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Das Volkskundemuseum als Veranstaltungsort des stARTcamp 2019
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Das Internet als ein demokratischer Diskursort

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Im Vorfeld des stARTcamps habe ich Dr. Matthias Beitl, dem Direktor des Volkskundemuseum Wien, per Email einige Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen für die Gastfreundschaft bedanken. Wir freuen uns, heute bei Ihnen mit dem stARTcamp zu Gast sein zu dürfen. Das Volkskundemuseum ist ein sehr geschichtsträchtiges Museum, es wurde bereits 1895 gegründet. Ich habe in den Jahren, in denen wir mit dem stARTcamp in einer Kultureinrichtung zu Gast waren, fast immer im Vorfeld ein Interview geführt, in dem es um den digitalen Wandel ging. Das empfinde ich bei einem Haus mit so einer langen Geschichte als besonders interessant.

Im Mission Statement kann man nachlesen, dass sich das Haus in der Auseinandersetzung mit seinen Sammlungen mit der Kultur und ihren materiellen Äußerungen beschäftigt. Dabei geht es um Selbst- und Fremdbilder, um Identitäten und Vorstellungswelten sowie um soziale Räume und gesellschaftliche Prozesse. Welche Rolle spielt denn in all diesen Entwicklungen, die Sie beobachten der digitale Raum, der ja vor allem ein sozialer Raum ist, weil er letzten Endes von der Dynamik, der Interaktion lebt?

Der digitale Raum als ein Ort der Versammlung und Auseinandersetzung

Matthias Beitl: Als Museum nützen wir den digitalen Raum, um unsere Inhalte und Haltung zu kommunizieren. Da Museen keine neutralen Orte, sondern Dealer von Wissen und Werten sind, ist der digitale Raum ein wesentlicher Teil der Vermittlungsarbeit. Konkret auf unsere Inhalte bezogen sehen wir den digitalen Raum als einen politischen Raum im Sinne der Agora, als einen Ort der Versammlung und Auseinandersetzung. Das steht jedoch im Gegensatz zu dem „Hassraum“, den bestimmte politische Haltungen durch ihre ideologischen Funken zünden.

Abgesehen davon ist der digitale Raum für uns auch das „Feld“ und somit Teil der Empirie. Dort bilden sich ja gesellschaftliche Prozesse ab, deren spezifische Phänomene sich dann entweder gesamtheitlich oder auch nur zeichenhaft niederschlagen.

Kulturmanagement Blog: Sie verstehen das Museum als einen Ort, an dem gesellschaftliche Diskurse geführt werden. Ich habe den Eindruck, dass wir unsere Diskursfähigkeit mehr und mehr verlieren, obwohl wir immer mehr Kanäle dafür zur Verfügung haben. Wie sehen und erleben Sie die Entwicklung? Hat das Internet neue Diskursräume eröffnet? Oder sind die für den gesellschaftlichen Diskurs gar nicht (mehr) geeignet, Stichwort Filterblase?

Matthias Beitl: Ich glaube an Diskursräume im Internet, aber es ist halt ein emotionales Schreimedium. Im Grunde ist es ein sehr demokratischer Diskursort, in dem sich jede und jeder betätigen kann. Dabei schält sich natürlich die Realität von Charakter, Bildung, sozialer Bedingung heraus. Wir lernen direkter über Wertegefüge von Menschen, zumindest von jenen, die sich äußern.

Allerdings weiß man auch nicht mehr genau, wer dann die maschinengesteuerten Trolle sind und wer noch echt ist, in diesem Raum. Das ruiniert natürlich den Möglichkeitsraum, und wenn Behauptungen mittels Big Data individuell portioniert verabreicht werden, dann sperren wir uns selber ein.

Kulturmanagement Blog: Eva Menasse hat in einem Artikel in der NZZ den Standpunkt vertreten, dass die Digitalisierung unsere Kommunikation zerstört hat und wir nur noch eine personalisierte Öffentlichkeit haben, in der es keinen Streit und keinen Kompromiss gibt. Mark Zuckerberg propagiert gerade den Rückzug ins Private. Wo können wir denn den gesellschaftlichen Diskurs noch führen, wo führen Sie ihn als Museum?

Mitmachen im digitalen Raum ist schon fast demokratische Pflicht

Matthias Beitl: Ohne zu wissen, wie Zuckerberg seinen Rückzug ins Private sieht – und es ist auch egal – macht es schon Sinn, sich genau zu überlegen, wie sehr man „sich interagieren lassen will“. Bezogen auf Diskurse und Haltung meine ich, dass es Zeiten gibt, in denen ein Mitmachen im digitalen Raum fast schon demokratische Pflicht ist. Wenn wir mit Haltung und Körper auf die Demo gehen, sollten wir auch mit Haltung im virtuellen Raum unterwegs sein.

Matthias Beitl, Direktor des Volkskundemuseum Wien
Foto: Inge Prader

Ich finde, unsere Kommunikation ist nicht zerstört. Ich denke an die vielen Interessensgruppen, denen es um Austausch und gemeinsame Interessen geht. Jede und jeder hat mehr Wahlfreiheit, alle sind Autorinnen und Autoren – wir sollten darauf Bedacht nehmen, was das bildungspolitisch heißt. Selbst wenn die medialen Inhalte immer kürzer und bildhafter werden, müssen wir uns zu jeder Zeit über die Auswirkung unseres Beitrags auf das Gesamtsystem im Klaren sein – das ist eine Verantwortung.

Kulturmanagement Blog: Wenn die sozialen Netzwerke angeblich out sind, nutzen Sie Facebook & Co überhaupt (noch)?

Facebook und Instagram als kommunikative Primärflächen

Matthias Beitl: Für uns sind Facebook und Instagram kommunikative Primärflächen, da wir kein Geld für klassische Werbeflächen haben. Da wir aber an so etwas wie einer polyphonen Institution arbeiten, wollen wir uns bemühen, weitere Kanäle – wie zum Beispiel Twitter – zu erschließen und laden auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, als Botschafterin und Botschafter des Museums im digitalen Raum unterwegs zu sein. Hier geht es um Fragen der gemeinsamen Haltung und des individuellen Sprechens darüber.

Kulturmanagement Blog: Sie sind ein Museum jenseits des Spektakulären. Wie schafft man es in einer Zeit, wo nur Superlativen zu zählen scheinen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und sie nicht sofort wieder zu verlieren?

Matthias Beitl: Wir machen Projekte, weil sie uns wichtig erscheinen. Wir arbeiten im Sinne einer Plattform mit vielen externen Initiativen zusammen, weil wir meinen, dass sie notwendig sind. Jenseits der Superlative lebt es sich interessanter, freier, herausfordernder, und die Effekte der eigenen Arbeit sind direkter ablesbar. Es ist ein persönlicheres Erlebnis, jenseits der Spektakulären, und ich glaube, dass Menschen solche kleinen übersichtlichen Räume mögen und brauchen.

Kulturmanagement Blog: Welche Kanäle nutzen Sie für Ihr Marketing und wieviel Zeit planen Sie für Ihre Onlineaktivitäten ein?

Matthias Beitl: Zurzeit nutzen wir Facebook und Instagram als Museum und durch ein paar von uns, die persönlich rund herum aktiv sind. Mit Newsletter arbeiten wir natürlich auch, außerdem legen wir großen Wert auf die Aktualität und Qualität unserer Homepage. Die Frage nach der Zeit ist schwierig, das hängt sehr von der Dichte des Programms ab. 10-20 Stunden pro Woche werden es wohl sein.

Kulturmanagement Blog: Und zum Schluss noch eine Frage, die ich anderen Kultureinrichtungen auch schon gestellt habe: Verändern sich durch die Digitalisierung Prozesse und Strukturen in Ihrem Museum?

