Monthly Archives of: Juni 2012

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Social Media: Das lange Warten auf Interaktion

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© Gerd Altmann ; Pixelio

Vor wenigen Tagen konnte man auf dem Google+ Profil von DRadio Wissen ein äußerst knapp gehaltenes Posting lesen:

„Liebe Google+-Community,
wir sind raus. Und zwar aus Google+. Social Media-Aktivitäten finden aber natürlich trotzdem weiterhin statt. Ihr findet uns auf Facebook und bei Twitter. Grüße und bis bald, die Redaktion.“

Begründet wurde dieser Schritt mit den fehlenden Rückmeldungen der UserInnen, deren Ausbleiben bei den Verantwortlichen des Senders zu der Ansicht führte, die eigenen Inhalte seien nicht relevant genug. Und nun geschah das, was man sich immer gewünscht hatte: es folgte eine Vielzahl von Kommentaren, in denen dieser Schritt bedauert wurde. Jetzt hat der Sender über den Rückzug vom Rückzug informiert und bleibt weiter auf Google+ aktiv.

Ob diese Entscheidung richtig oder falsch ist, kann ich nicht beurteilen, da ich nicht weiß, welche Ziele der Sender mit seinem Profil auf Google+ verfolgt. Gut, Interaktion ist wichtig, aber warum ist sie eigentlich wichtig? In den sozialen Netzwerken sorgt ein hoher Grad an Interaktion in der Regel für entsprechende Sichtbarkeit. Wie das funktioniert, haben Philipp Steuer und Steffen Peschel in ihren Blogbeiträgen erklärt und die entsprechenden Tipps netterweise gleich mitgeliefert. Aber was mir fehlt, ist das Grundverständnis für diese Interaktion.

Interaktion in Form von Kommentaren, Gefällt-mir-Bekundungen oder Retweets sind zwar schön, aber vielleicht sollten wir uns mal in die Rolle derer versetzen, von denen wir die Interaktion erwarten? Als User soll ich also permanent irgendwo meinen Senf dazugeben und wenn mir kein gerader dazu Satz einfällt, klicke ich halt auf den Gefällt-Mir-Button. In meinen Augen ist das ein ziemlich blödes Spiel und wenn bekannterweise 90 Prozent der UserInnen einfach nur die Inhalte konsumieren, dann müssen die (also die Inhalte) deshalb nicht schlecht sein. Andersherum gefragt: warum muss ich denn mit dem Hinweis auf eine Crowdfunding-Sendung interagieren? Und weiter gefragt: was hat der Sender davon, wenn darunter viele vermutlich wenig aussagekräftige Kommentare stehen? Liegt da nicht ein ganz schreckliches Missverständnis vor, wenn ich mich von der Interaktion abhängig mache und bei ausbleibenden Kommentaren die Segel streiche? Am Ende wird von mir als User verlangt, dass ich mit jedem Fahrplan interagiere. Sorry, da läuft was falsch und dazu habe ich keine Lust.

Was DRadio Wissen von der Interaktion hat, kann ich nicht sagen. Mir selbst ist Interaktion wichtig, weil sie für mich in der Regel wertvolles Feedback zu meinen eigenen Ideen, Meinungen und Inhalten bietet. Dieses Blog dient mir sehr oft dazu, mit Hilfe der Beiträge eigene Gedanken zu entwickeln. Interaktion bedeutet dann, dass jemand darauf reagiert und entweder Zustimmung bzw. Kritik äußert oder Fragen stellt. Am Ende steht für beide hoffentlich ein Mehrwert, der sich aber auch für alle anderen ergeben kann, die den Beitrag einfach nur passiv konsumiert haben. Das ist in meinen Augen nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil, ich bin sehr häufig passiver Konsument interessanter Inhalte und profitiere auch davon, wenn ich nicht interagiere.

Natürlich kann ich nicht von meiner Sichtweise auf andere schließen. Wenn auf der Facebookseite der Deutschen Bahn keine Interaktion stattfinden würde, dann würde da etwas gründlich schieflaufen, denn die Seite ist als Serviceangebot für die Kunden gedacht. Wenn ich hingegen in einem Blogpost darauf hinweise, dass die Tagebücher Klaus Manns nun online zur Verfügung stehen, dann erwarte ich ehrlich gesagt keine Interaktion.

