Monthly Archives of: Juli 2011

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Das Konzert der Zukunft (Blogparade)

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Wie sieht das Konzert der Zukunft aus? Zu dieser Frage haben die Duisburger Philharmoniker auf ihrem Dacapo-Blog eine Blogparade gestartet. Die Berliner Philharmoniker haben mit ihrer Digital Concert Hall vermutlich schon ein Stück dieser Zukunft vorweggenommen. Auch in der Met hat die Zukunft bereits begonnen, seitdem die Opernaufführungen live in die verschiedenen Kinos übertragen werden. Und das weltweit.

Auffällig an diesen Beispielen ist, dass sich die Orte verändern, an denen wir ein Konzert (oder im Fall der Met eine Oper) erleben dürfen. Mal ist es der Platz vor dem Computer, mal der Kinosessel. Beide Kultureinrichtungen folgen damit der Aufforderung des Kulturwissenschaftlers Martin Tröndle, der im letzten Jahr zu dem Ergebnis kam:

„Wir müssen das Konzert verändern, wenn wir es erhalten wollen.“

Stimmt alles gar nicht, schreibt Gerald Mertens in der aktuellen Ausgabe der Kulturpolitischen Mitteilungen und verweist nicht ganz zu Unrecht darauf, dass Konzerte schon lange nicht mehr ausschließlich in Konzertsälen stattfinden. Er meint damit eher Kirchen- oder Hochschulkonzerte und ahnt vermutlich nicht, dass es in Deutschland auch „Konspirative Küchenkonzerte“ gibt.

Wenn man den Konzertsaal auf der einen und die Küche auf der anderen Seite als Aufführungsort von Konzerten betrachtet, kommt man recht schnell zu dem Ergebnis, dass die Bandbreite möglicher Aufführungsorte doch schon recht groß ist und die Idee, mit Musik den Konzertsaal zu verlassen, nicht mehr unbedingt als innovativ bezeichnet werden kann. Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass Konzerte natürlich auch online stattfinden können und das sogar auf Second Life, dann lässt sich sagen: hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, erlaubt ist, was gefällt.

Bleibt die Frage, was gefällt? Ich fürchte, hier wird die Sache nicht leichter. Nicht nur die Geschmäcker sind verschieden, selbst ein und dieselbe Person nimmt sich manchmal die Freiheit heraus und hört ganz unterschiedliche Musik. Da gibt es auf der einen Seite den Musik-Mainstream, egal welches Genre man sich anschaut und dann haben wir da die Nischen, in denen die Zahl der begeisterten ZuhörerInnen etwas kleiner ausfällt. Auch hier gilt aus der Sicht des Publikums: erlaubt ist, was gefällt, insofern ist eine Prognose, wie das Konzert der Zukunft aussieht, eigentlich unmöglich. Es wird weiter Bruckner-Symphonien in Konzertsälen geben und auch Hansi Hinterseer wird weiterhin seine Fans in die Berge Österreichs schleppen (kleine Randbemerkung: achten Sie mal auf die Zugriffszahlen beider Videos).

Und was sagen die Musikkritiker bzw. die Leute vom Fach? Alex Ross hat im letzten Jahr in seinem Blogpost „Art must die“ aus einem Brief Richard Wagners an Franz Liszt zitiert und konstatiert am Ende seines Beitrags:

„If you really wanted to be true to the spirit of Wagner, you would stop playing him and focus on new work instead.“

Das bedeutet: weg mit den alten Zöpfen und Mut zu Neuem. In fünf Jahren hören wir dann Musik, die es heute noch gar nicht gibt. Auf meinem Weg in die Zukunft bleibe ich also immer wieder in der Gegenwart stecken und halte fest: DAS Konzert der Zukunft wird es nicht geben. Es wird ganz viele Konzerte der Zukunft geben. Große und kleine Formate, gewöhnliche und ungewöhnliche Orte, Musik zum Wohlfühlen und Musik, die nachdenklich macht oder sogar verstört.

Was wir wollen, hängt von vielen Faktoren ab, was aber kein Problem ist, denn das Angebot ist praktisch unüberschaubar. Anders ist die Situation derjenigen, die diese Konzerte organisieren und dort spielen. Ein ständig wachsendes Angebot und sinkende Budgets machen es immer schwerer, den Status Quo zu halten bzw. sich als Newcomer zu etablieren. Konzerthäuser, Orchester, aber auch einzelne KünstlerInnen werden sich mehr und mehr darum bemühen, ihr Publikum an sich zu binden. Christoph Deeg hat in seinem Beitrag zu dieser Blogparade geschrieben:

„Das Konzert der Zukunft beginnt schon vor der Aufführung und endet nicht mit dieser.“

Da ist er wieder, der Community-Ansatz. Ob im realen Leben oder in der Online-Welt, Orchester, MusikerInnen, aber auch die VeranstalterInnen werden sich zukünftig immer stärker um uns bemühen und uns teilhaben lassen an künstlerischen Prozessen, die uns eine ganz neue Art des Musikerlebens möglich machen werden. Aber das wird nur ein Angebot sein, keine Verpflichtung für uns als Publikum, denn eines ist klar: das Konzert der Zukunft ist ein bunter Strauss verschiedener Angebote und das in jeder Hinsicht. Wahrscheinlich wird das Publikum dann auch (noch) bunter.

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Wie bewerbe ich Kunst? Die Oper in Sydney macht es vor.

