Monthly Archives of: Februar 2009

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Theater in den USA: die Finanzkrise zwingt zum Sparen

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Nachdem die amerikanischen Theater sehr viel weniger von staatlicher Unterstützung leben als es bei uns der Fall ist, überrascht es nicht, dass sich dort die Wirtschafts- und Finanzkrise sehr viel stärker bemerkbar macht. Eine aktuelle Umfrage der Theatre Communications Group zeigt, wie die Theater die weitere Entwicklung einschätzen und wie sie ihr Überleben sichern wollen.

Von den  210 Häusern, die sich an der Umfrage beteiligt haben, wollen auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung 77% ihr diesjähriges Budget noch einmal überarbeiten, wobei Überarbeiten bei den meisten heißt: die Kosten zu reduzieren.

Wo wird gespart? Am häufigsten wurden die folgenden Maßnahmen genannt:

  • Reduction or freeze of salaries (69%)
  • Reduction in traveling/conferences (60%)
  • New ticket discounting (55%)
  • Reduction in the number of administrative staff (48%)

Aber nur 20% der Theater beabsichtigen, die Zahl ihrer Produktionen zu verringern bzw. planen weniger Aufführungen (16%).

Bemerkenswert ist für mich, dass viele Theater beabsichtigen, die Eintrittspreise herabzusetzen. Ob das auch bei uns angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung ein Thema werden könnte? Was meinen Sie?

An unserer Umfrage teilnehmen

via Bloomberg

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Kulturmanagement: welche Ausbildung ist die richtige?

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Ich bin gestern gefragt worden, ob es, wenn man als KulturmanagerIn in größeren Strukturen arbeiten möchte, sinnvoller ist, einen ganz normalen MBA zu machen oder sich für ein Kulturmanagement-Studium zu entscheiden? ich muss gestehen, eine Antwort darauf ist gar nicht so einfach.

Fakt ist, vor allem die größeren Kulturbetriebe legen Wert auf eine entsprechende Ausbildung und ihnen ist auch wichtig, dass einem, um es mal vorsichtig zu formulieren, Kunst und Kultur nicht völlig fremd sind. Aber selbst ohne diese Erfahrungen gibt es ja doch immer wieder QuereinsteigerInnen.

Zurück zur Ausbildung: was ist aber wirklich sinnvoller? Ich habe mir mal zwei Angebote herausgegriffen, zum einen den Danube MBA der Donau-Universität in Krems und auf der anderen Seite das Masterstudium Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg.

Beide Studienangebote sind berufsbegleitend und dauern ungefähr gleich lang (4 bis 5 Semester). Mich interessieren jetzt auch gar nicht die Kosten, sondern die Inhalte der beiden Lehrgänge. Der Danube MBA ist – logischerweise – nicht auf eine Branche konzentriert, sondern offen gehalten. Das Studienangebot in Ludwigsburg enthält ähnliche Elemente, konzentriert sich aber – auch nicht überraschend – auf den Kunst- und Kulturbereich.

Angenommen, Sie streben in einem mittleren oder größeren Kulturbetrieb eine Führungsrolle an. Für welchen der beiden Studienangebote würden Sie sich entscheiden und warum? Mir geht es dabei nicht um die Frage, welches Angebot besser oder schlechter ist, sondern welche Inhalte wichtig sind, um für eine Führungsposition im Kunst- und Kulturbereich gerüstet zu sein.

Das impliziert die Frage, ob man für eine solche Position mehr auf Qualifikationen im Bereich Management setzen sollte oder über entsprechendes (Erfahrungs-)Wissen im Kunst- und Kulturbereich. Die Antwort „ich möchte gerne beides machen“ gilt übrigens nicht. Das würde mir zwar auch gefallen :-) , aber so ein Weg ist in der Realität keine wirklich Option, aus finanziellen, aber auch aus zeitlichen Gründen. Ich bin gespannt, was Sie dazu meinen.

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Die finanzielle Planung von Projekten (Teil II)

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© Kurt Bouda; Pixelio

Im ersten Beitrag über die finanzielle Planung von Projekten hatte ich geschrieben, dass eine einfache Kalkulation nicht ausreicht, um ein Projekt kaufmännisch zu steuern bzw. dessen finanziellen Erfolg zu bewerten. In diesem Fall ist die Projektkostenrechnung das richtige Instrument.