Mehrwert ist nicht gleich Interaktion

Annette Schwindt hat vor einigen Tagen ein dazu passendes Blogpost geschrieben. In „Die Sache mit dem Mehrwert“ stellt sie die alles entscheidende Frage: „Warum sollte jemand meiner Präsenz folgen? (…) Wo ist der Mehrwert (für die anderen)?“ Aber selbst wenn ich ihn kenne, der Mehrwert führt nicht automatisch zu Interaktionen. Bei Annette Schwindt ist die Sache klar. Sie schreibt über ein Thema, zu dem ich als User ständig Fragen habe. Also frage ich sie auch. Auf Twitter, auf Facebook oder sonstwo.

Auf dem Blog der Residenz München beispielweise sieht die Sache ganz anders aus. Hier geht es nicht um täglich auftretende Probleme, die dringend gelöst werden müssen, sondern das Blog bietet fundierte, in die Tiefe gehende Fachinformation, die für mich einen Mehrwert bietet, auch wenn ich keinen Kommentar dazu verfasse.

Ich will jetzt gar nicht das Wort Strategie in den Mund nehmen, aber bei DRadio Wissen hätte eigentlich schon die Frage nach dem Mehrwert genügt, um feststellen zu können, dass bei den angebotenen Inhalten die Interaktion nicht das entscheidende Kriterium ist. Viele beklagen sich über den Stress im Umgang mit den vielen Informationen. Sind es nicht wir selbst, die den Stress verursachen, indem wir uns vorab gar nicht überlegen, was wir eigentlich mit unseren Aktivitäten bezwecken und woran wir den Erfolg erkennen? Steffen Peschel schreibt in seinem Beitrag unter Punkt 1 seiner Handlungsempfehlungen: „Wenig Interaktion liegt nicht an den Usern.“ Das ist grundsätzlich richtig. Aber was ist denn, wenn wir gar keine Interaktion wollen? Könnte das nicht auch ein Mehrwert sein? ;-)

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livekritik: eine Plattform bietet Platz für die Besprechung von Kunst- und Kulturveranstaltungen

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Bereits seit fünf Jahren gibt es mit nachtkritik ein Onlineportal, auf dem ausgewählte AutorInnen Theaterinszenierungen besprechen. Nicht nur die Zugriffszahlen beweisen, dass das Interesse daran groß ist, auch die Zahl der Kommentare kann beachtlich sein, etwa in der Diskussion um das Buch „Kulturinfarkt“.

livekritik geht nun einen Schritt weiter, denn, so heißt es in der Presseaussendung, „(d)as neuartige Kommunikationsportal livekritik.de bündelt Besucherrezensionen über kulturelle Veranstaltungen in ganz Deutschland.“ Das heißt, erstens geht es auf livekritik um alle Kunstsparten und zweitens sind es hier die UserInnen, die mit ihren Besprechungen die Plattform mit Leben füllen (sollen).

„Wir wollen mit unserer Seite das Forum dafür schaffen, dass zeitgemäß und wertig über Kultur kommuniziert wird und die Kulturbesucher selbst zu Wort kommen“, formuliert Gründer Rod Schmid seinen eigenen Anspruch und hofft nun auf möglichst viele Rezensionen.

Natürlich gibt es schon heute jede Menge Empfehlungen im Kunst- und Kulturbereich, sie sind halt nur über das ganze Social Web verstreut. Wir verlassen uns mittlerweile sehr häufig auf solche Empfehlungen und insofern ist die Gründung dieser Plattform ein logischer Schritt. Nun gilt es, möglichst schnell Leben in die Plattform zu bekommen, sprich, rasch möglichst viele Rezensionen anbieten zu können. Das gelingt nur, wenn man die UserInnen dazu bringt, über ihre Erlebnisse in Museum, Theater, Oper oder Konzert zu berichten. Klappt das, wird der Wunsch von Rod Schmid wohl in Erfüllung gehen: „livekritik.de soll die erste Adresse für Kulturinteressierte werden, die detailliert, individuell und kostenlos über Kulturveranstaltungen informiert werden möchten.“

