Monthly Archives of: Oktober 2007

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Wie sieht ein richtiger Projektstrukturplan aus?

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Gestern bin ich gefragt worden, wie ein richtiger Projektstrukturplan aussieht. Eine gute Frage, die sich gar nicht so einfach beantworten lässt, denn DEN Projektstrukturplan (PSP) gibt es so leider nicht. Aber gehen wir das Thema doch mal ganz systematisch an.

Warum brauche ich überhaupt einen PSP? In der Regel steht ganz am Anfang eine vage Idee, die ich gerne umsetzen würde. Im Laufe der Zeit verdichtet sich die Idee und es entsteht ein Konzept, in dem die Idee und damit die Inhalte beschrieben werden.

Nachdem ich nun weiß, was ich vorhabe und welche (inhaltlichen) Ziele ich verfolge, geht es im nächsten Schritt darum, mir zu überlegen, wie ich mein Vorhaben umsetze. Die Planung ist mit der wichtigste Schritt im ganzen Projektmanagement-Prozess, denn hier schaffe ich die Basis zur Erreichung meiner Projektziele.

Der PSP als Ausgangspunkt meiner Planungen

Vereinfacht gesagt ist der PSP der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe von Plänen, mit deren Hilfe ich mir Klarheit über die weitere Vorgehensweise verschaffe. Hier die wichtigsten Pläne und die dahinterstehende Fragestellung, die es zu beantworten gilt:

  • Projektstrukturplan: was muss getan werden?
  • Projektablaufplan: in welcher (logischen) Reihenfolge muss etwas getan werden?
  • Projektzeitplan: wann muss etwas getan werden?
  • Ressourcenplan: welche Ressourcen oder Kapazitäten sind dafür notwendig?
  • Budget: was kostet das alles?

Diese Vorgehensweise ist schon alleine deshalb sehr hilfreich, weil ich auf diesem Weg recht zuverlässig die Ausgaben für mein Projekt kalkulieren kann. Nur mit den Inhalten alleine gelingt mir das nicht.

Der PSP beantwortet also die Frage, was alles getan werden muss. Dafür zerlege ich mein Projekt in Arbeitspakete, auf denen die weitere Planung aufbaut. Darstellen kann ich den PSP entweder in Form eines Organigramms,

oder als Auflistung.

4.1. Konzept entwickeln
4.2. Texte verfassen

4.5. Katalog drucken
4.5.1. Druckkostenvoranschlag einholen

4.5.8. Andruck überwachen

Ein Tipp: Ich habe mir angewöhnt, vor allem bei neuartigen Projekten den PSP mit Moderationskarten zu erstellen. Ein Tisch oder auch der Fußboden bieten jede Menge Platz und mit den Karten bin ich flexibel genug, um Arbeitspakete einzufügen oder umzubenennen. Wer den Computer verwendet, sollte eher die Listenform verwenden. Das ist sehr viel einfacher als der Kampf mit dem Organigramm.

Projektstrukturplan: Mehr Überblick oder doch lieber Details?

Wie sehr sollte man bei der Erstellung des PSP ins Detail gehen? Vergessen wir nicht, dass der PSP nicht dazu da ist, um uns zu quälen, sondern um uns die Arbeit zu erleichtern. Wer Probleme hat, sein Projekt zu überschauen, wird den PSP vor allem dafür verwenden. Andere haben Angst, etwas zu vergessen und brauchen deshalb vor allem die Details.

Bei großen Projekten bietet sich eine Kompromisslösung an: Man erstellt ein Organigramm, das den Überblick liefert und geht dann bei den einzelnen Teilbereichen mit eigenen PSP ins Detail.

Interessant ist auch die Frage, nach welcher Methodik ich die einzelnen Felder bzw. Karten beschrifte. Wenn Sie sich mein Beispiel anschauen, sehen Sie, dass ich einzelne Tätigkeiten beschreibe. Z.B. „Konzept entwickeln“ oder „Texte verfassen“. In den meisten künstlerischen Projekten macht dieses Prinzip Sinn.

Es gibt aber auch produktbezogene PSP, wenn Sie etwa ein Haus bauen. Dann könnten Sie Ihren Plan so strukturieren:

  1. Keller
  2. Erdgeschoss
  3. erstes Stockwerk
  4. Dach

Die Renovierung eines Theaters ließe sich so beispielsweise darstellen.

