Monthly Archives of: Dezember 2009

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Weihnachtspause

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Diese Beiträge vor Weihnachten sind immer die größte Herausforderung. Fern der eigentlichen Inhalte dieses Blogs gilt es, ein paar „salbungsvolle“ Worte zu finden und die in meinem Fall zweiwöchige Blogpause anzukündigen. Ein kurzer Rückblick sei mir gestattet. Mit der Entwicklung des Kulturmanagement Blogs kann ich mehr als zufrieden sein. Auf der einen Seite zeigen alle statistischen Kurven nach oben, auf der anderen Seite durfte ich dank des Blogs (und der stART.09) viele neue und interessante Menschen kennenlernen. Für beides sage ich vielen Dank!

Was wird das neue Jahr bringen? Ich denke, auf den Kunst- und Kulturbereich werden in den kommenden Jahre enorme fnanzielle Herausforderungen zukommen. Angesichts der hohen Staatsverschuldung muss man kein Prophet sein, um sinkende Budgets für die vielen Kultureinrichtungen vorherzusagen. Ob in Berlin, Stuttgart oder Wuppertal, schon jetzt muss in vielen Städten und Kommunen gespart werden, andere werden folgen.

Das heißt, Kulturbetriebe werden sich nach alternativen Geldquellen umsehen müssen. Unter Umständen werden sie nicht nur neue Geldtöpfe finden, sondern sogar neue Geschäftsmodelle entwickeln müssen. Ich bin davon überzeugt, dass der Aufbau von Communitys hier ein Lösungsansatz sein kann (siehe dazu meinen Beitrag Theaterfinanzierung: geht es auch ohne Förderungen?). Damit haben wir schon eines der Themen, die das Jahr 2010 prägen werden. Ein weiteres interessantes Thema wird das mobile Web sein. Was bedeutet die Tatsache, dass immer mehr Menschen von einem beliebigen Ort jederzeit eine Online-Verbindung herstellen können? Stichwort Augmented Reality. Welches Potenzial birgt diese Entwicklung für Kunst und Kultur?

Diese Themen werden natürlich auch dieses Blog hier prägen. Aber auch in der Beratung von Kultureinrichtungen taucht z.B. das Thema Community-Building immer häufiger auf. Wie aber lassen sich Communitys leben? Ein interessanter Aspekt kann das gemeinsame Betreiben eines Weblogs sein. Posterous bietet da seit einiger Zeit ganz interessante Möglichkeiten an. Derzeit lerne ich gerade mit Posterous umzugehen, nächstes Jahr wage ich mich dann an die Öffentlichkeit. Die Idee ist, dort mehr die technischen Möglichkeiten des Social Web abzuhandeln, während sich hier weiter alles um das Thema Kulturmanagement drehen wird.

Die Zukunft dieses „Faches“ liegt mir am Herzen, deshalb wird es im nächsten Jahr eine Reihe „Kulturmanagement 2020“ geben. Die Idee ist es, ExpertInnen einzuladen, sich im Rahmen eines Blogposts mit der Zukunft des Faches Kulturmanagement zu beschäftigen. ExpertInnen sind all diejenigen, die sich dazu berufen fühlen, etwas zur Entwicklung dieses Faches beizutragen.

Genug nach hinten und nach vorne geblickt. Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage, alles Gute für das neue Jahr und ein Wiederlesen im Selbigen. Ab dem 4. Januar sind Sie, so hoffe ich, wieder dabei…

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Österreich: Trainee-Stipendium für KulturarbeiterInnen im Bereich Kulturmanagement

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Wie in so vielen anderen Branchen lohnt sich auch im Kunst- und Kulturbereich der Blick über den Tellerrand. Wie wird ein Theater in den USA geführt, wie sind Kulturzentren in Deutschland oder Bulgarien organisiert? Wer mit solchen Kenntnissen und Erfahrungen ausgestattet ist, kann davon in seiner täglichen Arbeit profitieren. Nur: wie lassen sich solche Erfahrungen machen? Wie findet man einen entsprechenden Arbeitsplatz?