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Treffpunkt KulturManagement am 27. Juni: Musikplattformen im Internet

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Früher war ich ein leidenschaftlicher Sammler von Musik. Ob Schallplatte, Tonband, Kassette oder CD, ich nutzte alle Möglichkeiten, um in den Besitz der Musik zu kommen, die mir gefiel. Und wenn mir etwas gefiel, dann begann die Jagd danach, denn früher gab es kein Internet, wo man jeden Titel dieser Welt über die Eingabemaske der Suchmaschinen in Sekundenschnelle finden kann. Damals musste man, wenn man sich die LP nicht leisten konnte, darauf warten, dass ein Song im Radio gespielt wurde. Ich weiß noch, wie ärgerlich es war, wenn die ModeratorInnen das Lied nicht ausspielten, sondern hineinquatschten. Thomas Gottschalk fürchtete ich in dieser Hinsicht am meisten, kein Song war vor ihm sicher. ;-)

Heute habe ich nur noch ein paar Schallplatten und ein Pinterest Board mit Musikvideos, die mir gefallen. Ansonsten setze ich auf Musikplattformen wie 8Tracks, Mixcloud oder Jamendo. Ich muss Musik nicht mehr besitzen, denn sie ist jederzeit verfügbar. Aber welche Musikplattformen gibt es eigentlich und was zeichnet sie jeweils aus? Um diese Frage geht es beim nächsten Treffpunkt KulturManagement, der am 27. Juni von 9:00 bis 10:00 stattfindet, wie immer natürlich online.

Das Impulsreferat hält Martin Lücke, Professor für Musikmanagement an der Macromedia Fachhochschule in München. Zusammen mit seinen Studierenden wird er aus einem Seminar heraus verschiedene Plattformen präsentieren, deren Vor- und Nachteile vorstellen und der Frage nachgehen, welche Vor- und Nachteile die KünstlerInnen von dieser neuen Vielfalt im Netz eigentlich haben? Das heißt, es geht um Themen wie Urheberrecht und Bezahlung, aber natürlich auch um das Thema Distribution, eröffnen doch solche Plattformen ganz neue Chancen für den Vertrieb.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 27. Mai, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort registrieren.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 27.06.2012 von 09:00 bis 10:00
Thema: Musikplattformen: die Vielfalt des Musikvertriebs
Gast: Prof. Martin Lücke und sein Studententeam

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Return on Investment: Lässt sich damit der Erfolg Ihrer Social Media Aktivitäten bewerten?

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Wenn ich heute Kultureinrichtungen frage, ob sie im Social Web zu finden sind, bekomme ich immer häufiger ein selbstbewusstes „ja klar“ zu hören. Und es stimmt, die Zahl derer, die auf Facebook, Twitter und all den anderen Kanälen vertreten sind, steigt von Monat zu Monat. Ich denke, die Verantwortlichen spüren, dass sie am Thema Social Media nicht vorbeikommen.

Aber wie sollen sie damit umgehen? Von allen Seiten hören sie zwar, wie wichtig die Kommunikation im Social Web ist, aber auf die Frage, was das denn nun wirklich bringt, bekommen sie meist ausweichende Antworten und den Hinweis, dass sich das nicht so einfach sagen lässt. Für jemanden, der mit einem ständig knapper werdenden Budget arbeiten muss, ist das keine befriedigende Antwort und so wird Social Media eher geduldet als aktiv betrieben.

Es gilt, die Führungsebene in den Kulturbetrieben davon zu überzeugen, dass Social Media für deren Zukunft von strategischer Bedeutung ist. „Solange wir nicht die Politik und die Leitungsebenen der Institutionen und Organisationen überzeugen, können wir nichts erreichen,“ schreibt Christoph Deeg und Christian Holst konstatiert eine „erstaunliche Diskrepanz (.) zwischen der Begeisterung und dem Ideenreichtum, mit der Einzelne sich den Social Media Aktivitäten einer Einrichtung widmen und der praktisch nicht vorhandenen ‚Management attention‘ für dieses Thema“.

