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„Kulturtourismus neu denken“: Der Blick in die Zukunft

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Am 13. April 2016 fand im Münchner Literaturhaus eine von der Kulturgipfel GmbH und der Bayern Tourismus Marketing GmbH organisierte Konferenz statt, die sich mit der Zukunft des Kulturtourismus beschäftigte. Ich habe mich gefreut, dort das Thema „digitale Erlebnisräume“ vorstellen zu dürfen, um aufzuzeigen, welches Potenzial die Verbindung analoger und digitaler Räume aufweist. Dank einer Reihe hochklassiker Vorträge habe ich aber auch viele neue Anregungen und Ideen mit nach Hause nehmen können. Umso mehr freut es mich, dass vor wenigen Tagen die Dokumentation der Konferenzvorträge online gestellt worden ist, um nicht nur mir, sondern auch all denen, die nicht dabei waren, die Möglichkeit zu geben, die einzelnen Vorträge (nach-)zulesen.

Von „Sightseeing-Punktesammlern im Selfiemodus“ und „Destinationseintauchern im Mitschwimmmodus“

Drei Vorträge möchte ich dabei herausgreifen, weil sie nicht nur dabei helfen, den Kulturtourismus neu zu denken, sondern auch interessante Gedanken für den Kunst- und Kulturbereich enthalten. Dr. Martin Spantig, der den Tag mit seinem Vortrag begann, stellte die These auf, dass es zukünftig zwei Hauptgruppen geben werde, die kulturtouristische Angebote nachfragen. Da sind einerseits die, wie er es so schön nannte, „Sightseeing-Punktesammler im Selfie-Modus“, für die die Kunst in den Hintergrund tritt, denen es darum geht „Punkte zu sammeln“. Profitieren werden davon die kulturellen Highlights, bekannte Häuser, bekannte Namen, alle anderen sind für diese Zielgruppe weniger interessant. Für Spantig bedeutet das:
„Der Tourismus nutzt also bei dieser Zielgruppe die kulturellen Oberflächen zur Gästegewinnung.“
Auf der anderen Seite finden wir die „Destinationseintaucher im Mitschwimmmodus“, deren Zahl auch weiter steigen werde. Spantig versteht darunter Reisende, die nach dem Motto „feel like a local“ unterwegs sind und „Teilzeitbürger der jeweiligen Destination“ werden wollen. Beide Gruppen sind für den Kunst- und Kulturbereich interessant, die erste Gruppe wohl eher für die Tanker in der kulturellen Landschaft, die zweite für die eher kleineren Schiffe. Dass Spantig mit seiner Sichtweise durchaus richtig liegt, zeigt die Entwicklung, die bei Airbnb zu beobachten ist. Mit der App „Airbnb Trips“ wird es für Reisende bald möglich sein, vorab die komplette Reise zu organisieren. Wenn es um den Kauf eines Produktes geht, sprechen wir von der Customer Journey, was hier auch durchaus passt, wenn wir den Urlaub als das Produkt betrachten. Der Besuch eines Museums oder Theaters ist dann einer der vielen Touchpoints auf dieser Reise. Gerade in ländlichen Regionen gibt es jede Menge solcher Touchpoints bzw. kultureller Attraktionen. Die Herausforderung besteht für Spantig in der Vernetzung, um gemeinsam Angebote zu entwickeln, die auf das Interesse der Reisenden stoßen. So ähnlich könnten Kultureinrichtungen, denke ich, auch das Thema App angehen. Nicht nur aus finanziellen Gründen macht es für mich Sinn, dass sich Kultureinrichtungen Partner dafür suchen. Das können auf der einen Seite Anbieter mit gleichen oder ähnlichen Angeboten sein, zum Beispiel alle Museen einer Region. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich an der Customer Journey zu orientieren und Partner aus ganz anderen Bereichen und Branchen zu finden, also etwa der Bereich Gastronomie, schließlich besuchen viele Menschen rund um ein kulturelles Event Lokale.

Kulturelle Angebote als „buchungsauslösende Faktoren?

Wie finde ich aber heraus, was die Menschen rund um mein Angebot machen? Kommen sie vom Shoppen oder besuchen sie anschließend ein Lokal? Kultureinrichtungen können sich auf Vermutungen verlassen, sie können ihre Besucher befragen, sie können aber auch auf Daten setzen. Das heißt, ich möchte möglichst viel über meine BesucherInnen erfahren, um dann die entsprechenden Angebote schnüren zu können. Ganz konsequent geht man in dieser Hinsicht bei TUI Cruises vor. Dr. Thomas Schmidt-Ott, der früher als Manager klassischer Orchester sein Geld verdiente und heute beim Anbieter von Kreuzfahrten TUI Cruises dem Bereich Arts & Entertainment vorsteht, zeigte, wie Unternehmen dank der digitalen Revolution an die für sie so wichtigen Kundendaten kommen. Für viele, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiten, mag die Frage, ob kulturelle Angebote heute noch „buchungsauslösende Faktoren“ sein, eine Provokation sein, vor allem, wenn Schmidt-Ott noch ein Schäufelchen nachlegt und die Vermutung äußert, dass es wohl eher ein Motivationsmix aus „Service, Kulinarik, Design, Medical Wellness und Authentizität“ sei. Aber zumindest auf den Kreuzfahrtschiffen scheint das so zu sein, obwohl dort das kulturelle Angebot gar nicht so klein ist. Auf „Mein Schiff 5“ kann ich als Gast (oder sagt man noch Passagier?) 365 Tage im Jahr Dieter Hallervorden, Ute Lemper oder Jan Vogler bewundern, allerdings nur als Hologramme. Wie kommt der Konzern zu diesem Programm?
„Bei TUI Cruises wird das Schiff um die Wünsche der Gäste herum gebaut, und diese Wünsche tracken wir pausenlos und überall“,
so Schmidt-Ott, der daran anschließend auf eine Studie verweist, laut der es dem Massenpublikum an Bord so eines Schiffes nicht um eine aufwendige und höherwertige Kulturrezeption, sondern um eine entspannte Atmosphäre gehe. Die Frage ist, ob sich diese Präferenzen auch auf den Alltag all dieser Menschen übertragen lassen? An Bord des Schiffes wird jeder Schritt, jede Aktivität getrackt und zwar mit Hilfe einer Smartphone-App, die dank des auf dem Schiff angebotenen WLANs immer online ist und es dem Anbieter ermöglicht, die Angebote entsprechend der Nachfrage zu steuern. Diese smarten Gäste könnten ihr Smartphone zwar weglegen,
„aber das wollen sie gar nicht, haben sie doch durch das Smartphone immer die Gelegenheit, das Programm an Bord zu verfolgen, Fotos zu machen, Erlebnisse zu posten“,
weiß Schmidt-Ott, dem es sichtlich Spaß machte, während seines Vortrags zu provozieren. Spaß, genauer gesagt um die „Atmosphäre des Spaßes“ geht es den Betreibern der Schiffsflotte, nicht um die Kulturschätze, die während der Reise zu besichtigen sind. Dass dieser Ansatz funktioniert, weiß man auch deshalb, weil sich Schmidt-Ott und seine KollegInnen sehr präzise Gedanken darüber machen, wer denn ihre Gäste sein sollen und eine entsprechende Segmentierung in der Zielgruppenansprache (und der Einrichtung ihrer Schiffe) vornehmen. Für mich war das an diesem Tag der Vortrag, der für mich am meisten Fragen aufwarf. Erstens machte er deutlich, dass es – auch für Kultureinrichtungen – extrem hilfreich ist, möglichst viele Daten über die eigenen KundInnen/BesucherInnen zu sammeln, diese zu analysieren und daraus dann auch Schlussfolgerungen zu ziehen. Zweitens müssen sich die Anbieter kultureller Angebote die oben schon angesprochene Frage nach den Präferenzen ihrer Zielgruppen stellen und darauf passende Antworten finden. Ob es um Spaß, eine entspannte Atmosphäre oder den Wunsch, sich mit anspruchsvoller Kunst auseinanderzusetzen, geht, muss hier nicht geklärt werden. Das lässt auf der Basis von Daten herausfinden. TUI Cruises sammelt diese Daten und entwickelt auf deren Grundlage ein Angebot, das sich möglichst gut verkaufen soll. Auch Kultureinrichtungen sollten Daten sammeln und diese dann analysieren. Die Konsequenz ihres Handelns ergibt sich dann aus ihren eigenen Zielen, das heißt, es geht mir um die Vorgehensweise und nicht darum, ein Kreuzfahrtschiff mit einem Museum zu vergleichen. Wobei es spannend wäre herauszufinden, ob die Erwartungshaltungen in beiden Fällen so unterschiedlich sind.

