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Museumsguide: Audiokärtchen statt App

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Nubart ist ein „Audioguide“, den die BesucherInnen über ihr eigenes Smartphone nutzen können. Der Zugang zu den Inhalten erfolgt via QR-Code, eine App-Entwicklung oder die Anschaffung von Hardware sind nicht nötig.

Eine kleine Karte als haptischer Stellvertreter für das eBook

Manche Ideen sind gut und haben es doch schwer, sich durchzusetzen. Gründe dafür gibt es viele. Unter Umständen ist die Technologie noch nicht ausgereift oder wir Menschen sind nicht bereit, uns von unseren Gewohnheiten zu trennen. Wobei eigentlich beide Punkte nicht auf das spanische Startup Digital Tangible zutreffen. 2013 von Rosa Sala, Jordi Pérez und Simon Effing gegründet, hatte das Unternehmen eine in meinen Augen sehr gute Geschäftsidee. „Wir wollten“, erinnert sich Rosa Sala, „dass man eBooks physisch verkaufen, verschenken oder auch sammeln kann“. So entstand die Idee, kleine Kärtchen zu produzieren, über die man dann das eBook erhalten konnte.

Screenshot von der Label-Seite seebook.eu

Ich selbst habe mir so etwas immer gewünscht. Ich hätte oft gerne ganz bestimmte eBooks verschenkt. Aber jemandem einen Gutschein zu schicken, auf dem nur ein Eurobetrag steht und ihm oder ihr dann auszurichten, dass sie doch bitte ein ganz bestimmtes Buch kaufen sollten, widerstrebt mir bis heute. Deshalb habe ich in meinem ganzen Leben nicht ein einziges eBook verschenkt.

„Wir haben drei Jahre lang alles nur Denkbare getan, um diese Idee, die übrigens Alle immer sehr gut fanden, erfolgreich umzusetzen“, so Sala, die damals CEO des Startups mit Sitz in Barcelona war. „Aber es hat nicht funktioniert. Die Buchhändler, die daran am meisten interessiert sein sollten, haben uns kaum unterstützt.“

Auch mit Hörbüchern funktionierte es nicht, erzählt die promovierte Germanistin von ihrem nächsten Versuch, den Buchmarkt zu erobern. „In Spanien waren Hörbücher damals noch ziemlich unbekannt und die Versuche in Deutschland, Hörbücher zu streamen, sind gescheitert, weil die Kundschaft weiter auf die CD setzte. Der Grund: ‚Die lassen sich viel besser einpacken!'“

Aber dank Simon Effing verfügte das Unternehmen zu jenem Zeitpunkt schon über eine ganz interessante Technologie. Das selbst entwickelte Light Online Content Protection-System (LOCP) erlaubte einen kontrollierten und nicht übertragbaren Zugang zu einem digitalen Inhalt, ohne die UserInnen mit lästigen Log-Ins zu nerven. So habe man eine eigene Social-DRM-Lösung entworfen, die man Kunden heute immer noch anbiete. „Darüber hinaus hatten wir“, so Sala, „ein eigenes System zur Aufnahme und Darstellung von komplexen User-Daten aufgebaut und wir verfügten über ein eigenen CMS, das sich besonders für Audiofiles eignete“.

Angesichts der Frage, wie es nun weitergehen könne, erinnerte sie sich an einen schon Jahre zurückliegenden gemeinsamen Besuch mit einem Pärchen im Picasso-Museum in Barcelona. Die meinten damals, dass sie statt eines Leihgerätes viel lieber eines der Kärtchen hätten. Diese wären nicht nur praktischer, sondern auch ein schönes Souvenir, das man später zuhause an die Kühlschranktür kleben könne.

„Ich habe diese Bemerkungen damals ad acta gelegt, aber nach dem Floppen von der eBook- und Hörbuchkarten wurde sie plötzlich wieder präsent“, erinnert sich Sala an diesen Moment.  Und so entstand die Idee, Museen diese Karten anzubieten. Unter dem neuen Label „Nubart“ bewarb das Unternehmen seinen Audioguide im Scheckkartenformat bei den Museen und konnte in Spanien gleich einige Museen als Kunden gewinnen. Dieser Erfolg motivierte das Team, auch andere Märkte in Angriff zu nehmen und so öffnete im letzten August eine Dependance in Berlin. Von hier aus sollen nun die Museen im deutschsprachigen Raum angesprochen werden.

Die Inhalte werden auf das eigene Mobilgerät gestreamt

Warum gefällt mir die Idee dieses Audio Guides so? Wir alle wissen, dass wir uns im Moment in einer Art Umbruchphase befinden. Die App in ihrer jetzigen Form wird es vermutlich nicht mehr lange geben. Wir nutzen sie zwar sehr gerne auf unseren mobilen Endgeräten, verlassen uns aber auf immer weniger Apps (siehe dazu meinen Beitrag „Apps im Kulturbereich: das sollten Kulturbetriebe wissen„). Außerdem hat Colleen Dilenschneider herausgefunden, dass die BesucherInnen kultureller Angebote nur selten vor oder während ihres Besuchs eine App nutzen. Es kommt für die Kultureinrichtungen aber noch schlimmer:

„(.) the ones who do use an organization’s app do not experience a significant increase in visitor satisfaction.“,

schreibt sie in ihrem Blogbeitrag „Are Mobile Apps Worth It For Cultural Organizations„. Das bedeutet: Wer zum Beispiel eine App in einer Ausstellung nutzt, um mehr über die ausgestellten Objekte und das Thema der Ausstellung zu erfahren, profitiert davon anscheinend gar nicht so sehr. Zumindest in den USA, wo die Befragung durchgeführt wurde.

Bleiben die Museumsguides. Sie verursachen allerdings recht hohe Kosten, denn das Museum muss sich bei dieser Variante nicht nur um die Inhalte kümmern, sondern auch um Anschaffung und Wartung der Hardware.

Der Nubart Audio-Guide braucht weder App noch Museums-Guide, sondern setzt auf die Kärtchen, die den Zugangscode für die Inhalte enthalten.

Die bekomme ich zum Beispiel an der Kasse, scanne dann mit meinem Smartphone den QR-Code ein und gelange so auf eine mobile Website, auf der die Inhalte für die Ausstellung zu finden sind. Beworben wird die Anwendung zwar als Audio-Guide, aber grundsätzlich lassen sich auch Videos, Karten oder auch PDFs in die Tour einbauen. Die Inhalte liegen auf den Servern des Unternehmens (was das Erstellen von Nutzerstatistiken ermöglicht.) und werden von dort gestreamt.

