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NPO-Blogparade: Live im Internet, bringt das was?

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Als vor zwei Tagen alle Welt auf das neueste Apple-Produkt wartete, ließ ich mich auch von der Neugierde anstecken und klickte einen der Streams an, über die man direkt die Präsentation des iPad verfolgen konnte. Rund 25.000 UserInnen waren über diesen Stream live dabei, ich vermute, es gab noch viele andere Streams mit ebenfalls stolzen Zuseherzahlen. Aber ich muss gestehen, so neugierig war ich dann doch nicht und nachdem es dort keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten gab, war ich schnell wieder weg. Dieses Erlebnis passt ganz gut zur aktuellen Runde der NPO-Blogparade, in der David Röthler die Frage gestellt hat, ob die synchrone Live-Kommunikation im Internet Nonprofit-Einrichtungen etwas bringen kann? Live heißt in dem Fall, etwas wird in Echtzeit übertragen. Live vor Ort wäre etwas anderes, denn mir würden mehr Sinnesorgane zur Verfügung stehen. Im Fall der Apple-Präsentation kam noch ein weiterer Punkt dazu, ich durfte nur passiv zusehen. Kommunizieren konnte ich aber nicht. Zumindest in Ansätzen war das vor kurzem bei der Teilnahme an einem Webinar möglich. Der Chat, der mir zur Verfügung stand, funktionierte allerdings nur bilateral zwischen mir und einem Assistenten des Vortragenden. Multilaterales Kommunizieren war nicht möglich. Und noch ein Erlebnis fällt mir dazu ein, nämlich die mittlerweile berühmte Vodafone-Pressekonferenz. Bei der gab es zwar keine Kommunikationsmöglichkeit zwischen mir und dem Pressekonferenzteam, dafür konnten die Online-„BesucherInnen“ aber miteinander kommunizieren. Das heißt, wir haben es mit drei unterschiedlichen Formen der Live-Übertragung zu tun:
  1. die klassische Live-Übertragung ohne Rückkanal
  2. Live-Übertragung mit Rückkanal, dort aber nur 1:1 Kommunikation möglich
  3. Live-Übertragung ohne Rückkanal, dafür Kommunikationsmöglichkeit der ZuseherInnen untereinander
Bringt die Live-Kommunikation den Nonprofit-Einrichtungen was, hat David Röthler gefragt. Schauen wir uns doch erst einmal die drei Beispiele an. Haben diejenigen, die auf der Bühne standen, etwas davon gehabt? Apple hat sicherlich von diesem Hype profitiert, gelang es doch, die Neugierde nach dem neuen Produkt so zu steigern, dass die Zuschauerzahlen für die dann sehr traditionelle Präsentation verglichen mit der Resonanz einer 08/15-Präsentation gewaltig waren. Der Computerkonzern schaffte es damit also, Aufmerksamkeit zu erregen. Wie aber sieht es aus, wenn ein Museum oder ein Theater auf diese Weise z.B. das kommende Jahresprogramm präsentiert? Genügt es, die Präsentation des Intendanten oder Direktors live via Internet zu übertragen, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erhalten? Wahrscheinlich nicht. Damit das funktioniert und die UserInnen in diesem Fall einfach nur zusehen und zuhören, bedarf es, neben der Qualität des Produktes, vor allem einer sehr hohen Reputation und einem entsprechend großen Netzwerk. An die weltweite Aufmerksamkeit, die Apple erregt hat, wäre wahrscheinlich nur ein Michael Jackson herangekommen. Auch die Live-Übertragung des letzten U2-Konzertes auf YouTube hatte so eine Dimension, vermute ich. Aber es muss ja nicht weltweit sein. Funktionieren wird diese Form der Live-Kommunikation immer dann, wenn ich innerhalb der Zielgruppe, die ich erreichen möchte, eine hohe Reputation genieße und es dank meines großen Netzwerks auch schaffe, die Aufmerksamkeit auf das „Event“ zu lenken. Je kleiner die Zielgruppe, desto mehr fallen die Kosten für die Live-Übertragung ins Gewicht, d.h. hier gilt es die Kosten-Nutzen-Relation im Auge zu behalten. Kommen wir zu Beispiel zwei, dem Webinar, bei dem ich als UserIn mit einer Person aus dem Veranstalterteam chatten kann. Für mich persönlich war dieses Erlebnis völlig unbefriedigend, was aber auch an der Qualität der Inhalte lag. Wären die Inhalte interessant und entsprechend aufbereit gewesen, dann hätte ich wohl damit leben können. Aber dieses Manko kann auch zum Vorteil werden, wenn dieses Format beispielsweise dazu dient, Menschen in Not- oder Extremsituationen anzusprechen. Es gibt dann  einerseits allgemeine Informationen, die an alle kommuniziert werden. Gleichzeitig haben die einzelnen TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich im bilateralen Chat an eine Vertrauensperson zu wenden. Für den Kunst- und Kulturbereich fällt mir dafür allerdings kein Beispiel ein. Vielleicht haben Sie ja eine Idee? Kommen wir zu Beispiel drei, der Vodafone-Pressekonferenz, die online übertragen wurde und die man als UserIn auch über seinen Facebook-Account kommentieren konnte. Eigentlich keine schlechte Idee, so lange die Stimmung positiv ist. Schlägt diese allerdings um und es ist niemand da, der hier einzugreifen versucht, dann kann daraus ein richtiges Fiasko werden. Ich möchte jetzt aber nicht darüber spekulieren, ob es in diesem Fall gelingen hätte können, mäßigend einzugreifen und die Katastrophe zu verhindern. Tatsache ist aber, dass sich die Veranstalter der Pressekonferenz um diesen Kommunikationskanal gebracht haben. Obwohl sie lobenswerterweise Kanäle zur Verfügung gestellt haben, über die die UserInnen sich austauschen konnten. Vielleicht war die Kommunikation mit den UserInnen auch geplant und klappte aus irgendwelchen Gründen nicht? Auf alle Fälle bietet es sich in einem solchen Fall an, einerseits mit den UserInnen zu kommunizieren und andererseits sich diese auch untereinander austauschen zu lassen. Aber auch in diesem Fall gilt: ich muss über die entsprechende Reputation und Netzwerke verfügen, damit meine Live-Übertragung auch wahrgenommen wird. Sonst passiert das, was vielen auch in der offline-Kommunikation passiert, zum Beispiel bei Pressekonferenzen: man ist (fast) alleine. Ludger Brenner spricht in seinem Beitrag zur aktuellen NPO-Blogparade einen interessanten Punkt an, nämlich die Frage, ob sich mit solchen Aktionen, also mit Live-Übertragungen der Bekanntheitsgrad steigern lässt? Ja und Nein. Ohne Reputation und Netzwerk klappt es, vermute ich, nicht. Wer noch nicht über das entsprechende Standing verfügt, wird das auf sich gestellt nicht schaffen. Das heißt, ich müsste mir zumindest so etwas wie ein Zugpferd suchen. Habe ich eine hohe Reputation, dann werde ich ein solches Format vermutlich nutzen können, mich noch mehr ins Gespräch zu bringen bzw. auf mein Anliegen hinzuweisen. Aber natürlich kann ich die Live-Übertragung als eine Form der Kommunikation innerhalb meiner Community einsetzen. Jedes Theater, Orchester, Museum, etc. kann auf diesem Weg einerseits informieren und sich aus der Information ergebende Fragen zu beantworten versuchen. Gleichzeitig ermögliche ich mit Hilfe z.B. eines öffentlichen Chats die multilaterale Kommunikation. Sehr spannend ist, was Hannes Jähnert in seinem Beitrag zur Blogparade schreibt. Für ihn stellt die Live-Kommunikation via Internet eine Möglichkeit gemeinsamer Kreativität dar. Videokonferenzen, Chats oder Second Life bieten, so ist er überzeugt, die Möglichkeit, verrückte, assoziative Spinnerei zu kultivieren. Wichtig ist aber auch hier natürlich die Möglichkeit der multilateralen Kommunikation. Das heißt, Live-Kommunikation eignet sich sehr wohl für Kunst- und Kultureinrichtungen (wie auch ganz generell für NPO) als ein Instrument, um einerseits Informationen zu streuen und einen Rückkanal zur Verfügung zu stellen. Andererseits eignen sich die diversen Tools auch für den gedanklichen Austausch auf multilateraler Ebene. Szenarien gibt s dafür jede Menge. Sie reichen vom Vereinbaren von Terminen über gemeinsames Brainstorming bis zur Vorstellung von neuen Ideen oder Programmen.
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NPO-Blogparade: die internen Voraussetzungen für den erfolgreichen Social Media-Einsatz