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Wenn irgendwo die Rede davon ist, dass wieder mal der Etat einer Kultureinrichtung gekürzt wird oder das Haus vielleicht ganz geschlossen wird, folgen meist recht schnell die Hinweise auf die Bedeutung von Kunst und Kultur. Jasper Visser hält von diesem „Reflex“, dem wir wohl fast alle wieder und wieder erliegen, recht wenig. In seinem Beitrag „Promoting culture“ auf „The Museum of the Future“ schreibt er:

„When a couple of months ago it became apparent that culture in the Netherlands would be severely cut, the response was a countrywide scream for culture. Like, people really screaming for culture… I believe that’s about the worst thing you can do to promote culture.“

Stattdessen schlägt er einen ganz anderen Weg vor und bringt dafür gleich ein Beispiel: das Sydney Opera House mit „The Ship Song Project„, hinter dem sich ein wunderbares Promotionvideo versteckt, das ein Remake von Nick Caves „The Ship Song“ ist. Anschauen, anhören und genießen:

Mich erinnert das an meinen Beitrag über Crowdfunding und die Frage, was man eigentlich tun muss, um die Menschen dazu zu bringen, das eigene Projekt zu unterstützen? Visser liefert die Antwort darauf:

„Rather than screaming, this video focuses on the intrinsic strengths of culture, the arts. It sells what culture has to offer: passion, emotion, inspiration, the dumbfounding feeling of witnessing something truly unique. This is what culture is all about. This is why culture is important!“

Ich denke auch, dass es besser (und vermutlich einfacher) ist, die Kunst für sich selbst sprechen zu lassen. Oder wie formuliert es Visser so schön:

„I like to say there’s nothing easier to promote than culture, the arts. Unlike fastfood or cheap airline tickets, culture is a high-value product meaningful to nearly everybody. We only have to show it in its full strength.“

Nun sollen wir nicht nur einfach ergriffen  vor dem PC sitzen und das Video genießen, sondern das ganze dient ja der Bewerbung des Opernhauses. Deshalb wurde auf YouTube eine eigene Projektwebsite eingerichtet, die nicht nur jede Menge zusätzliches (Video)-Material zur Verfügung stellt, sondern natürlich auch Social Media für die Verbreitung der Botschaft nutzt.

Solche Kampagnen wünsche ich mir bei uns auch. ;-)

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Innovationspotenziale in der Musikwirtschaft: ein White Paper steckt den Rahmen ab

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Dass es der Musikindustrie schon mal besser ging, ist keine ganz neue Erkenntnis. Viele trauern den vergangenen Zeiten nach, in denen über den Verkauf von Schallplatten und CD enorme Umsätze erzielt werden konnten.

Mit dem Aufkommen des Internets hat sich für viele Player im Musikbusiness die wirtschaftliche Lage verschlechtert, auf der anderen Seite bietet es aber auch neue Möglichkeiten für Finanzierung, Marketing und Vertrieb. Theoretisch, denn in der Praxis bauen sich jede Menge Hürden auf und so hält sich die Zahl der Erfolgsstorys bis heute in Grenzen.

Die Herausforderung besteht darin, neue Geschäftsmodelle für die Musikwirtschaft zu entwickeln. Hier setzt der aktuelle Fördercall von Departure, der Kreativagentur der Stadt Wien an. Im Unterschied zu den klassischen Förderprogrammen, in denen die Produktion von Kunst gefördert wird, geht es hier um „Innovationspotenziale und neue Wertschöpfungsmöglichkeiten“.

Im Vorfeld zu diesem Call entstand ein White Paper, das als Grundlage dieses Förderwettbewerbs dient und die Aufgabe hat,

„rezente Entwicklungen dar(zu)stellen, Probleme (zu) analysieren und (…) eine Reihe von Innovationspotenzialen auf(zu)zeigen“,

wie Departure-Geschäftsführer Christoph Thun-Hohenstein in seinem Vorwort schreibt. Es soll Produkte, Prozesse und Dienstleistungen identifizieren,

„die zum einen eine neuartige Verknüpfung von bereits Bestehendem darstellen und zum anderen das Potenzial haben, nachhaltig marktfähig zu sein“,

formuliert es Peter Tschmuck, unter dessen Federführung das White Paper entstanden ist.

Nur auf diese Weise werden diejenigen, die sich der österreichischen Musikwirtschaft zurechnen lassen, überleben können, lautet der Grundtenor dieses Papers, das auch als PDF online zur Verfügung steht. Für den Publizisten Walter Gröbchen ist klar, dass die Innovation sich nicht von alleine einstellt, sondern die Branche ihre Hausaufgaben machen muss. Zwar sei nicht der Weg das Ziel, aber wer „unterwegs“ nicht auf Professionalisierung, Internationalisierung und Spitzenförderung setze, habe keine Chance, zur „A-Klasse der österreichischen Musikwirtschaft zu gehören.

Nun ist Innovation ein großes Wort. Wie sollte eine Idee aussehen, um sich am noch bis Oktober laufenden Call beteiligen zu können? Hilfreich ist in dieser Hinsicht Kapitel 1 des White Papers, in dem KünstlerInnen wie Wilfried Brandstötter, Susanne Kirchmayr oder Eva K. Anderson erklären, wo sie eigentlich aktuell Handlungsbedarf sehen? Letztere fordert unter anderem InformationsbrokerInnen, die den KünstlerInnen als eine Art Lotse zur Seite stehen:

„Konkret braucht es Leute, die in der Lage sind, weltweit Kontakte herzustellen und zu nützen. Leute, die innovative Ideen haben, wie man heutzutage Musik aus der Informationsflut hervorhebt und bekannt macht.“ (S.20)

Peter Tschmuck kann sich vorstellen, dass diese InformationsbrokerInnen in zweierlei Hinsicht eine Selektionsfunktion übernehmen. Einerseits für die KünstlerInnen, andererseits aber auch für die KonsumentInnen, denen auch geholfen wäre,

„wenn systematisch zu ihrem Musikgeschmack neue Angebote ausfindig gemacht und kommuniziert würden“. (S.24)

Als sogenannte Intermediäre gehören sie, so Peter Tschmuck, zu jenen AkteurInnen, die durch ihre Leistungen die Anbieter und Nachfrager von Musik zusammen bringen. Tschmuck, der sich in seinem eigenen Blog schon seit längerer Zeit mit Fragen der Musikwirtschaftsforschung beschäftigt, unterscheidet zwischen den alten und den neuen Intermediären und wünscht sich dafür auch „neue Verknüpfungen außerhalb der Musikindustrie“.

