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Wie LeserInnen vom Web2.0 profitieren können

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Mein Beitrag „Warum Bücher vom Web2.0 profitieren können“ beschäftigte sich mit der Frage, in welcher Form Verlage das Web2.0 nutzen können und welchen Stellenwert Communities für LeserInnen besitzen. Der hängt meist davon ab, welchen Nutzen eine Community ihren UserInnen bieten kann.

Anregungen dazu lassen sich im OCLC (Online Computer Library Center) Report „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“ finden. Darin geht es nicht um die Verlage und mögliche Vertriebsformen, sondern um die Rolle der öffentlichen Bibliotheken. Wie reagieren Bibliotheken darauf, dass das Internet ein nicht wegzudenkender Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden ist? Und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen, dass wir uns immer häufiger auf „social web sites“ aufhalten?

Die Websites der Bibliotheken verlieren an Attraktivität

In der Zusammenfassung des Reports heißt es, dass die Zahl der InternetuserInnen (in Canada, U.K. und den USA), die Websites von Bibliotheken besuchen, in den letzten beiden Jahren von 30 auf 20 Prozent gesunken ist.

Die Fragestellung lautete:

„…what are the services and incentives that online libraries could offer users to entice them to come back or to visit more often or even devote some of their own time to help create a social library site?“

Die im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung ergab wichtige Aufschlüsse, warum „social networks“ besucht werden. Die meistgenannten Gründe waren:

  • „Connect with friends“,
  • „be part of group“,
  • „have fun“,
  • „express myself“.

Vor diesem Hintergrund liefern die VerfasserInnen des Reports eine ganz interessante Beschreibung des Begriffs „social networking“:

„Social networking is doing something more than advancing communications between individuals, driving commerce or speeding connectivity. It is redefining roles, muddying the waters between audience and creator, rules and relationships, trust and security, private and public.“

Ihre Schlussfolgerung daraus:

„And the roles are changing, not just for a few but for everyone, and every service, on the Web.“

Im realen Leben stehen Bibliotheken für Austausch und Dialog

Interessant ist die Tatsache, dass die Bibliotheken im realen Leben als soziale Räume wahrgenommen werden und für Austausch und Dialog stehen. Im virtuellen Raum traut man Bibliotheken diese Rolle aber nicht zu. Obwohl diese zu den Pionieren bei der Nutzung digitaler Dienste gehören, zum Beispiel Datenbanken. Auf dieser Stufe sind sie aber, so das Resumee der AutorInnen, stehengeblieben. Bibliotheken spielen im „social Web“ keine Rolle mehr.

Was aber können Bibliotheken tun, um sich hier wieder ins Spiel zu bringen? Die AutorInnen der Studie hatten folgende Annahme:

„We conceived of a social library as a library of traditional services enhanced by a set of social tools—wikis, blogs, mashups and podcasts. Integrated services, of course, user-friendly for sure and offering superior self-service.“

Aber die ExpertInnen kommen zu dem Ergebnis, dass sie damit falsch liegen.

„The social Web is not being built by augmenting traditional Web sites with new tools. And a social library will not be created by implementing a list of social software features on our current sites. The social Web is being created by opening the doors to the production of the Web, dismantling the current structures and inviting users in to create their content and establish new rules.“

Und diese Erkenntnis ist nicht nur für den Bereich der Bibliotheken wichtig, sondern für uns alle, die wir uns im Internet bewegen. Die AutorInnen des Reports stellen nämlich richtigerweise fest, dass diese Unterscheidung von „normalem“ und „sozialem“ Web bald hinfällig sein wird. In nicht allzuferner Zeit werden „User generated content“ und collaboration tools“ Bestandteil einer jeden Website sein.

Communities laufen Verlagen und Bibliotheken den Rang ab

Was bedeutet das für den Bereich der Bücher? Interessanterweise haben Verlage auf der einen und Bibliotheken auf der anderen Seite noch einen ziemlichen Nachholbedarf in Sachen Internet. Zu füllen scheinen diese Lücke Communities, die den UserInnen die oben beschriebenen Angebote machen. Diese mögen in Europa und den USA durchaus unterschiedlich aussehen und unter völlig anderen Rahmenbedingungen entstehen. Fakt ist aber, dass sie den Verlagen und den Bibliotheken schon weit voraus sind und dass es für beide gar nicht so einfach sein wird, diesen Rückstand aufzuholen.

Noch eine Anmerkung zum Abschluss: Diese Studie habe ich auf Globolibro, einem höchst lesenswerten Bibliotheksblog gefunden. Wer sich mit dem Thema Buch beschäftigt, findet dort viele lesenswerte und anregende Beiträge.

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