Matthias Beitl: Ja sicher, beispielweise die Archivarbeit. Bei einer Sortierung und Aufarbeitung des Archivs werden viele interessante Inhalte zu Tage gefördert. Für ein Storytelling aus diesem Fundus sind digitale Kanäle bestens geeignet. Und dann ist da noch der ganze Sammlungsdigitalisierungsbereich, die Online Sammlungen, das Online Repositorium unseres Verlags, etc. Im Rahmen unserer Möglichkeiten sind wir schon mitten in der Digitalisierung.

Kulturmanagement Blog: Danke für Ihre Antworten!



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Über die Anfänge meiner Netzbiografie

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Zwei Wochen vor dem stARTcamp hier in Wien haben die Kulturfritzen zur Blogparade „Wie wir das Analoge und das Digitale verknüpfen können“ aufgerufen, die nach unserem Weg ins Netz fragt. Unter dem Hashtag #MeinWeginsNetz stellt Anne Aschenbrenner in der Zeit bis zum #scvie19 sieben Fragen über unser Leben im Netz. Wer sie alle beantwortet, blickt am Ende auf so etwas wie eine Netzbiografie.

Begonnen hat es mit MS-DOS und GW-BASIC

Mein Weg ins Netz hat eigentlich recht lange gedauert, wobei ich mich leider an viele Dinge nicht mehr so wirklich erinnern kann. Mitte der 1980er Jahre schaffte ich mir während des Studiums meinen ersten Computer an. Es war ein Windows-Rechner und so begann ich mich mit MS-DOS und GW-BASIC zu beschäftigen. Ich glaube, ich hätte das gar nicht tun müssen, aber da ich des öfteren mit dem Kasten kämpfen musste, glaubte ich irgendwann, diese Probleme durch Programmierung lösen zu können.

Von HombreDHojalata – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es

Das Internet war damals für mich noch gar kein Thema, ich war schon froh, dass ich nun meine Arbeiten an der Uni nicht mehr mit der Schreibmaschine tippen musste. Der Zeitgewinn war enorm, ich war begeistert. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich mein erstes Referat mit Hilfe von, ich glaube, Word 2 fertig geschrieben hatte. Ich ahnte aber noch nicht, dass mir die größte Prüfung noch bevorstand.

Der Kampf mit dem Nadeldrucker

Nun musste ich die Arbeit natürlich noch ausdrucken. Ausgestattet mit einem 9 Nadeldrucker und Endlospapier machte ich mich an die Arbeit. Das typische Geräusch des Druckers habe ich heute noch im Ohr. Wer es nicht kennt, kann sich dieses Video „anhören“. ;-) Ich brauchte fast die ganze Nacht dafür, weil der Drucker das Papier so bedruckte, wie er es wollte. Mal begann er erst irgendwo im ersten Drittel der Seite oder er hörte in der Mitte der Seite auf. Irgendwann gegen 3 oder 4 Uhr war ich dann fertig.

Meine Magisterarbeit habe ich übrigens auch mit dem Computer geschrieben. Abgespeichert habe ich sie auf Diskette, die auch noch irgendwo in einer Schachtel liegt. Aber die heutigen Programme können die Umlaute nicht entschlüsseln, weshalb ich froh bin, auch noch ein gebundenes Exemplar zu besitzen.

Die typischen Geräusche eines Modems

Erst Mitte der 1990er Jahre begann ich mich für das Internet zu interessieren. Wobei es anfangs eigentlich nur die Email war. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich Kunde des 1994 von Klaus Matzka gegründeten Internet-Providers magnet wurde. Eigentlich war es nur ein Mailboxsystem, das mit Hilfe einer grafischen Oberfläche als magnet city verkauft wurde. Ich musste natürlich in kurzen Abständen meine Mailbox checken, was nicht so einfach war, denn man musste sich mit Hilfe eines Modems, das mit der Telefonleitung verbunden war, einwählen. An mein erstes Modem kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber später war es das Gerät, das Sie oben auf dem Titelbild sehen können. Und so klang es, wenn man sich einwählte:

Dank der Blackbox-Community fand ich den Weg aus der Mailbox heraus. Blackbox war Mitte der 1990er Jahre die wohl größte Online-Community für Politik und Jugendkultur. Im Wikipedia-Artikel heißt es:

Am Höhepunkt ihres Erfolgs gegen Ende 1997 hatte die Blackbox um die viertausend aktive User und galt als wesentlicher Baustein der österreichischen Zivilgesellschaft.

Viertausend Nutzer galten damals noch als das Nonplusultra, wie haben sich die Zeiten doch geändert. Mit der Zeit wurde dann natürlich auch das WWW interessant, spannend war für mich vor allem das Videoformat. Aber man musste sich die Videos noch richtig verdienen. Viele werden wissen, was ich meine: Das Video war ungefähr so groß wie eine Briefmarke und nach ungefähr einer Minute Ladezeit bekam man dann gefühlte zehn Sekunden Video zu sehen.

Von den nächsten Jahren ist mir nur sehr wenig in Erinnerung geblieben. Ich war froh, dass nach der Jahrtausendwende immer mehr Unternehmen eine Homepage hatten, denn für die Suche nach Sponsoren machten sie das Telefonbuch überflüssig. Das von Wien hatte ich zu Hause, klar. Aber an die anderen kam man nur heran, indem man zu einer Postfiliale ging und dort hoffentlich das richtige Telefonbuch fand. Wie leicht war das im Internet!

Ein Blog muss her!

Mit dem Anwachsen des Internets wuchs natürlich auch die Chance, interessante Inhalte im Netz zu finden. Um das Jahr 2005 herum entdeckte ich Blogs zum Thema Kulturmanagement, allerdings waren sie alle im amerikanischen Raum angesiedelt. Ich war von der Idee, das eigene Wissen online mit anderen Menschen zu teilen total fasziniert und wusste: Das will ich auch!

So beschloss ich, es auch mit einem Blog zu versuchen. Natürlich musste mein Blog unbedingt das Wort „Kulturmanagement“ in der Domain haben. Nur war da leider gar nichts mehr frei. Zum Glück startete damals die Forma Automattic ihren Bloghosting-Dienst WordPress.com. Hier ein Blog anzulegen kostete erstens nichts und zweitens war auch noch die Subdomain kulturmanagement.wordpress.com frei.

Der Plattform WordPress.com bin ich bis heute treu geblieben. Ich habe zwar mittlerweile eine eigene Domain, aber das Blog liegt immer noch auf den WordPress.com-Servern. Den Rest der Geschichte können Sie dann hier auf diesem Blog nachlesen, das ich seit Ende 2006 betreibe. Aus SEO-Gründen sollte ich eigentlich ein ganz neues Blog beginnen. Aber dieses Blog ist vermutlich das wichtigste Teil meiner Netzbiografie. Deshalb mag ich es nicht aufgeben.

Ein Video als Zeitdokument

Zum Schluss möchte ich noch einmal in die 1990er Jahre zurückspringen und auf ein Video verlinken (einbetten lässt es sich leider nicht), mit dem 1997 Josef Broukal das Internet erklärte. In meinen Augen ist es ein großartiges Zeitdokument, das zeigt, was in den letzten 20 bis 25 Jahren eigentlich alles passiert ist.

Titelbild: Frédéric Bisson, Flickr (CC BY 2.0)

Am 2. Juli findet im Volkskundemuseum Wien das #scvie19 statt
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Save the Date! #scvie19 am 2. Juli im Volkskundemuseum Wien

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Im letzten Jahr haben wir das stARTcamp Wien erst sehr spät angekündigt, heuer geht das alles etwas schneller. Anne Aschenbrenner und ich freuen uns über die Einladung des Volkskundemuseums und so geht am 2. Juli dort das #scvie19 über die Bühne. Ich persönlich freue mich auf das bereits sechste stARTcamp hier in Wien und bin sehr dankbar, dass sich mit dem Volkskundemuseum wieder eine Kultureinrichtung gefunden hat, die uns dabei unterstützt, indem sie uns ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank dafür!