Keine Angst, es folgt jetzt an dieser Stelle keine Einführung in die Kosten- und Leistungsrechnung, aber ein paar Begriffe sind vielleicht ganz hilfreich, damit Sie sich dann später leichter tun.

Um die Geldbewegungen in einem Betrieb erfassen, dokumentieren und analysieren zu können, gibt es das Rechnungswesen, das vereinfacht gesagt aus den folgenden Bereichen besteht:

  • Buchhaltung
  • Finanzierung
  • Kostenrechnung

Während bei der Buchhaltung die belegmäßige Verarbeitung von Geldbewegungen im Vordergrund steht, dreht sich im Bereich Finanzierung alles um die Sicherstellung des finanziellen Gleichgewichts.

„Die Kostenrechnung schließlich verarbeitet die Buchhaltungszahlen zu einem managementorientierten Berichtswesen“,

heißt es in dem von Werner Stahl herausgegebenen Buch Schnelleinstieg Kostenrechnung, das, wie der Titel schon sagt, einen Überblick über das Thema bietet und für mich als eine Art Nachschlagewerk sehr brauchbar ist.

Wann sprechen wir von Kosten, wann von einem Aufwand? Und was ist der Unterschied zwischen Ausgabe und Auszahlung?  Schauen wir uns die verschiedenen Begriffe doch mal an:

  • Auszahlung: Tätigen wir eine Auszahlung, fließt Geld und zwar entweder von einem unserer Konten oder aus der Kassa in Form von Bargeld, d.h. der Zahlungsmittelbestand reduziert sich.
    Beispiel: Sie überweisen den Rechnungsbetrag für Ihr Telefon.
  • Einzahlung: Das Gegenteil der Auszahlung, d.h. es gelangt Geld auf eines unserer Konten oder in die Kassa, d.h. der Zahlungsmittelbestand erhöht sich.
    Beispiel: Ihr Kunde zahlt seine Rechnung, das Geld wird Ihrem Konto gutgeschrieben.
  • Ausgabe: Hans-Werner Stahl weist darauf hin, dass wir den Begriff der Ausgabe umgangssprachlich häufig mit der Auszahlung gleichsetzen. Im Unterschied zur Auszahlung, bei der sich der Geldbestand reduziert, verringert sich bei einer Ausgabe das Geldvermögen.
    Beispiel: Sie erhalten eine Rechnung und buchen diese als Verbindlichkeit. Ab diesem Zeitpunkt ist es eine Ausgabe. Überweisen Sie die Rechnungssumme, wird aus der Ausgabe eine Auszahlung.
  • Einnahme: Auch hier unterscheiden wir, ob sich der Geldbestand (=Einzahlung) oder das Geldvermögen erhöht.
    Beispiel: Sie verschicken eine Honorarnote und verbuchen diese bereits als Forderung. Geht das Geld auf Ihrem Konto ein, wird aus der Einnahme eine Einzahlung.
  • Kosten: Darunter verstehen wir den „bewerteten Verbrauch an Produktionsfaktoren in Geldeinheiten, welche zur Erstellung der betrieblichen Leistung in einer Abrechnungsperiode notwendig sind“ (Wikipedia) oder den „periodenbezogenen, betrieblichen, bewerteten Güterverzehr“ (Hans-Werner Stahl). Wichtig ist der periodische Aspekt, d.h. es geht nicht darum, wann ich einen PC gekauft habe, sondern über welchen Zeitraum ich ihn nutze. Bei einem angenommenen Preis von 1.200 Euro und einem Nutzungszeitraum von 12 Monaten liegen die monatlichen Kosten für den PC bei 100 Euro. Als Auszahlung/Ausgabe setze ich gleich den gesamten Betrag an. Und noch ein Punkt ist wichtig: zu den Kosten werden nur die Vorgänge gezählt, die unmittelbar dem Betriebs- (oder dem Projekt-)Zweck dienen. Eine Feier zählt da eher nicht dazu.
    Beispiel: der schon genannte PC, der 1.200 Euro kostet und 12 Monate genutzt wird. In der Kostenrechnung taucht er mit monatlichen Kosten von 100 Euro auf.
  • Leistung: Analog zum Kostenbegriff verstehen wir unter der Leistung das „Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit“.
    Beispiel: Sie erhalten für eine Dienstleistung (Dauer 2 Monate) eine Vorauszahlung in der Höhe von 4.000 Euro. In der Kosten- und Leistungsrechnung wird diese Vorauszahlung auf den Leistungszeitraum verteilt, d.h. pro Monat tauchen dann dort jeweils 2.000 Euro auf.
  • Aufwand: Der Aufwand ist den Kosten sehr ähnlich, allerdings umfasst der Begriff auch alle die Vorgänge, die nicht dem unmittelbaren Betriebszweck dienen.
    Beispiel: Investitionen in die Büroinfrastruktur sind ein Aufwand, werden aber in der Regel nicht einem Projekt oder einem Produkt als Kosten zugerechnet (da sie die Kosten für das Projekt/Produkt unsinnig erhöhen würden).
  • Ertrag: Während die Leistung ein Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit ist, können Erträg auch aus anderen Quellen stammen.
    Beispiel: Zinserträge