Das bedeutet, die BesucherInnen müssen auf diese Inhalte zugreifen können. Im Idealfall verfügt das Museum über ein freies WLAN. Alternativ sollte eine gute Netzabdeckung vorhanden sein. Nachdem die Roamingkosten in der EU seit ein paar Monaten der Vergangenheit angehören, ist das für EU-Bürger kein Problem mehr. Für den Fall, dass beide Varianten nicht möglich sind, bietet das Unternehmen auch eine Offline-Variante an.

Auf Augmented- oder virtual Reality-Anwendungen muss das Museum bei der Audio-Karte zwar verzichten. Aber dafür bedarf es keiner Marketingaktivitäten, um die App im App-Store zu bewerben oder den Audio- oder Multimediaguide gegen Gebühr oder eine Sicherheitsleistung zu verleihen. Die Nubart-Kärtchen können entweder kostenlos oder gegen einen frei wählbaren Betrag abgegeben werden. Vielleicht findet sich auch ein Sponsor, der die gebrandete Karte für Werbung in eigener Sache nutzt.

Ich denke, diese Lösung ist vor allem für die kleinen und mittelgroßen Museen interessant, die weder das Geld noch das Know-How für Konzeption und Entwicklung einer App haben und ihren BesucherInnen trotzdem etwas anbieten wollen. Natürlich kann ich schon heute Chatbots für die Führung durch das Museum nutzen (siehe dazu den Beitrag von Angelika Schoder: „ChatBots als interaktive Guides im Museum“). Aber erstens haben da vermutlich viele Museen selbst (noch) Vorbehalte. Zweitens gibt es vermutlich so wie mich viele Museumsbesucher, die während des Besuchs einer Ausstellung lieber zuhören als mitlesen (Dieser Einwand stimmt nur zum Teil, auch über den Messenger lassen sich Audio-Files abrufen).

Fazit: Der Audio-Guide per Karte ist eine eher niederschwellige Lösung. Museen, die sich dadurch angesprochen fühlen und es eher haptisch mögen, sollten einen Blick auf die Website des Unternehmens werfen.

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App-Ökossysteme für Kultureinrichtungen: Ticket Gretchen und Uber kooperieren

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Foto von Lexi Ruskell auf Unsplash

Wir als NutzerInnen digitaler Technologien verwenden immer weniger Apps, die wir aber immer länger nutzen. So lässt sich in aller Kürze mein Beitrag „Apps im Kulturbereich: Das sollten Kulturbetriebe wissen“ zusammenfassen. Wer vor diesem Hintergrund mit der Entwicklung einer App liebäugelt, muss damit rechnen, dass er bei der Umsetzung relativ viel Geld in die Hand nimmt und nicht weiß, ob sich der große Aufwand am Ende wirklich lohnt.

Dieses Schicksal droht, so denke ich, all denen, die sich bei Konzeption und Gestaltung der App ausschließlich auf ihre eigenen Inhalte konzentrieren. Vor nicht allzu langer Zeit erregte eine Kultureinrichtung  noch Aufsehen, wenn sie eine App herausbrachte. Heute ist das eher eine Selbstverständlichkeit und dementsprechend sinkt das Interesse daran. Wir sind nicht mehr so schnell bereit eine App auf unseren mobilen Endgeräten zu installieren und verzichten im Zweifelsfall lieber darauf.

War es früher oft Neugierde, die uns dazu gebracht hat eine App auszuprobieren, fragen wir heute eher nach ihrem Nutzen. Dabei spielen unsere veränderten Gewohnheiten eine wichtige Rolle. Wir kommunizieren über sie, nutzen sie für Unterhaltungszwecke, aber wir kaufen auch mit ihrer Hilfe ein, erledigen unsere Bankgeschäfte und vieles mehr. Diese Entwicklung macht auch vor kulturellen Angeboten nicht halt. Für viele ist es heute unvorstellbar, dass sie zu einer Vorverkaufsstelle gehen, um sich ein Ticket zu kaufen für eine Veranstaltung, die dann noch mal 14 Tage später stattfindet. Natürlich können wir heute viele Tickets bereits online kaufen, aber oft gestaltet sich deren Erwerb trotzdem noch ziemlich mühsam.

Meistens bilden Kultureinrichtungen dabei einfach nur ihre Strukturen ab, an die Customer Experience denken wohl nur die wenigsten. Da überrascht es nicht, dass da plötzlich ganz andere Player auf diesen Zug aufspringen. In diesem Fall, der der Anlass für diesen Blogbeitrag ist, geht es um ein Wiener Startup, das mit „Ticket Gretchen“ eine App entwickelt hat, über die ich in Wien – und mittlerweile auch in einigen österreichischen Bundesländern – schnell und unkompliziert Theatertickets kaufen kann. Und noch besser: Ich muss die Tickets nirgendwo abholen, ich muss sie auch nicht ausdrucken (Print@home ist aber möglich), sondern habe sie in der App.

Vor allem für Kurzentschlossene ist das eine praktische Sache, denn die App bietet einen schnellen Überblick über das Angebot und erlaubt einem den raschen Erwerb eines Tickets, ohne die Seiten der Theater aufzurufen. Das heißt, der Kaufvorgang wird beschleunigt.

Treffe ich die Entscheidung sehr kurzfristig, muss ich sehen, dass ich rechtzeitig zum Vorstellungsbeginn im Theater bin. Wer es bequem mag, wird sich vielleicht ein Taxi kommen lassen. Auch das geht mittlerweile per App, die Zahl derer, die ihr Taxi über mytaxi oder Uber bestellen, steigt kontinuierlich an.

©Jan Frankl

In Wien haben sich jetzt Ticket Gretchen, Uber und der Wiener Bühnenverein zusammengetan und bieten noch bis Ende Juni eine 30-prozentige Ermäßigung auf Theaterkarten und Taxifahrt. Sie decken damit einen Großteil der Customer Journey ab. NutzerInnen von Uber werden so auf das Theaterangebot aufmerksam gemacht und kommen so vielleicht auf die Idee, sich eine Produktion anzuschauen. Das Angebot spricht darüber hinaus die an, die es gerne bequem haben oder die öffentlichen Verkehrsmittel aus welchen Gründen auch immer nicht nutzen möchten. Die Kooperation richtet sich aber auch an die, die ihre Abende digital organisieren und nun eine Möglichkeit haben, mit Hilfe zweier Apps einen Abend im Theater zu verbringen.

Und die Theater selbst? Sie können sich im Idealfall über mehr verkaufte Tickets und zufriedene BesucherInnen freuen. Aber Teil dieses App-Ökosystems sind sie nicht. Das muss kein Nachteil sein, wenn die Kooperationen klappen. Es kann aber ein Nachteil werden, weil sie nicht eingebunden sind, das heißt, ihnen fehlen die Gestaltungsmöglichkeiten. Wenn man es böse formuliert, verkommen die Theater zum reinen Contentlieferanten. Die (Infra)-Struktur stellen andere zur Verfügung und vielleicht sind sie es eines Tages, die darüber entscheiden, ob wir ins Theater gehen (können) oder nicht. In diesem Fall sehe ich kein Problem, weil der Wiener Bühnenverein als Kooperationspartner mit im Boot ist. Die Interessen der Theater sind also gewahrt. Aber wird das immer so sein?

