bringen. Unser Ziel ist es, auf diese Weise Antworten auf Fragen zu bekommen, die Kultureinrichtungen dabei unterstützen, die Entwicklungen, die wir gerade erleben auch nutzen zu können.
    Die drei stARTcamps werden übrigens unterschiedliche Themen haben. Während es in Bern um die Inhalte und dabei besonders um das Thema Storytelling gehen wird, beschäftigt sich das stARTcamp in Essen mit den Technologien, im Mittelpunkt steht dabei das mobile Ökosystem. Wir in Wien versuchen die Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bereichen. Die Ergebnisse der drei stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen

Volkstheater Wien

Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann freuen wir uns, wenn Sie am 21. November dabei sind. Hier noch einmal kurz die Fakten zum stARTcamp Wien

Termin: Montag, 21. November 2016
Uhrzeit: 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00)
Ort: Volkstheater Wien (direkt an U3/U2)
Ticketpreis: 30 Euro (hier geht es zum Ticketshop)
Twitter: @scvie
Hashtags: #scvie, #neustART

Fotocredits: © Volkstheater

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stARTcamp Münster: Sind die Social Media-Aktivitäten im Kunst- und Kulturbereich banal?

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Ich mag Barcamps, weil sie mir viel mehr bringen als klassische Konferenzen. Die Atmosphäre ist viel entspannter, das Programm ist näher am Puls der Zeit, schließlich wird es nicht Monate vorher, sondern erst vor Ort beschlossen und man trifft dort viele bekannte Gesichter. Würde man es negativ ausdrücken wollen, könnte man sagen, es treffen sich dort immer die gleichen Leute, um über die immer gleichen Themen zu sprechen.

Der Vorwurf, in einer Blase zu leben, mag zutreffen, allerdings kommt er meist von den Leuten, die das Internet ablehnen, weil virtuelle Kontakte ihrer Ansicht nach nie das reale Miteinander ersetzen können. Das stimmt auch, für mich ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken nicht Ersatz, sondern Ausgangspunkt dafür, Menschen zu treffen, die ich entweder schon länger nicht mehr gesehen habe oder bis jetzt nur virtuell kenne und nun zum ersten Mal sehe. Deshalb mag ich die „Blase“ stARTcamp auch, egal wo es jeweils stattfindet.

Am Samstag war es wieder in Münster soweit und mein Dank gilt vorab den OrganisatorInnen Sarah Gossmann, Michelle van der Veen und Jan Graefe für die wunderbare Organisation. Sie können es sich sicher auf die eigene Fahne heften, dass es schon Tage vorher keine Tickets mehr gab. Die Bandbreite der Themen war enorm, wir haben uns überlegt, wie man am besten mit dem Bloggen beginnt, wie Twitter funktioniert, wir haben uns aber auch mit dem Thema Museumsselfies, der Customer Journey oder einer vor Ort präsentierten App beschäftigt.

Programm #scms15

So bunt gemischt das Programm auch war und so zufrieden am Ende alle waren, der Vorwurf der Blase ist ernst zu nehmen. Auch wenn in Münster viele zum ersten Mal bei einem stARTcamp dabei waren, dieses Format spricht vor allem die an, die sich bereits mit der Kommunikation im digitalen Raum beschäftigen oder es zumindest vor haben. Im Anschluss an den Impulsvortrag von Christian Gries meinte eine Künstlerin, die vielen über die sozialen Medien initiierten Aktionen wie myRembrandt, #MuseumsWeek oder auch die Tweetups seien banal und würden eh nur immer die gleichen Menschen erreichen.

