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Crowdfunding: mein Projekt ist online, wo bleiben die Unterstützer?

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Wenn die klassischen Finanzierungsinstrumente wegfallen, besteht die Herausforderung darin, neue Geldquellen aufzutun, um die eigenen Vorhaben trotzdem realisieren zu können. Der Kunst- und Kulturbereich muss das gerade schmerzhaft erfahren, denn auf die öffentliche Hand ist immer weniger Verlass. Woher dann das Geld nehmen? Eine Alternative könnte das Crowdfunding sein, bei dem, vereinfacht gesagt, möglichst viele Menschen – die crowd – mit in der Regel kleinen Geldbeträgen für die Finanzierung des Vorhabens sorgen, frei nach dem Motto: die Masse machts.

Dank des Internets und der Entwicklung im Social Web haben sich in der letzten Zeit verschiedene Ansätze etablieren können. Während Kachingle oder Flattr vor allem für die Bezahlung digitaler Güter interessant sind, geht es auf Plattformen wie Kickstarter oder dem deutschen Pendant Startnext um die Finanzierung „richtiger“ Projekte (siehe dazu auch mein Blogpost „Kickstarter oder: Crowdfunding ist gar nicht so einfach„).

Nun ist es relativ leicht, sich mit seinem Vorhaben auf einer solchen Plattform zu registrieren und das Projekt dort zu präsentieren. Wer sich dann erschöpft zurücklehnt und entspannt darauf wartet, dass das Geld zu fließen beginnt, wird meist bitter enttäuscht. Da fließt meist gar nichts, ganz im Gegenteil, man muss schon froh sein, wenn überhaupt jemand das Projekt anklickt und so zumindest einen Ansatz von Interesse zeigt.

Dass es gar nicht so einfach ist, seine Fans, Unterstützer oder wie auch immer man diese Menschen nennen mag, die mit ihrem Geld zum Gelingen des Projektes beitragen sollen, dazu zu bringen, Geld locker zu machen, wissen wir spätestens seit Sellaband, einer Plattform, bei der es für MusikerInnen darum geht, das Geld für die erste CD-Produktion aufzutreiben. „Erst“ 4255 KünstlerInnen ist es seit August 2006 gelungen, die dafür veranschlagte Summe von 50.000 USD einzusammeln.

Was also tun? Norbert Hillinger hat auf seinem Future Film Promotion Blog ein recht schönes Beispiel gefunden, wie man seine Fans motivieren kann, sich finanziell an einem Vorhaben, in diesem Fall einem Film, zu beteiligen. Um den Thriller TILT zu produzieren, haben die Produzenten auf Kickstarter eine Kampagne gestartet, dessen Ziel es war, 15.000 USD von den Fans zu bekommen.

Im Rahmen der Kampagne entstand mit „Brainerd, MN, also know as TILTtheTown“ eine virtuelle Stadt, in die die Unterstützer einziehen konnten.

„Jeder einzelne Spender wurde zusätzlich mit einer fiktionalen Biographie ausgestattet, teilweise stehen die Charaktere untereinander in einer (erfundenen) Beziehung. Via Google Map bzw. Storybook haben Besucher der Stadt jederzeit Einblick in die dort lebenden Personen und ihre Geschichten. Häufig bringen sich die dahinter stehenden Spender auch ins Geschehen mit ein und kommunizierten so auch außerhalb der Webseite über ihre Rolle mit anderen,“

beschreibt Norbert Hillinger die kreative Idee.

Klasse, auf diese Weise gelingt es, die Unterstützer schon frühzeitig mit ins Boot zu holen und gar nicht den Eindruck entstehen zu lassen, es ginge einem nur um das Geld. Mit der Möglichkeit, zu kommunizieren und interagieren entsteht zudem eine Community, die dann dafür sorgt, dass der fertige Film vor dem Start auch entsprechend beworben wird. Das heißt aber auch: so richtig geht die Arbeit eigentlich erst dann los, wenn man mit seinem Projekt online ist. Und auch bei diesem Beispiel zeigt sich, wie wichtig es ist, die verschiedenen Kanäle, hier vor allem Google Maps zu bespielen.

Klar, dass die Macher des Films ihr Ziel, 15.000 USD zu erhalten, erreicht haben.