Gefragt ist mehr Unternehmergeist auf Seiten der Theater (aber auch seitens anderer Kultureinrichtungen), denke ich. Ob sie das Heft dabei selbst in die Hand nehmen oder für sie nützliche Kooperationen eingehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine App für eine Kultureinrichtung lohnt sich nicht, wenn man diese Aspekte nicht berücksichtigt. Es gilt, die Metaebene zu besetzen, eine Art Ökosystem rund um die Customer Journey zu entwickeln. Das ist vermutlich eine ziemliche Herausforderung für Theater und andere Kulturbetriebe, aber dahinter verbergen sich ja auch Chancen. ;-)

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Apps im Kulturbereich: das sollten Kulturbetriebe wissen

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Foto von Rami Al-zayat auf Unsplash

Die Frage, ob eine App nötig oder sinnvoll sei, beschäftigt Kultureinrichtungen schon seit längerer Zeit. Manche haben sich bereits dafür oder dagegen entschieden, andere überlegen immer noch. „App oder nicht App?„, diese Frage stellte ich schon 2014 in einem Blogbeitrag. Und ein Jahr davor, also 2013, ging es hier im Blog um die Frage, ob sich eine App für Kultureinrichtungen lohnen würde? Während ich die (native) App damals der mobilen Website beziehungsweise einer Seite im Responsive Design gegenüberstellte, müsste ich heute wohl eher App und Chatbots als Konkurrenten betrachten. Rückblickend können wir sagen, dass Website und App zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind. Ob wir das auch mal von Apps und Chatbots behaupten werden, wird die Zukunft weisen. Erste Stimmen gehen zumindest schon in diese Richtung.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Benötigen Kultureinrichtungen heute eine App oder nicht? Über die Gründe, die Sie antreiben, kann ich wenig sagen, zu verschieden ist die jeweilige Ausgangslage. Oft ist es das Bedürfnis, die eigenen Inhalte nun endlich auch in einer App präsentieren zu können. Ob dieser Wunsch auch mit den Wünschen und Bedürfnissen derer korrespondiert, die als NutzerInnen vorgesehen sind, lässt sich mit Hilfe von Checklisten oder im Beratungsgespräch leicht herausfinden. Bevor Sie damit beginnen, möchte ich gerne das Umfeld beleuchten und Sie auf drei – in meinen Augen nicht unwichtige – Punkte aufmerksam machen.

Wir nutzen lieber Apps als das mobile Web,…

Nicht wenige UserInnen weigern sich, die Facebook-App auf ihre mobilen Endgeräte zu laden und zu nutzen, weil diese App ein gewaltiger Ressourcenfresser ist. Stattdessen läuft bei ihnen Facebook im mobilen Browser. Aber wenn man sich die Zahlen ansieht, dann ist das eher die Ausnahme als die Regel. Ich selbst bin den Browsern gar nicht so abgeneigt, muss aber zugeben, dass das eher für den Tablet-PC gilt, beim Smartphone bevorzuge ich Apps. Warum ist das so? In meinen Augen ist die Usability eine bessere, vor allem fällt mir die Navigation in einer App leichter. Und vermutlich hat es auch etwas mit der Aufbereitung der Inhalte zu tun.

Aber schauen wir uns die Zahlen erst einmal genauer an. Die Informationsplattform eMarketer hat herausgefunden, dass wir immer mehr Zeit mit Apps verbringen (werden), während die Nutzungsdauer der mobilen Webbrowser praktisch konstant bleibt-

Quelle: eMarketer 04/2017 http://bit.ly/2pl72oa

Während die US-BürgerInnen (ab 18 Jahren) 2015 auf ihren mobilen Endgeräten pro Tag 1:55 Stunden verbrachten, sind es heute bereits 2:25 Stunden. 2019 werden es 2:43 Stunden sein, ein Zuwachs von fast 50 Prozent. Die mobilen Browser hingegen profitieren von der verstärkten Nutzung der mobilen Endgeräte kaum, ihre Nutzungsdauer erhöht sich im gleichen Zeitraum von 00:25 Minuten (2015) auf 00:27 Minuten (2019), heißt es in dem eMarketer-Artikel.

Wenn wir uns jetzt noch vor Augen halten, dass immer mehr Menschen mobil auf das Internet zugreifen, spricht eigentlich alles dafür, sich so schnell wie möglich eine App zuzulegen. Schließlich verbringen die UserInnen nicht nur immer mehr Zeit mit ihren Apps, sondern es steigt auch die Zahl derer, die mobil online gehen.

…, aber die Zahl der verwendeten Apps geht zurück.

Allerdings hat eMarketer noch etwas anderes herausgefunden: Die US-BürgerInnen verbringen zwar immer mehr Zeit mit Apps, aber deren Zahl sinkt kontinuierlich, wie die folgende Grafik zeigt:

Quelle: eMarketer 04/2017 http://bit.ly/2pl72oa

Das ist keine große Überraschung, ich denke, die meisten von Ihnen werden heute auch wesentlich zurückhaltender beim Installieren von Apps sein als noch vor zwei Jahren.

Es sind vor allem die Apps der „Großen“, zum Beispiel die von Facebook. In den USA verbringen die UserInnen, so sie Desktop oder Laptop verwenden, ziemlich konstant 6 Minuten pro Tag auf der Seite des sozialen Netzwerks. Via App sind es schon 17 Minuten täglich, Tendenz steigend. Mit ein Grund dafür:

„Major publishers are combining multiple functionalities into their apps, contributing to the gradual consolidation of the app market,“

wird die Analystin Jaimie Chung zitiert. Sie liefern gebündelt einen großen Teil des Angebots, auf das sich die UserInnen in den USA konzentrieren:

  • Musik hören
  • social Networking
  • Videos anschauen
  • Spielen
  • per Messenger kommunizieren

Wenn wir jetzt die beiden Ergebnisse nebeneinanderstellen, wird es schon schwieriger, daraus irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen. Einerseits wäre es ungeschickt, auf eine App zu verzichten, weil die Nutzungsdauer weiter ansteigt. Andererseits werden es Apps von Kultureinrichtungen schwer haben sich durchzusetzen, schließlich werden sie nie zu den „Großen“ gehören und damit eher ein Nischendasein fristen. Aber muss es wirklich das Ziel sein, zu den weltweiten Top5 zu gehören oder Facebook Konkurrenz zu machen? Ich denke nicht. Apps von Kultureinrichtungen werden immer im Nischenbereich angesiedelt sein. Umso wichtiger ist es aber, sich schon in der Planungsphase genau zu überlegen, was die App können soll, warum es überhaupt eine App sein muss. Sich eine App anzuschaffen, weil die anderen auch eine haben, ist vermutlich ein schlechter Grund, um soviel Geld auszugeben. Sonst stellt man recht schnell fest: Die App hat sich nicht gelohnt. Und damit wäre man dann zum gleichen Schluss gekommen wie Colleen Dilenschneider, die für Impacts Research & Development arbeitet und dank der „National Awareness, Attitudes, and Usage (NAAU) Study“ über entsprechendes Datenmaterial zu verfügen scheint.

