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Rezension: „PR im Social Web“

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In den meisten Kultureinrichtungen erfolgt der Zugang zum Thema Social Media über die Marketingschiene. Während man auf diese Weise versucht, den Ticketverkauf anzukurbeln und das direkte Gespräch mit neuen Zielgruppen sucht, ändert sich im PR-Bereich recht wenig. Pressekonferenz bleibt Pressekonferenz und Aussendungen müssen weiter verfasst und verschickt werden.

Immer häufiger erkennen die PR-Verantwortlichen aber, dass auch für sie das Social Web ein Feld ist, in dem sie aktiv werden müssen. Da tritt es sich gut, dass Marie-Christine Schindler und Tapio Liller mit PR im Social Web gerade ein „Handbuch für Kommunikationsprofis“ herausgebracht haben. Wer keine oder wenig Ahnung von den Entwicklungen im Social Web hat, bekommt hier die Chance, Verpasstes nachzulesen. Der Theorieteil skizziert, was in den letzten Jahren im Internet passiert ist und erklärt auch, was das für Konsequenzen für die PR hat. Aber auch wer weiß, was das Social Web ist, kommt hier auf seine Kosten. Verständlich und flüssig formuliert erfährt man als LeserIn, warum aus dem Web ein „social“ Web geworden ist und was das für Auswirkungen auf unsere Kommunikation hat.

Man merkt, dass Marie-Christine Schindler und Tapio Liller zwei PR-ExpertInnen sind, die sich schon lange im Social Web bewegen und über ein entsprechend großes Erfahrungswissen verfügen. Sie weisen darauf hin, dass das Web2.0 kein Hype ist, der demnächst vorüber ist, sondern sprechen von einer „tiefgreifenden Veränderung“, die auch vor der Unternehmenskultur und den damit verbundenen Werten nicht Halt macht.

Wer wissen möchte, was sich hinter dem Begriff der Online-PR verbirgt, bekommt in diesem Buch das von Thomas Pleil in seinem Blogbeitrag „Von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR: Ein Modell der Online-PR als Hilfe zur Strategieentwicklung?“ vorgestellte Modell erklärt und beschrieben. Ob Sie nun informieren, überzeugen oder sich mit Ihren Dialoggruppen verständigen wollen, im mehr als 200 Seiten dicken Praxisteil geht es um die Frage, wie sich diese Ziele erreichen lassen?

Da sind zum einen die BloggerInnen, die in vielen Branchen eine mittlerweile wichtige Multiplikatorfunktion übernommen haben und in die PR-Arbeit eingebunden werden sollten. Das funktioniert am besten, so der Rat der beiden AutorInnen, indem man den persönlichen Kontakt sucht und diverse Bloggerveranstaltungen besucht. Eine im Kunst- und Kulturbereich große Herausforderung, denn so leicht sind die relevanten Blogs gar nicht zu identifizieren.

Aber auch JournalistInnen haben mittlerweile das Social Web entdeckt und nutzen die verschiedenen Plattformen für ihre Recherche. Die Social Media Release oder ein Social Media Newsroom sind zwei Wege, sie mit für sie relevanten Informationen zu versorgen und das nicht nur im Textformat.

PR im Social Web heißt aber nicht nur, andere mit Informationen zu versorgen, sondern auch zu erfahren, was andere über einen sprechen beziehungsweise schreiben. Schindler und Liller erklären, welche Analysedimensionen für das Social Media Monitoring relevant sind und nennen einige Monitoringtools.

Etwas unkritisch wird in meinen Augen das Thema Events im Social Web abgehandelt. Natürlich kann ich mittlerweile eine Pressekonferenz oder einen Produktlaunch live ins Web streamen und mit Hilfe von Twitter und Facebook auch einen Rückkanal anbieten. Wer sich noch an die mittlerweile legendäre Vodafone-Pressekonferenz erinnert, weiß, was passieren kann, wenn man die Dinge nicht wirklich im Griff hat. Und das haben, behaupte ich, nur wenige, denn seien wir ehrlich: von der von Thomas Pleil propagierten Cluetrain-PR sind die meisten Unternehmen und Kultureinrichtungen noch meilenweit entfernt. Dazu ist es notwendig, authentisch und glaubwürdig zu wirken, um „weitgehend spontan und unverkrampft“ kommunizieren zu können. Die Regeln, wie eine „ansprechende“ Kommunikation im Web funktioniert, mögen manchem weiterhelfen. Warum dieses Unterkapitel aber die Überschrift „Mit Storytelling die Fakten einkleiden“ trägt, erschließt sich mir nicht wirklich.

Nichtsdestotrotz ist „PR im Social Web“ ein sehr empfehlenswertes Buch, das sich vermutlich recht schnell als Pflichtlektüre etablieren wird. Hilfreich ist es auch, Henning Krieg ein eigenes Kapitel beisteuern zu lassen, in dem dieser den Rechtsrahmen für die PR im Social Web absteckt. Vor allem das Kapitel „Spamfalle Direct Messages“ könnte für so manchen Aha-Effekt sorgen, schließlich wird die DM recht gerne für solche Zwecke eingesetzt. Ob ich das als User will oder nicht.