So wie im letzten Jahr soll es wieder ein stARTcamp im klassischen Barcamp-Format geben, allerdings mit einer Einschränkung: Wir möchten gerne ein paar Expertinnen und Experten einladen, die sich mit dem Thema „digital gap“ beschäftigen, das wir dem #scvie19 als Motto voranstellen.

Digital Gap: Eine digitale Kluft gibt es in vielen Bereichen

Laut Wikipedia beschreibt dieser Begriff

„Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie, insbesondere dem Internet“.

Anne und ich sehen diese digitale Kluft in ganz verschiedenen Bereichen. Es gibt zum Beispiel gesellschaftliche Veränderungen, die durch neue Technologien angestoßen werden. In vielen Bereichen unseres täglichen Lebens werden mehr und mehr digitale Prozesse eingeführt. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die verschiedenen Bereiche in unserer Gesellschaft, was bedeutet das zum Beispiel für die gesellschaftliche Teilhabe (siehe dazu die Cap Gemini-Studie Gesellschaft 5.0 – Implikationen der Digitalisierung)?

Digital Gaps tauchen aber auch im Kulturbereich auf, wenn man etwa das Potenzial bestimmter technologischer Entwicklungen betrachtet und dann eine recht große Diskrepanz zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit konstatieren muss. Eine – meist sehr große – digitale Kluft gibt es oft auch zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kultureinrichtungen. Einige kennen sich sehr gut aus, gelten aber eher als Exoten, während die Mehrheit oft froh ist, sich nicht mit digitalen Themen und Entwicklungen auseinandersetzen zu müssen.

Was bedeutet die Digitalisierung für das Verhältnis Kultureinrichtung – Publikum?

Oft ging es in der Vergangenheit bei den stARTcamps um die Frage, wie die technologischen Entwicklungen die Kommunikation zwischen Kulturbetrieb und Publikum beeinflussen. Auch beim #scvie19 werden wir natürlich dieser Frage nachgehen. Dabei sollte es aber nicht nur um Tipps und Tricks für die Nutzung sozialer Netzwerke gehen. Zu überlegen ist auch, was die Digitalisierung im Hinblick auf die Arbeitsplätze für eine Bedeutung hat. Wie groß ist die Gefahr, dass Arbeitsplätze auch im Kulturbereich verschwinden und wie gehen wir als Gesellschaft mit dem Wegfall vieler Arbeitsplätze um? Ist das bedingungslose Grundeinkommen eine Lösung, wenn nicht mehr genügend bezahlte Arbeitsplätze zur Verfügung stehen?

Kultureinrichtungen müssen sich aber auch fragen, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Kommunikation mit dem Publikum hat. Was ist mit den Menschen, die keine Emailadresse haben, nicht in sozialen Netzwerken vertreten sind, ja, nicht einmal einen Computer besitzen? Verschicken wir weiter per Post Programmhinweise und Einladungen, obwohl die Kosten dafür relativ hoch sind? Oder sind uns die „Nicht-Besucher“ wichtiger, die wir mit Hilfe digitaler Formate zu „ködern“ versuchen?

Dies sind nur ein paar Fragen, um die es beim #scvie19 im Volkskundemuseum gehen kann. „Kann“ deshalb, weil Anne und ich ja nur das Thema vorgeben können (und wollen), der Rest kommt von Ihnen. Wenn Sie sich jetzt fragen, was ich damit meine und noch nie bei einem Barcamp bzw. einem stARTcamp dabeigewesen sind, dann empfehle ich Ihnen einen Blogbeitrag aus dem letzten Jahr, in dem ich versucht habe, die Frage, was ein stARTcamp ist, zu beantworten.

Die wichtigsten Infos zum #scvie19 in aller Kürze

Hier noch einmal die wichtigsten Infos zum stARTcamp Wien

  • Wann? Am 2. Juli 2019
  • Wo? Im Volkskundemuseum Wien (Laudongasse 15–19, 1080 Wien)
  • Wie kommt man hin? Mit den Straßenbahnen 5, 43 und 44.
  • Wann geht es los? 9 Uhr
  • Wann hören wir auf? 17:30
  • Wann und wo gibt es Tickets? Der Ticketkauf hat begonnen, hier können Sie die Tickets online erwerben.
  • Was kostet das Ticket? Die Tickets kosten 45 Euro, damit bezahlen wir vor allem das Catering und all die Kleinigkeiten, die für diesen Tag nötig sind. Die Räumlichkeiten stellt uns netterweise das Volkskundemuseum zur Verfügung.
stARTcamp Wien
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Was ist ein stARTcamp und warum sollten Sie dabei sein?

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Jetzt sind es nur noch 11 Tage bis zum stARTcamp Wien. Nach den vielen Feiertagen möchte ich jetzt noch einmal ordentlich die Werbetrommel rühren, denn bis jetzt haben viele, so mein Eindruck, noch gar nicht mitbekommen, dass es am 2. Juli wieder soweit ist. Wie aber bewirbt man eigentlich ein stARTcamp? Was ist das überhaupt und warum sollte man dorthin gehen?

Die wichtigsten Informationen habe ich ja bereits vor einiger Zeit in einem eigenen Blogbeitrag gepostet. Ein Facebookevent ist erstellt und über die Twitterkanäle informiere ich auch immer wieder. In Rückmeldungen taucht immer wieder die Frage auf, was denn ein stARTcamp eigentlich sei. Den Namen haben wir in Anlehnung an die stARTconference gewählt, eigentlich versteckt sich hinter dem stARTcamp ein Barcamp. Während bei einer Konferenz im Vorfeld ein Programm zusammengestellt wird, mit dem die Veranstaltung beworben wird, ist das bei einem Barcamp nicht der Fall. Wikipedia beschreibt dieses Format als „eine offene Tagung mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden“.

Was ist ein stARTcamp?

Im Unterschied zu einer Konferenz steht bei einem stARTcamp, das nach dem Barcamp-Prinzipien funktioniert, das Programm also nicht von Anfang an fest. Würde ein stARTcamp nach den Regeln einer klassischen Konferenz – eine SprecherIn, viele ZuhörerInnen – funktionieren, wäre der Einwand, man kauft die Katze im Sack, zutreffend: Ich kaufe ein Ticket, weiß aber noch nicht, wer zu welchen Themen etwas erzählen wird und hoffe, dass mich das dann interessiert. So ein Wagnis gehen wohl die wenigsten von uns ein.

Aber ein stARTcamp funktioniert eben nicht wie eine Konferenz. Ich bin nicht Konsument, sondern ein ganz entscheidender Teil dieses Formats. Wenn ich nur darauf warte, was dabei herauskommt, dann bin ich davon abhängig, was andere anbieten. Das finde ich, wenn überhaupt, heraus, indem ich auf die Liste der Sessionvorschläge schaue, die meist im Vorfeld veröffentlicht werden. Ich habe die Liste für das #scvie19 heute erstellt und meinen Sessionvorschlag dort eingetragen. In dieser Liste können Sie sehen, wer welche Themenvorschläge gemacht hat und danach entscheiden, ob Sie die Veranstaltung interessiert oder nicht.

Aber so ganz optimal ist diese Idee nicht, denn dann müssten Sie warten, bis wirklich alle, die eine Session gestalten möchten, ihren Themenvorschlag auf die Liste setzen. Das passiert aber eigentlich nie. Viele Themenvorschläge erfolgen erst in der Eröffnungssession. Wenn Sie so vorgehen, werden Barcamps für Sie schnell zur Enttäuschung. Oder Sie gehen nie zu einem hin. ;-)

Warum stARTcamps auch heute noch so wichtig sind

Sie können aber auch Ihre Erwartungshaltung verändern und genau das wäre auch mein Wunsch für dieses stARTcamp. Ich glaube, dass der Erfolg eines Barcamps davon abhängt, wie aktiv die TeilnehmerInnen sind. Es ist, wie gesagt, keine Konferenz, sondern ein partizipativeres Format. Eben weil das klassische Konferenzformat schnell ermüdend wirkt, wurden die Barcamps erfunden. Sie leben von der Bereitschaft der TeilnehmerInnen, sich auf das Thema und die anderen einzulassen. Sie müssen keine ExpertIn sein, um sich vor die anderen zu stellen und eine Session zu halten. Die umgekehrte Variante ist auch möglich: Sie wollen etwas wissen und um Sie herum sitzen Menschen, die Ihnen weiterhelfen können.