Eine Studie besagt: Der Mehrwert von Apps im Kulturbereich ist gering.

Die Zahlen, die sie präsentiert, sind interessant, die Schlussfolgerungen, die sie daraus zieht, erschreckend. Vor allem für diejenigen, die viel Geld in die Entwicklung einer App gesteckt haben oder vorhaben, das demnächst zu tun. In ihrem Beitrag „Are Mobile Apps Worth It For Cultural Organizations?“ schreibt sie nämlich:

„Not many visitors use mobile applications either prior to their visits or while onsite, and the ones who do use an organization’s app do not experience a significant increase in visitor satisfaction.“

Konkret besagen die Zahlen, dass sich die NutzerInnen kultureller Angebote vor ihrem Besuch vor allem über das Web (76,4%), das mobile Web (73,8%) und die verschiedenen Social Media-Kanäle (68%) informieren. Die App spielt da kaum eine Rolle. Nur 5,5% gaben an, eine solche auf ihren mobilen Endgeräten zu haben und diese vorab für Informationszwecke zu nutzen. Dem Gegenargument, viele BesucherInnen wüssten vielleicht gar nichts von der App, begegnet Dilenschneider mit der Feststellung, dass wir es erstens gewohnt sind, für Informationszwecke auch Apps zu nutzen und zweitens so viele Kultureinrichtungen eine App haben, dass InternetnutzerInnen es ganz selbstverständlich in Betracht ziehen, nach einer solchen zu suchen. So sie der Meinung sind, eine App wäre hilfreich, um den Besuch des kulturellen Angebots zu planen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Zumindest in den USA, denn von dort stammen die Daten.

Wie sieht es während des Besuchs des kulturellen Angebots aus? Wer sich vor Ort informieren möchte, nutzt laut der Studie vor allem Social Media-Kanäle (52,3%), das mobile Web (31,5%) und das persönliche Gespräch (29,7%). Die App wird vor Ort noch seltener genutzt (4,1%) als vor dem Besuch. Ich persönlich hege Zweifel, dass die BesucherInnen die verschiedenen Kanäle nur nutzen, um sich zu informieren. Ich selbst bin zum Beispiel noch nie während eines Museumsbesuchs auf die idee gekommen, über die sozialen Netzwerke Informationen einzuholen. Was ich aber sehr wohl getan habe: Ich habe Fotos geteilt.

Was mich etwas ratlos zurücklässt, ist die Tatsache, dass vor Ort ein großer Teil der BesucherInnen das mobile Web nutzt, die App aber kaum berücksichtigt wird. Die Zahlen stehen klar im Widerspruch zu den von eMarketer erhobenen Daten. Eine mögliche Erklärung dafür: Wer die App im Vorfeld des Besuchs nicht auf sein mobiles Endgerät geladen hat, wofür es anscheinend nur wenig Gründe gibt, macht das vor Ort erst recht nicht. Das kann daran liegen, dass wir uns nicht die Zeit dafür nehmen wollen, es kein WLAN gibt oder Audio-/Multimedia-Guides vor Ort angeboten werden. Das kann aber auch heißen: Apps von Kultureinrichtungen sind in den Augen der UserInnen so wenig relevant, dass sie den Download einfach nicht in Erwägung ziehen. Weder davor noch während des Besuchs.

Diese nicht vorhandene Relevanz kommt zum Ausdruck, wenn wir uns eine dritte Datenreihe aus der NAAU-Studie ansehen, die in der folgenden Grafik abgebildet ist:

Quelle: Colleen Pilenschneider: http://bit.ly/2p8wB9c

Sie zeigt, wie zufrieden die BesucherInnen vor Ort mit der Nutzung der einzelnen Informationsquellen sind und vergleicht deren Grad der Zufriedenheit mit dem derer, die den jeweiligen Kanal nicht genutzt haben. Der Grad der Zufriedenheit liegt bei den NutzerInnen einer App bei 68,7%, der der NichtnutzerInnen bei 68,5%, also nur marginal geringer. Damit lassen sich der Aufwand und die Kosten der Appentwicklung in Frage stellen. Bei anderen Kanälen sind die Unterschiede ein Stück weit größer, zum Beispiel bei den NutzerInnen sozialer Netzwerke. Während deren Grad an Zufriedenheit bei 72,5% liegt, sind es bei denen, die die sozialen Netzwerke nicht nutzen, nur 68,4%. Ähnlich sieht es beim mobilen Web aus. Dessen NutzerInnen sind ein Stück weit zufriedener (71,6%) als die, die es vor Ort nicht nutzen (68,2%). Das heißt, Kultureinrichtungen, die ihre BesucherInnen mit Hilfe einer App Informationen zur Verfügung stellen, geben viel Geld aus und erreichen wenig.

Fazit

Was lassen sich aus all den Zahlen jetzt für Rückschlüsse ziehen? Auf der einen Seite nutzen wir auf unseren mobilen Endgeräten bevorzugt Apps, allerdings beschränken wir uns dabei auf einige wenige, Apps von Kultureinrichtungen sind da selten dabei. Die Apps, die es bereits gibt, scheinen nur einen geringen Nutzen zu haben, so sie überhaupt genutzt werden.

Aus meiner Sicht gibt es zwei Wege, um diesem Dilemma zu entgehen. Auf der einen Seite können Kultureinrichtungen darauf vertrauen, dass es auch im Bereich der Apps Nischen gibt, die besetzt werden können. Wer sich für Kunst und Kultur interessiert, wird auch Interesse an Apps aus diesem Bereich haben. Vermutlich haben fast alle von uns spezielle Interessen und so es dafür hilfreiche Apps gibt, nutzen wir diese auch. Auf der anderen Seite lässt sich aus der Entwicklung (und den Zahlen) ableiten, dass die Zeit vorbei ist, in denen jedes Unternehmen und jeder Kulturbetrieb eine eigene App haben muss. Ich denke, es ist an der Zeit, dass Apps auf einer übergeordneten Ebene entwickelt werden. Das kann zum Beispiel die Stadt sein, die in einer App alle relevanten Informationen zusammenfasst.