So gut und praxisnah das Buch geschrieben ist, indirekt ist es aber auch eine Bestätigung der von Thomas Pleil diskutierten These, die PR sei dabei, sich selbst abzuschaffen. Die strategische Ebene der PR wird eigentlich komplett ausgeblendet, ihre Managementrolle nicht erwähnt. Das ist einerseits verständlich, schließlich handelt es sich um ein „Handbuch“. Andererseits ist es aber genau das, was die PR zusehends in eine Nebenrolle drängt. Warum sonst ist Social Media – ich kann nur für den Kunst- und Kulturbereich sprechen – meist in der Marketingabteilung angesiedelt?

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Ulrike Schmid im Treffpunkt KulturManagement am 20. April: „PR im Social Web“

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Der Umbruch in der Medienlandschaft hat auch Auswirkungen auf die PR-Arbeit. Die Auflagen der Printmedien befinden sich im Sinkflug, gleichzeitig steigen die Nutzerzahlen auf den verschiedenen Plattformen und Kanälen im Social Web.

Was heißt das für die PR? Ist die klassische PR bald überflüssig? Ulrike Schmid, PR- und Social-Media-Expertin, wird sich im nächsten Treffpunkt KulturManagement mit der Zukunft der PR beschäftigen. Wie sieht das Zusammenspiel zwischen der klassischen Medienarbeit und Social Media aus? Wie bindet man die neuen Dialoggruppen wie etwa Blogger in die PR-Arbeit ein? Werden sie wie die Journalisten angesprochen und zum Beispiel zu Pressekonferenzen eingeladen oder sieht Beziehungspflege im Social Web ganz anders aus?

Vor welchen Herausforderungen Kunst- und Kultureinrichtungen stehen, die auch im Social Web PR betreiben wollen und was es bei den ersten Schritten zu beachten gilt, das erläutert Ulrike Schmid, die sich vor einiger Zeit in einer Studie mit den Social-Media-Aktivitäten von Museen und Orchestern beschäftigt hat, in ihrem Impulsvortrag. Anschließend stellt sie sich Ihren Fragen und diskutiert mit Ihnen über die Zukunft der PR.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 20.04.2011 von 9:00 bis 10:00
Thema: PR im Social Web
Impulsvortrag: Ulrike Schmid (Ulrike Schmid Kommunikation)

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement/

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Wien denkt nicht mehr

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Wien denkt weiter“ nannte sich eine Website, die im letzten Jahr – sicherlich rein zufällig – im Vorfeld der Wiener Gemeinderatswahlen aus dem Boden gestampft wurde und der Platz sein sollte, an dem man mit dem Kulturstadtrat diskutieren bzw. streiten sollte. Nun, daraus wurde nicht wirklich etwas, warum, habe ich schon vor längerer Zeit in einem Blogpost zu beschreiben versucht.

Aber es sollte nicht nur einfach diskutiert werden:

„Das Projekt ‚Wien denkt weiter‘ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Katalog an Leitlinien und Maßnahmen zu erarbeiten, die die Kulturpolitik der Stadt Wien in Zukunft prägen sollen,“

heißt es auch heute noch auf der Seite. Mag sein, dass jetzt irgendwo jemand in einem Kämmerchen an einem neuen Kulturleitbild für die Stadt Wien bastelt, das mit den Diskussionen und Vorschlägen hat allerdings nicht so wirklich geklappt. Zumindest weiß die Öffentlichkeit nicht wirklich, woran sie ist. Dabei hat man ihr die Möglichkeit geboten, auf Facebook Fan dieses Projektes zu werden und so immer auf dem aktuellen Stand der Dinge zu bleiben.

Seit dem 20. Dezember herrscht aber auf allen Kanälen Funkstille, dabei heißt es im letzten Beitrag auf der Website, dass „Wien denkt weiter“ auch 2011 als Kommunikationsplattform Akzente zu setzen beabsichtige. Nachdem den LeserInnen dieses Beitrags am Ende entspannte Weihnachtsfeiertage und ein guter Rutsch ins neue Jahr gewünscht wird, möchte man angesichts der Tatsache, dass auf den Bergen bereits der letzte Schnee schmilzt, am liebsten zum Telefonhörer greifen und die Macher der Seite darauf hinweisen, dass das Frühjahr bald mal vorbei ist und der Sommer beginnt. Bleibt die Frage, ob sich die Wiener Kulturpolitik noch im Winterschlaf befindet oder ob man dort einfach die Lust am Weiterdenken verloren hat?

Wien denkt nicht mehr, das ist für eine der wohl bekanntesten Attraktionen, das Wiener Museumsquartier, wohl die falsche Überschrift. Im Streit um die Facebookseite des MQ hat man eindeutig zu spät mit dem Nachdenken begonnen, wie dieser Artikel deutlich macht. Ed Wohlfahrt hat das, was da passiert ist, trefflich analysiert, dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Doch eines vielleicht: wer in den letzten Tagen die Auseinandersetzungen auf der Facebookseite mitverfolgt hat und heute, so er die Seite anklickt, eine „gereinigte“ Seite und dieses „offizielle“ Statement vorfindet, wird vielleicht den von Thomas Pleil, Professor für Public Relations, verfassten Blogbeitrag „Schafft sich die PR selbst ab?“ mit anderen Augen als vorher lesen. Darin zitiert er unter anderem Ann Gregory mit dem Satz:

„PR (..) habe die Aufgabe, Risiken für Organisationen zu minimieren.“

Im Fall des MQ sind die Risiken nicht minimiert, sondern meiner Ansicht nach maximiert worden, nicht durch die Übernahme der Facebookseite, die rechtlich eindeutig klar geht, sondern durch die Art der Kommunikation. Die KritikerInnen als „selbsternannte Social Media-Experten“ zu bezeichnen, ist ungeschickt (siehe dazu: Friedemann Schulz von Thun: die vier Seiten einer Nachricht), Entschuldigung hin oder her, das Löschen sämtlicher Kommentare vermutlich auch. Mehr als ungeschickt ist in meinen Augen die offizielle Stellungnahme, die so offiziell ist, dass sich darunter nicht ein einziger Name finden lässt. Wer diese Stellungnahme liest und mitbekommen hat, wie die letzten Tage die Fetzen flogen, erkennt, dass PR hier sicher nicht strategisch gedacht wird, sondern, wie es in einem Kommentar zu Pleils Beitrag heißt, „Sprachrohr-, Schönredner- und Grünwäscher-Aufgaben“ übernimmt. Und auch das Schlusswort dieses Kommentars übernehme ich: „schade eigentlich…“ Für die PR vermutlich noch mehr wie für das Museumsquartier.

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Texten (im Netz) will gelernt sein

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„Nur 140 Zeichen auf Twitter, da muss man ja nicht unbedingt ein Schreibgenie sein“, hat mir schon vor längerer Zeit jemand gesagt, der sich nun auch auf Twitter undFacebook wagen wollte und offen zugab, dass Schreiben nicht unbedingt zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Nur 140 Zeichen, das ist für mich kein Grund zur Entwarnung, sondern eher das Gegenteil. Die Herausforderung besteht doch eigentlich darin, das, was man gerne mitteilen möchte, so kurz und prägnant wie möglich darzustellen. Wer z.B. EU-Anträge schreibt, weiß, dass es vor allem auf die 2.000 Zeichen der Kurzfassung ankommt, in denen man sein dreijähriges Projekt in all seinen Facetten beschreiben muss und nicht so sehr auf die Langfassung.

Sich kurz zu fassen ist eine der Herausforderungen, wenn es um das Schreiben von Texten im Web geht. Wer scrollt schon gerne nach unten? Ich schon, werden Sie sagen, aber wenn man sich das Userverhalten auf angeklickten Seiten anschaut, dann kommt man schnell zu einem anderen Ergebnis. Nachlesen und in einem Video verfolgen lässt sich das in Teil 2 der Serie Texten im Web, die auf dem Blog der Agentur themen<wert>statt zu finden ist. In 15 Blogbeiträgen erhalten Sie viele Tipps und Anregungen, wie Sie Ihre eigenen Inhalte ins Web bekommen und zwar so, dass sie auch gelesen werden.

Wie schreibt Oliver Viest, Geschäftsführer der Agentur und Autor der Serie in seinem Eingangsbeitrag so schön:

„Es wird zu viel gelabert und zu weinerlich geschrieben im deutschsprachigen Social Web.“

Damit bezieht er sich zwar nur auf die Seiten deutschsprachiger Social Profit Organisationen, aber die von ihm beschriebene Luft nach oben ist auch in anderen Branchen vorhanden, wenn es um das Thema Texten im Web geht.

Aber genug gelabert, hier finden Sie alle 15 Beiträge. :-)

via Textdepot

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Social Media: reden wir miteinander

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Am Wochenende habe ich das Interview gelesen, das Jörn Brunotte auf seinem Culture to go Blog mit Stephan Adam, dem Leiter der Abteilung Kommunikation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über deren Social-Media-Strategie geführt hat. Alleine schon dieses Interview zeigt, dass das Social Web mittlerweile im Kunst- und Kulturbereich ein Thema ist und nicht als reines Experimentierfeld gesehen wird. Mangels entsprechender Ressourcen ist es auch nicht möglich, Social Media als Spielwiese zu betrachten.

Die Aktivitäten werden auch nicht mehr versteckt, wer auf die Startseite der Staatlichen Kunstsammlungen geht, findet dort die Links zu Blog, Facebook, Twitter und YouTube. Die erste Stufe der Vernetzung ist also geschafft, die Infrastruktur steht. Was aber macht eine Kultureinrichtung nun im nächsten Schritt?

Adam nennt sehr konkrete Ziele und spricht von Kommunikation und Vernetzung:

„Die Unmittelbarkeit und die Wechselseitigkeit der Kommunikation sind das Reizvolle sowohl für die SKD wie auch für unsere Ansprechpartner in den sozialen Medien.“

Stimmt, diese Form der Kommunikation kann sehr reizvoll sein und liefert mir darüber hinaus genau das Feedback, um zu erfahren, was meine Zielgruppen über mich denken und sich von mir wünschen. Betrachtet man nun die verschiedenen kanäle, dann stellt man rasch fest, dass die Kommunikation noch stockt. Die Staatlichen Kunstsammlungen haben sich die geeignete Infrastruktur aufgebaut und die Inhalte so aufbereitet, dass sie über das Social Web kommuniziert werden können.