„Internationale Erfahrungen und professionelle Managementkenntnisse werden immer mehr zur Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Arbeit im Kunst- und Kulturbereich“,

heißt es auf der Website des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Um diese Schlüsselqualifikation erwerben zu können, vergibt das Ministerium zwölf Trainee-Plätze. Das Angebot richtet sich an KulturarbeiterInnen im Kunst und Kulturbereich, konkret an MitarbeiterInnen regionaler Kulturinitiativen sowie AbsolventenInnen von Kulturmanagementlehrgängen.

Unter der Voraussetzung einer erfolgreichen Bewerbung arbeiten Sie dann drei bis sechs Monate in einer internationalen Kulturinstitution und werden in dieser Zeit finanziell unterstützt. Hier sind die wichtigsten Fakten:

Wer kann sich bewerben? Angesprochen sind KulturarbeiterInnen, deren Arbeits- und Lebensmittelpunkt in Österreich liegt, d.h. die Vergabe ist nicht an die Staatsbürgerschaft gebunden. Sie sollten eine einschlägige Ausbildung hinter sich haben (z.B. den erwähnten Kulturmanagementlehrgang) oder über entsprechende Berufserfahrungen verfügen. Beides zu haben, ist laut Bewerbungsformular kein Schaden. Sie sollten mindestens eine Fremdsprache fließend sprechen, sich weiterbilden wollen und bereit sein, Ihre als Trainee gesammelten Erfahrungen in eine österreichische Kultureinrichtung einzubringen (so man Sie lässt ;-) ).

Wie sieht die Unterstützung aus? Übernommen werden Ihre Reisekosten (zum Traineeplatz und retour), außerdem erhalten Sie einen Beitrag zu den Lebenshaltungskosten, der – abhängig vom Land – zwischen 1.500 und 1.850 Euro beträgt. Wird Ihnen eine kostenlose Wohnmöglichkeit zur Verfügung gestellt, reduziert sich der Betrag. Selbst aufkommen müssen Sie für Ihre Versicherungen (z.B. Krankenversicherung) sowie für Visagebühren (so die anfallen).

Wie bewerben Sie sich? Sie müssen Ihre Bewerbung bis spätestens 31. Januar 2010 (Datum des Poststempels) an das BMUKK gerichtet haben, die genaue Adresse finden Sie in der Ausschreibung bzw. im Bewerbungsformular. Dort erfahren Sie auch, welche Unterlagen Sie Ihrer Bewerbung beilegen müssen.

Innerhalb eines Monats entscheidet die Jury dann, wer ein solches Stipendium erhält, der Start des Traineeprojektes erfolgt nach Vereinbarung und dauert zwischen drei und sechs Monaten.

Wo werden Traineeplätze angeboten? Die Bandbreite der Kulturinstitutionen, die im Bewerbungsformular aufgelistet bzw. vorgestellt werden, ist beachtlich. Unter anderem sind dort zu finden:

In meinen Augen ist das eines der interessantesten Weiterbildungsangebote im Bereich Kulturmanagement und wenn Sie in Österreich leben und arbeiten, sollten Sie sich diese Chance nicht entgehen lassen. Klar, es werden nur 12 Plätze vergeben, aber warum sollten Sie nicht zu den Glücklichen gehören? Ich drücke Ihnen die Daumen.

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Kulturmarketing: mit künstlerischer Qualität werben?

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Adam Thurman schlägt auf seinem The Mission Paradox Blog ein interessantes Experiment vor: holen Sie sich ein Blatt Papier und listen Sie die Top-Ten-Events aus dem Kunst- und Kulturbereich auf, die Sie im gerade zu Ende gehenden Jahr erlebt haben. Ob Theater, Ausstellung oder Konzert spielt keine Rolle. Das Bewertungskriterium ist die künstlerische Qualität, wie auch immer Sie die definieren.

