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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte oder: woher kommen eigentlich die Fotos für dieses Blog?

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Dass zu einem (guten) Blogpost auch ein (gutes) Bild gehört, ist eine Binsenwahrheit. Wer sich diese Weisheit zu Herzen nehmen will, steht allerdings relativ schnell vor der Frage, wo man diese Bilder denn findet und – was noch wichtiger ist- wie es einem gelingt, diese Fotos dann auch für das eigene Blog zu nutzen?

Die einfache Copy&Paste-Variante spielt sich natürlich nicht, also muss es andere Wege geben. Vereinfacht gesagt gibt es drei Möglichkeiten: erstens, man fotografiert selbst, was bezüglich der Rechte am einfachsten ist. Oder man kauft bei Fotografen die Rechte für die Nutzung einzelner Bilder, was dank Plattformen wie iStockphoto finanziell durchaus machbar ist.

Bleibt noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die Suche auf Plattformen, auf denen FotografInnen ihre Fotos kostenlos zur Verfügung stellen. Auf Pixelio, photoopia oder anderen Plattformen stehen unzählige Bilder zur Verfügung.

Warum bietet jemand seine Fotos kostenlos an? Ist das eine Form der Werbung oder sind das nur Hobbyfotografen, denen es gar nicht ums Geld geht? Fragen wir doch einfach jemanden, der auf solchen Plattformen seine Fotos zur Verfügung stellt.

Gerd Altmann

Gerd Altmann gehört zu den Fotografen, deren Bilder ich immer wieder für mein Weblog verwendet habe, auch das Titelbild ist natürlich von ihm. Ich führe keine eigene Statistik darüber, vermute aber, dass er, was die Zahl der Fotos hier im Blog angeht, die Nummer eins ist. Bevor ich hier meine Fragen loswerde, möchte ich aber die Gelegenheit nutzen und mich zuerst einmal für die Bilder bedanken, die er in großer Zahl online zur Verfügung stellt. Für mich ist das nicht selbstverständlich, schließlich ist Fotografieren mehr als mal schnell auf den Auslöser zu drücken.

Die folgenden Fragen habe ich ihm schriftlich gestellt.

Kulturmanagement Blog: Herr Altmann, ich habe eingangs ja schon geschrieben, dass Sie Ihre Fotos online zur Verfügung stellen und ich als User sie kostenlos für – in diesem Fall – mein Weblog nutzen darf. Warum machen Sie das? Was erwarten Sie sich davon?

Gerd Altmann: Anerkennung, Wertschätzung, Bewunderung, Achtung und Bestätigung sind Auszeichnungen, die mir Lebenskraft und Ausdauer verleihen. In meinem Beruf als Altenpfleger fehlt es leider oft an dem Applaus, den ich jedenfalls für meine tägliche Ego-Stabilität brauche. Meine Altenpflege-Tätigkeit stellt für mich die Basis dar, die finanzielle Einnahmequelle für meinen Lebensunterhalt. Die Wertschätzung und Bewunderung erhalte ich aber eben über meine künstlerische Arbeit, nicht nur als Fotograf/Bildbearbeiter, auch als Autor, Filmemacher und Kabarettist.

Kulturmanagement Blog: Mit diesem Angebot gehören Sie mit zu denen, die ihren Content kostenlos über das Internet anbieten. Fürchten Sie nicht, dass diese Gratismentalität immer mehr um sich greift und die Kreativen dadurch immer weniger Chancen haben, von ihrer Arbeit zu leben?

Gerd Altmann: Warum sollte ich mich davor fürchten? Ich begreife mich selbst als Kreativer, der hier durchaus keine Gratisgaben verteilt. Als Gegenleistung für meine Arbeit will ich konkret die Form der Entlohnung, die ich oben beschrieben habe: Anerkennung, Wertschätzung, Bewunderung, Achtung und Bestätigung. Bleibt diese Vergütung aus, suche ich mir neue Kunden, die bereit sind, diesen Preis zu zahlen.

Außerdem muss ich sagen, wer als professioneller Bildgestalter, Photograf oder Grafiker durch meine bescheidenen Arbeiten Aufträge verliert, der sollte sich doch mal fragen, ob er den richtigen Beruf gewählt hat. Meine Bilder sind hobbymäßig und unprofessionell erzeugte Arbeiten, mehr aus einen Lust- und Launegefühl mal eben schnell gemacht. Es steckt kein wirkliches Können dahinter. Vor dieser naiven Art des Bildermachens braucht sich kein Profi zu fürchten. Und ich denke, das wissen diese Fachleute auch.