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Ein Blog, in dem Sie nur Pressemeldungen finden, werden Sie wahrscheinlich, so Sie nicht JournalistIn sind, nicht lange lesen. Einer Organisation, die nur Veranstaltungsankündigungen über Facebook und/oder Twitter verschickt, werden Sie nicht folgen, weil Sie diese Informationen, so sie für Sie einen Wert darstellen, auch an anderer Stelle finden. Und das unter Umständen leichter als im Nachrichten-Stream auf Twitter. Katrin Kiefer spricht in diesem Zusammenhang von „alter Kommunikation in neuen Kanälen“ und bezieht das auf die vielen NPOs, die mittlerweile im Social Web zu finden sind. Was man anders machen könnte, wissen wir alle: Dialog, Transparenz, Authentizität und Partizipation sind die Schlagworte, mit denen sich umschreiben lässt, worauf es ankommt. Nur: so leicht lässt sich der Schalter nicht umlegen. Was aber tun? „Welche Schritte müssen NPOs intern vollziehen, um Social Media erfolgreich einsetzen zu können?“ Diese Frage stellt Katrin Kiefer im Rahmen der NPO-Blogparade auf ihrem Blog netzwerkPR. Vordergründig lässt sich die Frage ganz einfach beantworten: Abkehr vom Management-Ansatz des industriellen Zeitalters, wie es Mike Gotta in seinem Blogpost „Socializing At Work – No Longer A Waste Of Time“ genannt hat und die Entwicklung einer Unternehmenskultur, die vor allem auf partizipativen Ansätzen aufbaut. Ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht. Ein paar Anmerkungen:

Was heißt schon erfolgreich?

Das erste Problem taucht bereits beim Versuch auf, den angestrebten Erfolg zu bestimmen. Erfolg heißt in der Regel, dass ich einen bestimmten Bedarf habe und aus dem Einsatz eines Produktes einen Nutzen ziehen kann (siehe dazu mein Blogpost „Wie verkaufen Sie Kundennutzen?“ ). Ob NPO oder Kunstbetrieb, meist wird es darum gehen, Aufmerksamkeit zu erregen, die eigenen Angebote besser zu verkaufen und höhere Einnahmen zu lukrieren. Das sind alles wichtige Punkte, keine Frage, aber das Social Web ist eigentlich nur ein Weg, um mit anderen Menschen zu kommunizieren und dabei über einen Rückkanal zu verfügen. Das heißt, ich habe die Möglichkeit, mit den verschiedenen Interessensgruppen einen Dialog zu führen. Gelingt mir das, kann man eigentlich schon von einem erfolgreichen Social Media-Einsatz sprechen, denn ob mir dann jemand Geld spendet (NPO) oder meine Ausstellung besucht (Kunst), hängt ja nicht von Twitter ab, sondern von vielen anderen Faktoren, die mit Social Media nicht unbedingt etwas zu tun haben. Auf der anderen Seite ist es schwierig, über Erfolgskriterien zu sprechen, wenn sich mir das Potenzial des Web 2.0 noch nicht vollständig erschlossen hat. Ein erfolgreicher Social Media-Einsatz kann auch darin bestehen, interne Prozesse zu verbessern. Ob das nun die konkrete Zusammenarbeit ist oder das Bewahren des vorhandenen Wissens, der interne Nutzen der verschiedenen Tools wird gerne übersehen oder ist vielleicht gar nicht gewünscht.

Enterprise 2.0 als Voraussetzung für Web 2.0?

Womit wir bei der Frage wären, ob sich in einer normalen – in der Regel hierarchischen – Struktur so einfach neue Strukturen einbauen lassen, die ganz anderen Grundsätzen gehorchen und völlig andere Abläufe haben als sie die Organisation kennt? Ich denke, die Behauptung, eine Organisation muss die Werte Transparenz, Vertrauen, etc. leben, damit sie auch über die Social Media-Kanäle authentisch rüberkommt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das würde dann aber heißen: erst wenn die Unternehmenskultur den Werten des Social Web entspricht, lohnt sich der Einsatz von Social Media. Das hieße: bitte warten, denn welches Unternehmen ändert seine Unternehmenskultur, um dann später mal twittern zu können? Der Ansatz, auf die passende Unternehmenskultur zu warten, ist also unrealistisch. Auf der anderen Seite wird aber eine streng hierarchische Organisation, die nur Top-Down-Entscheidungsprozesse kennt, Schwierigkeiten haben, ein Blog einzusetzen. Die Gefahr, die Kommunikation nicht kontrollieren zu können und öffentlicher Kritik ausgesetzt zu sein, wiegt zu schwer. Zwar gibt es dann unter Umständen eine Facebook-Seite, einen Twitter-Account oder ein Blog. Aber das ist dann halt lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Das heißt, Web 2.0 garantiert keine Unternehmenskultur 2.0. Vielleicht lohnt es sich, noch einmal einen Blick auf die dreiteilige Präsentation „Wissensmanagement im Enterprise 2.0“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3) von Simone Happ, Christoph Rauhut und Frank Wolf zu werfen.

„Die passende Kultur ist ein Ziel, keine Voraussetzung“

Dieser Satz befindet sich auf Folie 56 von Teil 3 und drückt für mich aus, dass sich die Unternehmenskultur und die Kommunikation (via Social Media) gleichzeitig  oder im Wechselspiel entwickeln müssen. Das eine kann ohne das andere nicht funktionieren. Die Frage ist, ob man das wirklich will. Würde man es ausdiskutieren, dann käme wahrscheinlich häufig ein klares Nein heraus. Veränderung ist immer mit einem Aufwand verbunden und wenn man sich irgendwo gemütlich eingerichtet hat, warum sollte man dann diesen netten Platz wieder aufgeben? Das heißt, eine Kommunikation über die verschiedenen Social Media-Kanäle unter Einbeziehung aller einzurichten ist eine ziemlich große Herausforderung, wenn man weiß, dass damit manch alte Strukturen und Werte obsolet werden. Dieser von allen getragene Veränderungswille ist wahrscheinlich nur selten irgendwo anzutreffen. Wie aber kommt die Sache ins Rollen? Häufig sind es Kleinigkeiten, die den Einstieg möglich machen und dann eine Entwicklung anstoßen, deren Ende man zu dieser Zeit gar nicht abschätzen und deren Konsequenzen man nicht einschätzen kann. Manchmal kann es eine Facebook-Seite sein, auf der ein Mitarbeiter zu kommunizieren beginnt, ein Twitter-Account, über den plötzlich aus dem Theater, dem Museum berichtet wird. Und das ohne irgendwelche Marketingziele, einfach, weil es Spaß macht. Die Impulse, die von solch einer „Aktion“ ausgehen, soll man nicht unterschätzen. Das Problem ist nur, dass sich so etwas kaum planen lässt. Solche Dinge passieren einfach und so weiß ich nicht, ob sich die Frage, die Katrin Kiefer im Rahmen der NPO-Blogparade gestellt hat, eigentlich wirklich beantworten lässt?
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Ist Sponsoring nur etwas für die großen Kulturbetriebe?

