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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil II)

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In meinem gestrigen Beitrag über die von Causales herausgebrachte Studie Kultursponsoring 2010 hat sich gezeigt, dass sich entweder nur mittlere und große Kulturbetriebe dazu entschließen konnten, den Fragebogen auszufüllen oder es wirklich so ist, dass Sponsoring nur für Kultureinrichtungen in dieser Größenordnung interessant ist. Um das herauszufinden, bräuchte es dann aber vermutlich wieder eine eigene Studie. :-)

Aber uns interessieren natürlich nicht nur die Kultureinrichtungen, sondern auch die Unternehmen. Welche Erkenntnisse liefert uns die Studie hier? Sie zeigt zum Beispiel, dass die Sponsoringgeber sich ähnlich wie das Publikum auf die Region verteilen. Nachdem die Studie ja zu dem Ergebnis kommt, dass im Sponsoringbereich wesentlich mehr Geld fließt als noch 2007, könnte das eines der Erfolgsrezepte sein: wenn ein Kulturbetrieb sich als Mittler zwischen Unternehmen und seinem Publikum anbietet, dann funktioniert das nur, wenn beide im gleichen geografischen Umfeld angesiedelt sind.

Zwar wurden die Kulturbetriebe nicht nach ihrer Unternehmensgröße gefragt, aber die Zuschauerzahlen lassen vermuten, dass es sich bei denen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, um mittelgroße Kultureinrichtungen handelt. Wie sieht es auf der Gegenseite aus? Auch hier, so zeigt die Studie, sind es vor allem mittelständische Unternehmen (52 Prozent), die Kultursponsoring betreiben. Großunternehmen (35 Prozent) und Kleinunternehmen (13 Prozent) liegen da weit zurück. Überraschend ist es dann aber, dass bei den Branchen, die Kultursponsoring betreiben, der Banken- und Versicherungsbereich mit 60 Prozent so dominiert.

Ganz am Ende liegen mit 4,5 Prozent übrigens Mobilfunkbetreiber, die ich als äußerst interessante Partner für kommende Sponsoringaktivitäten ansehe. Wenn das Social Web zunehmend an Bedeutung gewinnt und wir uns in den sozialen Netzwerken immer häufiger mit Hilfe von mobilen Endgeräten austauschen, dann sollte es hier schon Ansatzpunkte für zukunftsweisende Partnerschaften geben.

Vor diesem Hintergrund gewinnen dann die Fans, Follower oder Freunde der Kulturbetriebe an Bedeutung. Die Zusammenarbeit der Sponsoringpartner kann ja durchaus online stattfinden, warum sich also nicht hier Gedanken machen, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte?

Bis jetzt verlassen sich Kulturbetriebe und Unternehmen aber auf die klassischen Sponsoringformate. Unterstützt werden vor allem Veranstaltungen (67,7 Prozent) und konkrete Projekte (58,7 Prozent). Sehr viel seltener unterstützen die Unternehmen die Kultureinrichtung ingesamt(37,6 Prozent)  oder auch KünstlerInnen (9,8 Prozent). Die Unterstützung erfolgt größtenteils in finanzieller Form (80 Prozent), Sach- und Medienleistungen sind sehr viel seltener.

Was passiert mit diesem Geld? Meist wird es inhaltlich verwendet, nur selten hingegen für die Werbung oder die Öffentlichkeitsarbeit. Als Gegenleistung erhalten die Unternehmen das, was halt so üblich ist: die Unternehmen werden offline/online präsentiert und das in bekannter Weise. Wirklich neue und innovative Ansätze lassen sich hier nicht herauslesen, aber wenn alle damit zufrieden sind, dann gibt es ja auch keinen Grund, etwas daran zu verändern.

Und dass die meisten Kulturbetriebe und Unternehmen zufrieden sind, das zeigt die Auswertung der Fragebögen. Mehr dazu dann aber im dritten und letzten Teil dieses Beitrags.

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Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)

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Wenn die öffentlichen Fördergelder immer knapper werden, dann gilt es, sich nach Alternativen umzusehen. Eine von der Agentur Causales durchgeführte Studie zeigt, dass viele Kulturbetriebe dabei auf das Kultursponsoring setzen. Und das recht erfolgreich, denn während die Kultureinrichtungen 2007 erst 6,7 Prozent ihres Haushaltes über Sponsoringeinnahmen abdecken konnten, sind es dieses Jahr bereits 13 Prozent. Das bedeutet, die Einnahmen aus dem Sponsoring verdoppelten sich innerhalb von drei Jahren.