Natürlich würde ich auch Geld mit meinen Bildern verdienen wollen, aber leider habe ich nie gelernt, wie man das macht. Ich besitze einfach diese Fähigkeit nicht, aus meinen Talenten Kapital zu schlagen. Kaufmännische Eigenschaften fehlen mir gänzlich, ebenso die Gabe, andere von meiner eigenen Richtigkeit zu überzeugen und für diese überzeugte Richtigkeit zu kassieren.

Kulturmanagement Blog: Zu Ihnen selbst. Wie sind Sie zum Fotografieren gekommen und was fotografieren Sie am liebsten?

Gerd Altmann: Auf der Suche nach leerstehenden Fabrikhallen entdeckte ich die Lust am Fotografieren. Ursprünglich wollte ich in meiner Heimatstadt Büdingen all das bildlich festhalten, was so zu Beginn der 70er Jahre abgerissen wurde: Wellblechhütten, Fabrikhallen, altes Bahnhofsklo, zerbombte Ruinen … eben den ganzen „Flair der alten Zeit“. Damit fing alles an. Leider sind die ganzen schwarzweiß Aufnahmen durch fehlerhafte Selbstentwicklung längst verblasst und unbrauchbar geworden.

Menschen, Gesichter sind meine Lieblingsmotive. Aber leider bin ich meistens zu bequem, zu faul, zu getrieben oder auch zu ängstlich, um meine Mitmenschen nach der Erlaubnis für eine Veröffentlichung zu fragen. Und die meisten meiner Freunde und Bekannten scheuen das objektive Auge einer Kamera. Leider. Weitere Motive sind die, welche Sie als Downloader gebrauchen könnten. Wenn Sie Wünsche bezüglich eines bestimmten Motivs oder einer speziellen Bildaussage haben, dann schreiben Sie mir bitte. Wenn in meinem Fundus etwas vorhanden ist, das in etwa Ihren Vorstellungen entspricht, werde ich diese Bilder bei photoopia einstellen. Aus Zeitgründen kann ich jedoch keine individuellen Sonderanfertigungen machen.

Kulturmanagement Blog: Sie haben vor kurzem die Fotoplattform gewechselt. Gibt es da Kriterien, auf die ich achten muss, wenn ich als Fotograf meine Bilder anbieten möchte?

Gerd Altmann: Ich kann nur für mich sprechen: dort, wo ich mich zuhause fühle, lasse ich mich nieder. Geht dieses Gefühl verloren, ziehe ich weiter.

Kulturmanagement Blog: Ich weiß ja, wo ich Ihre Fotos finden kann, aber vielleicht interessiert sich ja die eine oder andere LeserIn (oder BlogbetreiberIn) auch für Ihre Fotos. Wo findet man Ihre Fotos denn und wofür darf man sie verwenden?

Gerd Altmann: Meine Fotos dürfen lizenzfrei und kostenlos genutzt werden. Sie können nach Herzenslust sowohl kommerziell als auch redaktionell verwendet werden und sie können nach den Bedürfnissen der jeweiligen Downloader verändert werden. Sie können mit diesen Bildern all das machen, was sie schon immer mit Photos, Bilder und Grafiken machen wollten.

Nur eines dürfen Sie nicht: sie dürfen nicht behaupten, dass Sie diese Bilder gemacht haben. Sie können meine Bilder uneingeschränkt nutzen, wenn Sie diese mit dem/den Fotografennamen und der Bezeichnung photoopia kennzeichnen.
Sie finden mich auf pixabay unter dem Nick geralt.

Kulturmanagement Blog: Danke für Ihre Antworten, Herr Altmann und danke auch noch mal für die Fotos, die Sie zur Verfügung stellen.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
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Theater in Deutschland oder so großartig war die Vergangenheit gar nicht: ein Interview

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Im aktuellen Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft habe ich den Hinweis auf ein Interview mit Bernd Wagner entdeckt, der sich als Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft mit dem deutschen Theater und den vielen Mythen, die es umgeben, beschäftigt.