Wie geht es jetzt weiter, um diese Unmittelbarkeit in der Kommunikation zu erreichen? Institutionen können nicht kommunizieren, das ist in diesem Fall einzelnen Personen vorbehalten. Im Blog der Staatlichen Kunstsammlungen heißt es in einem Beitrag so schön:

„Nach der Wiedereröffnung des Albertinums stellen wir Euch diejenigen Personen vor, die das Museum mit ihrer Arbeit zu dem machen, was es ist.“

Die Idee ist gut, aber wer ist „wir“? Ich habe versucht herauszufinden, wer diesen Beitrag verfasst hat und bin leider nicht fündig geworden. In seinem Beitrag „Von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR: Ein Modell der Online-PR als Hilfe zur Strategieentwicklung?“ spricht Thomas Pleil von drei Typen der Online-PR. Die Aktivitäten der Staatlichen Kunstsammlungen wie auch der meisten Kultureinrichtungen lassen sich, folgt man seiner Einteilung, wohl als „digitalisierte PR“ bezeichnen. Nun ist diese Form der Kommunikation, wie Pleil schreibt, nicht falsch, es kommt auf die Situation an. Aber wenn es um die direkte Kommunikation und die Vernetzung geht, dann kann dies nur ein Zwischenschritt sein auf dem Weg zum Gespräch mit den „Kommunikationspartnern“, wie Pleil sie nennt.

Neben der Personalisierung der Kommunikation geht es aber auch um die Frage, wo ich diese Gespräche initiiere und hier konzentrieren sich die meisten Kultureinrichtungen auf die eigene Social-Media-Infrastruktur. Warum nicht auf anderen Profilen, in anderen Blogs kommentieren und das Gespräch suchen? Kommunikation findet überall im Social Web statt, nicht nur auf den eigenen Seiten. Ein möglicher Ansatz ist das, was ich in meinem Beitrag über die 1:3 Regel geschrieben habe: nach jedem Beitrag auf dem eigenen Profil kommen drei Beiträge auf fremden Profilen. Ich bin mir sicher, dass die Strategie der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf diese Weise aufgeht.

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„Mehr Wert schaffen – Social Media in der B2B-Kommunikation“ (Rezension)

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Social Media? B2B-Kommunikation? Ist das für den Kunst- und Kulturbereich eigentlich ein Thema? Ich habe diese Frage in den letzten Tagen einige Male gestellt, im ersten Reflex lautete die Antwort meist Nein. Im Gespräch stellte sich dann aber schnell heraus, dass es diese B2B-Kommunikation im Kunst- und Kulturbereich natürlich auch gibt. Ob AutorInnen sich um Verlage kümmern müssen, Bands um ein Label, die Musicalbühne oder das Opernhaus um Reiseveranstalter, in all diesen Fällen darf man wohl von B2B-Kommunikation sprechen.

Wie findet etwa ein Reiseveranstalter, der seinen Kunden eine Städtetour inklusive Museumsbesuch anbieten möchte, attraktive Destinationen und die dazugehörigen Kultureinrichtungen? In erster Linie werden hier, so man nicht bereits bestimmte Orte im Auge hat, Suchmaschinen wie etwa Google bemüht. Gesucht wird außerdem im B2B-Bereich auf Herstellerseiten, in Anbieter- und Lieferantenverzeichnisse, Online-Fachzeitschriften und eben auch auf Social Media-Plattformen, haben Thomas Pleil, Professor an der Hochschule (Studiengang Online-Journalismus) in Darmstadt und sein studentisches Team im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes herausgefunden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden auf knapp 100 Seiten zusammen gefasst und unter dem Titel Mehr Wert schaffen: Social Media in der B2B-Kommunikationveröffentlicht. Vorweg: ein lesenswertes Buch.

Natürlich gilt auch in diesem Fall: während in den USA Social Media in der B2B-Kommunikation schon selbstverständlich ist, fehlt in unseren Breitengraden oft noch das Wissen über das Potenzial von Social Media, was wiederum das Aufkommen von Ängsten und Vorbehalten begünstigt. Aufklärung tut also Not und genau die bietet das Buch. Vor allem die vier ausführlich dargestellten Praxisbeispiele sind sehr hilfreich, wenn sie auch mit Kunst und Kultur wenig zu tun haben. Wenn aber beispielsweise eine Bank ein Blog betreibt, zu dem sowohl die Führungsebene als auch die MitarbeiterInnen Beiräge beisteuern, um die Menschen zu zeigen, die bei dieser Bank arbeiten, dann ist das eine Philosphie, die sich auf jede Kultureinrichtung übertragen lässt, denn auch hier ist Authentizität ja ein Thema.

