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Kultur für alle: ist Crowdfunding die Lösung?

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© tokamuwi ; Pixelio

Wer  sein Projekt mit Hilfe von Crowdfunding zu finanzieren beabsichtigt, tut das sehr häufig, weil es für das Vorhaben keine oder zu wenig öffentliche Mittel gibt. Das Geld gibt es nicht, weil zu wenig da ist, was bedeutet: Crowdfunding ist für die Politik eine feine Sache, denn wer vom kleiner werdenden Förderkuchen nicht mehr satt wird, ernährt sich über die aus dem Boden schießenden Crowdfunding-Plattformen.

Aber ist das wirklich so? Die Frage beschäftigt mich, weil ich einerseits gerade für die Kulturpolitische Gesellschaft einen Artikel über das Thema Crowdfunding schreibe und andererseits eingeladen wurde, auf einer vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur ausgerichteten Konferenz Crowdfunding als neues Finanzierungsinstrument vorzustellen.

Wenn wir darüber diskutieren, wie Kunst und Kultur zu finanzieren sind, dann zeigt sich recht schnell, dass das die Aufgabe des Staates zu sein hat. Dieser garantiert, dass erstens qualitativ hochwertige Kunst entsteht, die sich nicht unbedingt am Mainstream orientiert und verhindert zweitens, dass es keine Einflussnahme seitens privater Unterstützer gibt. Das impliziert: Kunst und Kultur werden ohne ideologische Beweggründe gefördert, schließlich eignen sie sich auch hervorragend als gesellschaftliches Schmiermittel. Kunst verbindet Menschen, die sich ansonsten durch Herkunft, Bildungsgrad und andere Kriterien sehr wohl voneinander unterscheiden.

„Kultur für alle“ postulierte Hilmar Hoffmann in den 1970er Jahren, eine Forderung, die zwar ab und zu noch erhoben wird, aber wer die kulturpolitischen Versuche, „allen“ den Zugang zur Kunst ermöglichen, Revue passieren lässt, wird feststellen: mit besonders großer Ernsthaftigkeit arbeitet die Kulturpolitik heute nicht mehr daran. Warum das so ist, darüber können wir vermutlich endlos streiten. Vielleicht liegt es einfach daran, dass Kulturpolitik noch nie ideologiefrei war und Kunst und Kultur eigentlich immer als Instrumente gesehen wurden, die die gesellschaftliche Trennung verstärken.

Christiane Schnell, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung in Frankfurt hat das in ihrem Vortrag auf der im Januar 2010 in Wien stattfindenden Arbeitstagung des Fachverbandes Kulturmanagement recht anschaulich erläutert (siehe dazu mein Blogpost Kulturmanagement: auf der Suche nach der richtigen Theorie) und sich dabei auf Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie berufen.

„Kulturelle Präferenzen sind nicht autonom, sondern das Ergebnis der sozialen Sozialisation,“

hat Schnell damals in Wien gesagt und festgestellt, dass durch die Förderung und Unterstützung von Kunst gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse reproduziert werden. Das bedeutet: Kulturpolitik kann zwar durchaus den Anspruch haben, Kunst und Kultur allen zugänglich zu machen. Häufig geht es aber darum, den Status Quo aufrecht zu erhalten, wie der Blick in die Kulturbudgets zeigt. Während neue, junge und innovative Projekte oft gar keine oder nur eine geringe Unterstützung erhalten, absorbieren die etablierten Kultureinrichtungen einen Großteil des zur Verfügung stehenden Geldes.

Gefördert wird also vor allem die Hochkultur, während die Kunst, die sich gegen das Establishment wendet, meist auf Unterstützung durch den Staat verzichten muss, obwohl sie vielleicht durchaus populär ist. So haben sich immer wieder Nischen gebildet, in denen Communitys vom größten Teil der Gesellschaft unbemerkt, ihre eigene Kunst leben und erleben.

An dieser Stelle kommt nun das Crowdfunding ins Spiel. Auf den Plattformen geht es nicht darum, für bestimmte Projekte zu spenden, sondern es geht um das, was Brian Solis als „Engage“ beschreibt, das sich aktive Einbringen, das auch über verschiedene Aktivitäten im Social Web zum Ausdruck gebracht werden kann und nicht nur durch die Überweisung von fünf Euro.

Ist es nicht so, dass Crowdfunding den vielen (künstlerischen) Nischen die Möglichkeit bietet, sich aus den Strukturen zu lösen, die sie bis jetzt eher behindert denn gefördert haben? Kann Crowdfunding ein Ansatz sein, der sich in die Richtung von Hoffmanns „Kultur für alle“ bewegt? Lässt sich auf diese Weise eine Pluralität realisieren, die zwar häufig als Schlagwort in den Mund genommen wird, vor der dann aber doch die meisten Angst haben, wenn sie mit einer für sie fremden Kunst (und auch ihnen fremden Menschen) konfrontiert werden? Oder ganz anders gefragt: ist Crowdfunding unter Umständen nicht etwas, wovor sich „die Kulturpoltik“ fürchten müsste, weil hier Projekte finanziert und realisiert werden, die das bestehende Herrschaftssystem unterminieren? Ihre Meinung würde mich interessieren.

