Monthly Archives of: Juli 2007

Post

Studie zum Thema Praktika

4 comments

In der Xing-Gruppe Kulturmanagement gibt es eine (eher zähe) Diskussion zum Thema unbezahlte Praktika. Eigentlich schade, denn meiner Meinung nach gäbe es da schon einigen Diskussionsbedarf.

Bei der Recherche bin ich auf eine Studie der Plattform Generation Praktikum gestoßen. Die von Anna Schopf und Paul Ringler verfasste Studie „Arbeit ohne Wert?“ ist gerade erst erschienen und möchte einen Überblick über die Situation von PraktikantInnen in Österreich geben.

Zwei der für mich interessanten Ergebnisse, die ich hier schon verraten möchte: Praktika finden vor allem in Branchen mit einem hohen Anteil an prekärer Beschäftigung statt. Und während ein Drittel der Praktikantinnen unbezahlt arbeitet, ist es bei den Männern nur ein Viertel.

Wer seinen Namen und seine Emailadresse hier preisgibt, bekommt den Downloadlink per Email zugeschickt.

Post

Web 2.0 und der Kontrollverlust: eine Anmerkung

13 comments

Matthias Schwenk beschäftigt sich in seinem Blogbeitrag „Öffentlichkeit(en) im Internet: Folgen für Marketing und PR“ mit den Auswirkungen des Web 2.0 auf die Kommunikation von Unternehmen. Wer sich auf diesem Weg an seine Kunden wendet, so konstatiert er, muss sich damit abfinden, dass diese nicht mehr alles mit sich machen lassen. Von Kontrollverlust ist in diesem Zusammenhang oft die Rede, so auch in einem Beitrag von Christian Burger, auf den Schwenk verweist und der mit „Erfolgsfaktor Kontrollverlust“ überschrieben ist. Auch ich habe in meinem Beitrag „Theater 2.0?“ davon gesprochen, dass die UserInnen ihrem Gegenüber die Kontrolle entreißen.

Aber ich bin der Meinung, der Zug fährt derzeit in die falsche Richtung. Bringt das Web 2.0 wirklich einen Kontrollverlust für Unternehmen, PR-Agenturen, Museen und all die Einrichtungen, die ihrem Gegenüber etwas zu sagen haben? Ich denke, Kontrollverlust ist der verkehrte Begriff.

Bei Versuchen, Web 2.0 zu erklären, wird häufig von Partizipation gesprochen. Damit wird aber in meinen Augen nicht nur beschrieben, dass da wer mitmachen darf, der das davor vielleicht nicht durfte. Nein, für mich bedeutet Partizipation darüber hinaus, dass es hier ein Miteinander auf einer gleichberechtigten Ebene gibt. Und das ist der große Unterschied zum, nennen wir es Web 1.0 oder wie auch immer. Ich bekam als UserIn eine Information und musste dankbar sein, dass ich sie überhaupt bekommen habe.

Wenn wir nun aber als UserInnen auf einer gleichberechtigten Ebene mit Unternehmen, etc. kommunizieren, dann kann ja eigentlich nicht von Kontrollverlust die Rede sein, sondern vielmehr von Vertrauen, das entsteht. Hier von Kontrollverlust zu sprechen, ist der verkehrte Begriff. Angenommen, Sie beginnen eine Beziehung und treffen Entscheidungen gemeinsam: Sprechen Sie dann von Kontrollverlust, weil Sie sich (theoretisch) nicht mehr über die Meinung des/der Anderen hinwegsetzen können? Ich denke doch nicht.

Da geht es um Vertrauen und um Gemeinsamkeiten. Und ehrlich gesagt gehe ich eine Beziehung unter diesen Umständen „lieber“ ein als wenn mir wer davon erzählt, dass eine Beziehung Kontrollverlust bedeutet. Vielleicht sollten wir das genau so auch den Unternehmen, PR-Agenturen oder eben auch den Kunst- und Kultureinrichtungen erzählen? Denn dann bedeutet Web 2.0 Gewinn und nicht Verlust. Das klingt doch wesentlich sympathischer, oder?

Post

Wie stelle ich ein Projektteam zusammen?