Ich habe mal nachgeschaut, was banal eigentlich bedeutet. Umgangssprachlich verwenden wir dieses Adjektiv klar abwertend und beschreiben laut Wikipedia damit etwas, das einen lediglich durchschnittlichen Ideengehalt aufweist. Weit interessanter ist aber der Satz, mit dem der Wikipedia-Eintrag beginnt:

„Banal (…) bezeichnete im Lehnrecht eine Sache, die der Lehnsherr seinen Vasallen überlässt.“

Versteht man banal so, könnte der Vorwurf gerechtfertigt sein. Die KünstlerInnen überlassen anderen ihre Kunst. Zu interpretieren wäre diese Geste als eine, die von oben herab geschieht. Die Frage ist dann aber, wer dafür verantwortlich ist, dass etwas banal ist? Sind es die, die sich solche Aktionen ausdenken und einfach nicht das entsprechende Niveau schaffen? Oder liegt die „Schuld“ eher bei den KünstlerInnen, die von oben herab werten, was andere unternehmen, um Kunst zu vermitteln?

Heraus kommt am Ende eine Situation, in der eine Kunst, die ein Stück weit elitär ist, Probleme damit hat, von ihren „Vasallen“ beworben zu werden. Und das in einem Raum, der eigentlich keine Hierarchien kennt und den Vasallen eine Macht gibt, die sie früher nicht hatten. Noch interessanter wird das Thema, wenn man bedenkt, dass die BesucherInnen eines stARTcamps gar nicht die wirklichen Vasallen sind, sondern Mittler zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum. In welche Rolle schlüpfen wir, wenn wir ein Tweetup organisieren? Wie denken eigentlich KünstlerInnen über die Menschen, die sich vor ihren Kunstobjekten in Stellung bringen, ein Selfie schießen und das dann über die sozialen Netzwerke verbreiten?

Vielleicht können wir beim nächsten stARTcamp, das am 25. April in München stattfinden wird, diese Fragen noch einmal aufwerfen und versuchen, Antworten darauf zu finden? Und vielleicht fühlen sich auch KünstlerInnen motiviert, mal so ein stARTcamp zu besuchen? Ich denke, die Diskussion könnte spannend werden.

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#scry14: Wir haben tief gegraben

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Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Sie haben diese Pralinen schon mal gekostet und wissen, dass sie verdammt gut sind. Nun liegt eine vor Ihnen und gleich dürfen Sie sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Sie schmecken vielleicht sogar noch ein wenig besser als Sie es in Erinnerung haben. Und dann ist dieser Moment schon wieder vorbei und es bleibt Ihnen nur, sich auf die nächste Praline zu freuen.

So ähnlich geht es mir mit den stARTcamps und deshalb trifft es sich gut, dass der Produzent dieser Pralinen, das Dortmunder Unternehmen Pott au Chocolat auch Sponsor des stARTcamps RuhrYork ist. Das fand dieses Jahr im Dortmunder U statt, dem Zentrum für Kunst und Kreativität. Ich mag diese Architektur, und diese Dimensionen… wo ist schon so viel Platz für Kunst und Kultur?

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© Hannes Woidich

Die Anreise nach Dortmund war gar kein Problem, weil sich Rouven Kasten netterweise bereit erklärt hatte, mich vom Flughafen abzuholen. Mit der Bahn hätte ich das nach den Unwettern zwar auch irgendwie geschafft. Aber ganz sicher nicht so schnell. So konnte ich bei Tag eins des stARTcamp RuhrYorks dabei sein, an dem wie im letzten Jahr ein Bootcamp auf dem Programm stand. Angekündigt als Angebot für EinsteigerInnen in die Materie, kann man dort auch als „alter Hase“ noch ziemlich viel mitnehmen. Für mich war es zum Beispiel sehr hilfreich, mehr über das Thema Location Based Services zu erfahren. Welche Kultureinrichtungen nutzen denn schon iBeacon beziehungsweise wer weiß denn überhaupt, was das ist? Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann werfen Sie mal einen Blick in dieses Video (bzw. den Text), dort werden Sie sehen, was zum Beispiel Museen damit machen.