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Auch so kann ein Jahresprogramm aussehen

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Wenn es darum geht, Werbematerial zu erstellen, wenden die meisten Kultureinrichtungen viel Zeit und Mühe auf. Vor allem das Jahresprogramm wird immer besonders sorgfältig und meist auch aufwendig produziert, dementsprechend beeindruckend sind dann die Ergebnisse. So ein Programm dann auch als PDF auf der Website anzubieten, ist schon fast ein Frevel, denn es fällt einerseits das haptische Vergnügen weg, andererseits wirkt das Zusammenspiel von Text und Bild auf dem Bildschirm ganz anders als auf dem Papier.

Aber muss das, was in der Printvariante funktioniert wirklich eins zu eins auf die Website übertragen werden und gibt es keine Alternativen zum PDF? Das London Symphony Orchestra zeigt, dass es sie gibt und hat ein wunderschön aufgemachtes Programmheft entwickelt, das zudem die multimedialen Potenziale des Internet recht gut ausschöpft.

Amelia Northrup, der ich diese Entdeckung zu verdanken habe, erwähnt in ihrem Beitrag „Focus on the data: LSO’s Digital Season Brochure“ auf dem Technology In The Arts Blog verschiedene Anbieter, mit deren Hilfe es gar nicht so kompliziert ist, solche multimedialen Broschüren zu erstellen. Die des London Symphony Orchestra ist zum Beispiel mit Hilfe der Publishing Plattform Ceros produziert und veröffentlicht worden. Weitere Anbieter, die Northrup in ihrem Beitrag nennt, sind Isuu und Yudu.

Am interessantesten ist in meinen Augen Ceros. Auf der Plattform gibt es viele interessante Beispiele, von denen man lernen kann, etwa von diesem hier (durch Anklicken der Grafik gelangen Sie zu der Broschüre):

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Kundenbindung im Museum: für jedes Publikumssegment ein eigenes Angebot

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Wer viel einkauft und das in vielen verschiedenen Geschäften, der kennt sie, die Kundenkarte. Das Ziel einer solchen Karte muss nicht erklärt werden, nur der Weg, wie man aus einem Kunden einen treuen Kunden macht, sieht von Geschäft zu Geschäft anders aus. Im Kunst- und Kulturbereich gibt es so etwas natürlich auch. Sie können in einem Museum eine Jahreskarte erwerben und so oft Sie wollen, die Ausstellungen besuchen. Sie können ein Theater-, Opern- oder Konzertabo erwerben und haben neben den finanziellen Vorteilen auch noch die Wahl, was Sie sich anschauen bzw. -hören.

Und dann gibt es da noch die „Freunde“ der jeweiligen Kultureinrichtung. Freunde, das sind eigentlich diejenigen, die die jeweilige Einrichtung unterstützen möchten, dafür einen Jahresbeitrag zahlen und dafür bestimmte Vergünstigungen erhalten. Die Angebote gelten in der Regel für alle, nur bei der Jahresgebühr unterscheiden die Kulturbetriebe zwischen Studenten, Senioren, (Ehe)-Partnern und Förderern. Wenn Sie selbst Mitglied in einem solchen Förerverein sind oder sich zu den Freunden einer Kultureinrichtung zählen dürfen, dann werden Sie unter Umständen nicht alle Angebote nutzen. Vielleicht meiden Sie die Ausstellungseröffnung, weil Ihnen dort zu viele Leute sind und Sie keine Chance haben, sich die Ausstellungsobjekte im Ruhe anzuschauen? Andere hingegen gehen nur zu Ausstellungseröffnungen, eben weil dort so viele Menschen sind. Die Bedürfnisse von Freunden, Förderern oder anders gesagt, von denen, die die Kultureinrichtung besuchen, sind also sehr verschieden. Das Angebot ist es aber in der Regel nicht.

Sehr interessant ist daher die Idee des Whitney Museums in New York, in dem zeitgenössische amerikanische Kunst ausgestellt wird. Im Rahmen eines Forschungsprojekts ging man der Frage nach, was den Menschen, die in das Museum kommen, wichtig ist, welche Zusatzangebote sie schätzen und welche nicht. Basierend auf diesen Ergebnissen entwickelte das Museum ein ganz neues Angebot, das sich „Curate your own“ nennt. Während sich bisherige Angebote an Familien bzw. Generationen richten, hat man hier versucht, sich an den Interessen des Publikums zu orientieren.

