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Ankündigung: 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring

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Nächste Woche findet am 14. Juni von 9:00 bis 17:30 hier in Wien die 4. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring statt. Das Thema „Give & Take. Wie private Kulturförderung funktioniert.“ würde eigentlich auch gut zum stARTcamp passen. Es geht um „fruchtbare Kooperationen“, wie es in der Ankündigung heißt und dass dabei Crowdfunding als Thema so prominent vertreten ist, gefällt mir persönlich sehr gut.

Nachdem ich im letzten Jahr einen Vortrag halten durfte (siehe dazu mein Blogpost „Fundraising: Neue Ideen haben es schwer“), kann ich dieses Jahr leider nicht dabei sein. Die Vorbereitungen für das stARTcamp und das ORF-Dialogforum nehmen einfach zu viel Zeit in Anspruch. Da ich aber glaube, dass die Frage der Finanzierung von Kunst und Kultur ein eminent wichtiges Thema ist, habe ich der Organisatorin dieser Veranstaltung, Eva Estermann ein paar Fragen gestellt.

Kulturmanagement Blog: Liebe Eva, die Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring dreht sich um das Thema „Give & Tage“, um „fruchtbare Kooperationen“, wie Du in der Ankündigung schreibst. Warum sollen Kultureinrichtungen kooperieren und worin siehst Du den Mehrwert für beide Seiten?

Eva Estermann: Ob in Wissenschaft und Forschung, im Bildungsbereich, Politik oder Wirtschaft,   überall spielt das Prinzip Kooperation eine wichtige Rolle, wenn wir erfolgreich sein wollen. Die Psychologie und die Pädagogik haben sich damit eingehend befasst, auch die Philosophie, Soziologie und Politische Theorie, die Ökonomie mit der Mathematik im Rahmen der Spieltheorie und natürlich die Management-Lehre, wenn sie die Erfolgsbedingungen von Unternehmensallianzen oder Verhandlungsstrategien untersucht. Zu

© Ludwig Schedl

kooperieren bedeutet, mit dem jeweils anderen gemeinsam ein Ziel festzulegen und darauf zuzusteuern. Umso unterschiedlicher die Partner sind, desto höher ist der Nutzen dieser Partnerschaft. So entstehen neue Ideen und Perspektiven und so erwerben beide involvierte Parteien getrennt voneinander jeweils neue Erkenntnisse und Fähigkeiten, im besten Fall entstehen über die Parteieninteressen und den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehende gesamtgesellschaftliche Weiterentwicklungen. Da Partner aber unterschiedlich sind und meistens unterschiedliche Erwartungen pflegen, müssen sie in aller Ehrlichkeit aufeinander zugehen und sich vorher die Zeit nehmen, sich in den jeweils anderen hineinzudenken. Nicht anders funktioniert erfolgreiche private Kulturförderung: es ist meiner Ansicht nach falsch, die Motive hierfür immer nur auf das Thema Geld zu reduzieren. Aber genauso beginnt leider noch immer fast jede Argumentation, weshalb Kultureinrichtungen heutzutage vermehrt Privatmittel einwerben sollen – „weil die öffentlichen Kassen leer sind“. Mag sein, dass  die öffentliche Kulturfinanzierung an ihre Grenzen gestoßen ist. Private Kulturförderung soll trotzdem nicht der wegen zunehmendem haushaltspolitischen Druck entstandenen Sparlogik öffentlicher Förderstellen folgen und deren Knappheiten kompensieren oder gar ersetzen, sie kann und will ergänzend auftreten. Der Mehrwert für die Kultur? Durch privates Engagement können eben Projekte realisiert werden, die sonst nie entstanden wären: das sind auf der einen Seite durchaus kommerziell gut verwertbare Projekte, auf der anderen Seite aber viele innovative, vielleicht sogar „sperrige“ (weil spartenübergreifende, künstlerisch komplizierte, oder auch nicht ein großes Publikum ansprechende) Projekte, über die sich eine öffentliche Förderstelle vielleicht nicht unbedingt rüber getraut hätte. Profitieren können davon nicht nur all die großen und damit ohnehin bereits stark subventionierten Kultureinrichtungen. Das zivilgesellschaftliche Engagement kommt bereits jetzt den vielen kleinen Kulturvereinen zu Gute, die stark auf Ehrenamtlichkeit und Freiwilligenarbeit aufbauen. Noch stärker und systematischer sollen die kleinen Non-Profit-Einrichtungen private Geldquellen, über Sponsoring, Fundraising bzw. Spenden und Mäzenen sowie Stiftungen erschließen. Zudem treten viele große Unternehmen und – leider in Österreich noch viel zu wenig –  Stiftungen als unmittelbar fördernde oder selbst Kultur produzierende Akteure auf und tragen damit zu einer vielfältigen Kulturlandschaft bei. Bei unserer Veranstaltung wollen wir immer diese kulturpolitischen Fragestellungen mitandenken. Die Teilnehmer/innen sollen sich mit einem Knowhow über aktuelle Strategien und Methoden im Fundraising und Sponsoring wappnen. Sie sollen aber auch die dahinterliegenden Paradigmen erkennen und überdenken. Damit wären sie unserer Ansicht nach die erfolgreichsten Fundraiser/innen! Deswegen freuen wir uns so sehr auf unseren Keynote-Speaker Stephan Frucht: ein Querdenker par excellence, der gleichzeitig als ausgebildeter Dirigent und Violinist, Kulturmanager, Kulturpolitikberater (und btw. ehemaliger Unfallchirurg!) uns hier bestimmt sehr wertvolle Denkanstöße geben kann.

Der Kulturbereich muss Crowdfunding noch viel mehr nutzen

Kulturmanagement Blog: Ich bin ja immer froh, wenn Kultureinrichtungen die Spendenschiene verlassen und versuchen, ihren Kooperationspartnern auf Augenhöhe zu begegnen. Deshalb bin ich ein großer Freund von Crowdfunding und finde es großartig, dass sich das Thema durch den ganzen Tag findet. Was muss getan werden, damit noch viel mehr Kultureinrichtungen auf diese Form der Finanzierung setzen?

Eva Estermann: Alles ist Definitionssache. Crowdfunding gehört zu den Instrumenten des Fundraisings, speziell des Spendenwerbens. Spendensammeln hat noch immer diesen negativen Beigeschmack, dass man Menschen das Geld aus der Tasche ziehen will. Schade, wo doch Herr und Frau Österreicher/in im internationalen Schnitt besonders  im Kleinspender-Segment sehr viel und gerne spenden (siehe Spendenbericht). Was ist negativ am Spenden? Wir müssen noch an dieser Stigmatisierung arbeiten, denn sonst wird sich das Spendenklima für Österreichs Kultur nicht bessern.

