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Content Strategy Camp Graz 2019
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Über das #coscamp, eine Blogparade und ein Häferl

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Vorgestern war ich in Graz beim Content Strategy Camp dabei und ich weiß, wenn man nicht sofort darüber schreibt, schreibt man gar nicht. Deshalb habe ich mich gestern schon hingesetzt und zusammengeschrieben, was bei mir vom #coscamp hängengeblieben ist. Wie das bei Barcamps so ist, muss man sich immer zwischen verschiedenen Sessions entscheiden, in diesem Fall waren es immer fünf, die zeitgleich stattfanden. Deshalb ist das hier kein Bericht über das #coscamp, sondern eine höchst subjektive Zusammenfassung der Sessions, die ich erleben durfte.

Wer sich einen Überblick über das #coscamp verschaffen will, sei auf die Dokumentation verwiesen, die das Organisationsteam in einer vermutlich kurzen Nacht erstellt hat (Tausend Dank dafür!!). Und Bilder vom Barcamp gibt es auch, dafür ebenso vielen Dank! Was es mit der Blogparade und dem Häferl auf sich hat, dazu später mehr.

Was ist eine Content Strategy?

Die Frage ist deshalb wichtig, weil sehr viele Menschen die Begriffe Content Strategy und Content Marketing entweder synonym nutzen oder glauben, mit Hilfe der Content Strategy legt man den Ablauf einer Content Marketing-Kampagne fest. Heinz Wittenbrink, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass es in Graz einen der wenigen europäischen Studiengänge gibt, die sich mit Content Strategy beschäftigen, hat auf Twitter zwar die Frage nach einer Definition von Content Strategy gestellt. Eine Antwort hat er aber nicht wirklich bekommen.

Ich habe dann zwar zu früher Stunde per Tweet eine weitere Definition eingebracht, nämlich die von Kevin P. Nichols: „… getting the right content to the right user at the right time“. Aber Sascha Stoltenow meinte, das wäre nur „content logistics“. Gut, den Satz kann man so interpretieren, muss man aber nicht.

Darüber hinaus gibt es aber natürlich noch die Definition von Kristina Halvorson:

Content strategy guides your plans for the creation, delivery and governance oft content.“

Auch ganz hilfreich ist in meinen Augen die Formulierung in dem von Klaus Eck und Doris Eichmeier herausgebrachten Buch „Die Content-Revolution im Unternehmen“ (Affiliate Link). Dort heißt es auf Seite 39:

„Mit einer Content-Strategie wird (.) der Workflow aller Unternehmensinhalte abteilungsübergreifend und dauerhaft gemeistert. Sie ist die Basis der Content-Marketingaktivität.“

Soviel zur Frage, welche Bedeutung der Begriff Content Strategy eigentlich hat…

Zurück zum #coscamp

Los ging es, wie bei Barcamps so üblich, mit einer Vorstellungsrunde. Vorname, 3 Hashtags, das ist alles. Da sich alle an diese Regel hielten und auch niemand von akutem Gedächtnisverlust befallen wurde, war dieser Punkt in kurzer Zeit erledigt. Und das bei gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ebenso schnell wurde dann der Sessionplan erstellt, hier ist er:

cof

Das war dann meine erste Session, an der ich teilnehmen durfte:

Ausgangspunkt ist bei diesem Projekt eine Website, die einen Relaunch benötigt. Die Idee, hier nicht nur einfach die Seite zu erneuern, sondern sich mit Hilfe einer Content Strategy mit der Rolle des Bildungsnetzwerks Steiermark auseinanderzusetzen, ist in meinen Augen sehr klug.

