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Die „Berliner Grossstadtgeschichten“ verbinden Open Data und Storytelling

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Daten mit Geschichten zu verknüpfen, das ist die Grundidee der Berliner Grossstadtgeschichten. Präsentiert werden

„Zeugnisse und Geschichten von Berlinerinnen und Berlinern – gemeinsam mit Dokumenten aus Archiven, Bibliotheken und Museen. Verknüpft über ihre Orte, mit Fotografien, Ton- und Videoaufnahmen sowie Textdokumenten, von etwa 1900 bis heute.“

Auf diese Weise entstehen virtuelle Ausstellungen, die an das Berlin des 20. Jahrhunderts erinnern und persönliche Einblicke gewähren. Eine schöne Idee, die zeigt, wie aus öffentlich zugänglichen Daten spannende Projekte entstehen.

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Trailmeme: Zusammenhänge im Web sichtbar machen

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an mein Blogpost Cloud Communication oder virtuelle Schnitzeljagd, in dem ich beschrieben habe, wie wir heute unsere Inhalte auf verschiedene Plattformen verteilen und dabei völlig unterschiedliche Formate verwenden können. Fotos, Videos, Texte und Grafiken, die irgendwo in der „Wolke“ abgelegt sind, beziehen sich aufeinander. Die Frage ist nur: wie erfahren die UserInnen davon? Während die Schnitzeljagd als Spiel ja durchaus ihren Reiz hatte, verzichten wir im beruflichen Kontext lieber auf diese Art von Zeitvertreib. Wie schaffen wir es aber, zwischen verschiedenen Inhalten und Formaten Verbindungen herzustellen?

Die wohl einfachste Möglichkeit ist die Verlinkung. Ich kann etwa Social Bookmarks verwenden und die Beziehungen mit Hilfe von Schlagworten sichtbar machen. Auf diese Weise werden logische Verbindungen sichtbar, aber eine chronologische Abfolge lässt sich so nicht darstellen.

Dank Frank Tentler bin ich auf Trailmeme gestoßen, ein in meinen Augen hochinteressantes Tool. „Trailmeme is a way to tell stories with Web content,“ heißt es da auf der Startseite und das folgende Video zeigt, auf welche Weise sich hier die verschiedensten Inhalte verknüpfen lassen.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von YouTube nachzuladen.
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Ähnlich wie bei den Social Bookmarking-Anbietern speichere ich verschiedene Seiten ab und versehe sie mit zusätzlichen Informationen. Im nächsten Schritt kann ich nun aber mit Hilfe von einfachen Pfeilen zwischen den Seiten Verbindungen herstellen. Rufe ich als UserIn einen dieser „Pfade“ durch das Web auf, gelange ich zu einer Startseite, von der aus ich diesen Pfad dann betrete. Abhängig davon, ob der Erbauer dieses Pfades Abzweigungen eingebaut hat, kann ich verschiedenen Wegen folgen.

Um das gleich in der Praxis zu testen, habe ich die gestern zu Ende gegangene NPO-Blogparade als Aufhänger genommen und aus allen eingegangenen Beiträgen den Pfad „Ueberzeugungsarbeit in Sachen Social Media“ erstellt. Die Seite, auf der Sie landen, sieht dann so aus:

Ich kann diesen Pfad nun abspeichern, ihn weiterempfehlen, einen Kommentar dazu verfassen und natürlich das wichtigste: ich kann diesen Pfad betreten, in dem ich den „Start Walking“ Button anklicke und so zur ersten Station auf diesem Pfad gelange:

Im oberen Teil befindet sich das Navigationsmenü, über das ich entscheiden kann, wie mein Weg verläuft. Sie bekommen über den „Next“-Button in diesem Fall fünf Vorschläge, wie Sie sich weiter bewegen können. Wenn Sie mit dem Mauszeiger über die einzelnen Alternativen fahren, erhalten Sie Kurzinfos, um sich orientieren zu können. Erweist sich eine Wegstrecke als Sackgasse, machen Sie sich entweder mit Hilfe des „Prev“-Buttons wieder auf den Rückweg oder Sie werfen einen Blick auf die Karte, auf der alle Verbindungen abgebildet sind.

Auch hier erfahren Sie über jede der hier verbundenen Websites mehr, wenn Sie mit dem Mauszeiger darüberfahren, ein Doppelklick und Sie landen auf der jeweiligen Seite inkl. des Navigationsmenüs. Ob es sich um Blogbeiträge, Videos, Fotos oder Präsentationen handelt, spielt keine Rolle, alle Seiten und Inhalte lassen sich auf diese Weise beliebig in Verbindung setzen.