2 comments

Wenn ich mich daran erinnere, wie ich bei einem meiner ersten Projekte das Team zusammengestellt habe, dann muss ich heute noch lachen. Alleine die Tatsache, das für die Realisierung des Projekts benötigte Geld zusammen zu haben, ließ nicht nur mich schon mal auf Wolke sieben schweben. Richtig gut wurde es dann aber, als wir (ich war nicht alleine) die MitarbeiterInnen aussuchen durften.

Gut, natürlich gab es da schon ein Rumpfteam, aber einige Posten mussten eben doch noch besetzt werden und auf die Ausschreibung meldeten sich auch etliche. So eine Ausschreibung ist ja immer so eine Sache. Ich kann ja nicht schreiben, dass mein Projekt nicht so arg groß dimensioniert ist und von daher auch nicht die größten Kapazunder benötigt werden.

Wenn die Stellenanzeige zu „professionell“ gerät

Man schlägt also die Zeitung auf und schaut, wie die anderen das so machen. Komischerweise gibt es da immer nur hoch professionell klingende Ausschreibungen, in denen die absoluten ExpertInnen gesucht werden. Um nicht abzustinken, schreibt man halt ab und am Ende ist das dann eine Ansammlung von Fähigkeiten, mit denen man wahrscheinlich jede Geschäftsführung problemlos auf die Reihe bekommt.

Nun musste eine Auswahl getroffen werden. Alle Bewerbungen, die einlangten, wurden also brav gelesen und am Ende entstand eine kleine Liste mit den FavoritInnen.

Nächstes Kapitel Bewerbungsgespräch. Was tut man in so einem Moment? Ich hatte damals keine Ahnung, was „man“ tut, ich jedenfalls schaute mir die Lebensläufe an, um herauszufinden, ob die jeweiligen BewerberInnen schon mal in diesem Bereich gearbeitet hatten.

Ich erklärte die Arbeit, die erledigt werden musste und wenn dann der oder die BewerberIn halbwegs sympathisch war, dann war das die Grundlage für weitere ca. zehn Minuten, in denen man darüber sprach, wie diese Arbeit erledigt werden könnte. Die Person, die hier den kompetentesten Eindruck machte und außerdem sympathisch zu sein schien, bekam dann den Job. Um es kurz zu machen: Es hat alles funktioniert, aber so ganz professionell war diese Vorgehensweise nicht, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Verschiedene Typologien helfen bei der Zusammenstellung des Projektteams

Heute bin ich etwas schlauer, aber ich bin mir nicht sicher, ob das die Sache einfacher macht. Nach welchen Gesichtspunkten und Kriterien sucht man sich denn nun sein Projektteam zusammen? Klar ist es wichtig, dass die BewerberInnen fachlich eine Ahnung haben. Darüber hinaus gibt es aber die verschiedensten Versuche, Menschen zu typologisieren. Einige dieser Ansätze möchte ich in der nächsten Zeit hier im Blog kurz skizzieren, um für mich einen Überblick über die verschiedenen Modelle zu gewinnen. Und nachdem ich ja sicher nicht der einzige bin, der immer mal wieder vor der Herausforderung steht, ein Projektteam zusammenzustellen, kann ich damit vielleicht dazu beitragen, dass es anderen nicht so ergeht wie mir bei meinem ersten Versuch.

In seinem Buch „Projektmanagement für Kulturmanager“ beschäftigt sich Armin Klein ebenfalls mit der Frage, wie man ein Projektteam bildet. Er greift dabei auf eine Typologie von Christoph V. Haug zurück, die sich in dessen Buch „Erfolgreich im Team“ findet.

