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Über Netzwerke den Verkauf ankurbeln?

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Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Ideenbörse-Blog unter der Überschrift „Kleine Kultureinrichtungen bewerben ihr Angebot gemeinsam“ die Website „London Shh…“ vorgestellt. Einige kleine Museen haben sich dort zusammen getan und bewerben gemeinsam ihr Angebot.

In eine ähnliche Richtung geht das Blogpost „Autorennetzwerke„, das Petra van Cronenburg auf ihrem Blog „cronenburg“ verfasst hat. So wie die kleinen Museen mit vereinten Kräften versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, sollten das auch die vielen AutorInnen, die nicht bis in die Auslagen der Buchhandlungen gelangen, tun, denn

„(d)ie Marktkonzentration im Buchhandel und ein nach althergebrachten Mechanismen funktionierendes Feuilleton sorgen dafür, dass immer mehr wunderbare, lesenswerte Bücher einfach nicht mehr sichtbar sind – ergo trotz aller Arbeit, Liebe und Sorgfalt kaum gelesen werden“,

schreibt sie in ihrem Beitrag. Ein möglicher Ausweg könnten Autorennetzwerke sein, die über die verschiedenen Social Media-Kanäle Informationen verbreiten und so für neue LeserInnen sorgen. Sie bezieht sich dabei auf den Beitrag „An Indie Call To Action“ von April Hamilton, in dem diese acht Tipps für den Aufbau von Autorennetzwerken gibt. Van Cronenburg ist skeptisch und liefert ein Vielzahl von interessanten (Verbesserungs)-Vorschlägen. Die von Hamilton formulierte Idee einer Buchpatenschaft findet sie zwar grundsätzlich gut, glaubt aber nicht an deren Erfolg.

Ich sehe das ähnlich. Die fehlende Sichtbarkeit ist ein Problem und Kooperationen können ein Weg sein, um über die verschiedenen Kanäle verschiedene Zielgruppen zu erreichen. Aber Petra van Cronenburg verweist zu recht darauf, dass in so einem Fall nicht nur AutorInnen mit AutorInnen kooperieren müssen. Ich würde mir deshalb als Autor die Frage stellen, ob es nicht noch andere Formen der Kooperation gibt? Immer mit dem Ziel, Sichtbarkeit zu erlangen.

Aber etwas anderes gilt es darüber hinaus zu beachten. Auf den Seiten der Frankfurter Buchmesse findet sich eine sehr interessante Darstellung der europäischen Buchmärkte, die erkennen lässt, dass es zwar einerseits sicher das Problem der „unsichtbaren“ AutorInnen gibt, die einfach nicht wahrgenommen und deshalb auch nicht gelesen werden. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der neu veröffentlichten Bücher von Jahr zu Jahr, während auf der anderen Seite die Zahl der LeserInnen nicht im selben Umfang zunimmt. Ganz im Gegenteil, TV und Computer sorgen dafür, dass wir eher weniger als mehr lesen.

Daher ist die Idee von Netzwerken, die bestimmte AutorInnen pushen, eine gute, wenn es darum geht, deren Werke zu verkaufen. So wie die Londoner Museen zusammen arbeiten, sollten das auch die AutorInnen tun. Auf der anderen Seite sehe ich das Problem, dass die Relation Leser – Buch abnimmt, wenn wir den boomenden Markt der Ratgeber mal außen vor lassen.  Das heißt, ich muss grundsätzlich (wieder) mehr Begeisterung für Bücher wecken. Möglich ist das meiner Meinung nach durch den Aufbau von Communitys. Paulo Coelho zeigt exemplarisch, wie man sich eine solche aufbaut und am Leben erhält. Immer wieder schafft er es, mit seinen Fans nicht nur in den Dialog zu treten (auch das muss man erst einmal schaffen), sondern Aktivitäten ihrerseits einzufordern (z.B. Buchtrailer produzieren).

Lynda Kelly hat in ihrem Blog Audience Research die Rolle der MuseumsbesucherInnen so beschrieben:

„This is what will make museums relevant in my view – a move from visitor as participant to visitor as partner, being able to have their own say and share their own stories, both at physical sites and online (which will eventually converge).“

Solche Communitys gibt es bereits im Literaturbereich, schreibt Petra van Cronenburg. Aber vielleicht müssen diese Communities noch mehr auf Partizipation setzen und könnten so das Interesse wecken an Literatur einerseits und an bestimmten AutorInnen, die sich in diesen Communitys engagieren, andererseits?