Wer sich für eine eigene App entscheidet, muss sich sehr genau überlegen, welche Zwecke mit ihr erfüllt werden sollen. Anja Gebauer, die sich in ihrem Blogbeitrag „App-solut überflüssig?“ ebenfalls mit dem Beitrag von Colleen Dilenschneider beschäftig hat, fasst das ganz gut zusammen:

„Diese Ergebnisse legitimieren meines Erachtens nach keine Abwehrhaltung gegen Apps in Kultureinrichtungen oder gar gegen digitale Vermittlungsmethoden generell. Vielmehr zeigt die Datenanalyse, dass die Konzepte inhaltlich durchdacht, pädagogisch konzipiert und auf die Bedürfnisse der Besucher abgestimmt sein müssen!“

Ich sehe das ähnlich. Eine App braucht ein gutes inhaltlich durchdachtes Konzept, das über die Bereitstellung von Informationen hinausgeht. Mir ist klar, dass es reizvoll ist, sich mit technologischen Entwicklungen zu beschäftigen und eine Augmented Reality-Anwendung in die App zu integrieren. Auch ich beschäftige mich gerne damit. Aber die Technologie sollte Mittel zum Zweck sein, nicht mehr und nicht weniger.

Eine App kann, wie Gebauer es fordert, pädagogisch konzipiert sein, das ist aber nur ein möglicher Ansatz. Mir ist vor allem ihr letzter Punkt wichtig, nämlich die Bedürfnisse der BesucherInnen. Oft gehen Kultureinrichtungen vermutlich von völlig falschen Bedürfnissen aus und scheitern deshalb mit ihrer App. Eigentlich sollten diese Bedürfnisse der Ausgangspunkt aller Überlegungen sein und erst dann gilt es die Frage zu beantworten, ob eine App dafür das richtige Instrument ist. Wer dann noch einen Wow-Effekt findet und nicht alle Inhalte von Website, Folder, etc. in die App reinpackt, ist schon mal auf einem guten Weg.

Damit habe ich die Ausgangsfrage, ob Kultureinrichtungen eine App brauchen, nicht wirklich beantwortet. Aber ich konnte hoffentlich ein paar Informationen liefern, die Sie in Ihrem Entscheidungsprozess unterstützen.

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Die Smartsphere als technologisches Herzstück des digitalen Erlebnisraumes

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Bild: Gasometer Package„; von wake4jake (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Am letzten Wochenende durfte ich an einem Innovationcamp in Bozen teilnehmen, ein Format, das in meinen Augen sehr spannend ist und recht schnell zu sehr guten Ergebnissen führen kann. Gastgeber waren das Südtiroler Medienunternehmen Athesia und WhatAVenture, ein junges Unternehmen, das andere dabei unterstützt, innovative Ideen in den Markt zu bringen. Von der schönen Stadt habe ich leider nichts gesehen, aber ich möchte die zwei Tage dort nicht missen. Das Ziel war es, Ideen für den Aufbau einer digitalen Medienagentur zu entwickeln, die Athesia und seinen Kunden den Sprung in die mobile Welt erleichtern soll.

In einem Team mit Stefanie Andolfato (Athesia), Moritz Schuster (Rocket Internet), Martin Adam und Frank Tentler (beide menschortweb) arbeiteten wir am Konzept des analog-digitalen Erlebnisraumes, einer Idee, die ich vor mehr als einem Jahr in einem Blogbeitrag („Der digitale Erlebnisraum)“ schon mal beschrieben habe. Martin Adam und Frank Tentler haben daraus in den letzten Monaten eine Art mobiles Raumschiff gemacht, das vor kurzem in Magdeburg gelandet ist.

Smartsphere nennen sie es und verstehen darunter eine Art App-Ökosystem, das all das kann, was sich Unternehmen, aber auch Kulturbetriebe so wünschen. Die wichtigsten Punkte:

  • Die App stellt ortsgebundene und personalisierte Inhalte zur Verfügung. Das können Informationen, aber auch Unterhaltungsangebote sein. Wir haben es also mit einer Art Contentmaschine zu tun, mit deren Hilfe sich Content nach bestimmten Kriterien filtern und veröffentlichen lässt. Abgesehen von (ur)heberrechtlichen  Fragen spielt es keine Rolle, ob es eigene oder fremde (kuratierte) Inhalte sind.
  • Multimediale Inhalte lassen sich beispielsweise mit Hilfe von Augmented Reality in analoge Räume einbauen und auf Plakaten oder in Büchern, Magazinen oder Katalogen einsetzen.
  • Die App lässt sich modular erweitern, das Citymarketing kann zum Beispiel den Kultureinrichtungen der Stadt jeweils eigene Apps zur Verfügung stellen. Als Teil der Smartsphere sind sie mit dem gesamten Ökosystem verbunden und profitieren so von der Größe des Systems, sind aber natürlich frei in der Gestaltung ihrer App.

Und warum setzen wir beim Thema digitaler Erlebnisraum auf eine App beziehungsweise ein ganzes App-System? Wer vor nicht allzu langer Zeit das Internet mobil nutzte, gehörte zu einer Minderheit. Heute ist das anders, wir verwenden in der Mehrzahl der Fälle unseren mobilen Endgeräte, insofern gilt heute schon für viele Branchen: „mobile first!“. Damit einher  geht ein verändertes Kunden-/Userverhalten mit Auswirkungen auf die Customer Experience, für die gilt: Die Unternehmen müssen, wenn sie bei ihren Zielgruppen punkten wollen, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung stellen. Mit Hilfe der entsprechenden Technologien (Beacons, GPS, NFC, etc.) lassen sich so nicht nur Informationen am gewünschten Ort abrufen, möglich ist auch gleich der nächste Schritt, zum Beispiel der Erwerb eines Tickets.

Personalisierung, die Offline-/Onlineintegration oder das Bespielen verschiedener Kanäle und die Nutzung unterschiedlichster Formate, das sind die Herausforderungen, vor denen wir heute stehen. Nur so können Veranstalter, Einzelhandel, aber natürlich auch die Kulturbetriebe ihre Zielgruppen noch erreichen. Aber so eine App kostet einerseits Geld und garantiert mir andererseits nicht, dass ich die gewünschte Aufmerksamkeit auf mich lenken kann. Zwar nutzen wir auf unseren mobilen Endgeräten meistens Apps, aber unser Interesse konzentriert sich auf wenige von ihnen. Wie kann es uns gelingen, zu diesem erlauchten Kreis zu gehören?