Wer nach diesem „Zirkeltraining“ noch nicht genug hatte, konnte beim Treffen der Social Web Investigators dabei sein. Frank Tentler, Gründer dieser Facebookgruppe, hatte zu einem Treffen eingeladen und ein sehr spannendes Programm zusammen gestellt. Gamification, Design und Recht waren die Themen. Altbekannte Gesichter wieder sehen, neue Gesichter kennen lernen, für mich ist der Austausch mit Anderen ein ganz wichtiger Bestandteil solcher Veranstaltungen. Irgendwann machte sich dann bei mir Müdigkeit bemerkbar, ich war ja doch ziemlich früh aufgestanden und wollte am nächsten Tag halbwegs fit sein.

#scry14

An diesem nächsten Tag stand dann das eigentliche stARTcamp auf dem Programm. Perfekt vorbereitet vom Organisationsteam (auch an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön!)

ging es um halb zehn mit Vorstellungsrunde und Sessionplanung los. Das besondere an dieser Vorstellungsrunde: Erlaubt sind der Name und drei Hashtags, mit denen man sich selbst beschreibt oder seine Interessen öffentlich macht. In der Vorbereitung auf diesen großen Moment wählen die TeilnehmerInnen ganz unterschiedliche Vorgehensweisen. Einige verwenden immer die gleichen Hashtags, andere lernen sie davor auswendig oder setzen sich in eine der hinteren Reihen, um sich seelisch darauf vorzubereiten. ;-)

Dann der große Moment: Wer bietet welche Sessions an? Um es kurz zu machen, am Ende standen jede Menge interessanter Themen auf der großen Tafel und es war schwer, sich zwischen den verschiedenen Sessions zu entscheiden. Los ging es für mich mit Christian Holst, der von seinen Erfahrungen mit bezahlten Facebookpostings berichtete (siehe dazu auch seinen Blogbeitrag „Content war King„). Das Opernhaus Zürich pusht auf diese Weise seit einiger Zeit bestimmte Postings und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Dank des Einbau eines Pixels lässt sich sehr genau feststellen, wer von diesem Posting aus in den Ticketshop „wandert“ und dort ein Ticket erwirbt. Die Kosten pro verkauftem Ticket seien auf Facebook wesentlich niedriger als auf allen anderen Kanälen, sagten Holst im Hinblick auf die Aktivitäten seines Opernhauses und stellte die Frage in den Raum, ob es nicht besser wäre, wieder mehr auf Push als auf Pull zu setzen? Eine in meinen Augen spannende Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Ich glaube, wer über eine entsprechend hohe Reputation verfügt, wie zum Beispiel die Oper in Zürich, kann auf diese Weise durchaus erfolgreich sein und die Kosten pro verkauftem Ticket verringern. Eher unbekanntere Kulturbetriebe werden da unter Umständen nicht so gut aussteigen, denn während die UserInnen dem Opernhaus vertrauen und so kurz entschlossen ein Ticket erwerben, muss dieses Vertrauen von den kleineren Betrieben erst aufgebaut werden. Die Konsequenz: Es werden sehr viel weniger UserInnen als Reaktion auf das Posting ein Ticket kaufen, die Kosten pro verkauftem Ticket sind also höher als beim Opernhaus Zürich.

Mit Zahlen und Statistiken ging es für mich weiter. Christian Gries zeigte am Beispiel des internationalen Museumstags, wie sehr sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat. Ein Museum kann es sich heute eigentlich nicht leisten, nur analog aktiv zu sein. Gries beschäftigte sich mit verschiedenen Formaten, unter anderem den Tweetups, und versuchte die Vorteile herauszuarbeiten. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, das ist sein Motto und so versucht er gemeinsam mit den Kulturkonsorten Museen mit Hilfe neuer Formate und aktueller Zahlen davon zu überzeugen, im digitalen Raum aktiv(er) zu werden.

Danach war ich an der Reihe und beschäftigte mich in meiner Session mit den nächsten Schritten im Bereich Social Media Marketing. Hier sind die Folien zu finden, ich werde dazu aber noch ein eigenes Blogpost schreiben.