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Wenn einem das Netzwerk über den Kopf zu wachsen droht

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Als ich vor mehr als zwei Jahren dieses Blog hier begann, gab es anfangs nur wenige LeserInnen, die den Weg hierher fanden. Und es waren noch weniger, die sich in Form von Kommentaren oder Emails rührten und mir Rückmeldung gaben. Aber mit denen, die sich – egal auf welchem Weg – meldeten, war es ein spannender und teilweise intensiver Dialog.

Ähnlich ging es mir mit Twitter. Am Anfang kannte ich alle, die mir folgten und denen ich folgte. Ich wusste  von vielen, was sie machen, in welchen Projekten sie arbeiten oder welche Konferenz sie gerade besuchen.

Heute sieht die Sache etwas anders aus und wie es der Zufall so will, bin ich auf einen Beitrag von Corvida (sehr lesenswertes Blog!) gestoßen, den sie vor einem halben Jahr bei Chris Brogan veröffentlicht hat. Der Titel „Decreasing Connections While Increasing Our Networks“ bringt die Sache auf den Punkt. Bei ihr klingt der Rückblick auf die Twitter-Anfänge ähnlich:

„I was able to connect, refer, analyze, and reflect on what I was getting from my followers. Things just aren’t the same anymore.“

Und heute?

„Now, I couldn’t tell you who half of my followers are. I really don’t know who I’m following and who I’m not following.“

Ich denke, es geht vielen so. Je größer das Netzwerk wird, desto oberflächlicher werden die Beziehungen. Das sich da etwas verändert hat, ist mir vor ein paar Tagen auf Facebook klar geworden. Ich wollte jemanden, von dem ich etwas Interessantes gelesen hatte, als Freund adden. Zurück kam die Frage: „Kennen wir uns persönlich?“ Unter Umständen hätte ich mich das vor zwei Jahren auch gefragt, die Frage ist ja auch berechtigt.

Da ist es vielleicht ganz sinnvoll, kurz einen Schritt zurückzumachen und sich zu überlegen, was eigentlich passiert in unseren verschiedenen Social Networks? Hilfreich ist da das Blogpost von Whitney Hoffman, in dem sie von den sieben Regeln der Social Networks und von „Quality versus Quantity“ spricht. Auch sie stellt fest, dass unter der zunehmenden Größe des Netzwerks die Qualität der Beziehungen leidet. Aber sie versucht Gründe zu finden und hat sich Gedanken darüber gemacht, wie diese Netzwerke eigentlich funktionieren? Gefunden hat sie sieben wichtige Aspekte:

  1. „Social Networks online have their own culture.
  2. Social Networks and their ‚feel‘ depend heavily on those who participate.
  3. There’s a Physical Limit on the number of people we can ‚know‘ versus ‚know of‘.
  4. There’s no easy way to ‚classify‘ your degree of friendship online.
  5. As the Quantity of Your Contacts Increases, the Quality of the Relationships Decrease.
  6. The numbers alone make the community and neighborhoods on social networks different.
  7. Automation of Cross Posts Helps, but also Limits Intimacy.“

Heraus kommt die Feststellung, dass es uns das Internet erlaubt, innerhalb kürzester Zeit ein Vielzahl von Kontakten zu knüpfen. Gespräche aber brauchen mehr Zeit und einen anderen Rahmen, um ihren wahren Wert entfalten zu können.

Hoffmans Schlussfolgerung:

„So we have to choose our friends and networks.  We have to accept that our monkeybrains can only track so much data simultaneously before they shut down.  And we have to accept that as open source as the net is, sometimes we really do need gatekeepers and cliques and smaller circles to get stuff done.  And somehow, we’ll have to learn to accept that this is not some elitist stratification of people based on absurd notions of value or potential value, but the fact that our monkeybrains are not infinitely expandable, like Google.“

Das heißt, es geht ganz zentral darum, was ich mir eigentlich von meiner Präsens im Social Web erwarte? Nur einfach da zu sein, überfordert uns recht schnell, weil, wie Whitney Hoffman schreibt, unser Gehirn an seine Grenzen stößt, wenn wir uns in  Netzwerken bewegen, deren Größe eine bestimmte Zahl übersteigt (Hoffman verweist auf Expertenmeinungen, deren Zahlen zwischen 150 und 290 Personen liegen).

