All Posts Tagged ‘social web

Post

Schadet das Social Web der Kunst?

30 comments

Cornelius Rinne hat im Anschluss an meinen gestrigen Beitrag „Das Ende der Kuratoren?“ in einem Kommentar auch die KünstlerInnen angesprochen, die sich ändern müssen. Fragt sich nur, in welcher Hinsicht?

Die – nennen wir es mal – Demokratisierung durch das Social Web hat dazu geführt, dass viele ExpertInnen ihre Funktion verloren haben, in der sie so eine Art Deutungshoheit besessen haben. Gilt das auch für die KünstlerInnen?

Im Social Web schreiben wir alle, wir können Ausstellungen kuratieren und viele Dinge mehr. Lässt sich das auch auf die künstlerische Tätigkeit übertragen? Noch nie war es so leicht wie heute, sich eine Plattform zu schaffen, auf der man sein künstlerisches Schaffen präsentiert. Aufmerksamkeit ist die Währung, die im Vordergrund steht, nicht unbedingt die Qualität.

Heißt das in Analogie zu JournlistInnen und KuratorInnen, dass wir jetzt eine Phase durchmachen, in der jede/r zur KünstlerIn werden kann und wir erst an den Punkt kommen müssen, wo wir Stopp sagen und dann der Qualität wieder mehr Bedeutung beimessen? Wie auch immer die dann ausehen mag. Was meinen Sie?

Post

Links als Währung im Social Web: und wo finde ich Sie?

2 comments

© knipseline; Pixelio

Gestern Abend hatte ich einen interessanten Chat, bei dem es unter anderem um das Thema Weblogs ging. Mein Gesprächspartner meinte, dass ein Blog nichts für ihn sei, weil er nicht so gerne über sich, sondern lieber über andere schreibe. Dafür würden sich mehr Menschen interessieren, so sein Argument.

Stimmt, wir interessieren uns natürlich für unser Umfeld, für die Menschen, die es um uns herum gibt. Aber für die anderen Menschen sind wir ja „die anderen“ und daher ist es auch wichtig, über uns selbst zu schreiben bzw. zu informieren.

Manchen mag es peinlich sein, über sich selbst zu schreiben, aber letzten Endes ist es die Grundvoraussetzung, dass andere über uns schreiben, nicht nur, aber vor allem im Internet. Warum? Debbie Weil hat das in ihrem Blogbeitrag auf den Punkt gebracht: „If You Can’t Link To It… It Doesn’t Exist„.

Wenn ich über andere schreiben möchte oder mir wünsche, dass andere über mich schreiben, dann benötige ich dafür einen Ansatzpunkt. Es geht um Geschichten, um Informationen, auf die ich zugreifen können muss. Sonst stehe ich, sonst stehen die anderen mit leeren Händen da.

„URLs (links to a specific Web page) are the currency of the blogosphere and they’re what propel the newer phenomenon of social media marketing“,

schreibt Debbie Weil in ihrem Beitrag. Wenn wir uns also wünschen, dass andere über uns schreiben, – und das ist für Kunst- und Kultureinrichtungen ja nicht ganz unwesentlich – dann müssen wir ihnen auch etwas anbieten können, worüber sie schreiben können. Ein Link ist da sehr hilfreich, ohne ihn finde ich Sie nicht.

„Aber ich habe doch eine eigene Website?“ werden Sie vielleicht entgegnen. Natürlich, aber wie erfahre ich davon? Sie sehen schon, es reicht nicht, eine eigene Website zu haben, Sie müssen andere auch darauf aufmerksam machen. Am besten mit einem Link.

Post

„here comes everybody“: Clay Shirky im Video

5 comments

Wer sich für die Möglichkeiten interessiert, die uns all die Social Media Tools bieten, sollte sich dieses Video von Clay Shirky anschauen. Den Vortrag hielt er nach der Veröffentlichung seines Buches „Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations„.