Das Rezept: der PSP des Backens

Nun werden Sie vielleicht einwenden, dass Sie Ihre Projekte schon bisher ohne solche umständlichen Verfahren erfolgreich realisiert haben. In einem solchen Fall haben Sie wahrscheinlich auch geplant, nur halt im Kopf. Denken Sie ans Kuchenbacken: Wenn Sie schon unzählige Male eine Sachertorte gebacken haben, brauchen Sie kein Rezept. Versuchen Sie sich das erste Mal daran, werden Sie froh sein, so etwas in der Hand zu haben.

Hilfreich ist der PSP für zukünftige Vorhaben, vor allem, wenn sie nicht immer nach dem selben Muster ablaufen. Wer hier auf bekannte Strukturen zurückgreifen kann, tut sich auch in unbekanntem Terrain leichter. Wenn Sie 100 Kuchenrezepte im Kopf haben, fält es Ihnen mit Ihrem Wissen leicht, einen Kuchen zu backen, den Sie noch nie ausprobiert haben. Sie kombinieren sich Ihr Rezept aus den Bausteinen der 100 bekannten Rezepte zusammen.

Und genau in solchen Situationen ist der PSP eine wertvolle Hilfe. Die Herausforderung besteht in meinen Augen darin, sich einmal hinzusetzen und die ersten Pläne zu entwerfen. Nur so kann man herausfinden, wie sie für einen selbst aussehen müssen, um damit arbeiten zu können. Denn wie gesagt, DEN Projektstrukturplan gibt es nicht.

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Eine Broschüre informiert über EU-Förderungen

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Den Hinweis auf eine sehr hilfreiche Broschüre zum Thema EU-Förderungen habe ich auf Elke Fleings Blog Selbst und Ständig gefunden. Sie richtet sich an KMU und informiert knapp und übersichtlich über das Fördersystem der EU. Eine Vielzahl an Links zeigt dann den Weg zu weiteren Informationen.

Wer den meist nur schwer zu verstehenden EU-Jargon kennt, wird hier angenehm überrascht sein. Aber Vorsicht: es geht hier nicht um Kunst und Kultur, sondern ganz allgemein um EU-Förderungen.

Ich habe aber immer wieder EU-Gelder für Kulturprojekte aus Fördertöpfen erhalten, die nichts mit Kunst oder Kultur zu tun hatten. Der Vorteil dort war, dass man mit Projekten, die einen kulturellen oder künstlerischen Hintergrund haben, auffällt. Ein gutes Konzept und eine gute Idee muss man aber trotzdem haben.

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Wie LeserInnen vom Web2.0 profitieren können

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Mein Beitrag „Warum Bücher vom Web2.0 profitieren können“ beschäftigte sich mit der Frage, in welcher Form Verlage das Web2.0 nutzen können und welchen Stellenwert Communities für LeserInnen besitzen. Der hängt meist davon ab, welchen Nutzen eine Community ihren UserInnen bieten kann.

Anregungen dazu lassen sich im OCLC (Online Computer Library Center) Report „Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World“ finden. Darin geht es nicht um die Verlage und mögliche Vertriebsformen, sondern um die Rolle der öffentlichen Bibliotheken. Wie reagieren Bibliotheken darauf, dass das Internet ein nicht wegzudenkender Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden ist? Und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen, dass wir uns immer häufiger auf „social web sites“ aufhalten?

Die Websites der Bibliotheken verlieren an Attraktivität

In der Zusammenfassung des Reports heißt es, dass die Zahl der InternetuserInnen (in Canada, U.K. und den USA), die Websites von Bibliotheken besuchen, in den letzten beiden Jahren von 30 auf 20 Prozent gesunken ist.

Die Fragestellung lautete:

„…what are the services and incentives that online libraries could offer users to entice them to come back or to visit more often or even devote some of their own time to help create a social library site?“

Die im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung ergab wichtige Aufschlüsse, warum „social networks“ besucht werden. Die meistgenannten Gründe waren:

  • „Connect with friends“,
  • „be part of group“,
  • „have fun“,
  • „express myself“.

Vor diesem Hintergrund liefern die VerfasserInnen des Reports eine ganz interessante Beschreibung des Begriffs „social networking“:

„Social networking is doing something more than advancing communications between individuals, driving commerce or speeding connectivity. It is redefining roles, muddying the waters between audience and creator, rules and relationships, trust and security, private and public.“

Ihre Schlussfolgerung daraus:

„And the roles are changing, not just for a few but for everyone, and every service, on the Web.“

Im realen Leben stehen Bibliotheken für Austausch und Dialog

Interessant ist die Tatsache, dass die Bibliotheken im realen Leben als soziale Räume wahrgenommen werden und für Austausch und Dialog stehen. Im virtuellen Raum traut man Bibliotheken diese Rolle aber nicht zu. Obwohl diese zu den Pionieren bei der Nutzung digitaler Dienste gehören, zum Beispiel Datenbanken. Auf dieser Stufe sind sie aber, so das Resumee der AutorInnen, stehengeblieben. Bibliotheken spielen im „social Web“ keine Rolle mehr.