In der für mich letzten Session des Tages ging es um Vine-Videos. Als Nutzer der ersten Stunde und Anbieter von Workshops zu diesem Tool, das mittlerweile weltweit von 40 Mio. UserInnen verwendet wird, erklärte und zeigte uns Franz-Josef Baldus, wie sich diese maximal sechs Sekunden langen Videos auch für unser Marketing einsetzen lassen.

Fazit: Ich möchte die stARTcamps nicht missen, nicht nur weil man dort so nette Leute trifft, sondern weil ich dort sehr viel Neues erfahre und mich auf hohem Niveau mit anderen ExpertInnen austauschen kann. „Wir haben tief gegraben“ habe ich in Anlehnung an das Motto des stARTcamps RuhrYork dieses Blogpost überschrieben. Hier wurde dieses Mal wirklich tief gegraben un das tolle ist: Hier kann jede/r mitgraben.  Wen ich jetzt neugierig gemacht habe, sollte sich den 27. September 2014 vormerken. An diesem Tag findet in Köln das nächste stARTcamp statt. Von den 30 Early-Bird-Tickets sind im Moment nur noch zwei übrig, aber mit 20 Euro ist das normale Ticket auch nicht wirklich teuer.

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Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

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stARTcamp Essen
© Frank Tentler

„Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten.

Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten.

Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt.

Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen?

Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert.

Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:

„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“

Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind.

Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde.

Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.

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Crowdfunding: Über das Scheitern der stART12

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© Wilhelmine Wulff / Pixelio

stARTconference: time to say goodbye?“ fragte ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag über die Crowdfunding-Kampagne für die stART12 und versprach, die Kampagne zu einem späteren Zeitpunkt zu analysieren. Dieses Versprechen möchte ich nun einlösen und aus meiner Sicht darstellen, warum wir es nicht geschafft haben, das Ziel von 25.000 Euro zu erreichen.

Ausgangspunkt war die Idee, einerseits das Thema Crowdfunding zu pushen und andererseits die Finanzierung der stART12 möglichst frühzeitig sicherzustellen. Mit dem Motto „Navigare“ glaubten wir, den richtigen Aufhänger gefunden zu haben, um eine Geschichte für die Kampagne entwickeln zu können. Fehler Nummer eins: durch die Geschichte wurde die Kampagne zu kompliziert, vor allem bei den Gegenleistungen herrschte ein ziemliches Durcheinander. Statt sie auch noch mit einzelnen Namen auszustatten (Schiffsjunge, Smutje, etc.), hätten wir eigentlich etwas ganz anderes tun müssen, nämlich die Vielzahl der Gegenleistungen radikal zusammenstreichen und uns auf die Gegenleistung Ticketkauf konzentrieren.

Mit den vielen Gegenleistungen erzeugten wir nicht nur jede Menge Verwirrung, sondern machten es uns auch in rechtlicher Hinsicht schwer. Wer unter anderem Tickets, Bücher, etc. anbietet, muss darauf achten, dass er die Spielregeln in Sachen eCommerce einhält und zum Beispiel über eigene AGB verfügt. Dank rechtsanwaltschaftlicher Hilfe haben wir das ganz gut hinbekommen, allerdings wurde die Sache dadurch noch komplizierter: wir bauten ein eigenes Formular, in dem unsere UnterstützerInnen erstens eingeben konnten, mit welcher Gegenleistung sie uns unterstützen und zweitens „gezwungen“ waren, unsere AGB zu bestätigen. Dass wir außerdem das Alter der KonferenzteilnehmerInnen abfragen mussten, ist dem Thema eCommerce geschuldet und interessierte uns für die Konferenz eigentlich nicht wirklich. Dass ich dazu zwei eher erboste Mails bekam, in der ich gefragt wurde, warum ich so etwas überhaupt wissen möchte, kann ich verstehen.