Für uns wird in den nächsten Teilen der Serie das Begriffspaar Kosten – Leistung interessant sein. Klar, denn wir sprechen ja hier von der Kostenrechnung. Was wir unter der Kostenartenrechnung, der Kostenstellenrechnung und der Kostenträgerrechnung verstehen, erfahren Sie dann im nächsten Beitrag.

Überblick:

Die finanzielle Planung von Projekten (Teil I)
Die finanzielle Planung von Projekten (Teil III)

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Kunst und Kultur im „trisektoralen Koordinatensystem von Staat, Markt und Gesellschaft“

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Am 54. Kulturpolitisches Kolloquium „Kultur in Deutschland“, das vom 20. bis 22. Februar 2009 stattfand, hat Norbert Sievers eine ganz interessante Rede gehalten, auf die  der Newsletter der Kulturpolitischen Gesellschaft aufmerksam macht und die freundlicherweise online verfügbar ist.

Darin fordert Sievers die Kulturpolitik dazu auf,

„ihre wohl meinenden Legitimationsformeln zu überprüfen und sich um mehr Klarheit in der Argumentation und ihren Zielen zu bemühen“.

Die Erschütterungen, denen unser jetziges Wirtschafts- und Finanzsystem ausgesetzt ist, werden sich auch auf den Kunst- und Kulturbereich auswirken und dazu führen, dass die öffentliche Finanzierung dieses Bereichs zumindest hinterfragt werden wird.

Auf den Bericht der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ aufbauend, beschäftigt sich Sievers mit dem Verhältnis von Staat, Markt und Gesellschaft. Die in dem Bericht aufgestellte Forderung, dass dieses Verhältnis neu justiert werden müsse, ist für Sievers nicht wirklich neu, wie er im Rückblick auf die letzten Jahrzehnte zeigt.

Interessant ist in meinen Augen seine Kritik an dem im Bericht vorherrschenden Kunstverständnis. Kunst, so zitiert er den Bericht, entstehe in der Gesellschaft und nicht im Atelier. Mit anderen Worten, so Sievers weiter,

„ein Bild, das in einem Atelier entstanden ist, ist an sich nichts wert. Einen Wert bekommt es erst, wenn es in der gesellschaftlich-ökonomischen Wertschöpfungskette reüssieren kann“.

Wenn die Kulturpolitik nur noch ökonomische Kriterien gelten lässt, bedeutet das für Sievers:

„Kunst hat nur dann einen Wert, wenn sie einen wirtschaftlichen Wert hat.“

Das erinnert mich an die Workshops für die Kreativwirtschaft, über die ich gestern berichtet habe. Dort wurde ein Gegensatzpaar unternehmerisches und künstlerisches Handeln konstruiert, was dazu führt, dass KünstlerInnen so quasi vom Besuch der Workshops ausgeschlossen sind.

Ich denke, wir stehen vor der großen Herausforderung, Kunst und Kultur in diesem Koordinatensystem von Staat, Markt und Gesellschaft neu zu verorten. Ob dabei der Markt im Mittelpunkt der Überlegungen stehen sollte, muss angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation zumindest diskutiert werden.