Clay Shirky ist für mich einer der Vorreiter in Sachen Social Web, nicht nur weil er ein sehr kluger Kopf ist, sondern auch wegen seiner Formulierungskünste. Wenn Sie sich das Video anschauen, wissen Sie vermutlich, was ich meine.

Post

Web 2.0: schöne neue Welt?

14 comments

Wenn ich so die zahlreichen Blogs lese, die sich in meinem Blogreader befinden, taucht in Beiträgen immer wieder mal Kritik auf an denen, die noch nicht erkannt haben, dass im Web 2.0 die Zukunft liegt. So nach dem Motto: „warum verstehen die einfach nicht, dass Bloggen gut für sie ist?“

Was hat ein x-beliebiges Unternehmen mit Weblogs zu tun und warum sollte es auf Xing oder Facebook vertreten sein? Kann es dann mehr verkaufen oder bestimmte Abläufe optimieren? Ist das Web 2.0 etwas, wovon alle profitieren können? Beeinflusst es unser Verhalten, unsere Gewohnheiten und Werte?

Ja, denke ich, aber so einfach ist es halt nicht. Nicht jede/r wird mit dem Bloggen und Xingen beginnen, weil ein begeisterter Blogschreiber dazu rät und das ist wahrscheinlich auch gut so. Thomas Vehmeier stellt sich daher nicht ganz unberechtigt die Frage: „Ist die Blogosphäre eine Parallelgesellschaft?

Liest man seinen Beitrag, muss die Antwort eigentlich „ja“ lauten. So konstatiert er beispielsweise,

„dass auf den meisten Blogs immer (die) gleichen Leute lesen und antworten.“

Und oh Wunder: meist sind das Leute, die selbst ein Blog betreiben. Angetrieben werden sie von der Jagd nach Links, einer möglichst guten Position in diversen Rankings und dem Ziel einer umfassenden Vernetzung. Das alles spielt sich aber leider außerhalb der realen Welt ab.

Vehmeier weiter:

„Die Flucht in einen Technologismus kann eine gefährliche Bewegung werden, die die Nöte und die Notwendigkeiten einer realen Welt nicht mehr sieht.“

So weit würde ich nun nicht gehen, denn für mich ist das Social Web keine Flucht, sondern der Versuch, diverse Tools, die mir nützlich sind, in mein tägliches Leben zu integrieren. Nur was für mich nützlich ist, muss es nicht für andere sein. Und wenn mein Gegenüber kein Technologiefreak ist oder den Menschen gerne Geschichten erzählt, dann wird das halt schwierig mit einem Weblog.

Die Frage sei also noch einmal wiederholt: Ändern wir durch das Web 2.0 oder das Internet insgesamt unser Verhalten? Gabi Reinmann, Professorin für Medienpädagogik an der Universität Augsburg, verweist auf ihrem Blog e-Denkarium auf eine ganz interessante Arbeit von Rolf Schulmeister, Professor an der Universität Hamburg. Darin geht dieser der Frage nach, ob die „Net Generation“ wirklich eine andere ist?

Was er dort feststellt, sollte uns zu denken geben, wenn wir das Web 2.0 als die neue Zukunft propagieren. Ich möchte nur einen einzigen Satz aus der lesenswerten Arbeit herausgreifen:

„Die Medien werden ab dann genutzt, wenn sie alltagstauglich sind, sie werden für Ziele genutzt, die man ohnehin anstrebt.“ (S.91)

Das gilt es, sich zu merken, wenn wir andere davon zu überzeugen versuchen, dass es ohne Web 2.0 nicht mehr geht.

Was heißt das für den Kunst- und Kulturbereich, der ja nicht unbedingt technikaffin ist? Wer ein Weblog beginnt, wird sich gedulden müssen, bis seine Zielgruppe in den Dialog einsteigt. Und wenn jemand den Dialog beginnt, dann eher per Email oder Telefon. Ist das schlimm? Ich denke nicht, denn ich suche ja den Dialog, nicht mehr und nicht weniger.

