Post Format

Lassen sich mit Hilfe von Blogeinträgen mehr CDs verkaufen?

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Wenn wir hier Tag für Tag oder auch nur Woche für Woche unsere Blogs und Websites füllen und uns in Social Networks tummeln, dann stellen wir uns wahrscheinlich irgendwann einmal die Frage, ob das überhaupt relevant ist, was wir da machen? Interessiert sich überhaupt wer für das, was da beispielsweise in Blogs veröffentlicht wird? Bewirken unsere Beiträge etwas? Glaubt man einer von der New Yorker University veröffentlichten Studie, dann kann ich mich beruhigt zurücklehnen. Vorausgesetzt, ich schreibe über Musik, die als CD verkauft wird. Dann würden meine Beiträge nämlich dazu beitragen, die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Vasant Dhar und Elaine Chan, die die Studie verfasst haben, kommen nämlich zu ein paar ganz interessanten Ergebnissen. Dieses hier sticht natürlich hervor:
“ When legitimate blog posts exceeded a threshold of 40 before an albums release, sales were three times the average“,
heißt es in der Presseaussendung. Untersucht wurden ingesamt 108 „Alben“, die zwischen Januar und März 07 als CD verkauft wurden. Alben, über die innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen (vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Erscheinen) in Blogposts berichtet wurde, konnten dabei überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen erzielen. Gleichzeitig stellten Dhar und Chan fest, dass sich zwar mit Hilfe von Kontakten auf MySpace die Verkaufszahlen ebenfalls steigern lassen, allerdings in geringerem Ausmaß. Eigentlich müsste das heißen, dass die Musikindustrie zukünftig nur noch dafür sorgen muss, dass in möglichst vielen Blogs über die veröffentlichten Alben berichtet wird und schon stellt sich der Erfolg ein. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Zu Recht wird auf Coolfer die Frage gestellt:
„Do blog posts create sales or reflect the attention an artist is getting at that point in time?“
Beides stimme wohl, beantwortet Glenn Peoples seine Frage gleich selbst, denn:
„Blogs certainly spur sales, but most of them — especially the ones that pick up on the topics of the more popular blogs — are merely a reflection of the online buzz and of the potential of the album.“
Seine Schlussfolgerung lautet:
„Bloggers carry a lot of weight. Blog buzz is a reflection of the anticipation for an album’s release, and increases in blog chatter lead to higher sales. Mainstream album reviews are almost as strong a predictor but not quite, and MySpace friends are far less a predictor of future sales.“
Für mich heißt das: Wer nur auf Blogs setzt, wird aus seiner Produktion nicht automatisch einen Verkaufsschlager machen. Erst wenn ein Album eine gewisse Aufmerksamkeit erregt hat, lässt sich der Effekt durch Social Networks wie (in diesem Fall) MySpace und durch Blogposts verstärken. Auffällig ist, dass diese Studie in den USA zwar in einigen Blogs besprochen worden ist, im deutschsprachigen Raum aber noch nicht entdeckt worden ist. Zumindest habe ich noch keine Reaktionen entdecken können. Aber ohne Blogs kann man mit den Ergebnissen auch nicht so arg viel anfangen. Zwei Alternativen bieten sich an: entweder mit dem Bloggen beginnen oder die Studie ignorieren. Wer sie trotzdem lesen will, findet sie hier zum Download.

4 Comments Join the Conversation

  1. Mit Büchern funktioniert das offenbar auch so.

    Hier gehts aber soweit, dass das Anbieten eines kompletten Gratis-Online Exemplars, den Verkauf der kostenpflichtigen gedruckten Ausgabe fördert. (Ich hab jetzt die Links nicht zur Hand.)

    Es kommt natürlich auf die Art des Buches an. Aber das HTML Online-Exemplar hat meiner Ansicht nach sogar mehrere fördernde Effekt:
    1) Verlinkungen von Blogs auf Zitate und Beispiele (=macht bekannt).
    2) Der Einstieg, die Kostprobe, ob das Buch mein Bedürfnis befriedigt
    3) dadurch der eventuelle Kauf des Druckwerkes
    4) wenn im Besitz des Druckwerkes: schnelles Suchen und Nachschlagen von Zitaten oder Beispielen

    Ich glaube, dass es hier zukünftig ein „fast immanentes“ Zusammenspiel geben wird.

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  2. Gerald, danke für den Hinweis auf Bücher. Ich denke, dass diese Strategie bei Büchern (meintest Du Paulo Coelho ?) langfristig sehr viel besser funktionieren wird als bei der CD. Denn ein Buch bietet mir eindeutig einen Mehrwert, die CD bietet zumindest mir persönlich keinen. Deshalb kaufe ich auch keine CDs mehr, sondern wähle gleich die digitale Variante. Wenn überhaupt, denn eigentlich muss ich Musik nicht besitzen. Hören reicht….

    Deine vier Effekte bringen das Zusammenspiel zwischen der Online- und der Printversion auf den Punkt. Bei mir kommt noch der Aspekt des Sammelns dazu. Eigentlich völlig unsinnig, aber irgendeine Macke muss man ja haben. ;-)

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