Gut gefällt mir bei diesen Praxisbeispielen die ausführliche Darstellung der jeweiligen Social Media-Aktivitäten. In welche Kommunikationsstrategie sind die Social Media-Aktivitäten eingebunden, wie werden die Aktivitäten auf den verschiedenen Kanälen miteinander abgestimmt? Wer sich gerade in das Thema einarbeitet, erhält hier wertvolle Anregungen. Dass es mit einem Account auf einer oder mehrerer Plattformen nicht getan ist, zeigt das Beispiel Westaflex. Das mittelständische Unternehmen, das Aluminium, Edelstahl und Kunststoff verarbeitet, geht noch einen Schritt weiter und versucht, ein wirklicher Bestandteil der Communitys zu werden:

„Im Sinne von Social Media will das Unternehmen unter anderem BarCamps und Open-Event-Seiten, wie Twittwoch oder Rivva, ganz konkret sponsern,“

heißt es in dem Buch (S.68), eine Idee, die sich wohl auch recht leicht auf den Kunst- und Kulturbereich übertragen lässt. ;-) Allerdings kommt es in solchen Fällen zu einer Vermischung von B2B- und B2C-Kommunikation, denn ein metallverarbeitendes Unternehmen wird wohl kaum mit seinen Kunden Barcamps organisieren bzw. solche sponsern. Das zeigt schon, die Trennung zwischen beiden Bereichen ist nicht ganz leicht beizubehalten. Die Triodos-Bank etwa, die durchaus zwischen Privat- und Businesskunden unterscheidet, kommuniziert über ihre Social Media-Kanäle mit beiden Kundenbereichen.

Wie man die Sache angeht, hängt also von der eigenen (Kommunikations)-Strategie ab, womit ich von den Praxisbeispielen noch einmal zum vorangestellten „Theorieteil“ springen möchte. Kapitel 3 versucht die Frage zu beantworten, welche Rahmenbedingungen der Social Media-Einsatz verlangt? Die AutorInnen weisen darauf hin, dass die Unternehmenskultur mit der offenen Kommunikation via Social Media korrelieren muss:

„Jede noch so gute Kommunikationsstrategie verfehlt ihre Ziele zwangsläufig, wenn die Führung und die Mitarbeiter eines Unternehmens nicht verkörpern, was sie nach außen präsentieren möchten,“

heißt es auf Seite 32. Wie aber muss diese Führungskultur aussehen? Die Befragungen haben gezeigt, das es mit Glaubwürdigkeit, Respekt, Stolz, Fairness und Teamorientierung fünf Erfolgsfaktoren gibt, Schlagworte, die ja auch das Social Web dominieren, wie die AutorInnen feststellen. Streng hierarchische Funktionsmodelle verlieren an Bedeutung,

„der ’normale‘ Mitarbeiter wird (…) zum ‚kleinen Pressesprecher‘,“

wie es im Buch so schön formuliert wird. Auch deren private Social Media-Aktivitäten tragen zum Image des Unternehmens bei. Soll das positiv sein, muss bei den MitarbeiterInnen eine positive Grundhaltung vorhanden sein. Misstraut ein Unternehmen seinem Personal aber und versucht es zu kontrollieren, ist diese positive Grundhaltung wohl eher nicht vorhanden, ein schlechtes internes Betriebsklima schlägt unter Umständen auf die verschiedenen Social Media-Plattformen durch.

Wenn man am Ende des Buches weiß, worauf es im Social Media-Bereich ankommt und wie andere Social Media einsetzen, dann kannes ja sein, dass in einem der Wunsch aufkommt, es jetzt selbst ausprobieren zu wollen. Genau dafür haben die AutorInnen noch eine Empfehlungsliste bestehend aus zehn Punkten zusammengestellt. Ich will hier nicht alle Punkte verraten, aber der letzte scheint mir, gerade im Hinblick auf den Kunst- und Kulturbereich, besonders wichtig zu sein:

„Unternehmen sollten prüfen, ob und inwieweit sie Social Media auch für die interne Kommunikation einsetzen können.“

Das ist sehr nett formuliert, denn wenn wir noch einmal an die fünf oben angeführten Erfolgsfaktoren denken, dann dürfte der Social Media-Einsatz in der internen Kommunikation eigentlich gar kein Thema, sondern selbstverständlich sein.

Fazit: ein sehr hilfreiches Buch, das nicht nur zeigt, wie Social Media in der BB-Kommunikation funktioniert, sondern auch ein Beispiel dafür ist, dass es nicht immer hunderte von Seiten sein müssen, um ein Thema abzuhandeln. Zeit haben wir ja schließlich nicht im Überfluss. ;-)

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Wozu brauche ich eigentlich einen Social Media Newsroom?

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Vor einiger Zeit habe ich über die Möglichkeit geschrieben, eine Social Media Press Releases online (zu) erstellen. Das dort vorgestellte Angebot von PitchEngine fand ich gar nicht so schlecht, vor allem, weil es einen dabei unterstützt, Ordnung in die ganze Sache zu bringen. Mittlerweile bin ich aber zu dem Ergebnis gekommen, dass man wahrscheinlich wesentlich besser mit der Kombination Netvibes und Posterous fährt, ergänzt durch Fotos, Video oder auch (Social) Bookmarks.