Ich denke, es macht wenig Sinn, als Einzelkämpfer um Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu ringen. Aber ein Medienunternehmen wie Athesia hat eine gewisse Größe, verfügt außerdem über Unmengen an Inhalten und kann genau so eine Plattform aufbauen und diese dann seinen (Werbe)-Kunden anbieten. Genau das war eigentlich der interessante Aspekt bei diesem Innovationcamp in Bozen. „Think big“ als Voraussetzung für den Erfolg. „Think big“, das können Kultureinrichtungen auch, oder? Auch im Kulturbereich gibt es Unternehmen, die eine entsprechende Größe haben oder als eine Art Holding funktionieren. Denken wir an das Universalmuseum Joanneum, das in der Steiermark über 12 Standorte verfügt  oder die Pinakotheken in München. Aber es geht auch anders, regionale Zusammenschlüsse können eine interessante Alternative sein, etwa die Metropolregion Rhein-Neckar oder das Ruhrgebiet. Und es gibt außerdem die Möglichkeit, sich an der Customer Journey zu orientieren. So könnten beispielsweise Kultureinrichtungen in Wien, die für ausländische Besucher interessant sind, versuchen herauszufinden, was ihr Publikum vor und nach dem Besuch macht. Wie so etwas funktioniert, zeigt die von den Weitzer-Hotels angebotene App „Graz Secrets„, die die Nutzer die unbekannten Seiten der Stadt entdecken lässt.

Für „Athesia Peak – The Mobile Web Agency“, so der Name für unser am letzten Wochenende entwickeltes Baby, haben wir ein recht umfangreiches Konzept erarbeitet, das nicht nur auf Content, sondern auch auf Interaktion und Kommunikation setzt, denn wir haben es hier mit sozialen Räumen zu tun, die einer gewissen Dynamik unterliegen. Vor allem dann, wenn es um die Verbindung analoger und digitaler Räume geht. Damit umzugehen und zu wissen, welche Gestaltungsmöglichkeiten es eigentlich gibt, das ist die große Herausforderung, nicht ohne Grund sprechen wir von digitalen Erlebnisräumen.

Ob es diese Web Agency jemals geben wird, wissen wir noch nicht. Aber dieses Modell lässt sich, so denken wir,  übertragen, auch auf den Kunst- und Kulturbereich. Hier die passenden Ideen und Konzepte zu entwickeln, ist die Aufgabe der nächsten Zeit. Erste Projekte in diese Richtung gibt es schon, davon später mehr.

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App oder nicht App, das ist hier die Frage

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Es muss ja nicht immer die ganz große Nummer sein und trotzdem kann eine App ihren Zweck erfüllen. Das Jüdische Museum Wien zum Beispiel nennt seine App gar nicht App, sondern Multimediaführer (siehe Bild oben). Verwendet werden dafür Tablet-PCs, die sich die BesucherInnen an der Kasse ausleihen können. Um Informationen zu den einzelnen Ausstellungsobjekten zu erhalten, sind keinerlei Vorkenntnisse nötig und wer sich nicht sicher ist, lässt sich die Funktionsweise einfach erklären. Mir gefällt diese eigentlich unspektakuläre Art, mobile Endgeräte zu nutzen. zeigt sie doch, dass es nicht immer das große Rad sein muss, an dem man dreht.

Viele Kultureinrichtungen beschäftigen sich derzeit mit der Frage, ob sie eine App entwickeln sollen oder nicht. Eine für alle gültige Antwort gibt es leider nicht, jede Kultureinrichtung muss für sich abwägen, ob eine App für sie in Frage kommt und wenn ja, welche. Schon im letzten Jahr habe ich mich in meinem Beitrag „Lohnt sich eine App für Kultureinrichtungen“ mit der Frage beschäftigt, ob nicht eine Website im Responsive Design oder eine mobile Website ausreichend sind? Betrachten wir einfach unser eigenes Verhalten? Wenn ich mich selbst beobachte, stelle ich fest, dass ich auf Smartphone und Tablet-PC meistens Apps nutze, den Browser hingegen eher selten. Eine App läuft in der Regel schneller und ist leichter zu bedienen. Was für die UserInnen ein Nachteil ist, nämlich die Gier der App-Anbieter nach Daten, ist für die andere Seite ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Vieles lässt sich tracken und so ist es nicht schwer, das Userverhalten zu analysieren und dementsprechende Rückschlüsse daraus zu ziehen. Das heißt, eine App erfüllt eigentlich zwei Aufgaben. Einerseits erfährt der App-Anbieter viel über die UserInnen, andererseits muss die App natürlich den Bedürfnissen der NutzerInnen gerecht werden, sonst verschwindet sie recht schnell wieder von den Geräten.

Fakt ist aber, dass wir immer häufiger mobile Endgeräte nutzen, um auf das Internet zuzugreifen. In diesem Artikel ist von 4,4 Mia. Nutzern mobiler Apps im Jahr 2017 die Rede. Eigentlich kommen wir also um das Thema Apps nicht mehr herum. Trotzdem würde ich nicht so einfach sagen, eine App muss sein, denn wir sollten uns sehr genau anschauen, wer Apps wie nutzt. Apps waren früher etwas besonderes und alleine deshalb wurden sie wahrgenommen und auch auf den eigenen Geräten installiert. Heute ist eine App ganz selbstverständlich und dementsprechend schwer ist es, seine Zielgruppen dazu zu bringen, sie überhaupt auf ihren Geräten zu installieren.

Angenommen, ich reise für ein Wochenende nach Wien oder London. Ich gestehe,  ich würde mir nicht die Mühe machen, erst einmal zu recherchieren, welches Museum eine App hat und mir dann alle Apps auf mein Smartphones zu laden. Und weil ich in der Stadt natürlich auch essen gehen möchte, außerdem ein paar nette Geschäfte suche und dabei die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen werde, kommen am Ende einige Apps zusammen, die ich für meinen Städtetrip brauchen könnte.

Wäre es da nicht viel besser, es gäbe eine App, die alle wichtigen Informationen für meinen Kurzurlaub enthält und damit meine gesamte Customer Journey abdeckt? Vorausgesetzt wir können unser Konzept umsetzen, dann würden wir in Bregenz auf diese Weise vorgehen. Eine App für die ganze Stadt und nicht für jede einzelne Kultureinrichtung. Natürlich könnte sich theoretisch jedes Museum, jedes Opernhaus oder Theater genau anschauen, wie die Customer Journey ihres Publikums aussieht und in die App alle notwendigen Informationen einbauen. Aber die meisten Kultureinrichtungen können sich das finanziell gar nicht leisten und hätten vermutlich auch gar nicht die Kapazitäten für ein solches Vorhaben. Deshalb macht es in meinen Augen durchaus Sinn, sich auf einer übergeordneten Ebene mit diesem Thema zu beschäftigen, um einerseits den Wünschen und Bedürfnissen der UserInnen zu entsprechen und andererseits Kosten zu sparen.