Was aber können Bibliotheken tun, um sich hier wieder ins Spiel zu bringen? Die AutorInnen der Studie hatten folgende Annahme:

„We conceived of a social library as a library of traditional services enhanced by a set of social tools—wikis, blogs, mashups and podcasts. Integrated services, of course, user-friendly for sure and offering superior self-service.“

Aber die ExpertInnen kommen zu dem Ergebnis, dass sie damit falsch liegen.

„The social Web is not being built by augmenting traditional Web sites with new tools. And a social library will not be created by implementing a list of social software features on our current sites. The social Web is being created by opening the doors to the production of the Web, dismantling the current structures and inviting users in to create their content and establish new rules.“

Und diese Erkenntnis ist nicht nur für den Bereich der Bibliotheken wichtig, sondern für uns alle, die wir uns im Internet bewegen. Die AutorInnen des Reports stellen nämlich richtigerweise fest, dass diese Unterscheidung von „normalem“ und „sozialem“ Web bald hinfällig sein wird. In nicht allzuferner Zeit werden „User generated content“ und collaboration tools“ Bestandteil einer jeden Website sein.

Communities laufen Verlagen und Bibliotheken den Rang ab

Was bedeutet das für den Bereich der Bücher? Interessanterweise haben Verlage auf der einen und Bibliotheken auf der anderen Seite noch einen ziemlichen Nachholbedarf in Sachen Internet. Zu füllen scheinen diese Lücke Communities, die den UserInnen die oben beschriebenen Angebote machen. Diese mögen in Europa und den USA durchaus unterschiedlich aussehen und unter völlig anderen Rahmenbedingungen entstehen. Fakt ist aber, dass sie den Verlagen und den Bibliotheken schon weit voraus sind und dass es für beide gar nicht so einfach sein wird, diesen Rückstand aufzuholen.

Noch eine Anmerkung zum Abschluss: Diese Studie habe ich auf Globolibro, einem höchst lesenswerten Bibliotheksblog gefunden. Wer sich mit dem Thema Buch beschäftigt, findet dort viele lesenswerte und anregende Beiträge.

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„Ich habe keine Zeit“

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Diesen Spruch bekommt wohl jeder von uns des öfteren zu hören bzw. verwendet ihn selbst recht gerne. Aber haben wir wirklich keine Zeit mehr? Und liegt das an uns oder sind „die anderen“ daran Schuld?


© Elke Espana, Pixelio

Robert Greenshields hat sich auf seinem Blog MindPower Marketing mit diesem Thema beschäftigt. Er ist der Meinung, dass man es sich zu einfach macht, wenn man den Satz „ich habe keine Zeit“ als Ausrede gelten lässt. Schließlich liege es in unserer Verantwortung, was wir mit unserer Zeit anfangen und ob wir sie sinnvoll nutzen oder sinnlos vertun. Insofern sind wir selbst Schuld, wenn wir „keine Zeit haben“.

Und was müssen wir tun, um uns nicht in unserer (knappen) Zeit zu verlieren? Greenshields macht in seinem Beitrag „7 steps to taking control of your time“ Vorschläge, worauf wir achten sollten.

Erkannt habe ich mich gleich beim ersten Punkt, bei dem er einen auffordert, sich nicht ständig mit Informationen vollzustopfen, sondern auch auf den entsprechenden Output zu achten. Wie wahr, wie wahr.

Hier sind die sieben Schritte in Kurzform, der Rest steht bei Robert Greenshields:

  1. Stop inputting and start outputting
  2. Always remember why you are doing it
  3. Plan your day and stick to your plan
  4. Prioritize your time
  5. Say no – to yourself as well as to others
  6. Develop systems and processes
  7. Take care of yourself

Sehr hilfreich, danke Robert!

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Fundraising im Kunst- und Kulturbereich: Fünf Fragen zum FachTagKultur 2007

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Am 29. Oktober findet in der K20 Kunstsammlung in Düsseldorf der FachTagKultur 2007 statt. Organisiert wird die eintägige Veranstaltung von der Fachgruppe Kultur, die sich 2005 im Deutschen Fundraising Verband gegründet hat. Die Fachgruppe versteht sich als „Plattform zum Austausch von Wissen und Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis“, wie es in der Einladung heißt und dementsprechend werden bei dieser eintägigen Veranstaltung laut Programm auch jede Menge Beispiele präsentiert.