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Im Rahmen der NPO-Blogparade stellt PR-Indianer Ludger Brenner die Frage, ob Sozialsponsoring auch etwas für kleine NPO sei? Was wir darunter zu verstehen haben, erklärt er in seinem Beitrag mit Hilfe eines Zitats von Manfred Bruhn:
„[…] die Verbesserung der Aufgabenerfüllung im sozialen Bereich durch die Bereitstellung von Geld-/Sachmitteln durch Unternehmen, die damit auch (direkt oder indirekt) Wirkungen für ihre Unternehmenskultur und -kommunikation erzielen wollen.“
Nachdem ich aber kein Experte im Bereich Sozialsponsoring bin, fällt es mir schwer, hier eine fundierte Antwort zu geben. Ich erlaube mir deshalb die Abänderung der Fragestellung und tausche das Sozialsponsoring gegen das Kultursponsoring ein. Der Sozial- und der Kulturbereich liegen beide im öffentlichen Interesse und die dort tätigen Einrichtungen arbeiten in der Regel nicht gewinnorientiert und sind deshalb auf öffentliche Fördergelder, Spenden und eben auch auf Sponsoren angewiesen. Große Kultureinrichtungen wie etwa die Wiener Staatsoper oder das Thalia-Theater in Hamburg tun sich bei der Suche nach Sponsoren wahrscheinlich etwas leichter als eine kleine freie Bühne oder ein Kammerorchester. Schließlich verfügen sie über eine ungleich höhere Reputation als ein nahezu unbekannter Kulturbetrieb. Erwartet sich ein Unternehmen, das einen Kulturbetrieb sponsern möchte, Gegenleistungen, die im Kommunikationsbereich angesiedelt sind, dann macht die Zusammenarbeit wohl nur Sinn, wenn beide die halbwegs gleiche Größenordnung aufweisen. Kooperiert ein Weltkonzern mit einer Vorstadtbühne, dann ist in der Regel entweder ein Mäzenat am Werk oder jemand, der in der Zusammenarbeit ein gewaltiges Potenzial zu erkennen glaubt. Leider verfügt nicht jede Kultureinrichtung über einen oder mehrere Mäzenaten und wenn man sich dann auch noch die Realität anschaut, dann kann man recht schnell erkennen: Kultursponsoring ist nur für die wenigsten kleinen Kultureinrichtungen eine ernstzunehmende Möglichkeit, Geld für die eigenen Vorhaben aufzutreiben. Was also tun? Ich denke, es gibt drei Punkte, die entscheidend für den Erfolg in Sachen Sponsoring sind:
  1. Die Beziehungsrelation
  2. Die Gegenleistung
  3. Der Zeitfaktor
Die Beziehungsrelation: wenn jede kleine Kultureinrichtung alle ihr bekannten Großbanken, -versicherungen, Industriekonzerne, etc. abklappert, dann ist das wahrscheinlich mit viel Arbeit verbunden, aber der Erfolg fällt in der Regel mager aus. Warum? Weil sich beide Seiten in der Mehrzahl der Fälle darauf einigen, dass die Kultureinrichtung über die Kommunikations- und/oder Werbeschiene die Zusammenarbeit öffentlich macht und sich für das Unternehmen im Idealfall ein Werbeeffekt einstellt. Werbetafeln oder Logos sind meist der Hinweis auf eine solche Form der Kooperation. Nur wie gesagt: die Reichweite einer kleinen Kultureinrichtung ist beschränkt. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieser Situation zu entgehen. Entweder versuche ich als Kulturbetrieb Unternehmen für eine Sponsoringpartnerschaft zu gewinnen,  die in ihrer Größe zu mir passen und deren Zielgruppen dort zu finden sind, wo auch meine anzutreffen sind. Die Wiener Staatsoper zieht viel internationales Publikum an und ist deshalb für international agierende Konzerne interessant. Das kleine Theater im 16. Wiener Gemeindebezirk hat ein ganz anderes Einzugsgebiet und muss sich deshalb Partner suchen, deren Kunden auch in diesem Einzugsgebiet anzutreffen sind. Das heißt nun nicht, dass ich als kleiner Kulturbetrieb die großen Unternehmen grundsätzlich vergessen kann. Ganz im Gegenteil. Aber ich sollte nicht versuchen, als Gegenleistung irgendetwas anzubieten, was mit Reichweite zu tun hat. Sehr wohl lassen sich aber Angebote entwickeln, bei denen die Gegenleistung nicht im Kommunikations- und/oder Werbebereich angesiedelt ist. Spezielle Events etwa, die sich an die Mitarbeiter oder bestimmte Kunden eines Unternehmens richten, können gerade in einem kleinen Rahmen sehr reizvoll sein. Die Einzigartigkeit einer Kultureinrichtung besteht nicht so sehr in ihren kommunikativen Fähigkeiten – was nicht heißen soll, dass Kulturbetriebe nicht kommunizieren können – , sondern in der Fähigkeit Emotionalität zu vermitteln, Momente zu schaffen, an die sich die BesucherInnen noch lange erinnern. Nun ist es natürlich nicht ganz so einfach, einem Unternehmen „magische Momente“ zu „verkaufen“. Womit wir beim dritten Punkt, dem Zeitfaktor wären. Egal, was Sie sich in Sachen Sponsoring für Ziele gesteckt haben. Sie werden jede Menge Zeit brauchen. Jemanden zu begeistern gelingt Ihnen unter Umständen in fünf Minuten. Für eine Sponsoringpartnerschaft werden Sie dann aber doch noch etwas länger brauchen. Schließlich geht es dann ums Geld. „Was sind schon 5.000 Euro für ein großes oder mittleres Unternehmen?“ werden Sie vielleicht  einwenden. Auch für die ist das eine Stange Geld. Und das gibt man nur her, wenn man jemandem vertraut. Und das braucht eben Zeit. Das heißt: Sponsoring ist, denke ich, auch für kleine Kulturbetriebe möglich bzw. sinnvoll. Aber… Mehr zum Thema Sponsoring:
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NPO-Blogparade: Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?