Deshalb können Sie in die Liste auch Themenvorschläge eingeben, also Themen, zu denen Sie nichts vortragen, sondern etwas darüber lernen wollen. Vielleicht interessiert Sie die Frage, was das Aufkommen des Dark Social für Ihr Marketing bedeutet. Oder ob eine Progressive Web App sinnvoller als eine native App ist. Unter Umständen gibt es darauf keine eindeutigen Antworten. Aber Sie können sich mit anderen austauschen und herausfinden, wie die mit diesem Thema umgehen. Oder nehmen wir Facebook, Instagram, Twitter… es gibt doch viele Dinge, die uns umtreiben.

Ich sehe im digitalen Raum eine Entwicklung, in der wieder verstärkt alle gegen alle kämpfen. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, das sind alte Verhaltensmuster. Warum die Netzwerke nicht als das nutzen, was sie sind, Netzwerke? Und genau aus diesem Grund sind Barcamps oder stARTcamps auch heute noch so wichtig. Der Netzwerkgedanke scheint gerade etwas in den Hintergrund zu treten.

Nun wird sich vielleicht jemand fragen, was denn passiert, wenn es keine Themen gibt? Ich fürchte mich vor vielen Dingen, aber vor einem ganz sicher nicht: Dass uns die Themen ausgehen. :-) Aber trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass am Ende nichts dabei herauskommt. Ich habe das zwar noch nie erlebt, aber dieses Risiko ist der Preis dafür, dass Barcamps der Versuch sind, die Wünsche und Bedürfnisse der TeilnehmerInnen in den Vordergrund zu stellen. Haben die keine beziehungsweise artikulieren sie nicht, habe ich keine Chance, ein Scheitern droht.

Ich kann dieses Risiko zwar nie ganz ausschließen, aber ich kann es auch als TeilnehmerIn minimieren. Indem ich einfach das Thema vorschlage, das mich interessiert. Ich muss die Session ja nicht selbst oder alleine halten. Aber es ist ein erster Schritt, um zu verhindern, dass mir die Veranstaltung nichts bringt. Und es ist vielleicht auch die Chance, sich mit anderen zusammen zu tun, die sich mit gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen. Am 2. Juli haben Sie die Chance dazu, da findet das stARTcamp Wien (in diesem Beitrag finden Sie alle Infos) im Volkskundemuseum statt.

Hier gibt es die Tickets. ;-)

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stARTcamp Wien: Am 15. Juni sind wir in der Kunsthalle im Museumsquartier zu Gast

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Credit: Kunsthalle Wien Museumsquartier, © Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff Lange hat es gedauert, aber nun ist es soweit: Ich freue mich, die 5. Ausgabe des stARTcamp Wien ankündigen zu dürfen. Am 15. Juni 2018 sind wir zu Gast im Museumsquartier in der Kunsthalle Wien (Museumsplatz 1, 1070 Wien), also genau an dem Ort, wo wir am 23. August 2013 begonnen haben (siehe dazu die Ankündigung des stARTcamps hier im Blog). Nachdem wir im letzten Jahr sehr gute Erfahrungen mit dem World-Café gemacht haben und zu interessanten Ergebnissen gekommen sind (siehe dazu: „Rückblick auf das stARTcamp Wien„), konzentrieren wir uns 2018 wieder auf das gute alte Barcamp-Format mit vielen spannenden Sessions. Wir, das sind dieses Mal Anne Aschenbrenner und ich. Zusammen haben wir das #scvie18 unter das Motto „Engage your Audience“ gestellt. Wir beide sind der Ansicht, dass es für die Kultureinrichtungen nicht nur darum geht, möglichst viele Fans oder Follower zu haben, sondern um die Frage, welchen Wert ihre Beziehung mit den UserInnen bzw. BesucherInnen hat. Die Grafik soll veranschaulichen, warum ich die Änderungen im Facebook-Newsfeed vor allem als Chance sehe. In meinem Beitrag „Social Media: Engagement statt Interaktion“ für das Kulturkonzepte-Blog habe ich beschrieben, wie der Weg zu einer qualitativ sich ständig weiter entwickelnden Beziehung aussehen kann. Mit diesem Weg wollen wir uns am 15. Juni in der Kunsthalle Wien beschäftigen. Ist der Aufbau einer Community ein sinnvoller Ansatz? Helfen mir dabei Apps und Chatbots? Um diese und noch viele anderen Fragen in diesem Kontext soll es am 15. Juni in der Kunsthalle Wien gehen. Ob wir darauf auch Antworten erhalten, hängt von Ihnen ab. Sie selbst tragen zum Erfolg des stARTcamps bei. Lehnen sich alle bequem zurück und lassen sich berieseln, dann wird es ein fader Tag. Aber keine Sorge, die vergangenen stARTcamps waren nie langweilig. Es gab interessante Sessions, genügend Freiräume, um sich kennenzulernen und auszutauschen sowie ein gutes Catering. All das wird es auch dieses Jahr wieder geben, mit 35 Euro sind Sie dabei. ;-) Eventbrite - stARTcamp Wien Ein weiterer Grund für dieses Thema ist für uns das Europäische Kulturerbejahr, das es dieses Jahr zu feiern gilt. Auf der Website des Bundeskanzleramts, in dem Kunst und Kultur zu Hause sind, kann man nachlesen, dass
„mit dem Themenjahr (…) das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft und das Gefühl einer europäischen Identität gestärkt werden (soll).“
Das Ziel sei es außerdem, die Rolle des Kulturerbes für die Gesellschaft und Wirtschaft aufzuzeigen und die Bedeutung von dessen Erhaltung, Schutz und Zugänglichkeit hervorzuheben, heißt es dort weiter. Mit Hilfe von partizipativen Ansätzen sollen alle Mitglieder der Gesellschaft und hier besonders junge Menschen angesprochen werden. Auch hier heißt es: „Engage your Audience“, um gemeinsam Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu bauen. Aber wie funktioniert das im digitalen Zeitalter, in dem praktisch alles gespeichert und aufbewahrt wird? Welche Rolle spielen dabei Archive oder Museen, wenn doch alles digital verfügbar ist? Brauchen wir diese Institutionen noch oder reicht ein Supercomputer mit ausreichend Speicherplatz? Um diesen Fragen genügend Raum zu geben, lädt das ORF-Dialogforum schon einen Tag vorher, am 14. Juni zu einer Diskussionsveranstaltung ein, die den Titel „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ trägt. Sie beginnt um 19 Uhr und findet im Studio 3 des Radiokulturhaus in der Argentinierstraße 30a in 1040 Wien statt. Die Teilnahme daran ist kostenlos, die Anmeldung ist ab sofort per Mail unter praesentation@orf.at möglich. Mit dieser Veranstaltung soll der Versuch unternommen werden, einen Rahmen zu schaffen für die Abläufe, die in obiger Grafik abgebildet sind. Ich beziehe mich in diesem Zusammenhang gerne auf den von den beiden Kulturwissenschaftlern Aleida und Jan Assmann geprägten Begriff des kulturellen Gedächtnisses. Es ist nicht nur in uns Menschen angesiedelt, wie etwa das individuelle und das kollektive Gedächtnis, sondern es „objektiviert sich auch in Dingen wie Texten, Symbolen oder Bildern“, so Jan Assmann. Mit der Hilfe dieser Artefakte, wie beide es nennen, schützen sich die Gesellschaften vor dem Vergessen. Die Konservierung und Pflege der kulturellen Artefakte ist daher eine wichtige Voraussetzung für die Wirkungsweise unseres kulturellen Gedächtnisses. Aber wie sieht Vergessen aus in einer Zeit, in der alles digital abgespeichert werden kann und wird? Können wir überhaupt noch vergessen? Und wie ist es möglich, sich an etwas zu erinnern, das ich noch nie vergessen habe? Was bedeutet das für ein Europäisches Kulturerbejahr, in dem das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte geschärft werden soll? Den Rahmen dafür stecken wir in der ORF-Diskussionsveranstaltung „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“ ab. Mit der Frage, wie Kultureinrichtungen und die digitalen und analogen BesucherInnen dabei miteinander vorgehen, wie sie Beziehungen aufbauen um füreinander Mehrwerte zu schaffen, beschäftigen wir uns dann am 15. Juni in der Kunsthalle Wien (im Museumsquartier) beim stARTcamp. Ich würde mich freuen, wenn Sie bei beiden Veranstaltungen dabei sind, hier noch einmal die wichtigsten Infos:
  • ORF-Dialogforum:
    • Thema: „Kulturelles Erbe: Macht das digitale Gedächtnis Erinnerung überflüssig?“
    • Datum: 14. Juni 2018
    • Beginn: 19 Uhr
    • Ort: Radiokulturhaus, Studio 3 (Argentinierstarße 30a, 1040 Wien)
    • Anmeldung: per Mail an praesentation@orf.at
    • Kosten: Die Teilnahme ist kostenlos
 