Da geht es beispielsweise um RUHR.2010, also ein eher größeres Projekt. Aber es wird auch der Bücherbus in Köln vorgestellt, der erst durch eine Spendenaktion den Betrieb aufnehmen konnte. Worum es konkret geht, das habe ich Becky Ann Gilbert, Vorstandsmitglied und Leiterin der Fachgruppe „Fundraising für Kunst und Kultur“ des Deutschen Fundraising Verbands im Email-Interview gefragt:

Kulturmanagement Blog: Für wen ist diese Tagung gedacht und welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Veranstaltung?

Becky Ann Gilbert: Die Tagung richtet sich in erster Linie an Mitarbeiter und Führungskräfte aus Kultureinrichtungen, an Agenturen und an Freiberufler, die mit dem Einwerben von Fördermitteln und Sponsorenleistungen befasst sind. Ziele dieser Tagung sind – neben Wissensvermittlung und der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen – die Bildung von Netzwerken und der Austausch unter Fachkolleginnen und -kollegen.

Ein wichtiger Aspekt jeder Tagung der Fachgruppe Fundraising für Kunst und Kultur des Deutschen Fundraising Verbands – in der Regel veranstalten wir zwei Tagungen im Jahr – ist auch der Regionalschwerpunkt. Nach Tagungen in Hamburg, Frankfurt a. M. und Bad Boll bei Stuttgart stehen Kunst- und Kultureinrichtungen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet im Mittelpunkt.

Kulturmanagement Blog: Im deutschsprachigen Raum wird Fundraising häufig als das Sammeln von Spenden verstanden, in den angelsächsischen Ländern steht der Begriff ganz allgemein für das Akquirieren von Geldmitteln. Dazu gehört zum Beispiel auch das Sponsoring. Wie definieren Sie denn Fundraising?

Becky Ann Gilbert: Ich danke für diese Frage, denn ich und meine Kolleg/innen stellen immer wieder fest, dass viele Personen sehr wenig mit Begrifflichkeiten wie „Fundraising“ oder „Sponsoring“ anfangen können.

Fundraising kann man als die Beschaffung von Mitteln zur Verwirklichung von am Gemeinwohl orientierten Zwecken definieren.

Unter Sponsoring verstehen wir eher die Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle sämtlicher Aktivitäten, die mit der Bereitstellung von Geld, Sachmitteln oder Dienstleistungen durch Unternehmen zur Förderung von Personen und/oder Organisationen im sportlichen, kulturellen und/oder sozialen Bereich verbunden sind. Damit sollten Ziele der Unternehmenskommunikation erreicht werden. Sponsoring ist für mich daher eher ein Fundraising-Instrument, das Kunst- und Kultureinrichtungen ermöglicht, neue Ressourcen durch zielgerichtete Unternehmenskooperationen zu erschließen.

Kulturmanagement Blog: Für uns ist es – auch aus historischen Gründen – die Aufgabe des Staates, Kunst und Kultur zu ermöglichen und damit auch zu finanzieren. Heute zieht sich der Staat in dieser Hinsicht aber immer mehr zurück. Sind private Geldmittel also quasi der Ersatz für die Gelder, die bis jetzt von öffentlicher Seite kommen? Und wenn dem so ist, wäre es nicht besser, man kommuniziert das auch so? Oft hat man den Eindruck, dass es den verantwortlichen PolitikerInnen gar nicht so unangenehm ist, dass das ein schleichender Prozess ist.

Becky Ann Gilbert: Für mich ist die Aufgaben- und Rollenverteilung folgende: Aus meiner Sicht sind die Ziele des Fundraising, anhand ausgewählter Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen mittelfristig potenzielle Förderer der Organisation zu identifizieren und eine Grundlage für eine Identifikation mit der Organisation und ihren Zielen zu schaffen. Dies schafft eine Basis für die Einwerbung von Geld und Sachmitteln zur Unterstützung der Aktivitäten der Organisation und ermöglicht die Erschließung einer Zusatzfinanzierung für die Organisation.

Die Aufgabe des Fundraising ist, non-profit-Organisationen durch die Erhöhung der ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zu stärken. Das Fundraising befasst sich mit den Beziehungen zwischen non-profit-Organisationen und ihren Förderern. Günstige Rahmenbedingungen für diese Beziehungen durch die Gesetzgebung zu schaffen, gehört m. E. zu den Hauptaufgaben der Träger von politischer Verantwortung.