So bringen wir ja das deutsche Theater immer wieder gerne mit der Aufklärung in Verbindung und heben die Bedeutung des deutschen Nationaltheaters für die „Nationenwerdung“ hervor. Wagner weist im Gespräch darauf hin, dass das deutsche Nationaltheater durchaus in diesem Zusammenhang gesehen werden kann. Aber es gab auch noch andere „handfeste“ Gründe für diese Entwicklung. So waren viele Theater nicht mehr in der Lage, die teuren Gastspiele aus Italien und Frankreich zu finanzieren. Da kam es ganz gelegen, sich mehr auf heimische Kunst zu konzentrieren.

Ein Irrglaube ist es auch, dass damals nur die „deutschen Klassiker“ gespielt wurden:

„Wenn man die Spielpläne der Hoftheater und der frühen sogenannten Stadttheater durchgeht, wird man feststellen, dass sie nahezu überall von Unterhaltungsstücken bestimmt waren“,

merkt Wagner dazu an. Besonders gut gefällt mir aber sein Hinweis, dass die Rückbesinnung auf deutsche Geschichte und Tradition im Rahmen der Integrationsdebatte eine Homogenität vorspiegele, die es so gar nicht gebe:

„Alle nationalen Kulturen setzen sich aus sehr unterschiedlichen Kulturen zusammen, die sich austauschen, durchdringen und gemeinsam die Kultur eines Land prägen. Das Bewusstsein dieser ‚interkulturellen Dimension‘ im eigentlichen Wortsinn und nicht nur bezogen auf die Menschen „mit Einwanderungsgeschichte“ oder mit „Migrationshintergrund“ setzt sich in der Kulturpolitik allmählich durch. Kurz: ’nationale‘ Kultur kommt nur im Plural vor. „

Sehr treffend fomuliert und als Voraussetzung für Innovation unerlässlich.

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Ein Interview mit mir

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Das Frage- und Antwortspiel ist immer wieder eine Herausforderung. Ich sehe mich, so ich der Befragte bin, immer wieder mit neuen Fragen konfrontiert, deren Beantwortung einem Dinge klar werden lassen oder auch einfach nur dazu dienen, sich bestimmte Punkte wieder in Erinnerung zu rufen.

Für mich ist die Figur des digitalen Kurators so ein Punkt im Interview gewesen, das ich Kerstin Hoffmann und ihrem Blog Storyboard – das Kommunikationsblog geben durfte. Ich denke, der technologische Fortschritt wird uns noch sehr viele herausfordernde und hilfreiche Neuerungen bringen. Aber wir werden immer auch Personen brauchen, die in der Lage sind, Dinge zu verknüpfen bzw. weiter zu denken. Kuratoren eben.

Abgesehen davon hat es aber auch einfach Spaß gemacht, Kerstins Fragen zu beantworten. Deshalb: danke Kerstin für die Gelegenheit, Deine Fragen beantworten zu dürfen.

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Sich selbst in einem Kurzinterview präsentieren

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© Ruben Gläser; Pixelio

Wie viele Newsletter erhalten Sie so pro Woche? 5? 10? 20? Oder noch mehr? Wahrscheinlich wissen Sie es genau so wenig wie. Mit steigender Zahl weiß man dann ja auch gar nicht, wie man dazu gekommen ist und ob man ihn jemals abonniert hat? Oder ob es sich um so etwas wie Zwangsbeglückung handelt.

Der Newsletter von Ann Daly, den ich heute bekommen habe, ist eine der rühmlichen Ausnahmen. Die Beraterin in Sachen Kunst und Kultur gibt darin einen recht guten Tipp, wie man sich selbst besser darstellen kann, zum Beispiel gegenüber den Medien.

Sie schlägt nämlich vor, die Presseunterlagen durch ein Kurzinterview zu ergänzen, das nicht länger als eine Seite ist. Vor allem KünstlerInnen empfiehlt sie, auf diese Weise über sich zu informieren. Welches Ziel steckt dahinter?

„The goal is to provide an understanding of what makes you different from other artists and what makes you appealing to your audience“,

schreibt Daly in ihrem Newsletter. Ihr schwebt dabei eine Art Bühne vor, auf der die KünstlerIn von sich erzählt, und zwar möglichst konkret, denn:

„Amidst all the kits that a presenter or journalist go through, yours will stand out because you’re a real person, not just another act.“

Und wie erstellen Sie so ein Interview? Daly schlägt vor, sich von einer Person mündlich interviewen zu lassen, die Ihrer künstlerischen Arbeit positiv gegenüber steht, aber nicht zu viel von Ihnen weiß. So, wie eben zum Beispiel JournalistInnen, die neugierig auf Ihre Geschichten sind.