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Im Rahmen der aktuellen NPO-Blogparade hat Ulrike Schmid auf ihrem Blog Kultur 2.0 die Frage gestellt, warum NPO im Online-Bereich so zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Bewegtbildern geht? Um diese Frage für den gesamten NPO-Bereich beantworten zu können, fehlt mir ehrlich gesagt das notwendige Wissen, daher beschränke ich mich auf den Kunst- und Kulturbereich. Schaut man sich dort die Online-Präsenzen der verschiedenen Einrichtungen an, dann stellt man in der Tat fest, dass die meisten noch nicht mit audiovisuellen Inhalte arbeiten. Ich finde es auch gut, dass Ulrike Schmid von Bewegtbildern spricht und nicht nur von Videos. Natürlich handelt es sich meist um Videos, die dann im Idealfall noch auf YouTube und den diversen anderen Plattformen zu sehen sind. Aber der Kunst- und Kulturbereich zeigt, dass es da auch andere Möglichkeiten gibt, z.B. das Online-Streaming von Konzerten bzw. Opernaufführungen. Die Metropolitan Opera experimentiert in diese Richtung und bietet neben den mittlerweile schon bekannten Kino-Liveübertragungen auch Übertragungen im Real-Player an. Und dann gibt es da noch die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker: Digital Concert Hall Sie sehen schon, es passiert etwas, aber natürlich sind es die „Großen“, denn solche „Experimente“ kosten Geld, womit wir schon eine erste Antwort auf die oben gestellte Frage hätten. Viele Kultureinrichtungen verfügen nicht über die entsprechenden Mittel, um sich eine solche Präsenz im Internet aufzubauen. Würde es nur am Geld liegen, dann hieße das, die Einrichtungen haben den Wert von Videos, Online-Streams, etc. bereits erkannt. Womit wir schon bei der zweiten Antwort wären: es fehlt häufig noch die Einsicht, dass sich unser Medienverhalten nicht zuletzt dank Breitbandinternet in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Zeiten, wo es ein Ärgernis war, sich ein Video am PC anzuschauen sind vorbei. Heute ist es möglich, qualitativ hochwertiges Bildmaterial anzubieten, das man sich dann auch gerne anschaut. Auch die (Online)-Medien haben das erkannt und binden immer häufiger Videos in ihre Berichterstattung ein. Welchen Gefallen würden Sie mancher RedakteurIn tun, wenn Sie ihr dann zum Textmaterial gleich auch noch ein kurzes Video zur Verfügung stellen könnten. Interessantweise haben auch die PR-Agenturen diese Entwicklung etwas verschlafen, wie Herbert Schmidt auf seinem Blog berichtet. Sein Fazit der Bewegtbildstudie 2008: die PR-Branche hat noch Nachholbedarf. Das fehlende Verständnis um die Bedeutung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Präsenz der Kultureinrichtungen im Bereich Web2.0. Videokanäle von Kultureinrichtungen auf YouTube sind noch immer eine Rarität. Die ersten zarten Pflänzchen sind aber schon zu entdecken, etwa die Video-Kanäle des Städel-Museums (hier ein Beispiel)
oder des Anaheim Ballett (auch hier ein Beispiel).
Sie sehen, da gäbe es schon einige Möglichkeiten. Aber um solche Videos produzieren zu können, braucht man auch eine entsprechende technische Ausstattung und das Wissen, wie man solche Videos gestaltet. Auch das fehlt vielen Kultureinrichtungen, was aber natürlich verständlich ist, denn woher soll das Know-How auch kommen? Vor allem, wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind. Vielleicht sollten sich Kultureinrichtungen, die zwar erkannt haben, wie wichtig die audiovisuellen Medien für sie ist, denen aber die Voraussetzungen fehlen, einen Blick auf die Plattform CastYourArt werfen? Dort wird einerseits die Produktion von Audio- und Videomaterial angeboten. Andererseits bemüht sich die Plattform aber auch darum, die Inhalte über die verschiedenen Web2.0-Kanäle zu verbreiten. Und das nicht nur am PC, sondern auch via Handy bzw. iPhone. Auch CastYourArt verfügt über einen eigenen YouTube-Kanal und natürlich gibt es auch hier ein Beispiel:
Sie sehen, die Videos können sehr unterschiedlich konzipiert sein, aber jeder Ansatz ist auf seine Art interessant. Vielleicht tragen ja solche und viele andere Beispiele dazu bei, dass die Frage von Ulrike Schmid in ein paar Jahren gar nicht mehr gestellt werden muss?
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NPO-Blogparade: spenden Sie nur, wenn keine Verwaltungskosten anfallen?

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Im Rahmen der NPO-Blogparade hat Sebastian Schwiecker auf dem Helpedia-Blog die Frage gestellt, warum die Höhe der Verwaltungskosten bei spendensammelnden Organisationen so oft im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte steht? Vermuten müsste man, dass niedrige Verwaltungskosten und das Ausmaß der Hilfe irgendie korrelieren. Also z.B.: je weniger Geld in die Struktur der Organisation fließt, desto mehr und besser kann geholfen werden. Ich denke, wir sind uns einig, dass das Unsinn ist. Woran liegt es dann aber, dass wir in einem solchen Fall auf den Verwaltungskosten herumreiten, die uns ansonsten eigentlich ziemlich egal sind? Das Problem: uns fehlen die Kriterien, um bewerten zu können, ob unsere Spende effizient eingesetzt wird oder nicht. „Sascha“ schreibt in einem Kommentar zu Sebastian Schwieckers Beitrag:
„Die Verwaltungskosten interessieren mich bei einer Pizza nicht, weil ich beim Essen merke ob sie gut oder schlecht ist. Bei Spenden wird mir so ein Test i.d.R. schwer fallen. Vielmehr verknüpfe ich als Hilfskonstrukt die Qualität der Leistung unmittelbar mit der Frage ‚wieviel Geld wird für Projektaktivitäten zur Verfügung gestellt‘. Als ‚Gut‘ ist eine Spende da eher einer Versicherung ähnlich, hier interessiert es mich auch, wie hoch die Verwaltungskosten sind, da überhaupt nur das Geld angelegt werden kann, was nicht für Bürotürme, Gehälter ausgegeben wird, die Rendite meiner Anlage kenn ich im Zweifel erst in 35 Jahren.“
Stimmt, über die „Rendite“ meiner Spende kann ich mich im Zweifel auch erst in ein paar Jahren informieren. Eigentlich ist sie eine Art Investment, bei dem ich nicht weiß, was wirklich dabei rauskommt. Und so wie die Höhe der Verwaltungskosten einer Versicherung nichts über die Summe aussagt, die ich am Ende ausgezahlt bekomme, ist deren Höhe auch wenig aussagekräftig, wenn es um den Nutzen oder die Nachhaltigkeit meiner Spende geht. Das heißt, es gibt Investments, bei denen ich sehr schnell weiß, ob sich der (finanzielle) Einsatz gelohnt hat oder nicht. Sebastian Schwiecker bringt als Beispiel die Pizza, die mir entweder schmeckt oder nicht. Schwierig wird es bei den Investments, bei denen ich erst sehr spät erkennen kann, ob sich der finanzielle Einsatz gelohnt hat, wie z.B. bei den Versicherungen. Da greife ich auf Hilfskonstrukte (Verwaltungskosten) oder Momentaufnahmen (aktueller Wert meiner Versicherung) zurück. Aber gerade jetzt erfahren wir, dass es unzulässig ist, von einer linearen Entwicklung auszugehen. Bei  vielen Spendenaktionen gibt es sowas wie das „Versicherungsende“ gar nicht. Auch hier sind Berichte über eine Aktion Momentaufnahmen und die Höhe der Verwaltungskosten ein Hilfskonstrukt. Aber welche Alternativen gibt es für mich als SpenderIn, um die Nachhaltigkeit meiner Spende einschätzen zu können? Dazu tragen meiner Meinung nach die Spendenorganisationen selbst bei, indem sie mich mit „falschen“ Informationen versorgen. Beispiel: die Höhe der bereits eingegangenen Spenden. Die Aussagekraft für mich als SpenderIn ist begrenzt. Ich weiß, dass andere auch gespendet haben, aber ob aus meiner Spende einen Nutzen resultiert, erfahre ich so nicht. Auf der anderen Seite kann ich es natürlich verstehen, wenn eine Organisation mit der Spendensumme wirbt, schließlich wirkt das anziehend auf andere SpenderInnen. Und im Falle von kurzfristiger Hilfe kann das auch zielführend sein, wenn ich weiß, dass für eine Summe x eine entsprechende Zahl von Zelten oder Decken gekauft und zur Verfügung gestellt wurden. Das heißt, wir können zwischen kurzfristiger und langfristiger Hilfe unterscheiden. Im Fall von kurzfristiger Hilfe ist die Höhe der eingegangenen Spenden ok, für langfristige Projekte müssen wir uns andere Kriterien überlegen. Diese Kriterien können von Projekt zu Projekt völlig unterschiedlich sein, wichtig ist in meinen Augen allerdings, dass ich als SpenderIn auch dementsprechend über einen längeren Zeitraum hinweg mit Informationen versorgt werde. Wie oft passiert das aber? Eher selten, vermute ich, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, über einen längeren Zeitraum von einer Hilfsorganisation mit Informationen versorgt worden zu sein, der ich Geld gespendet hatte. Das war zugegeben früher auch ziemlich schwierig und teuer. In Zeiten von Social Media ist das aber sehr wohl möglich. Wie so etwas funktioniert, zeigt derzeit Ole Seidenberg mit seiner Aktion Uwe. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass das Projekt noch nicht allzu lange läuft. Mal sehen, wie es in einem Jahr oder zwei aussieht? Das heißt, die Langfristigkeit eines Projektes muss auch kommuniziert werden, aber das kostet Zeit und Geld. Dieses Geld soll aber, so fordern es die SpenderInnen, bei den Begünstigten ankommen, nach Möglichkeit zu hundert Prozent. Wenn man bei Spendenaktionen liest, wie oft es da heißt, dass die Spenden ohne jeden Abzug bei den Empfängern ankommen, dann muss man sich nicht wundern, dass diese Haltung mittlerweile selbstverständlich ist. Stattdessen ist es unter Umständen zielführender, die ganzen Prozesse zu dokumentieren, die notwendig sind, damit die Spende auch bei den EmpfängerInnen ankommt. Transparenz macht meine Kompetenz sichtbar und fördert das Vertrauen in mich als Spendenorganisation. Diese Punkte scheinen mir besonders wichtig zu sein, denn mir ist in diesem Zusammenhang mein gestriges Blogpost zum Thema Fundraising eingefallen. Dort wurde in einer Studie im Hinblick auf die Spendenbereitschaft festgehalten, dass das Vertrauen viel wichtiger sei als der Zweck, für den das Geld eingesetzt werde. Vertraue ich einer Spenderorganisation, dann wird die Höhe der Verwaltungskosten für mich kein Thema sein. Aber dieses Vertrauen, das gilt es erst einmal zu gewinnen. Und das hat ganz viel mit Kommunikation zu tun.
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Online-Fundraising mit Hilfe von Twitter