Fundraising kann keineswegs politische Entscheidungsträger von ihren Pflichten gegenüber der Gesellschaft entlasten noch kann es die öffentliche Förderung von Kunst und Kultur 1:1 ersetzen. Neue Finanzierungsquellen für Kunst und Kultur bedeuten für die Organisationen Änderungen in der Arbeitsform. Für mich ist es zu begrüßen, wenn es Kultureinrichtungen gelingt, neue Partner und Förderer von der Qualität ihrer Arbeit zu überzeugen.

Das heißt aber auf keinen Fall, dass die Frage, welche Art von staatlicher Förderung für unsere Kulturlandschaft notwendig wäre, vernachlässigt werden kann. Denn die Tatsache, dass sich Kultureinrichtungen in Deutschland immer häufiger und immer intensiver mit Fundraising-Fragen beschäftigen, bedeutet m. E. keineswegs, dass die Politik von ihrer Verantwortung befreit wäre, zusammen mit anderen gesellschaftlichen Akteuren nach Antworten auf Fragen zur Rolle und Aufgaben des Staats zu suchen. Natürliche können Fundraiser – wie alle Bürger und Bürgerinnen – sehr viel zu dieser Diskussion beitragen; sie führen muss allerdings die Politik.

Kulturmanagement Blog: Ist Fundraising eine Tätigkeit, die bezogen auf den Kunst- und Kulturbereich, outgesourct werden sollte? Oder ist diese Tätigkeit besser in der Struktur der Kulturunternehmung aufgehoben?

Becky Ann Gilbert: Auch hiermit sprechen Sie einen wichtigen Punkt an, über den Fundraiser häufig und leidenschaftlich diskutieren.

Es gibt keine richtige Antwort auf diese Frage. Für kurzfristige Vorhaben oder Projekte kann die Zusammenarbeit mit externen Fundraising-Experten sich als durchaus sinnvoll erweisen. Stehen Fragen zum strategischen und nachhaltigen Aufbau von Fundraising für eine Organisation im Mittelpunkt, so würde ich die Etablierung von Fundraising als Arbeitsgebiet sowie eine vollständige Integration von Fundraising in die Arbeit der Organisation als Modell bevorzugen.

Kulturmanagement Blog: Mir ist aufgefallen, dass der Einsatz der elektronischen Medien auf der Tagung gar kein Thema ist. Warum ist unser Rückstand gegenüber dem angelsächsischen Raum in dieser Hinsicht so groß? Und welche Rolle spielt das Web 2.0 in der täglichen Arbeit von FundraiserInnen?

Becky Ann Gilbert: In der Tat stehen eher herausragende Projekte und Initiativen im Mittelpunkt der Vorträge. Dass aber das Internet oder Web 2.0 für die vorgestellten Fundraising-Aktivitäten und Best-Practice-Projekte keine Rolle spielt, kann man nicht unbedingt sagen. Da würde ich dafür plädieren, auf die Beiträge am kommenden Montag zu warten.

Und ich würde mich sehr freuen, von möglichst vielen Blogger/innen zu erfahren, welche Rolle das Web 2.0 für die tägliche Arbeit spielt. Darüber liegen in der Tat kaum Informationen und verlässliche Angaben vor, weshalb es sehr schön wäre, wenn wir durch solche wichtigen Foren wie Blogs unseren Wissensstand zum Thema Fundraising erweitern könnten.

Kulturmanagement Blog: Vielen Dank für Ihre Antworten

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Warum Bücher vom Web2.0 profitieren können

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Als das Internet aufkam, sahen darin viele das Ende des Buches. Heute können wir davon ausgehen, dass sich diese Prophezeiung nicht erfüllen wird. Auch in vielen Jahren werden wir wohl noch das haptische Vergnügen haben, ein Buch zu lesen.


Quelle: Pixelio

Aber müssen wir das Internet überhaupt als „Feind“ des Buches betrachten? Sollten wir uns nicht vielmehr überlegen, wie wir es zum Nutzen des Buches einsetzen können? Matthias Schwenk hat sich auf seinem Blog bwl zwei null Gedanken darüber gemacht, wie sich „Bücher im Internet vermarkten“ lassen. Er hat sich bei den Verlagen umgesehen, ob und wenn ja, in welcher Form diese auf das Internet und in weiterer Folge auf das Web2.0 beim Vertrieb ihrer Bücher setzen. Herausgekommen ist eine Einteilung in Verlage 1.0 und 2.0.