Mag sein, dass das in anderen Bereichen anders ist, – obwohl ich das nicht wirklich glaube, aber ich weiß es halt einfach nicht – aber genau aus diesem Grund hilft es mir nicht wirklich weiter, in den verschiedenen Rankings weit oben zu landen oder besonders viele Kommentare zu erhalten. Oder würden Sie mir eine Mail schicken oder einen Auftrag an mich vergeben, weil ich mit meinem Blog im Technorati-Ranking vier Plätze vor einem anderen Kulturmanagement-Blog liege?

Wahrscheinlich nicht. Interessant wird es doch erst, wenn ich Ihnen etwas anbieten kann, was Sie in Ihrer täglichen Arbeit nutzen können und nutzen wollen. Das hat dann aber Umständen mit dem Web 2.0 gar nichts zu tun. Und erst wenn wir diesen Begriff nicht mehr verwenden müssen, sind wir im „Alltag“ angekommen.

Post

Remixing arts and culture

2 comments

Bis jetzt ist es ja eher so, dass wir auf der einen Seite unser tägliches Leben haben. Manche Dinge funktionieren, manche nicht, wobei uns in der Regel das, was nicht klappt, schneller auffällt als das, was gut läuft. Das Gesundheitssystem ist an seine Grenzen gestoßen, wer unsere Altersversorgung finanziert steht in den Sternen, das Bildungssystem gehört erneuert und ob die Natur unsere Art zu leben aushält, wissen wir auch nicht so genau. Das Problem: wir leben in Strukturen, die zu verändern uns schwer fällt.

Auf der anderen Seite gibt es da das Internet mit seinen sehr raschen Veränderungen. Man kann jetzt darüber streiten, ob die technischen Entwicklungen unser Verhalten verändert haben oder umgekehrt. Im Dunstkreis von Web 2.0 reden wir von Dialog, Word-of-Mouth, Crowdsourcing oder Partizipation. Die Begriffe sind nicht unbedingt neu, aber sie beginnen, selbstverständlicher zu werden und sie tauchen immer häufiger in unserer realen Welt auf. Heißt das dann, dass das, was häufig auch als social web bezeichnet wird, unsere Gesellschaft, unser Leben beeinflusst?

Geht es nach dem Trendforscher Charles Leadbeater, dann lässt sich diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Leadbeater geht aber noch einen Schritt weiter und beschreibt, wie solche Konzepte und Strategien aussehen können. Eines der faszinierendsten Beispiele ist wohl sein Versuch, die Zukunft der Stadt zu skizzieren. „Remixing Cities: Strategy for the City 2.0“ nennt sich sein eBook, in dem er auf wenigen Seiten seine Vision der Stadt der Zukunft beschreibt.

Die Probleme und Herausforderungen der Städte sind uns allen bekannt: wir erwarten qualitativ hochwertige Bildungsangebote, ein funktionierendes Gesundheitswesen oder ein gut ausgebautes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Aber, so Leadbeater:

„City problems are more intractable because the institutions we depend on to provide solutions are less effective. Schools, health, welfare and transport systems were designed for a more stable and predictable era. (…) The institutions become the focus of attention instead of the outcomes citizens want. The debate is about schools and teachers’ contracts, not about learning in families, communities and workplaces; access to hospitals and paying doctors, not promoting public health and well-being.“

Die Menschen beurteilen eine Stadt danach, wie sie sich anfühlt, meint Leadbeater und ist der Ansicht, dass es nicht reicht, die Institutionen zu refomieren.

„Complex public goods—like a clean and safe environment—have to be created from within cities, through collaborative innovation involving many contributors, the public, private and nonprofit sectors, as well as families and citizens.“

„Collaborative innovation“ ist also der entscheidende Faktor. Wie aber entsteht sie?