Der Tourismus als Treiber für Audience Development und Kulturvermittlung

Kann es nicht vielleicht doch sein, dass Menschen während ihres Urlaubs in Sachen Kunst und Kultur auf den Geschmack kommen? Prof. Dr. Birgit Mandel beschäftigte sich im Rahmen ihres Vortrags „(Massen)-Tourismus als Chance für Audience Development und kulturelle Bildung?“ mit diesem Thema und gab sich überzeugt, dass das Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Tourismus positive Auswirkungen habe. Mandel, die an der Universität Hildesheim am Institut für Kulturpolitik den Fachbereich Kulturvermittlung leitet, sprach in ihrem Vortrag über die „Zukunft des Kulturtourismus (…) als zentraler Motor für kulturelle Bildung und Kultur-Entwicklungsplanung von Institutionen und Regionen“. Mandel gab sich davon überzeugt, dass der Tourismus ein wichtiger Treiber für die Bereiche Audience Development und Kulturvermittlung sei. Verschiedene Studien würden zeigen, so Mandel, dass Kultur eine immer wichtigere Rolle bei touristischen Trends spiele, denn
„(i)n der Rolle des Touristen werden viele Menschen zu Kulturbesuchern, die in ihrem Alltag keine kulturellen Angebote wahrnehmen“.
Zwar gehörten nur 5 Prozent aller Touristen zu den spezifisch Kulturinteressierten, jedoch würden 80 Prozent aller Urlauber kulturelle Angebote wahrnehmen oder kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigen. Die so gemachten Erfahrungen könnten zum Auslöser für eine nachhaltige Beschäftigung mit Kunst und Kultur im „Alltag“ werden. Viele Kulturinstitutionen haben nach Mandels Ansicht die wichtige Rolle des Tourismus erkannt und mit Veränderungen darauf reagiert:
„Der Ansturm touristischer Besucher, die in ihrer Sozialstruktur ein deutlich diverseres Spektrum der Bevölkerung widerspiegeln als die üblichen,in der Regel hochgebildeten, sozial privilegierten Kernkulturnutzer, führt im besten Fall dazu, dass Kultureinrichtungen die Präsentation, Kommunikation und Vermittlung ihrer Programme verändern.“
Urlauber, die ihre Reisen für „kulturelle Selbstbildungsprozesse“ nutzen und „neue kulturelle und ästhetische Erfahrungen“ sammeln, das stimmt dann doch zuversichtlicher als Schmidt-Otts Bild des Touristen, der an neuen Erfahrungen nur mäßig interessiert ist. Das Problem: Es gibt sie beide. Es gibt sowohl den „Sightseeing-Punktesammler im Selfie-Modus“ als auch den „Destinationseintaucher im Mitschwimmmodus“. Wir haben es mit Menschen zu tun, denen im Urlaub Spaß wichtig ist und es gibt die Urlauber, die die in der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur gemachten Erfahrungen in ihren Alltag zu übertragen versuchen. Sowohl aus Vermittlungs- als auch aus Marketingsicht müssen sich Kultureinrichtungen entscheiden, wenn sie mit ihren Angeboten erreichen wollen. Möchten sie beide ansprechen, muss das auf unterschiedlichen Wegen passieren, womit wir beim Thema Daten sind. Ich denke, wir wissen noch viel zu wenig über die, die Kunst und Kultur konsumieren. Wir wissen aber noch viel weniger über die, die sich nicht dafür interessieren. Die Verbindung von Tourismus und Kultur scheint eine sehr hilfreiche zu sein, für beide Seiten. Zumindest war das der Grundtenor dieser Konferenz, die neben diesen drei Beiträgen, die ich hier kurz angerissen habe, noch weitere anregende Vorträge bot. Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen, sich für die Dokumentation der Konferenz ein wenig Zeit zu nehmen. Das PDF finden Sie hier.      
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„aufbruch“-Konferenz und stARTcamp: zwei Tage Social Media in München

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Mit völlig neuen und überraschenden Ergebnissen der Twitterforschung wurden die TeilnehmerInnen des ersten stARTcamps in München konfrontiert.  Diese Form der Nachrichtenübermittlung in 140 Zeichen habe, so überraschte Christian Gries bei der Begrüßung am Samstag, ihre historischen Wurzeln in der Liedform des Gstanzl.  Der Auftritt eines Gstanzlsängers sollte diese These dann noch untermauern. Das tat er wohl ziemlich überzeugend, denn sofort begannen die Twitterati, die Geschichte von Twitter umzuschreiben. ;-)
Spaß beiseite: München erlebte an diesem Wochenende nicht nur das erste stARTcamp in München, sondern auch die Tagung „aufbruch.museen und das web2.0“. In den historischen Räumen der alten Münze trafen sich am Freitag mehr als einhundert KonferenzbesucherInnen, um sich über den aktuellen Status Quo von Social Media zu informieren. Der Unterschied zum letzten Jahr war unübersehbar: Themen wie (Transmedia)  Storytelling oder Culturecaching-Stadttour zeigten, dass es bei der zweiten Auflage dieser von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Janusmedia und mmc 2.0 organisierten Veranstaltung längst nicht mehr nur um die Grundlagen von Social Media ging. Da passt es ins Bild, dass von den nichtstaatlichen Museen in Bayern mittlerweile mehr als 60 im Social Web aktiv sind, wie Sybille Greisinger berichtete. Letztes Jahr waren es lediglich zwanzig. Die Entwicklung ist unübersehbar, zeigt aber auch, dass bei  rund 1.300 bayerischen Museen noch viel Luft nach oben ist. Aber immerhin gibt es solche Konferenzen im Museumsbereich, während sich zum Beispiel die Theater da anscheinend noch sehr viel schwerer tun. Es gibt zwar die Kooperation zwischen dem Deutschen Bühnenverein und der stARTconference, aber eine eigene Konferenz vermisse ich noch. Schön ist aber, dass es Anfang Juni in Heidenheim ein von Christian de Vries initiiertes Operncamp geben wird. So wird der Theaterbereich langsam eingekreist und irgendwann ist es dann soweit. Ich denke, es müsste noch sehr viel mehr solcher Konferenzen geben, um zu informieren, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. So wie dann am Samstag, an dem München das erste stARTcamp erlebte. Einmal in Fahrt, haben die vier OrganisatorInnen der „aufbruch“-Konferenz nämlich gleich auch noch ein stARTcamp drangehängt. Mein Kompliment gilt Sybille Greisinger, Tanja Praske, Christian Gries und Harald Link, die die beiden Tage perfekt organisiert haben. Als es am Morgen beim stARTcamp darum ging, das Programm festzulegen, war die Zahl derer, die aktiv zum Gelingen beitragen wollten, beeindruckend groß. Vorbei sind die Zeiten, wo sich niemand traut, seine Fragen loszuwerden oder ein eigenes Thema vorzuschlagen. im Bild von links nach rechts: Tanja Praske, Christian Gries, Sybille Greisinger, Hararld Link (© Frank Tentler) Ohne jetzt die zwei Tage inhaltlich Revue passieren zu lassen, möchte ich einige Punkte herausgreifen. Aufschlussreich war es für mich, wie stark mittlerweile die Inhalte im Vordergrund stehen. Ob transmedial oder klassisch auf ein Format beschränkt, das Erzählen von Geschichten gewinnt immer mehr an Bedeutung, wie die vielen Beispiele gezeigt haben. Meine persönlichen Favoriten waren dabei die Facebook-Inszenierung der Effi Briest des Maxim-Gorki-Theaters und die von Caspar Loesche für das Stadttheater Bern entwickelte transmediale Erzählung über die Afrikareise Vivienne von Wattenwyls in den Jahren 1923/24. Probleme habe ich mit den zahlreichen Figuren, die sich mittlerweile auf Facebook und Twitter tummeln. Oftmals als persönliches Profil angelegt, was laut AGB auf Facebook verboten ist und deshalb dazu führen kann, dass der Account von Facebook ohne Vorwarnung gelöscht wird, fehlt mir bei diesen Figuren einfach der Spannungsbogen. Einfach nur täglich ein oder zwei Postings oder Tweets pro Tag online zu stellen halte ich für wenig zielführend, weil diese Inhaltsschnipsel selten so konzipiert sind, dass man sich voller Erwartungen auf das nächste Posting freut. Das Maxim-Gorki-Theater hat da mit seinem etwa zwanzigminütigen Liveevent in einer Facebook-Gruppe für die notwendige Spannung gesorgt und so ein Format entwickelt, das ein wenig an die zwei- bis dreiminütigen Webisoden erinnert, die im Netz zu finden sind. Ein für mich wichtiger Input kam von Christoph Deeg, der erstens darauf hinwies, dass Social Media Spaß machen müsse und zweitens den Standpunkt vertrat, dass es darum gehe, Social Media zu leben. Wer sich darauf einlasse, werde sehr schnell feststellen, dass sich die Kultur im der jeweiligen Struktur, egal ob Unternehmen oder Kulturbetrieb, zu verändern beginnt. Sich mit dem Thema Social Media zu beschäftigen, bedeutet also mehr als das Einrichten eines Twitter- und Facebookaccounts. Social Media zu leben, ist für die kleinen Organisationen vermutlich leichter als für die „Großen“, die nicht von heute auf morgen ihre Struktur über den Haufen werden können. Ulrike Schmid zeigte in ihrem Vortrag „Dialogische Kulturvermittlung für kleinere Museen„, wie sich Social Media nutzen lässt. Fazit: zwei spannende Tage mit vielen interessanten Themen und der Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen. Danke an das Organisationsteam, das hier tolle Arbeit geleistet hat und schon angekündigt hat, dass es auch im nächsten Jahr wieder die „aufbruch“-Konferenz und das stARTcamp München geben  wird. Ich bin sicher wieder dabei.
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KulturInvest 2010: ein Resümee