Zurück zum Beispiel Blogparade. In diesem Beispiel habe ich mich an die Chronologie der Beiträge gehalten, d.h. die Blogposts wurden in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung verbunden. Es besteht natürlich die Möglichkeit, auch andere Verbindungslinien herzustellen. Hätten wir beispielsweise mehrere Beiträge aus der Sicht der Chefs gehabt, hätte es sich angeboten, zwei voneinander unabhängige „Erzählstränge“ zu bauen.

Apropos Erzählstränge: ich denke, Frank Tentler hat Recht, wenn er schreibt, dass 2011 das Jahr der Geschichtenerzähler werden wird. Trailmeme bietet mir die Möglichkeit, Geschichten im Web zu entwickeln und die UserInnen auf viele verschiedene und hoffentlich spannende Wege zu schicken. Ob Trailmeme sich dabei als brauchbar erweist, wird sich zeigen. Den ersten Test hat es auf alle Fälle bestanden, wobei ich schnell gemerkt habe, dass es gar nicht so sehr die Technik ist, die einen fordert. Die Herausforderung besteht wohl eher darin, die richtigen Geschichten zu entwickeln und die verschiedenen Formate geschickt miteinander zu verbinden. Die NPO-Blogparade war da erst der Anfang.

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Werbemüll auf Xing

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Wenn ich etwas wirklich spannend finde, dann sind es Werbemails, die so beginnen:

„Sehr geehrter Herr Henner-Fehr, ich bin kürzlich auf Ihr Profil gestoßen.“

So geschehen gestern auf Xing. Was denkt man sich da? Jetzt kommt ein maßgeschneidertes Angebot, bei dem man gar nicht Nein sagen kann. Gespannt wartet man also auf den nächsten Satz, der das Geheimnis enthüllt:

„Sie suchen nach neuen Ideen und Möglichkeiten. Wir bieten interessantes Neues.“

Woher wissen die, dass ich nach neuen Ideen und Möglichkeiten suche? In meinem Xing-Profil steht da nichts davon. Und die Behauptung, dass man mir etwas interessantes Neues bieten würde, klingt auch nicht wirklich aufregend. Ich würde sagen: Marketing-Gesülze.

Und dann kommt endlich die Aufklärung: man bietet mir ein „wirklich neues Werbe- und Promotionmedium“ an. Der Link, der darauf folgt, lässt mich schon Böses ahnen und wirklich: auf der Website finden sich Bilder, auf denen Menschen durch eine Straße gehen und auf dem Rücken einen Infoscreen tragen, auf dem Werbung läuft.

Liebe Firma Conmark, der Website entnehme ich, dass „zielgenaue Werbung mit hoher Aufmerksamkeit seit jeher eine der Hauptanforderungen an   Werbetreibende (ist).“ Und mit diesen komischen Kästen glauben Sie nun, einen Weg gefunden zu haben, „Werbung direkt, ohne Umwege  und mit hoher Attraktivität zur Zielgruppe zu bringen“?

Klar, Sie haben ja auch mein Profil gelesen. Meine Zielgruppe läuft auf der Straße herum und glotzt auf Infoscreens. Das nenne ich zielgenau und ohne Streuverlust. Und wenn man mal von der Straße abkommen sollte: diese Dingens sind „stoß- und spritzwasserfest und  auch für härtere Outdooreinsätze geeignet“.

Und um solche Mails zu schreiben, studieren Leute Kulturmanagement. Ich schäme mich!

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Anreize über Förderungen schaffen

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Unser Fördersystem funktioniert seit Jahr und Tag nach dem gleichen Prinzip. Die Kultureinrichtung möchte ein künstlerisches Projekt umsetzen, schreibt, so sie keine Jahresförderung erhält, ein Ansuchen um Förderung und wartet auf die – hoffentlich – positive Antwort.

Anreize, sich um neue Zielgruppen zu bemühen, werden so nicht geschaffen.

Eine dieser neuen Zielgruppen sind Kinder und Jugendliche. Kunst und Kultur stehen wohl bei den meisten von ihnen nicht ganz vorne in der Rangliste der beliebtesten Freizeitaktivitäten. Der Kunstkonsum kostet Geld und ist zweitens mit dem Risiko verbunden, dass einem das Konzert, die Ausstellung, etc. nicht gefällt.