Feststeht, Crowdfunding muss noch viel mehr im Kultursektor Fuß fassen.  Was es braucht zum Durchbruch? Ich würde sagen neben dem personellen Einsatz: Mut. Unser Leitsatz: einfach ausprobieren, auch Fehler riskieren!  Auch wenn Crowdfunding-Projekte sich nicht über die Nacht realisieren lassen und sich nicht für jede Einrichtung oder jedes Projekt eignen, sondern eines strategischen Aufwands bedürfen, profitieren Organisationen – auch ohne den vielleicht höher erwarteten ROI – davon. Sie lernen ihre Spender/innen kennen, erarbeiten anfangs einen starken Case of Support, üben sich in der  Kommunikation und müssen sich ganz praktisch überlegen, was sie über das Kulturangebot hinaus ihren potentiellen Spender/innen mitgeben können. Die beste Selbstreflektion und Erfahrung, um dann auch andere weitere Instrumente für Klein- und Großspender/innen auszuprobieren. Dieses Jahr referieren in zwei Einheiten ExpertInnen zu dem Thema: Peter Nömaier und Natascha Halbauer halten einen Vortrag über ihre Erfahrungen aus der jüngst lancierten Kampagne für das Sigmund Freud Museum. Die Profis  Sunita Maldonado (wemake.it) und Tomas Mikeska (Filmarchiv) halten einen Intensiv-Workshop.

Kulturmanagement Blog: Nicole Newman wird in ihrem Impulsvortrag über die neuesten Sponsoringtrends aus Europa berichten, Dominik Winterling erzählt, wie die Elbphilharmonie ihre Sponsoren sucht, findet und bindet. Glaubst Du, kleinere Kultureinrichtungen können sich da was abschauen und bestimmte Verhaltensweisen übernehmen?

Eva Estermann: Auf alle Fälle. Man kann immer von den „Besten“ lernen. Auch wenn die Bedingungen für große, oftmals am stärksten subventionierten Kultureinrichtungen anders sind, entstehen hier Ideen und Erfahrungen, die man abgewandelt durchaus auf den eigenen, oft viel kleineren Betrieb übertragen kann. Best Practice ist inspirierend und denkanstoßend. Das gilt auch für die Betrachtung von Trends. Natürlich sind wirtschaftliche, kulturpolitische oder gesellschaftliche Voraussetzungen etwa im angelsächsischen Raum, oder auch in Deutschland und in der Schweiz, ganz anders. Aber wir sollten das nicht immer als Ausrede nehmen, nicht über die Grenzen schauen zu können. Das Prinzip gilt ja auch für andere Branchen (karitative Organisationen, Wissenschaft, Umwelt) oder  unterschiedliche Kunstsparten: jede/r  Fundraising-Beauftrage sollte neugierig bleiben und sich regelmäßig umschauen, was  man für den eignen Kulturbetrieb übernehmen könnte. Erfolgreiche Ideen entstehen selten am Reißbrett.

Auf der 4. Fachtagung für Kulturfundraising geht es auch um EU-Förderungen

Kulturmanagement Blog: Normalerweise verbinden wir mit dem Kulturfundraising das Einwerben privater Mittel. Ihr habt aber auch David Röthler eingeladen, der die aktuellen EU-Förderprogramme vorstellen wird. Worin siehst Du die größten Herausforderungen für Kultureinrichtungen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Eva Estermann: Wir sehen das Thema „Fundraising“ pragmatisch. Letztlich geht es um das Einwerben aller finanziellen Mittel, ob von öffentlicher oder privater Seite. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtig, sein Fundraising-Portfolio zu diversifizieren, also auf Multi-Budgeting zu setzen. Kleinere Kultureinrichtungen haben hier bereits gegenüber  größeren einen Wissensvorteil: wenn es keine jährliche Basisabgeltung gibt, müssen viele Geldtöpfe berücksichtigt bzw. geprüft werden.  Gegebenenfalls müssen Eigeneinnahmen und Preispolitik überdacht werden, aber das ist nicht unser Thema. EU-Projektförderung kommt letztlich nur ganz wenigen Institutionen/Projekten zu Gute: die Förderpraxis und speziell die Förderbedingungen sind bekanntlich komplex. Wir bieten Kultureinrichtungen mit dem Experten-Workshop von David Röthler die Möglichkeit, für sich die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit eines EU-Förderansuchens zu überprüfen.

Kulturmanagement Blog: Fördervereine und Freundeskreise sind ebenfalls ein wichtiges Thema, wenn wir von Kulturfundraising sprechen. Wie können die kleineren und mittleren Kultureinrichtungen Menschen gewinnen, die sich für sie engagieren? Ist das ressourcenmäßig überhaupt möglich?

Eva Estermann: Fördervereine und Freundeskreise zählen zu den geschichtlich am längsten zurückreichenden „Fundraising-Instrumenten“. Oft wissen wir gar nicht, wieviele österreichische Kultureinrichtungen sich aus diesem bürgerschaftlichen Engagement (das auch mit substanzieller finanzieller Hilfe verbunden war) heraus entwickelten. Diese Zivilgesellschaft heißt es heutzutage wieder neu zu beleben. Die Mitwirkung in einem Förderverein ist eine Form der Bürgerbeteiligung, die unsere Gesellschaft und unsere Kultur viel mehr noch zusammen schweißen könnte.  Letztendlich sollen aber diese Vereine in der Lage sein, kulturelle Einrichtungen nicht nur ideell, sondern auch finanziell  zu unterstützten. Gerade kleinere Kultureinrichtungen könnten es doch viel leichter bewerkstelligen, Menschen, die ihrer Institution verbunden sind, zu identifizieren, zu binden und letztlich zur finanziellen und personellen Mitwirkung  zu motivieren. Aber eines ist klar: das ist eine auch zeitintensive Aufgabe des Intendanten, der künstlerischen/wissenschaftlichen Leitung, des Geschäftsführers, „potentielle Freunde“ im Umkreis anzusprechen.

Kulturmanagement Blog: Die Teilnahme an der Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring ist nicht ganz billig, die Tickets kosten regulär 270 Euro. Ich frage Dich jetzt nicht, ob sich diese Investition für Kultureinrichtungen lohnt, sondern würde von Dir gerne wissen, ob es für Kulturvereine, für die so ein Betrag viel Geld ist, Ermäßigungen gibt.