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Als ich am Samstag auf meinen Rückflug nach Wien wartete, habe ich mir meine Aufzeichnungen angeschaut und gleichzeitig noch einmal meinen Bericht über den ersten Tag des Kulturinvest Kongresses 2010 durchgelesen. „Alles wird anders“ habe ich ihn überschrieben, wobei es jetzt natürlich spannend wäre, die Frage zu beantworten, wie dieses „anders“ aussehen könnte?

Kunst und Kultur aus verschiedenen Blickwinkeln

Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber gar nicht pauschal beantworten, denn wenn wir von Kunst und Kultur und ihrer Zukunft sprechen, dann ist diese Frage mit verschiedenen Erwartungen verbunden. Bei diesem Kongress waren drei Gruppen vertreten, die derzeit maßgeblich dazu beitragen, dass Kunst und Kultur bei uns stattfindet. Da haben wir auf der einen Seite die Kulturpolitik, die ihre Zielvorstellungen eher vage formuliert.

„Wir setzen uns dafür ein, dass das öffentlich getragene Kulturangebot allen offen steht. Soziale Situation, Migrationshintergrund oder Mobiltät dürfen keine Zugangsbarrieren darstellen. Das Kulturangebot muss flächendeckend und erschwinglich, aber es muss auch in einem übertragenden Sinne ‚naheliegend’ sein. Ob Menschen sich für Kunst und Kultur interessieren, sich daran freuen können und sich davon herausfordern lassen, ist ganz wesentlich davon abhängig, wann und wie sie damit in Berührung gekommen sind. Darüber darf nicht Herkunft, Bildungs- und Sozialstatus entscheiden. Wir wollen, dass alle die Chance haben, am kulturellen Leben teilzunehmen,“

schreibt etwa die in Nordrhein-Westfalen für Kultur zuständige Ministerin Ute Schäfer in der September-Ausgabe von Politik und Kultur auf Seite 3. Das klingt alles gut und schön, aber diese Ziele lassen sich wohl mit sinkenden Budgets kaum erreichen. Wäre es nicht sinnvoll, sich jetzt der Realität zu stellen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man Ziele und Budgets in Einklang bringen kann? Auf dem Kongress waren von Herrn Ehrmann abgesehen keine KulturpolitikerInnen vertreten. Und der sprach über vieles, aber leider nicht über kulturpolitische Ziele.

Sponsoring ist mehr als Leistung und Gegenleistung

Zweitens sind da die Sponsoren, die natürlich ihre eigenen Ziele verfolgen. Da geht es um Image, Werbung, Kundenbindung, aber auch um das Wahrnehmen von gesellschaftlicher Verantwortung. Das klingt sehr hochtrabend, daher gefällt mir das, was Susanne Lang und Veronica Scheubel vom Centrum für Corporate Citzenship in ihrer Präsentation „Vom Sponsoring zum gesellschaftlichen Engagement“ konstatieren (dieser Vortrag ist schon älter und wurde nicht auf dem Kulturinvest Kongress gehalten). Auf Folie 8 halten sie fest, dass Sponsoring ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zwischen zwei Partnern sei, bei dem Leistung und Gegenleitung klar definiert seien. Nachhaltig sei Sponsoring aber erst dann,

„wenn alle Anstrengungen der Partner nicht nur auf die Zielerreichung ausgerichtet sind, sondern ausdrücklich einen Nutzen und Zufriedenheit für die gemeinsamen Zielgruppen anstreben.“

Ein Beispiel für diese Nachhaltigkeit liefert BMW, das seit nunmehr 15 Jahren das Projekt „Oper für alle“ unterstützt. Wenn nun aber der Automobilkonzern seit eben so vielen Jahren auf allen Konferenzen als Bestpractice herhalten muss, dann stellt sich mir irgendwann einmal die Frage, ob es vielleicht gar nicht so viele Beispiele für gesellschaftliches Engagement gibt und eben doch Werbung, Kundenbindung und Image im Vordergrund stehen. Ziele, die ich bei Unternehmen, denen es primär um den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen geht, nie kritisieren würde. Wenn dieses Streben dann aber zu sehr in den Vordergrund rückt, dann schadet sich das Unternehmen mehr als es sich nützt. Das ist nicht nur beim klassischen Kultursponsoring so, sondern auch auf einem Kongress, bei dem man seine Glaubwürdigkeit schnell verspielen kann, wenn man wie im Fall der Berliner Bank zu sehr die eigenen Angebote anpreist, obwohl es doch eigentlich um die Perspektiven der Stadt Berlin ging. Aber mit dem Aushandeln günstiger Ticketkonditionen für die eigenen Kunden ist es defintiv noch nicht getan (Siehe dazu auch meinen Beitrag „Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)“ über die von der Agentur Causales durchgeführte Studie)

Die Kultureinrichtungen haben ihre Zukunft selbt in der Hand

Bleiben neben der Kulturpolitik und den Sponsoren noch die Kultureinrichtungen selbst. Viele von ihnen, das hat der Kongress gezeigt, haben mittlerweile erkannt, dass sie sich selbst um ihre Zukunft kümmern müssen und dementsprechende Aktivitäten gestartet. Besonders gut gefallen hat mir in Berlin die Präsentation von Milena Ivkovic, der Marketing- und Kommunikationschefin der Philharmoniker in Hamburg, die voller Begeisterung die Aktivitäten des Orchesters vorstellte. Da passte der Titel ihres Vortrags „E – wie Emotion“ wunderbar dazu. Die eigene Website (sehenswert die Sujets zur „Mahler und die Moderne“) und der Flickr-Fotostream (schade, dass sie nicht unter einer CC-Lizenz stehen) zeigen, auf welche Weise hier versucht wird, die – in diesem Fall – UserInnen anzusprechen.

Social Media war beim KulturInvest Kongress ein wichtiges Thema, auch wenn sich die Zahl der Tweets noch ziemlich in Grenzen hält und ich bis jetzt kein einziges Blogpost über die Veranstaltung gefunden habe. Das ist schade, denn so gelingt es nicht, Diskussionen über die Zukunft von Kunst und Kultur anzustoßen. Diese Diskussionen sind dringend nötig, denn so wichtig solche Konferenzen für die „Branche“ auch sein mögen, das Thema muss öffentlich gemacht werden, sonst lässt sich die derzeitige Entwicklung nur noch schwer stoppen.