Vorbildlich ist dieses Problem in den Niederlanden gelöst, habe ich gerade in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers gelesen. Darin wird über ein kulturpolitisches Symposium berichtet, das sich mit der Frage beschäftigte, wie die Kunst ihr Publikum besser bzw. länger an sich binden könne?

Antonia Lahmé von der Kulturstiftung des Bundes hat dort einen, wie ich finde, sehr interessanten und guten Vorschlag gemacht:

„An vielversprechenden Ideen mangele es aber nicht. In den Niederlanden etwa bewähre sich das Modell, Schüler mit fünf Gutscheinen auszustatten, die sie pro Schuljahr in Kultureinrichtungen ihrer Wahl einlösen können. Bühnen und Museen werden in der Folge mit einem Geldbetrag pro Nachwuchsbesucher entlohnt. So seien alle Häuser stetig darum bemüht, ein junges Publikum anzusprechen“,

wird sie im Zeitungsartikel zitiert. Könnte man das nicht auch mal bei uns ausprobieren? Oder gibt es solche Versuche bereits?

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Salonpalaver: 600 Mini-Mäzene finanzieren ein Projekt

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Ein Jahr lang palavern. Die Idee zu diesem Projekt stammt von Sabine Gysi. Mittlerweile ist Tania Kummer dazugestoßen. Zu zweit versuchen sie ein Vorhaben zu realisieren, das vor allem wegen seines Finanzierungsmodells meine Aufmerksamkeit erregt hat. Worum geht es?

„Salonpalaver stellt ab Januar 2009 an jeweils einem Dienstagabend pro Monat Spoken-Word-Poeten eine Auftrittsplattform zur Verfügung“,

kann  man auf der Website lesen. Spoken-Word „umfasst alles von HipHop-ähnlichen Performances über Slam Poetry bis zu Schauspielern oder Autoren, die einen Text vortragen“, beschreibt Sabine Gysi diese Kunstform im Weblog, das das Projekt begleiten wird. Bevor die Veranstaltungsreihe starten kann, gilt es allerdings noch ein Problem zu lösen.

Um ein Jahr palavern zu können, braucht man Geld. Zwar stellt die Villa Sträuli ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, aber das reicht natürlich nicht. Statt um öffentliche Fördergelder anzusuchen, haben sich Sabine Gysi und Tania Kummer etwas anderes einfallen lassen: 600 Mäzene sollen das Projekt mit jeweils 50 Schweizer Franken unterstützen. Am 14. August erfolgte er Startschuss, bis Ende Oktober sollen die Unterstützer gefunden sein, um das Vorhaben bis Ende 2009 finanzieren zu können.

Was die Sache besonders interessant macht: Die Mini-Mäzene sollen mit Hilfe von Netzwerken, Blogs, etc. vor allem über das Internet gefunden werden. Aber: ist die Idee überhaupt realistisch und was passiert, wenn die 600 Mäzene nicht gefunden werden? Diese und noch weitere Fragen habe ich Sabine Gysi gestellt, die nicht nur Artikel über Spoken Word und Slam Poetry für das Kulturmagazin »ensuite«schreibt, sondern beim Jazzclub Moods im Schiffbau in Zürich für Kommunikation und Marketing zuständig ist und zusätzlich noch für das Online-Newsnetzwerk Facts 2.0 arbeitet.

Kulturmanagement Blog: Sabine, wie seid Ihr auf die Idee mit den Mini-Mäzenen gekommen und wie wollt Ihr 600 Mini-Mäzene erreichen? Wie motiviert Ihr die Leute, sich am Projekt zu beteiligen?

Sabine Gysi: Die Idee kam mir, als ich mir überlegte, welche öffentlichen Stellen, Organisationen und Firmen ich als Finanzierungspartner angehen würde. Für „Salonpalaver“ sah ich zwei Möglichkeiten: Entweder ein einziger grosser Sponsor, der das ganze erste Jahr abdeckt. Oder aber viele kleinste Beiträge.

Da ich mich in den letzten Jahren für Online-Aktionen wie „1 Million pixel“, „One thousand paintings“ und weitere interessiert hatte, drängte sich mir die Idee der „600 Mini-Mäzene“ auf. Ich erinnerte mich daran, dass die Spoken-Word-Community (vor allem die Slam-Poetry-Szene) Internet-affin ist. Ich fragte einige Leute, die Salonpalaver nahe stehen, was sie von der Idee der Mini-Mäzene hielten. Alle fanden die Idee gut; hatten aber ihre Zweifel wegen der hohen Zahl 600. Vielleicht haben sie Recht. Aber etwas wie die Mini-Mäzene ist zwangsläufig ein Experiment – es kann gelingen oder scheitern.