Louis Gray hat in seinem Blogpost „Fewer Followers Or More Meaningful Connections?“ noch eine ganz wichtige Unterscheidung getroffen, nämlich die zwischen „Short-Term Connections“ und „Long-Term Connections“. Geht es einem um ersteres, dann seien schnell wachsende Netzwerke kein Problem. Schwierig werde es, wenn einem die langfristigen Beziehungen wichtig seien, so Gray.

Sein Ratschlag:

„Think about what type of connection you want to make with the majority of your readers. (…) it’s important that you establish what type of connection you’d like to make and apply the strategies you have for that type of connection with the majority of your audience.“

Dieses Wissen erleichtere einem, so Gray, das Handling der Social Networks, die ja im Endeffekt bei uns allen tagtäglich größer werden. Aber auch diese Unterscheidung ist nicht immer so leicht, oder? Wie gehen Sie mit der zunehmenden Größe Ihrer Netzwerke um? Ergreifen Sie bewusst Maßnahmen, und wenn ja, welche? Oder lassen Sie den Dingen ihren Lauf?

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Qualitätsverlust durch Social Media?

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Angenommen, Sie kaufen bei Amazon immer nur Krimis. Schon nach kurzer Zeit werden Sie von Amazon mit Mails beglückt, in denen man Ihnen Bücher vorschlägt, die für Sie interessant sein könnten. Um was für Bücher es sich dabei handelt ist leicht zu erraten: richtig, Ihnen werden Krimis vorgeschlagen. Dieser Vorschlag basiert auf dem Kaufverhalten anderer Amazon-NutzerInnen. Das mag für jemanden, der nur auf Krimis steht recht angenehm sein, denn so bekommt er immer wieder neue Anregungen. Krimis halt.

Ähnlich funktioniert das Prinzip bei last.fm, wo sie ausgehend von einem von Ihnen ausgewählten Titel ähnliche Songs vorgespielt bekommen. Die Musikrichtung wird dabei ziemlich konsequent beibehalten. Eine Zeit lang ist das ganz schön, aber so nach ca. 30 Minuten wird mir die Sache in der Regel zu fad und ich muss einen anderen Namen eingeben.

In beiden Fällen, also bei Amazon und bei last.fm, fehlt für mich das Überraschungsmoment, das Neue, das Aufregende, das es zu entdecken gilt. Eigentlich finde ich diese Angebote sehr praktisch, denn bei Büchern bekomme ich z.B. Infos über Neuerscheinungen aus Bereichen, die mich interessieren. Bei last.fm macht es Spaß, die alten Zeiten Revue passieren zu lassen und einen guten Song nach dem anderen anzuhören.

Wechseln wir mal zu Xing. Dort gibt es eine Gruppe Kulturmanagement, in der sich viele KulturmanagerInnen finden lassen. Außerdem gibt es dort eine Gruppe Business Weblogs, deren Mitglieder meist BloggerInnen sind. Die Themen sind klar, es geht in der einen Gruppe um Kulturmanagement, in der anderen um Business Weblogs.

Das Problem dabei: Amazon, last.fm und auch Xing enthalten, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, soziale Elemente. Lapidar ausgedrückt könnte man auch sagen: wir beeinflussen uns gegenseitig.

Ähnliche Gedanken bewegen wohl auch „Foulder“, der das Blog „Die wunderbare Welt…In Chiffren und Zeichen“ betreibt. In seinem Beitrag zur NPO-BlogparadeDie Kehrseite des Web2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor“ schreibt er, dass das Web2.0 unsere gesellschaftliche Kommunikation verändere und bringt als Beispiel Wikipedia:

„Hier werden von verschiedenen Nutzer(innen)gruppen — den Wikipediandern — einzelne Themen aufgegriffen, kollektiv bearbeitet und so konsensfähige Erkenntnisse produziert, die über das hinausgehen, was sich der oder die Einzelne selbst ausdenken kann.“

Ein paar Zeilen weiter spricht er vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“. Konsensfähige Erkenntnisse und kleinster gemeinsamer Nenner, das klingt so nach Mainstream, aber gar nicht nach neuen aufregenden Dingen, nach Innovation. Heißt das, wenn wir da mit Hilfe der Social Media Tools zusammenarbeiten, kommen nur langweilige Dinge dabei heraus?