Für mich stellte sich die Frage, ob eine Content Strategy der Komplexität dieser Aufgabe, nämlich als Bildungsnetzwerk Angebot und Nachfrage von Weiterbildung zu matchen, gerecht werden kann. Ich beschäftige mich zur Zeit sehr intensiv mit der Plattformökonomie und den verschiedenen dahinter stehenden Modellen. Wenn ich jetzt also den Relaunch angehe und dafür eine Content Strategy entwickle, muss ich irgendwann auch überlegen, ob ich einfach nur der Mittler bin oder noch andere Aufgaben damit verbinde? Ich kann als Bildungsnetzwerk vor der Aufgabe stehen, den Weiterbildungsanbietern dabei zu helfen, im Rahmen einer Content Strategy die richtigen Inhalte zu entwickeln, um eine größere Nachfrage zu erreichen. Ich kann aber als Bildungswerk auch vor der Aufgabe stehen, den Stellenwert von Weiterbildung insgesamt zu erhöhen. Vielleicht müssen auch alle Aufgaben gleichzeitig erledigt werden? Die Frage ist aber, ob ich darauf Antworten im Rahmen einer Content Strategy finde und wenn ja, wie?

Suchmaschinenoptimierung wird immer wichtiger

SEO war ein großes Thema beim #coscamp, ich fand die Sessions für mich sehr hilfreich. Schwierig ist es, dass viele Expertinnen und Experten unterschiedliche Standpunkte vertreten und sich dadurch Probleme nicht lösen lassen.

Los ging es mit Martin Höllinger und David Reisner:

Konkret stehe ich bei meinem Blog mit seinen mehr als 1.800 Beiträgen vor der Frage, ob ich alte und teilweise überflüssige Beiträge löschen oder aus dem Index herausnehmen soll. Lösche ich den Beitrag, möchte ich verhindern, dass jemand eine 404-Fehlermeldung erhält. Ich kann bewusst eine 410-Fehlermeldung setzen, ich kann aber auch auf einen anderen Beitrag umleiten. Muss man für jeden Beitrag einzeln entscheiden (ich fürchte, darauf läuft es hinaus), gibt es bestimmte Tendenzen oder gibt es einen Punkt, den ich bis jetzt noch gar nicht beachtet habe? An diesem Punkt zum Beispiel bin ich nicht weitergekommen. Aber es gab auch jede Menge guter Tipps, etwa den Hinweis auf die Bedeutung der Google Search Console.

Ja die Kunden…

Melanie Kröpfl zeigte dann in der nächsten Sessionrunde, wie man mit Hilfe von Facebook-Ads Leads gewinnen kann. Ich fand das sehr spannend, weil das Potenzial von Anzeigen auf Facebook sehr groß ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sich viele Unternehmen, Kultureinrichtungen, etc. schwer tun, organisch die gewünschte Reichweite zu erzielen. Der Vortrag machte aber auch deutlich, dass man, so man auf diese Weise weiterkommen will, schon eher klotzen als kleckern sollte. Sonst lohnt sich der Aufwand nicht.

Danach ging es dann gruppentherapeutisch weiter. Ok, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber in der Session „Pimp your (Online) Marketing“ begannen plötzlich alle darüber zu klagen, dass Kunden nicht verstehen, wie wichtig die diversen Onlinemarketing-Aktivitäten sind und dass Agenturen oft falsche Versprechungen machen.

Irgendwann ging es dann um die Frage, was man denn dagegen machen könne und da wurde es wieder interessant. Der wohl wichtigste Punkt ist Bildung (inklusive Weiterbildung)! Das Rad dreht sich, was die technologischen Entwicklungen angeht, immer schneller. Aber viele Universitäten sind jetzt gerade soweit, dass sie Social Media in die Lehrpläne aufnehmen. Meine Meinung dazu: Entweder ändert sich das recht bald oder die Unis werden den Aufstieg von Onlinekursanbietern wie Udemy, Coursera, etc. erleben und darunter ziemlich leiden.

Und jetzt komme ich zur Blogparade

Aber es macht keinen Sinn, sich nur über die anderen aufzuregen. Ich habe gestern nach Webseiten gesucht, die sich mit dem Thema Content Strategy beschäftigen. Ich habe auch nach Blogs gesucht. Gut, im englischsprachigen Raum findet man da etliche interessante und lesenswerte Blogs. Aber im deutschsprachigen Raum schaut es traurig aus.