Vom Berater bis zum Bewahrer: eine mögliche Typologie

Klein beschreibt acht verschiedene Menschentypen wie folgt:

  1. Der Berater: er sammelt Informationen und versucht diese möglichst gut aufzubereiten. Mit Ratschlägen und Entscheidungen hält er sich aber eher zurück. Klein sieht in ihm daher jemanden, der inhaltlich getrieben ist und daher als Organisator nicht wirklich geeignet ist.
  2. Der Kreative: Dieser Typ bringt immer wieder neue Gedanken ein und stellt vieles in Frage. Er ist daher nicht unbedingt ein Teammensch, sondern ordnet sich nur schwer in Hierarchien ein.
  3. Der Überzeuger: Er behält jederzeit den Überblick und verliert sich nicht in Details. Er begeistert sich für neue Ideen und ist in der Lage, diese Begeisterung auf andere Menschen zu übertragen. Seine Kontaktfreudigkeit kommt ihm dabei zugute.
  4. Der Bewerter: Er ist derjenige, der neue Ideen auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Ist der Prototyp aber erst einmal entwickelt, so Klein, dann erlahmt sein Interesse.
  5. Der Entscheider: Er ist der Treiber, wenn es darum geht, neue Ideen in die Tat umzusetzen. Klein weiter zu diesem Typ: „er schätzt Hierarchien und klare Strukturen.“ Seine Mitmenschen müssen „funktionieren“, dementsprechend unpersönlich ist seine Haltung ihnen gegenüber.
  6. Der Macher: Er ist für die Routinearbeit zuständig, denn seine Stärken sind Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit. Seine realistischen Einschätzungen führen dazu, dass die Ziele machbar bleiben und erreicht werden können.
  7. Der Prüfer: Er liebt das Detail und ist im Aufspüren von Fehlern nicht zu übertreffen. Für Klein ist dieser Typ ideal für Qualitätssicherung und Budgetplanung, zumal er nicht sehr kontaktfreudig ist.
  8. Der Bewahrer: Der ideale Helfer, der andere in ihrer Arbeit unterstützt und so dazu beiträgt, das Team zu stabilisieren. Klein weiter: „Er ist auf die Aufrechterhaltung von Teamnormen und Werten bedacht und steht Veränderungen jeglicher Art von seiner Grundtendenz her eher reserviert gegenüber.“

Eine Projektteam benötigt, wenn es erfolgreich sein will, die richtige Mischung dieser Typen, konstatiert Klein. Handelt es sich um ein kleines Projektteam, dann werden bestimmte Typen ganz unter den Tisch fallen oder die einzelnen Teammitglieder repräsentieren mehrere dieser Typen.

Versuchen Sie doch mal, sich selbst in dieser Typologie zu entdecken und betrachten dann im nächsten Schritt Ihr Projektteam, so Sie gerade in einer Projektstruktur arbeiten. Sind bei Ihnen alle Typen vertreten?

Post

Ein Kontrabassist bloggt

2 comments

Bernd Röthlingshöfer (erst gestern bin ich bei ihm zum Thema Softwaretools fündig geworden) sucht derzeit die oder den älteste/n BloggerIn und ist dabei auf das Blog des 77-jährigen Kontrabassisten Friedrich Witt gestoßen. „Ein Kontrabass spielt (selten) allein“ nennt sich das Blog, in dem Witt über seine Erlebnisse aus 45 Jahren als Solobassist bei den Berlinern Philharmonikern unter Herbert von Karajan berichtet, wie es im Untertitel heißt.

Was mich wirklich begeistert sind die Podcasts zu den einzelnen Beiträgen. Hörenswerte Musik, Anekdoten und viel Interessantes sind eine Mischung, die mich sofort gefesselt hat. Wer wissen möchte, wie das nun wirklich mit den Dirigenten ist, der sollte sich das Podcast des letzten Beitrags anhören, einfach toll. Da sage noch einer, Web 2.0 sei nur was für jüngere Menschen. Witt beweist eindrucksvoll das Gegenteil. Schade, dass es nur alle paar Monate einen neuen Beitrag gibt.

Post

Softwaretools für die Online-Zusammenarbeit

Leave a reply

Mir macht es immer wieder Spaß, wenn ich neue Software-Tools entdecke und ausprobieren kann. In meiner Mailbox habe ich einen eigenen Ordner, in dem sich alle Registrierungs- und Aktivierungsmails befinden. Es ist schon interessant, wo ich mich überall angemeldet habe.

Und welche Tools verwende ich heute noch? Es sind sehr, sehr wenige. Im Bereich Projektmanagement sind so nach und nach alle ausgeschieden, ich verwende fast ausschließlich Excel und wie es in einem Kommentar, den ich zum Thema PM-Software gefunden habe, heißt: Papier und Bleistift.