Wahrscheinlich werde es Ihnen leicht fallen, nicht nur Ihr Highlight des Jahres, sondern auch die größte Enttäuschung zu bestimmen, vermutet Thurman. Auch die Plätze 2 und 9 seien noch zu schaffen. Dann aber, so Thurman, werde es schwierig. Zwischen Platz 3 und Platz 8 gebe es wohl keine großen Unterschiede hinsichtlich der Qualität. Deshalb könnten wir auch leicht die Plätze im Ranking vertauschen, ohne dass es groß auffallen würde.

Das bedeutet, wir haben zwei Extreme, die wir eindeutig identifizieren können, und eine „graue Mitte“, wie es Thurman nennt.

Wenn es aber schon uns als ExpertInnen so schwer fällt, die künstlerische Qualität zu bewerten, wie soll das unser Publikum schaffen, das wir mit dem Hinweis auf die künstlerische Qualität ködern wollen? Dieser Begriff verkomme zur sinnlosen Phrase, mit denen die meisten nichts anfangen können, fährt Thurman  fort. Zwar würden wir durch z.B. Freunde oder Kontakte erfahren, was wir unbedingt sehen müssten und was nicht. Aber der Rest?

„That’s why things like community building, strong customer service, providing useful content (and context) to people, are so important“,

ist Thurman überzeugt und sieht darin die einzige Möglichkeit, sich aus dieser „grauen Masse“ hervorzuheben. Der Vorteil: es liegt in unserer Hand, uns von den anderen abzuheben. Was tun Sie, um sich von den anderen Kultureinrichtungen zu unterscheiden? Wie sieht Ihr Kulturmarketing aus? Setzen Sie auch ausschließlich auf die künstlerische Qualität, um sich aus der grauen Menge hervorzuheben?

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Jobsuche per Twitter und RSS

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Als ich vor ein paar Tagen bei Hagen Kohn im Vioworld-Blog die Nachricht las, die Jobangebote seines Portals würden zukünftig auch getwittert, wusste ich erst nicht so wirklich, wozu das gut sein soll. Dementsprechend fiel auch mein Kommentar dazu aus, in dem ich feststellte, dass mir der Mehrwert dieses zusätzlichen Kanals nicht klar sei. Schließlich ist es ziemlich egal, ob nun 200, 400 oder mehr Leute die Stellenangebote lesen. Denn genau das war das Argument, welches aus Sicht des Portalbetreibers natürlich verständlich ist.

Aber wie sieht es auf Seiten derer aus, die einen Job suchen? Wer tut das auf Twitter, wenn man die Stellenangebote auch auf dem Portal lesen kann? Für mich ist das keine Alternative, aber die Jobtweets eröffnen eine andere Möglichkeit, um jederzeit die aktuellen Jobangebote abrufen zu können, ohne die verschiedenen Bereiche auf der Website durchsuchen zu müssen. Der Kulturjob-Twitteraccount lässt sich nämlich per RSS abonnieren. Im Unterschied zum Portal, wo es kein RSS gibt.

Sie erkennen das rechts am orangefarbenen Icon. Nun können Sie sehr komfortabel jederzeit kontrollieren, ob neue Jobangebote eingegangen sind. Bei mir sieht das dann so aus:

Interessiert mich ein Angebot, klicke ich es an und gelange über einen weiteren Klick auf die Portalseite, auf der ich dann alle Informationen zum jeweiligen Angebot vorfinde. Vorbei also die Zeit, wo Sie sich mühsam durch die verschiedenen Anzeigen durchwühlen mussten. Einmal die Seite im RSS-Reader aktualisiert und Sie haben die neuen Angebote übersichtlich angeordnet vor sich.

Sie sehen, mit RSS lässt sich dieser Service so automatisieren, dass Sie davon unmittelbar profitieren. Sehr praktisch!

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Orchester und Social Media: eine Umfrage

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Vielleicht erinnern Sie sich noch an das eBook „Orchestras and New Media“ , das Marc van Bree vor einiger Zeit veröffentlicht hat? Nun hat der gebürtige Niederländer, der derzeit in Chikago lebt, die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die er in den letzten Monaten durchgeführt hat.