Das White Paper versucht, auf die vielen Bereiche, in denen Innovation stattgefunden hat oder stattfinden könnte, einzugehen und versucht, auch durch die vielen Interviews, die Vielschichtigkeit dieser Branche darzustellen. Am Ende, so fasst Tschmuck die vielen Beiträge zusammen, kristallisieren sich fünf Innovationsfelder heraus, es geht um Produkt-, Prozess, Dienstleistungs- Schnittstellen- und Netzwerkinnovationen. Hier setzt der Fördercall von Departure an, der noch bis zum 3. Oktober läuft und das Ziel hat, die Musikwirtschaft in der Stadt Wien zu stärken.

Das dies nicht so einfach ist, das zeigt der Beitrag des Medien- und Musikexperten Carsten Winter, der sich in seinem Beitrag mit der Situation der Musikwirtschaft in Berlin beschäftigt und deutlich macht, dass sich Innovation nicht planen lässt. Es sind höchstens die Rahmenbedingungen, aber die Beschreibung Berlins mit „arm, aber sexy“ deutet eher darauf hin, dass hier kein politisches Konzept dahinter steht, ganz im Gegenteil.

So zeugt es von einer sehr realistischen Erwartungshaltung, wenn Christoph Thun-Hohenstein in seinem Vorwort schreibt:

„Es versteht sich von selbst, dass bahnbrechende Neuerungen immer willkommen sind, doch wäre es vermessen, solche von diesem Förderwettbewerb automatisch zu erwarten.“

Der von ihm verwendete Begriff der Zwischentöne passt da ganz gut.

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Blogposts: wann werden sie eigentlich gelesen?

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Die Frage, welche Tage und welche Uhrzeiten am günstigsten für die Veröffentlichung eines Blogposts sind, taucht immer wieder auf. Eine generelle Antwort darauf gibt es nicht, zu unterschiedlich ist die Ausrichtung von Blogs. Vermutlich spielt es eine Rolle, ob ich die Inhalte eines Blogs beruflich nutze oder einfach nur surfe und auf interessante Geschichten stoße. Das Taxi-Blog zum Beispiel lese ich, wenn ich mich unterhalten möchte und das meist am Ende des Tages. Brian Solis gehört eher in die Kategorie Berufliches und wird deshalb vorzugsweise untertags gelesen, wenn die Konzentration noch da ist.

Da also keine allgemein gültigen Aussagen möglich sind, nehme ich einfach mein Blog als Beispiel. Seit Dezember 2006 habe ich fast 1.500 Beiträge veröffentlicht, unter denen fast 6.500 Kommentare stehen, ein nicht unbeträchtlicher Teil aber von mir, um diese Zahl ein klein wenig zu relativieren. Wie viele LeserInnen dieses Blog hat, kann ich leider nicht wirklich sagen, denn jedes Tool, das ich nutze, zeigt mir andere Zahlen an. Insofern sind vor allem die Trends interessant, während ich mit den absoluten Zahlen wenig anfangen kann.

Diese Trends lassen sich auch erkennen, wenn es um die Frage geht, wann meine Beiträge gelesen werden. Der absolute Spitzentag ist, von Ausnahmen abgesehen, der Montag. Von diesem Tag an sinkt die Zahl der BesucherInnen und erreicht am Samstag den absoluten Tiefststand, um dann am Sonntag wieder anzusteigen. Das heißt, Informationen, die möglichst weit gestreut werden sollen, veröffentliche ich idealerweise am Montag, eher unwichtige Themen gehe ich am besten am Samstag an.

Interessant ist es auch, sich die einzelnen Tage anzuschauen. Mal abgesehen vom Samstag, der ziemlich uneinheitlich verläuft, zeigen die anderen Tage eine gewisse Systematik, wobei das Prinzip unter der Woche, also von Montag bis Freitag gleichbleibend ist, während der Sonntag etwas aus der Reihe fällt. Die folgende Grafik zeigt die Zugriffskurve eines typischen Montags:

Die Kurve beginnt ab 8 Uhr steil anzusteigen und fällt dann am späten Vormittag wieder, um am Nachmittag noch einmal steil anzusteigen und dann auf eher niedrigem Niveau konstant zu bleiben. Das heißt, für mich macht es Sinn, meine Beiträge möglichst frühzeitig am Morgen zu veröffentlichen, um meine LeserInnen auch erreichen zu können. Ich vermute, bei vielen Blogs, die im beruflichen Kontext genutzt werden, sieht die Kurve ähnlich aus, während es auf privaten Blogs den Anstieg erst am Abend gibt.

Interessant ist die Frage, wie das bei Blogs von Kultureinrichtungen ist, die ja eigentlich die UserInnen „privat“ erreichen und als BesucherInnen von Konzert, Ausstellung, etc. gewinnen möchten. Hier sieht die Verteilung dann vermutlich etwas anders aus.

Zurück zu meiner Statistik. Während die Kurve wochentags sehr ähnlich ausfällt, sieht sie am Sonntag etwas anders aus.

Dort steigen die Zugriffe bis zum Nachmittag kontinuierlich an, fallen dann etwas ab und erreichen dann am Abend den eigentlich Höchststand. Das heißt, am Sonntag muss ich mich mit meinen Beiträgen nicht so sehr beeilen, die Mehrzahl meiner LeserInnen besucht das Blog erst etwas später. ;-)

Wer seine Beiträge nicht nur spontan veröffentlicht, kann von solchen Informationen durchaus profitieren und seine Blogposts sehr punktgenau veröffentlichen. Ähnlich kann man natürlich auch vorgehen, wenn es um das Thema Feiertage geht. Die Weihnachtsferien sind zum Beispiel bei mir eine Phase, in der die Zugriffe eher gering ausfallen. Der ideale Zeitpunkt, um Urlaub zu machen.

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Wie sieht das Kulturangebot der Zukunft aus?

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Nicht nur in diesem Blog geht es immer wieder um die Frage, wie sich Kunst und Kultur zukünftig finanzieren lassen. Auch auf der letzten stARTconference war das ein Thema, schon im Vorfeld erschien das gemeinsam mit Kulturmanagement Network produzierte eBook „Geschäftsmodelle im Web2.0“ und auch auf der Konferenz selbst drehten sich viele Vorträge um dieses Thema.