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Innovation = Copy, Transform, Combine

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Good Copy Bad Copy„; By creative commons polska (CC-Lizenz)

Von Kulturkampf war auf dem Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft die Rede, der Begriff „Kulturkampf“ betitelt auch die auf 2010lab.tv erschienene Videozusammenfassung. Eines der strittigsten Themen war dabei das Urheberecht und die damit verbundene Frage, wem eigentlich die Inhalte gehören?

Inhalte, für die es einen Urheber gibt, der daher über gewisse Rechte verfügt. Nur: wer ist der Urheber von was? Gibt es wirklich so viele Originale, wie wir glauben? Und macht es Sinn, dass die Urheber verhindern, dass das, was sie entwickelt, erfunden oder kreiert haben, von anderen nur gegen Bares verwendet werden darf?

Fragt man Kirby Ferguson, lautet die Antwort vermutlich nein. Er hat innerhalb des letzten Jahres eine dreiteilige Videodokumentation produziert (der vierte und letzte Teil erscheint im Herbst), die den Titel „Everything is a Remix“ trägt. Darin zeigt er, dass Innovation nicht etwas ist, was aus einer Art Urknall heraus entsteht, sondern das Resultat einer schlichten Aneinanderrreihung verschiedener Tätigkeiten  ist, die Ferguson im dritten Teil seiner Videoserie so zusammenfasst: „copy, transform, combine.“

Henry Ford, oft als Erfinder der modernen Automobilproduktion bezeichnet, wird darin mit den Worten zitiert:

„I invented nothing new. I simply assembled the discoveries of other men behind whom were centuries of work. Had I worked fifty or ten or even five years before, I would have failed.“

Und wenn man sich dann noch die beiden ersten Folgen der Videoserie anschaut, in denen es um das „Kopieren“ von Musik (Everything is a Remix Part 1) und Filmen (Everything is a Remix Part 2) geht, dann stellt sich die Frage, ob es im Sinne von Innovation – auch im Bereich der Kunst – wirklich sinnvoll ist, vor allem auf Verbote zu setzen?

via Frank Patrick

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Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter: Herausforderung für die Kulturpolitik

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„netz.macht.kultur“ war der Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft überschrieben, an dem sich Vortragende und BesucherInnen mit der Frage beschäftigten, ob die Digitalisierung uns nun eher schadet oder nützt?

„Wir leben seit gut zwei Jahrzehnten in einer digitalen Gesellschaft, deren immer schnellerer Rhythmus nach einer Neudefinition zentraler Codes der modernen Zivilgesellschaften wie Freiheit, Kultur, Eigentum, Muße, Privatheit und Öffentlichkeit verlangt. Es geht um neue Formen der gesellschaftlichen Teilhabe und die Frage, ob traditionelle Formen von Partizipation und Präsentation verschwinden“,

heißt es auf der Konferenzwebsite, auf der dieser Kongress auch dokumentiert wird. Das klingt erst einmal relativ neutral, aber rückblickend betrachtet überwog vorsichtige Skepsis. Das ist in meinen Augen auch nicht falsch, zumal die Kulturpolitische Gesellschaft selbst eher mutig agiert und bereits mit einem eigenen Blog online ist. Aber etwas mehr Enthusiasmus hätte es schon sein dürfen, zumindest auf dem Podium.

Sehr schnell ging es vor allem um den rechtlichen Rahmen, der die Entwicklung im Internet absteckt. Dass Staatsminister Bernd Neumann sich für die Einführung eines Leistungsschutzrechts aussprach, kam nicht überraschend und lässt vermuten, dass die (Kultur)-Politik in Sachen digitale Welt eher Bremser denn Antreiber sein wird. „Kann der Staat das Internet wieder einholen?“ fragt Boris Alexander Knop in seinem Beitrag auf 2010LAB.TV zu Recht. Ich vermute, sie schafft es auf absehbare Zeit nicht. In einem Interview habe ich auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf die zukünftige Kulturpolitik auswirke, Foucault zitiert, der schon in den 1960er Jahren von der Epoche des Simultanen sprach und die Welt als ein Netz beschrieben hat. Wenn Simultanität ein Merkmal unserer heutigen Zeit ist, dann lässt sich die Frage von Boris Alexander Knop mit einem einfachen Nein beantworten. Und wenn wir uns nicht mehr in hierarchischen Strukturen, sondern in Netzwerken bewegen, dann hat die Kulturpolitik ihre gestaltende Rolle verloren.

Das Beispiel Leistungsschutzrecht zeigt es. Schon vor dem Aufkommen des Internets war die Einkommenssituation für die meisten KünstlerInnen und Kreativen prekär. Ein Leistungsschutzrecht würde daran nichts ändern, so wie uns auch das Beharren auf dem nicht mehr zeitgemäßen Urheberrecht nicht weiterhilft. Niemand kann derzeit die perfekte Lösung anbieten, aber klar ist: der augenblickliche Status Quo ist unbefriedigend und schadet der Wirtschaft. Oder mit den Worten Tim Renners:

„Die Content-Wirtschaft bedroht mit der Weigerung, zeitgemäße Angebote zu schaffen, ihre eigene Existenz.“

Am Ende kann man die auf die Politik gemünzte Frage von Boris Alexander Knop auch der Wirtschaft stellen: Kann die Wirtschaft das Internet wieder einholen? Es ist sicher nicht zulässig, in diesem Zusammenhang von der Wirtschaft zu sprechen, aber Teile von ihr scheinen abgehängt und es stellt sich die Frage, ob sie jemals wieder eine Chance bekommen, diesen Rückstand aufzuholen oder ob ihre Zeit nicht vorbei ist (siehe dazu das von Clayton M. Christensen verfasste Buch The Innovators Dilemma (Affiliate-Link), das in wenigen Tagen in der deutschen Ausgabe erscheint)?