Social Media ist im Orchesterbereich angekommen, dessen Bedeutung wird anerkannt, allerdings weiß noch niemand so recht, was man damit machen soll. Oder mit den Worten Marc van Brees:

„(…) the survey found that social media activities, familiarity and usage seem to be widespread among orchestras. Managers find social media important and organizations are generally enthusiastic. However, the efforts are far from organized and strategic. It seems many orchestras are dipping their feet in the social media pool, but do not have the policies, budgets, and metrics in place to effectively use the tools at their disposal, even if they do recognize the need for checks and balances.“

So fasst er die Ergebnisse in einem Blogpost zusammen. Vereinfacht gesagt geht es mittlerweile nicht mehr um die Frage, was Social Media ist, sondern was man damit erreichen kann? Aber schauen wir uns die Ergebnisse, die Marc van Bree in einer Präsentation zusammengefasst hat, doch einmal genauer an.

Von den 53 verschickten Fragebögen erhielt van Bree 15 ausgefüllt wieder zurück, die Orchester teilte er nach ihren Umsätzen in drei verschiedene Gruppen ein (2,5 – 5,2 Mio $, 5,2 – 13,6 Mio $, >13,6 Mio $). Mehr als die Hälfte von ihnen, nämlich 53% verfügen über kein Budget für Social Media-Aktivitäten, 20% von ihnen bleiben unter der 1.000 $ Grenze, d.h. nur 27% verfügen über ein Budget von mehr als 1.000 $ (siehe dazu Folie 5). Bei jährlichen Umsätzen von 2,5 Mio $ aufwärts eine Relation, die das steigende Interesse an Social Media noch nicht ganz ausdrückt, auch wenn Löhne und Gehälter nicht im Social Media-Budget enthalten sind.

Folie 6 macht deutlich, dass die Bedeutung von Social Media mittlerweile anerkannt wird. Dass die Aktivitäten nicht nur als Spielerei gesehen werden, zeigt der verbreitete Wunsch, diese auch messen zu können. Interessant ist in meinen Augen die Tatsache, dass die Orchester, die über ein Social Media-Budget verfügen, unterdurchnittlich wenig Ahnung von dieser Materie haben. Man könnte vermuten, dass dieses Budget dafür da ist, sich Expertenwissen einzukaufen. Allerdings ist das bei den relativ bescheidenen Budgets nicht so ganz einfach.

Keine Überraschung ist es, dass von den 15 Orchestern, die den Fragebogen zurücksandten, alle über ein Facebook-Profil und 12 Orchester über einen Twitteraccount verfügen (Folie 7). Nur relativ wenige Orchester hingegen nutzen die Fotoplattform Flickr. Das ist erstaunlich, schließlich sind Fotos schnell gemacht und lassen sich vielseitig einsetzen.

Dass nur ein Drittel der Befragten ein Weblog betreibt, bedauere ich persönlich, denn dieses Tool ist für die inhaltliche Diskussion besser geeignet als alle anderen. Aber vielleicht sind die Orchester da einfach noch nicht so weit?

Ein Facebook-Profil, einen Twitteraccount oder einen YouTube-Channel zu haben ist die eine Sache. Wie aktiv aber sind die Orchester im Social Web? Immerhin 80% der befragten Orchester reagieren auf Fragen oder Kommentare (siehe Seite 11 desReports, den Sie hier downloaden können), gut die Hälfte von ihnen bereitet Presse- und Marketingmaterial für Social Media-Aktivitäten auf und immerhin 40% von ihnen sprechen Blogger an.