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Die Kulturflatrate in zehn Minuten erklärt

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© Grace Winter; Pixelio

Der Musikindustrie bzw. denen, die jahrelang das große Geschäft gemacht haben, geht es schlecht, keine Frage. Das Internet hat deren Geschäftsmodell obsolet gemacht, die Produktion von CDs lohnt sich immer weniger, die Verkaufszahlen sinken dramatisch. Schuld daran sind die zahlreichen Filesharing-Angebote, die es den UserInnen leicht machen, an jeden gewünschten Titel zu kommen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Die Strategie, all diejenigen, die Musik illegal aus dem Internet laden, zu kriminalisieren, ist gescheitert. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Prozesse, die die Musikindustrie gegen einzelne UserInnen anstrengt, der Vergangenheit angehören. Was aber sind die Alternativen?

Häufig wird die Kulturflatrate als ein möglicher Ausweg genannt. Was aber ist die Kulturflatrate überhaupt und wie funktioniert sie? Auf dem Blog Arbeit2.0 habe ich den Hinweis auf eine Sendung im Deutschlandradio Kultur entdeckt, die dort letzten Samstag ausgestrahlt wurde. In einem etwa zehnminütigen Beitrag ging es um die Frage, ob die Kulturflatrate ein letzter Ausweg für Musikindustrie und Kreativwirtschaft sei? Den Beitrag können Sie hier noch einmal anhören.

Warum eine Kulturflatrate unsinnig ist, hat Marcel Weiss nicht nur einmal auf dem netzwertig-Blog zu erklären versucht. Ich gebe ihm größtenteils Recht und behaupte, dass sich die Menschheit fundamental ändern müsste, damit so ein Modell funktionieren kann.

Einer der Kritikpunkte, die Marcel Weiss anspricht: das Modell der Kulturflatrate würde nur wieder den „Großen“ in die Hände spielen, denn pauschal ist bei diesem Modell ja nur das Einheben der Gebühr. Ausgezahlt hingegen würde nach den Download-Zahlen und damit hätten wir eigentlich wieder den früheren Status Quo hergestellt, die kleinen, unbekannten und selten gespielten Gruppen würden wieder durch die Finger schauen und die Großen könnten sich  zurücklehnen und zusehen, wie andere (z.B. die Provider) für sie das Geld einkassieren.

Marcel Weiss hat auch Recht, wenn er darauf hinweist, dass wir es schnell nicht nur mit der Musikindustrie zu tun hätten, sondern mit allen Content-Anbietern, für die es bis jetzt kein funktionierendes Geschäftsmodell gibt. Und das sind einige, da können wir sicher sein. Warum sollte nicht auch ich von irgendeiner Content-Flatrate profitieren können? Ist die Qualität meiner Beiträge schlechter als irgendein blöder Song? Um Qualität würde es da nicht gehen.

Nein, wenn wir schon an das Gute im Menschen glauben sollenwollen, dann probieren wir es doch bitte mit dem Fairness-Ansatz, den ich vor ein paar Tagen in einem Beitrag angesprochen habe. Aber eigentlich wollte ich ja nur auf die zehnminütige Sendung hinweisen.

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Workshops für die Kreativwirtschaft: Zutritt für KünstlerInnen verboten

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Die Idee von aws und departure, die auf Bundes- bzw. Wiener Landesebene für die Förderung der Kreativwirtschaft zuständig sind, ein gemeinsames Ausbildungsprogramm für Gründer und Jungunternehmer anzubieten, ist gut. Das Programmangebot, das man auf der dazugehörigen Website findet, ist auch gut. An den Vortragenden ist auch nichts auszusetzen und selbst die Kosten sind so angesetzt, dass sich niemand beschweren kann.

Wenn ich mir allerdings anschaue, an wen sich diese Workshops richten bzw. nicht richten, dann stehen mir die Haare zu Berge. Nicht gedacht sind sie für Personen, die

  • „Künstler sind und bleiben wollen,
  • Unternehmertum als Zwang empfinden,
  • die keine unternehmerischen Wachstumsambitionen haben, oder
  • die nicht unbedingt unternehmerische Selbstständigkeit anstreben.“

Das heißt also, ich kann entweder KünstlerIn oder UnternehmerIn sein, beides wird hier per se ausgeschlossen. Ich erspare mir jetzt eine Aufzählung von KünstlerInnen, die eine Vielzahl von Unternehmen diesbezüglich in den Schatten stellen.