Wie aber sieht die Kunst der Zukunft eigentlich aus? Die Duisburger Philharmoniker interessiert diese Frage natürlich vor allem im Hinblick auf den Konzertbereich und so haben sie Mitte Juni eine Blogparade gestartet, die nach dem „Konzert der Zukunft“ fragt:

„Niemand hätte vor 2008 gedacht, dass es einmal eine Zeit geben würde, in der man Konzerte online gestreamt am Recher anschauen können würde. Was heute selbstverständlich erscheint, war damals noch Zukunftsmusik: Always on, permanenter Zugriff auf das Internet mit dem Smartphone. Innerhalb kurzer Zeit hat sich viel verändert im klassischen Bereich. Deswegen möchten wir mit der Blogparade “Das Konzert der Zukunft” wissen, wie sich unsere Webfreunde einen Konzertbesuch in 5 Jahren vorstellen,“

schreibt Christian Spließ auf dem Dacapo-Blog. Bis Ende Juli besteht noch die Möglichkeit, sich mit eigenen Ideen daran zu beteiligen. Gemessen an der Zahl der Beiträge ist es um die Vorstellungskraft schlecht bestellt. Oder es sind alle mit dem jetzigen Status Quo zufrieden und möchten, dass er erhalten bleibt. ;-)

Einem ähnlichen Thema wird sich die 6. Jahrestagung des Fachverbands für Kulturmanagement widmen. Unter der Überschrift „Zukunft Publikum: Neue Beteiligungsformen und interaktive Kulturwahrnehmung“ geht es vom 12. bis 14. Januar 2012 in Lüneburg um die Erforschung kultureller Beteiligungsstrategien. Auch hier wird im Rahmen des Call for Papers danach gefragt, wie die Kulturangebote der Zukunft aussehen könnten und darauf hingewiesen, dass das Publikum eine aktivere Rolle spielen könnte als heute. So geht es unter anderem bei dieser Tagung um die Entwicklung neuer Strategien kultureller Beteiligung:

„Neue Anforderungen des Kulturpublikums und Transformationsprozesse im Kultursektor verlangen nach neuen Konzepten für die Beziehung zwischen KulturproduzentInnen und Publikum. Denn häufig wird dem Publikum eine interaktive Rolle zugeschrieben. Welche Zielgedanken verbergen sich dahinter? Wie bilden sich daraus Marketingstrategien und wie wird das kulturelle Angebot davon beeinflusst? Wie nehmen Kulturschaffende diese Prozesse wahr und wie reagieren sie darauf? Welche neuen Akteure entwickeln sich auf dem Kulturmarkt mit welchen Angeboten?“

lauten die Fragen, auf die in Lüneburg Antworten gefunden werden sollen. Ich bin gespannt auf die Antworten beziehungsweise Konzepte. Als wir im Vorfeld der stART09 gemeinsam mit der Karlshochschule nach der Vision Kulturmanagement 2020 fragten, konnte der erste Preis in Form eines Vollstipendiums für den Studiengang in Karlsruhe nicht vergeben werden. Mangels Visionen. Es muss also nicht unbedingt das fehlende Geld sein, das zum Niedergang von Kunst und Kultur führt. Auch fehlende Visionen können die Ursache dafür sein. Die Blogparade und die Jahrestagung sind zwei Möglichkeiten, zumindest dieser Gefahr entgegen zu wirken.

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Jrene Rolli: Selbstdarstellung von Künstlern im Internet (Gastbeitrag)

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© Maren Beßler ; Pixelio

Beeinflusst das Medium Internet das Künstler-Dasein und deren Selbstdarstellung? Eine spannende Frage, der Jrene Rolli in ihrem Essay „Selbstdarstellung von Künstlern im Internet“ nachgegangen ist. Ich freue und bedanke mich, dass sie mir ihren Text für das Kulturmanagement Blog zur Verfügung gestellt hat.

Entstehung und Entwicklung der künstlerischen Selbstinszenierung

Das Selbstporträt. Eine alte Tradition im künstlerischen Schaffen und auch die erste Form von künstlerischer Selbstdarstellung, an die man sich zurück erinnert. Bis zu Beginn der Moderne bleibt es auch die einzige Erinnerung.

Lange richteten sich Künstler bei der Schaffung ihrer Werke vor allem auf ihre Hauptauftraggeber Staat und Kirche aus. Erst die Moderne brachte die Tendenz zur Selbstreferentialität mit. In Hinblick auf die Kunst bedeutete dies eine neue Freiheit für die Kunstschaffenden. Experimentelles entstand, neue Materialien wurden entdeckt und eingesetzt. So auch das eigene Ich, der eigene Körper. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man diese Tendenz radikal weiterentwickeln. Vermehrt fanden nun künstlerische Auseinandersetzungen mit der eigenen Person in Handlungen und Aktionen statt. Ab 1960 wurde die Selbstdarstellung als treibende Kraft des künstlerischen Schaffens von immer mehr Künstlern entdeckt. Der verkaufsfördernden Wirkung der Selbstdarstellung auf dem aufblühenden Kunstmarkt war man sich bereits zu dieser Zeit bewusst. Nicht immer stand des Künstlers authentische Ich im Mittelpunkt des Werkes, oftmals schlüpften sie in andere Rollen, agierten als Schauspieler und nahmen immer wieder andere Identitäten an. Oft mündete dies in einer totalen Selbstentfremdung.

Die wahre Hochkonjunktur erlangte die Selbstdarstellung jedoch erst mit dem Internet. Das Phänomen der „boomenden“ Selbstdarstellung trifft man seit Anfang des 21. Jahrhunderts nicht bloss in der Kunstsparte an. Diese Erscheinung ist breit über die ganze Gesellschaft verstreut. Videos vom neugeborenen Baby auf YouTube, das Tagebuch der Tochter von nun an in einem Blog mit der halben Welt geteilt und über Xing werden triste Lebensläufe zum Leben erweckt.