Aber egal, welche Variante man nun wählt: wozu brauchen wir so etwas eigentlich? Ulrike Schmid hat das Thema auf ihrem Blog aufgegriffen und stellt in ihrem Beitrag „Social Media Release oder einfach nur Kulturnews“ fest, dass man mit solchen Social Media Templates kaum jemanden erreichen kann. Eine Nachfrage bei einigen Journalisten hat nämlich laut Ulrike Schmid ergeben:

„Social-Media-Templates schauen sie sich gar nicht an, ebenso wenig die kostenlosen Online-Presse-Portale. Kostenpflichtige Presseportale wie news aktuell schon eher.“

Ihre Schlussfolgerung:

„Nutzt man nun also Social-Media-Templates oder kostenlose Online-Portale muss man sich im Klaren sein, dass man festangestellte Journalisten nicht erreicht. Zu den für meine Kunden entscheidenden Journalisten habe ich allerdings eh den persönlichen Kontakt und spreche sie auch individuell an. Insofern dienen mir diese Portale und Templates nur dazu, um Blogger, evtl. auch freie Journalisten, die auf der Suche nach einem Thema sind, oder andere generell am Thema Interessierte zu erreichen. Und sie sind natürlich für die Online-Reputation und die generelle Sichtbarkeit im Netz wichtig.“

Gut, festangestellte Journalisten schauen also nur in kostenpflichtige Presseportale rein. Wer nun mit dem Gedanken spielt, einen Social Media Newsroom einzurichten, wird sich sagen: ein Glück, dass es immer weniger festangestellte Journalisten gibt, denn dadurch erhöht sich die Chance, dass mein Newsroom überhaupt wahrgenommen wird. Vielleicht sinkt ihre Zahl auch deshalb, weil sie nie auf der Suche nach einem neuen Thema sind, aber das ist jetzt zugegeben eine recht böse Interpretation dessen, was Ulrike Schmid in ihrem Blogpost geschrieben hat.

Aber auch ohne böse Absicht klingt da durch: die Profis bekommen ihre Informationen im persönlichen Gespräch, für alle anderen ist der Social Media Newsroom gedacht. Richtig?

Ich sehe das etwas anders, denn mit Hilfe eines Social Media Newsrooms möchte ich nicht einfach nur für meine Presseaussendungen einen weiteren Kanal schaffen, sondern dieser Newsroom dient in meinen Augen dazu, zusätzliche Informationen zu einem bestimmten Thema bereit zu stellen. Wenn ich also als Journalist im Social Media Newsroom von Ulrike Schmid (siehe Screenshot) beispielsweise  den Hinweis finde, dass das Programmheft der 42. Würzburger Bachtage erschienen ist, dann ist es zwar für mich als Journalist sehr hilfreich, im Posterous-Beitrag das via scribd eingebundene Programm vorzufinden.

Aber ob das nun eine Geschichte wert ist, vermag ich so noch nicht abzuschätzen. Gut, nun kann ich also anrufen, aber erfahre ich so, ob das eine Geschichte wird? Eigentlich bin ich ja erst dabei herauszufinden, ob das überhaupt eine Story für mich ist. Jedes Mal irgendwo anzurufen, nur um das herauszufinden, kostet vermutlich relativ viel Zeit. Ganz abgesehen davon verfolgen meine Gesprächspartner verständlicherweise ganz andere Interessen und sind so keine wirkliche Hilfe, um meine Frage, ob das eine Story werden kann, zu beantworten. Für sie ist das bereits eine Story und so sind nicht nur die Ziele, die mein Gegenüber und ich verfolgen, höchst unterschiedlich, sondern vermutlich auch die Kriterien.

Vielleicht höre ich zum ersten Mal von den Würzburger Bachtagen? Wer steckt da dahinter? Jetzt wäre ein Link hilfreich. Oder ein Text, der kurz beschreibt, was es mit den Bachtagen in Würzburg auf sich hat. Vielleicht gibt es von den letzten Jahren Fotos oder Videos, die mir helfen, einen Eindruck zu gewinnen und die ich dann in der Online-Ausgabe der Zeitung, in der der Artikel dann erscheinen soll, einbauen kann. Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird.

Toll, wenn ich im Social Media Newsroom alle diese Informationen finde. Und Fotos, die ich auch verwenden darf. Noch besser ist es, wenn ich dort ein paar Links (Social Bookmarking) vorfinde, die mir die Möglichkeit geben, mich über den Komponisten zu informieren. Das schaffe ich im Fall von Bach wahrscheinlich auch ohne Links, aber es gibt genügend Komponisten, bei denen ich froh bin, wenn mich jemand mit Informationen versorgt.

Wer seinen Social Media Newsroom so aufsetzt, wird, kann sich, so behaupte ich, als wichtige Anlaufstelle für all diejenigen etablieren, die auf der Suche nach Informationen sind. Damit verbunden ist, wie Ulrike Schmid völlig richtig schreibt, ein Reputationsgewinn bzw. eine generelle Sichtbarkeit im Netz. Im Idealfall beginnen Journalisten irgendwann einmal ihre Recherchen in meinem Social Media Newsroom. Auch wenn sie festangestellt sind. ;-)

Aber noch einmal zurück zum Angebot von PitchEngine. Das hat gegenüber anderen Angeboten den großen Vorteil, dass hier Agentur und Künstler sauber getrennt sind, weil die Struktur so angelegt ist. Nutzt man Netvibes, Posterous und all die anderen Social Media-Kanäle, dann muss man ohne Templates auskommen und läuft Gefahr, dass die klaren Strukturen verloren gehen. Am Ende weiß der Journalist dann nicht mehr, ob der Social Media Newsroom dazu dient, die Agentur zu bewerben oder die Künstler, die die Agentur vertritt. Das ist ein nicht unwichtiger Unterschied!