Das Interview bzw. Gespräch kann durchaus chaotisch und unstrukturiert sein, gerade dadurch würde „moments of poetry“ entstehen, schreibt Daly. Danach geht es dann darum, das Interview zu transkribieren und zu verdichten, damit am Ende die wichtigsten Passagen mit den wesentlichen Aussagen übrig bleiben.

Ihre fünf abschließenden Tipps:

  1. „Include at least one story. People love stories. And when you tell a story, more of your personality comes through.
  2. Make sure to address questions that you commonly hear from presenters.
  3. Drill down, deeper and deeper. What really makes you different from the competition?
  4. No cliches!
  5. Consider the audience, because the presenter is. Can you give a sense of what the audience will experience?“

Die Idee gefällt mir gut. Das werde ich auch ausprobieren und damit meine „about me“-Seiten ergänzen.

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Wie ich Xing nutze; ein Interview auf telemat.de

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Vor einiger Zeit hat mir der Journalist, Manager und Trainer Jürgen Alexander Christ ein paar Fragen zu Xing gestellt. Was erwarte ich mir von diesem Business-Netzwerk und wie sieht es eigentlich mit Aufträgen aus? Während ich auf Urlaub war, hat Christ das Interview auf seinem Blog Telemat.de veröffentlicht.

Ich bedanke mich bei Jürgen Alexander Christ für die interessanten Fragen. Xing ist in meinen Augen ein sehr faszinierendes und gleichzeitig nützliches Tool für das – meist – berufliche Networking.

Wenn Sie das Interview nachlesen wollen, können Sie das hier tun. Eine kleine Anmerkung: der Doktortitel, mit dem ich bedacht worden bin, steht mir nicht zu. :-)

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Fundraising im Kunst- und Kulturbereich: Fünf Fragen zum FachTagKultur 2007

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Am 29. Oktober findet in der K20 Kunstsammlung in Düsseldorf der FachTagKultur 2007 statt. Organisiert wird die eintägige Veranstaltung von der Fachgruppe Kultur, die sich 2005 im Deutschen Fundraising Verband gegründet hat. Die Fachgruppe versteht sich als „Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis“, wie es in der Einladung heißt und dementsprechend werden bei dieser eintägigen Veranstaltung laut Programm auch jede Menge Beispiele präsentiert.

Da geht es beispielsweise um RUHR.2010, also ein eher größeres Projekt. Aber es wird auch der Bücherbus in Köln vorgestellt, der erst durch eine Spendenaktion den Betrieb aufnehmen konnte. Worum es konkret geht, das habe ich Becky Ann Gilbert, Vorstandsmitglied und Leiterin der Fachgruppe „Fundraising für Kunst und Kultur“ des Deutschen Fundraising Verbands im Email-Interview gefragt:

Kulturmanagement Blog: Für wen ist diese Tagung gedacht und welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Veranstaltung?

Becky Ann Gilbert: Die Tagung richtet sich in erster Linie an Mitarbeiter und Führungskräfte aus Kultureinrichtungen, an Agenturen und an Freiberufler, die mit dem Einwerben von Fördermitteln und Sponsorenleistungen befasst sind. Ziele dieser Tagung sind – neben Wissensvermittlung und der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen – die Bildung von Netzwerken und der Austausch unter Fachkolleginnen und -kollegen.

Ein wichtiger Aspekt jeder Tagung der Fachgruppe Fundraising für Kunst und Kultur des Deutschen Fundraising Verbands – in der Regel veranstalten wir zwei Tagungen im Jahr – ist auch der Regionalschwerpunkt. Nach Tagungen in Hamburg, Frankfurt a. M. und Bad Boll bei Stuttgart stehen Kunst- und Kultureinrichtungen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet im Mittelpunkt.

Kulturmanagement Blog: Im deutschsprachigen Raum wird Fundraising häufig als das Sammeln von Spenden verstanden, in den angelsächsischen Ländern steht der Begriff ganz allgemein für das Akquirieren von Geldmitteln. Dazu gehört zum Beispiel auch das Sponsoring. Wie definieren Sie denn Fundraising?