  • stARTcamp (#scvie18):
    • Thema: Engage your Audience“
    • Datum: 15. Juni 2018
    • Beginn: 9:30 Uhr (Einlass ab 9 Uhr)
    • Ort: Kunsthalle Wien im Museumsquartier (Museumsplatz 1, 1070 Wien)
    • Tickets: online auf der Plattform Eventbrite
    • Kosten: 35 Euro
 
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Rückblick auf das stARTcamp Wien

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Bild: ©www.lupispuma.com Ich überlege schon seit einiger Zeit, wie ich auf das stARTcamp zurückblicken und welche Schlussfolgerungen ich daraus ziehen soll. Und da ich bis heute nicht zu einem wirklichen Ergebnis gekommen bin, schreibe ich meine Gedanken dazu einfach mal zusammen. Fangen wir mit der Location an: Die Rote Bar im Volkstheater Wien ist natürlich ein Traum gewesen und ich bin dem Haus und besonders Lena Fuchs sehr dankbar, dass wir dort zu Gast sein durften. Wenn Sie nicht selbst dabei waren, vermitteln die Fotos von Karola Riegler sehr schöne Eindrücke. Erstens vom Haus und zweitens vom stARTcamp selbst. Auch Dir Karola sage ich danke, dass Du das stARTcamp wieder mit der Kamera begleitet hast. Das Essen war super, RITA bringt’s hat das Essen nicht nur einfach gebracht, sondern auch gut gekocht.
Um aus diesen Zutaten ein stARTcamp zu machen, braucht es ein Team. Ich bedanke mich bei Anne Aschenbrenner, Barbara Royc und Michael Wuerges, dass ich mit ihnen zusammen die vierte Ausgabe des #scvie organisieren durfte. Ohne sie hätte es vermutlich das Experiment mit dem World-Café nicht gegeben. Ich spreche bewusst von einem Experiment, denn die Sache hätte ja auch schiefgehen können. Das ist sie zum Glück nicht, aber ich sehe die Sache ähnlich kritisch wie Anne Aschenbrenner in ihrem Rückblick auf das stARTcamp. Wir reden oft über neue Technologien und den Content, der mit deren Hilfe unter die Leute gebracht werden soll. Der Kulturbetrieb selbst, der diese Aufgabe möglichst gut lösen soll, wird aber dabei in der Regel vergessen. Häufig ist dann von der Unternehmenskultur die Rede, die geändert werden müsse. Nur wie ändere ich diese „Kultur“ eigentlich? In meinem Beitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich auf ein Modell verwiesen, um zu zeigen, welche Stellschrauben es eigentlich gibt. 7S Modell Unsere Idee war es, im Rahmen des World-Café drei Fragen zu stellen, die sich auf den oberen Teil der Grafik, konkret auf die Bereiche Strukturen und Prozesse beziehen sollten. Unsere Fragen lauteten:
  • Welche Strukturen wünsche ich mir für meine Arbeit?
  • Welche Prozesse und Arbeitsabläufe brauche ich, um meine Arbeitsziele zu erreichen?
  • Was kann ich tun, um Veränderungen von Strukturen und Prozessen herbeizuführen?
Anne kritisiert in ihrem Beitrag, dass die ersten beiden Fragen zu ähnlich gewesen seien, denn es zeigte sich, dass an den meisten Tischen nicht zwischen Struktur und Prozess unterschieden wurde. So gibt es bei den Antworten auf die ersten beiden Fragen viele Übereinstimmigkeiten. Fangen wir mit der Frage nach den Strukturen an, die wir uns für unsere Arbeit wünschen. Hier sehen Sie die Flipchartblätter aller sieben Tische:

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Nachdem Sie vermutlich Probleme haben werden, die Punkte zu entziffern, habe ich alle Beiträge auf den Flipchartblättern in einem Excel-Sheet zusammengefasst. Beachten Sie bitte, für jede Frage gibt es ein einzelnes Sheet, Frage 1, Frage 2 und Frage 3. Hier sind die Tischergebnisse zur Frage 2:

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Unsere Idee war es, sich bei diesen beiden Fragen nicht unbedingt an der Realität zu orientieren, sondern in den „Wunschmodus“ zu gelangen. Mit Hilfe der dritten Frage sollten diese Wünsche dann „geerdet“ werden, es ging um die Frage, was wir selbst tun können, um diesen Wunschvorstellungen aus eigener Kraft ein Stück näher zu kommen. Anne Aschenbrenner schreibt in ihrem Beitrag, die dritte Frage wäre zu „pädagogisch angeleitet“. Ja, natürlich ist sie das, die Fragen richtig zu formulieren, ist sicher mit die größte Herausforderung bei diesem Format. Aber irgendeinen Plan muss man ja haben, wenn man Fragen stellt. Ich denke, diese „pädagogische“ Herangehensweise passt ganz gut. Mich stört eher, dass wir es nicht geschafft haben, mit Frage eins und zwei auf die Ebene der Wunschvorstellungen zu kommen. Ich hätte mir gewünscht, dass hier beispielsweise gefordert wird, bestehende Strukturen aufzubrechen und nur noch in Projektteams zu arbeiten. Und jedes Team bekommt eine Art Kommandozentrale, in der gemeinsam gearbeitet wird. Nicht geschafft haben wir es anscheinend auch, die Unterschiede zwischen Struktur und Prozess herauszuarbeiten. Viele der genannten Punkte finden sich sowohl als Statement zu Frage eins und zwei. Trotzdem sind die Ergebnisse hochinteressant, denn sie zeigen ein hohes Maß an Übereinstimmung, was in Kulturbetrieben geändert gehört. Und es kommen jede Menge konkrete Vorschläge, wie diese Änderungen angegangen werden könnten. Klar ist auch, dass es hier nicht ausschließlich um das Thema Social Media geht. Klar, der Wunsch, einen Redaktionskalender zu haben, bezieht sich auf die Social Media-Aktivitäten, aber der Wunsch, abteilungsübergreifend zu arbeiten, zeigt schon, dass der Wunsch vorhanden ist, das Potenzial des ganzen Hauses zu nutzen und alle ins Boot zu holen. Und was können wir selbst tun, um unsere Wünsche wahr werden zu lassen? Die Antworten darauf sind oft sehr mutig und selbstkritisch, wie die einzelnen Blätter zeigen:

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Ich würde mich über Reaktionen bzw. Rückmeldungen zu diesen Ergebnissen freuen, werde mich aber selbst auch noch weiter damit beschäftigen. Nach dem World-Café war die Spannung dann ein wenig raus, sei es durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema oder weil so ein Mittagessen schnell müde macht. Wir hatten uns erhofft, dass am Nachmittag die Chance genutzt wird, ausgehend von den Themen des Vormittags konkrete Aspekte oder auch Projekte zu diskutieren, vorzustellen, etc.. Vielleicht wäre es besser gewesen, stattdessen ein neues Thema zu beginnen und die drei Sessionrunden dafür zu nutzen. Hier habe ich die Willen, mal ganz egoistisch eigene Themen zu pushen, vermisst. Corinne Eckenstein, die Leiterin des Dschungel Wien, war die einzige, die die Chance genutzt hat und eine Frage in die Runde geworfen hat. Davon leben Barcamps. Stattdessen warteten, so mein Eindruck, viele darauf, jetzt noch möglichst informative und hilfreiche Vorträge vorgesetzt zu bekommen. Aber ok, ich will nicht meckern, das Engagement beim World-Café war großartig. Soviel zum stARTcamp Wien, jetzt fehlt noch die Blogparade, mit der ich mich in einem nächsten Beitrag beschäftigen werde. PS: Folgende Beiträge sind über das stARTcamp geschrieben worden (falls ich jemanden übersehen habe, bitte einfach hier kommentieren, ich ergänze die Liste dann.):
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#scvie: In zwei Wochen ist es soweit

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Foto von Finn Hackshaw auf Unsplash Noch zwei Wochen sind es bis zum stARTcamp hier in Wien und nachdem ich nun schon ein paar Mal gefragt wurde, was da denn genau passiert, möchte ich gerne noch mal erklären, worum es in diesem Jahr gehen und wie das @scvie ablaufen wird. Die wohl drängendste Frage ist die nach dem Thema. Anne Aschenbrenner, Barbara Royc, Michael Wuerges und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir dem stARTcamp das Motto „(z)wischen Inhalten und Technologien“ voranstellen. Auf der einen Seite haben wir die Inhalte, den „Content“ und die Frage, wie wir damit das Interesse unserer Zielgruppen wecken können. Eine Methode, um bestimmte Inhalte zu transportieren, ist das Storytelling (siehe dazu mein Blogpost: „Storytelling: Es geht um das Wie, nicht um das Was„). Mit diesem Themenbereich beschäftigt sich das stARTcamp Bern, das ebenfalls am 21. November stattfinden wird. Auf der anderen Seite haben wir die Entwicklungen im digitalen Bereich. die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Immer neue technologische Möglichkeiten tun sich auf, unseren Content zu verbreiten und sichtbar zu machen. Die Technologie ist ein unerbittlicher Treiber, wer von uns hatte zum Beispiel vor ein paar Monaten Chatbots auf dem Radar? Heute gibt es dazu bereits einen eigenen Wikipediaeintrag und in Bälde werden bei uns vermutlich die ersten Kultureinrichtungen damit zu experimentieren beginnen. Um diese Technologien geht es – auch am 21. November – beim stARTcamp in Essen. Kultureinrichtungen können nicht einfach so damit beginnen, Inhalte mit Hilfe neuer Technologien zu kommunizieren, wenn sie auch wirklich davon profitieren wollen. Sie müssen sich verändern, weiterentwickeln und einen Veränderungsprozess einleiten, der zur Zeit mit dem Schlagwort „digitale Transformation“ etikettiert wird. In meinem letzten Blogbeitrag über den „digitalen Kulturbetrieb“ habe ich versucht zu zeigen, dass es dabei etliche Stellschrauben gibt, an denen wir drehen müssen. Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle haben in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, gestalten, verändern“ (Affiliate-Link) ein Modell entwickelt, das die folgende Grafik abbildet: 7S Modell Diese Grafik zeigt den Bereich, der „zwischen“ den Inhalten und den (neuen) Technologien liegt, mit dem wir uns beim stARTcamp Wien beschäftigen werden, das am 21. November im Volkstheater Wien stattfinden wird. Da wir leider nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben, beschränken wir uns auf die obere Hälfte der Grafik, nämlich die Bereiche System/Prozesse, Struktur und Strategie. Im Unterschied zu den klassischen Barcamps werden wir dieses Mal nicht mit den sonst üblichen Sessions beginnen, sondern ein anderes Format versuchen: das World-Café. Nachdem beim letzten stARTcamp im MAK der Wunsch aufkam, sich etwas länger mit einem Thema zu beschäftigen, probieren wir dieses für uns neue Format einmal aus. Für mich besteht der Vorteil darin, dass wir hier alle miteinander – ausgehend von unseren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen – ins Gespräch kommen und gemeinsam überlegen können, wie diese Veränderungsprozesse idealerweise aussehen. Wir haben dafür drei Fragerunden a 30 Minuten zur Verfügung und das in einer Location, die dafür besser nicht sein könnte, die Rote Bar im Volkstheater. Am Ende fassen wir die Ergebnisse aller Tische zusammen, diskutieren sie und überlegen, welche Konsequenzen sie für unsere Arbeit haben. Dafür steht dann am Nachmittag noch das Session-Format zur Verfügung, das wir alle von Bar-und stARTcamps her kennen. Hier haben wir die Möglichkeit, Inhalte zu vertiefen, Fragen zu beantworten oder einfach weiter zu diskutieren. Und da wir als stARTconference glauben, dass wir es hier mit einem für den Kulturbereich wichtigen Thema zu tun haben, gibt es seit heute auch eine Blogparade dazu. Unter der Überschrift „Kultur an der real-digitalen Schnittstelle“ laden wir alle Interessierten dazu ein, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und dazu eigene Blogbeiträge zu verfassen. Die besten Blogbeiträge  und die Ergebnisse der stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen, das wir kostenlos zur Verfügung stellen. Wie das genau aussehen wird, können wir im Moment noch nicht sagen, weil das natürlich ein Stück weit davon abhängt, zu welchen Ergebnissen wir bei den stARTcamps kommen und welche Beiträge im Rahmen der Blogparade veröffentlicht werden. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und beim stARTcamp dabei sein möchte: hier gibt es die Tickets, die wie im letzten Jahr wieder 30 Euro kosten. Außerdem informieren drei Blogbeiträge über das stARTcamp, das auch dieses Jahr wieder den Hashtag #scvie haben wird:
stARTcamp Wien
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stARTcamp Wien: Zwischen Inhalten und Technologien (#neustART)