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Über Twitter habe ich hier auf dem Blog eigentlich noch nie geschrieben, obwohl ich es nun schon längere Zeit verwende. Über Sinn und Unsinn dieses Tools, bei dem einem nur maximal 140 Zeichen pro Nachricht zur Verfügung stehen, gibt es unzählige Blogposts und Artikel. Selbst die New York Times ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bietet „Twittering Tips for Beginners“ an. Ich selbst halte sehr viel davon, allerdings ist es, denke ich, nicht so ganz einfach, herauszufinden, wie sich Twitter für die eigene Arbeit einsetzen lässt.

Während viele sich dort über Dinge des täglichen Lebens und ihr Befinden austauschen, experimentieren andere mit diesem Tool, um es möglichst nutzbringend einzusetzen, zum Beispiel in Sachen Fundraising. Beth Kanter hat vor einigen Tagen in einem Beitrag auf Twestival aufmerksam gemacht. Worum geht es dabei?

„On 12 February 2009 175+ cities around the world will be hosting Twestivals which bring together Twitter communities for an evening of fun and to raise money and awareness for charity: water„,

lautet die Grundidee. charity: water ist eine Nonprofit-Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser in den Entwicklungsländern engagiert.

Beteiligen kann man sich auf unterschiedliche Weise:

  1. Attending one of the events
  2. Uploading or buying music at Twestival.fm
  3. Taking part in the t-shirt design competition
  4. Donating to charity: water

Nein, hier geht es nicht darum, ein paar hundert Dollar einzusammeln, das Ziel ist äußerst ambitioniert, wie man diesem Tweet entnehmen kann:

Twestival
Eine halbe Million USD, das ist keine Kleinigkeit. Aber egal ob Twestival oder die bereits erfolgreich abgeschlossenen Fundraising-Aktionen von Beth Kanter oder Laura Fitton, in allen Fällen geht es um zwei entscheidende Punkte:

  1. Der Spendenprozess wird extrem beschleunigt und
  2. es geht nur um kleine Spendenbeträge (z.B. 2USD)

Möglich machen das Tools wie Tipjoy, auf deren Website es heißt:

„Tipjoy makes it easy for people to leave tips for things they love online, and easy for content owners to be rewarded for making the stuff people love.“

Interessant dabei: man spendet erst und zahlt dann einmal monatlich per Paypal seine Rechnung bei Tipjoy. Gespendet wird mit Hilfe eines Tweets, der sich aus folgenden Bestandteilen zusammensetzt: p (=pay) + Betrag (z.B. $2) + Empfänger (z.B. @wellwishes).

tipjoy

Die Herausforderung besteht nun darin, solche Aktionen zu initiieren. Natürlich kann theoretisch jede/r ein geeignetes Spendenobjekt suchen und dann die Aktion per Tweet starten bzw. bewerben. Das Problem dabei: es muss Ihnen auch jemand zuhören und dann auch mitmachen bzw. Ihre Botschaft weitertragen. Wann wird Ihnen jemand zuhören und sich beteiligen?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an mein Blogpost „Reputation ist etwas Soziales„. Nur wer über die entsprechende Reputation verfügt, wird – in diesem Fall – andere Twitterer davon überzeugen können, für ein Projekt etwas zu spenden. Wie solche Aktionen aussehen müssen, beschreibt Lucy Bernholz auf Philanthropy2173:

  • „Video, blogging, twitter, online payments, viral marketing, instant thank yous, etc as the minimal expected organization infrastructure;
  • Community building (you can identify other donors, everyone blogs about it), instant infrastructure (giving managed by chip-in, Paypal enables the back office);
  • Quick commitment – set a goal, reach it, move on;
  • Little gifts – and lots of them – are the holy grail;
  • Creativity matters – next year you’ll need a new twist;
  • Anyone at an organization might be the leader of your next campaign;“

Dazu kommen noch folgende Punkte, ergänzt Beth Kanter die Auflistung:

  • „It’s not about the reaching a large number at once, but identifying the right six or seven influencers who can re-tweet your message and have their networks respond
  • Small gifts, but incorporate some incentives or recognition for larger gifts
  • Have universal human theme or tell stories
  • Have a reporting page or widget that shows your real-time results
  • Incorporate something visual that can also spread across Twitter
  • It isn’t just about Twitter – remember you need multi-channels – blogger outreach, email, organizing a team of people to reach to their networks, private messaging, phone calls, etc
  • Use a hash tag and have that be part of the retweet so your campaign can benefit from extra visibility from the twitter trending
  • Don’t have your first foray onto Twitter be your campaign ask, build social capital first.“

Der letzte Punkt ist wahrscheinlich der allerwichtigste und geht in die gleiche Richtung wie der von mir angesprochene Aspekt der Reputation. Sie können noch so kreativ sein in dem, was Sie tun. Wenn Sie nicht über das notwendige „social capital“ verfügen, wird Ihr Vorhaben scheitern.

Nun werden Sie unter Umständen einwerfen, dass solche Aktionen, auch wenn man über Reputation verfügt, hier bei uns nicht zu realisieren sind. Wahrscheinlich haben Sie Recht, aber woran liegt es? Ich denke, der Überweisungvorgang ist zu kompliziert und dauert zu lange. Wenn es wirklich gelingt, Beträge von sagen wir 50 Cent per Twitter zu transferieren und das mit genau einem Tweet, dann behaupte ich, wird auch bei uns diese Form des  (Online-)Fundraisings möglich sein. Grund genug, sich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten es eigentlich gibt. Allerdings wird sich das im Rahmen der NPO-Blogparade nicht mehr ausgehen, denn es geht nur noch bis morgen um das Thema Online-Fundraising. Am 15. Februar startet dann schon die nächste Runde.

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„Online goes offline“ oder „Bitte warten“?