Der Return on Investment hilft, die Social Media Aktivitäten zu quantifizieren

Aus diesem Grund ist es auch eines der wichtigsten Ziele der stARTconference, das Thema Social Media fester in den Führungsetagen der Kulturbetriebe zu verankern. Wie aber soll das funktionieren, wenn wir uns bei der Frage, was Social Media denn nun konkret bringe, meist bedeckt halten und uns mit Händen und Füßen dagegen wehren, vom Return on Investment zu sprechen? Glaubt man Nichole Kelly, dann lassen sich Chefs nur dann überzeugen, wenn sie wissen, zu welchen Ergebnissen ihre Investitionen führen. In ihrem Blogpost „5 Reasons You Should Measure Social Media Return on Investment“ hält sie fest: „it’s important to be able to show quantifiable results from your efforts.“

Und weil es diese quantifizierbaren Resultate meist nicht gibt, räumen nur die wenigsten Chefs dem Thema Social Media die höchste Priorität ein, so Kelly weiter. Warum aber wehren wir uns gegen messbare Ergebnisse, warum wehren wir uns gegen den Return on Investment (ROI) bzw. was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wikipedia beschreibt ihn als „ein Modell zur Messung der Rendite einer unternehmerischen Tätigkeit, gemessen am Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital.“

Für Dag Holmboe dient der ROI  dazu, die Effizienz eines Investments mit Hilfe der folgenden Formel darzustellen:

„ROI = (return – investment) / investment %.“

Diese Formel lässt sich, so Holmboe in seinem Blogpost „A Simple Way to Calculate Social Media Return on Investment“ leicht auf Social Media übertragen. Wir investieren Geld in unsere Social Media Aktivitäten und sehen am Ende, ob uns die Social Media Kampagne finanziell etwas gebracht hat. Spätestens hier beginnen die Schwierigkeiten, denn nicht nur Holmboe fragt sich: „The social media investment is clearly defined, but how do you define the social media return and how do you attach a dollar value to the return?“

Die Herausforderung besteht darin, die richtigen Kriterien zu finden

Wie kann der „return“ aussehen? So lassen sich etwa durch eine Social Media Kampagne die Verkaufszahlen steigern oder ich erfahre mehr über meine Kunden. Die Herausforderung besteht nun darin, die Ergebnisse meiner Aktivitäten quantifizierbar zu machen, d.h. ich muss eindeutige Kriterien finden, um der Investition auch einen Ertrag gegenüberstellen zu können. Geht es um Ticketverkäufe, gilt es herauszufinden, wer auf Grund meiner Social Media Aktivitäten ein Ticket erworben hat. Möchte ich mehr über meine Kunden erfahren, muss ich mir vorab überlegen, was ich von ihnen wissen will.

Bleiben wir bei den Ticketverkäufen. Ich stecke Geld in Social Media und verkaufe auf diese Weise eine bestimmte Anzahl von Tickets. Feststellen lässt sich das zum Beispiel, indem ich den UserInnen auf Facebook, Twitter oder meinem Blog einen speziellen Code gebe oder sie eine spezielle Landingpage ansteuern lasse. Am Ende sehe ich, welche Investitionen nötig waren, um eine bestimmte Anzahl Tickets zu verkaufen. Jetzt kommt der entscheidende Punkt: auf diese Weise kann ich die Kosten pro verkauftem Ticket (via Social Media) errechnen. Das hilft mir aber nur dann weiter, wenn ich weiß, welche Kosten entstehen, wenn ich Tickets über andere Kanäle verkaufe. Also etwa: was kostet ein Inserat, wie viele Tickets lassen sich so verkaufen und welche Kosten fallen pro verkauftem Ticket an?