Aber es ging in Berlin nicht nur um Leistungsschutz- und Urheberrecht. Vor allem der zweite Tag bot interessante Ein- und Ausblicke und beschäftigte sich mit der Frage, wie sich das Internet für die Kunstvermittlung, das Marketing, aber auch die Finanzierung von Kunst und Kultur nutzen lässt? In einer kleinen, aber feinen Runde ging es am frühen Morgen um das Thema Crowdfunding und die Frage, inwieweit sich hier Alternativen für am öffentlichen Fördertopf hängende Kultureinrichtungen auftun und welcher Voraussetzungen es bedarf, um statt einer Förderung das benötigte Geld von „Investoren“ zu bekommen (siehe zum Thema Crowdfunding den Beitrag auf dem Blog der Kulturpolitischen Gesellschaft)?

Durchaus kontrovers verlief die Diskussion zum Thema Kulturportale, die ich moderieren durfte. Je stärker die Gewichtung auf den redaktionellen Beiträgen liegt, desto mehr übt ein solches Portal eine Kuratorenfunktion aus. Die Auswahl, worüber berichtet wird, liegt in Händen des Redaktionsteams, der Einfluss der Kultureinrichtungen ist also begrenzt. Dem gegenüber stehen Portale, in denen Kultureinrichtungen aufgelistet werden und über Veranstaltungen informiert wird. Als Anlaufstelle für Kulturinteressierte haben sie eine wichtige Funktion, interessant wird die Sache aber, wenn das Portal über Schnittstellen zum Social Web verfügt und es somit möglich ist, seinem Netzwerk bestimmte Inhalte oder Veranstaltungen zu empfehlen.

Ein großes Problem für Kultureinrichtungen stellt die große Zahl von Portalen mit teils ähnlichen Strukturen dar. Klar ist: für Kultureinrichtungen ist der Ressorucenaufwand nicht gering, auf einem Portal die Daten einzupflegen und zu aktualisieren. Welches Portal ist aber das richtige und auf wie vielen Portalen sollte man vertreten sein? Die Diskussion zeigte, dass es hier keine allgemeingültige Antwort geben kann. Insofern bleibt den Kultureinrichtungen nichts weiter übrig, als weiter Inhalte auf die eigene Website, die jeweiligen Kulturportale und die Social Networks zu stellen und so eine möglichst große Zahl von Interessierten zu erreichen.

Aber vergessen wir die Schwierigkeiten, Probleme und Herausforderungen doch einfach mal! Die Beschäftigung mit dem (Social) Web bietet einem ja auch Chancen und kann darüber hinaus Spaß machen. Am deutlichsten kommt das auf dem Blog der Hildesheimer StudentInnen zum Ausdruck, die sich (und ihre LeserInnen) in Form von Blogposts schon im Vorfeld auf den Kongress eingestimmt haben. Und mit ihrer Twitterwall vor Ort haben sie die Hürde, sich mit diesem „komischen“ Tool zu beschäftigen, extrem gesenkt. Ihr „Twitterstand“ war immer gut besucht und ich denke, sie haben damit wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Übrigens wurde während der zwei Tage fleißig getwittert (siehe dazu die Analyse von Simon A. Frank: twitter.macht.kultur (Tag 1, Tag2)) und das nicht immer ganz ernst. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass die Twitterwall nicht im Konferenzsaal zu sehen war. Aber spannend wären manche Reaktionen schon gewesen. ;-)

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„Cultural statistics“: Brüssel veröffentlicht interessantes Zahlenmaterial rund um den Kunst- und Kulturbereich

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Jede Menge Zahlenmaterial bietet die „2011 edition“ des im Auftrag der Europäischen Kommission erstellten Pocketbooks „Cultural Statistics„. Das in englischer Sprache verfügbare PDF liefert Informationen und Zahlenmaterial zu verschiedenen Bereichen, z.B. Beschäftigung im Kunst- und Kulturbereich und private Ausgaben für Kunst und Kultur. Ein deutschsprachiges Inhaltsverzeichnis hilft einem, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und dann gezielt nach Informationen zu suchen, denn zum Durchlesen ist das PDF wohl eher nicht geeignet. ;-)

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Schwierige Situation im Museumsbereich: 4 Minuten pro Kunstwerk oder zusperren?