Statt der Mitgliedschaft als Student, Familie oder „normales“ Mitglied hat das Whitney Museum fünf Pakete geschnürt, die sich Social, Insider, Learning, Family und Philanthropy nennen. Sie alle umfassen ein Basisangebot, das so aussieht:

Wem nun die Atmosphäre rund um das Museum und das Networking wichtig ist, der wird sich für das Social-Paket entscheiden, das folgende Leistungen umfasst:

Im Unterschied dazu ist das Learning-Paket ganz anders zusammengestellt:

2.000 dieser Mitgliedschaften möchte das Museum in den nächsten 12 bis 18 Monaten verkaufen und gleichzeitig ein Viertel der derzeit 8.000 Mitglieder für eines der neuen Angebote begeistern, umreisst Kristen Denner, Director of Membership and Annual Fund, im Interview mit Nina Simon die Ziele des Museums.

Das ausführliche Gespräch zeigt, dass auch im Kunst- und Kulturbereich der Begriff „customization“ an Bedeutung gewinnen wird und die Kulturbetriebe entsprechende Strategien  entwickeln müssen, um für ihr Publikum attraktiv zu bleiben bzw. es für neue Zielgruppen zu werden. Mir gefällt vor allem die Einteilung nach Interessensschwerpunkten. Denner beschreibt recht anschaulich, wie schwer es war, diese Pakete nicht nur mit entsprechenden Angeboten auszustatten, sondern sie überhaupt zu benennen, so dass ich mir als Besucher nicht nur darunter etwas vorstellen kann, sondern mich auch angesprochen fühle.

Deshalb auch das Forschungsprojekt, denn:

„I wanted to test a hypothesis that we should be segmenting our members not by demographics but by interest, in order to foster that emotional connection. And we confirmed that hypothesis.“

Auch hier spielt der Community-Gedanke wieder eine wichtige Rolle. Dass es dabei aber auch Grenzen gibt, darauf deutet Denners Antwort auf die Frage, ob es auch „Wünsche“ gab, die das Museum nicht erfüllen konnte bzw. kann:

„Seeing the installation process was a big one. In some cases, the artist is not comfortable, or there are insurance and liability issues. We really tried to figure this one out and decided we couldn’t reliably offer it as a member benefit.“

Eine wichtige Anmerkung, die zeigt, wie schwierig es ist, hier die Grenzen zu finden. Aber dieser Herausforderung werden sich alle Kulturbetriebe früher oder später stellen müssen, denn als Kulturbetrieb einfach nur da zu sein, wird in Zukunft nicht mehr ausreichen.

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Als Blogger einen Monat im Museum leben

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Wolfgang Gumpelmaier hat mich gestern via Twitter an eine Aktion eines Museums erinnert, die zeigt, welchen Stellenwert Social Media in den USA genießt und was man damit alles machen kann. Das Museum of Science and Industry in Chicago sucht eine BloggerIn, die einen Monat lang rund um die Uhr im Museum lebt und von ihren Erfahrungen berichtet.

Die Idee gefällt mir:

„We’re looking for someone to take on a once-in-a-lifetime assignment: spend a Month at the Museum, to live and breathe science 24/7 for 30 days. From October 20 to November 18, 2010, this person’s mission will be to experience all the fun and education that fits in this historic 14-acre building, living here and reporting your experience to the outside world. There will be plenty of time to explore the Museum and its exhibits after hours, with access to rarely seen nooks and crannies of this 77-year-old institution.“

Als „Belohnung“ winkt nun nicht das Sammeln von Erfahrungen, sondern versprochen werden 10.000 $ und die technische Ausrüstung, um darüber auch bloggermäßig berichten zu können. Im ersten Moment hat mich die Ausschreibung an Big Brother erinnert, nur wird die BloggerIn nicht rund um die Ohr zu beobachten sein und rausgewählt werden kann sie auch nicht. ;-)

Was vordergründig bei uns als nette Idee durchgeht, zeigt uns, dass Social Media für zumindest dieses Museum in den USA einen sehr hohen Stellenwert besitzt. Während wir bei uns die Stunden für die Social Media-Aktivitäten in den Kultureinrichtungen noch mühsam zusammenkratzen müssen, nimmt man hier 10.000 $ in die Hand, um Blogger für eine Aktion zu gewinnen, die Online- und Offline sehr schön verbindet und – ich vermute – für entsprechende Aufmerksamkeit sorgt.

