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Social Networks: Was bringen sie wirklich?

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Erst vor kurzem habe ich über die Tools geschrieben, die Facebook mir zur Verfügung stellt. Aber wie sieht das nun in der Praxis aus? Was bringt es, wenn man sich in den Netzwerken anmeldet und beginnt Kontakte zu sammeln?

Via PR 2.0 bin ich auf Jonathan Crow von ThinkFree (übrigens eine empfehlenswerte Online-Alternative zu MS Office) aufmerksam geworden. Er hat sich in knapp zwanzig Netzwerken angemeldet und über seine Erfahrungen eine ganze Blogserie verfasst. Er bezeichnet diesen Selbstversuch als „The Great Social Experiment„, dessen erste Hürde das Anmeldeprozedere war. Für ihn ein Alptraum, da jedes Netzwerk andere Informationen benötigt und man selbst nie weiß: gibt man die Informationen preis oder lässt man es bleiben?

Ist der Zutritt geschafft, steht man vor der nächsten Herausforderung: die leere Kontaktliste ist zu füllen. Crow beschreibt die Situation recht anschaulich:

„It feels like I just went into a single’s bar and shouted ‚will somebody be my friend!.'“

Je mehr Personen sich davon angesprochen fühlen und sich auf die Freundesliste setzen lassen, desto „erfolgreicher“ ist man. Da es also darum geht, möglichst viele Freunde zu gewinnen, sind für Crow vor allem die Netzwerke im Vorteil, die es einem bei der Verwaltung der Kontaktdaten leicht machen. Für ihn sind das Plaxo und LinkedIn.

Und was bringen die zahlreichen Kontakte dann? Crow berichtet von neuen Kontakten und interessanten Gesprächen. Aber, und das nimmt er als Erkenntnis mit:

„…if you do want to build new contacts that can help you, and that you can help it takes time.“

Und welches ist das „beste“ Netzwerk? Crow stellt erst einmal fest, welches Netzwerk ihm so gar nicht zusagt, nämlich MySpace. Seine Begründung:

„I mean do I really want to be browsing around – seeing adds for singles when my wife comes into the room?“

Einleuchtend, wie ich finde. Dafür hat es ihm Flock angetan. Eigentlich ist das eher ein social browser, ein Aggregator, der einem aber anzeigt, welche Freunde in den verschiedenen Netzwerken gerade online sind. Seine Anmerkungen haben mich neugierig gemacht und deshalb werde ich mir das Angebot mal näher ansehen.

Zurück zu Crows Experiment. Er gibt im Umgang mit social networks folgende Ratschläge:

  • „Start with the sites that best do contacts.
  • Connect with others.
  • Get your aggregator sites going.
  • Publish away. Get involved. Don’t just sit on the sidelines.“

Nachdem er einige Wochen Kontakte gesammelt und mit ihnen kommuniziert hatte, kam der eigentliche Test, um die Frage zu beantworten, was die vielen Kontakte eigentlich wert sind?

Er bestand aus den folgenden drei Teilen:

  1. „I needed a success story for an interview with a magazine, so I asked my network.
  2. Tried to push out a major press release, and other minor blog articles.
  3. Tried to find connections in Latin America for business opportunities.“

Das Ergebnis fasst Crow so zusammen:

„The short answer about how the tools performed is – good, bad, and I don’t know. Both 1 and 2 were unqualified failures. The 3rd test was somewhat successful, although the success primarily came through more influential members of my circle. But, more importantly there hasn’t been a lot of feedback so I really don’t know if people noticed or not.“

Daraus ergaben sich für ihn fünf Fragen:

  1. „Did I devote enough time to the exercise? More to the point, where should social networking be placed in terms of marketing priorities? Does this change for companies that are more or less mature?
  2. How should we be judging the outcomes from social networking activities? Are there tools you recommend?
  3. Is social networking the right tool for the tests I created? Are my expectations of social networking in line with what it can do? What is social networking best geared to address?
  4. How much of getting social networking to work is the contacts you bring with you? How aggressive should one be in reaching out to new contacts? Should I, for instance, try to befriend Chris Anderson even after I have composed a note meant to appeal to what he is interested in?
  5. How can I build better mechanisms into the framework to increase feedback?“