Diese Trennung weist auf ein Künstlerbild hin, das irgendwo im 18. oder 19. Jahrhundert angesiedelt ist und mit den Attributen arm und genial verbunden ist. Vielleicht sollten die zuständigen Damen und Herren mal einen Blick nach Deutschland werfen. Dort sieht man das ein klein wenig anders und schreibt in einer aktuellen Studie (siehe dazu meinen Beitrag „Studie: Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland„):

„“Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der sogenannte schöpferische Akt. Damit sind alle künstlerischen, literarischen, kulturellen, musischen, architektonischen oder kreativen Inhalte, Werke, Produkte, Produktionen oder Dienstleistungen gemeint, die als wirtschaftlich relevanter Ausgangskern den elf  Teilmärkten zugrunde liegen.”

Und so wie das gesamte Umfeld benötigen natürlich auch die KünstlerInnen sowohl ein professionelles Umfeld als auch Kenntnisse, die in den oben genannten Workshops angeboten werden. In einer Zeit, in der uns tagtäglich eingeredet wird, dass man in jedem Job unternehmerisch agieren müsse (so falsch ist das auch nicht), ist eine solche Formulierung, die zwischen KünstlerInnen und UnternehmerInnen trennt, ein klein wenig peinlich, um es mal nett auszudrücken.

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Die finanzielle Planung von Projekten (Teil I)

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© Kurt Bouda; Pixelio

Die Idee für ein künstlerisches Projekt zu entwickeln, egal ob Ausstellung, Lesung, Konzert, etc. ist in der Regel mit viel Freude verbunden. Wir sind mitten drin in der kreativen Phase und lassen uns zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht von möglichen Einschränkungen einbremsen.

Wenn es dann im nächsten Schritt darum geht, die Idee zu formulieren, wird es schon schwieriger. Wir selbst verstehen das, was wir vorhaben ja. Nun gilt es aber, andere davon zu überzeugen und das ist häufig gar nicht so einfach. Wenn das geschafft ist, also klar ist, was da geplant ist, müssen wir uns im nächsten Schritt Gedanken darüber machen, wie wir unser Vorhaben umsetzen wollen. Spätestens jetzt können wir von Projektmanagement sprechen.

Für viele besteht die größte Herausforderung darin, die Kosten des Projektes zu kalkulieren. Wenn man das erste Mal ein Projektbudget erstellt, dann ist das auch eine wirkliche Herausforderung, zugegeben. Denn woher soll ich wissen, wie hoch etwa meine Kommunikations- oder die Reisekosten sein werden? Und welche Stundenzahlen sind realistisch? Bei Projekt Nummer zehn ist das schon wesentlich einfacher, da kann ich bereits auf jede Menge Erfahrungen und im Idealfall auch auf jede Menge Excel-Sheets zurückgreifen, so dass das Budget in wenigen Minuten steht.

In meinem Beitrag „Wie sieht ein richtiger Projektstrukturplan aus?“ hatte ich diesen Planungsprozess bereits kurz skizziert und die dazu passende Excel-Vorlage, um Ihr Vorhaben in Zahlen zu gießen finden Sie auch in diesem Blog (siehe dazu den Beitrag „In Excel ein Budget erstellen„).

Am Ende haben Sie dann zwar eine Tabelle vor sich, aus der Sie die Kosten für Ihr Projekt herauslesen können und das Sie auch jederzeit für ein Förderansuchen verwenden können. Zwei Dinge können Sie mit dieser Kalkulation aber nicht:

  • das Projekt kaufmännisch steuern und
  • erkennen, ob das Projekt finanziell erfolgreich sein wird/ist/war.

Steuern können wir ein Projekt nur, wenn wir auch über die entsprechenden Informationen verfügen. Da kommen wir mit unserem Excel-Sheet nicht sehr weit, denn es gibt uns ja nur Auskunft darüber, was im Projekt was kostet. Nicht mehr und nicht weniger.

Und wie sieht es mit dem finanziellen Erfolg aus? Wann ist ein Projekt finanziell überhaupt erfolgreich? Welche Ziele werden angestrebt und wollen alle die gleiche  Ziele erreichen? Natürlich nicht, zu unterschiedlich sind die Erwartungen an Ihr Vorhaben.