Ist das Kultursponsoring also der Rettungsanker für viele in finanziellen Nöten steckenden Kultureinrichtungen? Schauen wir uns die Studie mal genauer an. Die Agentur Causales hat sich bereits zum dritten Mal des Themas Kultursponsoring angenommen. Während sich die Untersuchung 2005 noch auf Berlin und die umliegenden Bundesländer beschränkte, wurden ab 2007 bundesweit Kultureinrichtungen eingeladen, den Fragebogen auszuschicken. 500 Kultureinrichtungen wurden kontaktiert, 133 von ihnen füllten den Fragebogen aus, was einer Rücklaufquote von 26,6 Prozent entspricht. Bei den meisten dieser Kulturbetriebe handelt es sich um Museen (19 Prozent), Musiktheater (13,7 Prozent) und Sprechtheater (11,5 Prozent). Mehr als zwei Drittel der befragten Kultureinrichtungen erreichen zwischen 10.000 und 500.000 BesucherInnen pro Jahr, gut 5 Prozent locken noch mehr Menschen an.

Anlocken lässt sich aber meist nur, wer im regionalen Umfeld wohnt. Mehr als zwei Drittel der BesucherInnen leben in einem Umfeld von 100 Kilometern, 19 Prozent in Deutschland und 11 Prozent im Ausland. Während sich die Kulturbetriebe im Social Web häufig für neue (und junge) Zielgruppen interessieren, weist deren Kernzielgruppe meist ein recht hohes Alter auf. Den vierzig- bis sechzigjährigen gilt dabei das Hauptinteresse, das heißt, ein jugendliches Publikum scheint eher als Reserve für die Zukunft gesehen zu werden. Da überrascht es dann nicht, dass der überwiegende Teil dieser Kernzielgruppe hochgebildet ist und entweder Abitur oder ein Studium vorweisen kann.
Ich hätte mir hier noch die Frage nach Herkunft und migrantischem Hintergrund gewünscht, denn diese Gruppe der Bevölkerung ist in den letzten Jahren zwar enorm gewachsen, in den entsprechenden Kulturstatistiken taucht sie aber nur selten oder wie in diesem Fall, gar nicht auf.

Fast alle Kultureinrichtungen arbeiten mit Sponsoren zusammen

Nachdem es im Interesse von Sponsoringnehmer und –geber liegt, dass möglichst viele Menschen von dieser Zusammenarbeit erfahren, hängt viel von der Frage ab, über welche Kanäle die Kulturbetriebe mit ihren Zielgruppen kommunizieren und wie viele Menschen sie auf diese Weise erreichen. Am häufigsten setzen die Kultureinrichtungen auf die Mund-zu-Mund-Propaganda, gefolgt von der klassischen PR und, für mich etwas überraschend, die Kommunikation via Internet beziehungsweise Web2.0. Dass sich damit sehr viele Menschen erreichen lassen, belegen die Zahlen. Mehr als 15 Prozent der befragten Kulturbetriebe nannte hier über eine Million Menschen, allerdings fällt auf, dass diese Zahlen nicht so sehr viel höher sind als die Besucherzahlen.

Angesichts der Bedeutung von Social Media in der Kommunikation ist das etwas erstaunlich, hier hätte ich wesentlich höhere Zahlen erwartet. Dafür hätte ich umgekehrt nicht gedacht, dass so viele der befragten Kulturbetriebe mit Sponsoren zusammen arbeitet beziehungsweise gearbeitet haben. Knapp 87 Prozent arbeiten derzeit mit Sponsoren zusammen und das zum Teil schon sehr lange. So gibt es jede Menge Partnerschaften, die schon mehr als zehn Jahre bestehen, Kontinuität wird also großgeschrieben.

Aber trotz langfristiger Kooperationen verlassen sich die wenigsten Kultureinrichtungen nur auf einen Partner aus der Wirtschaft. Die meisten Kulturbetriebe arbeiten mit 3-4 (25,8 Prozent) und 5-6 (22,7 Prozent) Partnern zusammen. Vier Prozent gaben an, mehr als 30 Sponsoringpartner zu haben.
Keine schlechte Leistung, denn seine Partner muss man sich in der Regel selbst suchen. Unternehmen, die auf Kultureinrichtungen zugehen, sind (noch) die große Ausnahme, noch seltener kommt die Zusammenarbeit durch Vermittlung zustande.

Und wer übernimmt diese Aufgabe in den Kultureinrichtungen? Meist sind es die Geschäftsführer (47 Prozent) oder die Marketing/PR-Abteilung (32 Prozent). Immerhin acht Prozent der befragten Kultureinrichtungen gaben an, über eine eigene Sponsoringabteilung zu verfügen.

Wer sind nun die Partner aus der Wirtschaft und welche Leistungen werden ausgetauscht? Die Antworten darauf gibt es im nächsten Beitrag.

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Warum das „einzig wahre Museum“ bei mir Unbehagen auslöst

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„Kultursponsoring ist tot –auf der Suche nach dem Dritten“, so betitelte Elisabeth von Helldorff ihren Vortrag, den sie letzte Woche im Rahmen des Symposiums „Kulturpolitur“ im Rendsburger Nordkolleg hielt und in dem sie sich Gedanken über die Zusammenarbeit von Kultubetrieben und Wirtschaftsunternehmen machte. Die Zusammenarbeit muss auf neue Beine gestellt werden, so eine Erkenntnis, die ich nicht nur aus dem Vortrag, sondern aus dem Symposium insgesamt mitnahm.