Aber brauchen die AutorInnen die Verlage überhaupt noch? Erinnern wir uns an die Musikbranche, an das Beispiel Radiohead, die ihre neue CD selbst über das Internet vertreiben. Und das recht erfolgreich. Wie sieht es in der Buchbranche aus?

Adhoc fällt mir dazu Elfriede Jelinek ein, die ihren neuen Roman „Neid“ derzeit kapitelweise auf ihrer Homepage veröffentlicht. Und das kostenlos und ohne einen Verlag im Hintergrund. Schwenk verweist auf Paulo Coelho, der sein eigenes Autorenblog betreibt, im Unterschied zu Elfriede Jelinek aber seine Werke nicht ins Web stellt, sondern das Web2.0 gezielt für Marketingzwecke einsetzt. Neben seinem Blog verfügt er über ein eigenes MySpace-Profil, einen YouTube-Channel und ist auch in Facebook vertreten (erreichbar über sein Blog).

Matthias Schwenk kommt in seinem Beitrag zu dem Ergebnis, dass die Verlage nicht überflüssig werden. Ich denke, Verlage werden nur dann weiterbestehen, wenn es ihnen gelingt, neue Kommunikations- und Vertriebsmodelle zu entwickeln. Schon heute kann ich als Autor meine Werke über verschiedene Plattformen (z.B. Lulu, readbox) vertreiben, ohne die Dienste eines Verlages in Anspruch nehmen zu müssen.

Wohin die Reise gehen könnte, zeigen Communities, in denen LeserInnen die Möglichkeit haben, ihre Lieblingsbücher vorzustellen und darüber zu diskuieren. Matthias Schwenk hat sich dankenswerterweise zwei von ihnen angeschaut und die Ergebnisse in seinem Beitrag „Über Bücher im Netz diskutieren: Shelfari und readme.cc“ zusammengefasst.

Für ihn ist readme.cc ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte und begründet das explizit mit zwei Punkten:

  1. readme.cc ist noch nicht im Web2.0 angekommen und wirkt optisch „altbacken und schwerfällig“.
  2. readme.cc zeigt die Buchcover nicht, um keine Werbung für die Verlage zu machen.

Mir ist beim Vergleich der beiden Communities etwas ganz anderes aufgefallen. Während readme.cc von der EU und einem österreichischen Ministerium gefördert wird, hat Shelfari sich auf die Suche nach Investoren gemacht und unter anderem Amazon von der Idee überzeugen können.

Hier geht es daher meiner Meinung nach um ganz grundlegende Mentalitätsunterschiede. In Europa werden solche Projekte subventioniert, in den USA sind solche Vorhaben für Investoren attraktiv. Wie würden einheimische Investoren reagieren, wenn man ihnen so ein Projekt präsentieren würde? Das ist die spannende Frage.

Und wie sieht es auf der Seite der LeserInnen bzw. der UserInnen dieser Plattformen aus? Ich wage mal die provokante Behauptung, dass auch dort die Mentalitätsunterschiede gewaltig sind und daher die Angebote genau richtig sind. Shelfare für die amerikanische Kultur, readme.cc für die europäische Kultur.

Für mich geht es daher gar nicht so sehr darum welche Community besser oder schlechter ist, sondern um die Frage, was wir von ihr erwarten? Und das bedeutet, wir müssen herausfinden, was die LeserInnen sich wünschen. Denn um die geht es letzten Endes, egal ob ich ein Verlag, AutorIn oder Community bin. Dem Buch wird all das nützen, denn egal, wer mich als Leser anspricht, ich bekomme Informationen über Bücher, die ich in Katalogen nie erhalten habe.

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eBook: Projekte erfolgreich managen

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Frank Obels hat viele Jahre lang vor allem Linux-Projekte geleitet. Nun hat er sein Wissen in ein mehr als 100-seitiges eBook gepackt, das er über sein Blog „Mehr Erfolg im Internet“ kostenlos zum Download anbietet.

Auch für Projekte, die nicht im IT-Umfeld abgewickelt werden, sind Obels Erfahrungen eine wertvolle Hilfe. Das Einfließen seiner persönlichen Erfahrungen ist denn auch eine der Stärken dieses eBooks. Ein weiteres Plus ist die detaillierte Darstellung des Planungsprozesses, der in meinen Augen entscheidenden Phase für den späteren Projekterfolg.