Trotzdem drei Tipps dazu:

  • GanttProject: Für kleine Projekte ist es durchaus geeignet, ich habe es selbst ausprobiert. Alexander Greisle und Peter Arndt empfehlen es ebenfalls.
  • Ebenfalls dort erwähnt wird OpenWorkbench, wobei Aleander Greisle richtigerweise anmerkt, dass diese Software wohl nicht mehr weiter entwickelt wird. Der letzte Eintrag im Newsbereich datiert vom Oktober 2006, was doch etwas verdächtig wirkt.
  • Und auf dem Blog von Bernd Röthlingshöfer versteckt sich in den Kommentaren zu einem Beitrag der Hinweis auf Project Kickstart, das aber nur als Testversion kostenlos zu sein scheint. Möchte das nicht mal wer ausprobieren und dann berichten?

Via Stephan Lists ToolBlog bin ich dann noch auf eine Tool-Sammlung von Sean P. Aune gestoßen. In seinem Beitrag „Online-Collaboration“ listet er mehr als 60 Produkte auf, die für die Zusammenarbeit nützlich sein können. Ein paar habe ich schon entdeckt, die ich ausprobieren werde, ContactOffice beispielsweise klingt sehr interessant. Allerdings ist hier nicht mehr alles kostenlos.

Und wer dann noch nicht genug hat, wirft einen Blick in die Kommentare und in die Rubrik See also. Da gibt es zum Beispiel den Hinweis auf einen Beitrag über Blogging-Tools. Aber jetzt höre ich wirklich auf.

Post

Kulturmanagement und Innovation: Gehört das zusammen?

13 comments

Erinnern Sie sich noch an die Geschichte von James Burbage, die ich Ihnen vor einiger Zeit erzählt habe? Das ist der, der im London des 16. Jahrhunderts ein geschlossenes Theater baute und von den ZuschauerInnen vor Beginn der Vorstellung das Eintrittsgeld kassierte. Hier können Sie sie noch einmal nachlesen und ich muss gestehen, ich verweise gerne auf diesen Beitrag, denn er er gehört zu meinen Favoriten hier in diesem Blog.

Burbage war, das kann man so sagen, innovativ. Er hatte eine kluge Idee und setzte sie auch um. Der Begriff der Innovation hat ja im Laufe der letzten Jahre für mich einen etwas schalen Beigeschmack bekommen, denn er wird häufig sehr beliebig oder wahllos verwendet, meist im Zusammenhang mit der Suche nach neuen und guten Ideen. Sven Gabor Janszky hat das in seinem Beitrag „Innovationen sind Brücken über die Leere“ für die Mai-Ausgabe des KM-Magazins (Seite 10ff) recht schön beschrieben:

„Sie kennen die Situation vermutlich: Wieder einmal hat der ambitionierte Chef zum Brainstorming geladen. Wieder einmal wurden keine Kosten und Mühen gescheut, eine Atmosphäre zu schaffen, die angeblich ungewöhnlich und inspirierend sein sollte. Wieder einmal hatten vorher alle das Gefühl, sogleich in wundersamer Weise kreativ zu werden und Innovationen am Fließband zu produzieren. Und dann? Es ist immer wieder das Gleiche: Brainstorming ist, wenn viele Menschen wirres Zeug reden, sich nicht zuhören und am Ende mit einer Handvoll unsinniger Ideen und einem unzufriedenen Gefühl auseinander gehen.“

Es stimmt! Wir alle kennen diese Situation. Und das, weil wir aus verschiedenen Gründen auf der Suche nach etwas Neuem sind. Sei es, dass wir einfach Lust auf was Neues haben oder die Ausschreibung eines Förderprogramms vor uns liegen haben, das nach innovativen Projekten verlangt. Innovation geht uns also alle an.

Aber was verstehen wir unter Innovation eigentlich? Meist meinen wir damit einfach etwas Neues und dementsprechend inflationär wird der Begriff auch verwendet. Aber Innovation geht weiter und lässt sich vielleicht als das „Durchsetzen von Veränderungen“ beschreiben. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter spricht von einem „Prozess schöpferischer Zerstörung“ und sieht die UnternehmerInnen in diesem Zusammenhang als Träger dieser Veränderungsprozesse.