Diese Fragen stellte er fünf ExpertInnen. Wie sie seine erste Frage (wieviel Zeit braucht man?) beantworteten, kann man hier nachlesen. Natürlich hängt das von vielen verschiedenen Faktoren ab. Daher möchte ich Cathryn Hrudicka stellvertretend für alle anderen zitieren:

„If your company is a start-up or fairly small, and you do not have a wide network of personal contacts from which you can draw referrals to the best potential clients or business, than I would say to spend more time on social networking. If you are trying to brand your company or a new product or service, social networking is very valuable, if you use these networks strategically and are consistent in your branding messages.“

Die Antworten auf die restlichen vier Fragen folgen in den nächsten Tagen. Ich bin gespannt darauf, denn für mich ist das die bis jetzt aussagekräftigste Beitragsserie über soziale Netzwerke. Zwar werde ich Jonathan Crow nun nicht nacheifern und fast zwanzig Netzwerke ausprobieren, aber im kleinen Rahmen werde ich sicher experimentieren. Mal sehen, wie es mir dabei ergeht.

7 Comments Join the Conversation

  1. Vielen Dank für den Beitrag, wie findest du nur immer wieder die interessanten Dinge?! Irgendwie wundert es mich nicht, dass die Tests nicht gut verlaufen sind. Die Frage ist nämlich wer sich in diesen Netzwerken aufhält. Ich glaube nämlich, dass der wirklich aktive Teil der Nutzer aus Geschäftssicht nicht von Interesse sind (Schüler, Studenten, usw.). Außer es handelt sich um spezialisiert Communities wie z.B. XING.

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  2. Ich habe einen gut gefüllten RSS-Reader. :-)
    Mit Deiner Anmerkung hast Du völlig Recht. Ich denke, dass es nach der ersten Euphorie nun darum geht, dass man sich die Netzwerke sehr genau anschaut und versucht herauszufinden, welche für einen geeignet sind. LinkedIn ist z.B. bei uns völlig unbekannt, aber durchaus interessant für den Businessbereich.

    Aber wahrscheinlich sind wir gerade erst am Anfang einer Phase, in der sich die Netzwerke auszudifferenzieren beginnen.

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  3. Hi Christian ich glaube auch, dass es mehr Spezialisierungen geben wird,

    für mich bedeutet social dienst nichts anders als die ehemaligen Stammtische mit der Möglichkeit des Beamens durch einen Klick ;)
    geografische Grenzen werden aufgehoben,

    den richtigen Stammtisch für sich zu finden ist ja wirklich nicht immer leicht

    lg

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  4. Ja stimmt, Monika. Und durch das Beamen haben wir die Chance, an mehreren Stammtischen teilzunehmen. Das ist, glaube ich, in der Welt der Stammtische verpönt, oder? ;-)

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  5. Hallo Christian

    oh ich glaube du hast noch nie am Land gewohnt ;)

    naja zumindest in Österreich ist dies völligst normal an mehreren Stammtischen zu sein.

    bei 700 Leut in einem kleinen Dorf und 65 Vereinen, drei Wirten ist so ein Verhalten sogar erwünscht.

    ;)

    wobei ich feststellen muss, dass das Tagesgeschäft den Aufenthalt in kaum *einen* Stammtisch mir erlaubt.

    da bräucht ich eine Angestellte-habe ich die -bräucht ich mehr Aufträge- habe ich mehr Aufträge …usw…

    das mag ich gar nicht. Agentur mag ich nicht werden und lebe so eindeutig stressfreier ;)

    lg Dir und gute und erholsame Feiertage

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  6. Stimmt, ertappt, Monika. Ich habe noch nie am Land gewohnt. ;-) Deine Zahlen lassen auf mehrere Stammtische pro Woche schließen.

    Den Kreislauf, den Du schilderst, kenne ich nur zu gut. Ich stand auch mal vor der Entscheidung, zu expandieren und bin heute froh, es nicht getan zu haben. Glücklicherweise habe ich mir noch rechtzeitig die Zusammenhänge zwischen Mitarbeiterzahl, Umsatz und EBIT erklären lassen. Danach war die Entscheidung einfach. :-)

    Dir auch schöne Feiertage (in Kärnten, oder?)

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  7. Pingback: Der Nutzen sozialer Netzwerke « Das Kulturmanagement Blog

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