In einem Punkt weiche ich allerdings von Frank Obels Meinung ab. Was er, beispielsweise auf Seite 13, als Rolle bezeichnet, entspricht meinem Verständnis nach eher einer Funktion. Ich beziehe mich dabei auf das Funktion-Rolle-Modell von Waldefried Pechtl, das ich in einem anderen Beitrag vorgestellt habe.

Unabhängig davon stellt dieses eBook eine wertvolle Hilfe für alle ProjektmanagerInnen dar und deshalb ist Frank Obels dafür zu danken, dass er sich die Arbeit gemacht hat, dieses eBook zu erstellen und es kostenlos zur Verfügung stellt (Hier geht es zum Download).

Danke auch an Peter Arndt für den Hinweis auf seinem Blog Erfolgreiche Selbstorganisation.

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Wenn Fördergeber innovative Projekte erwarten

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Von einem sehr interessanten Urteil des Schweizer Bundesverwaltungsgerichts berichtet Hanspeter Gautschin auf Bodeständigi Choscht. Eine Band hatte sich nicht mit der Ablehnung ihres Förderansuchens abgefunden und sich an der Begründung gestoßen, „der Musik der Band fehle der innovative Charakter“. Das Gericht gab der Gruppe AIYve Recht und verpflichtete die beklagte Kulturstiftung Pro Helvetia, ihre Bescheide zukünftig besser zu begründen.

Nun ist Pro Helvetia ja nicht die einzige Fördereinrichtung, die von den Antragstellern innovative Projekte verlangt. So bewertet zum Beispiel die EU im Rahmen ihres Kulturförderprogramms die Qualität der eingereichten Projekte unter anderem auch nach dem Grad der Innovation, wie es im Leitfaden zur aktuellen Ausschreibung auf Seite 12 heißt.

Aber nicht nur im Kunst- und Kulturbereich wird Innovation gefordert, wenn es um Förderungen geht. Ob auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene, immer muss das Vorhaben innovativ sein, um in den Genuss öffentlicher Gelder zu kommen. Ohne jetzt den Begriff diskutieren zu wollen (damit habe ich mich an anderer Stelle beschäftigt), stellt sich mir die Frage, ob es m Rahmen unserer Fördersystems überhaupt möglich ist, innovative Vorhaben zu fördern?

Warum? Für mich stellt sich erstens die Frage, ob Innovation planbar ist? Nehmen wir mal an, sie ist es, dann wäre die zweite Frage, ob auch das Ergebnis bereits bekannt ist? Ist es bekannt, dann frage ich mich, ob wir in diesem Fall noch von Innovation sprechen können? Meiner Meinung nach nicht. Ein innovatives Projekt ist in meinen Augen ein Vorhaben, mit dem ich zwar ein bestimmtes Ziel verfolge, bei dem ich aber nicht weiß, ob und wenn ja, wie ich dieses Ziel erreichen kann. Das bedeutet, bei einem solchen Projekt ist das Risiko relativ groß, dass ich mein Ziel nicht erreiche und damit scheitere.

Öffentliche Fördergelder sind in der Regel Steuergelder, die nicht wahllos und unbegründet verteilt werden können. Die fördergebenden Stellen unterliegen diversen Kontrollen (z.B. durch den Rechnungshof), damit gewährleistet ist, dass die Gelder ordnungs- und widmungsgemäß verwendet werden. Als Fördergeber werde ich also einen klaren Rahmen vorgeben, damit ich nachweisen kann, dass das Geld sinnvoll eingesetzt worden ist. Dementsprechend sehen dann die Leitlinien der Programme aus.

Gehen wir wieder zurück zum aktuellen Call des EU-Kulturförderprogramms. Dort muss ich meine Ziele klar definieren und so präzise beschreiben, wie ich dieses Ziel erreichen werde, dass sogar schon angegeben werden muss, an welchem Tag ich 2009 von z.B. Wien nach Rom fliege, um ein Meeting mit meinen Projektpartnern zu haben. Gibt es dann später Abweichungen, muss ich mir diese genehmigen lassen. Nur: Glaubt irgendwer, dass ich dann am 27. Mai 2009 in Rom „innovativ“ sein werde?

