All Posts Filed in ‘stARTconference

Post

Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

1 comment
stARTcamp Essen © Frank Tentler „Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten. Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten. Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt. Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen? Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert. Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:
„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“
Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind. Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde. Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.
Post

Crowdfunding: Über das Scheitern der stART12

27 comments
© Wilhelmine Wulff / PixeliostARTconference: time to say goodbye?“ fragte ich vor einiger Zeit in meinem Beitrag über die Crowdfunding-Kampagne für die stART12 und versprach, die Kampagne zu einem späteren Zeitpunkt zu analysieren. Dieses Versprechen möchte ich nun einlösen und aus meiner Sicht darstellen, warum wir es nicht geschafft haben, das Ziel von 25.000 Euro zu erreichen. Ausgangspunkt war die Idee, einerseits das Thema Crowdfunding zu pushen und andererseits die Finanzierung der stART12 möglichst frühzeitig sicherzustellen. Mit dem Motto „Navigare“ glaubten wir, den richtigen Aufhänger gefunden zu haben, um eine Geschichte für die Kampagne entwickeln zu können. Fehler Nummer eins: durch die Geschichte wurde die Kampagne zu kompliziert, vor allem bei den Gegenleistungen herrschte ein ziemliches Durcheinander. Statt sie auch noch mit einzelnen Namen auszustatten (Schiffsjunge, Smutje, etc.), hätten wir eigentlich etwas ganz anderes tun müssen, nämlich die Vielzahl der Gegenleistungen radikal zusammenstreichen und uns auf die Gegenleistung Ticketkauf konzentrieren. Mit den vielen Gegenleistungen erzeugten wir nicht nur jede Menge Verwirrung, sondern machten es uns auch in rechtlicher Hinsicht schwer. Wer unter anderem Tickets, Bücher, etc. anbietet, muss darauf achten, dass er die Spielregeln in Sachen eCommerce einhält und zum Beispiel über eigene AGB verfügt. Dank rechtsanwaltschaftlicher Hilfe haben wir das ganz gut hinbekommen, allerdings wurde die Sache dadurch noch komplizierter: wir bauten ein eigenes Formular, in dem unsere UnterstützerInnen erstens eingeben konnten, mit welcher Gegenleistung sie uns unterstützen und zweitens „gezwungen“ waren, unsere AGB zu bestätigen. Dass wir außerdem das Alter der KonferenzteilnehmerInnen abfragen mussten, ist dem Thema eCommerce geschuldet und interessierte uns für die Konferenz eigentlich nicht wirklich. Dass ich dazu zwei eher erboste Mails bekam, in der ich gefragt wurde, warum ich so etwas überhaupt wissen möchte, kann ich verstehen. Das Formular gab es aber noch aus einem weiteren Grund: die stARTconference richtet sich an ein Fachpublikum, das zu einem Großteil aus den Kulturbetrieben kommt. Deren Buchhaltung verlangt, dass erst eine Rechnung da sein muss, bevor ein Ticket gezahlt werden kann. Dieses Prozedere widerspricht der Art, wie auf Crowdfunding-Plattformen gezahlt wird und dauert auch häufig länger als die ganze Kampagne. Das bedeutet: die Unterstützungsleistung kann leicht zu spät kommen und zählt dann nicht. In der letzten Woche der Kampagne entwickelte Startnext zwar ein Verfahren, das die Sache etwas leichter hätte machen können, aber da war es dann leider schon zu spät. Womit wir bei Fehler Nummer zwei sind: auch wenn es mittlerweile ein entsprechendes Verfahren gibt (ob und wie es funktioniert, kann ich nicht beurteilen), Crowdfunding ist bei uns zumindest derzeit noch etwas für den B2C-Bereich. Die stART12 über Crowdfunding zu finanzieren war aus heutiger Sicht unsinnig, die Kampagne hätte genau aus diesem Grund eigentlich nicht stattfinden dürfen. Die Zahlungsabläufe in Kulturbetrieben sind mit einer Crowdfunding-Kampagne nicht kompatibel. Mag sein, dass sich das irgendwann einmal ändert, derzeit kann ich niemandem dazu raten, ein Projekt im B2B-Bereich auf diese Weise finanzieren zu wollen. Kompliziert sind aber nicht nur die Zahlungsabläufe in den Kulturbetrieben, sondern auch beim Crowdfunding, wenn man Hemmungen hat, eine Kreditkarte zu zücken oder mittels PayPal zu zahlen. Die Idee des Crowdfunding erlebt derzeit einen gewaltigen Hype, aber wir müssen uns darüber klar sein, dass es für viele eine gewaltige Herausforderung ist, ein Projekt auf einer dieser Plattformen zu unterstützen. Ich gebe zu, ich habe dieses Problem unterschätzt, weil ich mich dort zu bewegen weiß und keine fünf Minuten benötige, um ein Vorhaben finanziell zu unterstützen. Nachdem ich aber mitbekommen habe, dass unsere UnterstützerInnen teilweise fast eine Stunde dafür gebraucht haben, gilt es, sich die verschiedenen Transaktionswege genau anzuschauen und sie erstens besser zu erklären und zweitens einfacher zu gestalten. Damit spreche ich nicht nur die PlattformbetreiberInnen