Die Veranstaltung fiel mir wieder ein, als ich heute bei Sebastian Hartmann den Beitrag über das „einzig wahre Museum“ las, einen von Warsteiner lancierten Wettbewerb auf Facebook, bei dem die Museen um die meisten Stimmen und ein Preisgeld kämpften. Von einem Museums-Krimi ist auf dem Blog der Brauerei zu lesen, den am Ende das Oldenburger Computer-Museum für sich entschied.

Ich möchte kein Spielverderber sein, aber für mich hat dieser Wettbewerb einen schalen Beigeschmack. Die Facebook-Seite von Warsteiner hat aktuell gut 12.300 Fans. Von denen wurden 1.768 Stimmen abgegeben und auf insgesamt 250 Museen verteilt, die sich am Wettbewerb beteiligten. Der Sieger erhielt am Ende 1.768 Euro, genau einen Euro pro abgegebener Stimme. Viele der Museen riefen ihre Fans dazu auf, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen, was nur über eine Applikation auf der Warsteiner-Fanseite möglich war. Für die Aufmerksamkeit, die sie so auf diesen Wettbewerb lenkten, sind die 1.768 Euro, die Warsteiner am Ende als Preisgeld an das Oldenburger Computermuseum ausschüttete, ein Schnäppchen, zumal, wenn ich es richtig verstanden habe, alle anderen Museen leer ausgingen.

Für mich zeigt dieser Wettbewerb, dass zwischen den Kulturbetrieben und einem Wirtschaftsunternehmen kein Gleichgewicht herrscht, man begegnet sich nicht auf Augenhöhe. Für mich ist das keine Win-Win-Situation. Warsteiner hat sich mit Hilfe von insgesamt 250 Museen eine Aufmerksamkeit verschafft, die in meinen Augen mehr als die knapp 1.800 Euro wert ist. Aber vielleicht bin ich in meiner Sichtweise eingeschränkt und schätze das ganz falsch ein. Was meinen Sie?

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KulturInvest 2010: ein Resümee

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Als ich am Samstag auf meinen Rückflug nach Wien wartete, habe ich mir meine Aufzeichnungen angeschaut und gleichzeitig noch einmal meinen Bericht über den ersten Tag des Kulturinvest Kongresses 2010 durchgelesen. „Alles wird anders“ habe ich ihn überschrieben, wobei es jetzt natürlich spannend wäre, die Frage zu beantworten, wie dieses „anders“ aussehen könnte?

Kunst und Kultur aus verschiedenen Blickwinkeln

Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber gar nicht pauschal beantworten, denn wenn wir von Kunst und Kultur und ihrer Zukunft sprechen, dann ist diese Frage mit verschiedenen Erwartungen verbunden. Bei diesem Kongress waren drei Gruppen vertreten, die derzeit maßgeblich dazu beitragen, dass Kunst und Kultur bei uns stattfindet. Da haben wir auf der einen Seite die Kulturpolitik, die ihre Zielvorstellungen eher vage formuliert.

„Wir setzen uns dafür ein, dass das öffentlich getragene Kulturangebot allen offen steht. Soziale Situation, Migrationshintergrund oder Mobiltät dürfen keine Zugangsbarrieren darstellen. Das Kulturangebot muss flächendeckend und erschwinglich, aber es muss auch in einem übertragenden Sinne ‚naheliegend’ sein. Ob Menschen sich für Kunst und Kultur interessieren, sich daran freuen können und sich davon herausfordern lassen, ist ganz wesentlich davon abhängig, wann und wie sie damit in Berührung gekommen sind. Darüber darf nicht Herkunft, Bildungs- und Sozialstatus entscheiden. Wir wollen, dass alle die Chance haben, am kulturellen Leben teilzunehmen,“

schreibt etwa die in Nordrhein-Westfalen für Kultur zuständige Ministerin Ute Schäfer in der September-Ausgabe von Politik und Kultur auf Seite 3. Das klingt alles gut und schön, aber diese Ziele lassen sich wohl mit sinkenden Budgets kaum erreichen. Wäre es nicht sinnvoll, sich jetzt der Realität zu stellen und sich Gedanken darüber zu machen, wie man Ziele und Budgets in Einklang bringen kann? Auf dem Kongress waren von Herrn Ehrmann abgesehen keine KulturpolitikerInnen vertreten. Und der sprach über vieles, aber leider nicht über kulturpolitische Ziele.