Leadbeater erklärt sein Konzept anhand des Bildungswesens. In einer Zeit, in der wir vom lebenslangen Lernen sprechen, kann es nicht mehr genügen, wenn wir nur in den dafür vorgesehenen Einrichtungen wie z.B. Schulen lernen. Das Lernen fängt schon vor der Schule an (z.B. in der Familie) und hört auch nicht mit ihr auf. Kinder lernen auch, wenn sie spielen. Leadbeater listet einige Orte auf, an denen man „lernen“ kann, „in workplaces, shops, offices, galleries, libraries and theme parks“.

Lernen findet damit auf dreierlei Weise statt, Leadbeater spricht von „three circles“, die er so beschreibt:

„These circles are like an egg on a plate.

  1. In the yolk are institutions of formal learning: schools and colleges.
  2. In the white are intermediate services to link families to learning.
  3. The plate, on which the egg sits, is the wider learning platform that links the resources for learning, both digital and physical, distributed across a city.“

Und diese drei Bereiche gilt es nun zu verbinden. Meistens werden nur die Schulen refomiert, gelegentlich wird das familiäre Umfeld miteinbezogen, aber die Plattformen vermisst Leadbeater. Auf ihnen sollen die Menschen die Möglichkeit haben, ihre eigenen Lösungen zu entwickeln.

Aber zurück zu den Problemen. Leadbeater stellt fest, dass es zwei Arten von Problemen gibt, mit denen Städte konfrontiert werden. Da gibt es zum einen „clock problems“, die sich lösen lassen, in dem man die Uhr eben wieder repariert. Zum Beispiel, wie können U-Bahnen und Busse aufeinander abgestimmt werden, damit man als Fahrgast nicht immer nur die Rücklichter des gerade abgefahrenen Verkehrsmittels sieht?

Dann gibt es aber auch noch die „cloud problems“, wie Leadbeater sie nennt.

„They are diffuse and escape attempts to pin them down“,

beschreibt er sie. Für uns ist es leichter, wenn wir uns auf die „clock problems“ fokusieren, weil wir dafür die entsprechenden Tools haben. Aber:

„Clouds are tens of thousands of loosely linked water particles. Cloud problems in cities are made up of thousands of individual choices and outlooks. A cloud will change only if the behavior of these constituent particles changes.“

Institutionen zu reformieren sei wie eine kaputte Uhr zu reparieren, ist Leadbeater überzeugt. Hingegen:

„Changing cultures and mindsets is like fighting a cloud. (…) Solutions to cloud problems require new software—cultural an behavioral change that yields intangible benefits of greater trust, respect, tolerance and social capital.“

Was er damit meint, hat Leadbeater auch in einem Interview für Brandeins erklärt. Wer Kreativität fördern möchte, dürfe nicht einfach nur Kultureinrichtungen oder Kulturschaffende subventionieren, sondern müsse breiter investieren, zum Beispiel in billigen Wohnraum.

Und hier bringt Leadbeater das social web ins Spiel:

„We need a new approach that will allow people to participate in creating solutions together that are tailored to their lives.“

Was zeichnet das social web und seine Angebote aus? Trotz großer Unterschiede erkennt Leadbeater Gemeinsamkeiten:

  • „They motivate people to take part (…)
  • Participants get easy-to-use tools to contribute (…)
  • Contributors can connect and collaborate with one another to get things done (…)
  • Solutions are co-created by people working together (…).“

Natürlich beteiligen sich nicht alle daran. Aber das Argument lässt Leadbeater so nicht gelten. Der 1-Prozent-Anteil derer, die sich aktiv einbringen, kann schon eine recht beachtliche Zahl ergeben:

„Imagine a city that could mobilize commitment and contribution on that scale, so 1 percent of families were

co-developers of education for all families.“

Seine Schlussfolgerung lautet daher:

„The more that public services can mobilize at least some of their users as participants—devising, personalising, tailoring, sharing solutions among themselves—the more effective they will be.“

Und deshalb ist er davon überzeugt:

„The open, participative and collaborative approach of the social web will make cloud issues more soluble.“

Was heißt das für den Kunst- und Kulturbereich? Auch dort liegt vieles im Argen, nicht nur, was die finanziellen Mittel angeht, sondern unter anderem auch den Stellenwert. Hilft uns Leadbeaters Ansatz da weiter? Lassen sich die drei Kreise übertragen? Schauen wir uns das doch einmal an.