selbst an, sondern schließe mich als Projektinitiator mit ein. Zumindest besser informieren hätten wir können. Zwei weitere Punkte sind in diesem Zusammenhang wichtig: normalerweise muss man sich, bevor man ein Projekt unterstützt, auf der jeweiligen Plattform registrieren, um sich dann für einen der möglichen Zahlungswege zu entscheiden. Angeboten wurden in unserem Fall nach der Registrierung FidorPay, PayPal, Sofort- und Banküberweisung. Das heißt, das Geld wandert auf ein Treuhandkonto, auf das wir selbst keinen Zugriff haben. Wer sich bei unserer Kampagne nicht registrieren wollte, musste sich direkt an mich wenden und bekam von mir den Link zu einem Formular, mit dem er uns ohne Registrierung unterstützen konnte. Diese Formular kam aber auch dann zum Einsatz, wenn jemand vorab eine Rechnung benötigte. Ich fragte auf diese Weise die Rechnungsdaten ab und bekam gleichzeitig, wie oben schon erwähnt, das Okay für die AGB. Das Problem dabei: die Zahlungen, die auf diese Weise bei Startnext eingehen, müssen dem richtigen Projekt zugeordnet werden. Das funktioniert mit Hilfe einer speziellen Transaktionsnummer, die für jede einzelne Überweisung generiert werden muss. Woher die kommt und wer die generiert, das weiß ich, wenn ich ehrlich bin, bis heute noch nicht. Auf meine Nachfragen bei den Plattform-Betreibern bekam ich unterschiedliche Antworten, anfangs waren es Links zu irgendwelchen Videos, die mir nicht wirklich weiter geholfen haben. An dieser Stelle muss ich das Startnext-Team kritisieren, denn sie haben es nicht geschafft, mir klare und eindeutige Informationen zu schicken. Ich denke, ich bin nicht der Blödste, aber dass hier Verbesserungsbedarf besteht, zeigt sich auch darin, dass ich eine meiner Test-Überweisungen für die stART12 bis heute nicht zurückerstattet bekommen habe. Und warum uns jemand mit einer Einzahlung via PayPal unterstützt hat und noch vor Ende der Kampagne das Geld wieder zurückerhielt, diese Frage wurde mir bis heute auch noch nicht beantwortet. Womit ich beim Service bin. Ich bin, das habe ich schon an anderer Stelle geschrieben, durchaus dafür, dass die Plattformbetreiber eine Provision bekommen, wenn eine Kampagne erfolgreich beendet wird. Die BetreiberInnen stecken Zeit und Geld hinein, warum sollen sie dafür kein Geld erhalten? Startnext verlangt zwar keine Provision, wenn dann aber Mails erst Tage später mit dem Hinweis beantwortet werden, zahlende Kunden hätten Vorrang, dann ärgert mich das und bestärkt mich in meiner Haltung. Aber die verspäteten Antworten sind nicht das Problem, im Moment sind es die unterschiedlichen Bezahlmethoden, die, so man nicht als registrierter User per PayPal zahlt, einfach zu kompliziert bzw. zu schlecht erklärt sind. In meinen Augen ist das Grund Nummer drei, warum unsere Kampagne gescheitert ist. Dazu kommt: Für uns als Initiatoren der Kampagne war es außerdem eine echte Herausforderung, unsere AGB mit denen von Startnext unter einen Hut zu bekommen. Auch hier sage ich ganz ehrlich: ich bezweifle, ob wir hier trotz Unterstützung durch einen Anwalt wirklich rechtskonform vorgegangen sind. Was mich wundert: viele Projekte bieten eine Vielzahl von Gegenleistungen an, die AGB habe ich aber nirgendwo gefunden. Wo kein Kläger, da kein Richter, aber ob da immer alles mit rechten Dingen zugeht, kann ich mir nicht vorstellen. Aber das soll hier nicht mein Problem sein. Ich habe versucht, mich an die rechtlichen Vorgaben zu halten und bin daran mehr als einmal fast verzweifelt. Schlussendlich gibt es noch einen vierten Grund, der uns scheitern hat lassen. Er hat mit dem Crowdfunding nur indirekt zu tun, denn uns ist es nicht gelungen, genügend Menschen zum Besuch der stART12 zu motivieren. Das lag meiner Meinung nach einerseits daran, dass wir inhaltlich zu unpräzise waren und somit nicht klar war, was die TeilnehmerInnen in Duisburg erwartet. Andererseits haben wir es verabsäumt, das Format der stARTconference klar genug von den stARTcamps abzuheben. So erfolgreich die stARTcamps sind und so froh wir darüber sind, dass sie in immer mehr Städten stattfinden. Sie sind zur Konkurrenz geworden und es ist klar, dass viele den weiten Weg nach Duisburg scheuen, wenn es um die Ecke ein stARTcamp gibt, bei dem das Ticket nur einen Bruchteil kostet. Es mag noch einige andere Gründe geben wie das Datum oder die fehlenden Informationen über die SprecherInnen. Aber einen Termin, der alle zufrieden stellt, wird es wohl nie geben und bei der stART10 haben wir in zehn Tagen 100 Tickets verkauft, ohne das jemand Programm oder SprecherInnen kannte. Fakt ist: wir haben abgesehen von den Problemen mit dem Crowdfunding nicht ausreichend zum Besuch der stART12 motivieren können. Wir haben tolle Unterstützung bekommen, wofür ich mich bei allen noch einmal herzlich bedanken möchte. Aber es hat nicht gereicht und deshalb haben wir damit begonnen, ein neues Konzept zu entwickeln. Mehr dazu dann aber in einem eigenen Blogpost. ;-)
Post