Externe Geldgeber, z.B. die öffentlichen Förderstellen, Sponsoren oder auch Auftraggeber sind daran interessiert, dass die Gesamtkosten Ihres Vorhabens möglichst niedrig sind, also der Preis stimmt. Ein Fördergeber wird Ihnen die Frage stellen, warum Ihr Theaterprojekt wesentlich teurer ist als vergleichbare Vorhaben? Ein Unternehmen, das Sie zu unterstützen beabsichtigt, möchte auch wissen, ob Sie realistisch planen oder völlig überhöhte Kosten kalkulieren.

Auf der Führungsebene eines Kulturbetriebs geht es Ihnen aber (auch) um etwas ganz anderes. Finanzieller Erfolg heißt für Sie, dass am Ende des Vorhabens kein Minus, sondern vielleicht sogar ein Plus steht, sprich, das Projekt muss sich rechnen. Die Rentabilität ist ein entscheidendes Kriterium, wenn Sie beispielsweise entscheiden müssen, welches Projekt Sie als nächstes realisieren. Wie groß ist das finanzielle Risiko, das Sie eingehen?

Die Projektleitung wird vor allem das Ziel verfolgen, das geplante oder vorgegebene Budget einzuhalten. Rentabilität ist also auch hier ein wichtiges Kriterium, allerdings aus einem anderen Grund. Die übergeordnete Sicht, ob das Vorhaben insgesamt für den Kulturbetrieb machbar oder sinnvoll ist, die interessiert in diesem Zusammenhang nicht unbedingt.

Bleibt noch die Controlling-Ebene, auf der es um die Effizienz der eingesetzten Mittel geht. Lässt sich ein bestimmtes Ziel nicht kostengünstiger erreichen, ist der finanzielle Aufwand gemessen am Nutzen noch vertretbar und lässt sich auf der Ausgabenseite noch etwas optimieren?

Planen Sie ein Projekt, müssen Sie diese unterschiedlichen Ebenen mitdenken und die Möglichkeit haben, Ihr Projektbudget dementsprechend abklopfen zu können. Mit unserem Excel-Sheet geht das nicht, damit können Sie lediglich die Projektkosten darstellen und die oben angesprochene externe Ebene zufrieden stellen.

Hilfe verspicht hier die Projektkostenrechnung, die es uns erlaubt, ein Projekt kaufmännisch zu steuern und den finanziellen Erfolg zu bewerten. Was wir unter der Projektkostenrechnung zu verstehen haben und wie wir sie für unsere Vorhaben einsetzen können, das erfahren Sie in den nächsten Teilen dieser kleinen Serie.

Überblick:

Die finanzielle Planung von Projekten (Teil II)
Die finanzielle Planung von Projekten (Teil III)

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Das Publikum in die Entwicklung einer Ausstellung miteinbeziehen

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In der Regel werden Ausstellungen von den entsprechenden ExpertInnen entwickelt und das Publikum bekommt dann das fertige Ergebnis zu sehen. Einen ganz anderen Weg geht jetzt das Australian Museum. Dort bezieht man das Publikum bereits in die Entwicklungsphase mit ein und bietet ein Blog sowie eine Facebook-Gruppe an.

Bliss Jensen und Lynda Kelly, die das Blog initiiert haben schreiben dort:

„We are experimenting to see if we can engage our audiences in the exhibition development process by blogging our progress on the „All About Evil“ exhibition.“

Folgende Ziele gelte es, so schreibt Lynda Kelly auf Museum3.0, zu erreichen:

  • „engage the audience in developing the exhibition at the front-end
  • see if a blogging tool can do this
  • track the time it takes for our input compared with the outcome“

Auf den ersten Blick mag das wenig spektakulär klingen, denn was heißt es schon, wenn man sich als AusstellungsmacherIn das Feedback von ein paar BlogleserInnen holt? Dahinter steckt aber eine Haltung, die das Museumspublikum in eine völlig neue Rolle versetzt, die Lynda Kelly in ihrem Blog Audience Research so beschreibt:

„This is what will make museums relevant in my view – a move from visitor as participant to visitor as partner, being able to have their own say and share their own stories, both at physical sites and online (which will eventually converge).“

Ich behaupte, es erfordert einigen Mut, dem Publikum eine solch aktive Rolle zuzugestehen. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch eine erhebliche Herausforderung für das Publikum, denn es wird wesentlich mehr von denen verlangt, die dieses Angebot annehmen als einfach mal schnell in eine Ausstellung zu gehen.