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Von einem #neustART zu sprechen, bedeutet, Gefahr zu laufen, in der Marketingecke mit den dummen Werbesprüchen zu enden. Ich möchte dem gerne entgegenwirken und erklären, warum dieser Hashtag ganz gut passt. Aber vorweg mal die wichtigsten Fakten: Am 21. November 2016 findet von 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00) das vierte stARTcamp Wien statt, zu Gast sind wir dieses Jahr im Volkstheater. Die Tickets gibt es hier, sie kosten wie im letzten Jahr 30 Euro. So und was ist nun neu?
  1. Wenn am Ende November 2016 das #scvie über die Bühne geht, ist damit nicht nur die sprichwörtliche Bühne gemeint. Ich freue mich, dass uns dieses Jahr zum ersten Mal ein Theater eingeladen hat. Und dass wir unter anderem einen der schönsten Bühnenräume, die ich kenne, benutzen dürfen, die Rote Bar.Rote Bar Volkstheater Wien
  2. Neu wird auch das Format sein. Im letzten Jahr meinten viele, dass es schade sei, wenn man für ein Thema nur 45 Minuten habe und dann schon wieder auseinandergehe. Zu diesem Punkt gab es auch eine eigene Session, in der wir überlegten, welche Möglichkeiten für uns in Frage kommen, um sich länger mit einem Thema zu beschäftigen. So ist die Idee entstanden, es dieses Jahr mit einem World-Café zu versuchen. Das bedeutet, wir beschäftigen uns drei Fragerunden lang alle zusammen mit einem Thema (dazu später mehr), fassen die Ergebnisse – nach dem Mittagessen – zusammen und hängen dann noch zwei Runden klassisches Barcamp hinten dran, um gleich konkrete Vorhaben anstoßen und besprechen zu können oder auch einfach nur weiter zu diskutieren.
  3. „Wir“, das sind in diesem Jahr Anne Aschenbrenner (vielen von ihren Aktivitäten bei den Kulturfritzen bekannt), Barbara Royc, Michael Wuerges und ich.
  4. Zum ersten Mal wagen wir es, drei stARTcamps gleichzeitig stattfinden zu lassen. Bis jetzt hatten wir immer das Problem, die unterschiedlichen Termine zu koordinieren. Nun legen wir die stARTcamps in Bern, Essen und Wien auf ein und den gleichen Tag. Sie haben also die Qual der Wahl, die Vorzüge von Wien muss ich jetzt hier nicht hervorheben, oder? ;-) Für uns und unsere Aktivitäten rund um die stARTconference ist das auch Neustart. Nachdem es in der letzten Zeit sehr ruhig um den Verein gewesen ist, werden wir über diese Schiene in der nächsten Zeit wieder aktiver werden. Der erste Schritt werden die stARTcamps sein. Außerdem planen wir, das ist dann Schritt 2, die Ergebnisse der drei stARTcamps zu dokumentieren und sie als eBook zu veröffentlichen.
  5. Der Grund, wieder aktiv zu werden, hat mit den Entwicklungen im digitalen Bereich zu tun. Wir, und da spreche ich jetzt für das Team rund um die stARTconference, sind der Meinung, dass wir gerade wieder so etwas wie einen Quantensprung erleben. Vergleichbar mit der Zeit, als das Thema Social Media aufkam und wir die stARTconference organisierten. Was damals mit dem Begriff „Web 2.0“ begann und die sozialen Netzwerke entstehen ließ, hat sich zu einem der wichtigsten Treiber für die Veränderungen in vielen Bereichen unserer Gesellschaft entwickelt. Während wir damals über Facebook und Twitter und deren Auswirkungen auf das Marketing diskutierten, geht es heute im Bereich der Unternehmungen um neue Strukturen, Prozesse und Strategien.
  6. Womit wir bei den Themen wären: „Zwischen Inhalten und Technologien“ lautet unser Motto. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie wir die neuen Technologien nutzen können, um unsere Inhalte zu kommunizieren. Dafür braucht es die schon erwähnten Strukturen, Prozesse und Strategien und genau um die wird es in unserem World-Café gehen. Dahinter stecken Themen wie „digital Governance“ oder „Customer Journey“. Unsere Aufgabe wird es sein, mit Hilfe dreier Fragen diesen Rahmen abzustecken und eine für uns alle interessante und ergiebige Diskussion in Gang zu bringen. Unser Ziel ist es, auf diese Weise Antworten auf Fragen zu bekommen, die Kultureinrichtungen dabei unterstützen, die Entwicklungen, die wir gerade erleben auch nutzen zu können. Die drei stARTcamps werden übrigens unterschiedliche Themen haben. Während es in Bern um die Inhalte und dabei besonders um das Thema Storytelling gehen wird, beschäftigt sich das stARTcamp in Essen mit den Technologien, im Mittelpunkt steht dabei das mobile Ökosystem. Wir in Wien versuchen die Brücke zu schlagen zwischen diesen beiden Bereichen. Die Ergebnisse der drei stARTcamps fassen wir dann in einem eBook zusammen
Volkstheater Wien Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann freuen wir uns, wenn Sie am 21. November dabei sind. Hier noch einmal kurz die Fakten zum stARTcamp Wien Termin: Montag, 21. November 2016 Uhrzeit: 9:30 bis 17:30 (Einlass ab 9:00) Ort: Volkstheater Wien (direkt an U3/U2) Ticketpreis: 30 Euro (hier geht es zum Ticketshop) Twitter: @scvie Hashtags: #scvie, #neustART Fotocredits: © Volkstheater
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stARTcamp Münster: Sind die Social Media-Aktivitäten im Kunst- und Kulturbereich banal?

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Ich mag Barcamps, weil sie mir viel mehr bringen als klassische Konferenzen. Die Atmosphäre ist viel entspannter, das Programm ist näher am Puls der Zeit, schließlich wird es nicht Monate vorher, sondern erst vor Ort beschlossen und man trifft dort viele bekannte Gesichter. Würde man es negativ ausdrücken wollen, könnte man sagen, es treffen sich dort immer die gleichen Leute, um über die immer gleichen Themen zu sprechen. Der Vorwurf, in einer Blase zu leben, mag zutreffen, allerdings kommt er meist von den Leuten, die das Internet ablehnen, weil virtuelle Kontakte ihrer Ansicht nach nie das reale Miteinander ersetzen können. Das stimmt auch, für mich ist die Kommunikation in den sozialen Netzwerken nicht Ersatz, sondern Ausgangspunkt dafür, Menschen zu treffen, die ich entweder schon länger nicht mehr gesehen habe oder bis jetzt nur virtuell kenne und nun zum ersten Mal sehe. Deshalb mag ich die „Blase“ stARTcamp auch, egal wo es jeweils stattfindet. Am Samstag war es wieder in Münster soweit und mein Dank gilt vorab den OrganisatorInnen Sarah Gossmann, Michelle van der Veen und Jan Graefe für die wunderbare Organisation. Sie können es sich sicher auf die eigene Fahne heften, dass es schon Tage vorher keine Tickets mehr gab. Die Bandbreite der Themen war enorm, wir haben uns überlegt, wie man am besten mit dem Bloggen beginnt, wie Twitter funktioniert, wir haben uns aber auch mit dem Thema Museumsselfies, der Customer Journey oder einer vor Ort präsentierten App beschäftigt. Programm #scms15 So bunt gemischt das Programm auch war und so zufrieden am Ende alle waren, der Vorwurf der Blase ist ernst zu nehmen. Auch wenn in Münster viele zum ersten Mal bei einem stARTcamp dabei waren, dieses Format spricht vor allem die an, die sich bereits mit der Kommunikation im digitalen Raum beschäftigen oder es zumindest vor haben. Im Anschluss an den Impulsvortrag von Christian Gries meinte eine Künstlerin, die vielen über die sozialen Medien initiierten Aktionen wie myRembrandt, #MuseumsWeek oder auch die Tweetups seien banal und würden eh nur immer die gleichen Menschen erreichen. Ich habe mal nachgeschaut, was banal eigentlich bedeutet. Umgangssprachlich verwenden wir dieses Adjektiv klar abwertend und beschreiben laut Wikipedia damit etwas, das einen lediglich durchschnittlichen Ideengehalt aufweist. Weit interessanter ist aber der Satz, mit dem der Wikipedia-Eintrag beginnt:
„Banal (…) bezeichnete im Lehnrecht eine Sache, die der Lehnsherr seinen Vasallen überlässt.“
Versteht man banal so, könnte der Vorwurf gerechtfertigt sein. Die KünstlerInnen überlassen anderen ihre Kunst. Zu interpretieren wäre diese Geste als eine, die von oben herab geschieht. Die Frage ist dann aber, wer dafür verantwortlich ist, dass etwas banal ist? Sind es die, die sich solche Aktionen ausdenken und einfach nicht das entsprechende Niveau schaffen? Oder liegt die „Schuld“ eher bei den KünstlerInnen, die von oben herab werten, was andere unternehmen, um Kunst zu vermitteln? Heraus kommt am Ende eine Situation, in der eine Kunst, die ein Stück weit elitär ist, Probleme damit hat, von ihren „Vasallen“ beworben zu werden. Und das in einem Raum, der eigentlich keine Hierarchien kennt und den Vasallen eine Macht gibt, die sie früher nicht hatten. Noch interessanter wird das Thema, wenn man bedenkt, dass die BesucherInnen eines stARTcamps gar nicht die wirklichen Vasallen sind, sondern Mittler zwischen den KünstlerInnen und dem Publikum. In welche Rolle schlüpfen wir, wenn wir ein Tweetup organisieren? Wie denken eigentlich KünstlerInnen über die Menschen, die sich vor ihren Kunstobjekten in Stellung bringen, ein Selfie schießen und das dann über die sozialen Netzwerke verbreiten? Vielleicht können wir beim nächsten stARTcamp, das am 25. April in München stattfinden wird, diese Fragen noch einmal aufwerfen und versuchen, Antworten darauf zu finden? Und vielleicht fühlen sich auch KünstlerInnen motiviert, mal so ein stARTcamp zu besuchen? Ich denke, die Diskussion könnte spannend werden.
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#scry14: Wir haben tief gegraben