stARTconference: time to say goodbye?

15 comments
Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Vortrag, den Peter Kruse vor der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags hielt. In drei Minuten legte er dar, warum wir gerade revolutionäre Zeiten erleben, mitverursacht durch das, was im Social Web passiert. Ein hoher Vernetzungsgrad, die Möglichkeit, spontan auf etwas zu reagieren und „kreisende Erregungen“ führen zu Selbstaufschaukelungsprozessen, die wir nicht mehr steuern, sondern höchstens erspüren können. Wann diese Selbstaufschaukelungsprozesse stattfinden, lässt sich leider nicht vorhersagen, aber um die, wie es Kruse formuliert, „Resonanzmuster der Gesellschaft“ erspüren zu können, braucht es jede Menge Empathie. Warum ich Ihnen das erzähle? Das sind die Grundvoraussetzungen, um im Social Web (und auch darüber hinaus) erfolgreich zu kommunizieren, denn wenn wir ehrlich sind, träumen wir alle von diesen Selbstaufschaukelungsprozessen. Natürlich nur im positiven Sinn, den Shitstorm überlassen wir gerne den anderen. ;-) Dass sich mit der Ankündigung einer Veranstaltung nur schwerlich so ein (positiver) Aufschaukelungsprozess initiieren lässt, scheint klar. Begeisterung entsteht eher dort, wo Emotionen ins Spiel kommen, wo wir was zu erzählen haben. Wir können uns freuen, uns ärgern, wir leiden mit und erzählen anderen voller Enthusiasmus, was wir gerade erlebt haben. So ähnlich ist es uns bis jetzt mit der stARTconference gegangen. Als wir 2008 eine kleine Runde organisieren wollten, gerieten wir schnell in eine Größenordnung, in der wir eigentlich ziemlich überfordert waren. Aber wir machten uns trotzdem voller Begeisterung an die Arbeit und so ein klein wenig wirkte die ansteckend auf andere, denn die Reaktionen auf die stART09 waren großartig, obwohl manches so gar nicht perfekt war. Die Wertschätzung, die wir dabei erfahren durften, hat uns ungeheuer motiviert und so fühlten wir uns immer wieder angetrieben, neue Themen aufzugreifen, neue SprecherInnen einzuladen und so all denen etwas zurückzugeben, von denen wir so viel bekommen haben. Was also dieses Jahr anders machen? Uns kam die Idee, die Konferenz via Crowdfunding zu finanzieren. In Anlehnung an den 500. Geburtstag Gerhard Mercators, der einen Großteil seines Lebens in Duisburg verbracht hat und durch seine Weltkarte berühmt geworden ist, wählten wir die Seekarte als Metapher für das Erkunden des Social Web. Unser Ziel in Duisburg  wird sein, eine Karte zu entwerfen, die uns das Navigieren im Netz erleichtert und uns zeigt, wohin die Reise gehen kann. Dass es eine Reise mit ungewissem Ausgang ist, hat Peter Kruse bereits klar gemacht. Das heißt aber nicht, sich völlig planlos auf die Reise zu begeben und alles dem Zufall (oder den Launen des Schicksals) zu überlassen. Wer ohne Ziel in See sticht, wird dasselbe nie erreichen können. So ähnlich ist es auch im Netz, denn viele Follower oder Fans sind zwar eine nette Sache, aber kein Ziel. Rechtliche Fragen haben seit dem Aufkommen von Pinterest weiter an Bedeutung gewonnen, was dürfen wir , was dürfen wir nicht? Coca Cola hat seine neue Kommunikationsstrategie vorgestellt, in der es heißt:
„We will move from creative excellence to content excellence.“
So wird deutlich, dass der Konzern nicht nur auf Storytelling setzt, sondern auch die Fans dabei miteinbeziehen möchte. Ob wir dabei auch auf Google+ setzen müssen, ist eine Frage, die es zu beantworten gilt. Und natürlich muss uns die Frage beschäftigen, in welcher Form wir auf das mobile Web setzen sollenmüssen? Macht es Sinn, das iPad in die strategischen Überlegungen miteinzubeziehen, reicht es, eine iPhone-App entwickeln zu lassen oder sind solche Fragen als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem mobilen Web der völlig falsche Ansatz? Das sind so ein paar Klippen, die es zu umschiffen gilt, auf unserer Karte für die stART12 sind sie bereits eingezeichnet. Und es gilt natürlich der Frage nachzugehen, ob Crowdfunding ein möglicher Ansatz ist, um die fehlenden Gelder der öffentlichen Hand zu ersetzen? Im Fall der stARTconference handelt es sich um keinen Ersatz, denn wir haben noch nie öffentliche Förderungen erhalten. Wir haben viele UnterstützerInnen gefunden, große und  vor allem viele kleine. Am Ende waren und sind wir immer auf die angewiesen, die bei der stARTconference dabei sind, die dazu beitragen, dass aus einer Konferenz mehr wird als eine Aneinanderreihung von Vorträgen. Die das Event zu einem Erlebnis machen. Ob wir das auch dieses Jahr wieder hinbekommen? Ich weiß es nicht, denn in der ersten Hälfte unserer Crowdfunding.Kampagne haben wir weniger Unterstützung bekommen als erhofft. Von den angestrebten 25.000 Euro sind erst rund 5.000 Euro zusammen gekommen, 3.000 sind es auf der Plattform, der Rest ist dort noch nicht sichtbar, weil es eben etwas kompliziert ist, wenn jemand ein Ticket für die stART12 erwerben möchte und davor eine Rechnung braucht. Ich gebe es ehrlich zu, ich selbst habe Tage gebraucht, um die verschiedenen Abläufe zu kapieren und kann verstehen, dass viele nicht verstehen, was denn nun eigentlich der Unterschied zwischen einer Gegenleistung und einem Ticket ist. Eigentlich ist es ganz einfach: wenn Sie bei der stART12 dabei sein wollen, dann besteht dazu noch genau 18 Tage die Möglichkeit, ein Ticket zu erwerben und gleichzeitig noch unsere Crowdfunding-Kampagne zu unterstützen. Sie müssen dazu nur dieses Formular ausfüllen (bei Frage 1 das „Lotsenpaket“ ankreuzen) und für 150 Euro ein Ticket kaufen. Gelingt es uns auf diese Weise nicht, in den nächsten 18 Tagen, die Grenze von 25.000 Euro zu erreichen, dann wird es die stARTconference dieses Jahr nicht geben. Vielleicht soll es die stARTconference aber auch gar nicht mehr geben? Vielleicht hat sich die Spirale der Begeisterung zu drehen aufgehört und Social Media ist bei uns allen soweit im Alltag angekommen, dass es dazu gar keiner Konferenz mehr bedarf? Vielleicht ist der Weg nach Duisburg zu weit, wo doch in Köln, München, Dresden, Frankfurt und Berlin stARTcamps organisiert werden, die zeigen, dass das stARTuniversum in den letzten Jahren gewaltig gewachsen ist? Vielleicht hat das klassische Konferenzformat ausgedient und wir alle finden viel mehr Gefallen an der Barcamp-Atmosphäre? Peter Kruse hat von den Selbstaufschaukelungsprozessen gesprochen und in seinem Vortrag festgestellt, dass die Macht von den Anbietern zu den Nachfragern gewandert ist. Wir sind die Anbieter, Sie die Nachfrager. Ob es die stARTconference weiter geben wird, liegt in Ihren Händen. Ich bin gespannt!
Post