Warum gibt es so wenige Blogs, die sich mit Content Strategy beschäftigen? Es wäre so leicht, dieses Thema zu besetzen. Wäre das nicht eine Möglichkeit, Kunden und alle anderen, die sich dafür interessieren, davon zu überzeugen, wie wichtig eine Content Strategy ist?

Katrin Hilger hat vor ein paar Tagen zu einer Blogparade aufgerufen, bei der es um Wertschätzung für Blogs geht. Sie schreibt:

„(.) Blogs sind nachhaltig. auch nach Jahren sind gut verschlagwortete Artikel auffindbar und bleiben relevant. Sie sind nicht so schnell konsumierbar wie ein Foto, das gesehen wird, Like drunter, fertig. Blogs müssen gelesen werden. Aber ihr Angebot, ihre Tipps bleiben auch nachhaltig im Netz.“

Ich glaube, das Thema Content Strategy braucht Blogs und zwar jede Menge Blogs. Wenn ich mir anschaue, wieviele Blogs sich aktuell mit dem Thema SEO beschäftigen, frage ich mich, warum es nicht wenigstens halb so viel Blogs gibt, die sich auf das Thema Content Strategy konzentrieren und es weiter entwickeln. Die darüber schreiben, was das ist, warum es so wichtig ist und wie man das Thema angeht. Vermutlich würde man, wenn man konsequent bloggen würde, ziemlich bald die entsprechende Wertschätzung erfahren und den Aufwand, den man betreibt, direkt oder indirekt monetarisieren können (wohl eher indirekt, vermute ich).

Wertschätzung erhält man, wenn man selbst wertschätzt, was man macht

Ich habe vor 11 Jahren einen Blogbeitrag geschrieben, indem ich der Frage nachgegangen bin, wann man mit einem Blog erfolgreich ist und ob es sich lohnt zu bloggen? Darin habe ich ziemlich genau durchgerechnet, wie groß der finanzielle Aufwand (aus damaliger Sicht) ist und wie sich das rechnen kann. Lohnt es sich finanziell, erfahre ich die entsprechende Wertschätzung, das Problem ist gelöst.

Wie komme ich aber an diesen Punkt, dass ich die (finanzielle) Wertschätzung erfahre? Ich denke, man muss zuerst selbst die eigene Arbeit wertschätzen und entsprechend konsequent am Ball bleiben.

Blogs sind aber auch, und damit komme ich wieder zum #coscamp zurück, wichtig, wenn es darum geht, Barcamps zu dokumentieren. Bei 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern müssten sich nur 10 bis 20% von ihnen an die Barcampregel Nummer zwei halten, die lautet: „You do blog about Barcamp“. So könnte man noch lange und ausgiebig im Netz die Inhalte dieses Barcamps nachlesen und sie auch diskutieren, so die Kommentarfunktion freigeschaltet ist. Kommt es im Kommentarbereich zu Diskussionen, ist das auch eine Art von Wertschätzung, die früher selbstverständlich war, über die sich aber auch heute jede Bloggerin und jeder Blogger freuen werden.

Dann war da noch das Häferl

Ein Häferl ist, für alle, die es nicht wissen, eine Kaffeeschale oder auch einfach nur eine größere Tasse, ein Becher. So ein Häferl wurde von Stefan Evertz als Preis ausgeschrieben. Gewinnen sollte ihn, wer am fleißigsten über das #coscamp twittert. Der glückliche Gewinner war ich, hier ist das gute Stück zu bewundern.