Welche Ziele werden mit den Social Media-Aktivitäten verfolgt? Es geht vor allem um höhere Zugriffszahlen, der Wunsch, den Kundenservice zu verbessern, folgt erst an vierter Stelle. Interessant, dass unter insgesamt acht aufgeführten Zielen Fundraising an letzter Stelle liegt (Folie 8). Im Report finden sich auf Seite 13 zwei wichtige Ergänzungen. Zum einen taucht dort die Idee des Community-Building auf, darüber hinaus wird dort der Wunsch genannt, mit Hilfe von Social Media mehr über das Publikum zu erfahren.

Die größte Herausforderung besteht wohl darin, geeignete Kennzahlen zu entwickeln, um den Erfolg der Social Media-Aktivitäten messen zu können.

„None of the orchestras indicated they have implemented or established metrics for measuring social media activities“,

schreibt Marc van Bree in seiner Präsentation (Folie 9). Die Notwendigkeit solcher Kennzahlen haben 73% der befragten Orchester erkannt, die restlichen 27% arbeiten bereits an der Entwicklung solcher Kennzahlen.

Beim Monitoring verwenden die meisten der befragten Orchestermanager Google Alerts (87%), womit aber kein dezidiertes Monitoring der Social Media-Aktivitäten möglich ist (mehr dazu siehe Report S. 13).

Zusammenfassend lässt sich sagen: die Orchester haben die Startblöcke verlassen, nun geht es ans Laufen. Ohne Geld wird es wohl nicht gehen, d.h. es müssen entsprechende Budgets bereitgestellt werden, sonst bringen Facebook, Twitter und die anderen Kanäle relativ wenig. Welche Ziele aber lassen sich damit erreichen, was bringt Social Media? Und wie lassen sich dann die Erfolge messen? Ich habe hier in diesem Blog immer wieder auf das Potenzial hingewiesen und mich auch mit der Frage, wie sich der Erfolg von Social Media messen lässt, beschäftigt (siehe dazu den Beitrag „Social Media: wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin?„). Ich denke, um genau diese Themen muss es in den nächsten Monaten gehen, nicht zuletzt auf der stART.10.

Mein Dank geht an Marc van Bree für seine Arbeit und die Bereitschaft, die Ergebnisse mit anderen zu teilen.

Update: Mittlerweile gibt es dazu auch einen Beitrag von Drew McManus auf Adaptistration sowie einen Gastbeitrag von Marc van Bree bei Beth Kanter.

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Für Inhalte bezahlen?

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Als ich zur Schule und später zur Uni ging, kaufte ich mir Schallplatten bzw. überspielte mir mangels eines entsprechend hohen Budgets die Platten anderer auf Kassette. Danach kam die CD und anschließend die ganzen Filesharing-Geschichten. Im nun zu Ende gehenden Jahr habe ich für Musik keinen Cent ausgegeben. Dank der zahlreichen Online-Angebote ist das nicht nötig. Hinzu kommt, dass ich dank Plattformen wie Mixcloud, Soundcloud oder Jamendo ständig Neues entdecken kann.

Diese Entwicklung wird von einigen Branchen zum Anlass genommen, mir als Kunden „vorzuwerfen“, dass ich heute nicht mehr bereit sei, für Inhalte zu bezahlen. Dazu wird noch die Moralkeule geschwungen, denn, so die Argumentation, nun könne man die Produzenten dieser Inhalte nicht mehr entsprechend bezahlen.

Aber haben wir überhaupt jemals für Inhalte bezahlt? Joachim Dreykluft glaubt da nicht daran und erläutert seine Sichtweise im FTD-Artikel „Zukunft der Zeitung: Bezahlen Sie für diesen Inhalt?„. Er ist der Überzeugung, wir als in diesem Fall LeserInnen einer Zeitung bezahlen nicht für die Inhalte, sondern eher für Produktion und Distribution. Bei sinkenden Kosten heißt das, unsere Bereitschaft zu zahlen sinkt entsprechend. An dieser These ist was dran, denn warum sonst ist die Zahlungsbereitschaft beim Online-Empfang von Inhalten auf mobilen Endgeräten höher als auf unserem Desktop am Schreibtisch? Für die Möglichkeit, die Inhalte auf unserem mobilen Endgerät an jede Ort abrufen zu können, scheinen wir bereit zu sein, mehr Geld auszugeben als für die Bereitstellung am PC.