stART12: wenn einer eine Reise tut

3 comments
Wie oft nimmt man sich vor, dass man frühzeitig mit den Reisevorbereitungen beginnt und schafft es dann doch nicht. Und wie oft tauchen dann außerdem auch noch unvorhergesehene Dinge auf, mit denen kein Mensch gerechnet hat. So ähnlich ist es uns auch mit unserer Crowdfundingkampagne für die stART12 gegangen. Eigentlich wollten wir uns schon vor vier Wochen auf die Reise begeben, aber es tauchten immer wieder neue Probleme auf, die es zu lösen galt. Zwei Aspekte möchte ich herausgreifen, weil sie auch für andere Kampagnen interessant sein könnten. Dass eine Crowdfundingplattform wie Startnext, auf der unsere Kampagne läuft, so etwas wie AGB braucht, ist klar. Aber auch wir als Crowdfunder müssen mit so etwas arbeiten, weil wir als Veranstalter einer Konferenz nicht im rechtsfreien Raum agieren können, sondern uns an die Regel halten müssen. Beide unter einen Hut zu bekommen und das Prozedere so zu gestalten, dass sich die AGBs nicht widersprechen, war eine der Hürden, die es zu überwinden galt. Dank der Kooperation mit Startnext haben wir dieses Problem lösen können. Ein zweiter Punkt: bei unserer Crowdfundingkampagne wird es erstmals möglich sein, ein Projekt zu unterstützen, ohne sich auf der Plattform registrieren zu müssen. Das klingt einfach, ist es aber nicht, vor allem, wenn man dann noch mitberücksichtigt, dass wir im Rahmen der Kampagne auch die Tickets anbieten. Nicht alle können mal schnell ihren PayPal-Account aufrufen oder ihre Kreditkarte zücken, um sich für eine unserer Gegenleistungen zu entscheiden. In vielen Kultureinrichtungen muss so eine Konferenzteilnahme erst genehmigt werden, dann stellen wir die Rechnung aus, bevor der Betrag überwiesen werden kann. Auch hier gibt es nun eine Lösung, danke an das Startnextteam! Ob dann auch alles so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, wird die Praxis zeigen. Um dahin zu kommen, müssen wir erst die Startphase durchlaufen und 100 Fans gewinnen. Gestern Nachmittag haben wir begonnen und aktuell fehlen uns noch 9 Fans, um diese Hürde zu meistern. Wir sind begeistert, großartig! Dass wir das so schnell schaffen, hatten wir nicht geglaubt. Danke an alle, die uns als Fan unterstützt haben und danke auch an die, die das jetzt gleich noch machen. ;-) Und dann geht die Reise erst so richtig los.
Post

Crowdfunding: geht es 2012 weiter aufwärts?

2 comments
© Gerd Altmann / Pixelio Zu den Trendthemen des vergangenen Jahres gehört sicher das Crowdfunding. Viele Branchen interessieren sich mittlerweile für diese Finanzierungsform, die leeren Kassen der öffentlichen Hand haben auch das Interesse von Kunst und Kultur geweckt. Obwohl es ja eigentlich die Aufgabe des Staates ist, diesen Bereich zu finanzieren, wie häufig betont wird. Aber was ist, wenn das Geld nicht mehr da ist? Was tun, wenn eine Kommune in die Pleite schlittert und in der Not Museen, Theater oder Orchester geschlossen werden sollen? So verwundert es nicht, dass Crowdfunding auch für die „Großen“ im Kunst- und Kulturbereich zum Thema geworden ist. Waren es bis jetzt vor allem Kleinprojekte, die auf diese Weise finanziert werden sollten, werden nun die Vorhaben immer größer und die Projektträger bekannter. So gelang es den Produzenten von „Stromberg“, innerhalb einer Woche eine Million Euro für den geplanten Film einzusammeln. Und schon im Herbst hat das Amsterdam Museum für die Restaurierung eines Gemäldes mehr als 50.000 Euro von seinen UnterstützerInnen erhalten. Wesentlich weiter ist man in den USA, wie die auf dem Kickstarter-Blog veröffentlichten Zahlen zeigen. Fast 100 Mio. $ wurden in 27.000 Projekte gesteckt, von denen dann allerdings nur 46% erfolgreich waren, also das angestrebte Ziel auch erreicht haben. Das bedeutet auch, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Riesensumme wieder an die UnterstützerInnen zurückfloss. Trotzdem sind die Zahlen beeindruckend, vor allem wenn man sie mit denen aus dem Jahr 2010 vergleicht.

Es lohnt sich, die Zahlen der weltweit erfolgreichsten Crowdfunding-Plattform genau anzuschauen, denn sie zeigt nicht nur, dass Projekte aus dem Film- und Musikbereich nach wie vor am erfolgreichsten sind, sondern auch die Zahl der BesucherInnen der Plattform gewaltig nach oben geschnellt ist. Und noch eine Zahl ist bemerkenswert: 2009 beteiligte sich die aktivste UnterstützerIn an 56 Projekten, 2010 waren es bereits 179 Projekte und im letzten Jahr dann 724 Vorhaben, in die eine Person investierte. Das bedeutet, Crowdfunding ist kein einmaliger Akt, sondern etwas, was man immer wieder tut.

Genau dieser Aspekt stimmt mich optimistisch, denn das bedeutet, Crowdfunding hat anscheinend mit Haltung zu tun. Wer einmal ein Projekt unterstützt, tendiert dazu, weiter in Vorhaben zu investieren. Dieser Punkt, aber auch die Tatsache, dass die Plattformen von Jahr zu Jahr mehr BesucherInnen schaffen und so zu gewaltigen Steigerungsraten bei den Umsätzen führen, lässt vermuten, dass es bei uns, die wir Amerika im Technologiebereich meist hinterherhinken, auch 2012 mit dem Crowdfunding weiter steil bergauf gehen wird.

Mit aus diesem Grund soll auch die stART12 mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne finanziert werden. 30.000 Euro haben wir uns als Ziel vorgenommen, eine Summe, die ambitiös ist, aber auf der anderen Seite ganz gut zu den Entwicklungen der letzten Monate passt. Ich selbst freue mich darauf, denn eine Crowdfunding-Kampagne ist in meinen Augen etwas anderes als ein normaler Ticketverkauf. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen, Anfang Februar geht es dann los.