Eva Estermann: Wir bieten sogenannte Tagungsstipendien für Vertreter/innen von kleinen Kultureinrichtungen an (Tipp: Bis morgen, den 7.6.18, können Sie sich noch bewerben, Infos unter diesem Link), die  sich mit einem kurzen „Motivationsschreiben“ vorstellen und dann kostenlos bei der Tagung teilnehmen. Dieses Stipendienprogramm wird von BKA Sektion Kunst & Kultur, der ERSTE Stiftung sowie der Erste Bank unterstützt: darüber freuen wir uns ganz besonders, dass die Weiterbildung von Kulturfundraiser/innen öffentlichen wie privaten Trägern ein Anliegen ist! (BTW: vergleichbare Weiterbildungen setzen für halbtägige Seminare viel höhere Preise an.)

Kulturmanagement Blog: Ich danke Dir für Deine Antworten, Eva und wünsche Dir beziehungsweise Euch eine tolle Veranstaltung!

Eva Estermann: Und dir viel Glück für das stARTcamp in der Kunsthalle. Hoffentlich wird „Give & Take“ auch ein Thema….

Foto von 3dman_eu auf Pixabay

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Nach dem stARTcamp ist vor dem stARTcamp: In Linz geht es am 7. Mai um Kulturfinanzierung

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Bild: Linzer Pflasterspektakel 2008 – Rumpel„; von Chrissy W (CC BY- SA 2.0) auf Flickr

Fack ju Subvention!“ ist ein Artikel in der WELT überschrieben, in dem der Autor die Meinung vertritt, die durchsubventionierte deutsche Kulturlandschaft produziere nur gremienverhunzte Konsensbrühe und die Künstler müssten sich endlich entscheiden,

„ob sie Staatsflittchen sein oder Kunst hervorbringen wollen“.

Wurde im „Kulturinfarkt“ die Forderung nach einer möglichen Kürzung der Subventionen noch argumentiert, schwadroniert hier jemand vor sich hin, ohne groß eine Ahnung zu haben, schafft es aber, den Begriff des Bildungsbürgers endgültig zu diskreditieren. Gut, inhaltlich gibt der Artikel also nicht viel her, aber die Überschrift passt gut zum stARTcamp in Linz, das am 7. Mai stattfindet und zwar im Wissensturm, direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. „Fack ju Subvention!“ Obwohl, ich würde das Ausrufezeichen noch durch ein Fragezeichen ersetzen, also: „Fack ju Subvention?“ Ja, ich glaube, das trifft es ganz gut. Es geht um die Frage, wie sich Kunst und Kultur finanzieren lassen. Auch wenn das den einzelnen KünstlerInnen und Kultureinrichtungen nicht so vorkommen mag, aber es fließt noch ziemlich viel Geld in den Kunst- und Kulturbereich. Aber vielleicht ließe sich in Linz die Frage diskutieren, ob das Geld richtig fließt und vor allem: erreicht es auch die Richtigen?

Das Hauptaugenmerk wird nächste Woche aber sicher bei den Alternativen zur öffentlichen Förderung liegen. Die aktuelle Ausgabe des KM-Magazins hat dazu eine Steilvorlage geliefert und behandelt unter der Überschrift „Kulturfinanzierung“ Themen wie Sponsoring, Corporate Cultural Responsibility, Online-Fundraising oder Crowdfunding. Aber mir reicht das noch nicht. Gilt diese Einteilung überhaupt noch? Lohnt es sich, weiter auf das klassische Kultursponsoring zu setzen, obwohl es vermutlich vielen so geht wie Christoph Grunenberg, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, der im KM-Magazin konstatiert,

„dass der Anteil des Sponsorings an der Gesamtfinanzierung geringer geworden ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren, mit abnehmender Tendenz“.

Und was ist mit denen, die bis jetzt noch gar keine Sponsoren hatten? Ist für die Crowdfunding eine Alternative? Ich denke schon, aber nicht nur für die, denn Crowdfunding ist mehr als nur ein (neues) Finanzierungsinstrument. Vielleicht stimmen all die Kategorien nicht  mehr? Ich habe gerade einen sehr guten Artikel von Dion Hinchcliffe gelesen. In „How much can technology actually improve collaboration?“ zeigt er, welche Vorteile sich daraus ergeben, wenn man mit anderen zusammenarbeitet. Aber mir reicht es nicht, wenn wir nur darüber nachdenken, wie Theater kooperieren. Oder Museen. Und wenn wir innovativ sind, Theater mit Museen. Nein, denken wir mal weiter und orientieren wir uns an dem, was die BesucherInnen eines Konzerts oder einer Ausstellung davor und danach erleben beziehungsweise, was sie sich davor und danach wünschen? Mit dem Modell des digitalen Erlebnisraums geht es uns darum, Kooperationen entlang einer Wertschöpfungskette zu entwickeln.

Einen Schritt zurück: Immer wieder weisen wir darauf hin, dass das Wertvolle der künstlerischen Arbeit nicht nur das künstlerische Objekt ist, sondern der Prozess, der dazu geführt hat. Wir verkaufen aber nur Tickets, um das Ergebnis dieser Arbeit bestaunen zu können. Der Prozess bleibt unter Verschluss. Das ist übrigens auch ein Problem, wenn es darum geht, die künstlerische Arbeit zu bewerben und zu vermitteln. Hier stoßen wir ganz schnell an Grenzen, die es zu überwinden geht. Tom Goodwin formuliert das recht schön in seinem Artikel „Why You Don’t Need A Digital Strategy„:

„You Don’t Need A Digital Strategy, You Need A Digitally Transformed Company.“

Anders gesagt: Erst wenn es Kultureinrichtungen gelingt, sich neu zu organisieren,  besteht die Möglichkeit, die Finanzierungsprobleme zu lösen.

Wer jetzt Lust verspürt mitzudiskutieren, der sollte zum stARTcamp nach Linz kommen, denn es gibt kein besseres Format als ein Barcamp, um solche Themen zu diskutieren. Apropos Format: Wer nicht weiß, was ein Barcamp ist, hier die schnelle Antwort: Das Programm wird in der Eingangssession gemeinsam festgelegt, alle können etwas vortragen, diskutieren oder auch einfach eine Frage stellen (mehr dazu: „Was ist eigentlich ein stARTcamp?„). Der Erfolg des stARTcamps hängt also von den TeilnehmerInnen ab. Wenn sich alle aktiv beteiligen, diskutieren oder fragen, dann wird das stARTcamp eine tolle Sache, warten alle nur darauf, dass etwas passiert, wird es eher eine langweilige Veranstaltung. Aber keine Sorge, bis jetzt war die Begeisterung immer groß (man kann das zum Beispiel aus den Blogbeiträgen über das stARTcamp in München herauslesen). Fehlen nur noch die Informationen…

Wo, wann und wie?