Das heißt jetzt nicht, dass Apps für Kultureinrichtungen unsinnig sind. Vor allem wenn ein bestimmtes Thema, bestimmte Inhalte im Vordergrund stehen, macht es durchaus Sinn wie im Fall der MAK-App, die sich mit Wien 1900 beschäftigt. Ich durfte das Museum bei der Konzeption beraten und nach vielen Diskussionen kamen wir zu dem Entschluss, eine App für Tablet-PCs zu entwickeln.

Warum eine App für Tablet-PCs? Bei einer öffentlichen Diskussion wurden wir gefragt, warum wir nicht auf Smartphones gesetzt hätten, die doch viel verbreiteter seien?

© Katja Schröckenstein

Stimmt, Smartphones gibt es vielmehr, aber wir wollten die UserInnen in einer ganz bestimmten Situation erreichen und zwar nicht früh am Morgen in der Phase, wo alles möglichst schnell gehen muss und wir unser Smartphone dazu nutzen, rasch die wichtigsten Informationen zu lesen. Sondern am frühen Abend, wenn wir mit unserem Tablet-PC auf dem Sofa sitzen und viel weniger Zeitdruck haben als morgens.  Deshalb enthält die App auch schöne, große Bilder und wird alle drei Monate mit Comics internationaler ZeichnerInnen ergänzt (siehe dazu: „APP-STORIES #2: EINTAUCHEN IN DIE MAK-APP UND IHRE FEATURES„). Auch Literatur zum Thema „Wien 1900“ ist geplant, ein weiterer Punkt, der für eine Tablet-Version spricht, denn wer liest schon gerne längere Texte oder gar ein ganzes Buch auf dem Smartphone?

Es war also nicht die Arroganz gegenüber den normalsterblichen Smartphone-Usern, wie der Vorwurf lautete, sondern der Versuch, eine ganz bestimmte Zielgruppe in einer Situation zu erreichen, in der die UserInnen nicht schnell weiterklicken, sondern bereit sind, sich auf etwas einzulassen, sich Zeit zu nehmen. Ob das gelingt, wird die Zukunft zeigen.

Beate Lex, die seitens des MAK die Projektleitung in Händen hielt, wird übrigens beim stARTcamp Wien in zwei Tagen eine Session zu diesem Thema halten. Für Kultureinrichtungen, die gerade über eine App nachdenken, ist das vielleicht eine ganz gute Gelegenheit, sich auszutauschen beziehungsweise Fragen zu stellen.

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Lohnt sich eine App für Kultureinrichtungen?

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To App or Not to App: That is the Question“ ist auf „Technology in the Arts“ ein Beitrag überschrieben. Vor dieser Frage stehen wohl derzeit viele Kultureinrichtungen, denn das mobile Web gewinnt immer mehr an Bedeutung. Damit einher geht die verstärkte Nutzung von Apps, deren Zahl tagtäglich zunimmt und einen schon fast unüberschaubaren Mix aus kostenlosen und kostenpflichtigen Angeboten entstehen lässt.

Die Bereitschaft, sich eine App zuzulegen, ist groß, schließlich liegen Apps derzeit voll im Trend. Ob so eine App aber die richtige Lösung ist, sollte herausgefunden werden, bevor die Entscheidung fällt. Marc van Bree steht den Apps eher skeptisch gegenüber, in seinem Blogpost „Why performing arts organizations are not app-ropriate“ kommt er zu dem Ergebnis, dass Apps gegenüber dem Responsive Design einige Nachteile haben, vor allem im Hinblick auf den Aufwand und die Kosten. Lediglich im Bereich User Experience überwiegen die Vorteile, so van Bree. In der folgenden Grafik hat er App, mobile Website und Responsive Design gegenübergestellt und zeigt, welche Kriterien überhaupt eine Rolle spielen:

Letzten Endes kommt es aber natürlich darauf an, welche Ziele mit einer App erreicht werden sollen. Michelle Cheng weist in ihrem Beitrag auf „Technology in the Arts“ darauf hin, dass sich die Funktionen von App und Website häufig überlappen würden:

„Many performing arts organizations in particular have already deployed highly functional and well-designed apps, some of which even boast convenient in-app ticket purchasing features, but overall there is substantial content overlap between apps and websites.“

Auch Florian Heigl ist vor kurzem auf dem mobileAPPS-Blog der Frage nachgegangen, welche Variante die beste ist? „Responsive, Adaptive, Mobile oder App?

„Aufgrund der Vielfalt an mobilen Endgeräten und den damit verbunden nahezu unendlich vielen verschiedenen Auflösungen, die auch enorme Unterschiede in der Darstellungsgröße bedeuten, wird diese Methode von vielen Entwicklern bevorzugt gewählt, um eine möglichst breite Masse an Endgeräten möglichst effizient abzudecken,“

schreibt er, hält aber zugleich fest, dass Verallgemeinerungen unsinnig seien und jeder Fall einzeln bewertet werden müsse.

Entscheidend ist wohl sein Rat, dass man anhand der Zugriffsstatistiken erst einmal herausfinden sollte, welche mobilen Endgeräte am häufigsten genutzt werden. Denn klar ist auch: eine mobile Website ist wesentlich günstiger zu haben als eine App.

Für mich persönlich stellt sich die Frage, ob man nicht auch noch zwischen einer Smartphones-App und einer App für Tablets unterscheiden sollte? Ich nutze das iPad sehr gerne, um Hintergrundinformationen zu erhalten, mir Bilder oder Videos anzuschauen, während das Smartphone eher dazu dient, wichtige Informationen zu erhalten (sieh dazu auch: „Das iPad verändert unser Leseverhalten“ und: „Museen: Der Geschäftsbericht auf dem iPad„).

Fazit: es gibt viele Möglichkeiten, mobile UserInnen zu erreichen, die App ist nur eine davon.

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Kurzgeschichten auf dem iPad lesen

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„As more and more people look for quick, bite-sized experiences to inspire and entertain them the need for quality stories increases“, schreibt Paragraph-Gründer Ziv Navoth in seiner Beschreibung einer iPad-App, die ich mir heute näher angeschaut habe. Das Problem sei es, solche Geschichten zu finden. Mit der App Paragraph Shorts versucht Navoth hier Abhilfe zu schaffen. Jede Woche erscheint – derzeit kostenlos – eine neue Zusammenstellung von Kurzgeschichten, die sich an den unterschiedlichsten Orten im Web verstecken und für diese App in den Formaten Text, Video und Audio zusammengetragen werden.

Jede Ausgabe (derzeit sind es zwei) steht zum Download zur Verfügung und kann dann unterwegs gelesen, gehört oder angeschaut werden. Was mir gut gefällt: Hier wird nicht auf Masse gesetzt, die dann eher abschreckt, sondern jede Ausgabe enthält nur eine sehr begrenzte Auswahl an Kurzgeschichten. Das heißt, man hat eine realistische Chance, das Angebot auch nutzen zu können.