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Oscar-Verleihung: and the winner is…

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Offiziell werden wir erst am frühen Montagmorgen erfahren, wer die diesjährigen Oscars gewonnen hat. Seit gestern Abend geistert aber diese Nachricht durch das Internet:

Jetzt bleibt nur eine Frage offen: Fake oder nicht Fake? Dafür, dass es sich um eine Fälschung handelt, spricht der Preis für den besten Schauspieler. Mickey Rourke? Das kann doch nicht sein, oder?

Update: Frage beantwortet, es war eine Fälschung, wenn auch mit einer hohen Trefferquote.

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Wer twittert im Kunst- und Kulturbereich?

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Wenn man mich fragt, was mir an Twitter gefällt, dann ist es wohl vor allem die Vorgabe, sich mit maximal 140 Zeichen ausdrücken zu müssen. Das heißt, ich kann nicht lange herumreden, sondern muss die Dinge auf den Punkt bringen.

Die Dinge auf den Punkt bringen, das klingt so gar nicht nach „zwitschern“, der deutschen Übersetzung von „twitter“.  Und genau das verleiht Twitter seinen Reiz. Auf der einen Seite ist es ein geniales Tool, um Informationen zu verbreiten. Links, die ich für interessant halte, über die ich aber kein Blogpost schreibe, kommuniziere ich über Twitter. Das heißt, wenn Sie meinen 140-Zeichen-Nachrichten (auch Tweet genannt) folgen, dann verpassen Sie die nicht.

Andererseits ist Twitter aber auch ein hilfreiches Kommunikationstool. Die Hürde, hier jemanden anzusprechen, ist äußerst gering. Ich denke, Sie wissen, wie schwierig und langwierig es manchmal sein kann, z.B. den Intendanten eines Orchesters anzusprechen. Den Intendanten der Duisburger Philharmoniker finden Sie auf  Twitter und wenn Sie eine Frage haben, stellen Sie ihm die einfach. Sie haben 140 Zeichen dafür zur Verfügung.

Oder Sie suchen eine Kulturmanagement-ExpertIn aus den USA, z.B. Maryann Devine, die Sie ebenfalls direkt auf Twitter ansprechen können. Und, und, und… Das Problem dabei: wie bekomme ich überhaupt mit, wer alles twittert? Leider ist es ja nicht so, dass da alle auf einen Schlag dabei sind und man dann telefonbuchmäßig nachschlagen kann.

Was es aber gibt, sind Listen, die regelmäßig aktualisiert werden, z.B. über twitternde Fotografen oder im Musikbereich. Aber viele sind noch nicht in diesen Listen und wollen das vielleicht auch gar nicht. Im Vorfeld der stART.09 haben wir mit der Aktion #kulturtwitter begonnen.

Wir suchen Leute, die im Kunst- und Kulturbereich tätig sind und twittern. Twitternde Kulturschaffende, aber auch Kultureinrichtungen sammeln wir bei Delicious mit dem Tag kulturtwitter. Ihr Vorteil: Sie können diese Liste, die ständig größer wird, bookmarken (unabhängig davon, welchen Social Bookmarking Dienst Sie nutzen) oder als Feed abonnieren.

Mittlerweile sind wir in unserer Liste bei Nummer 160 angelangt, das heißt, die Chance, dort interessante TwitterkollegInnen zu finden, ist nicht so klein. Die Liste soll aber auch dazu dienen, dass Sie, so Sie twittern, gefunden werden. Wenn Sie also im Kulturbereich arbeiten oder als Kulturbetrieb twittern, dann lassen Sie uns das doch wissen.

Was müssen Sie tun? Sie schicken von Ihrem Twitter-Account aus eine Nachricht (einen Tweet) an startconference. In dieser Nachricht muss nichts stehen außer #kulturtwitter. Das war es dann schon für Sie. Sie kommen dann auf die Delicious-Liste und werden dort ab sofort gefunden. Außerdem schicken wir einen Tweet aus, in dem wir in Kurzform auf Ihren Twitteraccount hinweisen.

Wenn Sie dabei sein wollen, brauchen wir nur noch Ihren Tweet mit folgendem Inhalt: #kulturtwitter

PS: wenn Sie mir auf Twitter folgen wollen, können Sie das hier tun. Ich freue mich darauf.