Charles Leadbeater hat auf der Website zu seinem Projekt We-think geschrieben:

„Participation is not always a good thing: it can just create a cacophony.“

Leadbeater kennt die Gründe, warum die Zusammenarbeit oftmals nicht funktioniert:

„Collaboration is sustained and reliable only under conditions which allow for self organisation. Everywhere we turn there will be struggles between people who want to freely share – music, films, ideas, information – and those who want to control this activity, either corporations who want to make money or governments who fear debate and democracy. This conflict between the rising surge of mass collaboration and attempts to retain top down control will be one of the defining battles of our time (…).“

Das heißt, überall dort, wo jemand etwas kontrollieren will, können so Dinge wie „collaboration“ oder „partizipation“ nicht funktionieren. Nicht funktionieren in dem Sinn, dass dabei Innovation entsteht. Natürlich ist es nett, wenn ich bei Amazon Buchempfehlungen erhalte, wenn ich bei last.fm eine bestimmte Musikrichtung hören kann und ich mich auf Xing in der Kulturmanagement-Gruppe mit KulturmangerInnen austauschen kann. Ich werde in allen drei Fällen unter Umständen Neues erfahren, aber Innovation findet so nicht statt.

Innovation braucht Heterogenität und dafür muss ich in sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook, etc. etwas tun. Ich muss mich mit Leuten austauschen, die im Idealfall aus ganz anderen Bereichen kommen und ganz andere Denkansätze haben. Wenn beide eine offene Haltung haben, dann können sich aus dieser Unterschiedlichkeit Impulse ergeben. Heterogenität kann ich selbstverständlich auch im realen Leben suchen und finden, aber natürlich bietet mir das Internet ganz andere Möglichkeiten.

Stichwort Social Media: hier steht ja der soziale Aspekt im Vordergrund. Im nächsten Schritt geht es aber darum, was ich mir davon erwarte, mit anderen Menschen via Blogs, Twitter, etc. zu kommunizieren und sich auszutauschen, Neues zu lernen und vielleicht dann auch gemeinsam Neues zu entwickeln.

Offenheit ist gefragt und das in zweifacher Hinsicht. Einmal muss ich selbst offen sein gegenüber denen, die mich mit ganz anderen Meinungen, Ansichten und einem ganz anderen Wissen konfrontieren. Wenn es nur darum geht, wer Recht hat, dann wird es schnell langweilig und unergiebig. Werfen Sie mal einen Blick auf den Wikipedia-Eintrag Kulturmanagement und seine Entstehungsgeschichte, dann wissen Sie, was ich meine.

Zweitens müssen die entsprechenden Social Media-Angebote auch offen sein. Abgeschlossene Foren, Gruppen und Räume haben durchaus ihre Berechtigung, gar keine Frage. Aufregende Neuigkeiten oder Überraschungsmomente erlebe ich dort aber eher nicht. Professor Peter Kruse bezeichnet in diesem Zusammenhang harmonische Systeme als „dumme Systeme“ . Seine Forderung: „Bauen Sie Systeme, die stören!

Der kleinste gemeinsame Nenner oder konsensfähige Erkenntnisse müssen also gar nicht sein. Es hängt von uns ab und damit lässt sich auch die Frage aus der Überschrift beantworten. Ob durch den Einsatz von Social Media Tools der Mainstream „gefördert“ wird oder ob wir sie dazu nutzen, Neues zu lernen und um Systeme zu bauen, die stören, das liegt in unserer Hand. Gefahr droht also nicht von diesen Tools, sondern geht eher von uns selbst aus.

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Bloggen – und was kommt danach?

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Seit fast zwei Jahren gibt es jetzt dieses Blog. Mehr als 700 Beiträge, fast 100.000 Aufrufe (wäre es ein Buch, könnte man schon fast von einem Kulturmanagement-Bestseller sprechen :-) ), viele Kommentare, eine Bilanz, mit der ich sehr zufrieden bin. Kunst und Kultur sind mittlerweile in vielen Blogs ein Thema, egal ob es um Management, Marketing, Kommunikation oder um Kunst und Kultur selbst geht. Die Blogroll, die Sie hier rechts sehen, ist sichtbarer Beweis dafür, dass solche Themen im Internet angekommen sind.