Wie motivieren wir die Leute? Wir möchten, dass sie sich für einen der folgenden Charakterzüge von Salonpalaver erwärmen: 1) Hier wollen zwei Leute mit Begeisterung für das gesprochene Wort und mit Kulturmanagement-Rüstzeug eine kleine, aber feine Veranstaltungsreihe schaffen. 2) Jeder, der sich auch für das gesprochene Wort begeistert, kann zum Gelingen beitragen – mit einer kleinen Summe, die nicht schmerzt. Plötzlich kann jeder ein Mäzen sein! 3) Das Internet ermöglicht all dies überhaupt. Nur über das Internet ist es möglich, ohne gewaltigen finanziellen Aufwand viele Leute zusammenzubringen, die eine Idee unterstützen. Ja, wir möchten den Mini-Mäzenen das Gefühl geben, dass sie gemeinsam für eine Idee einstehen, einer kleinen Bewegung angehören.

Kulturmanagement Blog: Hundert Mäzene sind bald geschafft, was tut Ihr, um die restlichen 500 auch noch ins Boot zu holen?

Sabine Gysi: Weiterhin beharrlich versuchen, die richtigen Multiplikatoren zu finden. Ich habe den Eindruck, wir bohren nach Öl und sind noch nicht auf die Quelle gestossen. Auf Social Networks und in der Schweizer Blogszene müssten wir noch aktiver werden; die (Offline-)Medien haben wir noch kaum ausgereizt. Allerdings würde Letzteres unsere Idee verwässern, nur über Online-Kanäle an unser Ziel zu kommen.

Es ist uns offensichtlich noch nicht gelungen, einen Hype in Gang zu setzen. Vielleicht sind unsere Inhalte einfach zu wenig aufregend. Oder vielleicht müssten wir ein witziges YouTube-Video in Umlauf bringen – würde das mehr Aufmerksamkeit erzeugen? Das Problem ist allerdings: Aufmerksamkeit ist nicht gleich Geld, wie wir in den letzten Wochen festgestellt haben. Viele Leute, die uns Anerkennung entgegenbringen, können offenbar die 50 Schweizer Franken trotzdem nicht erübrigen.

Kulturmanagement Blog: Spoken Word, Internet, Schweiz, Mäzene: passt das alles überhaupt zusammen oder anders gefragt: ist die Gruppe derer, die Ihr damit ansprecht nicht zu klein?

Sabine Gysi: Spoken Word und Schweiz, da gibt es eine gute Schnittmenge: Spoken Word wird in der Schweiz immer beliebter. Was das Internet anbelangt, muss man schon differenzieren; die Schnittmenge findet sich vor allem da da, wo sich Spoken Word in Poetry Slams äussert. Die Slam-Poetry-Gemeinde der Schweiz ist im Internet sehr aktiv.

Die Mini-Mäzene, das ist die grosse Unbekannte. Mini-Mäzen ist ja nicht gleich Mäzen. Mini-Mäzen könnte jeder werden, der nicht gerade unter der Armutsgrenze lebt. Die Frage ist: Warum tun’s viele nicht? Ich wüsste das wirklich gern. Reut sie das Geld? Gefällt ihnen das Projekt nicht? Sind sich die Leute zu sehr gewohnt, für Kultur nur unmittelbar beim Konsum Geld auszugeben? Oder widerstrebt es ihnen schlicht und einfach, sich die 15 Minuten Zeit zu nehmen, um sich zu informieren?

Kulturmanagement Blog: Warum verzichtet Ihr auf öffentliche Fördergelder? Wäre es nicht einfacher gewesen, zumindest einen Teil auf diese Weise zu finanzieren?

Sabine Gysi: Vielleicht wäre eine Mischform ergiebiger. Aber als ich mir das „Modell Mini-Mäzene“ ausdachte, wurde mir eines Tages klar: Eine Mischform hätte die bestechende Klarheit der Formel 600-Mini-Mäzene à 50 CHF = 1 Jahr Salonpalaver verwässert. Das Modell Mini-Mäzene wäre zu komplex, zu wenig eingängig geworden.