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Eine Anmerkung vorweg: der Begriff Fundraising wird vor allem im deutschsprachigen Raum häufig mit dem Einsammeln von Spenden gleichgesetzt. Ich fasse ihn in der Regel etwas weiter und sympathiere daher eher mit dem angelsächsischen Verständnis, das Fundraising einfach als Geld einsammeln versteht. Als ich vor einigen Tagen im Rahmen der NPO-Blogparade nach „Tipps und Tricks für das Online-Fundraising“ fragte, war ich mir darüber im Klaren, dass das Online-Fundraising bei uns noch in den Kinderschuhen steckt. Die Probleme sind, denke ich, größtenteils bekannt. Da ist zum einen die Tatsache, dass die meisten von uns den Staat nur ungern aus seiner Verantwortung entlassen wollen, wenn es um Kunst, Kultur, Gesundheit, Soziales, etc. geht. Private Unterstützung, so lautet das Argument, biete daher dem Staat die Möglichkeit, sich aus den jeweiligen Bereichen zurückzuziehen bzw. die finanziellen Mittel zu kürzen. Andererseits ist es bei uns einfach noch nicht selbstverständlich, per Kreditkarte oder Paypal Geld an eine Organisation oder ein Projekt zu überweisen. Zu groß sind die Ängste, dass mit den Daten, die man dann online preisgibt, Missbrauch getrieben werden könnte. Hinzu kommen die noch immer relativ hohen Transaktionskosten, die z.B. für Überweisungen per Kreditkarte anfallen. Und ein letzter Punkt, den man nicht übersehen sollte: viele Menschen besitzen gar keine Kreditkarte, sind also a priori von einem solchen Verfahren ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich im Internet eine Vielzahl von Menschen finde, die bereit sind, Organisationen oder Projekte finanziell zu unterstützen, hält sich noch ziemlich in Grenzen. Sabine Gysi, die versucht hat, für das Projekt Salonpalaver 600 Minimäzene zu finden, die das Vorhaben mit jeweils 50CHF unterstützen sollten, ist gescheitert und auf Sellaband haben es bis jetzt auch erst 29 Bands geschafft, 50.000 USD für ihre erste CD-Produktion aufzutreiben. Nicht dass ich diesen Erfolg kleinreden möchte, aber ein Durchbruch sieht doch anders aus. Bleibt der Sozialbereich, wo Ole Seidenberg vor kurzer Zeit seine Aktion Uwe gestartet hat und seitdem regelmäßig darüber auf seinem Blog berichtet. Die Aktion erregt mittlerweile einiges Aufsehen, was aber wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass Ole Seidenberg dabei stark auf Social Media Tools setzt und damit eine Vorreiterrolle eingenommen hat. Das Problem dabei: viele Menschen, die als SpenderInnen oder UnterstützerInnen in Frage kommen würden, werden nicht erreicht, weil sie sich nicht in Social Networks bewegen, keine Blogs lesen und keine Ahnung haben, was Twitter sein könnte. Jetzt könnte man sich natürlich zurücklehnen und sagen „es ist halt noch nicht soweit, warten wir einfach, bis der Motor anspringt“.  Aber sollen wir wirklich darauf warten, bis die Rahmenbedingungen passen? Es wird zwar auf die Schnelle nicht unbedingt gelingen, die große Masse der Menschen zu begeisterten Online-UnterstützerInnen zu machen, aber warum versuchen wir nicht, die Social Media Tools dafür einzusetzen, um Menschen zu erreichen, die damit noch gar nichts am Hut haben? Wenn es im Web2.0 immer heißt, dass man dahin gehen müsse, wo die Menschen sind, dann versuchen wir doch, das auch in diesem Fall konsequent umzusetzen. Nach dem Motto „online goes offline“. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich auf ReadWriteWeb den Beitrag „Five Ways to Use Social Media to Reach People Who Don’t Use Social Media“ von Marshall Kirkpatrick gelesen habe. Wie stellt er gleich zu Beginn seines Artikels treffend fest?
„Sometimes it feels like social media is just not relevant to the people you’re trying to reach.“
Um mit Hilfe von Social Media die Menschen zu erreichen, die dort (noch) nicht anzutreffen sind, macht er fünf Vorschläge, die uns dabei unterstützen können, diese Menschen zu erreichen und für unsere Ziele und Vorhaben zu begeistern.

„Develop Relationships with People Who Bridge The Gap Inside Other Organizations“

Wie kommen wir an diese Menschen heran? Kirkpatricks Idee besteht darin, Beziehungen zu den Menschen aufzubauen, die als Bindeglied in Frage kommen, z.B. JournalistInnen.
„… many mainstream journalists now participate in social media conversations for their research. Making yourself known as a topical expert to them online can help increase your visibility when it’s time to write a story off-line“,
lautet sein Ratschlag daher. Und wie mache ich mich zum Experten? Indem ich z.B. mit Hilfe von RSS-Feeds und Social Bookmarking Diensten Informationen sammele und meinem journalistischen Gegenüber zur Verfügung stelle.

„Use Web 2.0 Tools to Learn About Real Life Public Events“

Früher ging man, wenn man neue Kontakte knüpfen wollte, auf unzählige Veranstaltungen. Das sollte man heute eigentlich auch noch tun und um die richtigen Events zu entdecken, schlägt Marshall Kirkpatrick auch dafür den Einsatz von Social Media Tools vor. Im Internet finden sich unzählige Seiten mit Veranstaltungshinweisen. Manche verfügen über RSS-Feeds, das heißt, eine gezielte Suche ist möglich. Unzählige Seiten bieten diesen Service aber nicht an. Mit Hilfe diverser Tools, z.B. Dapper oder Yahoo Pipes lassen sich von jeder beliebigen Seite Feeds generieren. Auf diese Weise können Sie ihren eigenen Veranstaltungskalender zusammenstellen und haben so jederzeit den Überblick über alle wichtigen Veranstaltungen.

„Make Your Blog an Email Newsletter and Promote it Elsewhere“

Die Einladung, doch regelmäßig das eigene Blog zu besuchen, zieht bei vielen Menschen nicht wirklich. RSS-Feeds und -Reader sind noch unbekannt und der regelmäßige Besuch des Blogs ist unrealistisch. Was aber in der Regel gut funktioniert sind Emails. Mit der Hilfe von Feedburner können Sie diesen Menschen einen Newsletter anbieten, der aus ihren Blogbeiträgen besteht. Sie legen dort einen Feed Ihres Blogs an und generieren dann in wenigen Schritten einen Link, über den die InteressentInnen Ihren Newsletter abonnieren können. So wie Sie ja auch die Beiträge dieses Blogs mit einer einfachen Anmeldung per Email erhalten können.

„Look Harder, Your Audience Probably is Using Social Media That You Aren’t Aware Of“

Wahrscheinlich hat Kirkpatrick da gar nicht so unrecht. Millionen von Menschen treiben sich tagtäglich auf den diversen Foto- und Videoplattformen herum. Wenn man sie dann aber fragt, ob sie schon jemals Social Media Tools benutzt hätten, erntet man nur ein Kopfschütteln. Aber auf der anderen Seite: suchen Sie mal ein deutschsprachiges Museum, das auf Flickr vertreten ist. Eine vertane Chance. Gehen Sie auf diese Plattformen und finden Sie dort Menschen, die für Sie als Zielgruppe in Frage kommen. Wie Sie das anstellen sollen? Stellen Sie Fotos von Ihren Projekten online, produzieren Sie kleine Videos und verlinken Sie darauf.

„Use the Internet to Make Yourself Smarter In Real Life“

Marshall Kirkpatrick formuliert es sehr treffend:
„The best way to use social media to reach people who don’t use social media is probably just to use social media to kick more ass. You may be the only person in a meeting that reads blogs (unlikely, really) but that doesn’t have to be what people notice; the fact that you know more, sooner, about your shared interests (as a result of reading blogs) well will be a big help.“
Reden Sie nicht viel über den Einsatz von Social Media, sondern machen Sie einfach. Irgendwann wird man Sie unter Umständen fragen, woher Sie das alles wissen und dann vielleicht das Bedürfnis verspüren, es selbst einmal auszuprobieren. Schlussfolgerung: Zwei Herangehensweisen bieten sich also an:
  1. Sie erreichen mit Hilfe verschiedener Social Media Tools Menschen, die damit noch gar nichts am Hut haben und haben so die Chance, Sie von Ihren Vorhaben zu überzeugen und um Unterstützung zu bitten.
  2. Sie versuchen, die Vorteile von Social Media auszuschöpfen und wecken dadurch das Interesse der Menschen für das Thema Social Media. Auf diese Weise zeigen Sie nicht nur inhaltliche Kompetenz, sondern bringen den einen oder anderen dazu, diese Tools selbst einmal auszuprobieren.
Und irgendwann ist es dann soweit und Sie können Ihre Fundraising-Kampagne online durchführen, weil der Umgang mit Social Media genauso selbstverständlich geworden ist wie das Zahlen per Internet. Es liegt also an uns, ob das Zukunftsmusik bleibt.
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Die nächste Runde der NPO-Blogparade: Tipps und Tricks für das Online-Fundraising