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8592 – St Petersburg – Hermitage„; By thisisbossi (CC-Lizenz)

Solche Warteschlangen vor den meist großen Museen trifft man leider immer häufiger an, wobei sich das „leider“ vor allem auf die bezieht, die auf diese Weise wertvolle Zeit verlieren. Für die Museen ist es eher eine Bestätigung der eigenen Arbeit und der Hinweis darauf, dass die Ausstellung den Geschmack des Publikums getroffen hat. So schön das große Interesse auch sein mag, ganz so toll ist eine lange Schlange vor den Kassenhäuschen aber auch für das Museum nicht, denn vermutlich schreckt die Aussicht auf eine längere Wartezeit viele potenzielle BesucherInnen ab.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Konzepten, die solche Situationen zu vermeiden helfen sollen. So bieten etwa viele Museen die Möglichkeit an, die Tickets online zu kaufen und damit nicht alle zur selben Zeit vor den Ausstellungsobjekten stehen, gelten die Tickets nur für einen bestimmten Zeitraum. Was eine ganz plausible Lösung zu sein scheint, um den Ansturm der Massen etwas zu entzerren, kann auch schnell ins Gegenteil umschlagen und dann eher abschreckend wirken.

So wird den BesucherInnen der National Gallery bei der am 9. November beginnenden Leonardo da Vinci Ausstellung nur noch ein arg kleines Zeitfenster zugestanden.

30 Minuten für insgesamt sieben Gemälde, da bleiben den BesucherInnen nur noch genau 4 Minuten und 17 Sekunden, so Julia Voss in ihrem Artikel „Stress im Museum“ in der FAZ. Und das bei einem Ticketpreis von 16 Pfund. Für Nicholas Penny, den Direktor der National Gallery, ist das kein Problem:

„Es ist ausgesprochen wichtig, unsere Website gründlich zu lesen und sich vor dem Besuch zu informieren,“

zitiert ihn Julia Voss in ihrem Artikel. Ein Ratschlag, den man von Museumsseite eher selten hört, schließlich ist dort die Angst groß, dass der Besuch der Website für immer mehr Menschen als Ersatz für den Museumsbesuch angesehen wird und die Besucherzahlen deshalb sinken.

In die gleiche Kerbe schlägt die Autorin, wenn sie schreibt, dass es

„eindeutig besser (sei), ein Gemälde nie im Original gesehen zu haben – als 4 Minuten, 17 Sekunden davor in einer Blockbusterschau zu stehen.“

Während also auf der einen Seite die Museen mit allen Tricks arbeiten, um das Publikum möglichst rasch durchzuschleusen, haben die meisten Museen das gegenteilige Problem: zu wenig BesucherInnen.

Unter der Überschrift „Sind Museen nur noch reine Unterhalter?“ hält Claudia Hangen in „The European Circle“ fest, dass die kleinen Museen, die keine großen Attraktionen bieten, da nicht mehr mithalten können und um ihr Überleben kämpfen müssen. „Ihr Manko“, so die Autorin,

„sie bieten Schätze aus Sammlungen, die zeitlos sind, keiner Mode unterstehen und durch keinen PR-Manager für die Masse attraktiv angepriesen werden.“

Während sich also die einen mit allen Mitteln der Massen zu erwehren versuchen, fehlen den anderen die so dringend benötigten BesucherInnen. Die Großen werden immer größer und den Kleinen geht es an den Kragen, eine Entwicklung, die wir  nicht nur im Museumsbereich erleben.

Markbereinigung nennt man das dann, wenn etwa im Handel die kleinen Geschäfte nach und nach verschwinden und sich am Ende ein paar große Ketten durchsetzen. Spricht man jemanden auf diese Entwicklung an, hört man von ihm meist ein paar Worte des Bedauerns, bevor er in den nächsten Supermarkt verschwindet. So ähnlich ist das im Museumsbereich wohl auch. Wir finden es zwar traurig, wenn immer mehr kleine Museen dicht machen müssen. Aber wer besucht schon ein Bezirksmuseum, wenn er doch beim nächsten Großstadtbesuch eine Blockbusterausstellung zu sehen bekommt. Zwar vielleicht  nur 4 Minuten und 17 Sekunden für jedes Ausstellungsstück. Aber um zu Hause erzählen zu können, dass man natürlich dort die vielgerühmte Ausstellung gesehen habe, reicht das allemal.

Wer ist Schuld an dieser Entwicklung? Eigentlich alle. Die Kulturpolitik, weil sie es nicht schafft, Konzepte zu entwickeln (und umzusetzen), die den großen und kleinen Häusern das Überleben ermöglichen. Die auf den ersten Blick unspektakuläre Arbeit der kleinen Museen ist die Grundlage für die Publikumserfolge der großen Häuser. Die Blockbuster mag man kritisieren, aber sie sind auf der anderen Seite auch eine Art Werbeträger. Es kommt auf die Mischung an, auf das richtige Verhältnis und genau das scheint gerade verloren zu gehen, wenn die Kleinen mangels Geld zusperren müssen, während die Großen sich gegenseitig toppen müssen, um genügend Aufmerksamkeit zu erregen.

Schuld an dieser Entwicklung sind aber auch die Museen selbst, die es verabsäumt haben, sich so zu vernetzen, dass alle von der Zusammenarbeit profitieren. Warum kooperiert immer nur Groß mit Groß und Klein mit Klein? Gibt es da irgendeine mir nicht bekannte Gesetzmäßigkeit? Warum gelingt es Museen erst dann, die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam zu machen, wenn die Schließung unmittelbar bevorsteht?