Das stARTcamp Linz findet am 7. Mai im Wissensturm in Linz (Kärtnerstraße 26, 4020 Linz) statt, los geht es um 10 Uhr. Wer dabei sein möchte, muss sich nur über diese Liste anmelden. Der Eintritt ist kostenlos, aber für Essen und Getränke wird vor Ort ein Unkostenbeitrag von 10 Euro eingesammelt. Wer schon Themenvorschläge, Fragen oder Diskussionspunkte hat, kann diese in die Liste der Sessionvorschläge eintragen. Ach ja, und etwas Werbung wäre natürlich auch nett. Blogbeiträge oder ein paar Postings auf Facebook und Twitter (hashtag #sclinz) helfen Wolfgang Gumpelmaier und allen, die ihn dabei unterstützen, weiter. Wir sehen uns. ;-)

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Sponsoring: muss ich potenziellen Geldgebern mein Budget zeigen?

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© Paul-Georg Meister ; Pixelio

Wenn Sie für Ihr künstlerisches Vorhaben öffentliche Mittel in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie nicht nur Ihr Projekt beschreiben und erklären, was Sie da so alles vorhaben. Sondern Sie werden auch dazu aufgefordert, Ihr Budget darzustellen und aufzulisten, auf welche Weise Sie die Kosten decken wollen. Dass die öffentlichen Förderstellen wissen wollen, wie Sie die benötigten Mittel einsetzen und ob Ihr Projekt finanziell überhaupt realisierbar ist, scheint einsichtig, schließlich ist es die Aufgabe der öffentlichen Stellen, Kunst zu ermöglichen. Und das mit den Mitteln der Steuerzahler.

Wie aber sieht es denn bei den privaten Unterstützern aus? Müssen oder sollten Sie denen auch Ihr Budget vorlegen, um das erhoffte und meist dringend benötigte Geld zu bekommen? Eigentlich nicht, denn wenn wir Sponsoring als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit verstehen, dann heißt das: der Projektbetreiber bietet dem potenziellen Sponsor eine oder mehrere Leistungen an, für die ein entsprechender Gegenwert ermittelt wird. Ob es sich hierbei um eine Sach- oder Geldleistung handelt, spielt keine Rolle, entscheidend ist, ob die Relation zwischen Leistung und Gegenleistung passen.

Für den Sponsor spielt es dabei keine Rolle, ob die Projektkosten hoch oder niedrig sind, er hat lediglich ein Interesse daran, für den vereinbarten Geldbetrag oder die ausgehandelten Sachleistungen die entsprechende Gegenleistung zu erhalten. Wichtig ist daher nicht das Projektbudget, sondern die Bewertung der Leistung, die man dem potenziellen Sponsor anbietet. Wenn Sie also einem Sponsor anbieten, für den vereinbarten Geldbetrag sein Logo auf Plakat und Eintrittskarten zu platzieren, ist es völlig egal, ob Ihr Projekt 500 oder 500.000 Euro kostet.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen: ein Unternehmen könnte Sie bei der Realisierung Ihres Vorhabens auch mit Know-How unterstützen, zum Beispiel bei der Organisation des Vorhabens, also in Sachen Projektmanagement. Oder ein Sponsor finanziert das gesamte Vorhaben. In so einem Fall darf er nicht nur wissen, was das Projekt kostet, er muss es sogar wissen, um dann seine Entscheidung treffen zu können.

Aber auch ohne diese Ausnahmen können Sie durchaus die Höhe des Budgets nennen, ohne die Zahlen im Detail zu präsentieren. Auf diese Weise kann der mögliche Geldgeber abschätzen, ob Ihre Forderung realistisch oder völlig überzogen ist. Angenommen, Ihr Vorhaben kostet 5.000 Euro und Sie möchten vom potenziellen Sponsor 2.500 Euro für den Logoabdruck, dann ist das unter Umständen eine etwas überzogene Forderung. Wenn Sie hier offen agieren und die Gesamtkosten nennen, wird Ihr Gegenüber sehen, dass Sie ihn nicht über den Tisch ziehen wollen und Ihnen genau das Vertrauen entgegenbringen, das die Voraussetzung für eine langfristige Partnerschaft ist.

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Kultursponsoringmarktstudie 2010: jetzt als kostenloser Download

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Kurz vor Weihnachten habe ich die von der Agentur Causales durchgeführte Kultursponsoringmarktstudie 2010 vorgestellt (Teil I, Teil II, Teil III). Jetzt können Sie sich die Studie als PDF downloaden.

„Die Studie macht deutlich, dass die teilnehmenden Institutionen durch professionelle Vermarktungsansätze eine gute Grundlage für professionelles Kultursponsoring schaffen und damit einen Wachstumstrend im Kultursponsoring fördern,“

heißt es in der Aussendung von Causales abschließend. Die Studie bildet eine fundierte Grundlage für Sponsoringaktivitäten von Kulturbetrieben und enthält einige bedenkenswerte Anregungen.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil III)

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Immer wieder ist in Gesprächen mit Kultureinrichtungen zu hören, man verzichte auf Sponsoringaktivitäten, weil man sich in der künstlerischen Arbeit von Sponsoren dreinreden lassen wolle, Mit diesem Vorurteil räumt die von der Agentur Causales veröffentlichte Studie Kultursponsoring 2010 auf. Dementspreched groß ist auch die Zufriedenheit der Kultureinrichtungen mit ihren Partnern aus der Wirtschaft. Knapp 90 Prozent von ihnen sind überwiegend oder völlig mit der Zusammenarbeit zufrieden. Dementsprechend wird der Kontakt auch über die Sponsoringaktivität hinaus aufrecht erhalten.

Analysiert man die Zahlen, dann lässt sich die bei knapp 90 Prozent liegende Ansicht, Kultursponsoring werde an Bedeutung gewinnen, als Prognose und/oder Wunsch bezeichnen. Zwei Drittel der befragten Kultureinrichtungen sind sehr stark an einer Sponsoringpartnerschaft interessiert und wünschen sich dabei vor allem finanzielle Unterstützung, aber auch Hilfe im Media-Bereich.

Soll man sich bei der Zusammenarbeit professionelle Unterstützung von Agenturen holen? Hier gehen die Meinungen ziemlich auseinander: während die eine Hälfte der Befragten dies als notwendig ansieht, bevorzugt die andere Hälfte den Do-it-yourself-Ansatz.