Die Aktion ist in meinen Augen aber auch ein Hinweis darauf, dass die Blogosphäre in den USA wesentlich weiter ist als bei uns. Sie besitzt dort einen Stellenwert, der das Museum dazu bewegt hat, 10.000 $ als Bezahlung für 30 Tage im Museum vorzusehen. Ich gehe mal davon aus, dass das Museum nicht in Geld schwimmt und aus lauter Großzügigkeit diesen Geldbetrag in die Hand nimmt, sondern sich einen entsprechenden Gegenwert davon erwartet.

Wie würde das bei uns aussehen? Ist die Blogosphäre schon so weit entwickelt, dass jemand für 10.000 $ den entsprechenden Gegenwert erhalten würde? Werden die Social Media-Kanäle so ernst genommen, dass so ein Aufwand überhaupt denkbar ist? Ich denke nicht. Ein solche Aktion ist für mich zwar durchaus vorstellbar, aber die Größenordnung wäre eine andere. Wahrscheinlich würde man Praktikanten suchen, ihnen 400 Euro in die Hand drücken und ihnen einreden, dass man in den 30 Tagen sehr viel lernen kann. Das kann man auch sicher, aber das Ziel des Museum of Science and Industry ist ein anderes.

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Die Orchester zieht es in die Kinos

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Für die Metropolitan Opera haben sich die Liveübertragungen von Opernaufführungen in verschiedene Kinosäle als Geschäft erwiesen (siehe dazu mein Blogpost: Oper außerhalb der Oper scheint zu boomen). Mit den Berliner Philharmonikern und dem Philadelphia Orchestra setzen nun zwei Orchester auf das gleiche Geschäftsmodell und gehen mit einigen ihrer Konzerte ins Kino.

Neunzehn Euro kosten die Tickets bei den Berliner Philharmonikern, das ebenfalls angebotene Public Viewing verspricht einen kostenlosen Hörgenuss. Letzteres ist beim Philadelphia Orchestra nicht vorgesehen. Hier werden die Konzerte in nordamerikanische Kinos übertragen, wie es in einem Artikel auf Philly.com heißt.

Außerdem kann man sich die Konzerte via SpectiCast ins eigene Heim holen, ein Angebot, dass die Berliner Philharmoniker mit ihrer Digital Concert Hall schon seit längerer Zeit zur Verfügung stellen. Während man bei den Berliner Philharmonikern recht leicht erfährt, was es kostet, ein Konzert online zu verfolgen, muss man bei SpectiCast entweder eine Telefonnummer anwählen oder sich erst einmal registrieren. Zwar richtet sich, so heißt es auf der Website, das Angebot vor allem an UserInnen in den USA, bei denen man dann wohl davon ausgeht, dass sie zum Telefonhörer greifen. Für alle anderen ist das wahrscheinlich eine Hürde, die viele nicht zu überwinden bereit sein werden. Warum sollte ich mich erst registrieren, um dann erst zu erfahren, ob mir das Angebot überhaupt zusagt?

Aber interessant sind diese Ansätze natürlich allemal, stellen sie doch den Versuch dar, neue Vermarktungsansätze auszutesten und auszuloten, ob sich auf diesem Weg nennenswerte Einnahmen erzielen lassen. Wir dürfen gespannt sein, ob sich die Kinoübertragungen bei Orchestern dieser Qualität lohnen und ob andere Orchester bzw. Kultureinrichtungen diesem Beispiel folgen werden. Die Frage ist nämlich, wie hoch die Reputation sein muss, damit sich das Kinomodell rechnet? Gleiches gilt natürlich für die Online-Übertragungen auf den eigenen PC-Bildschirm.

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Social Media Night

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Viele Fans und Follower zu haben ist eine feine Sache. Wenn sie aber nur Fans und Follower bleiben, hat eine Kultureinrichtung wenig davon, denn schlußendlich geht es darum, aus den virtuellen Kontakte reale werden zu lassen, die mein Konzert besuchen oder meine CD kaufen. Wie schafft man das? Man kann Anreize schaffen, wie das ein Baseball-Team in den USA  gemacht hat:

Kennt jemand ähnliche Beispiele aus dem Kunst- und Kulturbereich?