Das Formular gab es aber noch aus einem weiteren Grund: die stARTconference richtet sich an ein Fachpublikum, das zu einem Großteil aus den Kulturbetrieben kommt. Deren Buchhaltung verlangt, dass erst eine Rechnung da sein muss, bevor ein Ticket gezahlt werden kann. Dieses Prozedere widerspricht der Art, wie auf Crowdfunding-Plattformen gezahlt wird und dauert auch häufig länger als die ganze Kampagne. Das bedeutet: die Unterstützungsleistung kann leicht zu spät kommen und zählt dann nicht. In der letzten Woche der Kampagne entwickelte Startnext zwar ein Verfahren, das die Sache etwas leichter hätte machen können, aber da war es dann leider schon zu spät. Womit wir bei Fehler Nummer zwei sind: auch wenn es mittlerweile ein entsprechendes Verfahren gibt (ob und wie es funktioniert, kann ich nicht beurteilen), Crowdfunding ist bei uns zumindest derzeit noch etwas für den B2C-Bereich. Die stART12 über Crowdfunding zu finanzieren war aus heutiger Sicht unsinnig, die Kampagne hätte genau aus diesem Grund eigentlich nicht stattfinden dürfen. Die Zahlungsabläufe in Kulturbetrieben sind mit einer Crowdfunding-Kampagne nicht kompatibel. Mag sein, dass sich das irgendwann einmal ändert, derzeit kann ich niemandem dazu raten, ein Projekt im B2B-Bereich auf diese Weise finanzieren zu wollen.

Kompliziert sind aber nicht nur die Zahlungsabläufe in den Kulturbetrieben, sondern auch beim Crowdfunding, wenn man Hemmungen hat, eine Kreditkarte zu zücken oder mittels PayPal zu zahlen. Die Idee des Crowdfunding erlebt derzeit einen gewaltigen Hype, aber wir müssen uns darüber klar sein, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung ist, ein Projekt auf einer dieser Plattformen zu unterstützen. Ich gebe zu, ich habe dieses Problem unterschätzt, weil ich mich dort zu bewegen weiß und keine fünf Minuten benötige, um ein Vorhaben finanziell zu unterstützen. Nachdem ich aber mitbekommen habe, dass unsere UnterstützerInnen teilweise fast eine Stunde dafür gebraucht haben, gilt es, sich die verschiedenen Transaktionswege genau anzuschauen und sie erstens besser zu erklären und zweitens einfacher zu gestalten. Damit spreche ich nicht nur die PlattformbetreiberInnen selbst an, sondern schließe mich als Projektinitiator mit ein. Zumindest besser informieren hätten wir können.

Zwei weitere Punkte sind in diesem Zusammenhang wichtig: normalerweise muss man sich, bevor man ein Projekt unterstützt, auf der jeweiligen Plattform registrieren, um sich dann für einen der möglichen Zahlungswege zu entscheiden. Angeboten wurden in unserem Fall nach der Registrierung FidorPay, PayPal, Sofort- und Banküberweisung. Das heißt, das Geld wandert auf ein Treuhandkonto, auf das wir selbst keinen Zugriff haben. Wer sich bei unserer Kampagne nicht registrieren wollte, musste sich direkt an mich wenden und bekam von mir den Link zu einem Formular, mit dem er uns ohne Registrierung unterstützen konnte. Diese Formular kam aber auch dann zum Einsatz, wenn jemand vorab eine Rechnung benötigte. Ich fragte auf diese Weise die Rechnungsdaten ab und bekam gleichzeitig, wie oben schon erwähnt, das Okay für die AGB. Das Problem dabei: die Zahlungen, die auf diese Weise bei Startnext eingehen, müssen dem richtigen Projekt zugeordnet werden. Das funktioniert mit Hilfe einer speziellen Transaktionsnummer, die für jede einzelne Überweisung generiert werden muss. Woher die kommt und wer die generiert, das weiß ich, wenn ich ehrlich bin, bis heute noch nicht. Auf meine Nachfragen bei den Plattform-Betreibern bekam ich unterschiedliche Antworten, anfangs waren es Links zu irgendwelchen Videos, die mir nicht wirklich weiter geholfen haben. An dieser Stelle muss ich das Startnext-Team kritisieren, denn sie haben es nicht geschafft, mir klare und eindeutige Informationen zu schicken. Ich denke, ich bin nicht der Blödste, aber dass hier Verbesserungsbedarf besteht, zeigt sich auch darin, dass ich eine meiner Test-Überweisungen für die stART12 bis heute nicht zurückerstattet bekommen habe.