Post

Zerbrochene Vergangenheit

6 comments
© Corinna Dumat ; PixelioDer letzte Vorhang droht“ ist ein Interview überschrieben, in dem Alfred Wendel, der Intendant der Duisburger Philharmoniker, ein düsteres Zukunftsszenario für sein Orchester zeichnet. Statt 11,1 Mio. Euro will die Stadt nur noch 8,6 Mio. für die Rheinoper ausgeben, was einschneidende Änderungen für den Opernbetrieb bedeuten würde. Vermutlich werden die Duisburger Philharmoniker kein Einzelfall bleiben und so werden wir immer häufiger von der „zerbrochene(n) Vergangenheit“, so der Titel des obigen Fotos von Corinna Dumat, so mancher Kultureinrichtung sprechen können.  Natürlich können wir weiter darauf beharren, dass es die Aufgabe des Staates ist, Kunst und Kultur zu finanzieren, dazu bekennt sich die Kulturpolitik ja auch immer wieder. Aber seien wir ehrlich: das System ist an seinen Grenzen angelangt. Immer häufiger ist das benötigte Geld nicht mehr vorhanden, entweder weil die Kassen wirklich leer sind oder weil das Geld für andere Dinge verwendet wird. Natürlich können wir dagegen protestieren, was grundsätzlich nicht falsch ist. Aber ich denke, das reicht nicht mehr, Kultureinrichtungen, die sich auf die Finanzierung durch die öffentliche Hand verlassen, handeln, ich schreibe das nicht zum ersten Mal, fahrlässig. Fahrlässig, weil immer mehr Zeichen darauf hin  deuten, dass die öffentlichen Mittel der Städte und Gemeinden, aber auch auf landes- und Bundesebene nicht mehr zum Überleben reichen. Aus diesem Grund bleibt Kulturfinanzierung auch 2012 eines meiner Schwerpunktthemen. Lohnt es sich zum Beispiel, sich mit dem Thema EU-Förderungen zu beschäftigen? In den letzten beiden Jahren habe ich dieses Thema etwas vernachlässigt, dieses Jahr möchte ich hier in diesem Blog wieder verstärkt über die Möglichkeiten, Projekte mit Geld aus Brüssel zu finanzieren, informieren. Wichtig ist es in meinen Augen aber auch, sich nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umzusehen. Crowdfunding ist kein Allheilmittel, aber in vielen Fällen kann es dazu beitragen, Finanzierungslücken zu schließen. Und um nicht bei der Theorie stehen zu bleiben, werden wir dieses Jahr versuchen, die für Juni geplante stARTconference auf diese Weise zu finanzieren. Wir wollen ausprobieren, ob dieser Ansatz genügend Potenzial besitzt, um auch größere Vorhaben realisieren zu können. Die stARTconference ist kein Großprojekt, aber es geht doch um rund 30.000 Euro, die auf diese Weise zusammen kommen müssen. Interessant ist für uns auch die Frage, ob es im Social Web Vermarktungsmöglichkeiten für den Kunst- und Kulturbetrieb gibt? Viele Kultureinrichtungen haben jede Menge Fans oder Follower und durchaus beachtliche Zugriffszahlen. Wer sie nur zu den eigenen Veranstaltungen einlädt, nutzt das Potenzial von Social Media nicht voll aus, behaupte ich. Bleibt die Frage, wie ich sonst auf mich aufmerksam machen kann, wenn ich keine Einladungen verschicken soll? Für mich ist in dieser Hinsicht Storytelling das zentrale Thema. In gewisser Weise mache ich einen Schritt zurück, denn schließlich war Transmedia Storytelling eines meiner Schwerpunkte im letzten Jahr, nicht nur hier in diesem Blog, sondern auch auf der stART11. Natürlich bleibt das Thema aktuell, gleich im morgigen Blogpost wird Transmedia Storytelling wieder auftauchen. Aber es geht ganz grundsätzlich um die Frage, in welcher Form sich Geschichten einsetzen lassen? Eines der für mich wichtigsten Werke ist das von Raf Stevens im letzten Oktober veröffentlichte eBook „No Story, No Fans„, das ich zwar schon im November gelesen habe. Eine Rezension habe ich bis heute leider noch nicht geschafft, sie ist aber für diesen Monat fest eingeplant. Und noch etwas habe ich mir für 2012 vorgenommen: in den letzten Monaten ist dieses Blog hier des öfteren zu kurz gekommen. Das möchte ich ganz gerne wieder ändern und wieder einige Blogposts mehr schreiben als im letzten halben Jahr. Vielleicht lassen sich auf diese Weise Ansätze entwickeln, die dabei helfen, den letzten Vorhang zu verhindern, egal wo.
Post

stART11: der Tag danach…

1 comment
Was für zwei Tage! Bevor gleich der Flieger zurück nach Wien geht, nutze ich die Gelegenheit, um die ersten Eindrücke „zu Papier“ zu bringen. Es waren zwei schöne Tage, denn ich habe viele Menschen wieder, aber auch viele Menschen zum ersten Mal getroffen. Durch den kleineren Rahmen und die geringere Zahl an TeilnehmerInnen ergaben sich viel mehr Möglichkeiten zum Gespräch.  Wahrscheinlich lag es aber auch daran, dass wir die zwei Tage nicht mehr so vollgepackt haben wie in den letzten beiden Jahren. Nur noch drei Angebote zeitgleich und ausreichend Pausen dazwischen, so musste niemand von Vortrag zu Vortrag hetzen. Es waren zwei lehrreiche Tage, denn dank Jelena Kovacevic-Löckner und der stART11en konnte ich mir dieses Jahr viele der Vorträge anhören. Gelernt habe ich nicht nur von diesem Meister des Storytelling, Marcus Brown.
Nicht nur er, sondern auch alle anderen Vortragenden machten deutlich, dass es vor allem auf die Geschichten ankommt. Wer nichts zu erzählen hat, wird weder Storytelling noch Transmedia Storytelling nutzen können. Insofern war es ein alter Hut, worüber wir in den letzten zwei Tagen gesprochen haben. Amos kreierte dazu ein schöne Bild, indem er zu Beginn seiner Präsentation einen Hut auf die Bühne legte. Spannend war es auch, mit der Haniel-Akademie und der Calvinistenkirche zwei sehr gegensätzliche Spielorte nutzen zu dürfen (danke an die Firma Haniel, die uns beide zur Verfügung gestellt hat!). So hilfreich die Infrastruktur der Haniel-Akademie, so faszinierend präsentierten sich die zu künstlerischem Leben erweckten Räume des ansonsten leerstehenden Gemeindehauses. Frank Tentler hat bereits Fotos und Videos vom ersten Tag der stARTconference auf dem Konferenzblog gesammelt, natürlich werden wir auch noch die Präsentationen zur Verfügung stellen. Ich werde mich in den nächsten Tagen noch eingehend mit den Inhalten der stART11 beschäftigen, zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich noch auf das Video hinweisen, das Bernd Uhlen produziert hat. Auch ihm vielen Dank für seine Arbeit und Unterstützung!
Post