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Die NPO-Blogparade geht bereits in die vierte Runde. Nach Brigitte Reiser („Folgen der Finanzkrise für Nonprofits – Bedrohung oder Chance?„), Karin Janner („Social-Media-Mix für Non-Profit-Einrichtungen – wie könnte er aussehen?„) und Ole Seidenberg („Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor„) bin nun ich dran und darf die Frage für den Monat Januar stellen. Nonprofit-Organisationen konnten ja noch nie im Geld baden. Die leeren öffentlichen Kassen haben dazu geführt, dass das Geld vom Staat bei den meisten NPO nicht mehr zum Überleben reicht. Von Professionalisierung war und ist die Rede, was oft nur heißen soll: seid sparsam und kümmert Euch selbst um Eure Finanzierung! So ist das Fundraising auch bei uns in Mode gekommen. Während sich NPO – und damit schließe ich die Kunst- und Kulturbetriebe mit ein – im angelsächsischen Raum schon immer intensiv um private Geldzuwendungen bemühen mussten, hat das Fundraising mittlerweile auch bei uns Einzug gehalten. Meistens handelt es sich dabei um Spenden, aber immer häufiger werden wir als Private auch dazu aufgefordert, zu „investieren“. Filmprojekte wie „A Swarm of Angels“, an denen man sich mit einem Betrag von £ 1 beteiligen kann, zeigen, wohin die Entwicklung gehen könnte. Gerade bei solch kleinen Summen lohnt es sich wegen der Transaktionsgebühren nicht, mit Erlagschein oder Banküberweisung zu arbeiten.  Hier müssen Wege gefunden werden, die den Transfer solcher Minibeträge möglich machen. Wenn wir nur einen Euro, einen Dollar, etc. von den Leuten wollen, brauchen wir natürlich eine Vielzahl von Spendern bzw. Investoren. Und wie erreicht man die? Richtig, das Internet macht es möglich. Während das Online-Fundraising z.B. in den USA schon weit verbreitet ist, steckt es bei uns noch in den Kinderschuhen. Aktionen wie die von Beth Kanter, die zu ihrem Geburtstag 6.255 USD über die verschiedenen Social Media-Kanäle einsammelte, um 625 kambodschanischen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, sind bei uns (noch) unmöglich. Ob es nun um solche Hilfsprojekte geht, um Gesundheits- oder Kunst- bzw. Kulturprojekte: meine Frage für diese Runde der NPO-Blogparade lautet: was können oder müssen wir als NPO tun, um das Online-Fundraising bei uns voranzutreiben? Ich wünsche mir von Ihnen möglichst viele Beiträge voller Tipps und Tricks oder ganz praktische Beispiele, von denen wir lernen können. Alle, die etwas dazu beitragen können und wollen, sind herzlich eingeladen, auf ihrem Blog einen entsprechenden Beitrag zu verfassen und ihn hierher zu verlinken. Diese Runde der NPO-Blogparade läuft bis zum 7. Februar. Wenn Sie nicht wissen, was eine Blogparade ist und wie sie funktioniert, werfen Sie bitte einen Blick in das Blog zur NPO-Blogparade, in dem wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben. Falls etwas unklar bleiben sollte, deponieren Sie Ihre Frage hier als Kommentar oder schreiben Sie mir eine Email. Viel Spaß beim Schreiben und Lesen der Beiträge!
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Qualitätsverlust durch Social Media?

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Angenommen, Sie kaufen bei Amazon immer nur Krimis. Schon nach kurzer Zeit werden Sie von Amazon mit Mails beglückt, in denen man Ihnen Bücher vorschlägt, die für Sie interessant sein könnten. Um was für Bücher es sich dabei handelt ist leicht zu erraten: richtig, Ihnen werden Krimis vorgeschlagen. Dieser Vorschlag basiert auf dem Kaufverhalten anderer Amazon-NutzerInnen. Das mag für jemanden, der nur auf Krimis steht recht angenehm sein, denn so bekommt er immer wieder neue Anregungen. Krimis halt. Ähnlich funktioniert das Prinzip bei last.fm, wo sie ausgehend von einem von Ihnen ausgewählten Titel ähnliche Songs vorgespielt bekommen. Die Musikrichtung wird dabei ziemlich konsequent beibehalten. Eine Zeit lang ist das ganz schön, aber so nach ca. 30 Minuten wird mir die Sache in der Regel zu fad und ich muss einen anderen Namen eingeben. In beiden Fällen, also bei Amazon und bei last.fm, fehlt für mich das Überraschungsmoment, das Neue, das Aufregende, das es zu entdecken gilt. Eigentlich finde ich diese Angebote sehr praktisch, denn bei Büchern bekomme ich z.B. Infos über Neuerscheinungen aus Bereichen, die mich interessieren. Bei last.fm macht es Spaß, die alten Zeiten Revue passieren zu lassen und einen guten Song nach dem anderen anzuhören. Wechseln wir mal zu Xing. Dort gibt es eine Gruppe Kulturmanagement, in der sich viele KulturmanagerInnen finden lassen. Außerdem gibt es dort eine Gruppe Business Weblogs, deren Mitglieder meist BloggerInnen sind. Die Themen sind klar, es geht in der einen Gruppe um Kulturmanagement, in der anderen um Business Weblogs. Das Problem dabei: Amazon, last.fm und auch Xing enthalten, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, soziale Elemente. Lapidar ausgedrückt könnte man auch sagen: wir beeinflussen uns gegenseitig. Ähnliche Gedanken bewegen wohl auch „Foulder“, der das Blog „Die wunderbare Welt…In Chiffren und Zeichen“ betreibt. In seinem Beitrag zur NPO-BlogparadeDie Kehrseite des Web2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor“ schreibt er, dass das Web2.0 unsere gesellschaftliche Kommunikation verändere und bringt als Beispiel Wikipedia:
„Hier werden von verschiedenen Nutzer(innen)gruppen — den Wikipediandern — einzelne Themen aufgegriffen, kollektiv bearbeitet und so konsensfähige Erkenntnisse produziert, die über das hinausgehen, was sich der oder die Einzelne selbst ausdenken kann.“
Ein paar Zeilen weiter spricht er vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“. Konsensfähige Erkenntnisse und kleinster gemeinsamer Nenner, das klingt so nach Mainstream, aber gar nicht nach neuen aufregenden Dingen, nach Innovation. Heißt das, wenn wir da mit Hilfe der Social Media Tools zusammenarbeiten, kommen nur langweilige Dinge dabei heraus? Charles Leadbeater hat auf der Website zu seinem Projekt We-think geschrieben:
„Participation is not always a good thing: it can just create a cacophony.“
Leadbeater kennt die Gründe, warum die Zusammenarbeit oftmals nicht funktioniert:
„Collaboration is sustained and reliable only under conditions which allow for self organisation. Everywhere we turn there will be struggles between people who want to freely share – music, films, ideas, information – and those who want to control this activity, either corporations who want to make money or governments who fear debate and democracy. This conflict between the rising surge of mass collaboration and attempts to retain top down control will be one of the defining battles of our time (…).“
Das heißt, überall dort, wo jemand etwas kontrollieren will, können so Dinge wie „collaboration“ oder „partizipation“ nicht funktionieren. Nicht funktionieren in dem Sinn, dass dabei Innovation entsteht. Natürlich ist es nett, wenn ich bei Amazon Buchempfehlungen erhalte, wenn ich bei last.fm eine bestimmte Musikrichtung hören kann und ich mich auf Xing in der Kulturmanagement-Gruppe mit KulturmangerInnen austauschen kann. Ich werde in allen drei Fällen unter Umständen Neues erfahren, aber Innovation findet so nicht statt. Innovation braucht Heterogenität und dafür muss ich in sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook, etc. etwas tun. Ich muss mich mit Leuten austauschen, die im Idealfall aus ganz anderen Bereichen kommen und ganz andere Denkansätze haben. Wenn beide eine offene Haltung haben, dann können sich aus dieser Unterschiedlichkeit Impulse ergeben. Heterogenität kann ich selbstverständlich auch im realen Leben suchen und finden, aber natürlich bietet mir das Internet ganz andere Möglichkeiten. Stichwort Social Media: hier steht ja der soziale Aspekt im Vordergrund. Im nächsten Schritt geht es aber darum, was ich mir davon erwarte, mit anderen Menschen via Blogs, Twitter, etc. zu kommunizieren und sich auszutauschen, Neues zu lernen und vielleicht dann auch gemeinsam Neues zu entwickeln. Offenheit ist gefragt und das in zweifacher Hinsicht. Einmal muss ich selbst offen sein gegenüber denen, die mich mit ganz anderen Meinungen, Ansichten und einem ganz anderen Wissen konfrontieren. Wenn es nur darum geht, wer Recht hat, dann wird es schnell langweilig und unergiebig. Werfen Sie mal einen Blick auf den Wikipedia-Eintrag Kulturmanagement und seine Entstehungsgeschichte, dann wissen Sie, was ich meine. Zweitens müssen die entsprechenden Social Media-Angebote auch offen sein. Abgeschlossene Foren, Gruppen und Räume haben durchaus ihre Berechtigung, gar keine Frage. Aufregende Neuigkeiten oder Überraschungsmomente erlebe ich dort aber eher nicht. Professor Peter Kruse bezeichnet in diesem Zusammenhang harmonische Systeme als „dumme Systeme“ . Seine Forderung: „Bauen Sie Systeme, die stören!“ Der kleinste gemeinsame Nenner oder konsensfähige Erkenntnisse müssen also gar nicht sein. Es hängt von uns ab und damit lässt sich auch die Frage aus der Überschrift beantworten. Ob durch den Einsatz von Social Media Tools der Mainstream „gefördert“ wird oder ob wir sie dazu nutzen, Neues zu lernen und um Systeme zu bauen, die stören, das liegt in unserer Hand. Gefahr droht also nicht von diesen Tools, sondern geht eher von uns selbst aus.
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Social Media: die Kehrseite der Medaille