Und warum uns jemand mit einer Einzahlung via PayPal unterstützt hat und noch vor Ende der Kampagne das Geld wieder zurückerhielt, diese Frage wurde mir bis heute auch noch nicht beantwortet. Womit ich beim Service bin. Ich bin, das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, durchaus dafür, dass die Plattformbetreiber eine Provision bekommen, wenn eine Kampagne erfolgreich beendet wird. Die BetreiberInnen stecken Zeit und Geld hinein, warum sollen sie dafür kein Geld erhalten? Startnext verlangt zwar keine Provision, wenn dann aber Mails erst Tage später mit dem Hinweis beantwortet werden, zahlende Kunden hätten Vorrang, dann ärgert mich das und bestärkt mich in meiner Haltung. Aber die verspäteten Antworten sind nicht das Problem, im Moment sind es die unterschiedlichen Bezahlmethoden, die, so man nicht als registrierter User per PayPal zahlt, einfach zu kompliziert bzw. zu schlecht erklärt sind. In meinen Augen ist das Grund Nummer drei, warum unsere Kampagne gescheitert ist.

Dazu kommt: Für uns als Initiatoren der Kampagne war es außerdem eine echte Herausforderung, unsere AGB mit denen von Startnext unter einen Hut zu bekommen. Auch hier sage ich ganz ehrlich: ich bezweifle, ob wir hier trotz Unterstützung durch einen Anwalt wirklich rechtskonform vorgegangen sind. Was mich wundert: viele Projekte bieten eine Vielzahl von Gegenleistungen an, die AGB habe ich aber nirgendwo gefunden. Wo kein Kläger, da kein Richter, aber ob da immer alles mit rechten Dingen zugeht, kann ich mir nicht vorstellen. Aber das soll hier nicht mein Problem sein. Ich habe versucht, mich an die rechtlichen Vorgaben zu halten und bin daran mehr als einmal fast verzweifelt.

Schlussendlich gibt es noch einen vierten Grund, der uns scheitern hat lassen. Er hat mit dem Crowdfunding nur indirekt zu tun, denn uns ist es nicht gelungen, genügend Menschen zum Besuch der stART12 zu motivieren. Das lag meiner Meinung nach einerseits daran, dass wir inhaltlich zu unpräzise waren und somit nicht klar war, was die TeilnehmerInnen in Duisburg erwartet. Andererseits haben wir es verabsäumt, das Format der stARTconference klar genug von den stARTcamps abzuheben. So erfolgreich die stARTcamps sind und so froh wir darüber sind, dass sie in immer mehr Städten stattfinden. Sie sind zur Konkurrenz geworden und es ist klar, dass viele den weiten Weg nach Duisburg scheuen, wenn es um die Ecke ein stARTcamp gibt, bei dem das Ticket nur einen Bruchteil kostet.

Es mag noch einige andere Gründe geben wie das Datum oder die fehlenden Informationen über die SprecherInnen. Aber einen Termin, der alle zufrieden stellt, wird es wohl nie geben und bei der stART10 haben wir in zehn Tagen 100 Tickets verkauft, ohne das jemand Programm oder SprecherInnen kannte. Fakt ist: wir haben abgesehen von den Problemen mit dem Crowdfunding nicht ausreichend zum Besuch der stART12 motivieren können. Wir haben tolle Unterstützung bekommen, wofür ich mich bei allen noch einmal herzlich bedanken möchte. Aber es hat nicht gereicht und deshalb haben wir damit begonnen, ein neues Konzept zu entwickeln. Mehr dazu dann aber in einem eigenen Blogpost. ;-)

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stARTconference: time to say goodbye?