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Social Media Press Release online erstellen

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Mehr und mehr Firmen bieten mittlerweile Social Media-Presseaussendungen an, in der Regel sind es große Firmen, die dafür Geld in die Hand nehmen und sich die entsprechenden Templates entwickeln (lassen). Auf der Seite von PitchEngine können Sie sich Ihre eigene Social Media Press Release gestalten.

Sie müssen sich nur dort (kostenlos) anmelden, die für Sie relevanten Kontaktdaten eintragen und in das vorgegebene Template die Information eingeben. Ihre Social Media Presseaussendung kann dann zum Beispiel so aussehen wie die des Sängers Daniel Walcher:

In der kostenlosen Basisversion bleiben die Meldungen nur jeweils 30 Tage erhalten. Aber zu Testzwecken reicht das allemal und wenn Sie dann auf den Geschmack gekommen sind, können Sie Ihre Basisversion updaten. Ich habe mich gestern angemeldet und werde mal ausprobieren, wie so eine Social Media-Presseaussendung ankommt und wirkt. Aber die Idee von PitchEngine, ein Template online anzubieten, gefällt mir.

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Die Zukunft des Kulturjournalismus

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Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich gefragt, ob ich nicht zu einem Buch einen Artikel beisteuern kann, der sich mit der Zukunft des Kulturjournalismus beschäftigt. Kulturjournalismus 2.0 also. ;-) In meinen Augen ist das ein interessantes und auch wichtiges Thema, denn angesichts der Tatsache, dass für das Feuilleton in den Printmedien immer weniger Platz zur Verfügung steht, erscheint es angebracht, sich über dessen Zukunft Gedanken zu machen. Schließlich verfolgt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der meisten Kultureinrichtungen das Ziel, in eben diesem Feuilleton möglichst präsent zu sein. Was mit dem langsamen Verschwinden der Kulturberichterstattung immer schwieriger wird. Mit den folgenden Zeilen versuche ich das Thema zu strukturieren, um so die Grundlage für den Artikel zu schaffen.

Präsent sein heißt, das eigene künstlerische Ereignis wird von einer KritikerIn besprochen und das möglichst positiv, damit die LeserInnen sich auf Grund der Rezension für einen Besuch dieses Ereignisses entscheiden. Zwar gibt es den Automatismus positive Kritik = hohe Besucherzahlen nicht, aber zumindest für das Image ist es hilfreich, wenn man in den Zeitungen gut wegkommt. Das wird allerdings immer schwieriger, denn die Hochzeit des Feuilletons ist vorbei, der Platz wird knapper und nur die großen Events finden noch Erwähnung. Während die Kritik früher als eigene Kunstform galt (Heinrich Heine, Alfred Kerr, etc.) und damit für die Qualität einer Zeitung mitentscheidend war, wird die Kulturredaktion heute häufig als Anhängsel betrachtet. Schwindendes Interesse auf der einen Seite und hohe Redaktionskosten auf der anderen Seite sind die Ursache für diese Entwicklung.

So gilt auch bei uns, was Douglas McLennan vor rund einem Jahr im Hinblick auf Amerika konstatierte:

„Traditional arts journalism did a great job – when it was practiced well – of covering certain kinds of art. Still does.
Unfortunately, a great deal of arts journalism is poorly done. Over the past 20 years the pressure to concentrate on the consumer review function has trivialized much coverage. And the inability of most publications to develop longer story arcs that speak to a broader context has marginalized it. In an increasingly crowded cultural space, the traditional emphasis on the review as the primary form is suicide.“

Zwar ist das Internet nicht der Auslöser dieser Entwicklung, aber es hat diesen Prozess beschleunigt, die Bedeutung der Printmedien ist seitdem signifikant gesunken. Der wirtschaftliche Druck, dem die Verlage ausgesetzt sind und die Unfähigkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, hat der Berichterstattung über Kunst und Kultur nicht gutgetan, zumindest im Bereich der Printmedien.

Aber: noch nie konnten wir so viel über Kunst und Kultur lesen. Statt die Zeitung aufzuschlagen und zu wissen, auf welche Seiten über Kunst und Kultur berichtet wird, müssen wir uns heute auf die Suche nach den BerichterstatterInnen machen. Diese sind nicht mehr unbedingt an eine Zeitung gebunden, sondern immer häufiger als EinzelkämpferInnen unterwegs. Womit auch klar ist, dass sich das Berufsfeld der JournalistIn gewandelt hat. Wolfgang Blau, ZEIT-Online Chefredakteur, hat vermutlich Recht, wenn er in einem Interview behauptet, dass ein Journalist nicht nur Berichterstatter, sondern auch Moderator und Kurator sein müsse:

„Eine unserer Aufgaben wird sein, das Fachwissen unserer Leser zu bündeln, zu verifizieren, zu moderieren.“

Und weil hier (richtigerweise) von Moderation die Rede ist, würde ich den Journalisten auch noch zum Community-Manager machen. Das ist ziemlich viel Arbeit, werden Sie vielleicht an dieser Stelle einwenden und das nicht zu Unrecht. Unterstützung ist hier sicher kein Schaden, allerdings stellt sich die Frage, von wem die kommen wird? Hier bringen sich dann meist die Verlage ins Spiel, die immer wieder auf ihren Einsatz für den Erhalt des sogenannten Qualitätsjournalismus hinweisen.