Die Idee mit dem Preis finde ich witzig und ich sage danke dafür! Ich muss aber zugeben, ich hatte einen Startvorteil. Ich habe schon im Zug begonnen zu twittern und der fuhr bereits um 7 Uhr los. Das sind ca. drei Stunden Vorsprung. ;-)

Wenn Sie jetzt Lust bekommen haben, ein eigenes Blog zu starten, fangen Sie einfach damit an. Ein Blog ist schnell eingerichtet und wenn Sie Angst davor haben, bei den ersten Beiträgen Unsinn zu schreiben, stellen Sie die Seite einfach erst mal auf privat. Dann sehen nur Sie, was Sie verfasst haben. Das schreibe ich jetzt aber nicht für all die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Lehrgangs in Graz, die wissen sehr genau, was und wie sie über Content Strategy schreiben können. Ich würde es toll finden, wenn da in den nächsten Wochen und Monaten das eine oder andere Blog online geht.

Am Ende dieses Beitrags sage ich danke an all diejenigen, die das Barcamp in Graz organisiert haben. Ich sage danke an Katrin Hilger für die Organisation der Blogparade. Und bei Stefan Evertz habe ich mich schon bedankt. Bleibt nur noch ein allerletzter Punkt: Falls Sie jetzt Lust auf ein Barcamp bekommen haben. Am 2. Juli findet in Wien im Volkskundemuseum das stARTcamp statt.

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Ein neuer Master-Studiengang Internationales Kulturmanagement

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Foto von Olu Eletu auf Unsplash

Die Leuphana Universität Lüneburg und das Goethe-Institut bieten gemeinsam ab Herbst einen neuen Studiengang an. Nach drei oder vier Semestern kann man in einer Mischung aus Präsenzveranstaltung und Online-Learning einen Mastertitel in internationalem Kulturmanagement erwerben.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den von den beiden Institutionen entwickelten Mentored Open Online Course (MOOC) „Managing The Arts“, an dem sich 2015 und 2016 mehr als 24.000 TeilnehmerInnen aus 175 Ländern beteiligten, wie man auf der Seite des Goethe-Instituts nachlesen kann (dort kann man sich übrigens auch noch die Videos der Impulsvorträge anschauen).

Nun folgt also ein (englischsprachiges) Studienangebot, dass sich auch an TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt richtet und vermutlich – zumindest teilweise – auf den Erfahrungen des MOOC aufbaut. Interessant ist sicher das erste Modul (hier die Liste sämtlicher Module), in dem es unter anderem um „methods for analysing markets & building strategies“ geht. Wem die Beschreibung des Lehrgangs im Moment noch etwas zu schwammig ist, erfährt hoffentlich mehr bei einer Online-Informationsveranstaltung am 18. April.

Die Kosten für die dreisemestrige Variante betragen 6.900 Euro, für vier Semester sind 8.900 Euro zu zahlen. Hinzu kommen noch  200 Euro Gebühren pro Semester. Die Bewerbungsfrist endet am 31. Juli 2018, los geht es dann im Oktober.

Noch mehr Infos zum Kulturmanagement Masterstudium gibt es im Infofolder.

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stARTcamp München: Von Apps und Brezeln

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Bild: Brezel„; von Tnarik Innael (CC BY-SA 2.0) auf Flickr

Ein wenig habe ich sie ja schon beneidet, die Claudia Wagner. Fährt vom stARTcamp in München nach Hause und zack, hat sie darüber gebloggt, von A bis Z. Danke, dass ich darin auch vorkomme, zum vermutlich ersten Mal in meinem Leben unter Z. Aber ich bin nicht nur später dran als Claudia, ich schaffe auch, fürchte ich, nicht alle Buchstaben. Und in die richtige Reihenfolge bekomme ich die Buchstaben auch nicht.

Ich muss mit B anfangen. B wie Brezel. So fängt bei mir jeder Münchenbesuch an: Raus aus dem Zug, Butterbrezeln kaufen und dann kann es losgehen. In dem Fall bin ich bei strahlendem Sonnenschein Richtung Literaturhaus spaziert und erwartungsvoll hinauf in den dritten Stock gestiegen. Leider habe ich die musikalische Eröffnung verpasst, aber für Vorstellungsrunde und Sessionplanung hat es zum Glück gereicht.

