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Kulturfinanzierung: wer zahlt, schafft an

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Die Frage, wie Kunst und Kultur zu finanzieren sind, ob mit öffentlichen und/oder privaten Mitteln, taucht immer wieder auf. Antworten darauf fallen höchst unterschiedlich aus, je nachdem, wer die Antwort gibt und woher dieser Antwortgeber kommt. Oft werden in einem solchen Fall die höchst unterschiedlichen Fördersysteme Deutschlands und der USA gegenübergestellt.

Wie der Zufall es so will, wurden in den letzten Tagen zwei Artikel veröffentlicht, die sich jeweils mit einem der beiden Länder beschäftigen. Die Netzeitung hat sich für das Kultursponsoring in den USA interessiert und einen Beitrag über „Die eigenwillige Welt der Mäzene“ veröffentlicht. Zwei Zahlen gilt es dabei herauszustreichen. 2006 haben die AmerikanerInnen 295 Mrd. USD gespendet, davon gingen 12,5 Mrd. in den Kulturbereich. Dem stehen 145 Mio. USD aus dem Förderprogramm „National Endowment for the Arts“ gegenüber.

Klar ist, dass die Summen, die da in den Kunst- und Kulturbereich, und nicht nur dorthin, fließen, nicht ganz uneigennützig „gespendet“ werden. So erhielt die New York Public Library, wie die Netzeitung berichtet, von Stephen Schwarzman, Chef der Investmentfirma Blackstone, 100 Mio. USD für den Ausbau ihrer Räumlichkeiten. Schwarzman wünscht sich dafür als Gegenleistung, dass das Gebäude zukünftig seinen Namen trägt.

Und wie sieht es in Deutschland aus, wo das Verhältnis staatliche Unterstützung und private Mittel eher umgekehrt ist? Die Frankfurter Rundschau berichtet in ihrem Artikel „Neue Gewaltenteilung in der Kulturförderung“ von der Tendenz, die staatliche Kulturförderung vermehrt in Stiftungen auszulagern.

„Gefragt sind Kulturprojekte, die eine möglichst schnelle und publikumswirksame Umsetzung gestatten, Unikate, nicht jährlich wiederkehrende institutionelle Projekte.“

Erreicht wird das durch

„Initiativprojekte, große Namen und einen relativ kurzen Förderhorizont mit absehbaren Ergebnissen und Evaluierungen.“

Ohne die Qualität der Ergebnisse anzweifeln zu wollen, bleibe, so Autor Lars Henrik Gass, ein Unbehagen über eine Verschiebung in der Gewaltenteilung zwischen denen, die Kultur fördern, und denen, die Kultur machen, zurück:

„Es bleibt ein Unbehagen über eine Konzentration und Alleinstellung von Fördermitteln -, nicht selten in der Hand einer Person, die teilweise ohne Gremien über große Fördersummen entscheiden kann, von denen eine große Anzahl von potentiellen Förderempfängern direkt oder indirekt abhängig ist.“

Diese Person wird, so Gass, zum „Förderintendanten“, für den aber natürlich ganz andere Erfolgskriterien gelten als für die für die Mittelvergabe verantwortlichen KulturpolitikerInnen. Und so nähern wir uns dem amerikanischen System an, wenn Gass daraus schlussfolgert:

„Der Förderintendant wird wieder zum Mäzen, der um seine öffentliche Darstellung und seinen Einfluss bemüht sein muss. Kein Foto, keine Jury ohne den Förderintendanten.“

So geht also auch in diesem System der Anspruch verloren, Kunst und Kultur in ihrer gesamten Pluralität und Heterogenität zu fördern. Ob das Geld nun hauptsächlich von privaten Mäzenen oder von staatlichen Stellen kommt, es gilt immer: wer zahlt, schafft an.

Via BFS Fundraising und Facts

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