Sponsoring ist mehr als Leistung und Gegenleistung

Zweitens sind da die Sponsoren, die natürlich ihre eigenen Ziele verfolgen. Da geht es um Image, Werbung, Kundenbindung, aber auch um das Wahrnehmen von gesellschaftlicher Verantwortung. Das klingt sehr hochtrabend, daher gefällt mir das, was Susanne Lang und Veronica Scheubel vom Centrum für Corporate Citzenship in ihrer Präsentation „Vom Sponsoring zum gesellschaftlichen Engagement“ konstatieren (dieser Vortrag ist schon älter und wurde nicht auf dem Kulturinvest Kongress gehalten). Auf Folie 8 halten sie fest, dass Sponsoring ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zwischen zwei Partnern sei, bei dem Leistung und Gegenleitung klar definiert seien. Nachhaltig sei Sponsoring aber erst dann,

„wenn alle Anstrengungen der Partner nicht nur auf die Zielerreichung ausgerichtet sind, sondern ausdrücklich einen Nutzen und Zufriedenheit für die gemeinsamen Zielgruppen anstreben.“

Ein Beispiel für diese Nachhaltigkeit liefert BMW, das seit nunmehr 15 Jahren das Projekt „Oper für alle“ unterstützt. Wenn nun aber der Automobilkonzern seit eben so vielen Jahren auf allen Konferenzen als Bestpractice herhalten muss, dann stellt sich mir irgendwann einmal die Frage, ob es vielleicht gar nicht so viele Beispiele für gesellschaftliches Engagement gibt und eben doch Werbung, Kundenbindung und Image im Vordergrund stehen. Ziele, die ich bei Unternehmen, denen es primär um den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen geht, nie kritisieren würde. Wenn dieses Streben dann aber zu sehr in den Vordergrund rückt, dann schadet sich das Unternehmen mehr als es sich nützt. Das ist nicht nur beim klassischen Kultursponsoring so, sondern auch auf einem Kongress, bei dem man seine Glaubwürdigkeit schnell verspielen kann, wenn man wie im Fall der Berliner Bank zu sehr die eigenen Angebote anpreist, obwohl es doch eigentlich um die Perspektiven der Stadt Berlin ging. Aber mit dem Aushandeln günstiger Ticketkonditionen für die eigenen Kunden ist es defintiv noch nicht getan (Siehe dazu auch meinen Beitrag „Sponsoring: Kulturbetriebe können ihre Einnahmen seit 2007 fast verdoppeln (Teil I)“ über die von der Agentur Causales durchgeführte Studie)

Die Kultureinrichtungen haben ihre Zukunft selbt in der Hand

Bleiben neben der Kulturpolitik und den Sponsoren noch die Kultureinrichtungen selbst. Viele von ihnen, das hat der Kongress gezeigt, haben mittlerweile erkannt, dass sie sich selbst um ihre Zukunft kümmern müssen und dementsprechende Aktivitäten gestartet. Besonders gut gefallen hat mir in Berlin die Präsentation von Milena Ivkovic, der Marketing- und Kommunikationschefin der Philharmoniker in Hamburg, die voller Begeisterung die Aktivitäten des Orchesters vorstellte. Da passte der Titel ihres Vortrags „E – wie Emotion“ wunderbar dazu. Die eigene Website (sehenswert die Sujets zur „Mahler und die Moderne“) und der Flickr-Fotostream (schade, dass sie nicht unter einer CC-Lizenz stehen) zeigen, auf welche Weise hier versucht wird, die – in diesem Fall – UserInnen anzusprechen.

Social Media war beim KulturInvest Kongress ein wichtiges Thema, auch wenn sich die Zahl der Tweets noch ziemlich in Grenzen hält und ich bis jetzt kein einziges Blogpost über die Veranstaltung gefunden habe. Das ist schade, denn so gelingt es nicht, Diskussionen über die Zukunft von Kunst und Kultur anzustoßen. Diese Diskussionen sind dringend nötig, denn so wichtig solche Konferenzen für die „Branche“ auch sein mögen, das Thema muss öffentlich gemacht werden, sonst lässt sich die derzeitige Entwicklung nur noch schwer stoppen.

Foto: Manuel Nägeli (Unsplash)

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Treffpunkt KulturManagement: am 20.10. geht es um das Thema Sponsoring

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Wenn die öffentlichen Mittel knapp werden, dann wird meist recht schnell der Ruf nach den Sponsoren laut. Auch das Beratungsunternehmen AT Kearney hat Kultureinrichtungen in seinem „Elchtest“ empfohlen, sich verstärkt um Sponsoren zu bemühen, um auf diese Weise die vorhergesagten Kostensteigerungen finanzieren zu können. Sponsoring, das heißt, es bekommt im Gegensatz etwa zur Spende nicht einfach nur jemand Geld geschenkt, sondern es geht um den Austausch von Leistungen.

Als Kultureinrichtung Leistungen anbieten zu können, ist oftmals gar nicht so einfach, denn wer weiß schon, warum ein Unternehmen Kunst und Kultur sponsern möchte? Wenn Sie vor dieser Frage stehen, lohnt es sich für Sie vielleicht beim nächsten Treffpunkt KulturManagement dabei zu sein, der am kommenden Mittwoch, den 20. Oktober von 9 bis 10 Uhr wie immer online unter diesem Link über die Bühne gehen wird.