Die Idee, dass alle selbst bestimmen, wann und wo ihre Session stattfindet, hat mir gut gefallen. Und sie hat wunderbar funktioniert, hier ist das Ergebnis:

Sessionplanung #scmuc15

Los ging es gleich mit dem Thema, das derzeit wohl sehr viele Kultureinrichtungen beschäftigt. Apps sind hip und so spielen vor allem immer mehr Museen mit dem Gedanken, auch eine anzubieten. Allerdings haben die keine eingebaute Erfolgsgarantie und deshalb war es gut, dass wir in der ersten Session gleich über Beispiele sprachen, bei denen die App wohl nicht die Erwartungen erfüllt hat. Der Fehler, der wohl am häufigsten passiert: Wir fangen mit dem technischen Schnickschnack an, den eine App mir bietet. Das Ergebnis ist meist dürftig, auch bei Apps gilt, was Mirko Lange vor einiger Zeit in Richtung Social Media geschrieben hat: „Wir müssen aufhören, vom Kanal her zu denken.“ Eigentlich ist es ja auch logisch, erst kommt die Story, dann baue ich das (Story)-Board.

Die Frage, was eine gute App ausmacht, haben wir sehr intensiv diskutiert. Auf der einen Seite bildet sie die Inhalte einer Ausstellung ab, um im Museumsbereich zu bleiben. Da eine App ja meist vor Ausstellungsbeginn angeboten wird, lässt sich zum Beispiel die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema in der App abbilden. Hier wären die KuratorInnen gefragt, die frühzeitig Material zu Verfügung stellen oder einen öffentlichen Diskussionsprozess in Gang setzen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, auf die Bedürfnisse der UserInnen einzugehen, Stichwort Customer Experience. Die App ist ja für sie da, nicht für das Museum.

In der nächsten Session hätte ein Streitgespräch folgen sollen, um der Frage nachzugehen, ob Kampagnen wie #myRembrandt banal sind, nur ein paar Insider auf Twitter erreichen und damit eigentlich sinnlos sind. Aber daraus wurde nichts, wir befanden uns wohl in der Blase oder noch schlimmer:

Eine Antwort darauf hatte jemand, der gar nicht beim stARTcamp in München dabei war. Für seinen Artikel in der ZEIT „Stoppt die Banalisierung!“ wurde er heftigst kritisiert, aber in einem sehr ausführlichen Kommentar auf Tanja Praskes Blog beschreibt er, welche Rolle den sozialen Medien in er Kunstvermittlung zukommt. Ich habe es schon auf Facebook gepostet, werde es aber sicher noch einige Male wiederholen: Diesen Kommentar sollte sich jedes Museum ausdrucken und an seine MitarbeiterInnen verteilen. Ullrich beschreibt exakt den Rahmen, in dem Kunstvermittlung heute stattfindet beziehungsweise stattfinden sollte.

Danach Mittagessen, wie immer sehr lecker… ;-)

Mittagessen #scmuc15

Die nächste Session war für mich eine Art Überraschungspaket. Philipp Göllner stellte eine von ihm selbst entwickelte Software vor, mit der die Seidlvilla in München ihren Workflow ganz entscheidend optimiert hat. Da ihre Abläufe stark standardisiert sind, macht das natürlich Sinn. Aber die Software kann mehr, zum Beispiel automatisiert die Veranstaltungen in bestimmte Online-Veranstaltungskalender eintragen. Im nächsten Schritt sollen damit dann auch automatisch Facebookevents angelegt werden können. Spätestens an diesem Punkt werden etliche Kultureinrichtungen die Ohren spitzen.

Über die beiden folgenden Sessions, die ich besucht habe, muss ich nicht viel Worte verlieren, sie sind im Internet bereits gut dokumentiert. Da ist zum einen Peter Soemers, der sich mit den dänischen Museen im Social Web beschäftigte und Tanja Praske, die über die Entstehung der Schlosspark Nymphenburg App berichtete (Link1, Link2).