Da haben wir den innersten Kreis, die Institutionen. Theater, Museen, aber natürlich auch künstlerische Universitäten, Musikschulen, etc.. Leadbeaters Ansatz folgend müssten sie möglichst vielen Menschen offen stehen. Aber wenn man sich die Angebote vieler Einrichtungen anschaut, dann wird man feststellen, dass da schon sehr viel passiert. Aber das reicht natürlich noch nicht, solange das Kunst- und Kulturangebot nicht von allen Bevölkerungsschichten im gleichen Ausmaß genutzt wird. Es gibt genügend Menschen, die noch nie ein Theater oder einen Konzertsaal von innen gesehen haben.

Interessant ist der zweite Kreis, das Feld der Familie, der Freunde, etc.. Inwieweit sind Kunst und Kultur dort verankert? Wo finden Kunst und Kultur eigentlich statt? Nur noch in Burgtheater, Staatsoper und Albertina? Wer geht noch in Bezirksmuseen oder die Kellertheater? Wahrscheinlich einige, aber was ist mit den (literarischen) Salons, die es früher mal gab? Die aus Privatinitiativen heraus entstanden?

Und schließlich der dritte Kreis? Wo wird heute noch über Kunst und Kultur diskutiert? Gibt es überhaupt noch Diskussionen? Ja schon, aber wer diskutiert dort? In der Regel sind es diejenigen, die der institutionellen Ebene zuzurechnen sind. Und die anderen? Interessieren sich die noch dafür? Für die Inhalte, nicht für den Klatsch. Was lesen wir in den Zeitungen?

Ich habe ganz am Anfang dieses Beitrags die Begriffe Dialog, Word-of-Mouth, Crowdsourcing und Partizipation verwendet. Überlegen wir doch einmal, wo wir im Kunst- und Kulturbereich Dialoge führen, Ideen von „Nicht-KünstlerInnen“ aufgreifen oder gar von Partizipation sprechen können?

Es reicht nicht, wenn wir als KulturmanagerInnen möglichst schlanke und effiziente Strukturen in den Kunst- und Kultureinrichtungen schaffen. Leadbeater hat davon gesprochen, dass wir breiter investieren müssen. Damit ist nicht nur der Staat gemeint und es geht nicht nur um Geld.

Leadbeater macht in seinem eBook einige Vorschläge, die auf den ersten Blick völlig absurd und unsinnig erscheinen. Aber vielleicht sind sie deshalb besonders interessant und eröffnen uns Lösungsmöglichkeiten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. So schlägt er unter anderem vor:

  • „When facing a problem ask: what would an eBay or MySpace -style solution to this look like?
  • Stop the core institutions from gobbling up all resources.
  • Build on innovations devised by marginal and maverick users.“

Alleine diese drei Vorschläge sind eine echte Herausforderung. Wahrscheinlich nicht nur für mich, oder?

Post

Wie LeserInnen vom Web2.0 profitieren können

2 comments

Mein Beitrag „Warum Bücher vom Web2.0 profitieren können“ beschäftigte sich mit der Frage, in welcher Form Verlage das Web2.0 nutzen können und welchen Stellenwert Communities für LeserInnen besitzen. Der hängt meist davon ab, welchen Nutzen eine Community ihren UserInnen bieten kann.

Anregungen dazu lassen sich im OCLC (Online Computer Library Center) Report „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“ finden. Darin geht es nicht um die Verlage und mögliche Vertriebsformen, sondern um die Rolle der öffentlichen Bibliotheken. Wie reagieren Bibliotheken darauf, dass das Internet ein nicht wegzudenkender Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden ist? Und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen, dass wir uns immer häufiger auf „social web sites“ aufhalten?