Es ist unbestritten, dass sie diese Rolle früher innehatten. Heute allerdings scheinen sie sie verloren zu haben. Die alten Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr, neue sind derzeit (noch) nicht in Sicht. Das heißt, wir stehen derzeit vor zwei Herausforderungen. Erstens hat sich das journalistische Berufsbild verändert und zweitens gibt es kein funktionierendes Geschäftsmodell mehr, mit dem die Verlage die journalistische Arbeit finanzieren können.

JournalistInnen arbeiten heute nicht mehr so häufig in vorgegebenen Strukturen, sondern sind oftmals auf sich alleine gestellt. Hier mal ein Artikel, dort eine Moderation und zwischendurch wird auf dem eigenen Blog gepostet und auf die Fotoplattform weitere Fotos hochgeladen. Gefällt uns die Arbeit, folgen wir nicht mehr den Informationen einer Zeitung, sondern der Person der JournalistIn, deren Aufgabe darin besteht, uns interessante Informationsangebote zu machen. So wie eine KuratorIn für uns eine Ausstellung zusammenstellt, stellt die JournalistIn für uns die Informationen zusammen. Nicht ohne Grund bezeichnet Jeff Jarvis in seinem Blogpost „Death of the curator. Long live the curator.“ den Kurator als Vorbild für den Journalisten.

Bleibt die Frage nach dem Geschäftsmodell. Da gibt es den Ansatz, den spot.us verfolgt (siehe dazu den Beitrag „Artikel durch Crowdfunding finanzieren„) oder aber die Modelle von Flattr und Kachingle. Auch wenn diese Ideen erfolgreich umgesetzt werden können. Rezensionen lassen sich auch auf dieser Basis nicht finanzieren. Aber wenn man sich im Internet umsieht, wird man eine Vielzahl an Blogs, Websites und Magazinen entdecken können, die über Kunst und Kultur berichten.  Ob „the art view„, „kulturlabskaus“ oder das „Kunst-Blog„, sie alle informieren vor allem über Kunst und Kultur. Rezensionen findet man selten, weil die meisten dieser Seiten nur nebenbei betrieben werden und daher Geld und Zeit fehlen, um die Seiten auszubauen.

Kultureinrichtungen sollten solche Seiten Ernst nehmen und sie unterstützen, denn qualitativ hochwertige Berichterstattung ist in ihrem Interesse. Über Douglas McLennan bin ich auf die Seite des letztjährigen „National Summit on Arts Journalism“ gestoßen. Gesucht wurden in diesem Rahmen Projekte, die dem Kulturjournalismus neue Perspektiven eröffnen können. Es lohnt sich, einen Blick auf die prämierten Projekte zu werfen. Sie alle sind stark regional ausgerichtet und zeigen, dass auch im globalen Internet lokale Bezüge eine wichtige Rolle spielen. Ob sich solche Ansätze durchsetzen werden können, vermag niemand zu sagen. Klar ist nur: die alten Modelle haben ausgedient, ohne dass dafür schon Ersatz gefunden werden konnte. Eine solche Situation mag vielen Angst machen, da sie nicht wissen, wie es weiter geht. Die Ungewissheit kann aber auch der Nährboden sein für völlig neue Konzepte, die ansonsten keine Beachtung finden würden.

Wie sehen Sie die Zukunft des Kulturjournalismus? Hat er überhaupt eine Zukunft und wenn ja, in welcher Form? Oder haben die KritikerInnen in den Feuilletons über eine elitäre Kunst geschrieben, die eh nur für eine Minderheit interessant ist? Womit das Ende des Feuilleton auch seine guten Seiten hätte.

Bild von M. Maggs auf Pixabay

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Von der digitalisierten PR zur Cluetrain-PR: Ein Modell der Online-PR als Hilfe zur Strategieentwicklung? (via Das Textdepot)

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Toll, WordPress wird zu Facebook und erlaubt mir, Blogbeiträge von anderen wp.com-Blogs via QuickPress in mein Blog zu integrieren. Inhaltlich macht das jetzt wenig Sinn, weil ich mich schon in einem eigenen Beitrag auf das Modell von Thomas Pleil bezogen habe. Aber ich will wissen, ob dieses neue Feature sinnvoll ist.

Insofern erwarten Sie hier inhaltlich keine Neuigkeiten. Es ist eher so eine Art Technikcheck. ;-)

Es ist nun schon gut drei Jahre her, seit ich mein Modell der Online-PR zum ersten Mal vorgestellt habe. Im Wesentlichen war es zunächst eine Typologie. Demnach unterscheide ich drei mögliche Typen der Online-PR: Die digitalisierte PR, die Internet-PR und die Cluetrain-PR. Auf Einladung von Heinz Wittenbrink von unserer Partner-Hochschule FH Joanneum in Graz konnte ich vor ein paar Tagen mein Modell vorstellen und mit Studenten diskutieren. Im Ge … Read More

via Das Textdepot