Erst später soll mit der App mit Hilfe von exklusivem Content Geld verdient werden, derzeit gibt es Kooperationen mit Zeitungen und Zeitschriften wie Paris Review oder dem Guardian.

„While the future of the book might be inquestion, the future of the story is not. Stories transport us to a different universe, only to bring us back to earth a littledifferent, a little wiser, than we were before. Let Paragraph be your rocketship“, so lautet die Vision hinter dieser App. Eine schöne Idee, reinschauen, – hören und -lesen lohnt sich.

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Philip Glass zeigt, wohin sich die Musik App entwickeln kann

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Als ich vor einigen Wochen in München war, hatte ich das Glück, im Haus der Kunst eine Ausstellung über das 1969 von Manfred Eicher in München gegründete Label ECM sehen zu dürfen. Nicht nur die vielen Hörproben und die alten Filme, die es dort zu sehen gibt, faszinierten mich, nein, auch die ausgestellten Plattencover gefielen mir, stehen doch einige heute noch in meinem Plattenregal. Zur Ausstellung ist zwar ein umfangreicher Katalog erschienen (hier eine Vorschau), ich hätte mir aber eher eine iPad-App gewünscht, denn die viele Musik und die Filme kommen in einem Katalog aus nachvollziehbaren Gründen zu kurz. Mal abgesehen von urheberrechtlichen Fragen: Wäre das nicht eine tolle Sache, wenn es zu dieser Ausstellung eine iPad-App geht, die Texte, Plattcover, Musik und Filmmaterial enthält? Ich hätte dafür sicher Geld ausgegeben.

Gerade die iPad-App hat, so denke ich, ein gewaltiges Potenzial, zum Beispiel auch im Musikbereich, denn mit ihr gelingt es, verschiedene Formate zu verbinden. Noch ein Stück weiter geht aber eine App, über die John Paul Titlow in seinem Artikel „Philip Glass, Music Apps, And The Future Of The Album“ berichtet. Das neueste Werk des amerikanischen Komponisten Philipp Glass ist nämlich nicht nur auf CD, Vinyl oder als MP3 erhältlich, sondern eben auch als App für das iPad.

Was zeichnet diese App nun aber aus? Warum sollte jemand statt einer CD das Album als App kaufen? Die Antwort ist einfach: Alle Songs sind visualisiert und wer Lust hat, kann mit diesen Visualisierungen spielen und sie beeinflussen. Was bei Songs wie beispielsweise diesem hier wirklich faszinierend ist.

Das ist es dann eigentlich schon. Fast, denn ich hatte ja geschrieben, dass diese App noch ein Stück weiter geht. Neben den Songs des Albums findet sich noch der Menüpunkt „Glass Machine“, „a stand-alone feature that lets users remix and build their own minimalist compositions using an interface that is both atypical and easy to use“, so Titlow. Aber, so kritisiert er, die App könnte noch viel besser sein, wenn es die Möglichkeit gäbe, die eigenen Werke aufzunehmen, abzuspeichern und dann über die sozialen Netzwerke zu teilen.

Auf diese Weise ließe sich die Kritik zumindest ein Stück weit entkräften, dass Glass sein Werk auf einem geschlossenen System anbietet. So aber steht diese App derzeit nur auf dem iPad zur Verfügung. Was schade ist, denn so kann ich die Musik beispielsweise nur auf dem iPad hören (und sehen). Auf der anderen Seite bietet sich so aber die Chance, das Produkt Musik mit einem Mehrwert zu versehen und damit vielleicht zu verhindern, dass das Album irgendwo illegal runtergeladen wird. Ich sehe es ähnlich wie John Paul Titlow: „If artists can design something fans would love interacting with and that offered enough value above and beyond the audio itself, the people who care most would shell out $10 or $15. I know I would. “

Ich habe mir die App vor ein paar Tagen gekauft und nicht nur gerne die Musik von Philip Glass gehört, sondern auch meine eigene. ;-) Allerdings bin ich mir darüber im Klaren, dass sich das Angebot dieser App nicht auf jede andere Art von Musik übertragen lässt. Ich möchte weder Lady Gaga noch Richard Wagner nacheifern und mir anmaßen, deren Musik zu „imitieren“. Das ist schon bei Philip Glass eigentlich eine gewagte Sache.

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Fundraising auf Facebook

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Crowdfunding- oder Spendenplattformen gibt es jede Menge. Wie aber schaffen es die geldsuchenden Personen oder Institutionen, potenzielle SpenderInnen oder UnterstützerInnen auf die jeweilige Seite zu bekommen? Die Herausforderung besteht darin, auf den Plattformen, auf denen man mit seinenFans verbunden ist, die Werbetrommel zu rühren. Meist geschieht das auf dem eigenen Blog oder auf Twitter bzw. Facebook.

Wäre es da nicht sinnvoller, das Geld gleich auf einer der Plattformen einzusammeln? Schließlich hat man die jeweiligen Profile als „Treffpunkt“ etabliert, z.B. auf Facebook. Das kanadische Unternehmen ConnectionPoint, 2008 gegründet, bietet nun, so berichtet Diane Drubay auf dem MuseumNext Blog mit FundRazr eine Applikation an, die sich direkt auf Facebook nutzen lässt.

Drubay berichtet vom Boston Museum of Science, das auf diesem Weg versucht, $2.500 USD an Spenden einzusammeln. Konkret können die Facebook-Fans zwischen $5 und 100 USD spenden, natürlich lässt sich der Spendenaufruf über alle sozialen Netzwerke auch weiter kommunizieren. Aber nachdem die meisten Kultureinrichtungen Facebook für die Kommunikation mit ihren Fans nutzen, macht es sicher Sinn, auf dieser Plattform eine Möglichkeit zum Spenden zu offerieren. Der Überweisungsvorgang wird mit Hilfe von PayPal abgewickelt, was eine größtmögliche Internationalität garantiert. Ganz interessant ist die Gebührenstruktur:

„From every FundRazr payment, PayPal deducts their standard fee of 2.9% plus $0.30 USD and the FundRazr fee of $0.30 USD.“

Bei einer $5 USD-Spende werden also ca. $0,75 USD abgezogen, ein bei kleinen Spenden relativ hoher Prozentsatz. Kostengünstigere Lösungen, die vor allem international funktionieren, gibt es leider immer noch nicht, trotzdem ist FundRazr ein für Kultureinrichtungen interessantes Fundraising-Tool, denn es funktioniert auf dem eigenen Facebookprofil bzw. der eigenen Facebookseite.

$1.100 von den $2.500 USD hat das Boston Museum of Science übrigens schon bekommen. Bei derzeit 16.000 Fans.