Die Websites der Bibliotheken verlieren an Attraktivität

In der Zusammenfassung des Reports heißt es, dass die Zahl der InternetuserInnen (in Canada, U.K. und den USA), die Websites von Bibliotheken besuchen, in den letzten beiden Jahren von 30 auf 20 Prozent gesunken ist.

Die Fragestellung lautete:

„…what are the services and incentives that online libraries could offer users to entice them to come back or to visit more often or even devote some of their own time to help create a social library site?“

Die im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung ergab wichtige Aufschlüsse, warum „social networks“ besucht werden. Die meistgenannten Gründe waren:

  • „Connect with friends“,
  • „be part of group“,
  • „have fun“,
  • „express myself“.

Vor diesem Hintergrund liefern die VerfasserInnen des Reports eine ganz interessante Beschreibung des Begriffs „social networking“:

„Social networking is doing something more than advancing communications between individuals, driving commerce or speeding connectivity. It is redefining roles, muddying the waters between audience and creator, rules and relationships, trust and security, private and public.“

Ihre Schlussfolgerung daraus:

„And the roles are changing, not just for a few but for everyone, and every service, on the Web.“

Im realen Leben stehen Bibliotheken für Austausch und Dialog

Interessant ist die Tatsache, dass die Bibliotheken im realen Leben als soziale Räume wahrgenommen werden und für Austausch und Dialog stehen. Im virtuellen Raum traut man Bibliotheken diese Rolle aber nicht zu. Obwohl diese zu den Pionieren bei der Nutzung digitaler Dienste gehören, zum Beispiel Datenbanken. Auf dieser Stufe sind sie aber, so das Resumee der AutorInnen, stehengeblieben. Bibliotheken spielen im „social Web“ keine Rolle mehr.

Was aber können Bibliotheken tun, um sich hier wieder ins Spiel zu bringen? Die AutorInnen der Studie hatten folgende Annahme:

„We conceived of a social library as a library of traditional services enhanced by a set of social tools—wikis, blogs, mashups and podcasts. Integrated services, of course, user-friendly for sure and offering superior self-service.“

Aber die ExpertInnen kommen zu dem Ergebnis, dass sie damit falsch liegen.

„The social Web is not being built by augmenting traditional Web sites with new tools. And a social library will not be created by implementing a list of social software features on our current sites. The social Web is being created by opening the doors to the production of the Web, dismantling the current structures and inviting users in to create their content and establish new rules.“

Und diese Erkenntnis ist nicht nur für den Bereich der Bibliotheken wichtig, sondern für uns alle, die wir uns im Internet bewegen. Die AutorInnen des Reports stellen nämlich richtigerweise fest, dass diese Unterscheidung von „normalem“ und „sozialem“ Web bald hinfällig sein wird. In nicht allzuferner Zeit werden „User generated content“ und collaboration tools“ Bestandteil einer jeden Website sein.

Communities laufen Verlagen und Bibliotheken den Rang ab

Was bedeutet das für den Bereich der Bücher? Interessanterweise haben Verlage auf der einen und Bibliotheken auf der anderen Seite noch einen ziemlichen Nachholbedarf in Sachen Internet. Zu füllen scheinen diese Lücke Communities, die den UserInnen die oben beschriebenen Angebote machen. Diese mögen in Europa und den USA durchaus unterschiedlich aussehen und unter völlig anderen Rahmenbedingungen entstehen. Fakt ist aber, dass sie den Verlagen und den Bibliotheken schon weit voraus sind und dass es für beide gar nicht so einfach sein wird, diesen Rückstand aufzuholen.

Noch eine Anmerkung zum Abschluss: Diese Studie habe ich auf Globolibro, einem höchst lesenswerten Bibliotheksblog gefunden. Wer sich mit dem Thema Buch beschäftigt, findet dort viele lesenswerte und anregende Beiträge.