Und warum nehmen wir das „Museum um die Ecke“ erst dann wahr, wenn es zugesperrt werden soll, während wir ansonsten bei jeder sich bietenden Gelegenheit von unserem Besuch der Tate, des Guggenheim-Museums, etc. berichten? Es macht also keinen Sinn, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Noch geht es uns und unserer Museumslandschaft so gut, dass sie erhalten werden kann. Dazu können die Kulturpolitik, die Museen und wir als BesucherInnen beitragen. Übrigens: heute ist internationaler Museumstag. ;-)

Update: Um das Missverständnis auszuräumen: im FAZ-Artikel ist davon die Rede, dass nach 30 Minuten die nächsten 180 BesucherInnen in die Ausstellung eingelassen werden. D.h. nicht, dass man als BesucherIn nach 30 Minuten rausgeworfen wird. Jeder kann selbstverständlich  so lange bleiben, bis das Museum schließt.

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Taten.Drang.Kultur: Kulturmanagement als Kolateralschaden?

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Wer beim Kongress Taten.Drang.Kultur in Ludwigsburg dabei gewesen ist, wird vielleicht ein ähnliches Fazit wie Dirk Heinze ziehen. Den meisten Punkten stimme ich uneingeschränkt zu, die Organisation war wirklich sehr professionell (noch einmal danke an die OrganisatorInnen!!), es gab sehr spannende Vorträge mit durchaus provokanten Thesen und das in einer Atmosphäre, die ich auch als angenehm erlebt habe.

Bleibt die Frage nach der Kernbotschaft. Hat die wirklich gefehlt? In meinen Augen nicht. Immer wieder wurde in verschiedenen Vorträgen festgestellt, dass es zusehends schwieriger wird, sich auf die öffentliche Hand zu verlassen. Die Apparate sind zu schwerfällig und ihnen fehlen die nötigen finanziellen Mittel, um sich mit ihrer Hilfe fit für die Zukunft zu machen, so der Tenor.

Das klang auf dem Kongress und wahrscheinlich jetzt auch hier, wo ich diese Sätze schreibe, ziemlich ungerecht, denn in den Kulturabteilungen sitzen nicht Menschen, die Kunst und Kultur verhindern wollen, sondern viele, die alles dafür tun, damit in diesem Bereich etwas weiter geht. Es sind auch gar nicht die Menschen, sondern es ist das System, das uns in seiner Starrheit daran hindert, auf die anstehenden Veränderungen zu reagieren. Es ist ein System, das genau dafür geschaffen worden ist, einer Gesellschaft Stabilität zu verleihen und abrupte negative Veränderungen zu verhindern. Je unabhängiger eine Verwaltung von politischen Strömungen ist, desto größer die Garantie, dass sich diese Verwaltung nicht missbrauchen lässt.

Schnelle Veränderungen sind daher nicht möglich, unabhängig von der Frage, ob sie wünschenswert sind oder nicht. Dieses Dilemma, das in den Ausführungen von Peter Vermeulen, der als Gründer von culturplan mittlerweile die Seite gewechselt hat und in der Stadt Mühlheim an der Ruhr als Dezernent für die Kultur zuständig ist, am deutlichsten zu Tage trat, muss aufgelöst werden, wenn wir Veränderung auch auf dieser Ebene wollen. Aber wir müssen uns auch die Frage stellen, ob wir das wirklich wollen, ob wir das Risiko eingehen wollen?

Ein möglicher Ausweg, und damit bin ich bei der Kernbotschaft, die ich für mich mitgenommen habe, wurde von Pius Knüsel, dem Direktor von Pro Helvetia, ganz am Ende der Veranstaltung aufgezeigt. KulturmanagerInnen sollten versuchen, so eine seiner Thesen, sich von der öffentlichen Kulturförderung zu lösen und dadurch unabhängig zu werden. Mit seiner Forderung knüpfte er an den Vortrag des Soziologen Albrecht Göschel an, der den Kongress mit seinem Vortrag „20 Jahre Kulturmanagement in Deutschland“ eröffnet hatte und darin die kulturpolitischen Reformbestrebungen der 1970er Jahre als Ausgangspunkt für die Entstehung und Entwicklung des Kulturmanagement bezeichnete.

Überspitzt formuliert könnte man Kulturmanagement auch als Kolateralschaden dieser Reformpolitik bezeichnen, denn die Parole „Alles ist Kultur“ führte dazu, dass der Kunst- und Kulturbereich vor allem eines benötigte: mehr Geld. Man wusste zwar, so Göschel, dass die Kultur wichtig sei, konnte das aber nicht begründen. Da man gleichzeitig sah, dass Kultur auch auf Märkten funktionierte, versuchte man, Kunst marktfähig zu machen. Und genau dafür benötigte man nun KulturmanagerInnen, woraus Göschel ableitete,  im Kulturmanagement werde die Reformbewegung der 1970er Jahre fortgesetzt.

In seinem Vortrag konstatierte Knüsel, an Göschel anschließend, dass das Kulturmanagement sich so im Laufe der Jahre zum HandlangerErfüllungsgehilfen der Kulturpolitik gemacht habe. Die Verbindung von „Mikromanagement und Makropolitik“ führe zu einer Verbindung, die der Kultur eher schade als nutze.

Was aber sind die Alternativen? Ist es wirklich zielführend, wenn KulturmanagerInnen versuchen, sich aus der finanziellen Abhängigkeit von der öffentlichen Hand zu lösen und auf Sponsoren und Spender zu setzen?