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Marketing ist keine Einbahnstraße

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© Andreas Reuter; Pixelio

Nicht einfach nur einen Twitteraccount zu eröffnen und eine Seite auf Facebook einzurichten, sondern sich gleichzeitig Gedanken darüber zu machen, wie ich als Kultureinrichtung die diversen Social Media-Kanäle nutzen kann, an diesem Punkt stehen derzeit wohl viele Kultureinrichtungen. Deshalb wird es in meinem Vortrag im Rahmen von stARTmuseum10, einer Veranstaltung, die sich speziell an den Museumsbereich wendet, auch um Ziele und Strategien gehen.

Die meisten Museen – das gilt aber auch für alle anderen Kultureinrichtungen – nutzen das Social Web für Marketingaktivitäten. Ich bin zwar der Ansicht, dass man viel Potenzial verschenkt, wenn man sich darauf beschränkt, aber man soll ja niemanden zu seinem Glück zwingen. ;-)

Marketing, das war früher – böse gesagt – der Versuch, die (potenziellen) Kunden so lange mit Informationen zu bombardieren, bis sie das getan haben, was man von ihnen erwartet hat: kaufen. Diese Einbahnstraßenkommunikation ist im Kunst- und Kulturbereich abgelehnt worden, deshalb hat es das Marketing bis heute so schwer, hier Fuß zu fassen bzw. akzeptiert zu werden. Im Social Web ist alles anders, heißt es, denn hier haben die UserInnen nun auch die Möglichkeit, sich zu Wort zu melden, Fragen zu stellen oder einfach das Gespräch zu suchen (aus diesem Grund müssten Kultureinrichtungen an dieser Form von Marketing eigentlich einen recht großen Gefallen finden). Das heißt, aus dem Monolog kann ein Dialog werden. Ich schreibe bewusst kann, denn die Praxis zeigt, dass die meisten Kultureinrichtungen bei einem Kommunikationsverhalten bleiben, welches wir von früher her kennen. 1.0 eben.

Via Blog, Twitter oder Facebook macht man darauf aufmerksam, dass morgen die Ausstellung eröffnet wird oder das Wochenende die letzte Möglichkeit bietet, die Ausstellung zu besuchen. Es wird auf Führungen hingewiesen, auf einen Artikel in einem Printmedium oder man verlinkt auf ein paar Fotos oder ein Video. Gleichzeitig weiß man aber nicht, ob das überhaupt jemanden interessiert, ob die Leute mit den Angeboten zufrieden sind (immerhin, die Zahl der Follower oder Fans steigt). Um das herauszufinden, beauftragt man entweder einen Marktforscher oder entwickelt selbst einen Fragebogen, mit denen man seine BesucherInnen dann am Ausgang belästigterfreut.

Eigentlich ist das unsinnig, denn wir haben ja im Social Web unseren Rückkanal. Wir können theoretisch unsere Follower, Fans oder wie auch immer wir sie nennen wollen, fragen. Das Problem: wenn mich jemand permanent anagitiert und dann plötzlich eine Frage stellt, werde ich so überrascht sein, dass ich sie vermutlich nicht beantworten werde. Wertschätzung sieht anders aus. Das heißt, ich muss über diese Kanäle, die ich als Kultureinrichtung nutze, ein Vertrauensverhältnis aufbauen und den UserInnen zeigen, dass ich sie ernst nehme und nicht nur einfach meine Tickets verkaufen möchte.

Was aber soll ich sie überhaupt fragen, meine Fans und Follower, wurde ich vor einiger Zeit in einem Workshop gefragt. Ein schönes Beispiel, was man fragen kann und welchen Wert die Antworten haben können, hat uns diese Woche das NRW-Forum gezeigt. Auf Facebook hieß es am Montag:

„Unsere Montagsfrage heute: Was ist für euch in aller Regel die Obergrenze für den Kauf eines Katalogs? a) bis 25 Euro, b) bis 35 Euro, c) bis 45 Euro, d) Ich gebe auch über 45 Euro aus.“

Mer als 30 Kommentare sind zu dieser Frage eingegangen. Für das NRW-Forum (wahrscheinlich für jedes andere Museum auch) ist das eine wertvolle Information, denn mit diesem Wissen lassen sich Kataloge ganz anders planen. Kein Museum hat, so vermute ich, Freude daran, Tonnen unverkaufter Kataloge einlagern zu müssen. Und wenn man diese Frage, so wie das NRW-Forum es macht, entsprechend institutionalisiert (die Montagsfrage!), dann bekommt man regelmäßig wichtige Informationen, die für den zukünftigen Erfolg von entscheidender Bedeutung sein können.