Der Appetizer zur stART11: das eBook „Transmediales Erzählen“

5 comments
Wenn Sie heute in einem Theater eine Inszenierung von Ibsens Peer Gynt ansehen, dann bekommen Sie dort eine Geschichte mit einem abgeschlossenen Ende erzählt. Sie gehen nach Hause und das war es dann. Was schade ist, denn warum muss diese Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein? Muss sie nicht, wie das Projekt „Peer Returns“ beweist, das Gregor Hopf auf der stART11 vorstellen wird, die in wenigen Tagen in Duisburg beginnt. Was aber bringt es einem Theater oder auch jeder anderen Kultureinrichtung, eine Geschichte weiter zu erzählen? Wir alle kennen genügend Beispiele, die zeigen, dass Fortsetzungen häufig nicht mehr an die Qualität des Erstlings herankommen. Warum also weitermachen, anstatt sich einem neuen interessanten Thema zu widmen? Liest man den Wikipedia-Eintrag „Transmediales Erzählen„, dann werden dort interessanterweise an prominenter Stelle ökonomische Gründe genannt. Die transmediale Erzählstrategie mache sich oft synergetische Effekte der modernen Marktwirtschaft zu Nutze und verfolge das Ziel, ein Produkt auf möglichst vielen Märkten zu etablieren, heißt es darin. Das mag jetzt für Theater, Museen, etc. auf den ersten Blick noch nicht allzu spannend klingen, die in dem Wikipedia-Eintrag formulierte Konsequenz aus diesem Ansatz ist es aber sehr wohl:
„Das transmediale Erzählen ermöglicht es dem Konsumenten je nach Interessenschwerpunkt über sein ‚Lieblingsmedium‘ in den Komplex einzusteigen und sich dann auch über sonst weniger genutzte Medien vorzuarbeiten.“
Das heißt, über den Umweg anderer Formate kann ich etwa das Interesse auch für eine Theaterinszenierung wecken. Natürlich kann ich als Theater sagen, das interessiert mich nicht, ich konzentriere mich weiterhin auf die Inszenierung. Aber was ist, wenn Ihre Geschichte, die Sie auf Ihrer Bühne inszenieren, weiterentwickelt und in anderen Formaten weitererzählt wird? Und das nicht von Ihnen, sondern von Unternehmen, die, wenn deren Pläne aufgehen, damit auch noch Geld verdienen? Macht es nicht Sinn, hier Kooperationen zu etablieren, über die es erstens gelingt, mit Hilfe verschiedener Formate das Interesse an einer Geschichte oder einer transmedialen Welt zu wecken? Und die zweitens die Möglichkeit bieten, neue Erlösmodelle zu entwickeln, von denen dann alle profitieren? Genau um solche Themen geht es auf der stARTconference und wenn Sie jetzt noch nicht wissen, was sich hinter dem Begriff „Transmedia Storytelling“ verbirgt, wie man transmediale Welten kreiert und wie so etwas dann in der Praxis aussehen kann, dann ist vielleicht unser eBook „Transmediales Erzählen“ ein guter Einstieg in das Thema. ;-)
View this document on Scribd
Unser Dank gilt einerseits den AutorInnen Dorothea Martin, Anna E. Rentsch und Manuel Scheidegger für ihre Beiträge. Andererseits bedanken wir uns aber auch bei den Medienpartnern der stART11, nämlich kulturkurier inside und Kulturmanagement Network, die uns bei Erstellung, Bewerbung und Verbreitung dieses eBooks unterstützt haben und noch unterstützen. Viel Spaß beim Lesen und wenn Ihnen das eBook gefällt, dann sagen Sie es bitte weiter.
Post