Der Vortrag von Michael Drautz, dem kaufmännischen Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden zeigte, dass es nicht ganz so einfach ist, sich „privat“ zu finanzieren. Das Haus bekommt immer noch öffentliche Gelder und kann trotzdem nicht von den Ticketeinnahmen leben. Sponsoren müssen gefunden werden, um am Ende dann zumindest eine schwarze Null zu schaffen.

Aber vielleicht ist es auch nur einfach ein Mehr an unternehmerischem Denken, das die Kultureinrichtungen weiter bringt? Drautz schilderte recht ausführlich, wie sie es mit Hilfe ihres CRM-Systems geschafft haben, noch besser auf die Wünsche ihrer BesucherInnen eingehen zu können.

Wer sich selbst dazu nicht in der Lage sieht, kann sich von BeraterInnen unterstützen lassen. „Hilfe, die Berater kommen!“ war der Vortrag von Dieter Haselbach, Professor für Soziologie und Geschäftsführer der ICG culturplan Unternehmensberatung überschrieben. Sein Vortrag war für meinen Geschmack zu sehr als Werbeauftritt konzipiert und beschränkte sich außerdem zu sehr auf den betriebswirtschaftlichen bzw. kaufmännischen Bereich. Eigentlich ist das schade, denn (Kultur)-Beratung ist für mich mehr als das Know-how in diesen beiden Bereichen.

Zusammenfassend war für mich in Ludwigsburg ein Trend erkennbar, der für Kultureinrichtungen weg von den öffentlichen Fördertöpfen hin zu unternehmerischer Eigeninitiative führt. Nun können Sie das auf Grund der gewachsenen Strukturen und der Tradition, Kunst und Kultur öffentlich zu fördern, natürlich kritisieren. Die Frage ist aber, ob wir es hier nicht bald (oder vielleicht schon jetzt) mit der normativen Kraft des Faktischen zu tun haben. Die Kassen der öffentlichen Haushalte sind leer und werden sich auch nicht so schnell wieder füllen. Eigeninitiative wird also, so meine persönliche Schlussfolgerung, immer mehr gefragt sein. Klar ist aber auch, dass Kulturmanagement dann vielleicht als eine Art Kolateralschaden entstanden ist, seine Bedeutung nimmt aber, so man den Aussagen und Thesen der Vortragenden Glauben schenken darf, in dieser Phase des Wandels immer weiter zu. Wie man diesen Wandel bewältigen kann, konnte man auch in den verschiedenen Fachforen erfahren.

Leider habe ich sie alle verpasst, da ich selbst beim Thema Social Media dabei war. Aber das Kulturmanagement Network wird in der nächsten Ausgabe des KM-Magazins ausführlich vom Kongress berichten und außerdem ist ein Tagungsband geplant. Sie verpassen also nichts. ;-)

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Kulturförderung: das Geld wird knapp

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Robin Pogrebin zitiert in einem Artikel in der New York Times Rocco Landesman, seit August 2009 Chef von National  Endowment for the Arts (NEA). Angesichts der Probleme, vor denen die Theater stehen, konstatiert Landesman:

„You can either increase demand or decrease supply. Demand is not going to increase, so it is time to think about decreasing supply.“

Adam Thurman gibt Landesman in einem Blogbeitrag zwar Recht, hält dessen Forderung aber für sinnlos, denn

„The arts are a passion business and all the economic arguments in the world aren’t going to stop people who feel like they must (…) create art through an organization.“

Für ihn lautet die Forderung daher: die Nachfrage nach Kunst muss erhöht werden, aber

„Nobody is looking for a slightly modified version of what already exists.“

In einem Kommentar präzisiert Paul Bott diese Forderung:

„Demand for the specific experience of sitting in the seats watching professional artists do what they do onstage is indeed flat or declining. (…) Demand for the personal experience of being artistic, however, has been steadily rising for at least a generation now and there is no flattening in sight. There are two basic ways that demand is expressed: attempting to become a working professional artist, or making creative activity part of one’s daily life.“

Oder mit den Worten Adam Thurmans:

„If all you are is a place where people go and watch the art, there isn’t going to be much demand for you.“

Thurman hat schon vor längerer Zeit ein Blogpost über „Art as the Hub“ geschrieben, in dem er darauf hinweist, dass die Kunst das Schmiermittel ist, damit die Menschen sich vernetzen können und prophezeit den Kultureinrichtungen:

„in the future the arts organizations that thrive will be the ones most skilled at turning their audience from an unrelated group of people into a community.“

Überleben werden also nur die, die sich vom Prinzip der Guckkastenbühne verabschieden und partizipative Ansätze entwickeln, um aus dem Publikum eine Community werden zu lassen. Wer in diese Richtung arbeitet, wird, so ist Thurman überzeugt, genügend Nachfrage schaffen, um nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell überleben zu können.

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Bürger machen Kulturpolitik

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Immer mehr Kommunen haben mit enormen Finanzproblemen zu kämpfen. An allen Ecken und Enden muss gespart werden, was natürlich auch Konsequenzen für den Kunst- und Kulturbereich hat. Lösungen zur Behebung dieser Probleme scheinen derzeit nicht in Sicht, zumindest gibt es kein Patentrezept. Während manche Städte und Gemeinden einfach den Rotstift zücken und quer durch den gesamten Haushalt Kürzungen vornehmen, versuchen andere, ihre BürgerInnen in die Entscheidungsfindungsprozesse miteinzubeziehen.