Nur der Vergleich macht mich sicher

Sie sehen, der ROI bringt mir nur was, wenn ich in anderen Bereichen meine Hausaufgaben gemacht habe. Wer nach dem ROI von Social Media fragt, möchte wissen, ob ihm die Aktivitäten im Social Web mehr bringen als etwa eine Plakataktion? Das heißt, es geht um Effektivität. Ob nun die Social Media Aktivitäten oder die Plakatkampagne am effektivsten sind, hängt von der Effizienz der beiden Maßnahmen ab. In dem Fall muss ich herausfinden, wo der ROI der höhere ist: bei der Plakatkampagne oder meinen Social Media Aktivitäten? Kenne ich beide, lässt sich das leicht bewerten und ich kann auf dieser Grundlage weitere strategische Entscheidungen treffen, indem ich entweder nur auf Plakate oder Social Media setze. Oder ich entscheide mich für eine Mischung beider Maßnahmen.

Sie sehen, wenn Sie einfach nur nach dem ROI von Social Media fragen, bringt Ihnen das relativ wenig. Sie erfahren zwar die Kosten pro verkauftem Ticket, aber Ihnen fehlt der Vergleich und damit die Chance zu erfahren, ob Social Media Ihnen etwas nützt oder nicht.

Die Herausforderung besteht darin, den ROI berechnen zu können und das geht nur, wenn es Kriterien gibt, auf deren Grundlage sich der „return“ quantifizieren lässt. Wer einfach nur drauf los twittert oder bloggt und sich lediglich über viele Follower oder Kommentare freut, wird nie erfahren, ob ihm das finanziell was bringt und ist damit vom Thema ROI weit entfernt.

Das Beispiel Ticketverkäufe ist vermutlich noch die leichtere Übung. Nehmen wir mal an, Sie wollen mehr über Ihre Kunden bzw. potenzielle Kunden erfahren. Auch hier müssen Sie nicht nur entsprechende Kriterien finden, sondern die darauf basierenden Zahlen vergleichbar machen. Die Information, dass bestimmte Informationen über 100 UserInnen die Summe X kosten, bringt Ihnen nur dann etwas, wenn Sie Kosten und Ertrag mit einer anderen Herangehensweise vergleichen können. Fehlt Ihnen dieser Vergleich, wissen Sie nicht, ob Social Media sich dafür besser eignet als andere Ansätze. Und genau diese Information braucht aber, wer über zukünftige Budgets entscheidet.

Es lohnt sich also, zu Beginn der Social Media Aktivitäten klar die Ziele zu benennen und sich anzuschauen, ob sie sich auch auf andere Weise erreichen lassen und wenn ja, welche Kosten dabei anfallen. Ansonsten ist die Frage nach dem ROI eigentlich sinnlos.

Ich habe das Thema hier sehr schematisch dargestellt, denn meist geht es ja nicht um die Frage entweder oder, sondern um die richtige Kombination verschiedener Ansätze. Das entbindet mich aber nicht von der Pflicht, die jeweiligen Ziele, die dafür notwendigen Kriterien und die damit verbundenen Kosten zu kennen.

Titelfoto: „Calculator“ von Bc. Jan Kaláb (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

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Gamification im Kulturmarketing: spielerisch das richtige Aboangebot entdecken

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© Alexandra H. ; Pixelio

Wer sich für ein Konzertabo interessiert und herausfinden möchte, welches Angebot das richtige ist, hat es nicht immer leicht. Klar gibt es da neben dem klassischen Abo mittlerweile auch Alternativen. Ob Wahl-, Vokalmusik- oder Mozartabo, das Angebot ist gar nicht mehr so leicht zu überblicken und so ist es eine echte Herausforderung, das für einen passende Abonnement zu entdecken.

Viele Orchester informieren auf ihrer Website über die verschiedenen Varianten, ob das aber nun das für mich passende Angebot ist, weiß ich meist erst, wenn ich im Konzertsaal sitze. Ich habe mir mal probehalber einige Aboangebote angeschaut und dabei festgestellt, dass ich mich nur sehr selten angesprochen gefühlt habe, was wohl auch damit zu tun hat, dass ich unter Umständen gar nicht weiß, welches Angebot das für mich beste ist.