Unabhängig von der Frage, ob man sich extern beraten lässt oder nicht, lohnt es sich, sich die Ergebnisse der Studie genauer anzusehen, die Sie im Causales-Shop erwerben können. Aus den Antworten der befragten Kultureinrichtungen und dem Zahlenmaterial lassen sich noch viele interessante Rückschlüsse ziehen, ich habe mich in meinen Beiträgen noch sehr an der Oberfläche bewegt. Interessant ist es einerseits, die Ergebnisse von 2010 mit denen von 2005 und 2007 zu vergleichen, aber auch der Vergleich zu anderen Studien lohnt sich, auch wenn diese nur schwer direkt miteinander zu vergleichen sind. Da ist zum Beispiel der von A.T. Kearney herausgegebene „Elchtest„, der in Österreich auf ganz andere Zahlen kommt und in den letzten sechs Jahren eine Zunahme der Sponsoringmittel um 16 Prozent verzeichnet.

Sponsoring wird weiterhin ein Thema bleiben, allerdings stellt sich die Frage,  wie sich diese Zusammenarbeit entwickeln wird. Der Verein Schwarz+Weiss formuliert diese Frage auf seiner Facebook-Seite recht schön:

„Doch wird mit Anstieg der Sponsoringmittel (…) auch der Innovationsgrad der Kooperationsmodelle steigen?“

Genau darin liegt die Herausforderung, denn dass beide Seiten von dieser Partnerschaft profitieren, das zeigt die von der Agentur Causales erstellte Studie ja ganz deutlich.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil II)

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In meinem gestrigen Beitrag über die von Causales herausgebrachte Studie Kultursponsoring 2010 hat sich gezeigt, dass sich entweder nur mittlere und große Kulturbetriebe dazu entschließen konnten, den Fragebogen auszufüllen oder es wirklich so ist, dass Sponsoring nur für Kultureinrichtungen in dieser Größenordnung interessant ist. Um das herauszufinden, bräuchte es dann aber vermutlich wieder eine eigene Studie. :-)

Aber uns interessieren natürlich nicht nur die Kultureinrichtungen, sondern auch die Unternehmen. Welche Erkenntnisse liefert uns die Studie hier? Sie zeigt zum Beispiel, dass die Sponsoringgeber sich ähnlich wie das Publikum auf die Region verteilen. Nachdem die Studie ja zu dem Ergebnis kommt, dass im Sponsoringbereich wesentlich mehr Geld fließt als noch 2007, könnte das eines der Erfolgsrezepte sein: wenn ein Kulturbetrieb sich als Mittler zwischen Unternehmen und seinem Publikum anbietet, dann funktioniert das nur, wenn beide im gleichen geografischen Umfeld angesiedelt sind.

Zwar wurden die Kulturbetriebe nicht nach ihrer Unternehmensgröße gefragt, aber die Zuschauerzahlen lassen vermuten, dass es sich bei denen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, um mittelgroße Kultureinrichtungen handelt. Wie sieht es auf der Gegenseite aus? Auch hier, so zeigt die Studie, sind es vor allem mittelständische Unternehmen (52 Prozent), die Kultursponsoring betreiben. Großunternehmen (35 Prozent) und Kleinunternehmen (13 Prozent) liegen da weit zurück. Überraschend ist es dann aber, dass bei den Branchen, die Kultursponsoring betreiben, der Banken- und Versicherungsbereich mit 60 Prozent so dominiert.

Ganz am Ende liegen mit 4,5 Prozent übrigens Mobilfunkbetreiber, die ich als äußerst interessante Partner für kommende Sponsoringaktivitäten ansehe. Wenn das Social Web zunehmend an Bedeutung gewinnt und wir uns in den sozialen Netzwerken immer häufiger mit Hilfe von mobilen Endgeräten austauschen, dann sollte es hier schon Ansatzpunkte für zukunftsweisende Partnerschaften geben.

Vor diesem Hintergrund gewinnen dann die Fans, Follower oder Freunde der Kulturbetriebe an Bedeutung. Die Zusammenarbeit der Sponsoringpartner kann ja durchaus online stattfinden, warum sich also nicht hier Gedanken machen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte?

Bis jetzt verlassen sich Kulturbetriebe und Unternehmen aber auf die klassischen Sponsoringformate. Unterstützt werden vor allem Veranstaltungen (67,7 Prozent) und konkrete Projekte (58,7 Prozent). Sehr viel seltener unterstützen die Unternehmen die Kultureinrichtung ingesamt(37,6 Prozent)  oder auch KünstlerInnen (9,8 Prozent). Die Unterstützung erfolgt größtenteils in finanzieller Form (80 Prozent), Sach- und Medienleistungen sind sehr viel seltener.

Was passiert mit diesem Geld? Meist wird es inhaltlich verwendet, nur selten hingegen für die Werbung oder die Öffentlichkeitsarbeit. Als Gegenleistung erhalten die Unternehmen das, was halt so üblich ist: die Unternehmen werden offline/online präsentiert und das in bekannter Weise. Wirklich neue und innovative Ansätze lassen sich hier nicht herauslesen, aber wenn alle damit zufrieden sind, dann gibt es ja auch keinen Grund, etwas daran zu verändern.

Und dass die meisten Kulturbetriebe und Unternehmen zufrieden sind, das zeigt die Auswertung der Fragebögen. Mehr dazu dann aber im dritten und letzten Teil dieses Beitrags.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)

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Wenn die öffentlichen Fördergelder immer knapper werden, dann gilt es, sich nach Alternativen umzusehen. Eine von der Agentur Causales durchgeführte Studie zeigt, dass viele Kulturbetriebe dabei auf das Kultursponsoring setzen. Und das recht erfolgreich, denn während die Kultureinrichtungen 2007 erst 6,7 Prozent ihres Haushaltes über Sponsoringeinnahmen abdecken konnten, sind es dieses Jahr bereits 13 Prozent. Das bedeutet, die Einnahmen aus dem Sponsoring verdoppelten sich innerhalb von drei Jahren.

Ist das Kultursponsoring also der Rettungsanker für viele in finanziellen Nöten steckenden Kultureinrichtungen? Schauen wir uns die Studie mal genauer an. Die Agentur Causales hat sich bereits zum dritten Mal des Themas Kultursponsoring angenommen. Während sich die Untersuchung 2005 noch auf Berlin und die umliegenden Bundesländer beschränkte, wurden ab 2007 bundesweit Kultureinrichtungen eingeladen, den Fragebogen auszuschicken. 500 Kultureinrichtungen wurden kontaktiert, 133 von ihnen füllten den Fragebogen aus, was einer Rücklaufquote von 26,6 Prozent entspricht. Bei den meisten dieser Kulturbetriebe handelt es sich um Museen (19 Prozent), Musiktheater (13,7 Prozent) und Sprechtheater (11,5 Prozent). Mehr als zwei Drittel der befragten Kultureinrichtungen erreichen zwischen 10.000 und 500.000 BesucherInnen pro Jahr, gut 5 Prozent locken noch mehr Menschen an.