Diese Veränderungsprozesse beginnen dann, wenn wir sie eigentlich noch gar nicht erwarten. Ein erfolgreiches Unternehmen muss auf der Höhe des Erfolgs mit der Veränderung beginnen, will es nicht scheitern. Das heißt auch, dass es für uns wenig Sinn macht, erfolgreichen Unternehmen nachzueifern, es ihnen gleich zu tun. Viel hilfreicher ist es, sich anzuschauen, wo in diesem erfolgreichen Unternehmen gerade Veränderungen stattfinden. Womit hört das Unternehmen gerade auf, welchen neuen Bereichen gilt das Interesse?

Wie ist man nun „innovativ“? Ich möchte noch einmal zu Sven Gabor Janszkys Artikel im KM-Magazin zurückkommen. Er beschreibt die Schritte auf dem Weg zur Innovation.

„1. Schritt: Problemorientiertes Denken“

Erinnern wir uns an James Burbage. Er hatte das Problem, dass die ZuschauerInnen am Ende der Aufführung verschwanden, bevor mit dem Hut das Eintrittsgeld eingesammelt werden konnte. Mit seiner Innovation konnte er das Problem vieler Schauspieltruppen lösen, daher hatte er auch Erfolg mit seiner Idee.

„2. Schritt: Suchen Sie die Leere“

Janszky stellt hier eine sehr wichtige Forderung auf. Innovation kann nur dann gelingen, wenn es uns gelingt, uns aus unserem vertrauten Umfeld zu lösen. Erst wenn wir es schaffen, mittels neuer Sichtweisen und Techniken Probleme zu lösen, können wir von Innovation sprechen, so Janszky.

Über den Tellerrand zu schauen, ist übrigens auch eine Notwendigkeit, wenn aus einem Netzwerk heraus Innovation entstehen soll. Nicht die homogene, sondern die heterogene Gruppe mit ihren unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen ist die Voraussetzung dafür. Janszky spricht in diesem Zusammenhang von einem „Brückenbauen zwischen den verschiedenen Milieus, Branchen und Welten“ und verweist auf die Structural Holes von Ronald S. Burt, mit denen dieser die Leere zwischen zwei sozialen Gruppen bezeichnet.

„2 ½. Schritt: Structural Holes als Innovationschance“

Bewegen wir uns nur in homogenen Gruppen, birgt das die Gefahr, dass wir immer weniger von anderen Gruppen erfahren. Daraus entstehen, so Janszky Informationsdefizite und Wissenslücken. Deshalb beschäftigen sich innovative ManagerInnen, so der Autor weiter, „intensiv mit branchenfremden Ideen, um neue Lösungen für eigenen Probleme zu finden“.

„3. Schritt: Die 4 Level der Innovationsfähigkeit“

Eine neue Sichtweise alleine ist natürlich noch kein Garant für Innovation. Janszky verweist in seinem Beitrag auf Ronald S. Burts vier Level der effektiven Nutzung der Structural Holes:

  • „Das erste und einfachste Level ist, die Personen auf beiden Seiten sensibel für die Interessen und Schwierigkeiten der jeweils anderen Seite zu machen. (…)
  • Ein zweites Level ist, best practice Beispiele aus der einen Welt in die andere zu transferieren. (…)
  • Das dritte Level ist laut Burt, Analogien zwischen Welten aufzuzeigen, die oberflächlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben. (…)
  • Das vierte Level ist die Synthesis aus Level 1 bis 3.“

Meiner Meinung nach ist dieser Blick über den Tellerrand etwas, was im Bereich Kulturmanagement viel zu selten stattfindet. Und zwar sehr oft mit dem Hinweis, dass Kunst und Kultur einzigartig und daher nicht vergleichbar seien. Das mag sein, ist aber kein Hinderungsgrund, um nicht auch die Welt drumherum zu entdecken.

Und wenn Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind und selbst „innovativ“ sein wollen, dann werfen Sie einen Blick auf die Website von Gruenderinnen.de. Dort gibt es seit kurzem einen Online-Kurs zum Thema Innovationsmanagement, der genauso gut gemacht ist, wie die bisherigen Kursangebote auch.