Sennet hat den immer stärker werdenden Hang – man könnte hier wohl auch von Drang sprechen – zur Selbstoffenbarung „die Tyrannei der Intimität“ genannt. Was Künstler jedoch von den anderen die ihr Ich öffentlich zelebrieren unterscheiden mag, ist die Art und Weise wie sie es tun. So geschickt und professionell erreichen sie oft weit bessere Resultate als die dem modernen Exhibitionismus frönenden Personen.

Künstler-Dasein heute

Nicht alleine durch die Entwicklung eines Kunstmarktes wie wir ihn heute kennen, sicherlich auch durch Fördergelder, Stipendien und Möglichkeiten des Teilzeit-Studiums, begehen und wagen immer öfters Leute den Weg zum Künstler-Dasein. Der grosse Jackpot der auf dem Kunstmarkt gefüllt mit Geld und Anerkennung lockt, die Chance ihn zu knacken ist vergleichbar mit einem Sechser im Lotto.

Doch wann ist ein Künstler überhaupt ein Künstler? Brock argumentiert, dass im Gegensatz zu allen anderen Berufsgruppen sich die Künstler ausschliesslich über sich selbst legitimieren. Beuys hingegen äusserte einst, jeder sei ein Künstler. So unterschiedlich diese zwei Ansichten auf den ersten Blick sind, so ähnlich wirken sie bei einer zweiten Betrachtung.

Zahlreiche Portale auf dem Internet widmen sich Kunstschaffenden und bieten eine Plattform für die Präsentation eigener Werke. Nehmen wir in diesem Beispiel im spezifischen die Bildende Kunst. Häufig teilen sich im Web Kunststudenten mit Abschluss und Ausstellungserfahrung den Platz mit künstlerischen Autodidakten. Könnte man die Identitäten hinter den Werken nicht weiterverfolgen, würde nicht selten der Unterschied kaum auffallen. Weder von richtigen und falschen Künstlern noch von Konkurrenz kann man sprechen, denn jeder ist ein Künstler, wie eben Beuys schon früh zu sagen wagte. Und dies wohl heute im Zeitalter des Internets mehr als je zuvor.

Eigenheiten des Internets in Bezug auf die Identität

Gegenüber von klassischen Medien mit einem sozial integrativen Effekt, schreibt Lievrouw dem Internet das Auslösen eines Gefühls der Einzigartigkeit zu. Das Internet bietet auch Minderheiten und deren Sichtweisen Platz und fördert entsprechend Individualität. Dass gerade Künstler bereits früh das Internet für sich entdeckten erstaunt daher nicht. Das Experimentieren mit verschiedenen Identitäten ist in der virtuellen Welt auf Grund der wegfallenden körperlichen Merkmale, der fehlenden Kontrolle durch das soziale Umfeld sowie der gegebenen Anonymität ein Kinderspiel. Ein Spiel in dem verschiedene Rollen eingenommen werden können und so ein eigenes anderes Selbst geformt werden kann. Der eigene Auftritt kann also immer wieder anders aussehen.

Früher war die Zugehörigkeit von Faktoren wie Kirche und sozialer Klasse bestimmt und wirkte sich stark auf die Identitätsentwicklung aus. Heute fehlen diese festen Gruppierungen oft. Virtuelle Netzwerke nehmen deren Platz ein und werden zu einem bedeutsamen Instrument für die Identitätsentwicklung. Egal ob als Einzelkämpfer oder in einer Gruppierung mit Gleichgesinnten, das Internet bietet auch bisher unbekannten Kunstschaffenden die Möglichkeit auf sich aufmerksam zu machen und aus dem Schatten heraus zu treten. Man spricht von einer modernen Identität welche mobiler, multipler und selbstreflexiver und konstruierbar ist.

Unterschiede in der Selbstdarstellung

Die Form der Selbstdarstellung kann in mehrere Richtungen gehen. Einerseits als direkter Einflussfaktor auf das künstlerische Werk andererseits als reine in Szene Setzung des Künstlers an sich in der Öffentlichkeit. Wobei ersteres schon seit Beginn der Moderne zu beobachten ist, tauchte die teilweise extreme Selbstdarstellung der Künstler erst mit dem Internet erwähnenswert auf. Wobei wir uns hier wieder an Beuys und Brock erinnern können: Jeder kann grundsätzlich ein Künstler sein und das World Wide Web bietet hier nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Selbstinszenierung. Gehen wir als Beispiel wieder von den Bildenden Künsten aus und schauen uns die Vielfalt von Portalen, Portfolios und Web-Magazinen an die in den letzten Jahren entstanden sind und vor allem wie sie sich entwickelt haben. Längst haben frühere Minderheiten wie Grafitti-Künstler oder Illustratoren auch ihren Weg auf renommierten Kunst-Webseiten gefunden und Platz genommen. Was jedoch früher wie auch heute noch immer Bestand hat, ist, dass die „Qualität“ der Werke noch immer Hauptgrund für Erfolg respektive Renommee ist.

Wandlung des Künstler-Daseins mit dem Internet

Kaum ein Künstler existiert ohne seine eigene Webseite oder zumindest einem Onlineauftritt auf einem der zahlreichen Branchenportale. Besonders die junge Generation der Kunstschaffenden hat das Internet als vielfältig nutzbares Medium erkannt. Nebst Verkaufsförderung, Steigerung der Bekanntheit und Netzwerk- Möglichkeiten ist die Selbstvermarktung voll im Gange. Die Kunstschaffenden haben verstanden, wenn sie auf dem Kunstmarkt gefragt sein wollen müssen sie ein attraktives Angebot zu bieten haben. Das soll nicht heissen, dass sie ihre Werke dem Markt anpassen, sondern vielmehr, dass sie sich als Künstler zu einer Marke gewandelt haben. Vergleichbar mit einer Einzelfirma, die ein Image aufbaut, sich eine Corporate Identity zulegt und selbstsicher auf den Markt tritt um seine Produkte anzubieten. Künstler scheinen sich in den letzten Jahren zum heutigen Gesamtkunstwerk ICH gewandelt zu haben.