Aber, so schreibt Nina Simon, deren Blog Museum 2.0 nur wenige Tage älter ist:

„But this blog is mostly push content. It’s very me-heavy and is not sufficient to support the energy in this community. I have met so many of you in the last year who are working on projects and new ideas and would really benefit from connecting to others in the loose „museum 2.0″ community who are thinking along the same lines. You send me emails (which is awesome and I want you to continue) but I also want you to have access to each other and all of your collective brilliance. I shouldn’t get to have all the fun.“

Nina Simons Blog ist natürlich viel größer, die Zahl ihrer LeserInnen auch, aber mir geht es ähnlich. Das Blog hier liefert Inhalte, was ok ist, aber nun heißt es nachdenken über den nächsten Schritt. Worum es geht, illustriert eine Zeichnung aus einem ihrer früheren Beiträge:

Platform Power

Eines meiner Ziele war und ist es, das Thema Kulturmanagement bzw. den Kunst- und Kulturbereich insgesamt zu pushen und so was wie Awareness dafür zu schaffen. Klar ist, dass ich das nie alleine schaffen kann, was aber  auch nicht nötig ist, denn es gibt ja unzählige Menschen, die auch an dieser Aufgabe arbeiten.

Um alle diese Menschen zusammen zu spannen, braucht es Plattformen. Die Entwicklung des Internets geht genau in diese Richtung. Erfolgreich sind nicht die, die Inhalte zur Verfügung stellen, sondern diejenigen, die die Plattformen dafür zur Verfügung stellen. Gelingt es einer Plattform, eine entsprechend große Zahl an Menschen anzuziehen, dann können wir von erfolgreichem Community-Building sprechen.

Mein Blog reicht da eigentlich nicht mehr aus. Warum? Weil aus dem Blog heraus hauptsächlich bilaterale Verbindungen resultieren. Das Ziel muss es aber sein, die BlogleserInnen untereinander auch zu verlinken, denn je ausgeprägter die Netzwerkverbindungen untereinander sind, desto stabiler wird das Netzwerk.

Leider bin ich kein so künstlerisches Talent, aber ich hoffe, die Grafik veranschaulicht, was ich meine. Reisst im ersten Fall die Verbindung zwischen A und B ab, ist sie gekappt und es ist unter Umständen schwer bzw. unmöglich, sie wieder zu etablieren. Im zweiten Fall gibt es noch C. Bricht die Verbindung zwischen A und B ab, ist es über C viel leichter möglich, diese Verbindung wieder herzustellen. Wenn Sie an Ihr eigenes Netzwerk denken, fallen Ihnen sicher viele Beispiele dafür ein.

Genau darum geht es mir im nächsten Schritt jetzt eigentlich, daher auch meine Frage, was nach dem Bloggen kommt? Das heißt nicht, dass ich jetzt damit aufhören werde, nein, ganz im Gegenteil. Ich betrachte so ein Blog als eine Art Knotenpunkt, an dem viele Fäden zusammen laufen können. Die Herausforderung besteht jetzt aber darin, diese Fäden untereinander zu verbinden.

Bestandteil dieses Netzwerks sind Sie als die LeserInnen dieses und anderer Blogs, die sich für Kunst und Kultur im weitesten Sinne interessieren und Ziele verfolgen, die Sie mit anderen gemeinsam haben. Klar ist, dass sich Ziele miteinander immer leichter erreichen lassen als alleine. Sie alle verfügen über Qalifikationen, Wissen und Erfahrungen, die, bringt man sie zusammen, einen immensen Mehrwert ergeben. Für mich stellt sich jetzt die Frage, welcher Modus dafür in Frage kommt?

Technisch gesehen ist die Sache einfach, irgendwo ein Forum oder eine Gruppe einzurichten ist schnell passiert. Nur heißt das ja noch lange nicht, dass Sie deshalb plötzlich beginnen, untereinander zu kommunizieren und sich auszutauschen. Schauen Sie sich die diversen Xing-Gruppen an, die theoretisch genau dieses Ziel haben. Aber es funktioniert nicht.