Einige Orchester haben dieses Problem sehr schön gelöst, indem sie auf Gamification setzen, worunter man die Verwendung „spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremdem Kontext“ versteht, wie man auf Wikipedia nachlesen kann. Sonja Ostendorf-Rupp hat mich auf diesen Ansatz aufmerksam gemacht, denn sie selbst hat zum Beispiel für das Cincinnati Symphony Orchestra eine Art Quiz entwickelt, an dessen Ende mir auf der Basis meiner Antworten das passende Abonnement vorgeschlagen wird.

Auch die Hamburger Philharmoniker versuchen, mir mit Hilfe mehrerer Fragen die Entscheidung für das richtige Abo leichter zu machen. Auf sehr witzige Art versuchen sie herauszufinden, welcher Abotyp ich bin. Vielleicht werden Sie jetzt sagen: ich möchte nur die Fakten wissen, alles andere interessiert mich nicht. Fakt ist aber, dass uns spielerische Zugänge zu einem Thema Inhalte nicht nur leichter erschließen, sondern wir durch spielerische Elemente auch motivierter an eine Sache herangehen.

Dieser spielerische Zugang ist, denke ich, nicht nur interessant, wenn es um die Auswahl des richtigen Konzertabos geht. Auch im Bereich Kunstvermittlung werden wir wohl zukünftig des öfteren von Gamification-Ansätzen hören.

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Veranstaltungshinweis: Workshop Crowdfunding

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© Claudia Hautumm; Pixelio

Wer sich schon mal mit dem Thema EU-Förderungen beschäftigt hat, weiß, dass „EU-Projekte“ nicht mal schnell nebenbei konzipiert und realisiert werden können. Da ist einerseits eine Projektdauer von mehreren Jahren und andererseits ein Antragsprozedere, das auch rund 12 Monate dauern kann, bis es dann wirklich losgeht. Losgehen kann es aber nur dann, wenn die meist notwendige Kofinanzierung sichergestellt werden konnte. Im Rahmen des EU-Förderprogramms Kultur beträgt sie 50%, die andere Hälfte muss also aus anderen Quellen kommen.

Als ich vor einiger Zeit vom österreichischen Cultural Contact Point gefragt wurde, ob ich einen Workshop zum Thema Crowdfunding halten könne, war ich erst einmal überrascht. Crowdfunding und EU-Förderungen, passt das zusammen? Im ersten Moment dachte ich nein, aber mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter. Klar ist, bei einem Budget von z.B. 400.000 Euro die Hälfte der Summe über Crowdfunding aufzustellen, ist eine Illusion. Darüber brauchen wir nicht reden. Aber für Teile des Projekts, vor allem für Events sehe ich durchaus Möglichkeiten, auf Crowdfunding zu setzen, hier ist die lange Projektdauer ein Vorteil. Wie aber die Rahmenbedingungen dafür aussehen müssen und welche Aktivitäten eines mehrjährigen EU-Projekts dafür überhaupt in Frage kommen, darüber möchte ich im Workshop Crowdfunding diskutieren, der am 14. Juni von 10 bis 14 Uhr im Rahmen der vom CCP Austria organisierten EU-Projektwerkstatt 2012 in Wien stattfinden wird.

Um hierauf eine Antwort zu finden, gilt es aber erst einmal zu klären, was Crowdfunding eigentlich ist und wie es funktioniert? Da zu Beginn des Workshops auch die beiden EU-Förderprogramme „Kultur“ und „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ vorgestellt werden, haben wir beste Voraussetzungen um abzuklären, ob bei EU-Projekten Crowdfunding überhaupt möglich ist und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Wenn Sie aktuell planen, ein EU-Projekt einzureichen, können wir gleich schauen, ob das auch in Ihrem Fall funktionieren kann und wenn ja, wie?

Wenn Sie dabei sein möchten, dann sollten Sie sich möglichst schnell anmelden. Die Teilnahme ist kostenlos, alle Informationen und den Link zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

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Warum ich Facebookgruppen mag

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Ich gestehe, auf meinem persönlichen Profil verwende ich die neue Chronik, die nun gar nicht mehr so neu ist, noch immer nicht. Ich verweigere mich damit nicht neuen Entwicklungen, zumal ich das im Fall von Facebook gar nicht verhindern kann, sondern ich finde, dass die alte „Wall“ einfach übersichtlicher ist und nachdem es mir auf Facebook vor allem um den Austausch, um Diskussionen geht, werde ich mein Profil erst dann umstellen, wenn es nicht mehr anders geht.