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Vortrag, den Peter Kruse vor der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags hielt. In drei Minuten legte er dar, warum wir gerade revolutionäre Zeiten erleben, mitverursacht durch das, was im Social Web passiert. Ein hoher Vernetzungsgrad, die Möglichkeit, spontan auf etwas zu reagieren und „kreisende Erregungen“ führen zu Selbstaufschaukelungsprozessen, die wir nicht mehr steuern, sondern höchstens erspüren können. Wann diese Selbstaufschaukelungsprozesse stattfinden, lässt sich leider nicht vorhersagen, aber um die, wie es Kruse formuliert, „Resonanzmuster der Gesellschaft“ erspüren zu können, braucht es jede Menge Empathie.

Warum ich Ihnen das erzähle? Das sind die Grundvoraussetzungen, um im Social Web (und auch darüber hinaus) erfolgreich zu kommunizieren, denn wenn wir ehrlich sind, träumen wir alle von diesen Selbstaufschaukelungsprozessen. Natürlich nur im positiven Sinn, den Shitstorm überlassen wir gerne den anderen. ;-) Dass sich mit der Ankündigung einer Veranstaltung nur schwerlich so ein (positiver) Aufschaukelungsprozess initiieren lässt, scheint klar. Begeisterung entsteht eher dort, wo Emotionen ins Spiel kommen, wo wir was zu erzählen haben. Wir können uns freuen, uns ärgern, wir leiden mit und erzählen anderen voller Enthusiasmus, was wir gerade erlebt haben.

So ähnlich ist es uns bis jetzt mit der stARTconference gegangen. Als wir 2008 eine kleine Runde organisieren wollten, gerieten wir schnell in eine Größenordnung, in der wir eigentlich ziemlich überfordert waren. Aber wir machten uns trotzdem voller Begeisterung an die Arbeit und so ein klein wenig wirkte die ansteckend auf andere, denn die Reaktionen auf die stART09 waren großartig, obwohl manches so gar nicht perfekt war. Die Wertschätzung, die wir dabei erfahren durften, hat uns ungeheuer motiviert und so fühlten wir uns immer wieder angetrieben, neue Themen aufzugreifen, neue SprecherInnen einzuladen und so all denen etwas zurückzugeben, von denen wir so viel bekommen haben.

Was also dieses Jahr anders machen? Uns kam die Idee, die Konferenz via Crowdfunding zu finanzieren. In Anlehnung an den 500. Geburtstag Gerhard Mercators, der einen Großteil seines Lebens in Duisburg verbracht hat und durch seine Weltkarte berühmt geworden ist, wählten wir die Seekarte als Metapher für das Erkunden des Social Web. Unser Ziel in Duisburg  wird sein, eine Karte zu entwerfen, die uns das Navigieren im Netz erleichtert und uns zeigt, wohin die Reise gehen kann. Dass es eine Reise mit ungewissem Ausgang ist, hat Peter Kruse bereits klar gemacht. Das heißt aber nicht, sich völlig planlos auf die Reise zu begeben und alles dem Zufall (oder den Launen des Schicksals) zu überlassen. Wer ohne Ziel in See sticht, wird dasselbe nie erreichen können. So ähnlich ist es auch im Netz, denn viele Follower oder Fans sind zwar eine nette Sache, aber kein Ziel. Rechtliche Fragen haben seit dem Aufkommen von Pinterest weiter an Bedeutung gewonnen, was dürfen wir , was dürfen wir nicht? Coca Cola hat seine neue Kommunikationsstrategie vorgestellt, in der es heißt:

„We will move from creative excellence to content excellence.“

So wird deutlich, dass der Konzern nicht nur auf Storytelling setzt, sondern auch die Fans dabei miteinbeziehen möchte. Ob wir dabei auch auf Google+ setzen müssen, ist eine Frage, die es zu beantworten gilt. Und natürlich muss uns die Frage beschäftigen, in welcher Form wir auf das mobile Web setzen sollenmüssen? Macht es Sinn, das iPad in die strategischen Überlegungen miteinzubeziehen, reicht es, eine iPhone-App entwickeln zu lassen oder sind solche Fragen als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem mobilen Web der völlig falsche Ansatz?

Das sind so ein paar Klippen, die es zu umschiffen gilt, auf unserer Karte für die stART12 sind sie bereits eingezeichnet. Und es gilt natürlich der Frage nachzugehen, ob Crowdfunding ein möglicher Ansatz ist, um die fehlenden Gelder der öffentlichen Hand zu ersetzen? Im Fall der stARTconference handelt es sich um keinen Ersatz, denn wir haben noch nie öffentliche Förderungen erhalten. Wir haben viele UnterstützerInnen gefunden, große und  vor allem viele kleine. Am Ende waren und sind wir immer auf die angewiesen, die bei der stARTconference dabei sind, die dazu beitragen, dass aus einer Konferenz mehr wird als eine Aneinanderreihung von Vorträgen. Die das Event zu einem Erlebnis machen.

Ob wir das auch dieses Jahr wieder hinbekommen? Ich weiß es nicht, denn in der ersten Hälfte unserer Crowdfunding.Kampagne haben wir weniger Unterstützung bekommen als erhofft. Von den angestrebten 25.000 Euro sind erst rund 5.000 Euro zusammen gekommen, 3.000 sind es auf der Plattform, der Rest ist dort noch nicht sichtbar, weil es eben etwas kompliziert ist, wenn jemand ein Ticket für die stART12 erwerben möchte und davor eine Rechnung braucht. Ich gebe es ehrlich zu, ich selbst habe Tage gebraucht, um die verschiedenen Abläufe zu kapieren und kann verstehen, dass viele nicht verstehen, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen einer Gegenleistung und einem Ticket ist.

Eigentlich ist es ganz einfach: wenn Sie bei der stART12 dabei sein wollen, dann besteht dazu noch genau 18 Tage die Möglichkeit, ein Ticket zu erwerben und gleichzeitig noch unsere Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen. Sie müssen dazu nur dieses Formular ausfüllen (bei Frage 1 das „Lotsenpaket“ ankreuzen) und für 150 Euro ein Ticket kaufen. Gelingt es uns auf diese Weise nicht, in den nächsten 18 Tagen, die Grenze von 25.000 Euro zu erreichen, dann wird es die stARTconference dieses Jahr nicht geben.

Vielleicht soll es die stARTconference aber auch gar nicht mehr geben? Vielleicht hat sich die Spirale der Begeisterung zu drehen aufgehört und Social Media ist bei uns allen soweit im Alltag angekommen, dass es dazu gar keiner Konferenz mehr bedarf? Vielleicht ist der Weg nach Duisburg zu weit, wo doch in Köln, München, Dresden, Frankfurt und Berlin stARTcamps organisiert werden, die zeigen, dass das stARTuniversum in den letzten Jahren gewaltig gewachsen ist? Vielleicht hat das klassische Konferenzformat ausgedient und wir alle finden viel mehr Gefallen an der Barcamp-Atmosphäre?

Peter Kruse hat von den Selbstaufschaukelungsprozessen gesprochen und in seinem Vortrag festgestellt, dass die Macht von den Anbietern zu den Nachfragern gewandert ist. Wir sind die Anbieter, Sie die Nachfrager. Ob es die stARTconference weiter geben wird, liegt in Ihren Händen. Ich bin gespannt!