Ehrhardt F. Heinold, über dessen Blog zum Publishing-Business ich auf diesen Artikel gestoßen bin, überträgt die Forderung Dreyklufts, die Printmedien müssten wieder mehr Kontrolle über die Distributionskette bekommen, um Geld verdienen zu können, auf die Verlage. Warum überlassen sie den Markt der mobilen Lesegeräte anderen, fragt er sich.

Ich finde diesen Ansatz, wir bezahlen eher für die Distribution und nicht so sehr für die Inhalte, sehr interessant und stelle mir die Frage, ob das das auch für den Kunst- und Kulturbereich gilt? Nehmen wir als Beispiel die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker. Zahlen wir da (vor allem) für die Inhalte oder die Möglichkeit, die Konzerte live auf dem eigenen Bildschirm in der entsprechenden Qualität erleben zu können?

Ähnlich verhält es sich mit der Kombination Städtereise und Kultur, d.h. wir zahlen dafür, um z.B. an einem Wochenende nach Wien zu fahren und dort in die Oper zu gehen. Zwar ist der Opernbesuch dann der Anlass für die Reise. Der Hauptanteil der Kosten fällt aber dann für Reise und Hotel an.

Vielleicht sollten sich Kunst- und Kultureinrichtungen verstärkt darum kümmern, wie die eigenen Distributionsketten aussehen? Unter Umständen lassen sich hier neue und interessante Wertschöpfungsketten entwickeln, an deren Ende dann auch für die Kulturbetriebe neue Einnahmequellen stehen. Zumal der Druck durch die leeren Kassen der öffentlichen Hand weiter zunehmen wird.

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Fundraising: „Die wunderbar wild wachsende Weihnachtsgeschichte“

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Weihnachtsgeschichten lesen wahrscheinlich viele von uns gerne. Und wie sieht es mit dem Schreiben aus? Das mögen viele vermutlich auch. Hier setzt die Idee des Deutschen Roten Kreuz an. „Die wunderbar wild wachsende Weihnachtsgeschichte“ ist eine Weihnachtsgeschichte zum Mitschreiben.

„Schreib zusammen mit anderen Schreibbegeisterten an der wunderbar wild wachsenden Weihnachtsgeschichte. Jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember 2009 kommt ein neues Kapitel dazu. Ihr könnt erfinden, ergänzen, ändern und korrigieren“,

heißt es auf der dafür eingerichteten Website. Vorgegeben sind der Anfang der Geschichte und die 24 Kapitelüberschriften, die sich der Schriftsteller David Safier ausgedacht hat.

In einem eigenen Screencast wird erklärt, wie man sich daran beteiligen kann. Diese Anleitung steht zwar auch auf YouTube zur Verfügung, allerdings sind das dort, wenn ich mich nicht verzählt habe, sieben einzelne Videos.

Vielleicht hätte man aus der Anleitung ein zusammenhängendes Video machen sollen, denn wer klickt sich durch sieben Videos durch? Und vor allem hätte man das dann weiterverwenden können. Ein einzelnes Video, wie ich es jetzt hier eingebettet habe, erklärt eben nur ein paar Punkte.

Warum habe ich in der Überschrift den Begriff Fundraising verwendet? Nun, für jedes Wort der veröffentlichten Geschichte spendet die Firma Land Rover 50 Cent für die Auslandshilfe des DRK. Die Obergrenze liegt bei 20.000 Wörtern und damit 10.000 Euro.

Nun weiß ich zwar nicht, wie schwierig es ist, die 20.000 Wörter zu schaffen, aber ich hätte mir gewünscht, dass es die Möglichkeit gibt, die Weihnachtsgeschichte, die nach dem Wikipedia-Prinzip geschrieben wird, zu bookmarken oder auch weiterzuleiten. Ein paar Button am Ende jedes Kapitels hätten da schon gereicht.