Das heißt, wer sich im Social Web dem Marketing verschreibt, der sollte nicht ausschließlich nach neuen Zielgruppen schielen, sondern diese Kanäle auch dazu verwenden, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Dazu gehört auch, dass man sich, wenn sich die UserInnen die Mühe gemacht haben, die Frage zu beantworten, recht bald für die Unterstützung bedankt.

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Werbung kann so einfach sein, aber…

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Die Bewerbung von Kunst und Kultur ist gar nicht so einfach. TV-Spots oder auch Inserate kosten in der Regel sehr viel Geld, Plakate nimmt kaum noch jemand wahr und im Social Web geht man mit seinen Hinweisen unter, weil mittlerweile fast jede Kultureinrichtung diese Kanäle nutzt.

Das folgende Beispiel zeigt, wie man dank einer kreativen Idee ein Plakat so einsetzen kann, dass es plötzlich wahrgenommen wird. In einer Pariser Metrostation hängt ein Plakat, das die Kunst- und Kulturstadt Wien bewirbt. Auf dem Plakat sind die Wiener PhilharmonikerSymphoniker zu sehen. Wahrgenommen wird das Plakat erst, als sich ein junger Dirigent vor das Plakat stellt und einen Walzer dirigiert.

Der Wiener Tourismusverband zeigt recht schön, wie man mit einer guten Idee Aufmerksamkeit erregen kann. Die Idee, das „Konzert“ aufzunehmen und auf YouTube zu stellen, verbindet die Pariser Metrostation und das Social Web. Wenn jetzt das Video noch im Internet Verbreitung findet, dann erzielt man, so alles gut läuft, mit relativ geringen Aufwand einen großen Marketingerfolg.

Die aktuell 568 Zugriffe auf das Video seit dem 18. Mai sind allerdings noch ausbaufähig. Wer sich die Statistik ansieht (auf YouTube, unterhalb des Videos), erkennt schnell, woran es liegt. Auf das Video ist bis jetzt vor allem über das Blog der Österreich-Werbung zugegriffen worden. Erstaunlich, dass die Zahl der Zugriffe via Facebook noch extrem niedrig ist.

Ansonsten hat bis jetzt nur Hannes Treichl, bei dem ich das Video entdeckt habe, darauf verlinkt, dementsprechend sind es, so die Statistik, vor allem die heimischen UserInnen, die das Video bis jetzt angesehen haben. Ich gehe aber mal davon aus, dass hier vor allem potenzielle BesucherInnen aus dem Ausland auf Wien aufmerksam gemacht werden sollen. Um die zu erreichen, fehlt es an der nötigen Vernetzung im Social Web, damit das Video international die Runde machen kann. Ein schönes Beispiel, das zeigt, dass einerseits eine gute Idee wichtig ist, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gleichzeitig brauche ich aber auch das entsprechende Netzwerk, sonst verpufft die gute Idee wirkungslos.

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Historypin: Geschichte als Crowdsourcing-Projekt

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an die verschiedenen Stufen sozialer Partizipation, die Nina Simon im Rahmen ihrer „Revised Theory of Social Participation“ entwickelt hat. Bei diesem Modell geht es nicht nur darum, dass das Museum bilaterale Beziehungen zu seinen BesucherInnen aufbaut, sondern es schafft, dass diese untereinander agieren und so Netzwerke bilden.

Leichter gesagt als getan, denn wie schafft man es überhaupt, Menschen zum Mitmachen zu bewegen? Die Initiative We Are What We Do, die die Menschen inspirieren will, „mit einfachen, alltäglichen Dingen die Welt zu verbessern“ (s. Wikipedia), zeigt mit Historypin, wie so etwas in der Praxis aussehen kann.