Foto: Manuel Nägeli (Unsplash)

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Die Zukunft von Kunst und Kultur: alles wird anders

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Als gestern der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann den diesjährigen Kulturinvest Kongress eröffnete, passierte etwas ganz interessantes. Kurz nach Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise – damals war es vor allem eine Finanzkrise – hieß es seitens der Politik, dass sich in einer solchen Situation der Vorteil unseres Systems zeige, denn hier bei uns, wo die Finanzierung von Kunst und Kultur in den Händen der öffentlichen Hand liege, müssten sich die Kulturbetriebe keine Sorgen machen. Ehrmann, der als Mitglied der SPD im Parlamentsausschuss für Kultur und Medien sitzt, sprach nur sehr selten über Kunst und Kultur, dafür aber umso häufiger über die Kultur- und die Kreativwirtschaft. Welche Wirtschaftsleistung diese Branche vorweisen können und wie viele Beschäftigte dieser Bereich aufweise. Gleichzeitig prophezeite er der staatlich geförderten Kunst und Kultur Probleme und in Anlehnung an diverse Studien meinte er, dass die öffentliuche Kulturförderung bis 2020 um 8 bis 10% zurückgehen werde und jede zehnte Kultureinrichtung von der Schließung bedroht sei. Nicht sofort, aber innerhalb der nächsten Jahre. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, nahm er nicht sich selbst, den Kulturpolitiker in die Pflicht, sondern die Unternehmen und die Zivilgesellschaft, die sich vermehrt für das Überleben von Kunst und Kultur einsetzen sollten. Da verabschiedet sich also die Kulturpolitik klammheimlich aus einer Verantwortung, die ihr Pius Knüsel gerade erst umgehängt hat und entsprechend logisch ist es dann natürlich, wenn sich die Diskussion von der „Makropolitik“ hin zum „Mikromanagement“ bewegt. Auf dieser Ebene versuchte Adalbert Kurkowski von der Berliner Bank zu beweisen, dass zumindest sein Unternehmen die Botschaft schon verstanden hat und sich darum bemüht, Kunst und Kultur zu unterstützen. Die daraus resultierende Win-Win-Situation ergibt sich aber in meinen Augen nur dann, wenn die Bank die geforderte finanzielle Unterstützung verweigert und damit nicht nur sich, sondern auch den oder die KünstlerInnen vor (finanziellem) Schaden bewahrt. Diese auf Anfrage getätigte Aussage war entwaffnend ehrlich, aber sie trifft ins Schwarze. Schließlich verändert sich auch der Anspruch des Publikums, wie Susanne Keuchel, die Direktorin des Zentrums für Kulturforschung in ihrem Vortrag „Der demografische Wandel und seine Auswirkungen auf das Kulturpublikum“ ausführte. Ihre zentrale These lautete: das Publikum wird älter und bunter, was die Sache für die Kulturbetriebe nicht leichter macht, vor allem in den klassischen Sparten. Für die, z.B. das Theater interessiert sich noch die Generation 50+, aber die Jüngeren können mit dem Theater oder der Oper immer weniger anfangen. Interessanterweise definiert die jüngere Generation Kunst aber genau über die Sparten, die sie nicht mehr nutzt. Genutzt werden Kunst und Kultur vor allem von den Jugendlichen, die über eine hohe Bildung verfügen. Mit der einher geht auch das Interesse, selbst aktiv zu werden und wer selbst aktiv wird, nimmt dann eher kulturelle Angebote wahr. Das spricht also nicht unbedingt dafür, dass man den Musikunterricht in den Schulen kürzt und das Thema kulturelle Bildung nach und nach aus den Augen verliert. Auf diese Weise verliert die Kunst nämlich ihr junges Publikum. Die, die sie schon verloren hat, geben an, so Keuchel, dass unter anderem hohe Preise und ein fehlendes jugendgerechtes Ambiente sie vom Besuch von Kulturveranstaltungen abhalten. Interessant, dass die Generation 50+ genau das Gegenteil als Hindernis angibt, nämlich zu viele Angebote, die sich nur an Jugendliche richten. Theoretisch müsste es dann eigentlich passen. ;-) Klar ist aber: Kunst muss unterhalten und dementsprechend, so der Rat der Vortragenden, sollten Kultureinrichtungen den Unterhaltungsfaktor wieder mehr in den Vordergrund rücken. Kunst als Unterhaltung, das war jahrzehntelang verpönt, wie der Soziologe Kai-Uwe Hellmann in seinem Vortrag „Kulturpublikum zwischen Konsumtion und Produktion. Alvin Tofflers ‚Prosumer‘ und dessen Nachfahren“ erläuterte. Adorno war es, der mit seiner Kritik an der Kulturindustrie und der Gegenüberstellung von Kunst und Konsum dazu beitrug, dass wir noch heute zwischen ernster und unterhaltender Kunst unterscheiden, einer Trennung, die anderen Kulturkreisen fremd ist. Erst die Cultural Studies machten aus dem passiven (Kultur)-Konsumenten den aktiven Konsumenten, denn es bedarf entsprechender Willensanstrengungen, um sich mit dem jeweiligen Themen beschäftigen und auseinandersetzen zu können. Alvin Toffler bereitete dann mit seinem Buch „The Third Wave“ den Boden für den „Prosumenten“, ohne dessen aktiven Beitrag ein Produkt oder eine Dienstleistung, so Hellmann, nicht fertiggestellt werden könne. Das heißt, der Anbieter ist auf den Prosumenten angewiesen. Ikea ist da in meinen Augen ein schönes Beispiel, denn erst unsere Bereitschaft, die Möbelstücke zu kaufen und selbst zusammen zu bauen, macht aus dem Haufen Bretter ein Regal. Hellmann hat im nächsten Schritt versucht, die Prosumtion auf den Kultursektor zu übertragen. Herausgekommen ist dabei die folgende Grafik (die Kurve ist nur bei mir so zittrig und krumm geworden, sorry): In den Bereichen Hoch- und Trivialkultur sieht Hellmann wenig bis keine prosumtiven Ansätze, wohl aber im Bereich der Soziokultur. Mir erscheint diese Unterscheidung gewagt, ich denke, es geht hier um partizipative Ansätze und die kann es in allen Bereichen geben, wobei ich auch der Meinung bin, dass es uns im Fall der Trivialkultur darum geht, uns berieseln zu lassen. Hellmann behauptet außerdem, dass wir uns immer mehr in Richtung Trivialkultur bewegen, d.h. wir schlagen die Richtung ein, die Adorno vor mehr als 50 Jahren kritisiert hat, als er zwischen Kunst und Konsum unterschied. Wenn wir uns auf die Hochkultur konzentrieren, dann bedeutet das, so Hellmann, im Falle des Theaters: die jetzige Konstellation Produktion und Konsumtion  wird ergänzt durch die Prosumtion. Hellmann beruft sich dabei auf Gerhard Panzer, der Theater in die drei Phasen Werkproduktion, Inszenierung und Aufführung einteilt. Prosumtion ist für Hellmann nur in der Phase der Aufführung möglich, in den anderen beiden Phasen sieht er hierfür kein Potenzial. Dieser Ansatz bzw. Erklärungsversuch ist für mich sehr interessant gewesen, weil er eigentlich das Thema der stART10 aufgreift, bei der es um Geschäftsmodelle und die oft diskutierte Öffnung der Wertschöpfungskette aufgreift. Ist es wirklich so, dass nur in der Aufführung Prosumtion möglich ist? Ich glaube nicht, verschiedene Museen in den USA haben immer wieder mal versucht, ihr Publikum mit einzubeziehen, wenn es um die Konzeption der Ausstellung ging. Im Theaterbereich fällt mir Peter Brook ein, der mit seiner Theatergruppe in Afrika unterwegs war und Einheimische in das Theaterspiel integrierte, sie an der Entstehung des Stückes beteiligte. Außerdem fällt mir hierzu mein Blogbeitrag „Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?“ ein. Aufschlussreich war für mich die große Ablehnung, auf die Hellmanns Ansatz stieß. Verstehen kann ich sie, denn Kunst verliert so den Habitus des Elitären, wenn der Prosument plötzlich auch etwas zu sagen hat. Und das finden nicht alle gut. So wird aus einer nicht geführten kulturpolitischen Debatte plötzlich etwas ganz Neues, bei dem die Kulturpolitik keine Rolle mehr spielt. Oder anders ausgedrückt: Kulturmanagement beschäftigt sich mit „Makropolitik“ und beginbt sich, das muss man zugeben, auf ein gefährliches Pflaster.
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Ein erstes Fazit der stART10 und die Folien meines stARTmuseum-Vortrags