Anlocken lässt sich aber meist nur, wer im regionalen Umfeld wohnt. Mehr als zwei Drittel der BesucherInnen leben in einem Umfeld von 100 Kilometern, 19 Prozent in Deutschland und 11 Prozent im Ausland. Während sich die Kulturbetriebe im Social Web häufig für neue (und junge) Zielgruppen interessieren, weist deren Kernzielgruppe meist ein recht hohes Alter auf. Den vierzig- bis sechzigjährigen gilt dabei das Hauptinteresse, das heißt, ein jugendliches Publikum scheint eher als Reserve für die Zukunft gesehen zu werden. Da überrascht es dann nicht, dass der überwiegende Teil dieser Kernzielgruppe hochgebildet ist und entweder Abitur oder ein Studium vorweisen kann.
Ich hätte mir hier noch die Frage nach Herkunft und migrantischem Hintergrund gewünscht, denn diese Gruppe der Bevölkerung ist in den letzten Jahren zwar enorm gewachsen, in den entsprechenden Kulturstatistiken taucht sie aber nur selten oder wie in diesem Fall, gar nicht auf.

Fast alle Kultureinrichtungen arbeiten mit Sponsoren zusammen

Nachdem es im Interesse von Sponsoringnehmer und –geber liegt, dass möglichst viele Menschen von dieser Zusammenarbeit erfahren, hängt viel von der Frage ab, über welche Kanäle die Kulturbetriebe mit ihren Zielgruppen kommunizieren und wie viele Menschen sie auf diese Weise erreichen. Am häufigsten setzen die Kultureinrichtungen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda, gefolgt von der klassischen PR und, für mich etwas überraschend, die Kommunikation via Internet beziehungsweise Web2.0. Dass sich damit sehr viele Menschen erreichen lassen, belegen die Zahlen. Mehr als 15 Prozent der befragten Kulturbetriebe nannte hier über eine Million Menschen, allerdings fällt auf, dass diese Zahlen nicht so sehr viel höher sind als die Besucherzahlen.

Angesichts der Bedeutung von Social Media in der Kommunikation ist das etwas erstaunlich, hier hätte ich wesentlich höhere Zahlen erwartet. Dafür hätte ich umgekehrt nicht gedacht, dass so viele der befragten Kulturbetriebe mit Sponsoren zusammen arbeitet beziehungsweise gearbeitet haben. Knapp 87 Prozent arbeiten derzeit mit Sponsoren zusammen und das zum Teil schon sehr lange. So gibt es jede Menge Partnerschaften, die schon mehr als zehn Jahre bestehen, Kontinuität wird also großgeschrieben.

Aber trotz langfristiger Kooperationen verlassen sich die wenigsten Kultureinrichtungen nur auf einen Partner aus der Wirtschaft. Die meisten Kulturbetriebe arbeiten mit 3-4 (25,8 Prozent) und 5-6 (22,7 Prozent) Partnern zusammen. Vier Prozent gaben an, mehr als 30 Sponsoringpartner zu haben.
Keine schlechte Leistung, denn seine Partner muss man sich in der Regel selbst suchen. Unternehmen, die auf Kultureinrichtungen zugehen, sind (noch) die große Ausnahme, noch seltener kommt die Zusammenarbeit durch Vermittlung zustande.

Und wer übernimmt diese Aufgabe in den Kultureinrichtungen? Meist sind es die Geschäftsführer (47 Prozent) oder die Marketing/PR-Abteilung (32 Prozent). Immerhin acht Prozent der befragten Kultureinrichtungen gaben an, über eine eigene Sponsoringabteilung zu verfügen.

Wer sind nun die Partner aus der Wirtschaft und welche Leistungen werden ausgetauscht? Die Antworten darauf gibt es im nächsten Beitrag.

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„Kunst in der Krise“, eine Diplomarbeit zum Thema Kunstsponsoring

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Ich finde es bedauerlich, dass viele Diplomarbeiten oder Dissertationen mit viel Aufwand geschrieben werden und dann aus unterschiedlichen Gründen in der sprichwörtlichen Schublade verschwinden. Einige immerhin werden irgendwo im Internet platziert, aber auch dort sind sie nicht so einfach zu entdecken.

Oft ist es daher der Zufall, der einen auf interessante Arbeiten stoßen lässt, so wie die Diplomarbeit von Marcus Mayer, der sich unter dem Titel „Kunst in der Krise“ vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Entwicklung des Kunst- und Kultursponsoring beschäftigt. Mayer konstatiert, dass die Sponsoringaktivitäten durch die Krise der letzten zwei Jahre ingesamt gesehen zwar zurückgegangen sind. Ob aber bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist und mit dem prognostizierten Aufschwung auch das Interesse an dieser Form der Zusammenarbeit mit Kulturbetrieben wieder zunehmen wird, vermag Mayer nicht zu sagen.

Vermutlich werden vor allem die großen Unternehmen weiter Kunst- und Kultursponsoring betreiben, auch weil es nicht sinnvoll ist, eine über die Jahre aufgebaute Infrastruktur einfach verschwinden zu lassen.

„Kultursponsoring als Kommunikationsinstrument wird weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Für Unternehmen, die es sich auch künftig leisten können, wird das Angebot sogar breiter und somit die Möglichkeit nach einer Imagebesetzung größer. Für die Sponsorsuchenden wird es hingegen schwieriger, da einige ihrer Quellen versiegen oder zumindest reduziert sind,“

schlussfolgert Mayer und geht gleichzeitig davon aus, dass nicht nur Sponsorengelder knapp werden, sondern auch die öffentliche Hand wird sparen müssen. Was aber dagegen tun? Mayer zitiert in diesem Zusammenhang MAK-Direktor Peter Noever, der vor gut einem Jahr meinte:

„Staaten sollten ihre Aufgabe vermehrt darin sehen, Ideen für eine neue Ordnung der Kunstwelt zu entwickeln. Die öffentliche Verantwortung für die Kunst an die Wirtschaft abzugeben war nicht der richtige Weg. Erst wenn das politische Gewicht stimmt, ist ein für alle Seiten befriedigendes Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft erzielbar. Darin liegt die wahre Herausforderung der Zukunft.“

Schade, dass die Arbeit an dieser Stelle endet, denn wie dieses Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft aussehen soll oder aussehen könnte, diese Frage ist entscheidend. Und zwar wahrscheinlich schneller als es uns lieb ist.