Eine Voraussetzung dafür ist, denke ich, dass man sich gegenseitig vertraut. Grundvoraussetzung, um jemandem zu vertrauen, ist das Wissen, dass diese Person über entsprechende Kompetenzen verfügt. Diese Kompetenzen muss man kommunizieren, damit andere davon erfahren können und mir dann vertrauen. Dafür sind Blogs beispielsweise bestens geeignet.

Nina Simon hat, um eine Antwort auf diese Frage zu finden, eine eigene Website erstellt, auf der ihre LeserInnen und Mitglieder ihrer Community verschiedene Vorschläge machen und auch bewerten können. Schließlich kann sie diese Frage ja nicht alleine beantworten.

Was mich interessieren würde. Wie sehen Sie das? Ist das Thema Community überhaupt ein Thema für Sie? Haben Sie ein Interesse daran, diejenigen, die im gleichen Bereich wie Sie arbeiten, die hier mitlesen, mitkommentieren, was auch immer, kennen zu lernen? Gemeinsame Projekte zu entwickeln oder sich einfach nur auszutauschen bzw. kennen zu lernen?

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Warum Networking so wichtig ist

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Adam Thurman, dessen Mission Paradox Blog ich sehr schätze, hat vor einigen Tagen in seinem Blogpost „Making Friends“ über zwei Kultureinrichtungen geschrieben, die beide plötzlich eine größere Summe Geld benötigten. Während A das Geld erhalten hat, hat es B nicht geschafft und musste zusperren. Warum?

A hat jahrelang daran gearbeitet, Teil des städtischen Lebens zu werden. Die MitarbeiterInnen von A haben an den (Weiter)-Veranstaltungen anderer teilgenommen und waren jederzeit bereit, anderen Auskunft und Unterstützung zu geben, wenn sie gefragt wurden.

Jahrelang trafen sie potenzielle Geldgeber und sprachen mit ihnen, auch wenn sie wussten, dass sie kein Geld erwarten konnten. Langer Rede kurzer Sinn: A machte sich Freunde, wie Thurman schreibt.

Und B?

„They just produced art.  They spent most of their time talking to their small group of friends/peers about their work. Org. B never reached out beyond their small world“,

schreibt Thurman. Als es dann darum ging, andere um Hilfe zu bitten, konnte A auf ein Netzwerk bauen, das in jahrelanger Arbeit entstanden war. B hingegen hatte nur sich selbst.

Ein Kulturbetrieb kann die tollsten Konzerte, Inszenierungen, Ausstellungen, etc. produzieren. Aber das reicht nicht. Wenn ich von anderen etwas will, z.B. Geld, dann müssen die anderen auch wissen, dass es mich gibt und wer ich bin. Künstlerische Qualität ist die Voraussetzung,  reicht alleine aber leider nicht aus.

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„Bauen Sie Systeme, die stören!“

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Stören? Dazu wird man eher selten aufgefordert. Aber genau dazu ruft uns Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH und Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität in Bremen, in einem Videointerview auf, das ich bei Armin Karge entdeckt habe.

Mit dieser Aufforderung und der Behauptung, dass harmonische Systeme dumme Systeme seien, erinnert er mich an die von Sven Gabor Janszky postulierten Schritte auf dem Weg zur Innovation (siehe dazu meinen Beitrag „Kulturmanagement und Innovation: gehört das zusammen?„). Im zweiten Schritt fordert uns Janszky auf, die Leere zu suchen und uns aus unserem vertrauten Umfeld zu lösen.

Kruse vertritt die Ansicht, dass wir instabile Systeme brauchen, in denen Spannung herrscht. Nur auf diese Weise können wir, so Kruse, einen Prozessmusterwechsel herbeiführen.

Sein Rezept dafür: „Bauen Sie Netzwerke!“. Denn nur die Komplexität von Netzwerken sei dazu in der Lage, auf die komplexen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu reagieren.

Wäre das nicht auch etwas für den Kunst- und Kulturbereich? Vernetzung, wo immer es geht, aber nicht als geschlossene Veranstaltung, sondern als offenes instabiles System, aus dem heraus sich neue Wege für Kunst und Kultur ergeben.

Und noch einen Punkt aus diesem Interview möchte ich herausgreifen: für Kruse ist Kreativität nicht etwas, was sich direkt erzeugen lässt, sondern etwas, was in „indirekten Möglichkeitsräumen“ entstehen kann, aber nicht muss. Wir können nur für die geeigneten Rahmenbedingungen sorgen, ob daraus Kreativität oder Innovation entstehen, weiß im Vorhinein niemand.