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stART10 © Christoph Müller-Girod; CMG Media Letztes Jahr, kurz vor Beginn der stARTconference, war die Anspannung groß, denn wir wussten nicht, was uns erwartet und ob unsere Konzept überhaupt aufgehen würde. Dieses Jahr war die Anspannung ähnlich groß, denn die Hürde lag hoch, vielleicht sogar höher als im letzten Jahr, schließlich darf man beim ersten Mal schon den einen oder anderen Fehler machen. Beim zweiten Mal sollte man dann aber zumindest die einmal gemachten Fehler nicht wiederholen. Das hat, denke ich, ganz gut geklappt, die stART10 ist ohne organisatorische Pannen zu Ende gegangen. Zu verdanken haben wir das Duisburg Marketing, den MitarbeiterInnen der Mercatorhalle und vor allem Jelena Kovacevic-Löckner, die als Organisationsverantwortliche dafür gesorgt hat, dass die verschiedenen Räder ineinandergegriffen haben. Zu verdanken haben wir das außerdem den vielen Helfern, die Blogbeiträge oder Pressetexte geschrieben, Videos gedreht und am Infosschalter und in den einzelnen Tagungsräumen für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Tolle Unterstützung gab es aber auch durch unsere Hauptsponsoren, die  GLS-Bank und das Duisburger Unternehmen Sinalco und alle anderen Partner. Bleiben noch die SprecherInnen, die jede Menge Input beigesteuert (und sich an die Zeitvorgaben gehalten) haben und die insgesamt knapp 500 TeilnehmerInnen, ohne die eine Konferenz nicht stattfinden kann, wenn der gegenseitige Austausch und das Networking ein wichtiger Bestandteil sind. Inhaltlich hat sich in meiner Wahrnehmung gegenüber dem Vorjahr viel verändert. Standen im letzten Jahr noch die Basics im Vordergrund, so gab es diesmal Angebote, die diese Ebene schon weit hinter sich gelassen haben und sich sehr speziellen und inhaltlich anspruchsvollen Themen widmeten. Gut gefallen hat mir, dass es uns gelungen ist, mit Shelley Bernstein und Marc van Bree zwei internationale ExpertInnen nach Duisburg bringen zu können. Ihre Vorträge waren für mich sehr inspirierend, auch wenn ich sie nur in Ausschnitten genießen durfte. Beide haben uns gezeigt, dass amerikanische Kultureinrichtungen uns in Sachen Social Media teilweise weit voraus sind und wir von ihnen viel lernen können. Eine Herausforderung war es für mich, im Rahmen der gemeinsam mit projekt2508 veranstalteten Pre-Konferenz stARTmuseum mit meinem Vortrag auf Gerd Leonhard zu folgen. Er hielt wie schon im letzten Jahr einen sehr motivierenden Vortrag und wagte nicht nur einen, sondern recht viele Blicke in die (Social Media)-Zukunft. Danach die Spannung aufrecht zu erhalten ist nicht ganz so einfach, ich hoffe, ich habe es halbwegs hinbekommen. Wer am Mittwoch nicht dabei war, kann hier zumindest die Folien meiner Präsentation „Social Media – strategische Ansätze für den Museumsbereich“ anschauen, ein Video davon folgt in den nächsten Tagen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause werden wir uns in ein paar Wochen daran machen, neue Ideen für die stART11 zu entwickeln. Dafür brauchen wir wieder wie schon im letzten Jahr Ihre Hilfe. Was hat Ihnen dieses Jahr besonders gut gefallen, was war nicht so toll, was würden Sie anders machen und welche Wünsche haben Sie für die stART11? Mit Ihrem Kommentar (oder auch einer Email) tragen Sie dazu bei, die stARTconference weiter zu entwickeln. Das aber nicht nur organisatorisch, sondern natürlich auch inhaltlich. Welche Schwerpunktthemen wünschen Sie sich für das nächste Mal? Wo sehen Sie die Zukunft von Social Media, was interessiert Sie besonders? Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen.
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Beim 6. Kulturpolitischen Bundeskongress 2011 geht es um das Thema Digitalisierung

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Das könnte interessant werden:
„Die Kulturpolitische Gesellschaft und die Bundeszentrale für politische Bildung werden den 6. Kulturpolitischen Bundeskongress am 9./10. Juni 2011 in Berlin veranstalten. Er wird sich dem Verhältnis von Digitalisierung und Kulturpolitik widmen. Als Tagungsort ist wiederum das Hotel Aquino der Katholischen Akademie vorgesehen. Die Veranstalter reagieren damit auf die wachsende Bedeutung des Internets und der digitalen Medien auf die Kulturproduktion und -rezeption, die in der Kulturpolitik und kulturellen Bildung noch nicht ausreichend zur Kenntnis genommen wird,“
heißt es im Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft.
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Die „vlow!10“, eine Konferenz an der Schnittstelle von Architektur und Information

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Um die Vernetzung von Kommunikation, Design und Architektur geht es bei der vlow!10, einer Konferenz, die vom 22. bis 24. April im Bregenzer Festspielhaus stattfindet und sich dem Thema „Erzählende Räume“ widmet.
„Es geht um das Zusammenspiel von Architektur und Information, zum Beispiel bei der Gestaltung von Museen und Ausstellungen, bei der Positionierung von Marken auf Messen und im Verkauf sowie bei Orientierungs- und Leitsystemen“,
heißt es in der Presseaussendung. Vorgestellt wird unter anderem das vom Architekturlabel Graft realisierte „Pink Project“, das sich als Kommunikations- und Fundraising-Projekt versteht. In einem vom Orkan Katrina zerstörten Wohngebiet in New Orleans haben die Architekten leuchtende, pinkfarbene Zeltskulpturen aus Gerüst und Textil aufgestellt und machen so auf die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau der Stadt aufmerksam. Aber es geht auch um Beschriftungs- und Orientierungssysteme, wie sie zum Beispiel Museen benötigen. Ein interessanter Sprecher ist in diesem Zusammenhang Edelbert Köb, scheidender MUMOK-Direktor und Gründungsdirektor des Kunsthauses Bregenz oder auch Roland Lambrette, einer der Geschäftsführer des Atelier Markgraph, das unter dem Begriff „Kunst im Raum“ Architektur und Kommunikation zu verbinden versucht und unter anderem für den Mercedes Benz-Auftritt auf der IAA2009 verantwortlich ist. Die vlow!10 beschäftigt sich mit jenen gestalterischen Aufgabenstellungen, die sich im Dialogfeld zwischen Information und Raum befinden. „Wer diese Herausforderungen auf einem zeitgenössischen Niveau meistern will“, so heißt es auf der vlow!10-Website, „muss sich zuerst um das Design des entscheidenden Zwischenraumes kümmern: um den Prozess zwischen den Disziplinen.“ Wer aber ist in diesen Zwischenräumen tätig und wen treffe ich auf der vlow!10 in Bregenz?  Ich habe Helga Ginzinger, die Organisatorin der Konferenz, gebeten, diese und ein paar Fragen zur vlow!10 zu beantworten. Kulturmanagement Blog: Auf der Konferenzwebsite ist von Vernetzung, von Zwischenräumen und Dialogfeldern die Rede. Wen werde ich auf der vlow!10 treffen und für wen lohnt es sich, bei der Konferenz dabei zu sein? Helga Ginzinger: Auf der VLOW!10 treffen sich im Festspielhaus Bregenz Architekten, Designer und Kommunikationsexperten – weiters kommen Grafik- und Industriedesigner, Ausstellungsgestalterinnen, Mediengestalter und –techniker, Auftraggeber und Studierende. Kulturmanagement Blog: Im Programm ist immer wieder der Hinweis auf Projekte aus dem Museumsbereich zu finden. So wird nicht nur Edelbert Köb als Sprecher auftreten, sondern zum Beispiel auch Barbara Holzer, die bei Daniel Libeskind mehrere Jahre Projektleiterin für den Bereich Ausstellungen und Museen war. Ist die Schnittstelle Architektur, Kommunikation und Information für den Museumsbereich besonders bedeutsam oder sind die „erzählenden Räume“ generell für Kunst und Kultur interessant? Helga Ginzinger: Natürlich ist die VLOW!10 auch für Kunst und Kultur interessant – auch hier treffen unterschiedliche Disziplinen aufeinander und arbeiten zusammen. Kulturmanagement Blog: Ist die vlow!10 eine Konferenz, auf der vor allem vorgetragen wird oder gibt es noch andere Formate? Und wie sieht es mit der Vernetzung untereinander aus? Auf Ihrer Website heißt es: „Das Beste an Kongressen ist die Pause.“ Ist die Pause in Bregenz Programm? Helga Ginzinger: Natürlich gehört die Pause zum Programm – in den Kaffee- und Mittagspausen verwöhnen wir unsere Teilnehmer mit ausgewählten Speisen aus der Region. Am Samstagvormittag gibt es den Open Space – bei diesem Kongressformat bringen die Teilnehmer Themen ein, über die sie sprechen möchten. Open Space ist eine professionell begleitete Konferenzmethode, mit dem Ziel, die Teilnehmenden mit Ihren Kompetenzen, Nachfragen und Angeboten perfekt untereinander zu vernetzen. Denn Jeder und Jede ist ein potenzieller Kooperationspartner. Unsere Teilnehmer haben in Folge die Auswahl von bis zu 20 unterschiedlichen Workshops. Kulturmanagement Blog: Kurz gefragt: gibt es noch Tickets? Was kosten die und gibt es irgendwelche Ermäßigungen? Außerdem habe ich von speziellen Flugangeboten gelesen. Sind die noch aktuell? Helga Ginzinger: Es gibt noch Tickets – der Preis pro Ticket beträgt 456 Euro. Ermäßigungen gibt es für Mitglieder des VAI, der Fachgruppe der Werber sowie design Austria. Für Teilnehmer, die mit der Intersky anreisen gibt es spezielle Flugtarife (z.B. Abflug in Wien oder Graz 45 Euro exklusive Taxen), welche auf der Homepage zu finden sind. Studierende fliegen zum Beispiel für nur einen Euro (dazu kommen noch die Taxen) nach Friedrichshafen, von wo man in 20 Minuten mit dem Shuttle-Bus nach Bregenz kommt. Kulturmanagement Blog: Ich bedanke mich für die Antworten. Alle Informationen zur vlow!10 finden Sie auf der Konferenzwebsite.
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Über Ticketing, das Schokoladenmuseum und die Frage, was das Web 2.0 damit zu tun hat