Jörn Borchert berichtet in seinem aktuellen Blogpost „Simcity Bonn: Ernst oder Spiel?“ über die Idee der Stadt Bonn, mit Hilfe einer Online-Diskussionsplattform gemeinsam mit den BürgerInnen Lösungsvorschläge zu entwickeln und zu diskutieren. Natürlich geht es hier auch um den Kunst- und Kulturbereich, denn ein gemeinsames Einverständnis, dass Kunst und Kultur für eine Gesellschaft wichtig sind, existiert, wenn überhaupt, nur noch auf dem Papier. Spätestens wenn es um das Thema Geld geht, ist nur noch von Einnahmen und Ausgaben die Rede. Und in dieser Hinsicht schaut es bei einigen Museen recht schlecht aus, wie Borchert berichtet. So sieht etwa das Budget des Kunstmuseums in Bonn Ausgaben in der Höhe von 5 Mio. Euro vor, denen Einnahmen von rund 340.000 Euro gegenüberstehen.

Nun kann man sich natürlich Gedanken darüber machen, ob man bei den Ausgaben irgendwo noch sparen kann, vielleicht 10 oder gar 20 Prozent. Man kann sich überlegen, wie sich die Einnahmen erhöhen lassen. Im Idealfall schafft man dann die halbe Million. Auf öffentliche Unterstützung wird dieses Museum aber immer angewiesen sein.

Der Vorteil dieser Plattform, Jörn Borchert hebt es hervor, liegt darin, dass nun viele Zahlen auf den Tisch kommen, die den BürgerInnen bis jetzt nicht bekannt waren. Geld spielt in (fast) allen Lebensbereichen eine Rolle, auch im Kunst- und Kulturbereich. Möchte man über diesen Bereich entscheiden, muss man die Zahlen kennen. Hier leistet die Plattform wertvolle Dienste.

Vor allem die Kultureinrichtungen selbst können sich hier wertvolle Anregungen holen, erfahren sie doch hier aus erster Hand, was die BürgerInnen über sie denken, was sie sich wünschen und was sie ablehnen. Ausgeblendet ist aber die Ebene darüber, die kulturpolitische. Wie gesagt, wir können etwas bei den Ausgaben sparen und versuchen, höhere Einnahmen zu erzielen. Aber eigentlich geht es doch um die Frage, ob uns Kunst und Kultur wichtig sind oder nicht? Und in dieser Hinsicht sollte eigentlich die (Kultur)-Politik Konzepte und Vorschläge auf den Tisch legen, wie so etwas aussehen könnte. Sonst hat Jörn Borchert mit seiner Vermutung wahrscheinlich Recht, dass die PolitikerInnen

„diese Umfrage als Grabbelkiste nutzen werden, aus der sie ihre Argumente/Gegenargumente je nach Belieben herausziehen werden.“

Wenn man sich dabei auf den Bürgerwillen beruft, dann hat das mit Politik und deren Aufgabe, unsere Lebensräume zu gestalten, recht wenig zu tun.

Siehe auch dazu: Kulturfinanzierung: wenn die BürgerInnen mitentscheiden

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Politik in Österreich: Achtung Einsturzgefahr

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© Dieter Poschmann; Pixelio

Als im Rahmen der Wirtschafts- und Finanzkrise diverse Branchen mit nicht gerade wenig Geld „unterstützt“ wurden, konnte sich jeder, der um die Verschuldung der öffentlichen Haushalte bereits vor dieser Krise wusste, ausrechnen, was kommen würde. Es handelte sich ja um nicht vorhandenes Geld, das irgendwo und irgendwie wieder reingeholt werden muss.

Zu diesem Zweck hat die österreichische Regierung einen Budgetplan geschnürt, den sie Ende Oktober veröffentlicht hat. Relativ spät, wenn man bedenkt, dass das Jahr 2011 unmittelbar vor der Türe steht und es eines parlamentarischen Prozesses bedarf, damit aus diesem Budgetplan ein Budget wird. Die Einsparungen finden tatsächlich statt, aber die Art und Weise, wie gespart werden soll, überrascht dann doch ein wenig. Begründet wurde die Dauer des Entstehungsprozesses auf verschiedenste Weise, im Hintergrund schwang immer mit, dass es Zeit brauche, um auf die (budgetären) Herausforderungen unserer Zeit reagieren zu können.

Betrachtet man das Ergebnis, dann könnte man eigentlich eher denken, es sei der Regierung peinlich. Mir zumindest würde es so gehen, würde ich so etwas abliefern. Statt die seit Jahren geforderte Verwaltungsreform endlich anzugehen, vertut man sich die Zukunft, in dem in Bereichen gespart wird, die von entscheidender Bedeutung sind, wenn wir von Innovation und ähnlichen Dingen reden.