Literaturverzeichnis

Über die Autorin:

Jrene Rolli, 1986, aus Zürich, hat an der Universität Basel und Hochschule Luzern Kulturmanagement studiert. Zurzeit ist sie im Medienbereich als Produktionsassistentin für trimediale (TV/Radio/Online) Formate tätig und hat die administrative Leitung der Abteilung inne. Ihre Spuren im kulturellen Bereich hat sie bisher besonders mit Kommunikation hinterlassen; In Kunstgalerien im In- und Ausland, internationalen Filmfestivals und Musik- und Kulturmagazinen. Stark interessiert am Zusammenspiel von Wirtschaft und Kultur hat sie ihre Masterarbeit zum Thema „Kunst in der Werbung von Banken“ verfasst.

Link: Jrene Rolli (Xing) (nur für angemeldete Mitglieder sichtbar)

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Projekte per Crowdfunding finanzieren: worauf kommt es an?

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Crowdfunding boomt derzeit, nicht nur im Kunst- und Kulturbereich. Fast jede Woche geht eine neue Plattform online und nachdem die Konkurrenz immer größer wird, versuchen deren BetreiberInnen, sich auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren.

Warum dieser Boom? In Projekte zu investieren, als UnterstützerIn etwas zurückzubekommen, das klingt viel besser als Geld zu spenden, obwohl sich rein technisch gesehen für die UnterstützerIn/SpenderIn eigentlich nicht viel geändert hat. Man überweist Geld, was mittlerweile innerhalb kürzester Zeit und dank einiger weniger Mausklicks schnell erledigt ist und bekommt dafür eine Gegenleistung versprochen. Entsteht im Rahmen des Projektes ein digitales Produkt, bekommt man das als Unterstützer meist zur Verfügung gestellt (z.B. Film oder Musik). Gibt es diese digitalen Produkte nicht, sind es eher ideelle Gegenleistungen, die mir in Aussicht gestellt werden.

Mehr als 10.000 erfolgreiche Projekte auf Kickstarter

Crowdfunding ist also sexy. Hinzu kommt, dass über die klassischen Finanzierungswege immer weniger Geld fließt, d.h. Crowdfunding wird immer häufiger als Alternative zum Förderantrag gesehen. Und noch ein Aspekt darf nicht vernachlässigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Weg das eigene Projekt finanziert zu bekommen, ist gar nicht so gering. Die amerikanische Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat erst gestern stolz verkündet, dass mittlerweile 10.000 Projekte über die Plattform finanziert werden konnten. Die Erfolgsrate liegt bei 44%, ein Wert, der bei der klassischen Kulturförderung vermutlich nicht erreicht wird. Dementsprechend stark ist das Interesse, was auch dieser Zahlenvergleich deutlich macht: 1.044 schafften es im ersten Jahr von Kickstarter, das benötigte Geld einzusammeln. Mittlerweile reicht ein Monat dafür, um diese Zahl an Projekten zu finanzieren, heißt es im Beitrag auf dem Kickstarterblog.

Ohne ein großer Prophet sein zu wollen: so großartig das derzeit alles aussieht. Irgendwann demnächst wird das Verhältnis von Angebot und Nachfrage etwas ungünstiger ausfallen und so lohnt es sich schon jetzt zu überlegen, was denn die Erfolgsfaktoren für Crowdfunding-Projekte sind?

Crowdfunding: Es kommt auf die Qualität an

Nicht ganz unwichtig ist vermutlich die Qualität des Vorhabens, wobei der Begriff der Qualität hier mit Vorsicht zu genießen ist. Vielleicht sagen wir besser: gut ist, was gefällt, denn das ist, so denke ich, der entscheidende Grund, wenn Sie oder ich unsere Geldbörse zücken und Geld überweisen. Nachdem das Kunstwerk ja erst entstehen soll, müssen wir denen, die sich und ihr Vorhaben auf einer der Crowdfunding-Plattformen vorstellen, auch vertrauen. Große Dinge anzukündigen ist die eine Geschichte, den daraus resultierenden Erwartungen dann auch zu entsprechen, die andere. Ob wir das jemandem zutrauen, hängt von der Reputation ab. Große Namen haben da eindeutig einen Vorteil, Beispiele wie Eminem, Marillion oder auch die Einstürzenden Neubauten haben das gezeigt.

Bekannte Namen haben in der Regel viele Fans, die sie für solche Zwecke auch mobilisieren können. So etwas wie eine Community existiert also in der Regel bereits, während die Newcomer weder über die Reputation noch über große Fanscharen verfügen. Hier kommt dann meist das Thema Social Media ins Spiel, denn dank Facebook & Co haben heute auch unbekanntere KünstlerInnen eine realistische Chance, wahrgenommen zu werden und bei Crowdfunding-Projekten entsprechend mobilisieren zu können.

Das Pitch-Video als Erfolgsfaktor

Wie schaffe ich es, meine Fans bzw. die BesucherInnen der Crowdfunding-Plattform dazu zu bringen, in mich zu investieren? Eine wichtige Rolle spielt dabei die Frage, wie ich mich und mein Projekt auf der Plattform präsentiere? Nicht nur die ExpertInnen empfehlen, auf ein sogenanntes Pitch-Video zu setzen, auch die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Anna Theil verweist in ihrem Beitrag auf dem Startnextblog „Crowdfunding-Projekte mit Pitch-Videos sind deutlich erfolgreicher“ auf Slava Rubin, Mitbegründerin der amerikanischen Crowdfunding-Plattform IndieGoGo, die herausgefunden hat:

„crowdfunding pitches with video content raise 112% more than pitches without videos.“

Ähnlich sieht es auf Startnext aus. Von den bisher 39 erfolgreich finanzierten Projekten hatten 25 ein Video auf ihrer Präsentationsseite. Bleibt die schwierige Frage, wie so ein Video denn aussehen muss? Meist wird ausführlich auf das Projekt eingegangen und erklärt, warum man das Vorhaben realisieren möchte und wie man dabei vorgeht. Aber das ist nur ein Teil des Erfolgsrezeptes. Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist es, die Leidenschaft, die einen antreibt, rüberzubringen, das „ich will“. Das hat weniger mit der Qualität des Videos als vielmehr mit Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit zu tun. Dementsprechend schwer lässt sich das auch beschreiben. Am besten, Sie schauen sich das folgende Pitch-Video von Klara Harden an (noch so ein Vorteil eines Videos, es lässt sich weiterverbreiten), mit dem sie aktuell ihr Projekt „The Story of a Shipwrecked Rambler“ auf Startnext bewirbt. Mich hat sie damit auf alle Fälle überzeugt:

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Kunst und Kultur in Second Life: war da was?