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Ticketing ist ein Thema, das ich bis jetzt noch nicht wirklich auf meinem Radar hatte. Umso mehr habe ich mich über die Einladung zum T:B Experten-Forum Ticketm@nagement 2010 gefreut. Kurz gefasst geht es beim Ticketing um die Vermarktung und den Vertrieb von Eintrittskarten. Als ich vor vielen Jahren meine ersten Open Air-Konzerte besuchte, ging es im ersten Schritt darum, sich eines der meist raren Tickets zu besorgen. Dafür waren die Vorverkaufsstellen zuständig, zu denen man hinfahren musste. Wenn es blöd lief, dann musste man dort einige Zeit anstehen, um an die begehrte Karte zu kommen, wenn es richtig blöd lief, dann gab es dort gar keine Karten mehr. Heute geht das alles etwas einfacher, denn neben den Vorverkaufsstellen, die es natürlich immer noch gibt, werden Tickets auch telefonisch und online vertrieben. So verkaufen beispielsweise die Bregenzer Festspiele ein Drittel ihrer Tickets mittlerweile über das Internet, wie ich bereits gestern auf dem stART! – live Blog geschrieben habe. Noch erfolgreicher in dieser Hinsicht ist das Schmidt Theater in Hamburg, wie Geschäftsführer Norbert Aust am zweiten Tag der Ticketmanagement-Konferenz erzählte. Bei seinem Theater liegt die Quote bei etwa 50 Prozent. Während früher vor allem bei größeren Veranstaltungen ein dezentraler Vorverkauf dazu diente, die Nachfrage nach den Tickets zu befriedigen, während die kleineren Veranstalter ihre Tickets in Eigenregie vertrieben, ist heute daraus ein riesiger Markt geworden. So ist CTS Eventim  als europäischer Marktführer in zwanzig Ländern aktiv und vermarktet gut 80 Mio. Tickets für mehr als 100.000 Veranstaltungen. Dass es hier nicht mehr nur um den Verkauf von Tickets geht, machen die auf der Website von CTS Eventim formulierten Ziele deutlich:
„Ziele und Zukunftsvision (…) ist der Ausbau des Internet-Ticket-Shops (…) zum führenden Freizeit- und Veranstaltungsportal in Europa und der Ausbau von CTS EVENTIM als führender europäischer Konzern der Entertainmentbranche.“
Aus einem Ticketverkäufer wird so ein Entertainmentkonzern, der die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken versucht und entsprechende Dienstleistungen anbietet. Neben den Veranstaltern, die sich entscheiden können, über welche Ticketingplattformen sie ihre Eintrittskarten vertreiben, gibt es noch das, was früher der Schwarzmarkt war und heute als sogenannter Sekundärmarkt firmiert. Während früher die Schwarzmarkthändler mit gehorteten Karten ein Geschäft zu machen versuchten oder Private ihre Tickets aus welchen Gründen auch immer loszuwerden versuchten, hat sich hier dank des Internets ein neues Geschäftsfeld eröffnet. So versteht sich beispielsweise Seatwave als ein
„Online-Markt, wo Fans Tickets für Konzerte, Theater, Sport, Attraktionen, besondere Veranstaltungen und so ziemlich alle anderen Live-Events kaufen und verkaufen (können)“. (siehe dazu meinen Rückblick auf den ersten Konferenztag)
Eigentlich eine feine Sache, wird die Sache dann problematisch, wenn auf diese Weise ein knappes Gut vertrieben werden soll. Deshalb wehren sich zum Beispiel verschiedene Fußballklubs gegen den Verkauf ihrer Tickets auf solchen Plattformen, wie ein Artikel auf Spiegel Online zeigt. Oder die Fans selbst, die davon nicht unbedingt profitieren, wie dieser Kommentar zum Spiegel-Beitrag deutlich macht:
„Die komplette AC/DC-Hallentour im letzten Jahr war binnen 12 Minuten restlos ausverkauft – 5 Minuten (!!!) später fand man tausende Tickets allein bei ebay zum bis zum vierfachen Preis!“
Unterbinden wird man solche Geschäfte, so vermute ich, nicht mehr können. Allerdings gilt es, hier entsprechende Regeln festzulegen, um Auswüchse zu verhindern. Im Endeffekt folgt dieses „Geschäft“ den gleichen Prinzipien wie der Handel der Produkte, die dann zur Finanzkrise geführt haben. Und so wie diese Finanzinstrumente eigentlich durchaus ihren positiven Nutzen hatten (und haben), indem sie der Absicherung eines Risikos dienten, kann man solche Sekundärmärkte natürlich auch als ein Instrument betrachten, das dazu dient, Risiken zu minimieren, die mir als Käufer eines Tickets entstehen. Während man Tickets früher an Freunde weiterverkauft hat, wenn man nicht selbst hingehen konnte, übernehmen diese Funktion heute Online-Plattformen. Unabhängig von der Frage, über welche Plattform ich meine Tickets verkaufe, werde ich versuchen, möglichst viele Menschen auf diese Möglichkeit, Tickets zu erwerben, aufmerksam zu machen. Womit wir beim Thema Web 2.0 wären. Nun kann man natürlich die diversen Social Media-Kanäle dafür nutzen, um die Pressetexte, die man produziert hat, auch noch via Twitter, Facebook, etc. unter die Leute zu bringen. Dann handelt es sich um zusätzliche Lautsprecher. Wirklich sinnvoll ist es in meinen Augen, das Social Web zum Aufbau von Communitys zu nutzen. Ich behaupte, dass sich dadurch nachhaltigere Erfolge erzielen und Auswüchse, wie oben beschrieben, leichter vermeiden lassen (ganz verhindern wohl nicht). Erstens ist die Bindung der Community an das Produkt eine wesentlich intensivere, bei dem Produkt handelt es sich eher um ein Liebhaberprodukt, das für mich selbst bestimmt ist, als um ein Verkaufsgut, das ich möglichst gewinnbringend verkaufen möchte. Zweitens könnte das dezentrale Web dazu beitragen, dass auch die „Kleinen“ eine Chance haben, schließlich werden auf den großen Plattformen vor allem die großen Player auf der Titelseite promotet und nicht unbedingt die „Kleinen“. Und zu den Kleinen, wenn auch den „großen Kleinen“ zähle ich das Schokoladenmuseum in Köln. Dessen Marketingchef Martin Möller-Wettingfeld bestritt zusammen mit Karin Janner und mir den Workshop zum Thema Web 2.0. Sein Part bestand darin, auf die Bedeutung von Google hinzuweisen und am Beispiel der Website seines Museums zu zeigen, wie man sich erfolgreich in den Suchmaschinen positioniert. In meiner Zusammenfassung habe ich ja schon geschrieben, dass der Workshop sich dann vor allem um die Frage drehte, ob sich ein gutes Ranking auch mit einem klassischen CMS erzielen lasse. So wie es eben das Schokoladenmuseum macht. Natürlich ist das möglich, nur verstehe ich den Sinn und Zweck nicht, schließlich ist das Schokoladenmuseum schon lange im Web 2.0 angekommen. Zwar ist es dort nicht selbst aktiv, aber das ist auch nicht nötig, das übernehmen mittlerweile die Besucherinnen selbst. Wer das Museum besuchen möchte, erkundigt sich z.B. auf Qype, wie es anderen Menschen dort gefallen hat. Gut, man kann wie gesagt, gerne ein statisches CMS verwenden und dafür auch einen fünfstelligen Eurobetrag ausgeben. Ärgerlich wird die Sache dann, wenn man im Nachhinein herausfindet, dass da jemand nicht einfach nur ein CMS empfiehlt, sondern vor wenigen Monaten noch für den Vertrieb genau dieses Produktes zuständig war. Aber wie gesagt, auch das Schokoladenmuseum ist schon längst im Web 2.0 angekommen, wenn auch anscheinend nur passiv. Bevor aber andere über mich reden und ich es vielleicht gar nicht mitbekomme, bin ich lieber dabei. Zurück zum Thema Ticketing. Hierbei handelt es sich um einen sehr umkämpften Markt. In einer Mail, die ich als Reaktion auf meine Berichterstattung im stART! – live Blog erhielt, wurde die Vermutung geäußert, dass die sinkenden Verkaufszahlen im Tonträgergeschäft mit einer der Gründe dafür seien. Die sich verändernden Wertschöpfungsketten sprechen für diese Vermutung, die ich aber nicht belegen kann. Ich behaupte, wer seinen BesucherInnen nicht nur einfach das Geld aus der Tasche ziehen möchte, sondern an nachhaltigen Verbindungen zu seinen Zielgruppen und daher auch am langfristigen Erfolg der eigenen Tätigkeit interessiert ist, der wird dafür vielleicht nicht unbedingt das Web 2.0 brauchen. Aber leichter geht es schon.
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Classix 2.0: „Das Online-Erlebnis Klassik ist zu kompliziert“