Nachdem die Facebookseiten mittlerweile umgestellt wurden, habe ich nun auch den direkten Vergleich und behaupte, dass neu und alt ihre Vor- und Nachteile haben. Klar ist, auf den neuen Seiten findet sehr viel weniger Interaktion statt, was vermutlich auch damit zu tun hat, dass die Postings der Fans nicht mehr gleichberechtigt neben denen des Seitenbetreibers stehen, sondern nach rechts in einen separaten Kasten gewandert sind.

Ein Entrüstungssturm kann zwar immer noch entstehen, aber das passiert nicht mehr so leicht, denn im ersten Moment sieht man als UserIn erst einmal nur einige angeteaserte Postings der Fans. Ich als Seitenbetreiber bin da sehr viel präsenter, wie obiger Ausschnitt zeigt.

Ein weiterer vermeintlicher Vorteil: SeitenbetreiberInnen können ihre Seite besser kontrollieren und sie können wunderbar Storytellingkonzepte umsetzen, wie es etwa die Seite von Spotify zeigt. Sie finden dort rund 1000 Jahre Musikgeschichte und eben nicht nur ständige Hinweise, wie toll der Musikstreamingdienst ist. Wer böse ist, würde sagen, die Facebookseite geht mehr in Richtung Plakatwand, was nicht unbedingt dem Grundverständnis eines sozialen Netzwerks entspricht. Ähnlich sieht das Debra Askanase in ihrem Beitrag „Returning to Facebook Groups„, in dem sie schreibt: „Pages are designed to be a one-way relationship.“

Hinzu kommt, so Askanase, dass die Fans immer seltener mitbekommen, wenn auf einer Seite etwas gepostet wird, ein Trend, der sich durch Zahlen untermauern lässt.

Community-Building funktioniert am besten in den Facebookgruppen

Sehr viel mehr hält sie von den Gruppen, denn „(g)roups (…) are designed to facilitate online community-building“, konstatiert die Autorin. Der Vorteil: in ihnen können nur Individuen kommunizieren und keine Unternehmen. Letztere sind also dazu gezwungen, die Marke in den Hintergrund zu stellen und den MitarbeiterInnen den Vortritt zu lassen. Sie sind es, die kommunizieren und dafür sorgen, dass sich eine Community bilden kann (und nebenbei zu BotschafterInnen des Unternehmens werden), denn Askanase schreibt völlig richtig: „Aren’t organizations about connecting people to an issue? The connector between the people and the organization is the community.“

Ein schönes Beispiel ist für mich die als Gruppe angelegte Online Bühne des Maxim Gorki Theaters. Die Verantwortlichen haben das Kunststück geschafft, eine Community um die Online-Aufführung der Effi Briest herum entstehen zu lassen, ohne dabei auf viele Kommentare und aktive Teilnahme zu setzen. Gelungen ist ihnen das, weil sie ein zeitlich begrenztes Event kreiert haben und es ein Erlebnis war, dabei sein zu dürfen.

Ob Theater, Opernhaus oder Museum, alle diese Kunst- und Kultureinrichtungen machen sich im Vorfeld Gedanken über ihr Programm und legen Themenschwerpunkte fest. Gerade die eignen sich hervorragend als Themen für einzelne Gruppen. So hätte zum Beispiel Gustav Klimt dieses Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert, was viele Museen zum Anlass genommen haben, eine Ausstellung über ihn zu konzipieren. Kein Museum hat die Chance genutzt und eine Gruppe eingerichtet, in der die vielen Fans von Gustav Klimt sich austauschen können.