Kulturmanagement Blog: Ihr gehört zu den wenigen, die mit neuen Finanzierungsformen experimentieren. Glaubst Du, dass sich solche Modelle durchsetzen werden und ist es kulturpolitisch überhaupt erstrebenswert? Besteht nicht die Gefahr, dass sich die öffentliche Hand mehr und mehr aus der Finanzierung von Kunst und Kultur zurückzieht?

Sabine Gysi: Unser Ziel ist es, Salonpalaver ab dem zweiten Jahr durch ein herkömmliches Modell, unter anderem also durch die öffentliche Hand, zu finanzieren. Eigeninitiative sollte belohnt werden; die öffentlichen Kulturförderstellen sollten es honorieren, wenn jemand etwas vorerst selbst auf die Beine stellt. Würde sich die öffentliche Hand zurückziehen, weil sie merkt „Ah, da gibt es immer mehr Leute, die ihr Geld so oder so finden“, dann müsste ich am Sinn ihres Auftrags – oder an ihrer Auffassung davon – zweifeln.

Ich glaube nicht, dass sich genau dieses Modell immer mehr durchsetzen wird. Denn: Schon jetzt werden die Leute täglich mit Anfragen aus den verschiedensten Bereichen überhäuft. Kämen da auch noch regelmässig Anfragen dazu, Mini-Mäzen zu werden, wäre sehr schnell der Ignorier-Modus da.

Kulturmanagement Blog: Noch zwei ganz praktische Frage am Ende: wenn ich jetzt 50 Franken einzahle und das Projekt kommt nicht zustande, bekomme ich dann mein Geld zurück? Und komme ich als Mäzen nur dann in Frage, wenn ich in der Schweiz lebe?

Sabine Gysi: Selbstverständlich bekommst Du in diesem Fall Dein Geld zurück. Das Geld auf dem Salonpalaver-Konto wird nicht angerührt, bis wir mindestens 80 oder 90% beisammen haben und mit der Umsetzung beginnen. Sollten wir scheitern, dann setze ich mich einen Tag lang hin und überweise alles zurück an die Mini-Mäzene.

Wir sprechen hauptsächlich Schweizer an, da wir davon ausgehen, dass Mini-Mäzen werden will, wer später auch die Veranstaltungen besuchen wird. Wenn jemand aus Deutschland oder Österreich Mini-Mäzen werden will, umso schöner. Mini-Mäzene aus der ganzen Welt sind natürlich willkommen. Das Internet kennt keine Landesgrenzen.

Kulturmanagement Blog: Vielen Dank für Deine Antworten, Sabine.

Ich bin gespannt, wie es mit Salonpalaver weitergeht. Ich finde es toll, dass sich Sabine und Tania an dieses Finanzierungsmodell „gewagt“ haben, denn es ist, denke ich, schon eine ziemliche Herausforderung, die 600 Mini-Mäzene zu gewinnen.

Sabines Antworten werfen für mich gleich jede Menge neue Fragen auf, z.B. ob es eine Grenze gibt, sich an solchen Projekten zu beteiligen und wo die liegt. Aber das wird dann ein eigener Beitrag.

Wenn Sie Interesse am Projekt haben oder Mini-Mäzen werden wollen – wie gesagt, etwas mehr als 500 fehlen noch – , klicken Sie einfach auf die von Serap Bulut gestaltete Grafik.

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Beispiel „Arena Stage“: Abos mit Hilfe des Internets verkaufen

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Chad M. Bauman ist Kommunikationschef eines amerikanischen Theaters, Arena Stage, und betreibt „nebenbei“ das Blog Arts Marketing. Es lohnt sich, sowohl einen Blick auf sein Blog als auch auf die Website des Theaters zu werfen, denn man kann erkennen, wie sich offline- und online-Welt immer näher kommen. Spätestens in ein paar Jahren wird es uns wohl komisch vorkommen, von einer online- und einer offline Welt zu sprechen.

Vor einiger Zeit hat Bauman auf seinem Blog ein Dokument zur Verfügung gestellt, in dem er eine Kampagne beschreibt, mit der Arena Stage versucht, Abonnenten zu gewinnen. Lesenswert ist der Beitrag „Using PURLs to Drive Subscription Sales at Arena Stage“ (Update: der Beitrag wurde überarbeitet und trägt nun einen neuen Titel) deshalb, weil er dabei ein ganz interessantes Instrument einsetzt, PURLs. Das Kürzel steht für personalized URL, also personalisierte Websites.