Unser Gast ist diesmal Uwe Wagner, der sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Sponsoring aus Sicht der Unternehmen beschäftigt  hat und dessen Arbeit seit wenigen Tagen unter dem Titel „Unternehmerisches Kulturengagement am Beispiel der Musikförderung der Škoda Auto Deutschland GmbH“ auch als Buch erhältlich ist.

Die Liste der Unternehmen, die Kultureinrichtungen sponsern, ist lang, aber was treibt sie eigentlich an, sich im Kunst- und Kulturbereich zu engagieren und Projekte und Institutionen zu unterstützen oder, wie es immer so schön heißt, ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu vereinbaren? Es gibt zwar jede Menge Ratgeber, in denen Kultureinrichtungen erfahren, wie sie eine Strategie und entsprechende Leistungsangebote entwickeln können, aber was zeichnet eine erfolgreiche Sponsoringpartnerschaft überhaupt aus? Warum engagieren sich Unternehmen im Kunst- und Kulturbereich? Wie das konkret bei einem Automobilhersteller ist, darüber wird Uwe Wagner am Mittwoch berichten.

Da er mittlerweile als Verwaltungschef beim Rheingau Musik Festival, dem größten privatwirtschaftlich finanzierten Musikfestival Europas tätig ist, das seit 1987 auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen ist, kennt er aber auch die Gegenseite sehr gut und deshalb sind wir froh, dass er am Mittwoch bei uns sein wird.

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme bei der in der Regel monatlich stattfindenden Veranstaltung ist kostenlos, die Installation einer Software ist nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Wenn Sie mehr zur Plattform wissen wollen, David Röthler hat auf Slideshare eine Kurzanleitung für Adobe Connect zur Verfügung gestellt.

Wenn Sie sich im Vorfeld entweder auf unserem Wiki, wo Sie übrigens auch die Aufzeichnungen der bisherigen Veranstaltungen finden, oder auf Facebook anmelden, dann wissen nicht nur wir, sondern auch Sie selbst, mit wem Sie am kommenden Mittwoch diskutieren bzw. chatten und können sich auf Wunsch entsprechend vernetzen.

Uwe Wagner hat das übrigens viele Jahre vorbildlich auf Xing gemacht, wo ich ihn auch kennen gelernt habe. In der Gruppe Kultur- & Artsmanagement begann er im Jahr 2006 einen Thread, in dem er noch vor Beginn seines Kulturmanagement-Studiums zu kommunizieren begonnen und in regelmäßigen Abständen über die weiteren Schritte berichtet hat. Daher freue ich mich auch, dass er am Mittwoch dabei ist und ich ihn diesmal auf einer anderen Plattform treffen kann. Über Ihr Dabeisein freue ich mich natürlich auch. Falls Sie Fragen haben, schreiben Sie mir bitte eine Mail oder nutzen Sie die Kommentarfunktion.

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YouTube Play: Guggenheim Museum und YouTube suchen Videokunst

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Das Internet hat in den letzten Jahren einige neue Unternehmen hervorgebracht, die nach und nach globale Bedeutung erlangt haben.  YouTube gehört da wahrscheinlich auch dazu, verbirgt sich doch dahinter nicht nur die weltgrößte Videoplattform, sondern auch die Nummer zwei in Sachen Suchmaschine, so der Hinweis in Erik Qualmans Video Social Media Revolution 2. YouTube beeindruckt vor allem durch die schiere Masse an Videos, die dort zu finden ist und über deren Qualität man häufig streiten kann.

Das soll sich ändern und deshalb versucht die Plattform ganz gezielt Kooperationen mit Partnern einzugehen, die für Qualität stehen. Einer dieser Partner ist das Guggenheim Museum, mit dem man gemeinsam das Projekt YouTube Play ins Leben gerufen hat und in diesem Rahmen noch bis zum 31. Juli das beste künstlerische Online-Video sucht. Wer mehr wissen will, für den gibt es, erraten, ein Video:

Im YouTube Blog hält man stolz fest, dass YouTube unseren Umgang mit dem Videoformat entscheidend geprägt und dazu beigetragen hat, dass Videokunst eine ganz andere Verbreitung erfährt als früher. Quasi als Dankeschön gibt es nun YouTube Play, einen Videowettbewerb, an dessen Ende die zwanzig besten Videos gekürt und sowohl auf YouTube als auch im Guggenheim Museum präsentiert werden.

Ganz interessant: das Guggenheim Museum nimmt dieses Projekt zum Anlass, mit The Take ein dazu passendes Blog zu starten:

„The Take is a blog created by the Guggenheim and inspired by YouTube Play. A Biennial of Creative Video. On it, you’ll find writing by experts, scholars, and artists from the worlds of film, video, and Internet culture. The Take will feature discussions on digital content, the history of video art, and online video and its effects on art and life,“

heißt es dort einleitend. Ein schöner Anlass, das Thema Videokunst in einem eigenen Blog anzugehen. Bleibt zu hoffen, dass das Blog mit dem Ende von YouTube Play nicht verschwindet.