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Design: M. Zehndorfer Klassische Musik wird zwar immer als sehr wichtig für die Gesellschaft bzw. die Kultur eines Landes angesehen. Vor allem ein Land wie Österreich setzt in vielen Bereichen, z.B. dem Tourismus, auf seine „klassische“ Vergangenheit. Aber vom Glanz der Vergangenheit ist in der Gegenwart wenig übrig geblieben. Was also tun? Der  3rd Austrian Mobile Music Day, den das Department für Arts und Management der Donau-Universität in Krems organisiert hatte, trug den Titel Classix 2.0 und verknüpfte damit die Frage nach digitalen Strategien zur Rettung der klassischen Musik. Vorweg: die Rahmenbedingungen dort sind perfekt, ein angenehmer Rahmen, tolle Organisation und eine Größenordnung, die es einem leicht macht, mit anderen TeilnehmerInnen ins Gespräch zu kommen. Danke daher an das Team rund um Eva Maria Stocker, die als Leiterin des Zentrums für zeitgenössische Musik das Konzept für diesen Tag entwickelte und in ihrem Eröffnungsstatement die nicht unwichtige Frage stellte, was Klassik denn eigentlich sei? Ohne hier die entsprechenden Definitionen zu rekapitulieren, bleibt festzuhalten: das Spektrum ist gewaltig, was im Hinblick auf die Zukunft der klassischen Musik sowohl Vor- als auch Nachteil sein kann. Und was auch ein Thema ist: es wird zwischen U- und E-Musik unterschieden. Ob diese Einteilung wirklich noch zielführend, sei dahingestellt. Wenn ich mich nicht täusche, kennt nur der deutschsprachige Raum diese strikte Trennung. Klassik kommt also immer weniger an. Zum Ausdruck kommt das auf verschiedene Weise. Während Martin Tröndle, Professor für Kulturbetriebslehre und Kunstforschung, sich vor allem mit den Folgen für die Konzert- und Opernhäuser beschäftigt, ging es in Krems eher um die Klassikprodukte für den Hausgebrauch, sprich Vinyl, CD und mp3. Wie können die digitalen Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen fragte sich Gerrit Pohl (Axel Springer Media House) in seiner Keynote. Angesichts sinkender Verkaufszahlen im Klassikmusikbereich hinterfragte er das derzeitige Geschäftsmodell. Insgesamt gesehen scheint das Geschäft mit legalen Downloads so allmählich in die Gänge zu kommen. So konnten in UK die Downloadverkäufe erstmals den Rückgang im CD-Bereich ausgleichen, berichtete Pohl, der dafür verschiedene Faktoren verantwortlich macht. Es stehe eine Vielzahl von Endgeräten zur Verfügung, unsere Internetverbindungen sind schneller geworden, man komme dem Ziel einer Standardisierung der Formate immer näher und nicht nur das Qualitätsbewusstsein steige, sondern auch die Zahlungsbereitschaft der UserInnen. Vor diesem Hintergrund bleibt der Verkauf klassischer Musik hinter den Erwartungen zurück, ihr Anteil an den Downloadverkäufen liegt derzeit bei sieben Prozent. Was sind die Gründe dafür? Pohl kam zu dem Ergebnis, dass es weder am Prinzip Download noch an der fehlenden Zahlungsbereitschaft liegen könne. Und dass sich niemand für klassische Musik interessiere, müsse so auch nicht stimmen, immerhin gäbe es eine Mozart-Fanseite auf Facebook, die derzeit über 189.000 Fans habe. Bei einer Stichprobe von 100 dieser Fans habe er ein Durchschnittsalter von 22 Jahren feststellen können. Warum, so seine Frage, kaufen die keine klassische Musik? Pohl beantwortete die Frage gleich selbst, in dem er feststellte, dass das Online-Erlebnis Klassik zu kompliziert sei. Die Suchkosten seien zu hoch, da Google mit seinen unzähligen Links eher als Barriere wirke.  Hinzu käme, dass jeder Anbieter klassischer Musik sein eigenes Süppchen koche. Eine Lösung dieses Problems bot Pohl auch an, ihm schwebt ein Portal vor, das alle Anbieter unter einem Dach vereint und die UserInnen mit Infos versorgt und ihnen die Möglichkeit zum käuflichen Erwerb von klassischer Musik anbietet. Weitere Schlagworte Ticketverkauf, Veranstaltungskalender, Community und Premium-Service. Das alles so gebündelt und SEO-optimiert, dass man mit diesem Portal bei Google ganz oben lande. „Boa, ej.“ So ähnlich dachte ich auch, als ich das hörte. Stellen Sie sich vor, dass das Internet aus unzähligen Eingängen besteht. Und nun wollen Sie, dass alle Ihren, und nur Ihren Eingang wählen. Realistisch? Genau… Die Ausführungen, wie so ein „Merger“ aussehen und welche tollen Angebote man da entwickeln könnte (auch Blogs wie das von Zamboni würden darin einen Platz finden) waren irgendwie herzig. Aber auch so realitätsfremd, dass mir bis zum Schluss nicht klar war, ob das alles ernst gemeint war. War es aber. Zurück zur Mozart-Fanseite auf Facebook. Ich habe keine Ahnung, wer sie betreibt und welche Ziele damit verfolgt werden. Der letzte Eintrag stammt vom 20. September 2008 und sieht so aus: Seitdem gibt es keinen Eintrag mehr und trotzdem ist die Zahl der „Fans“ auf fast 190.000 angestiegen. Hätte ich Mozart in meinem Repertoire, würde ich mal ganz vorsichtig versuchen, hier aktiv zu werden, anstatt den Traum von der Rückkehr des Gatekeepers zu träumen. Nicht ganz unwesentlich ist in diesem Zusammenhang die Frage, wer denn eigentlich klassische Musik hört? Die von Michael Huber, Mitarbeiter am Institut für Musiksoziologie (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) vorgestellte Studie „Wozu Musik“ bot in dieser Hinsicht wertvolle Aufschlüsse. Klassische Musik wird, so eine Erkenntnis, häufig ganz bewusst gehört und nicht als Klangkulisse nebenbei verwendet. Das heißt, klassische Musik wird besonders aufmerksam gehört und, auch das ist wichtig, sie wird meist alleine gehört. Die Vermutung liegt nahe, dass das zu Hause geschieht. Nachdem dort meist noch die Stereoanlage zu finden ist, nutzen Klassikliebhaber, so Huber, die digitalen Medien sehr viel seltener als Musikhörer allgemein. Klassik auf dem Mp3-Player, um die Busfahrt zu überbrücken, das ist noch die Ausnahme. Nicht überraschend ist es, dass es eine Vielzahl von Klassikmusikliebhabern gibt, die nie oder nur selten ein Konzert besuchen. Diese NichtbesucherInnen klassischer Konzerte, so lautet eine der in meinen Augen wichtigsten Ergebnisse dieser Studie, sind über die digitalen Medien erreichbar. Das heißt, klassische Musik muss dort auffindbar sein. Unter anderem in Form von Video- oder Audiofiles. Die von Carsten Winter, Professor für Medien- und Musikmanagement in Hannover, geleitete Diskussion zum Thema „Mp3 und Kunst“ griff genau dieses Thema auf, zeigte aber auch sofort ein Dilemma der jetzigen Situation. Gestritten wurde vor allem über die Frage, ob die Mp3-Datei die CD bzw. die Schallplatte als Endprodukt ablösen kann oder nicht. Geht es aber darum, mit Hilfe des Social Web das Interesse an klassischer Musik zu wecken, ist die Frage der Qualität eher nebensächlich, behaupte ich. Abstriche in der Qualität nahm beispielweise das Landestheater Linz in Kauf, als es die von Philipp Glas als Auftragswerk komponierte Oper Kepler in mehrere Kinos übertrug. 3.000 Kinokarten wurden gratis verteilt, berichtete Thomas Königstorfer, der kaufmännische Direktor, in seiner Präsentation, was eine Auslastung in den Kinos von 90 Prozent bedeutete. Im Unterschied zu den Liveübertragungen der Met, bei denen die Ticketpreise recht hoch sind (siehe dazu mein Blogpost „Oper außerhalb der Oper scheint zu boomen„), konnte man hier also kostenlos Oper im Kino erleben. Ein anderes Format, um neue Zielgruppen für Oper bzw. klassische Musik zu gewinnen, präsentierte Stephan Steigleder, Director Digital Media für die Bereiche Klassik und Jazz bei Universal mit der Yellow Lounge. Das Konzept:
„DJs legen klassische Musik auf. Alles von Bach bis Ligeti, wohl ausgesucht und durch raffinierte Übergänge miteinander verbunden. Gute Getränke, kommunikative Stimmung“,
wird die Idee auf der Website beschrieben. Nicht ohne Grund erregte vor allem die Yellow Lounge das Interesse der KonferenzteilnehmerInnen. Ich denke, klassische Musik aus ihrem traditionellen Rahmen zu lösen und Kunst als soziales Event zu begreifen und zu inszenieren, ist ein möglicher Weg, um Menschen für die Klassik zu begeistern.
„We keep talking about finding ways for people to connect with our particular art form. But people don’t want to connect to art . . . they want to connect to other people“,
hat Adam Thurman schon vor längerer Zeit in einem Blogpost geschrieben. Ich habe schon des öfteren auf diesen Beitrag hingewiesen, weil er meiner Meinung nach der Schlüssel ist, um Menschen für Kunst zu begeistern. Wohlgemerkt zu begeistern, nicht als Staffage zu betrachten. Zwar meinte Steigleder, dass es nicht seine Aufgabe sei, Konzerte zu organisieren, sondern CDs zu verkaufen. Aber wo steht geschrieben, dass die Wertschöpfungskette immer die gleiche bleibt? Gelingt es, das Konzept der Yellow Lounge ins Internet zu übertragen, könnte es gelingen, das Ansehen von klassischer Musik wieder zu heben. Die Frage ist aber, ob der Erfolg in der Steigerung der Verkaufszahlen besteht? Dass das eine Plattenfirma so sieht, ist verständlich, aber man sollte auch berücksichtigen, dass sich unser Konsumverhalten zu verändern begonnen hat. Wir müssen Musik nicht mehr besitzen, seitdem wir sie fast unbegrenzt konsumieren können. Wie hat Jeremy Rifkin in seinem Buch Access geschrieben?
„Hergebrachte Institutionen, die auf Eigentum, Austausch, Markt und materieller Akkumulation basieren, werden allmählich ausgehöhlt. So bricht sich ein Zeitalter Bahn, in dem Kultur die wichtigste kommerzielle Ressource, Zeit und Aufmerksamkeit der wertvollste Besitz und das Leben eines jeden Menschen zum ultimativen Markt werden.“ (Seite 19)
Die abschließende von Albert Hosp geleitete Podiumsdiskussion, an der ich teilnehmen durfte, wurde vom Thema Social Web bestimmt. Helen Porter, die die Twitter-Oper der Royal Opera vorstellte (siehe dazu: „Royal Opera House: Tradition und Social Media„), lieferte mit diesem Beispiel den besten Beweis, dass es nicht nur darum geht, über einen tollen Onlineshop zu verfügen, sondern das partzipative Potenzial des Social Web zu nutzen. Ein mindestens ebenso spannendes Beispiel lieferte Stefan Niederwieser mit dem Projekt Re:Haydn.
Fazit: Ob es klassische Musik in der Form, wie wir sie kennen, in einigen Jahren noch geben wird, vermag niemand zu sagen. Vielleicht genießen wir sie zukünftig in Form von „Häppchen“ wie in der Yellow Lounge oder in Form von Projekten, die Re:Haydn ähneln. Solche Formate und Projekte werden eine viel stärkere Wirkung entfalten, wenn sie in Social Media-Aktivitäten eingebunden sind. Ansätze dazu sind vorhanden, aber das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. PS: Auch in Stockholm gab es eine Konferenz, die sich mit der Musikbranche beschäftigte. Hier ist der Bericht.
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„Theorien über den Kultursektor und ihre Relevanz für das Kulturmanagement“ (Veranstaltungshinweis)