Post

„Kulturmanagement“ in Wikipedia

1 comment

Ich habe mir gerade in Wikipedia angeschaut, was dort über den Begriff Kulturmanagement zu finden ist. Der Beitrag ist meiner Meinung nach nicht sehr aussagekräftig. „Kulturmanagement ist die Organisation und Führung von Kulturprojekten und Kultureinrichtungen“, das ist der einzige Satz, den man als Definition bezeichnen könnte. Ich hoffe, für diese Meisterleistung war kein allzu langes Studium notwendig.

Aber wen interessiert schon die Auseinandersetzung mit dem, was unter Kulturmanagement zu verstehen ist? Viel wichtiger ist doch, hier als Anbieter eines Kulturmanagement-Lehrgangs aufzuscheinen oder einen Link zu bekommen. Wer wissen möchte, mit welch harten Ösen hier gekämpft wird, wirft mal hier einen Blick hinein. So sieht er aus, der Kampf um etwas Aufmerksamkeit.

Post

eBook-Lesetipp: „Erfolgreich mit Neuen Medien“

Leave a reply

Im Frühjahr hatte Thomas Kilian auf seinem Weblog Neukunden-Magnet BloggerInnen dazu aufgerufen, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob und wie Internet und Web 2.0 unser Business verändern. Alle Beiträge dieses Business-Blog-Karnevals, und es waren etliche, hat Kilian gesammelt und ein eBook daraus gemacht. Hier geht es zu seiner Ankündigung und dem Download-Link.

In dem knapp 3MB großen PDF finden sich 31 Beiträge von 17 verschiedenen AutorInnen. Es geht um Marketing, um PR und natürlich auch um Weblogs. KulturmanagerInnen, die das Internet für ihre Zwecke einsetzen wollen, werden hier jede Menge Anregungen und auch Anleitungen finden. Die 68 Seiten sind schnell gelesen, unter anderem auch, weil sich Thomas Kilian viel Mühe bei Layout und Gestaltung gemacht hat. Vielen Dank dafür!

Post

Warum betreiben wir Networking?

4 comments

Jede/r von uns ist Teil verschiedener Netzwerke, gleichgültig ob diese nun off- oder online funktionieren. Da gibt es die Treffen mit den SchulkollegInnen, die man unter Umständen nur alle fünf Jahre mal sieht. Auf der anderen Seite gibt es die Netzwerke, die in den letzten Jahren im Internet entstanden sind. Ich habe vor kurzem in einem Beitrag über Artbreak recht flappsig festgestellt, dass dieses Netzwerk eigentlich überflüssig ist.

So möchte ich das nun nicht einfach stehenlassen, denn die Frage, warum wir uns an Netzwerken beteiligen und in welcher Form wir Teil einer Community werden, hat ja durchaus Konsequenzen für uns und ist in meinen Augen hochinteressant.

Was ist nun eine Community? Wikipedia zufolge handelt es sich dabei um „eine Gruppe von Personen, die gemeinsames Wissen entwickeln, Erfahrungen teilen und dabei eine eigene Identität aufbauen.“ Folgende Merkmale lassen sich bei einer Community finden:

  • eine Community ist ein informelles Netzwerk, deren Mitglieder eine gemeinsame Identität aufweisen
  • die Mitglieder haben gemeinsame Interessen
  • Kommunikation, Kooperation und Erfahrungsaustausch sind verantwortlich für das „Funktionieren“ der Community
  • unter den Mitgliedern muss die Bereitschaft zum Teilen (von Ressourcen) vorhanden sein.

Mit dem Begriff der Community sind ganz stark soziale Aspekte verbunden. Frank Boos, Alexander Exner und Barbara Heitger bezeichnen Netzwerke daher auch als Auffangnetze (Hier habe ich über ihren Artikel „Soziale Netzwerke sind anders“ geschrieben), durch die „der Autonomiebedarf der einzelnen und das Anknüpfungsbedürfnis an andere in eine zeitgemäße Balance (geraten)”. Anders gesagt: Die soziale Zugehörigkeit ist ein Hauptgrund für die Attraktivität von solchen Netzwerken.