„Indirekte Möglichkeitsräume“ und instabile Systeme: ist das nicht eigentlich genau der Rahmen, in dem es KünstlerInnen gelingt, ihre großartigen Werke zu produzieren? Hängt es von diesen Rahmenbedingungen ab, ob ein Kunstwerk „gut“ oder „schlecht“ wird? Und ist es dann nicht die Aufgabe von KulturmanagerInnen, diese Möglichkeitsräume zu schaffen und Netzwerke zu knüpfen, die sich durch eben diese Instabilität auszeichnen?

In diesem Zusammenhang ist Kruses Antwort auf die Frage, was er mache, um klug zu sein, ganz aufschlussreich. Er versuche Netzwerke zu bauen, die aus drei verschiedenen Charakteren von Menschen bestehen, so der Professor. Dem „Creater“, der seine Mitmenschen immer wieder störe, weil er ständig mit neuen Dingen komme, dem „Owner“, der über jede Menge Wissen verfüge und dem „Broker“, der sich dadurch auszeichne, dass er in jeder Situation Menschen kenne, die etwas wissen.

Ob es uns gelingt, solche Systeme, die stören, zu bauen? Ich bin gespannt.

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Why Collaborate and Share?

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Armin hat in einem Kommentar auf meinen letzten Beitrag „Der Unterschied zwischen Foren, Blogs und Social Networks“ etwas ganz wichtiges geschrieben:

Wenn der Leidensdruck groß genug ist, (…) dann sind Blogs und Wikis keine Barriere mehr.

Schauen wir in die Vergangenheit zurück, dann waren es hauptsächlich zwei Gründe, die dazu geführt haben, dass sich etwas Neues durchsetzt: entweder der Leidensdruck oder der Wunsch, etwas zu besitzen, was alle anderen auch besitzen.

Das heißt, es geht um Anreize, ansonsten lasse ich es bleiben. Armin bezeichnet in diesem Zusammenhang das Web 2.0 als „l`art pour l`art“. Stimmt, wenn die Technologie reiner Selbstzweck ist, dann wird sie sich nicht durchsetzen können. Aber ist die technologische Ebene überhaupt das Thema? Neu ist doch die Form der Zusammenarbeit, die daraus entstanden ist, wobei es in meinen Augen nicht wichtig ist, ob die Technologie unser Kommunikationsverhalten verändert hat oder umgekehrt.

Entscheidend ist also, was wir kommunizieren, also die Inhalte, und welches Format dafür das richtige ist. So wie manche Dinge sich nur schlecht am Telefon besprechen lassen, ist ein Blog oder auch die Email nicht immer der beste Weg.

Interessant ist in dieser Hinsicht ein Report des Aspen Instituts. „The Rise of Collective Intelligence“ ist er überschrieben. In ihm wird John Kunzweiler, Senior Partner bei Accenture mit folgenden Worten zitiert:

„I believe in voluntarism, but I also believe that everything needs to have an incentive structure.“

Es geht um Anreize, und die müssen, denke ich, vor allem auf der inhaltlichen Ebene liegen, oder? Ob das Ding Web 2.0 heißt oder anders, spielt eigentlich keine Rolle.

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Social Networks: Was bringen sie wirklich?

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Erst vor kurzem habe ich über die Tools geschrieben, die Facebook mir zur Verfügung stellt. Aber wie sieht das nun in der Praxis aus? Was bringt es, wenn man sich in den Netzwerken anmeldet und beginnt Kontakte zu sammeln?

Via PR 2.0 bin ich auf Jonathan Crow von ThinkFree (übrigens eine empfehlenswerte Online-Alternative zu MS Office) aufmerksam geworden. Er hat sich in knapp zwanzig Netzwerken angemeldet und über seine Erfahrungen eine ganze Blogserie verfasst. Er bezeichnet diesen Selbstversuch als „The Great Social Experiment„, dessen erste Hürde das Anmeldeprozedere war. Für ihn ein Alptraum, da jedes Netzwerk andere Informationen benötigt und man selbst nie weiß: gibt man die Informationen preis oder lässt man es bleiben?