Becky Ann Gilbert: Ich danke für diese Frage, denn ich und meine Kolleg/innen stellen immer wieder fest, dass viele Personen sehr wenig mit Begrifflichkeiten wie „Fundraising“ oder „Sponsoring“ anfangen können.

Fundraising kann man als die Beschaffung von Mitteln zur Verwirklichung von am Gemeinwohl orientierten Zwecken definieren.

Unter Sponsoring verstehen wir eher die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten, die mit der Bereitstellung von Geld, Sachmitteln oder Dienstleistungen durch Unternehmen zur Förderung von Personen und/oder Organisationen im sportlichen, kulturellen und/oder sozialen Bereich verbunden sind. Damit sollten Ziele der Unternehmenskommunikation erreicht werden. Sponsoring ist für mich daher eher ein Fundraising-Instrument, das Kunst- und Kultureinrichtungen ermöglicht, neue Ressourcen durch zielgerichtete Unternehmenskooperationen zu erschließen.

Kulturmanagement Blog: Für uns ist es – auch aus historischen Gründen – die Aufgabe des Staates, Kunst und Kultur zu ermöglichen und damit auch zu finanzieren. Heute zieht sich der Staat in dieser Hinsicht aber immer mehr zurück. Sind private Geldmittel also quasi der Ersatz für die Gelder, die bis jetzt von öffentlicher Seite kommen? Und wenn dem so ist, wäre es nicht besser, man kommuniziert das auch so? Oft hat man den Eindruck, dass es den verantwortlichen PolitikerInnen gar nicht so unangenehm ist, dass das ein schleichender Prozess ist.

Becky Ann Gilbert: Für mich ist die Aufgaben- und Rollenverteilung folgende: Aus meiner Sicht sind die Ziele des Fundraising, anhand ausgewählter Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen mittelfristig potenzielle Förderer der Organisation zu identifizieren und eine Grundlage für eine Identifikation mit der Organisation und ihren Zielen zu schaffen. Dies schafft eine Basis für die Einwerbung von Geld und Sachmitteln zur Unterstützung der Aktivitäten der Organisation und ermöglicht die Erschließung einer Zusatzfinanzierung für die Organisation.

Die Aufgabe des Fundraising ist, non-profit-Organisationen durch die Erhöhung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zu stärken. Das Fundraising befasst sich mit den Beziehungen zwischen non-profit-Organisationen und ihren Förderern. Günstige Rahmenbedingungen für diese Beziehungen durch die Gesetzgebung zu schaffen, gehört m. E. zu den Hauptaufgaben der Träger von politischer Verantwortung.

Fundraising kann keineswegs politische Entscheidungsträger von ihren Pflichten gegenüber der Gesellschaft entlasten noch kann es die öffentliche Förderung von Kunst und Kultur 1:1 ersetzen. Neue Finanzierungsquellen für Kunst und Kultur bedeuten für die Organisationen Änderungen in der Arbeitsform. Für mich ist es zu begrüßen, wenn es Kultureinrichtungen gelingt, neue Partner und Förderer von der Qualität ihrer Arbeit zu überzeugen.

Das heißt aber auf keinen Fall, dass die Frage, welche Art von staatlicher Förderung für unsere Kulturlandschaft notwendig wäre, vernachlässigt werden kann. Denn die Tatsache, dass sich Kultureinrichtungen in Deutschland immer häufiger und immer intensiver mit Fundraising-Fragen beschäftigen, bedeutet m. E. keineswegs, dass die Politik von ihrer Verantwortung befreit wäre, zusammen mit anderen gesellschaftlichen Akteuren nach Antworten auf Fragen zur Rolle und Aufgaben des Staats zu suchen. Natürliche können Fundraiser – wie alle Bürger und Bürgerinnen – sehr viel zu dieser Diskussion beitragen; sie führen muss allerdings die Politik.

Kulturmanagement Blog: Ist Fundraising eine Tätigkeit, die bezogen auf den Kunst- und Kulturbereich, outgesourct werden sollte? Oder ist diese Tätigkeit besser in der Struktur der Kulturunternehmung aufgehoben?

Becky Ann Gilbert: Auch hiermit sprechen Sie einen wichtigen Punkt an, über den Fundraiser häufig und leidenschaftlich diskutieren.