Ein Raum, in dem dieses Miteinander möglich sein könnte, ist das Social Web. Sponsoring und Social Media, für mich ein Thema mit Zukunft.

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Ist Sponsoring nur etwas für die großen Kulturbetriebe?

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Im Rahmen der NPO-Blogparade stellt PR-Indianer Ludger Brenner die Frage, ob Sozialsponsoring auch etwas für kleine NPO sei? Was wir darunter zu verstehen haben, erklärt er in seinem Beitrag mit Hilfe eines Zitats von Manfred Bruhn:

„[…] die Verbesserung der Aufgabenerfüllung im sozialen Bereich durch die Bereitstellung von Geld-/Sachmitteln durch Unternehmen, die damit auch (direkt oder indirekt) Wirkungen für ihre Unternehmenskultur und -kommunikation erzielen wollen.“

Nachdem ich aber kein Experte im Bereich Sozialsponsoring bin, fällt es mir schwer, hier eine fundierte Antwort zu geben. Ich erlaube mir deshalb die Abänderung der Fragestellung und tausche das Sozialsponsoring gegen das Kultursponsoring ein. Der Sozial- und der Kulturbereich liegen beide im öffentlichen Interesse und die dort tätigen Einrichtungen arbeiten in der Regel nicht gewinnorientiert und sind deshalb auf öffentliche Fördergelder, Spenden und eben auch auf Sponsoren angewiesen. Große Kultureinrichtungen wie etwa die Wiener Staatsoper oder das Thalia-Theater in Hamburg tun sich bei der Suche nach Sponsoren wahrscheinlich etwas leichter als eine kleine freie Bühne oder ein Kammerorchester. Schließlich verfügen sie über eine ungleich höhere Reputation als ein nahezu unbekannter Kulturbetrieb.

Erwartet sich ein Unternehmen, das einen Kulturbetrieb sponsern möchte, Gegenleistungen, die im Kommunikationsbereich angesiedelt sind, dann macht die Zusammenarbeit wohl nur Sinn, wenn beide die halbwegs gleiche Größenordnung aufweisen. Kooperiert ein Weltkonzern mit einer Vorstadtbühne, dann ist in der Regel entweder ein Mäzenat am Werk oder jemand, der in der Zusammenarbeit ein gewaltiges Potenzial zu erkennen glaubt.

Leider verfügt nicht jede Kultureinrichtung über einen oder mehrere Mäzenaten und wenn man sich dann auch noch die Realität anschaut, dann kann man recht schnell erkennen: Kultursponsoring ist nur für die wenigsten kleinen Kultureinrichtungen eine ernstzunehmende Möglichkeit, Geld für die eigenen Vorhaben aufzutreiben.

Was also tun? Ich denke, es gibt drei Punkte, die entscheidend für den Erfolg in Sachen Sponsoring sind:

  1. Die Beziehungsrelation
  2. Die Gegenleistung
  3. Der Zeitfaktor

Die Beziehungsrelation: wenn jede kleine Kultureinrichtung alle ihr bekannten Großbanken, -versicherungen, Industriekonzerne, etc. abklappert, dann ist das wahrscheinlich mit viel Arbeit verbunden, aber der Erfolg fällt in der Regel mager aus. Warum? Weil sich beide Seiten in der Mehrzahl der Fälle darauf einigen, dass die Kultureinrichtung über die Kommunikations- und/oder Werbeschiene die Zusammenarbeit öffentlich macht und sich für das Unternehmen im Idealfall ein Werbeeffekt einstellt. Werbetafeln oder Logos sind meist der Hinweis auf eine solche Form der Kooperation. Nur wie gesagt: die Reichweite einer kleinen Kultureinrichtung ist beschränkt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, dieser Situation zu entgehen. Entweder versuche ich als Kulturbetrieb Unternehmen für eine Sponsoringpartnerschaft zu gewinnen,  die in ihrer Größe zu mir passen und deren Zielgruppen dort zu finden sind, wo auch meine anzutreffen sind. Die Wiener Staatsoper zieht viel internationales Publikum an und ist deshalb für international agierende Konzerne interessant. Das kleine Theater im 16. Wiener Gemeindebezirk hat ein ganz anderes Einzugsgebiet und muss sich deshalb Partner suchen, deren Kunden auch in diesem Einzugsgebiet anzutreffen sind.

Das heißt nun nicht, dass ich als kleiner Kulturbetrieb die großen Unternehmen grundsätzlich vergessen kann. Ganz im Gegenteil. Aber ich sollte nicht versuchen, als Gegenleistung irgendetwas anzubieten, was mit Reichweite zu tun hat. Sehr wohl lassen sich aber Angebote entwickeln, bei denen die Gegenleistung nicht im Kommunikations- und/oder Werbebereich angesiedelt ist. Spezielle Events etwa, die sich an die Mitarbeiter oder bestimmte Kunden eines Unternehmens richten, können gerade in einem kleinen Rahmen sehr reizvoll sein.

Die Einzigartigkeit einer Kultureinrichtung besteht nicht so sehr in ihren kommunikativen Fähigkeiten – was nicht heißen soll, dass Kulturbetriebe nicht kommunizieren können – , sondern in der Fähigkeit Emotionalität zu vermitteln, Momente zu schaffen, an die sich die BesucherInnen noch lange erinnern.

Nun ist es natürlich nicht ganz so einfach, einem Unternehmen „magische Momente“ zu „verkaufen“. Womit wir beim dritten Punkt, dem Zeitfaktor wären. Egal, was Sie sich in Sachen Sponsoring für Ziele gesteckt haben. Sie werden jede Menge Zeit brauchen. Jemanden zu begeistern gelingt Ihnen unter Umständen in fünf Minuten. Für eine Sponsoringpartnerschaft werden Sie dann aber doch noch etwas länger brauchen. Schließlich geht es dann ums Geld. „Was sind schon 5.000 Euro für ein großes oder mittleres Unternehmen?“ werden Sie vielleicht  einwenden. Auch für die ist das eine Stange Geld. Und das gibt man nur her, wenn man jemandem vertraut. Und das braucht eben Zeit.

Das heißt: Sponsoring ist, denke ich, auch für kleine Kulturbetriebe möglich bzw. sinnvoll. Aber…

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Kultursponsoring: mit oder ohne Agentur?

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© tommyS; Pixelio

Immer wenn die Fördersumme nicht den Erwartungen entspricht, muss man nicht lange warten,  bis das Thema Sponsoring ins Spiel kommt und Sponsoren die Situation „retten“ sollen. Viele Kultureinrichtungen machen sich dann selbst auf die Suche, manche hoffen, externe ExpertInnen dafür zu finden. Abgesehen davon, dass Sponsoring kein kurzfristiges Geschäft ist und solche Situationen meist nicht zu retten sind, sollte ich mir als Kulturbetrieb überlegen, wie ich mit dem Thema Sponsoring umgehe?