Ist der Zutritt geschafft, steht man vor der nächsten Herausforderung: die leere Kontaktliste ist zu füllen. Crow beschreibt die Situation recht anschaulich:

„It feels like I just went into a single’s bar and shouted ‚will somebody be my friend!.'“

Je mehr Personen sich davon angesprochen fühlen und sich auf die Freundesliste setzen lassen, desto „erfolgreicher“ ist man. Da es also darum geht, möglichst viele Freunde zu gewinnen, sind für Crow vor allem die Netzwerke im Vorteil, die es einem bei der Verwaltung der Kontaktdaten leicht machen. Für ihn sind das Plaxo und LinkedIn.

Und was bringen die zahlreichen Kontakte dann? Crow berichtet von neuen Kontakten und interessanten Gesprächen. Aber, und das nimmt er als Erkenntnis mit:

„…if you do want to build new contacts that can help you, and that you can help it takes time.“

Und welches ist das „beste“ Netzwerk? Crow stellt erst einmal fest, welches Netzwerk ihm so gar nicht zusagt, nämlich MySpace. Seine Begründung:

„I mean do I really want to be browsing around – seeing adds for singles when my wife comes into the room?“

Einleuchtend, wie ich finde. Dafür hat es ihm Flock angetan. Eigentlich ist das eher ein social browser, ein Aggregator, der einem aber anzeigt, welche Freunde in den verschiedenen Netzwerken gerade online sind. Seine Anmerkungen haben mich neugierig gemacht und deshalb werde ich mir das Angebot mal näher ansehen.

Zurück zu Crows Experiment. Er gibt im Umgang mit social networks folgende Ratschläge:

  • „Start with the sites that best do contacts.
  • Connect with others.
  • Get your aggregator sites going.
  • Publish away. Get involved. Don’t just sit on the sidelines.“

Nachdem er einige Wochen Kontakte gesammelt und mit ihnen kommuniziert hatte, kam der eigentliche Test, um die Frage zu beantworten, was die vielen Kontakte eigentlich wert sind?

Er bestand aus den folgenden drei Teilen:

  1. „I needed a success story for an interview with a magazine, so I asked my network.
  2. Tried to push out a major press release, and other minor blog articles.
  3. Tried to find connections in Latin America for business opportunities.“

Das Ergebnis fasst Crow so zusammen:

„The short answer about how the tools performed is – good, bad, and I don’t know. Both 1 and 2 were unqualified failures. The 3rd test was somewhat successful, although the success primarily came through more influential members of my circle. But, more importantly there hasn’t been a lot of feedback so I really don’t know if people noticed or not.“

Daraus ergaben sich für ihn fünf Fragen:

  1. „Did I devote enough time to the exercise? More to the point, where should social networking be placed in terms of marketing priorities? Does this change for companies that are more or less mature?
  2. How should we be judging the outcomes from social networking activities? Are there tools you recommend?
  3. Is social networking the right tool for the tests I created? Are my expectations of social networking in line with what it can do? What is social networking best geared to address?
  4. How much of getting social networking to work is the contacts you bring with you? How aggressive should one be in reaching out to new contacts? Should I, for instance, try to befriend Chris Anderson even after I have composed a note meant to appeal to what he is interested in?
  5. How can I build better mechanisms into the framework to increase feedback?“

Diese Fragen stellte er fünf ExpertInnen. Wie sie seine erste Frage (wieviel Zeit braucht man?) beantworteten, kann man hier nachlesen. Natürlich hängt das von vielen verschiedenen Faktoren ab. Daher möchte ich Cathryn Hrudicka stellvertretend für alle anderen zitieren:

„If your company is a start-up or fairly small, and you do not have a wide network of personal contacts from which you can draw referrals to the best potential clients or business, than I would say to spend more time on social networking. If you are trying to brand your company or a new product or service, social networking is very valuable, if you use these networks strategically and are consistent in your branding messages.“

Die Antworten auf die restlichen vier Fragen folgen in den nächsten Tagen. Ich bin gespannt darauf, denn für mich ist das die bis jetzt aussagekräftigste Beitragsserie über soziale Netzwerke. Zwar werde ich Jonathan Crow nun nicht nacheifern und fast zwanzig Netzwerke ausprobieren, aber im kleinen Rahmen werde ich sicher experimentieren. Mal sehen, wie es mir dabei ergeht.