Das Konzept der Community of Practice

Jean Lave und Etienne Wenger gehen mit ihrem Community of Practice-Konzept noch einen Schritt weiter. Ihr Ansatz war, Lernprozesse unter einer sozio-kulturellen Perspektive zu betrachten. Dabei ging es ihnen nicht nur um die Frage, wie in solchen Gemeinschaften Wissen und Fähigkeiten weitergegeben werden, sondern auch darum, wie in einer solchen Community soziale Gewohnheiten, Kommunikationsstile und Werte zum Tragen kommen. Drei Elemente konstituieren ihrer Meinung nach die Community of Practice:

  • ein gemeinsames Unterfangen
  • aufeinanderbezogenes Handeln
  • ein Set an Artefakten (Methoden, Verfahrensweisen, Werkzeuge, Geschichten, etc.)

Lave und Wenger zufolge schließen sich die Menschen nun einer Gemeinschaft nicht an, um etwas zu lernen, sondern sie lernen etwas, um als vollwertige Mitglieder an der Gemeinschaft teilhaben zu können. Der Wunsch, Mitglied einer Gemeinschaft zu werden, lässt den einzelnen Menschen seine Wissensdefizite erkennen. Nun gilt es, sich die für die Teilnahme an der Gemeinschaft notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen.

In einem Beitrag über die „Erfolgsbedingungen für virtuelle selbstorganisierte Lerngemeinschaften“ schreiben Lotte Krisper-Ullyett, Max Harnoncourt und Paul Meinl (der ganze Beitrag steht hier als PDF zur Verfügung):

„Der Zugang des Einzelnen zu dieser Lerngemeinschaft wird mit dem Konzept der ‚legitimierten peripheren Partizipation‘ erklärt, worunter man das schrittweise handelnde Hineinwachsen in die Gemeinschaft versteht. Dies beinhaltet nicht nur die Aneignung von Fachwissen und Know-how, sondern vor allem von Werten und Normen.“

Wir alle sind in einer Vielzahl solcher Communities Mitglied. Abhängig von verschiedenen Faktoren wie z.B. dem Interessensgrad befinden wir uns dann entweder im Zentrum oder in der Peripherie der Community und üben dort eine eher aktive oder passive Rolle aus.


Quelle: Lotte Krisper-Ullyett, Max Harnoncourt, Paul Meinl (factline)

Das heißt, je zentraler unsere Position in einer solchen Community ist, desto mehr werden wir uns dort auch engagieren. Wir müssen aber akzeptieren, dass es immer Personen gibt und geben wird, deren Interesse an der Community nur schwach ausgeprägt ist und die daher nur eine eher passive Rolle einnehmen.

Dabeisein ist alles

Wenn vor allem das „Dabeisein“ so wichtig für uns ist, dann üben Netzwerke, bei denen ich mich nicht einfach anmelden kann, natürlich einen gewissen Reiz aus. Mein Ziel wird sein, auch dazuzugehören und je nachdem, wie wichtig mir die Teilnahme ist, werde ich den Grad meiner Aktivitäten erhöhen.

Habe ich es dann aber geschafft, dann wird mein Aktivitätslevel unter Umständen wieder abfallen, denn ich habe mein Ziel eigentlich bereits erreicht. Auf das gesamte Aktivitätsniveau der Community dürfte diese „Einladungspolitik“ eigentlich keine Auswirkungen haben. Genau das ist aber das Argument solcher Communities.

Das „Dabeisein wollen“ würde dann aber auch erklären, warum es manchen Netzwerken gelingt, hypemäßig eine große Zahl von Mitgliedern zu gewinnen. So war es bei OpenBC (jetzt Xing) und so ist es gerade bei Facebook. Werde ich dort Mitglied, dann erwarte ich mir Tauschmöglichkeiten, die ich bei Bedarf realisieren kann. Boos, Exner und Heitger bezeichnen Netzwerke denn auch folgerichtig als „Beziehungen von (Beziehungs-)Optionen“. Lassen sich die nicht einlösen, dann zieht die Karawane weiter, zum nächsten Netzwerk.