Dazu zähle ich auch Kunst und Kultur, wo natürlich auch gespart wird. Ein Aufschrei der Szene ist noch nicht erfolgt, denn die Kürzungen betreffen „nur“ die Auslandskultur, die im österreichischen Außenministerium angesiedelt ist und dort trotz vieler Konzepte nur ein (finanzielles) Schattendasein führt. In diesem Konzept heißt es, dass eine Steigerung des operativen Kulturbudgets am gesamten Außenamtsbudget von derzeit ca. 1,8% ( Euro 5 Mio.) auf 3% angestrebt werde. Gut, das Konzept stammt von 2001, aber wenn man nun im Budgetplan der Bundesregierung liest, dass im Bereich der Auslandskultur in den nächsten vier Jahren 1,6 Mio. Euro eingespart werden sollen, die wahrscheinlich nicht nur das operative Budget betreffen, dann stellt sich doch die Frage, ob man nicht besser konsequent sein sollte und einfach zusperrt. Zumindest das Auslandskulturkonzept würde ich von der Homepage nehmen, weil es mir einfach peinlich wäre.

Apropos Zusperren: dem Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien droht genau das. Die Bundesregierung spart nämlich nicht nur bei der Auslandskultur, sondern hat gleichzeitig den finanziellen Kahlschlag bei der außeruniversitären Forschung beschlossen. Mit Ausnahme der Akademie der Wissenschaften, der Ludwig-Boltzmann-Institute und des Institute of Science and Technology Austria erhalten alle außeruniversitären Forschungseinrichtungen ab 2012 keine Grundlagenfinanzierung mehr. Nicht weil sie so schlecht sind, sondern weil gespart werden muss.

Natürlich können sich die Forschungseinrichtungen weiter um Förderungen bemühen, aber im Fall des IFK heißt das laut NZZ, dass von 1,2 Mio. Jahresbudget 950.000 Euro auf einen Schlag wegfallen. Schön, wenn man das dann knapp zwei Monate vor Jahresbeginn erfährt, denn hier noch Ersatz zu beschaffen, dürfte unmöglich sein. Das heißt, viele dieser Forschungseinrichtungen werden die nächsten Jahre nicht überleben.

Wenn man zynisch sein möchte, könnte man sagen, die braucht es ja auch nicht, schließlich hat Österreich eh so wenig AkademikerInnen. Spaß beiseite: ich denke, wir müssen nicht darüber diskutieren, welche Konsequenzen das für den Standort Österreich hat, die Forschungseinrichtungen selbst versuchen, ihre Aktivitäten bereits zu bündeln und über die Plattform Wissen:Schaft:Österreich zu kommunizieren.

Die Frage ist für mich aber, was wir daraus lernen können? Für mich ist diese Art von „Sparen“ ein weiterer Hinweis dafür, dass die Politik in ihrer derzeitigen Form PolitikerInnen über keine Visionen und keinen Gestaltungswillen mehr verfügen. Aussagen über die Bedeutung von Forschung, Innovation oder auch Kunst und Kultur klingen hohl und unglaubwürdig. Ich fühle mich durch die Politik heute nicht mehr vertreten und natürlich gilt es sich zu überlegen, wie man dieses „Problem“ lösen kann. Die Unzufriedenheit wächst und aus ihr heraus entstehen dann hoffentlich Alternativen. Diese Unzufriedenheit existiert nicht nur in Österreich, aber speziell in diesem Land ist für mich klar: ich verlasse mich in Sachen Kunst und Kultur nicht mehr auf Aussagen und Versprechungen der PolitikerInnen, denn ich traue ihnen einerseits nichts, andererseits aber alles zu. Oder noch überspitzter formuliert: Kultureinrichtungen, die sich auf die Politik verlassen, handeln fahrlässig.

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Welchen Gestaltungsspielraum hat die kommunale Kulturpolitik, fragt der nächste Treffpunkt KulturManagement am 17. November

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© Ernst Rose; Pixelio

Wo sperrt das nächste Theater oder Museum zu?“ habe ich vor einigen Tagen in einem Blogbeitrag gefragt und darin unter anderem das Fehlen kulturpolitischer Konzepte kritisiert. Nun ist Kulturpolitik nicht gleich Kulturpolitik, vor allem in den föderalen Strukturen Deutschlands. Kulturpolitik, das ist das Zusammenspiel von Entscheidungen, die auf lokaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene getroffen werden.

Welche Gestaltungsspielräume haben dabei eigentlich kommunale KulturpolitikerInnen? Können sie angesichts meist leerer Kassen wirklich noch gestalten oder kommt ihnen eher die Rolle des Nachlassverwalters zu, dessen Aufgabe darin besteht, zu kürzen und zu schließen. Um diese Frage geht es am kommenden Mittwoch, den 17. November im nächsten Treffpunkt KulturManagement, zu dem wir als Gast Peter Vermeulen begrüßen dürfen.

Vermeulen ist seit Mai 2006 Dezernent für  Schule, Jugend und Kultur bei der Stadt Mülheim a.d.Ruhr und Honorarprofessor für strategisches Kulturmanagement an der Hochschule Merseburg (FH). Er ist studierter Wirtschaftswissenschaftler, war zunächst Geschäftsführer des Kulturzentrums „Weberei“ in Gütersloh und danach fast 20 Jahre als geschäftsführender Gesellschafter für die Unternehmensberatung ICG Culturplan tätig. Somit ist er einer der wenigen Experten, die in der Kulturpolitik alle drei Seiten kennen: den Kulturbetrieb, die Wirtschaft und die Verwaltung

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme bei der in der Regel monatlich stattfindenden Veranstaltung ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 17.11.2010 von 9:00 bis 10:00
Thema: Kommunale Kulturpolitik
Gast: Peter Vermeulen

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/