Interessant für Kultureinrichtungen ist zweierlei: einerseits zeigt das Guggenheim Museum, dass Kulturbetriebe heute Kooperationspartner finden können, die es noch vor ein paar Jahren gar nicht gab und an die viele Kultureinrichtungen wahrscheinlich auch heute noch gar nicht denken. Der zweite Punkt betrifft das Thema Sponsoring:

„YouTube Play is a collaboration between YouTube and the Guggenheim Museum, presented by HP and Intel.“

Bei solchen Zugriffszahlen ist es für Unternehmen durchaus interessant, dort mit einem Logo vertreten zu sein. Das heißt: eine qualitativ hochwertige Social Media-Präsenz mit den entsprechenden Zugriffszahlen ist eine gute Ausgangsbasis für Gespräche mit potenziellen Sponsoren. Auch wenn ich nicht das Guggenheim Museum bin.

Siehe dazu auch: „YouTube und Guggenheim veranstalten gemeinsame Video-Biennale im Netz“ („Der Kunstinvestor“)

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„Kunst in der Krise“, eine Diplomarbeit zum Thema Kunstsponsoring

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Ich finde es bedauerlich, dass viele Diplomarbeiten oder Dissertationen mit viel Aufwand geschrieben werden und dann aus unterschiedlichen Gründen in der sprichwörtlichen Schublade verschwinden. Einige immerhin werden irgendwo im Internet platziert, aber auch dort sind sie nicht so einfach zu entdecken.

Oft ist es daher der Zufall, der einen auf interessante Arbeiten stoßen lässt, so wie die Diplomarbeit von Marcus Mayer, der sich unter dem Titel „Kunst in der Krise“ vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise mit der Entwicklung des Kunst- und Kultursponsoring beschäftigt. Mayer konstatiert, dass die Sponsoringaktivitäten durch die Krise der letzten zwei Jahre ingesamt gesehen zwar zurückgegangen sind. Ob aber bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist und mit dem prognostizierten Aufschwung auch das Interesse an dieser Form der Zusammenarbeit mit Kulturbetrieben wieder zunehmen wird, vermag Mayer nicht zu sagen.

Vermutlich werden vor allem die großen Unternehmen weiter Kunst- und Kultursponsoring betreiben, auch weil es nicht sinnvoll ist, eine über die Jahre aufgebaute Infrastruktur einfach verschwinden zu lassen.

„Kultursponsoring als Kommunikationsinstrument wird weiterhin eine bedeutende Rolle spielen. Für Unternehmen, die es sich auch künftig leisten können, wird das Angebot sogar breiter und somit die Möglichkeit nach einer Imagebesetzung größer. Für die Sponsorsuchenden wird es hingegen schwieriger, da einige ihrer Quellen versiegen oder zumindest reduziert sind,“

schlussfolgert Mayer und geht gleichzeitig davon aus, dass nicht nur Sponsorengelder knapp werden, sondern auch die öffentliche Hand wird sparen müssen. Was aber dagegen tun? Mayer zitiert in diesem Zusammenhang MAK-Direktor Peter Noever, der vor gut einem Jahr meinte:

„Staaten sollten ihre Aufgabe vermehrt darin sehen, Ideen für eine neue Ordnung der Kunstwelt zu entwickeln. Die öffentliche Verantwortung für die Kunst an die Wirtschaft abzugeben war nicht der richtige Weg. Erst wenn das politische Gewicht stimmt, ist ein für alle Seiten befriedigendes Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft erzielbar. Darin liegt die wahre Herausforderung der Zukunft.“

Schade, dass die Arbeit an dieser Stelle endet, denn wie dieses Miteinander von Kunst, Staat und Wirtschaft aussehen soll oder aussehen könnte, diese Frage ist entscheidend. Und zwar wahrscheinlich schneller als es uns lieb ist.

Ein Raum, in dem dieses Miteinander möglich sein könnte, ist das Social Web. Sponsoring und Social Media, für mich ein Thema mit Zukunft.

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Frage: Sponsoring und Web 2.0

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Häufig ist die Rede davon, wie interessant das Social Web für Fundraising-Aktivitäten ist. Wie sieht das aber konkret im Sponsoring-Bereich aus? Theoretisch ist klar, dass man z.B. interessante Unternehmen über Twitter, Facebook oder Xing ansprechen kann. Wie sieht aber die Praxis aus?

Ich würde gerne einen Beitrag zu diesem Thema scheiben und bin im Rahmen der Recherche auf der Suche nach Kultureinrichtungen oder Personen, die das schon ausprobiert haben (oder gerade dabei sind bzw. etwas in dieser Richtung planen) und bereit sind, mir ein paar Fragen zu beantworten. Oder vielleicht kennt jemand ein gutes Beispiel, an dem er/sie aber nicht selbst beteiligt war?

Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

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Ist Sponsoring nur etwas für die großen Kulturbetriebe?

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Im Rahmen der NPO-Blogparade stellt PR-Indianer Ludger Brenner die Frage, ob Sozialsponsoring auch etwas für kleine NPO sei? Was wir darunter zu verstehen haben, erklärt er in seinem Beitrag mit Hilfe eines Zitats von Manfred Bruhn:

„[…] die Verbesserung der Aufgabenerfüllung im sozialen Bereich durch die Bereitstellung von Geld-/Sachmitteln durch Unternehmen, die damit auch (direkt oder indirekt) Wirkungen für ihre Unternehmenskultur und -kommunikation erzielen wollen.“

Nachdem ich aber kein Experte im Bereich Sozialsponsoring bin, fällt es mir schwer, hier eine fundierte Antwort zu geben. Ich erlaube mir deshalb die Abänderung der Fragestellung und tausche das Sozialsponsoring gegen das Kultursponsoring ein. Der Sozial- und der Kulturbereich liegen beide im öffentlichen Interesse und die dort tätigen Einrichtungen arbeiten in der Regel nicht gewinnorientiert und sind deshalb auf öffentliche Fördergelder, Spenden und eben auch auf Sponsoren angewiesen. Große Kultureinrichtungen wie etwa die Wiener Staatsoper oder das Thalia-Theater in Hamburg tun sich bei der Suche nach Sponsoren wahrscheinlich etwas leichter als eine kleine freie Bühne oder ein Kammerorchester. Schließlich verfügen sie über eine ungleich höhere Reputation als ein nahezu unbekannter Kulturbetrieb.

Erwartet sich ein Unternehmen, das einen Kulturbetrieb sponsern möchte, Gegenleistungen, die im Kommunikationsbereich angesiedelt sind, dann macht die Zusammenarbeit wohl nur Sinn, wenn beide die halbwegs gleiche Größenordnung aufweisen. Kooperiert ein Weltkonzern mit einer Vorstadtbühne, dann ist in der Regel entweder ein Mäzenat am Werk oder jemand, der in der Zusammenarbeit ein gewaltiges Potenzial zu erkennen glaubt.

Leider verfügt nicht jede Kultureinrichtung über einen oder mehrere Mäzenaten und wenn man sich dann auch noch die Realität anschaut, dann kann man recht schnell erkennen: Kultursponsoring ist nur für die wenigsten kleinen Kultureinrichtungen eine ernstzunehmende Möglichkeit, Geld für die eigenen Vorhaben aufzutreiben.

Was also tun? Ich denke, es gibt drei Punkte, die entscheidend für den Erfolg in Sachen Sponsoring sind:

  1. Die Beziehungsrelation
  2. Die Gegenleistung
  3. Der Zeitfaktor

Die Beziehungsrelation: wenn jede kleine Kultureinrichtung alle ihr bekannten Großbanken, -versicherungen, Industriekonzerne, etc. abklappert, dann ist das wahrscheinlich mit viel Arbeit verbunden, aber der Erfolg fällt in der Regel mager aus. Warum? Weil sich beide Seiten in der Mehrzahl der Fälle darauf einigen, dass die Kultureinrichtung über die Kommunikations- und/oder Werbeschiene die Zusammenarbeit öffentlich macht und sich für das Unternehmen im Idealfall ein Werbeeffekt einstellt. Werbetafeln oder Logos sind meist der Hinweis auf eine solche Form der Kooperation. Nur wie gesagt: die Reichweite einer kleinen Kultureinrichtung ist beschränkt.

Es gibt zwei Möglichkeiten, dieser Situation zu entgehen. Entweder versuche ich als Kulturbetrieb Unternehmen für eine Sponsoringpartnerschaft zu gewinnen,  die in ihrer Größe zu mir passen und deren Zielgruppen dort zu finden sind, wo auch meine anzutreffen sind. Die Wiener Staatsoper zieht viel internationales Publikum an und ist deshalb für international agierende Konzerne interessant. Das kleine Theater im 16. Wiener Gemeindebezirk hat ein ganz anderes Einzugsgebiet und muss sich deshalb Partner suchen, deren Kunden auch in diesem Einzugsgebiet anzutreffen sind.

Das heißt nun nicht, dass ich als kleiner Kulturbetrieb die großen Unternehmen grundsätzlich vergessen kann. Ganz im Gegenteil. Aber ich sollte nicht versuchen, als Gegenleistung irgendetwas anzubieten, was mit Reichweite zu tun hat. Sehr wohl lassen sich aber Angebote entwickeln, bei denen die Gegenleistung nicht im Kommunikations- und/oder Werbebereich angesiedelt ist. Spezielle Events etwa, die sich an die Mitarbeiter oder bestimmte Kunden eines Unternehmens richten, können gerade in einem kleinen Rahmen sehr reizvoll sein.