Ich kann Förderstellen schon verstehen, dass sie sich „abzusichern“ versuchen, keine Frage. Für mich ist das ein eher grundsätzliches Problem, denn die wirklich innovativen Köpfe werden sich nicht in den Rahmen eines solchen Antragschemas pressen lassen. Förderungen erhalten daher diejenigen, die das Spiel durchschauen und in der Lage sind, es mitzuspielen. Das Ergebnis sind dann Anträge, in denen es von Innovation, Kreativität, Netzwerken, etc. nur so wimmelt.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

  1. Ich denke, es macht durchaus Sinn, Innovation zu „fördern“. Ob das allerdings im Rahmen von Förderprogrammen funktionieren kann, wage ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu bezweifeln.
  2. Scheitern muss erlaubt sein. Wer „scheitert“, hat in den Augen der Gesellschaft versagt, eine zweite Chance gibt es nur selten oder gar nicht. Damit meine ich nicht, dass man ein Konzert oder eine Ausstellung nicht organisiert bekommt, sondern z.B. eine Fragestellung nicht lösen kann.
  3. Wir sollten etwas vorsichtiger mit dem Begriff Innovation umgehen. Es mag zwar mühsam sein, aber vielleicht lassen sich die Erwartungen an potenzielle Fördernehmer auch anders formulieren, sonst klingt „innovativ“ irgendwann einmal nach „ich weiß auch nicht so genau“. Und dann wäre der Begriff endgültig runtergewirtschaftet. Das gilt aber nicht nur für Fördergeber. Auch Antragsteller sollten bedenken: nicht jedes Projekt ist innovativ. Einzigartig ja, aber das ist etwas anderes.

Erfreulich wäre es, wenn ein solches Urteil etwas Bewegung in ein mittlerweile erstarrtes System bringen würde und die Möglichkeit eröffnet, sich darüber Gedanken zu machen, wie innovative Ansätze im Kunst- und Kulturbereich unterstützt werden können.

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Museen in Second Life: Ein Erfahrungsbericht

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Vor einiger Zeit hatte ich über die Entstehung eines virtuellen Museums in Second Life berichtet. Ruth Prantz hatte sich mit dem Open Art Museum viel vorgenommen und auch einiges über ihr Vorhaben geschrieben. Nun, einige Monate später, folgt ein erstes Resumee.

Die erste Euphorie scheint verflogen, wenn ich den Beitrag nicht missverstanden habe. Einige werden nun sagen, dass sie das eh gewusst haben und Second Life nur ein Hype war, dessen Ende abzusehen ist. Darum geht es nicht. Ich denke, die Euphorie ist die Grundvoraussetzung, um sich auf so ein „Abenteuer“ überhaupt einlassen zu können. Dass sie irgendwann einmal nachlässt, ist völlig normal. Ich kenne das von meinem Blog hier. Aber genau an diesem Punkt wird die Sache interessant, denn nun hat man die Möglichkeit, sein Projekt mit gewissem Abstand zu analysieren, die Chancen realistisch einzuschätzen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Im ersten Teil ihres Erfahrungsberichtes hat Ruth Prantz zwei in meinen Augen sehr wertvolle Aussagen gemacht. Die erste betrifft den Kunstmarkt in Second Life, über den sie schreibt:

„Die Galerien waren oft fantasielos gestaltete, viereckige Schachteln an den Wänden voll tapeziert mit irgendwelchen Bildern unterschiedlichster Art, mal handgearbeitet in Realworld, mal Photoshopcomposings, mal beides in einem…“

Mag es also am Anfang genügen, dabei zu sein, so ist es doch wie überall wichtig, die entsprechende Qualität anbieten zu können. Eine Galerie wird nicht dadurch besser, dass sie in Second Life vertreten ist. Und man muss kein Prophet sein, um das Ende der meisten dieser Galerien vorherzusagen.

Noch viel wichtiger sind aber die Überlegungen, die Ruth Prantz zum Thema Kunst in der virtuellen Welt anstellt. Es reicht eben nicht, schreibt sie, einfach nur mit Kopien zu arbeiten. Ihre Schlussfolgerung:

„Allein der Fakt, dass jedes digitalisierte Bild eine Texture ist in Second life und dass quasi ganz Second Life aus Texturen besteht die auf dreidimensionale Grundelemente projeziert werden, legt nahe, dass ein Bild einmal dort angekommen zu nichts anderen als einer Textur unter vielen wird. Kunst in Second life braucht anderes um sich als Kunst abzuheben.“

Und daran zu arbeiten, das ist die Herausforderung. Sonst wird es diesen Bereich in Second Life nicht mehr lange geben.

Nun würde mich natürlich interessieren, welche Konsequenzen das für ihr eigenes Projekt, das Open Art Museum, hat? Ich hoffe, dass wir dann darüber etwas im zweiten Teil ihres Erfahrungsberichtes erfahren.