Es gibt keine richtige Antwort auf diese Frage. Für kurzfristige Vorhaben oder Projekte kann die Zusammenarbeit mit externen Fundraising-Experten sich als durchaus sinnvoll erweisen. Stehen Fragen zum strategischen und nachhaltigen Aufbau von Fundraising für eine Organisation im Mittelpunkt, so würde ich die Etablierung von Fundraising als Arbeitsgebiet sowie eine vollständige Integration von Fundraising in die Arbeit der Organisation als Modell bevorzugen.

Kulturmanagement Blog: Mir ist aufgefallen, dass der Einsatz der elektronischen Medien auf der Tagung gar kein Thema ist. Warum ist unser Rückstand gegenüber dem angelsächsischen Raum in dieser Hinsicht so groß? Und welche Rolle spielt das Web 2.0 in der täglichen Arbeit von FundraiserInnen?

Becky Ann Gilbert: In der Tat stehen eher herausragende Projekte und Initiativen im Mittelpunkt der Vorträge. Dass aber das Internet oder Web 2.0 für die vorgestellten Fundraising-Aktivitäten und Best-Practice-Projekte keine Rolle spielt, kann man nicht unbedingt sagen. Da würde ich dafür plädieren, auf die Beiträge am kommenden Montag zu warten.

Und ich würde mich sehr freuen, von möglichst vielen Blogger/innen zu erfahren, welche Rolle das Web 2.0 für die tägliche Arbeit spielt. Darüber liegen in der Tat kaum Informationen und verlässliche Angaben vor, weshalb es sehr schön wäre, wenn wir durch solche wichtigen Foren wie Blogs unseren Wissensstand zum Thema Fundraising erweitern könnten.

Kulturmanagement Blog: Vielen Dank für Ihre Antworten

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Der Fachverband für Kulturmanagement: Fünf Fragen an Prof. Steffen Höhne

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Als ich vor mehr als zehn Jahren mein Kulturmanagement-Studium begann, waren die Anbieter der damals noch ausschließlich postgradualen Lehrgänge an einer Hand abzuzählen. Mittlerweile ist die Ausbildungslandschaft ziemlich unüberschaubar geworden. Kulturmanagement kann an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen studiert werden und auch private Anbieter haben sich längst auf dem Markt etabliert.

Nun scheint eine kritische Masse erreicht worden zu sein, denn Ende April wurde in Weimar der Fachverband für Kulturmanagement gegründet. Aus dem Kreis der neunzehn Gründungsmitglieder wählte man einen siebenköpfigen Vorstand, dessen Vorsitz nach dem Rotationssystem jedes Jahr wechselt. Erster Vorsitzender ist Steffen Höhne, der als Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar den Studiengang Kulturmanagement leitet.

Nachdem die Informationen über den Fachverband noch dünn gesät sind und die Website sich in der Entstehungsphase befindet, habe ich Prof. Höhne um ein Email-Interview gebeten.

Kulturmanagement Blog: Herr Prof. Höhne, welche Erwartungen verbinden Sie mit der Gründung des Fachverbandes? Welche Ziele stehen für Sie im Vordergrund und was werden die ersten Aktivitäten des Verbandes sein, dem Sie die nächsten Monate vorstehen?

Prof. Höhne: Zunächst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, den neuen Fachverband hier zu präsentieren. Die Homepage mit weiteren Informationen befindet sich in Arbeit und wird in Kürze frei geschaltet.

Der Fachverband versteht sich zunächst als eine Organisation zur Förderung des Kulturmanagements in Forschung und Lehre sowie als Vertretung für Kulturmanager/-innen aus dem deutschsprachigen Raum. Der Fachverband möchte u.a. hierzu jährliche Fachkonferenzen durchführen sowie Hilfen bei der Herausbildung von überregionalen Schwerpunkten in der Lehre (z. B. Graduiertenkollegs) geben. Darüber hinaus möchte der Fachverband die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verwandten Verbänden und Institutionen (KuPoGe, ENCATC) fördern sowie die internationale Zusammenarbeit und die Vertretung der Interessen des Faches Kulturmanagement in internationalen kulturpolitischen und kulturökonomischen Organisationen und Kontexten stärken.