Der erste Schritt im Rahmen der Kampagne bestand im Versenden einer Postkarte, die den Gewinn zweier VIP-Tickets versprach. Was musste man dafür tun? Auf der Karte befand sich eine personalisierte URL, die ich besuchen musste, um meine Gewinnchancen zu wahren. Angenommen, ich hätte diese Karte erhalten, dann hätte die URL meiner persönlichen Website gelautet: http://christianhennerfehr.arenarestaged.com

Auf dieser Seite finde ich dann eine Nachricht der Direktorin vor, in der sie mich persönlich anspricht und mich darum bittet, drei Fragen zu beantworten. Auf der Basis meiner Antworten erhalte ich dann , verkürzt gesagt, ein maßgeschneidertes Angebot.

Die Kampagne läuft derzeit noch, daher lässt sich noch nicht viel über Erfolg oder Misserfolg sagen, aber Chad M. Bauman wird sicher nicht nur auf Konferenzen, sondern auch auf seinem Blog darüber berichten.

Spannend ist für mich die Verbindung von Postkarte und Internet und hier besonders die Idee der personalisierten URL. Von vielen webbasierten Angeboten kennen wir das ja schon, beispielsweise hier bei wordpress, wo ich mir sofort meine URL für ein Weblog zusammenbauen kann (http://name.wordpress.com).

Wer wissen möchte, wie diese Kampagne aufgebaut ist, sollte einen Blick in das vierseitige Dokument werfen, denn es beschreibt recht anschaulich die insgesamt zehn Schritte, aus denen die Kampagne besteht.

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Agiles Projektmanagement im Museumsbereich

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Als ich vor einiger Zeit über agiles Projektmanagement geschrieben habe, beklagte ich mich darüber, dass es bis jetzt keine Beispiele aus dem Kunst- und Kulturbereich gibt. Jetzt bin ich fündig geworden und das sogar bei einem Projekt, das ich schon vor mehr als einem Jahr vorgestellt habe. Steve ist ein Forschungsprojekt und beschäftigt sich mit Social Tagging.

„Steve is a collaboration of museum professionals and others who believe that social tagging may provide profound new ways to describe and access museum collections and encourage visitor enagement with museum objects. Our activities include researching social tagging and museum collections; developing open source software tools for tagging collections and managing tags; and engaging in discussion and outreach with members of the museum community who are interested in implementing social tagging for their own collections.“

Auf der Konferenz „Museums and the Web 2008„, die vor wenigen Tagen in Kanada stattfand, wurde auch dieses Projekt präsentiert. Dabei ging es um die Frage, wie sich ein solches Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit vielen Partnern organisieren und managen lässt? Im Abstract, das auf der Konferenzwebsite zur Verfügung steht, beschreiben Michael Jenkins, wie sie mit agilen Methoden das insgesamt zwei Jahre laufende Projekt zu managen versuchen.

Jenkins stellt anfangs fest, dass im Museumsbereich nicht alles planbar ist.

„Managing the unknowns of projects and budgets is a reality for most museum professionals, but delivering results that are on time and meet expectations is often a difficult task.“

Zwar ist Steve ein Forschungsprojekt, bei dem es zu einem Großteil um die Entwicklung von Software geht. Trotzdem ist es in meinen Augen ein wichtiger Schritt, um die Grundidee des agilen Projektmanagements weiter zu verbreiten und auch in anderen Bereichen anzuwenden. Denn ProjektleiterInnen, die mit diesem Ansatz ein Forschungsprojekt erfolgreich umgesetzt haben, werden ihre (positiven) Erfahrungen auch für andere Projekte nutzen.

Den Vorteil beschreibt Michael Jenkins, Autor des Papers so:

„agile methods directly address the roles of the customer in the planning and development process, as well as the probability of changes in assumptions and requirements that will undoubtedly occur in most projects.“

Wer wissen will, wie agiles Projektmanagement in der Praxis aussieht, sollte einen Blick in das Paper werfen. Gut gefällt mir, dass Jenkins am Ende aber auch darauf hinweist, dass diese Methode eine enorme Selbstdisziplin erfordert. Es ist nämlich nicht so, dass agiles Projektmanagement bedeutet, wir müssen nicht mehr planen. Nein, es wird nur anders geplant. Anders in dem Sinn, dass erstens alle Beteiligten permanent in die Prozesse eingebunden sind und zweitens Änderungen immer wieder möglich sind.