Aber die Idee gefällt mir, vielleicht schreiben Sie ja mit und tragen dazu bei, dass die Geschichte spannend verläuft und am Ende die 20.000 Wörter bzw. 10.000 Euro geschafft werden? Hier geht die Geschichte übrigens los.

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Augmented Reality in der Banner Werbung

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Banner Werbung kennen wir alle. Für die meisten sind sie ein notwendiges Übel, das man zu ignorieren versucht. Interessant wird die Sache aber, wenn der Banner einen auffordert, die Webcam einzuschalten und eine ein-Dollar-Note in einen vorgegebenen Bildausschnitt zu halten. Beworben wird zwar keine Kultureinrichtung, sondern Burger King, aber mir geht es in diesem Fall vor allem um die technischen Möglichkeiten.

Gehen Sie mal, so Sie eine Webcam und einen 1-Dollar-Schein haben, auf diese Website und folgen Sie den Anweisungen. Bei mir hat es nach einigen Versuchen auch mit einem 10-Euro-Schein funktioniert. Bevor Sie verzweifeln, hier gibt es die ganze Werbung auch als Video (unten rechts im Videoausschnitt):

Das reisst einen jetzt noch nicht vom Hocker, aber es ist spannend zu beobachten, was technisch gesehen gerade machbar wird. Und wir stehen wohl erst am Anfang dieser Entwicklung.

Via Suburb@MacVillage (danke für den Tipp mit dem 10 Euro-Schein)

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Wie erfahre ich, was mein Publikum will?

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© S. Hofschlaeger; Pixelio

Für Kultureinrichtungen ist es ja nicht unerheblich zu wissen, was für eine Meinung ihre BesucherInnen, aber auch die Nicht-BesucherInnen von ihnen haben. Das bezieht sich nicht nur auf das künstlerische Angebot, sondern kann weit darüber hinaus gehen. Wie kommt der Newsletter an, ist es leicht, Tickets zu kaufen und finden sich die UserInnen auf der Website zurecht?

Um das herauszufinden, werden meist Fragebögen erstellt. Wie wir alle aus eigener Erfahrung wissen, ist die Zahl der Fragebögen in den letzten Jahren steil angestiegen, was einerseits an unserer steigenden Neugierde und andererseits an den Möglichkeiten des Internets liegt. Stichwort Online-Fragebogen.

Aber wir wissen auch, dass so ein Fragebogen immer eine Art Kompromiss sein muss, denn wenn ich als Fragender zu sehr ins Detail gehe, verweigern die Leute die Mitarbeit. Wenn wir wo als Befragte mitmachen, sind wir froh,  nur ein paar Häkchen machen zu müssen. Bei den offenen Fragen verweigern wir häufig die Mitarbeit.

Einen interessanten Vorschlag macht Josh Bernoff in einem auf dem von Forrester Research betriebenen Groundswell Blog veröffentlichten Beitrag „Research in a petri dish: Learning from communities„:

„It’s called community research. Here’s how it works. You recruit 300 people, or 1,000 people, into an online space. Like a focus group, they know they’re there because they fit your description, and to help you make decisions. But unlike the focus group, it’s an ongoing relationship. So you can ask them for help continuously.“

Zwar seien sie kein Wundermittel, weil eine solche Community nicht repräsentativ ist, aber dafür kann man in einer solchen Community mehr in die Tiefe gehen, nachfragen. Und, was für Bernoff ganz wichtig ist,

„you can see what they want to talk about.“

Denn:

„Although there are plenty of moderator-initiated questions in a research community, most of the chatter is member-generated, and much of the most interesting learning comes from those discussions“,

erklärt Bernoff. Worauf ist bei der Einrichtung einer solchen Community zu achten? Bernoff weist auf drei wichtige Aspekte hin. Erstens muss die Frage beantwortet werden, welche Ziele verfolgt werden. Geht es um klassische Marktforschung oder um Innovation? Sein Tipp:

„Communities for traditional research should match your target group and complement your other research. Innovation communities should be stocked with more vocal types.“

Zweitens muss die Frage beantwortet werden, ob es sich um eine geschlossene oder eine öffentliche Community handeln soll. Der Vorteil einer öffentlichen Community besteht für Bernoff darin, dass sie sich weiterentwickeln kann, indem neue Leute dazustoßen, andere sie vielleicht wieder verlassen.