Eine solche Gruppe hätte auch den Vorteil, dass ihre Mitglieder informiert werden, wenn neue Postings online gehen, d.h. die Sichtbarkeit ist wesentlich größer als bei einer Facebookseite. Aber das ist nur ein Mitnahmeeffekt, denn letzten Endes entscheidet der gegenseitige Austausch darüber, ob eine Gruppe erfolgreich ist oder nicht. Ich bin mittlerweile in vielen Gruppen und schätze den Austausch in ihnen. Ob es dabei um Social Media, Crowdfunding oder Transmedia Storytelling geht, ich finde dort jede Menge ExpertInnen, von deren Wissen ich tagtäglich profitieren darf. Und das ist auch der Grund, warum ich tagtäglich auf Facebook bin und diese Plattform trotz ihrer Unzulänglichkeiten immer noch mag.

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Kunst und Kultur im Social Web: es fehlt an Vernetzung und Kooperation

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Cooperation„; By Ernst Vikne (CC-Lizenz)

Unter der Überschrift „Kennen Sie die twitternden deutschen Blogger/innen?“ beklagt Steffen Peschel in seinem aktuellen Blogpost die fehlende Vernetzung in der Blogosphäre. Das Resultat seien, so Peschel, fehlende Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Festmachen lässt sich das unter anderem auf Rivva.de, einer Website, die das Social Web nach häufig empfohlenen Artikeln durchsucht und diese dann auflistet. Das wohl wichtigste Kriterium ist die Zahl der Links, womit wir beim Thema wären. Meist finden sich dort Zeitungsartikel, Blogposts sind dort kaum zu finden. Wer sich im Bereich Kultur umsieht, findet dort aktuell erstaunliche Artikel aufgelistet. Da geht es um Salafisten, reduzierte iTunes-Karten oder um Car Poolers, eine Portrait-Fotoserie mexikanischer Arbeiter, die immerhin auf einem Blog zu finden ist.

Nun kann man einwenden, dass das die Themen sind, die die Menschen interessieren und auf die via Twitter, Facebook oder Blog verlinkt und Bezug genommen wird. Aber stimmt diese Annahme wirklich oder liegt es eher daran, dass es z.B. der Kunst- und Kulturbereich einfach an der Vernetzung fehlen lässt? Welche Themen interessieren ist schwer zu beurteilen, aber der Vernetzungsgrad im Kunst- und Kulturbereich ist sehr gering. Und das deshalb, weil die meisten lieber alleine vor sich hinwurschteln als knappe Ressourcen zu bündeln.

Wie lässt sich die Vernetzung fördern? Jörn Brunotte und Michael Müller von Culture to Go haben auf der MAI-Tagung und dem letzten Berliner stARTtogether ein thematisches Gemeinschaftsblog für Museen vorgeschlagen. Eine Idee, die immer mal wieder auftaucht, aber bis jetzt im Kunst- und Kulturbereich noch nie erfolgreich umgesetzt werden konnte. Eigentlich wäre die Zeit reif für einen solchen Versuch. Nicht nur die Technologie ist mittlerweile soweit, dass sich so etwas ohne Probleme realisieren lässt. Auch die knappen Ressourcen Zeit und Geld müssten so nicht überstrapaziert werden.

Einen anderen Vorschlag macht Steffen Peschel. Er hat ein Online-Dokument angelegt, in das sich twitternde BloggerInnen aus Deutschland eintragen können und damit die Idee von Digitalks-Gründerin Meral Akin-Hecke übernommen, die vor kurzem eine Liste twitternder BloggerInnen aus Österreich erstellt hat. Mir ist Vernetzung wichtig, deshalb habe ich nicht nur eine Blogroll, sondern verlinke auch so wie möglich auf andere Blogs. Aber solche Listen reichen in meinen Augen nicht, sie sind nur ein Anfang, um, wie in diesem Fall, von anderen Blogs zu erfahren. Entscheidend ist aber die inhaltliche Vernetzung und die damit verbundene Idee, sich aufeinander zu beziehen beziehungsweise mit den Ansichten anderer auseinander zu setzen. Listen verschwinden schnell wieder in der Versenkung, inhaltliche Vernetzung aber kann tagtäglich passieren. Wir müssen es nur tun, Blogs gibt es auch im Kunst- und Kulturbereich gar nicht so wenige.