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Steffen Peschel hat mich auf einen Artikel in der Sächsischen Zeitung aufmerksam gemacht, in dem das traurige Schicksal der Dresden Gallery beschrieben wird, jenem dreidimensionalen und maßstabsgetreuen Nachbau der Galerie Alte Meister, in der die Besucher die virtuellen Abbilder der insgesamt 750 Kunstwerke bewundern können.

Alte Meister im virtuellen Nirgendwo“ ist der Beitrag überschrieben und in der Tat, wer die Dresden Gallery in Second Life aufsucht, muss sich nie anstellen, sondern ist meist alleine. Auch ich war gerade ganz alleine, als ich dort einen Screenshot für diesen Beitrag gemacht habe. Aber wenn ich so an die Vergangenheit zurückdenke, auch an die Zeit, in der Second Life in war, dann muss ich feststellen, dass ich eigentlich (fast) immer alleine war und nur selten andere UserInnen getroffen habe.

Die Gründe, warum die Dresden Gallery und mit ihr viele andere virtuelle Niederlassungen von Kultureinrichtungen ein Flop geworden sind, nennt der Zeitungsartikel. So eine Insel zu bebauen, kostet bzw. kostete ziemlich viel Geld, Martin Morgenstern nennt in seinem Beitrag eine Summe von 51.000 Euro, die nötig war, um das virtuelle Ebenbild zu erschaffen.

Hinzu kommt die Komplexität der Software, mit der sich die UserInnen erst vertraut machen müssen, um sich in Second Life bewegen und mit anderen Avataren interagieren oder einfach nur kommunizieren zu können. Wenn in einer solchen Situation der Mehrwert nicht sehr schnell offenkundig ist, erlahmt das Interesse entsprechend schnell und so war der Hype rund um Second Life relativ rasch wieder vorbei. Während 2009 noch knapp 50 Besucher pro Tag in der virtuellen Dresden Gallery vorbeischauten, sind es nun nur noch 100 bis 200 pro Woche. Das heißt, ein Publikumsmagnet war sie eigentlich noch nie.

Und nun? Frank Tentlers Beitrag klingt schon fast wie ein Nachruf, er spricht von einem „vergessene(n) Traumschloss der Kunst aus Bits & Bytes“. Im Zeitungsartikel klingt es etwas nüchterner. Dort heißt es, man habe die Besonderheiten der Nutzerschaft von Second Life nicht berücksichtigt. Und auf der Facebookseite der Zeitung haben es die UserInnen eh schon immer gewusst, dass das mit Second Life nie funktionieren kann.

Was sind denn die Besonderheiten von Second Life? Ich glaube, Second Life hat gar keine Besonderheiten, mal abgesehen von der Tatsache, dass man etwas Zeit dafür braucht, um sich dort zurecht zu finden. Geht es nicht dort auch um das, was wir eigentlich überall wollen? Kommunizieren, uns austauschen oder im Idealfall etwas miteinander machen? Frank Tentler hat gemeint, ihm sei Second Life zu langweilig. Ich sehe das etwas anders. Nicht Second Life ist langweilig, sondern die, die ihre Insel aufgebaut haben und dafür viel Geld ausgegeben haben. Um diese Inseln mit Leben zu füllen war dann allerdings kein Geld mehr da.

„„Es wurde aber auch deutlich, dass unser Engagement in Second Life nur nachhaltig funktioniert, wenn wir regelmäßig Veranstaltungen anbieten, auch weiterführende Schulprojekte anstoßen können“

zitiert der Artikel den Dresden Gallery Projektleiter Andreas Henning. Dafür sei aber leider kein Personal vorhanden gewesen, so sein Resümee. Dass solche Veranstaltungen durchaus funktionieren, zeigt die lange Verweildauer derer, die sich dann doch noch dorthin verirren. Die 45 bis 130 Minuten lassen sich damit erklären, dass die Dresden Gallery für Schulungen und Weiterbildungsveranstaltungen genutzt wird, schreibt Morgenstern in seinem Zeitungsartikel.

Ansonsten ist man in dieser „postapokalyptischen Nachwelt“ ganz alleine und wandelt, von Barockmusik begleitet, durch leere Flure, heißt es am Ende des Artikels. Muss das so sein? Ich glaube nicht. Ich finde den Nachbau der Galerie so wie Frank Tentler großartig und verstehe nicht, warum man diese Räume nicht mit Leben zu füllen versucht? Natürlich sind auf Second Life keine 750 Mio. UserInnen zu finden wie auf Facebook (ganz hilfreich: Second Life Statistical Charts), aber ein paar sind schon noch geblieben. Wie wäre es denn, wenn man sich um die etwas bemühen würde, schließlich sind gut 50.000 Euro ja eine ganz ordentliche Summe? Warum nicht regelmäßig Veranstaltungen stattfinden lassen, vielleicht ergibt sich auch mehr als ein interessanter Vortrag? Spannend fände ich es z.B. mehr darüber zu erfahren, wie man eigentlich „richtig“ Objekte in einer solchen Galerie hängt. Und am Ende darf ich dann in einem eigens eingerichteten Raum „meine“ eigene Ausstellung aus den 750 Werken zusammenstellen. Virtuell natürlich. ;-)

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„Painting Reality“

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Die Kunstaktion von „IEPE & the anonymous crew“ ist sehenswert, wobei das mit dem Sehen, dem Anschauen gar nicht so einfach ist. Ohne das folgende Video hätten wohl nur wenige die Aktion „Painting Reality“ mitbekommen.