„Historypin is one in a series of projects created as part of ‚We Are What We Do’s‘ campaign to get generations talking more, sharing more and coming together more often. There has been a major trend in different generations spending less time together. Which is a shame. Old people know stuff young people don’t. And young people know stuff old people don’t. While they’re using Historypin, a lot of young people will be asking older people for photos, and a lot of older people will be asking young people when to click and when to double click. Historypin is a global project. It was launched in London in June 2010 and in the next few years there will be Historypin events and projects held all over the world,“

kann man auf der Website nachlesen. Die Idee, Menschen aus verschiedenen Generationen zusammen zu bringen, scheint zu funktionieren. Fast 14.000 Fotos und Geschichten sind auf der Website des Projektes, das von Google unterstützt wird, mittlerweile zu finden. Nicht schlecht für die ersten paar Wochen.

Wie Historypin funktioniert, zeigt das folgende Video:

Spannend ist dabei, dass die Fotos nicht nur zeitlich zugeordnet werden können, sondern sich dank Google Maps auch geografisch lokalisieren lassen. Das bedeutet, die geschichtlichen Ereignisse bleiben nicht an der Oberfläche, sondern können sehr konkret werden. Geschichte einer bestimmten Zeit an einem ganz konkreten Ort.

Durch das Miteinander entsteht hier ein wirklicher Mehrwert, ich finde nicht nur die Fotos hochinteressant, sondern die Kommentare, die zu den einzelnen Fotos abgegeben werden. Auf diese Weise wird Geschichte nicht einfach nur konsumiert, sondern jede/r kann dazu beitragen. Durch die eigene Geschichte in Form von Fotos oder Kommentaren.

Via Museum Media

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Richtlinien für den Social Media-Einsatz

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Wer so alleine vor sich hinbloggt wie ich das zum Beispiel tue, der muss sich für seine Social Media-Aktivitäten keine Richtlinien geben. Ich mache mir natürlich Gedanken darüber, wie ich kommuniziere und wie ich mich online verhalte, aber dafür muss ich keine Dokumente erstellen. Anders sieht das natürlich in einem Unternehmen aus, in dem dann nicht mehr eine einzelne Person nach draußen kommuniziert, sondern einige oder auch alle MitarbeiterInnen.

Manche werden jetzt sagen, dass das gar nicht notwendig sei, weil man das schon so wisse und sich außerdem absprechen könne. Aber letzten Endes ist es schon ein klarer Vorteil, wenn es fixe Regeln gibt, an denen man sich orientieren kann. Solche Regeln zu erarbeiten, ist gar nicht so einfach, schließlich möchte man nicht für jede Eventualität eine Vorgabe machen, aber auf der anderen Seite sollte der Freiraum auch nicht zu groß sein, sonst fehlt einem der Rahmen, in dem man kommuniziert. Und dieses Wissen bedeutet Sicherheit und führt dann hoffentlich dazu, dass ich auch wirklich mit anderen Menschen kommuniziere, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Diese Angst kann nämlich lähmend wirken und dazu führen, dass sämtliche Aktivitäten im Sande verlaufen. Dann passieren zwar keine Fehler, aber bringen tut die Sache halt auch nichts.

Gut, Richtlinien müssen also her und warum bei Null anfangen, wenn sich andere bereits darüber Gedanken gemacht haben und ihre Richtlinien freundlicherweise online zur Verfügung stellen, wie etwa das IT-Unternehmen Cisco.

Hier sind die „Social Media Guidelines“ des amerikanischen Konzerns:

Gut gefällt mir hier, dass die MitarbeiterInnen nicht nur darüber informiert werden, was sie dürfen und nicht dürfen, bzw. wie sie sich verhalten sollen, wenn sie online kommunizieren, sondern dass es einen eigenen F&Q-Bereich gibt, in dem man zum Beispiel erfährt, wie man mit internen Videos umgeht. Und auch, wo man welche Fotos verwenden darf, ist klar geregelt, ohne jetzt aber die MitarbeiterInnen dabei zu sehr einzuschränken. Wenn Sie sich gerade mit diesem Thema beschäftigen, liefern Ihnen diese Richtlinien unter Umständen wertvolle Anregungen.

Was mich in diesem Zusammenhang interessieren würde: glauben Sie, dass solche Richtlinien bei Kulturbetrieben anders aussehen als z.B. bei Cisco ? Wenn ja, wäre ich natürlich auf die Begründung neugierig. ;-)