Drittens muss man sich dann anschauen, wer genau in der Community dabei ist. Sind es die eigenen KundInnen bzw. BesucherInnen, dann geht es um Themen wie z.B. Kundentreue oder um Fragen der Benutzerfreundlichkeit. Handelt es sich eher um eine Community, die die Bevölkerung vor Ort abbildet, werden sich wahrscheinlich bevorzugt Marketingthemen herausbilden.

Die Frage, ob solche Communitys, die ja in der Regel nur online bestehen, überhaupt funktionieren, beantwortet Bernoff mit einem interessanten Beispiel:

„One of the most amazing stories we’ve heard was from the research community of cancer patients run by Communispace for the National Comprehensive Cancer Network, a group of cancer centers including Memorial Sloan-Kettering. Having learned enough from a group of early-stage cancer patients, the cancer centers started a second community of more advanced patients, and asked Communispace to shut down the original. But the members of the original community objected – they didn’t want to leave their friends behind. To them the community wasn’t a research project, it was a support group. (Communispace and NCCN left it running, of course.)“

Der Vorteil einer solchen Community liegt auf der Hand, denn

„Do your other research tools generate passion like that? Not likely“,

ist Bernoff überzeugt. Eine in meinen Augen gute Idee, um nicht nur wertvolle Informationen, sondern auch Input zu erhalten. Und was für den Unternehmensbereich gilt, trifft natürlich auch für den Kunst- und Kulturbereich zu. Wäre das nicht eine Idee für Ihre Institution?

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Technologieeinsatz im Museum: ersetzt Google Goggles bald die Audioguides?

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Vor kurzem war ich wieder mal im Pergamonmuseum in Berlin und habe mich mit einem der dort zur Verfügung gestellten Audioguides auf den Weg gemacht. Der Content, der sich darauf befindet, ist qualitativ hochwertig und sorgt dafür, dass man mit den einzelnen Ausstellungsobjekten etwas anfangen kann. Leider sind auf den Geräten aber keine Informationen zu den Sonderausstellungen verfügbar, d.h. die gerade laufende Dionysos-Ausstellung musste ich ohne Infos bestreiten.

Abhilfe schafft da vielleicht in nächster Zeit Google Goggles, eine Applikation, die Google derzeit leider nur den Besitzern von Android-Smartphones zur Verfügung stellt. Vereinfacht gesagt hält man einfach seine Kamera auf das Objekt, Google versucht es zu indentifizieren und liefert einem über seine Suchmaschine die entsprechenden Informationen. D.h. wir haben es mit einer visuellen Suchmaschine zu tun.

Das Video zeigt schon, dass diese Anwendung natürlich nicht nur für Museen interessant ist, eigentlich sind dem Einsatz keine Grenzen gesetzt. Auf Techcrunch finden sich zwei Anwendungsbeispiele, die allerdings nicht aus dem Kunst- und Kulturbereich kommen:

Im Unterschied zu den Audioguides ist das ein offenes System, das allerdings nur funktionieren kann, wenn dann auch die gelieferten Suchergebnisse die entsprechende Qualität aufweisen. Wer Google bzw. Suchmaschinen generell nutzt, weiß, wie wenig hilfreich die Ergebnisse ausfallen können. Insofern bin ich skeptisch, ob so ein Tool die Audioguides überflüssig macht. Zumindest derzeit sehe ich Google Goggles lediglich als Ergänzung zu den Angeboten der Museen. Zum Beispiel, wenn ich keine Audioguides zur Verfügung habe und dann auf dieses Angebot zurückgreifen kann.

Via Twitter (Johan Oomen)