Hans-Willy Brockes, Geschäftsführer und Mitinhaber der Europäischen Sponsoring Börse stellt in einem Beitrag auf dem Portal Kulturmarken die Frage, ob Kultureinrichtungen beim Akquirieren von Sponsoren die Hilfe von Agenturen in Anspruch nehmen sollten?

Eigentlich, so Brockes, sollten auf Kultursponsoring spezialisierte Agenturen boomen, schließlich würden sie sowohl über Expertenwissen als auch über gute Kontakte verfügen. Eigentlich…

„Schaut man sich dann aber Internet sowie bspw. im Netzwerk der ESB Europäische Sponsoring-Börse um, so ist auffällig, dass es kaum Angebote von Sponsoring-Agenturen mit Spezialisierung im Bereich „Kultur“ gibt. Und selbst unter den wenigen Agenturen und Beratern, die „Kultur“ als Spezialgebiet ausgeben, sind nur die wenigsten bereit, wie oben geschildert, Sponsoren-Suche im Auftragsverhältnis zu betreiben“,

stellt Brockes fest. Eines der Hauptprobleme: den Kulturbetrieben fehlt das Geld, um in das Sponsoring zu investieren. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte sein, dass die Agenturen auf Provisionsbasis beschäftigt werden, im Unterschied zum Fixhonorar. Was aber, wenn die Agenturen zwar kosten, aber keine Sponsoren finden? Auf der anderen Seite lässt sich Sponsoring im Kunst- und Kulturbereich nicht nur kaum standardisieren, sondern es geht auch häufig nur um geringe Summen. Agenturen haben da kaum Chancen, auf einen grünen Zweig zu kommen.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte, so Brockes, eine Art Mischhonorierung sein. Für die Konzepterstellung gibt es ein fixes Honorar, für das Auftreiben von Sponsoren Provision, wobei hier abhängig vom Erfolg der Prozentsatz von beispielsweise 10 auf 30 Prozent ansteigen könnte.

Diese Form der Bezahlung gefällt mir gut, denn sie minimiert das Risiko auf beiden Seiten, Kultureinrichtung und Agentur, und setzt aber gleichzeitig auch Anreize, damit sich beide engagieren. Wird nur ein fixes Honorar oder eine Provision  ausgezahlt, bekommt immer nur eine Seite das Risiko umgehängt, während sich die andere Seite zurücklehnen kann.

Trotzdem lassen sich die Probleme in der Zusammenarbeit, glaube ich, nur über ein solches Modell der Mischhonorierung nicht lösen. Das sieht Brockes ebenso und schlägt deshalb drei verschiedene Modelle vor:

  1. „Standard-Beratung mit standardisierten Sponsoring-Paketen. Dies geschieht nach dem Motto „Warum das Rad zweimal erfinden“. Also erfolgreiche Sponsoring-Angebote werden adaptiert auf andere Kulturinstitutionen bzw. -veranstaltungen.
  2. Pool-Bildung von Sponsoring-Angeboten beispielsweise in einer Stadt oder einer Region mit dem Effekt, dass die Agentur mit einem Sponsoring-Gespräch zahlreiche Angebote aus einer Hand und natürlich auch in Kombination anbieten kann.
  3. Statt Übernahme von Mandaten konzentriert sich die Agentur auf das Coaching der Kultur-Manager. Beispielsweise werden solche Angebote von IHK oder Stiftungen finanziert bzw. angeboten.“

Die Frage ist, inwieweit sich Sponsoring-Angebote standardisieren lassen? Die Erfahrung zeigt, dass Standardisierung häufig heißt, dass es in der Zusammenarbeit um Werbemaßnahmen geht. Werbemaßnahmen sind in der Regel für Unternehmen nur dann attraktiv, wenn der Kulturbetrieb eine entsprechend große Zielgruppe anspricht, das heißt, meist kommt das nur für die „Großen“ in Frage und die haben häufig ihre eigene Abteilung, sind also auf eine Agentur nicht angewiesen. Oder sie beauftragen damit ihre Werbeagentur. Bei kleinen Kultureinrichtungen gibt es normalerweise wenig zu standardisieren, was unter anderem daran liegt, dass das Thema Sponsoring nebenher läuft, „weil es ja eh nicht viel bringt“.

Das Modell der Pool-Bildung gefällt mir sehr gut. Eine Agentur würde sich in so einem Fall als Schnittstelle zwischen den Kultureinrichtungen und den Unternehmen einer Region etablieren. Das heißt, ob Kultureinrichtung oder Unternehmen, für alle ist die Agentur Ansprechpartner. Der Vorteil bestünde darin, dass die Agentur über ein dichtes Netz an Kontakten verfügen würde und außerdem auch kein Problem mit „kleinen“Aufträgen hätte, da sich durch die „Vielzahl“ an Kooperationen schnell Synergieeffekte einstellen könnten. Das Problem besteht, denke ich, darin, dass es hier die Agentur wäre, die in die Zukunft investiert und am Anfang nicht nur Vertrauen in beide Richtungen (Kultureinrichtungen, Unternehmen) aufbauen muss, sondern auch eine finanzielle Durststrecke überwinden muss. Hier liegt die Initiative eigentlich bei der Agentur, die Kultureinrichtungen und Unternehmen als Kunden begreift und versucht, sich einen Markt aufzubauen.

Beim Coaching- oder Beratungsansatz sehe ich das Problem, dass sich hier eh schon so etwas wie ein Markt herausgebildet hat und Seminare, Beratungen und Coachings en masse angeboten werden, ohne dass sich an der Situation grundsätzlich etwas geändert hätte. Die Frage wäre, welches die Qualitätskriterien sein könnten, nach denen ich mich als Nachfrager für ein ein bestimmtes Angebot entscheide? Am angenehmsten wäre es natürlich, wenn ich den dann in der Praxis gleich irgendwie messen könnte. Neu hinzugewonnene Sponsoren, Summe der Sponsorengelder, neu gewonnene Kontakte, etc.

Nur: wie kann ich den jeweiligen Einzelerfolg der Beratung, dem Coaching oder Seminar zuordnen?

Fragen über Fragen also, aber es ist gut, dass sie diskutiert werden. Welches Modell bevorzugen Sie? Haben Sie ganz andere Ideen? Ich freue mich über Ihre Meinungen, Anregungen und Kommentare.