Die Aktion wurde im letzten Jahr am Rosenthaler Platz in Berlin realisiert. Die Akteure schütteten 500 Liter wasserlösliche, umweltfreundliche Farbe auf die Fahrbahn und machten so rund 2.000 Auto- und Radfahrer unfreiwillig zu Künstlern. In diesem Fall spricht man dann wohl von partizipativer Kunst im öffentlichen Raum, die auch über eine Facebookseite beworben wird.

Via Huffington Post

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Ein Report zeigt: so nutzt die Eventbranche soziale Netzwerke

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Für viele Kunst- und Kultureinrichtungen ist die Bewerbung der eigenen Veranstaltungen ein wichtiger Grund, um im Social Web aktiv zu sein bzw. zu werden. Was aber heißt „aktiv werden“? Welche Netzwerke eignen sich am besten, welche Ziele lassen sich überhaupt erreichen und wie aktiv muss man dort sein? Auf diese und weitere Fragen versucht der „Social Media & Events Report 2011“ (kostenlose Bestellmöglichkeit) einzugehen. Die  von der Ticketing-Plattform Amiando veröffentlichte Untersuchung liefert zwar weniger überraschende Ergebnisse als der im letzten Herbst veröffentlichte „Twitter-Report“ (siehe dazu mein Blogpost „Eine Studie untersucht den Einsatz von Twitter rund um Events„), ist aber trotzdem sehr hilfreich, um den Rahmen für die eigenen Aktivitäten abzustecken.

Klar ist, die Eventbranche hat den Wert von Social Media erkannt, für 42% der befragten Personen (von insgesamt knapp 1.000 Teilnehmern an der Befragung) sind die Aktivitäten im Social Web für das eigene Marketing sehr wichtig, 38% gaben an, dass Social Media für sie wichtig sei.  Interessant ist dabei die Tatsache, dass die englisch sprechenden Befragten die Bedeutung höher einschätzen (sehr wichtig: 56%) als die deutsch sprechenden Kollegen (sehr wichtig: 33%).

Keine Überraschung bergen die Antworten auf die Frage, welche Kanäle die Eventbranche nutzt? 84 Prozent nannten hier Facebook an erster Stelle, gefolgt von Twitter (61%), Xing (47%) und YouTube (44%). Auf den weiteren Plätzen LinkedIn und Blogs mit jeweils 35%. Nur 7% der Befragten nannten hier MySpace, ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die beste Zeit dieser Plattform wohl vorbei ist.

Während es mit MySpace eher abwärts geht, geht es mit den Social-Media-Aktivitäten der befragten Personen aufwärts. 82% wollen zukünftig aktiver sein, 17% sind mit dem derzeitigen Level zufrieden und lediglich ein Prozent plant, die zukünftigen Aktivitäten zu reduzieren. Erhöhen oder reduzieren, was bedeutet das genau? Eine Antwort lässt sich aus der nächsten Frage ableiten, in der gefragt wurde, wie viele Inhalte wöchentlich für Social-Media-Plattformen produziert werden?

„Jeweils 11% der Umfrageteilnehmer produzieren ‚bis zu 25‘ und ‚mehr als 25‘ Inhalte für soziale Netzwerke und Blogs“,

heißt es in dem von Lisa Koch, Sandro Spiess und Dennis von Ferenczy verfassten Report. Was soll damit erreicht werden? In erster Linie darum, den Bekanntheitsgrad zu steigern, immerhin 77% der Befragten nannten dieses Ziel. 60% sehen in den sozialen Netzwerken ein neues Informationsmedium und 59% verfolgen mit ihren Aktivitäten das Ziel, neue Kunden zu generieren. Nur 28% nannten als Ziel, die Ticketverkäufe steigern zu wollen.

Dieser Wert mag etwas überraschend sein, fragt man aber danach, ob die angestrebten Ziele denn erreicht wurden, zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Weg mehr Tickets zu verkaufen, wirklich nicht sehr hoch ist. Nur 17% der Befragten gaben an, durch ihre Social-Media-Aktivitäten mehr Tickets verkauft zu haben. Auch sonst zeigt sich: die anvisierten Ziele sind durchaus realistisch. Auf die Frage, welche Ziele realisiert werden konnten, nannten 66% die Steigerung des Bekanntheitsgrads und 45% eine verstärkte Kundenbindung.

Es gibt also jede Menge guter Gründe für Eventveranstalter, im Social Web aktiv zu sein oder zu werden. Und trotzdem halten sich viele eben doch noch zurück. Gefragt nach den Ursachen gaben 54% die fehlende Zeit als Grund an. Genannt wurden außerdem die schlechte Messbarkeit (36%), mangelndes Personal (34%) und fehlendes Know-How (33%).

Es ist zwar nicht so ganz einfach, die eigenen Aktivitäten zu messen, aber ob das der Grund ist, dass 63% der befragten Personen überhaupt keine Monitoring-Tools verwenden, darf bezweifelt werden. Von den 37%, die Monitoring betreiben, nutzen 78% kostenlose Monitoring-Tools, während 12% auf gekaufte Software und 10% auf externe Dienstleister setzen. Hier zeigt sich wohl am ehesten, wie weit die Branche im Umgang mit Social Media ist. Zwar sind die meisten dort bereits aktiv und sehen auch trotz aller Probleme das Potenzial. Aber so richtig angekommen ist das Thema bei ihnen noch nicht, was aber unter Umständen auch damit zu tun hat, dass die kostenpflichtigen Monitoringangebote für die häufig in den Kinderschuhen steckenden Social-Media-Aktivitäten einfach zu teuer sind.

Fazit: die meisten VertreterInnen der Eventbranche setzen auf Facebook, Twitter und Xing und sehen dort auch für die Zukunft die größten Potenziale. Der Markteintritt von Google+ zeigt aber, dass solche Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind. Unter Umständen muss die Eventbranche und mit ihr auch der Kunst- und Kulturbereich in ein paar Jahren mit ganz anderen Playern zu Rande kommen. Bis es so weit ist, werden wohl Facebook, Twitter und Xing weiter die wichtigsten Plattformen bleiben, um im Social Web Sichtbarkeit zu erlangen.