stART11: heute in einem Monat geht es los

1 comment
Als Kind bekam ich Geschichten erst vorgelesen bzw. las sie selbst, als ich dazu in der Lage war. Geschichten waren aber in diesem Alter untrennbar mit Büchern verbunden.  Aufgebrochen wurde diese enge Verbindung mit dem Aufkommen von Schallplatten, die es einem erlaubten, sich Geschichten anzuhören. Die weitere Entwicklung kennen wir. Auf die Schallplatte folgte die Kassette, dann kam die CD, die dann irgendwann von der DVD abgelöst wurde. Aber damit nicht genug. Heute lassen sich Geschichten auch über das Internet erzählen, eines der für mich schönsten Beispiele in dieser Hinsicht ist Inanimate Alice, „a digital novel“, wie es auf der Website heißt. Die Geschichte der zehnjährigen Alice können wir nur am Bildschirm erleben und das in Form von Text, Bildern, aber auch Spielen. Das transmediale Erzählen hat sich in den letzten Monaten auch bei uns zum Renner entwickelt und uns schon im letzten Jahr dazu bewogen, die Kunst des digitalen Erzählens zum Thema der diesjährigen stARTconference zu machen. Sie findet am 17. und 18. November in der Haniel-Akademie und der gegenüberliegenden ehemaligen Kalvinistenkirche statt, also direkt im Herzen von Duisburg-Ruhrort, dem „Kreativquartier“ der Stadt. Dank dieses Umzugs in die direkte Nähe des weltgrößten Binnenhafens und dank unserer beiden Partner, der Unternehmensgruppe Haniel und der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg (GFW), ist es uns gelungen, sowohl einen tollen Rahmen für die diesjährige stART11 zu finden als auch sehr günstige Tickets anbieten zu können. Sie kosten dieses Jahr 144 Euro und können über dieses Online-Formular bestellt werden. Aber zurück zu den Inhalten. Auf der einen Seite ist es schön zu sehen, wie solch transmediale Geschichten funktionieren und mit „Peers Return“ werden wir Ihnen ein Projekt vorstellen, dass die Geschichte Peer Gynts aufgreift und sie über verschiedene Medienformate erzählt. Dieses Beispiel ist uns deshalb besonders wichtig, weil es nicht nur auf die gängigen Formate wie Video, Foto oder Musik zurückgreift, sondern sich auch in den Bereich des Musiktheaters vorzuwagen beabsichtigt. Unsere Idee dahinter: Transmedia Storytelling ist nicht nur etwas für den Film- und Musikbereich, sondern auch für die klassischen Kunstsparten. Wie aber funktioniert  Transmedia Storytelling bzw. wie funktioniert erst einmal Storytelling und das Arbeiten mit narrativen Methoden? Im Rahmen von Vorträgen und Workshops bekommen Sie einen Einblick in die Welt des (transmedialen) Storytelling. So wird Marcus Brown, Social-Media-Chef der Marketingagentur Booming in seiner Keynote erklären, wie digitales Storytelling überhaupt funktioniert und was er unter dem Begriff „Streamtelling“ versteht. Sein Hintergrund als Mitarbeiter einer Marketingagentur macht schon deutlich, dass wir uns vom Storytelling einiges versprechen und das Erzählen von Geschichten nicht als Selbstzweck betrachten. Wer mit Geschichten arbeitet, findet schnell heraus, dass es dabei nicht nur um das Erzählen, sondern auch um das Zuhören geht, d.h. die ZuhörerInnen spielen eine durchaus wichtige Rolle. So verfolgt Storytelling vor allem im Kontext von Social Media das Ziel, über die Geschichte hinaus zu wirken. Ist die Geschichte zu Ende, gehen die Gespräche darüber erst so richtig los und das im Idealfall auf den diversen Social-Media-Kanälen, die die jeweilige Kultureinrichtung nutzt. Sie sehen, Social Media ist eigentlich die Grundvoraussetzung, um Storytelling richtig zu nutzen und aus dem eher passiven Publikum so etwas wie eine Community werden zu lassen. Dahinter verbirgt sich die Idee, auf diese Weise auch neue Erlösmodelle zu entwickeln und Kultureinrichtungen fit zu machen für Zeiten, in denen die öffentlichen Kassen leer sind und die staatliche Förderung eher ab- als zunimmt. Wenn ich Sie nun neugierig gemacht habe, finden Sie in einem eigenen Beitrag mehr über das Programm der stART11. Und wenn Sie noch mehr wissen wollen, besuchen Sie doch die folgende Seite, auf der wir Ihnen alle Informationen im Überblick zur Verfügung stellen. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.
Post

Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens

23 comments
© Joujou ; Pixelio Ich gebe es zu, an diesem Beitrag bin ich länger gesessen als an den anderen mittlerweile gut 1.500 Beiträgen in diesem Blog. „Transmedia Storytelling – die Kunst des digitalen Erzählens“, so lautet nicht nur die Überschrift dieses Blogposts, sondern das ist auch das Motto der diesjährigen stARTconference, die am 17. und 18. November in Duisburg stattfinden wird. Seitdem wir uns vor einem Jahr für dieses Thema entschieden haben, ist kein Tag vergangen, an dem sich nicht irgendjemand daran gemacht hat zu erklären, was Transmedia Storytelling ist. Als ich im Januar den Beitrag „In zwei Minuten wissen Sie, was Transmedia Storytelling ist“ online stellte, habe ich es mir noch leicht gemacht und mit Hilfe eines Videos den Begriff zu erklären versucht. So ganz ist das nicht gelungen, wie die Kommentare gezeigt haben und rückblickend würde ich sagen, kratzt dieses Video nur an der Oberfläche von dem, was Transmedia Storytelling sein kann. Sein kann deshalb, weil sich heute viele Medienproduktionen damit schmücken, eine Geschichte transmedial zu erzählen und eigentlich gar nicht so ganz klar ist, wann wir von Transmedia Storytelling sprechen können und wann nicht. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, landet recht schnell bei einem Blogpost, das Henry Jenkins schon im Jahr 2007 geschrieben hat und den Titel „Transmedia Storytelling 101“ trägt. Jenkins, derzeit Professor an der University of Southern California, hat darin eine Definition vorgeschlagen, die wohl auch heute noch Gültigkeit besitzt:
„Transmedia storytelling represents a process where integral elements of a fiction get dispersed systematically across multiple delivery channels for the purpose of creating a unified and coordinated entertainment experience. Ideally, each medium makes it own unique contribution to the unfolding of the story.“
Als er sich anfangs dieses Monats in dem Beitrag „Transmedia 202: Further Reflections“ erneut mit dem Thema beschäftigte, konnte man darin zwar viel Neues lesen, die Definition blieb aber erhalten. Zerlegt man diese Definition, dann hat man da folgende Begriffe vor sich: Prozess, Fiktion, verschiedene Kanäle und so etwas wie ein Unterhaltungserlebnis („entertainment experience“). Häufig wird daraus: ich erfinde eine unterhaltsame oder spannende Geschichte und erzähle sie mit Hilfe verschiedener Formate, z.B. im Wechsel von Text und Bild. Vielleicht ist der Begriff Transmedia Storytelling auch irreführend, denn strenggenommen geht es gar nicht um die eine Geschichte, sondern es gilt, eine fiktionale transmediale Welt zu kreieren, in der Dinge passieren können, von denen die Autoren anfangs noch gar keine Ahnung haben. Jenkins spricht von einem Prozess und meint damit „a continuum of possibilities“ und einen daraus resultierenden Fluss der Inhalte. Dieser Fluss der Inhalte lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise erzählen. Jenkins arbeitet in seinen beiden Beiträgen verschiedene Aspekte heraus, mit denen sich beschäftigen sollte, wer transmediale Welten entwerfen möchte. Ein wichtiger Aspekt ist die Erzählstruktur. Vor allem das Fernsehen verdeutlicht die verschiedenen Möglichkeiten. Episodenhaften Serien, bei denen jede Folge abgeschlossen ist (siehe z.B. Tatort) stehen mehrteilige Filme gegenüber, deren Folgen sich unmittelbar aufeinander beziehen, etwa die in den 1960er und 1970er Jahren gezeigten Durbridge-Mehrteiler. In beiden Fällen kommt aber auch das gegenteilige Element zum Tragen, so oder so besteht die Herausforderung darin, den Erzählstoff sinnvoll zu portionieren. Während früher, so Jenkins, das episodenhafte Erzählen im Vordergrund stand, habe vor allem das amerikanische TV in der jüngeren Vergangenheit mehr auf das serielle Erzählen gesetzt. Diese Entwicklung habe, so ist er überzeugt, das Publikum auf Transmedia Storytelling vorbereitet. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die in den USA produzierte TV-Serie Lost, in der das serielle Element dominiert (siehe dazu: Verena Schmöllers Artikel „Further Instructions“ in: „Durch das Labyrinth von LOST“ (Affiliate Link)) . Interessant ist, dass die Ausstrahlung im deutschen Fernsehprogramm kein großer Erfolg war, während sich die DVD- und Blu-Ray-Editionen sehr gut verkauften. Untersuchungen, die belegen, dass sich der geringe Erfolg der TV-Serie auf die serielle Erzählstruktur und eine eventuelle Überforderung des Publikums zurückführen lässt, sind mir aber nicht bekannt.
„Most transmedia stories are highly serial in structure, but not all serials are transmedia,“
schreibt Jenkins und verweist an anderer Stelle auf die Bedeutung der Cliffhanger, die dazu dienen, verschiedene narrativ nicht abgeschlossene Folgen durch Spannungsaufbau kurz vor dem Ende einer Folge miteinander zu verknüpfen und die ZuseherInnen/LeserInnen dadurch dazu zu bringen, die nächste Folge anzuschauen oder den nächsten Band zu lesen. Serielles Erzählen bedeutet aber nicht automatisch, dass die Geschichte linear erzählt wird. Gerade der transmediale Sprung in ein anderes Format erlaubt auch zeitliche Sprünge, die in Form einer Backstory häufig in der Vergangenheit spielen und zum Beispiel zusätzliche Informationen über eine oder mehrere Charaktere enthalten. Möglich ist es etwa, zwischen zwei Staffeln einer TV-Serie einen der Charaktere ein Blog betreiben zu lassen, das in der Vergangenheit spielt und dessen Entwicklung skizziert. Diese inhaltlich begründete Beziehung zwischen – in diesem Fall – den Folgen einer TV-Serie und den Beiträgen eines Blogs ist eines der Kennzeichen von Transmedia Storytelling. Diese inhaltliche Verschränkung ist nicht neu und folgt dem Prinzip der Intertextualität, das sich – wenig überraschend – nur auf das Textformat bezieht.
„Jeder Text baut sich als Mosaik von Zitaten auf, jeder Text ist Absorption und Transformation eines anderen Textes,“
zitiert Wikipedia die bulgarisch-französische Psychoanalytikerin und Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Julia Kristeva, die diesen Begriff in der Beschäftigung mit Michail Bachtins Dialogizitätsmodell entwickelt hat. Intertextualität (Jenkins spricht von „radically intertextuality“, erläutert diesen Begriff aber nicht weiter) verneint die interpretatorische Vormachtstellung der AutorIn , sondern geht von einem Netzwerk an Texten aus, die erst durch die verschiedenen Verknüpfungen ihre wahre Bedeutung entfalten können. Transmedia Storytelling funktioniert nach dem gleichen Prinzip, beschränkt sich aber nicht nur auf ein (Text)-Format, sondern nutzt beliebig viele unterschiedliche Fomate. Unterschiedliche Formate erfordern aber einen unterschiedlichen Umgang:
„Each medium has different kinds of affordances – the game facilitates different ways of interacting with the content than a book or a feature film,“
schreibt Jenkins und führt in diesem Zusammenhang den von Gunther Kress geprägten Begriff der Multimodalität ein (siehe dazu: Gunther Kress: Reading Images: Multimodality, Representation and New Media). Kress, Professor für Semiotik, beschäftigt sich mit der Frage, wie die neue Komplexität von ‚Texten“ verstanden werden kann. Kommunikation läuft immer häufiger über mehrere Kanäle gleichzeitig (multimodal) und benötigt neue Kompetenzen, die wir uns erst nach und nach aneignen müssen. Erst die Kombination von „radically intertextuality“ und „multimodality“ macht aus einer Story eine transmediale Story. Aber auch nur dann, wenn beide Ansätze dazu verwendet werden, die Story anzureichern und verwendet in diesem Zusammenhang den vom Spielentwickler Neil Young eingeführten Begriff „additive comprehension“, der dazu dient,
„to refer to the ways that each new text adds a new piece of information which forces us to revise our understanding of the fiction as a whole.“
Damit schließt sich der Kreis, denn einen Satz vorher heißt es bei Jenkins:
„Ideally, each individual episode must be accessible on its own terms even as it makes a unique contribution to the narrative system as a whole.“
Damit wären wir wieder bei der Erzählstruktur gelandet und der Herausforderung, die Story entsprechend zu portionieren und jedes seiner Einzelteile inhaltlich aufzuladen. Wer Transmedia Storytelling lediglich als das Erzählen einer Geschichte mit Hilfe mehrerer Formate versteht, wird dem Begriff nicht gerecht. Henry Jenkins versteht darunter das Zusammenspiel verschiedener sehr komplexer Phänomene, das sich in folgender Formel darstellen lässt: „radically intertextuality“ + „multimodality“ + „additive comprehension“ = transmedia storytelling Erst in diesem Fall dürfen wir von Transmedia Storytelling als der Kunst des digitalen Erzählens sprechen, wobei auch das erst die Grundformel ist.