Der Fachverband betrachtet sich ebenfalls als Interessensvertretung (z.B. im Hochschulverband, in der Wissenschaftspolitik, im Kulturrat etc.) mit dem Ziel einer Profilierung des Berufsbildes.

Kulturmanagement Blog: Wer kann denn Mitglied des Fachverbandes werden?

Prof. Höhne: Der Fachverband spricht die in Lehre und Forschung tätigen Fachvertreter an staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen an, d.h. akademische Institutionen mit regelmäßigen Ausbildungsangeboten.

Kulturmanagement Blog: Wenn ich als Kulturmanager danach gefragt werde, worin meine Tätigkeit besteht, dann verwende ich in der Regel Begriffe wie Management, Marketing oder Kommunikation für meine Erklärungen. Ist das Fehlen einer Definition, wie wir sie zum Beispiel für den Begriff Projektmanagement kennen, ein Problem oder eine Chance für das Kulturmanagement?

Prof. Höhne: Ich denke nicht, dass ein Mangel an Definitionen besteht, allerdings setzt sich das Fach – als akademische Disziplin – aus höchst heterogenen Anteilen zusammen. Der idealtypische Kulturmanagement-Student benötigt kulturökonomische, -juristische und -wissenschaftliche Kenntnisse und darüber hinaus personale Kompetenzen wie Ambivalenz- und Frustrationstoleranz, hohe Empathiefähigkeit, intellektuelle Phantasie etc., d.h. neben der Fachkompetenz auch individuelle, soziale und strategische Kompetenzen.

Diese Heterogenität betrachte ich allerdings als eine Chance für das Fach!

Kulturmanagement Blog: Auf Grund des steigenden Ausbildungsangebotes gibt es immer mehr fertig ausgebildete KulturmanagerInnen. Nun mag es zwar sein, dass der Bedarf an qualifizierten ManagerInnen durchaus vorhanden ist. Häufig fehlt aber das Geld, um solche Leute auch adäquat bezahlen zu können. Das heißt, viele KulturmanagerInnen finden keinen Job, weil der Markt nicht richtig funktioniert. Wie kann der Kunst- und Kulturbereich dieses Problem lösen? Zum Beispiel, in dem die Zahl der Ausbildungsplätze nicht mehr weiter gesteigert oder sogar verringert wird?

Prof. Höhne: Ich kann natürlich nur für die Weimarer Absolventen sprechen, von denen bisher (praktisch?) jeder unmittelbar nach Abschluss des Studiums eine Stelle, wenngleich nicht immer adäquat vergütet, bekommen hat. Meines Wissens sieht es bei den anderen Studiengängen noch ähnlich gut aus. Dennoch muss man schauen, dass kein Überangebot an akademisch ausgebildeten Kulturmanagern/innen entsteht und langfristig Probleme entstehen wie sie bspw. bei den Geisteswissenschaften bekannt sind. Gerade deshalb möchte sich der Fachverband um Qualitätsstandards bemühen, auch um einem Überangebot bei gleichzeitiger Verwässerung des Ausbildungsniveaus entgegen zu wirken.

Kulturmanagement Blog: Als Blogger möchte ich am Ende noch eine Frage zum Thema Web2.0 loswerden. In den angelsächsischen Ländern gibt es Theater, Museen und KulturmanagerInnen, die Web2.0-Applikationen wie Blogs, Wikis oder auch Videoplattformen einsetzen. Im deutschsprachigen Raum sind wir da noch nicht so weit, daher hätte ich gerne gewusst, ob Web2.0 bei Ihnen am Institut ein Thema ist und ob Sie selbst solche Tools verwenden?

Prof. Höhne: In der Lehre finden derartige Entwicklungen natürlich Berücksichtigung. In den Seminaren zu Kulturmarketing ist Web2.0 neben vielen anderen Phänomenen wie etwa Virales Marketing Unterrichtsgegenstand.

Als Studiengang ist das Web2.0 allerdings noch nicht von Interesse. Zwar unterhalten wir ein Forum für unsere Studierenden, jedoch könnten wir derzeit mit Applikationen wie Blogs und Wikis noch keinen Mehrwert für unsere Studenten erzielen und könnten daher nicht den Aufwand rechtfertigen den wir zur Erstellung (und wichtiger: Unterhalt) dieser aufbringen müssten.

Kulturmanagement Blog: Herzlichen Dank für Ihre Antworten!