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Der Fachverband Kulturmanagement, „ein Zusammenschluss akademisch lehrender und forschender KulturmanagerInnen im deutschsprachigen Raum“, führt am 15. und 16. Januar 2010 in Wien seine 4. Arbeitstagung durch. Dabei geht es um die Relevanz verschiedener Theorien über den Kultursektor für das „Fach“ Kulturmanagement:
„Kulturmanagement ist eingebettet in einen breiten sozialen Sektor, den Kultursektor. Gegenwärtig gibt es drei dominante Beschreibungs- und Erklärungsmodelle für diesen Sektor: der US-amerikanische Production-of-Culture-Ansatz (H. Becker, D. Crane, V. Zolberg), der weitgehend von der Institutionstheorie und dem Interaktionismus beeinflusst ist, die Feldtheorie P. Bourdieus sowie die Systemtheorie N. Luhmanns. Welche Bedeutung haben solche Modelle für das Kulturmanagement?“
So kann man in der Ankündigung lesen. Das Programm macht neugierig, z.B. der Vortrag „Kulturmanagement als Gatekeeping-Prozess, Kulturmanagement aus der Sicht des Production-of-Culture-Ansatzes“. Zugelassen zu dieser Tagung sind „akademisch lehrende und forschende KulturmanagerInnen“. Wie ernst diese Einschränkung zu nehmen ist, vermag ich nicht zu sagen. Nachdem aber Studenten weniger zahlen (65 Euro) als die anderen TeilnehmerInnen (Mitglieder des Fachverband: 80 Euro, ansonsten 120 Euro), gehe ich mal davon aus, dass man bei Interesse an der Veranstaltung teilnehmen kann, denn StudentInnen forschen und lehren eigentlich nicht. Normalerweise zumindest ;-)