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Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Sie haben diese Pralinen schon mal gekostet und wissen, dass sie verdammt gut sind. Nun liegt eine vor Ihnen und gleich dürfen Sie sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Sie schmecken vielleicht sogar noch ein wenig besser als Sie es in Erinnerung haben. Und dann ist dieser Moment schon wieder vorbei und es bleibt Ihnen nur, sich auf die nächste Praline zu freuen. So ähnlich geht es mir mit den stARTcamps und deshalb trifft es sich gut, dass der Produzent dieser Pralinen, das Dortmunder Unternehmen Pott au Chocolat auch Sponsor des stARTcamps RuhrYork ist. Das fand dieses Jahr im Dortmunder U statt, dem Zentrum für Kunst und Kreativität. Ich mag diese Architektur, und diese Dimensionen… wo ist schon so viel Platz für Kunst und Kultur?
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© Hannes Woidich

Die Anreise nach Dortmund war gar kein Problem, weil sich Rouven Kasten netterweise bereit erklärt hatte, mich vom Flughafen abzuholen. Mit der Bahn hätte ich das nach den Unwettern zwar auch irgendwie geschafft. Aber ganz sicher nicht so schnell. So konnte ich bei Tag eins des stARTcamp RuhrYorks dabei sein, an dem wie im letzten Jahr ein Bootcamp auf dem Programm stand. Angekündigt als Angebot für EinsteigerInnen in die Materie, kann man dort auch als „alter Hase“ noch ziemlich viel mitnehmen. Für mich war es zum Beispiel sehr hilfreich, mehr über das Thema Location Based Services zu erfahren. Welche Kultureinrichtungen nutzen denn schon iBeacon beziehungsweise wer weiß denn überhaupt, was das ist? Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann werfen Sie mal einen Blick in dieses Video (bzw. den Text), dort werden Sie sehen, was zum Beispiel Museen damit machen.

Wer nach diesem „Zirkeltraining“ noch nicht genug hatte, konnte beim Treffen der Social Web Investigators dabei sein. Frank Tentler, Gründer dieser Facebookgruppe, hatte zu einem Treffen eingeladen und ein sehr spannendes Programm zusammen gestellt. Gamification, Design und Recht waren die Themen. Altbekannte Gesichter wieder sehen, neue Gesichter kennen lernen, für mich ist der Austausch mit Anderen ein ganz wichtiger Bestandteil solcher Veranstaltungen. Irgendwann machte sich dann bei mir Müdigkeit bemerkbar, ich war ja doch ziemlich früh aufgestanden und wollte am nächsten Tag halbwegs fit sein.

#scry14

An diesem nächsten Tag stand dann das eigentliche stARTcamp auf dem Programm. Perfekt vorbereitet vom Organisationsteam (auch an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön!)

ging es um halb zehn mit Vorstellungsrunde und Sessionplanung los. Das besondere an dieser Vorstellungsrunde: Erlaubt sind der Name und drei Hashtags, mit denen man sich selbst beschreibt oder seine Interessen öffentlich macht. In der Vorbereitung auf diesen großen Moment wählen die TeilnehmerInnen ganz unterschiedliche Vorgehensweisen. Einige verwenden immer die gleichen Hashtags, andere lernen sie davor auswendig oder setzen sich in eine der hinteren Reihen, um sich seelisch darauf vorzubereiten. ;-)

Dann der große Moment: Wer bietet welche Sessions an? Um es kurz zu machen, am Ende standen jede Menge interessanter Themen auf der großen Tafel und es war schwer, sich zwischen den verschiedenen Sessions zu entscheiden. Los ging es für mich mit Christian Holst, der von seinen Erfahrungen mit bezahlten Facebookpostings berichtete (siehe dazu auch seinen Blogbeitrag „Content war King„). Das Opernhaus Zürich pusht auf diese Weise seit einiger Zeit bestimmte Postings und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Dank des Einbau eines Pixels lässt sich sehr genau feststellen, wer von diesem Posting aus in den Ticketshop „wandert“ und dort ein Ticket erwirbt. Die Kosten pro verkauftem Ticket seien auf Facebook wesentlich niedriger als auf allen anderen Kanälen, sagten Holst im Hinblick auf die Aktivitäten seines Opernhauses und stellte die Frage in den Raum, ob es nicht besser wäre, wieder mehr auf Push als auf Pull zu setzen? Eine in meinen Augen spannende Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Ich glaube, wer über eine entsprechend hohe Reputation verfügt, wie zum Beispiel die Oper in Zürich, kann auf diese Weise durchaus erfolgreich sein und die Kosten pro verkauftem Ticket verringern. Eher unbekanntere Kulturbetriebe werden da unter Umständen nicht so gut aussteigen, denn während die UserInnen dem Opernhaus vertrauen und so kurz entschlossen ein Ticket erwerben, muss dieses Vertrauen von den kleineren Betrieben erst aufgebaut werden. Die Konsequenz: Es werden sehr viel weniger UserInnen als Reaktion auf das Posting ein Ticket kaufen, die Kosten pro verkauftem Ticket sind also höher als beim Opernhaus Zürich.

Mit Zahlen und Statistiken ging es für mich weiter. Christian Gries zeigte am Beispiel des internationalen Museumstags, wie sehr sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat. Ein Museum kann es sich heute eigentlich nicht leisten, nur analog aktiv zu sein. Gries beschäftigte sich mit verschiedenen Formaten, unter anderem den Tweetups, und versuchte die Vorteile herauszuarbeiten. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, das ist sein Motto und so versucht er gemeinsam mit den Kulturkonsorten Museen mit Hilfe neuer Formate und aktueller Zahlen davon zu überzeugen, im digitalen Raum aktiv(er) zu werden.

Danach war ich an der Reihe und beschäftigte mich in meiner Session mit den nächsten Schritten im Bereich Social Media Marketing. Hier sind die Folien zu finden, ich werde dazu aber noch ein eigenes Blogpost schreiben.

In der für mich letzten Session des Tages ging es um Vine-Videos. Als Nutzer der ersten Stunde und Anbieter von Workshops zu diesem Tool, das mittlerweile weltweit von 40 Mio. UserInnen verwendet wird, erklärte und zeigte uns Franz-Josef Baldus, wie sich diese maximal sechs Sekunden langen Videos auch für unser Marketing einsetzen lassen.

Fazit: Ich möchte die stARTcamps nicht missen, nicht nur weil man dort so nette Leute trifft, sondern weil ich dort sehr viel Neues erfahre und mich auf hohem Niveau mit anderen ExpertInnen austauschen kann. „Wir haben tief gegraben“ habe ich in Anlehnung an das Motto des stARTcamps RuhrYork dieses Blogpost überschrieben. Hier wurde dieses Mal wirklich tief gegraben un das tolle ist: Hier kann jede/r mitgraben.  Wen ich jetzt neugierig gemacht habe, sollte sich den 27. September 2014 vormerken. An diesem Tag findet in Köln das nächste stARTcamp statt. Von den 30 Early-Bird-Tickets sind im Moment nur noch zwei übrig, aber mit 20 Euro ist das normale Ticket auch nicht wirklich teuer.