Die Einzigartigkeit einer Kultureinrichtung besteht nicht so sehr in ihren kommunikativen Fähigkeiten – was nicht heißen soll, dass Kulturbetriebe nicht kommunizieren können – , sondern in der Fähigkeit Emotionalität zu vermitteln, Momente zu schaffen, an die sich die BesucherInnen noch lange erinnern.

Nun ist es natürlich nicht ganz so einfach, einem Unternehmen „magische Momente“ zu „verkaufen“. Womit wir beim dritten Punkt, dem Zeitfaktor wären. Egal, was Sie sich in Sachen Sponsoring für Ziele gesteckt haben. Sie werden jede Menge Zeit brauchen. Jemanden zu begeistern gelingt Ihnen unter Umständen in fünf Minuten. Für eine Sponsoringpartnerschaft werden Sie dann aber doch noch etwas länger brauchen. Schließlich geht es dann ums Geld. „Was sind schon 5.000 Euro für ein großes oder mittleres Unternehmen?“ werden Sie vielleicht  einwenden. Auch für die ist das eine Stange Geld. Und das gibt man nur her, wenn man jemandem vertraut. Und das braucht eben Zeit.

Das heißt: Sponsoring ist, denke ich, auch für kleine Kulturbetriebe möglich bzw. sinnvoll. Aber…

Mehr zum Thema Sponsoring:

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Fundraising: kalte Kontakte oder Networking?

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© Rainer Sturm; Pixelio

Gerade heute erst hatte ich ein Gespräch, in dem es um die Frage ging, wie man eigentlich den Kontakt zu neuen potenziellen Sponsoren herstellen kann? Zwei Möglichkeiten bieten sich an, nämlich einerseits das Ansprechen oder Anschreiben von Unternehmen, zu denen bis jetzt noch kein Kontakt besteht. Die Alternative dazu sind schon bestehende Kontakte.

Jason Dick, der das Fundraising Blog „A Small Change“ betreibt, hat sich erst gestern in seinem Beitrag „Cold calling or Networking“ zu dieser Frage geäußert. „Networking“, meint Dick,

„can work extremely well if you have active volunteers or you have a lot of personal connections.“

Darüber verfügt aber in der Regel nur, wer sich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigt und währenddessen die entsprechenden Strukturen aufgebaut hat. Darauf basieren dann die drei Grundvoraussetzungen für den Erfolg, nämlich Qualität, Netzwerke und Reputation.

Aber nicht immer ist solch langfristiges Arbeiten möglich. Ein kurzfristig angesetztes Vorhaben, eine neue Kultureinrichtung, das sind Situationen, in denen nur wenig Zeit bleibt, um GeldgeberInnen zu finden. Hier heißt es, ins kalte Wasser zu springen und ohne bestehende Kontakte den Erfolg zu suchen.

Diese Form der Kontaktaufnahme ist enorm schwierig, aber manchmal einfach notwendig, wie auch Jason Dick schreibt:

„I have found that oftentimes it takes 100 calls to get a lead and that can be a bit frustrating. But sometimes it can be worth it to grow your organizations networks.“

Irgendwo muss man ja schließlich den Anfang machen. Und all diejenigen, die auf diese Weise schon mal versucht haben, per Telefon oder Anschreiben Kontakt aufzunehmen, wissen, wie frustrierend das sein kann.

Hilfreich ist es, wenn diese Arbeit nicht von einer Person alleine geleistet werden muss. Auch nicht besonders motivierend ist es, wenn diese arme Person dann auch noch auf Provisionsbasis bezahlt wird. Am Ende sind wahrscheinlich beide Seiten frustriert, denn finanziell wird es für beide kein Geschäft.

Jason Dick rät zu einer Mischstrategie:

„It is a good idea to have an integrated strategy that involves both cold calling and networking. Have some of your board members help you with your phone calls.“

Und er hat Recht. Wenn die Ausgangssituation nicht von Zeit- und Finanznot geprägt ist, dann kann es auch durchaus Sinn machen, auf diese Weise neue Kontakte zu suchen. Für mich ist es ein Unterschied, ob man jemand aus reiner Verzweiflung anschreibt (kein Geld, keine Zeit) oder aus einer „gesicherten Position“ heraus, die auch so etwas wie Gelassenheit erlaubt. Ich denke, die daraus resultierende andere Haltung kann durchaus positive Auswirkungen haben.

Egal, wie man es nun angeht, Unterstützung ist in einem solchen Fall immer gut. Aber das sollte eigentlich die Regel sein, denn Fundraising bzw. Sponsoring ist nichts, was man isoliert machen kann. Diese Arbeit muss von der gesamten Organisation und damit vom ganzen Team geleistet werden.

Da trifft es sich gut, dass wir für solch integrierte Ansätze Netzwerke wie Xing, Facebook, etc. zur Verfügung haben und nicht mehr wie früher nur auf Telefon und Brief zurückgreifen können. Aber auch der Umgang mit diesen Netzwerken will gelernt sein. Von alleine stellt sich der Erfolg bei der Arbeit im virtuellen Raum nicht ein.