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sos © ad; Pixelio In der dritten Runde der NPO-Blogparade interessiert sich SocialBlogger Ole Seidenberg für die Kehrseite des Web2.0-Hypes. Worauf sollte der NPO-Sektor achten, welche Gefahren drohen, wenn Nonprofit-Einrichtungen Social Media-Tools einsetzen? Bei allen Vorteilen, die ich im Einsatz dieser Tools sehe, kann ich doch nicht abstreiten, dass  das Engagement im Web2.0 auch ganz schön in die Hose gehen kann. Insofern bin ich Ole Seidenberg dankbar, dass er diese Frage in der dritten Runde der NPO-Blogparade gestellt hat. Natürlich hat das Thema Web2.0 oder Social Media in den jüngeren Vergangenheit einen gewaltigen Boom erlebt. Auf der einen Seite wird es von den Medien begierig aufgegriffen (positiv und negativ), andererseits kommen die Tools auch immer häufiger in Unternehmen und Organisationen zum Einsatz. Die positiven Beispiele finden dabei recht häufig Erwähnung, die schlechten eher selten, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sie nie so richtig Aufmerksamkeit erregen konnten und deshalb sang- und klanglos verschwunden sind. Würden wir die Zahl aller Versuche, Social Media einzusetzen, kennen, wären wir wahrscheinlich erstaunt, wie viele dabei scheitern und würden uns überlegen, ob wir das Risiko wirklich eingehen sollen. Wie sehen sie aus, die Gefahren, die uns drohen, wenn wir bloggen, twittern und uns in Social Networks engagieren? Der erste und wichtigste Punkt ist wahrscheinlich eine oftmals völlig überzogene Erwartungshaltung. So nach dem Motto: wir fangen jetzt mal mit dem Web2.0 an und in zwei Monaten sind wir berühmt. Erfolgsstorys wie die des Fotoblogs The Big Picture, dessen 98 Blogposts seit dem 1. Juni 2008, also in sieben Monaten, ca. 35 millionenfach betrachtet und mit 55.000 Kommentaren versehen wurden (gefunden via Robert Basic) sind dabei eher selten. Das Blog der Dramaturgischen Gesellschaft hat die Kurve nicht gekratzt und fristet seit fast zwei Jahren ein kümmerliches Dasein. Der letzte Eintrag stammt vom 6.3.2007 und wird es wohl auch bleiben. Punkt 2: es fehlen Ziele und die entsprechende Strategie dazu. Ed Wohlfahrt hat das vor wenigen Tagen unter der Überschrift „Auch im Social Web: Weniger ist mehr!“ recht treffend beschrieben:
„Neben Unternehmen scheint die bunte Web 2.0 Welt mit ihren schnellen Möglichkeiten, Accounts und Seiten aufzusetzen auch für die Politik eine große Versuchung. Xing, MySpace, StudiVZ. Ach was! Kostet doch nichts! Nehmen wir doch von allen ein wenig!“
Seine Empfehlung:
„Ich denke es geht im Bereich der Kommunikation über Social Media Kanäle um eine klare Strategie. Erst wenn ich diese kenne kann ich über die Kanäle nachzudenken beginnen über die ich meine Botschaften (in der Strategie enthalten) transportieren will.“
Wenn Sie Ihre Ziele kennen, über eine Strategie verfügen und sich für einen oder mehrere Kommunikationskanäle entschieden haben, garantiert das noch lange keinen Erfolg. Die Zahl derer, die sich auf Xing versucht und dem Netzwerk nach einiger Zeit enttäuscht den Rücken gekehrt haben, ist groß. Gleiches lässt sich von Blogs sagen. Natürlich ist es eine tolle und faszinierende Aussicht, mit jedem Blogpost zahllose Menschen zu erreichen und in den Dialog mit ihnen zu treten. Aber da gibt es einige Fallstricke:
  1. Der zeitliche Aufwand, ein Weblog zu betreiben, ist erheblich.
  2. Als BlogbetreiberIn müssen Sie etwas zu sagen haben, etwas zu erzählen haben.
  3. Sie müssen über einen Schreibstil verfügen, den die Leute auch gerne lesen.
  4. Ein Weblog macht Sie angreifbar, denn die Kritik an Ihnen steht gleich unten im Kommentar und wird von vielen Menschen gelesen.
Sie sehen schon, es gibt zahlreiche Hürden, die sich einem da in den Weg stellen. Einige habe ich hier erwähnt, aber das ist noch lange nicht alles. Eine letzte will ich noch nennen: wer als NPO – und da schließe ich Kunst- und Kultureinrichtungen mit ein – Social Media Tools einsetzt, um mit Menschen zu kommunizieren oder zusammen zu arbeiten, der muss sich immer darüber im Klaren sein, dass er über diese Kanäle nur eine kleine Minderheit erreichen kann. Und auch die Vernetzung untereinander, also zwischen den NPO ist noch eine wirkliche Herausforderung. Eine Zahl soll das verdeutlichen: in Österreich gab es im Jahr 2002 knapp 80.000 NPO (Quelle: Simsa, Enzlberger, Horinek, Nachbagauer (2003): Künstlerische Dienstleistungen im Dritten Sektor, Teil 4). Aktuellere Zahlen liegen mir nicht vor, aber ihre Zahl ist wohl eher gestiegen als gesunken. Jetzt suchen Sie mal die Weblogs dieser 80.000 NPO. Viele werden Sie nicht finden. Wenn also im Hinblick auf Social Media immer von Vernetzung die Rede ist, dann muss man sich immer die Frage stellen, mit wem man sich denn überhaupt vernetzen kann, frei nach dem Motto: ist da jemand? Wer sich auf das Web2.0 einlässt, geht also Risiken ein, die nicht unbeträchtlich sind. Das so ein Abenteuer schiefgehen kann, sollten wir bedenken. Dass es aber auch gutgehen kann, darüber habe ich in diesem Blog schon öfter berichtet. PS: wir freuen uns, wenn sich möglichst viele Blogs an der monatlichen NPO-Blogparade beteiligen, entweder durch eigene Blogposts oder als GastgeberIn einer der monatlichen Runden. Alle Informationen dazu finden Sie hier. Oder Sie fragen mich einfach. ;-)