Fazit: Es war eine tolle Veranstaltung, die die Kulturkonsorten in dieser tollen Location organisiert haben, danke dafür! Und auch wenn es so aussieht, dass wir alle immer nur auf unsere Smartphones geschaut haben, die Fotos von Katrin Dengler und Alois Wieshuber zeigen, dass wir viel Spaß miteinander hatten und auch miteinander reden können. ;-)

 

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Treffpunkt KulturManagement: Geschichte(n) digital vermitteln

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Die Zeiten, in denen ein Buch nur gelesen werden konnte, sind schon seit einiger Zeit vorbei. Reich bebilderte Kinderlesebücher etwa erfahren eine audiodigitale Erweiterung und Romane beschränken sich im eBookformat längst nicht mehr auf den reinen Text, sondern erlauben zum Beispiel das Abspielen von Videos. Verlage, die noch einen Schritt weiter gehen möchten, setzen nicht nur auf Audio oder Video, sondern erweitern ihre Bücher mit Hilfe von Augmented Reality in den virtuellen Raum.

Auch für den Bildungsbereich ist das eine spannende Entwicklung, denn auf diese Weise lassen sich Lerninhalte sehr viel interessanter gestalten. Während ich in meiner Schulzeit noch froh über jede bunte Abbildung war und außerdem an den Büchern schwer zu tragen hatte, gibt es da heute elegantere Lösungen. So hat etwa das Institut für digitales Lernen an der Universität Eichstätt die multimediale eBook-App „Geschichte denken statt pauken“ entwickelt, die zeigen soll, dass Lernen auch Spaß machen kann.

Das sogenannte mBook ist digital-multimedial konzipiert und setzt unter anderem auf Videos, Animationen, Audios und interaktive Elemente. Es lässt sich individuell gestalten und mit Notizen und Markierungen versehen. Ein weiterer Pluspunkt: Das Geschichtsbuch muss am Ende des Schuljahres nicht mehr abgegeben werden. Mit dem mBook geht das Institut für digitales Lernen auf der Ebene des Schulbuchs „einen ersten Schritt in eine individuellere, kompetenzorientierte und nicht zuletzt freudvollere Lernzukunft, in der intelligentes Wissen erworben und Kompetenzen gezielt gefördert werden“, wie es in einer Presseaussendung heißt.

Das Konzept, mit einem solchen eBook anspruchsvolle Inhalte aufzubereiten und den individuellen Lernerfolg ins Zentrum zu stellen, lässt sich aber natürlich über das Klassenzimmer und das Fach Geschichte hinaus auf jedes Thema und jede Art von bildender Einrichtung übertragen – auch auf die Kultur. Und so haben wir Florian Sochatzy vom Institut für Digitales Lernen zum nächsten Treffpunkt KulturManagement eingeladen, der am 18. Februar um 9 Uhr stattfindet. Sochatzy beschäftigte sich schon während seiner Studienzeit mit geschichtskulturellen Themen, musealen Inszenierungen, Gedächtnis und Erinnerung und dem Geschichtsunterricht. Seit 2008 ist sein Schwerpunkt der Umgang mit Geschichte in der Gesellschaft, wobei vor allem die medialen Rezeptionen im Zentrum stehen.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 18. Februar, um 09 Uhr einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 18. Februar dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden. Ich freue mich, wenn Sie dabei sind.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 18.02.2015 von 09:00 bis 10:00
Thema: Geschichte(n) digital vermitteln
Gast: Florian Sochatzy (Institut für digitales Lernen/Universität Eichstätt)

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Blogparade von Stefan Evertz: Mein erstes Barcamp

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stARTcamp Essen
© Frank Tentler

„Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort gilt auch für das stARTcamp in Essen. Was hier auf dem Bild so nett und gemütlich aussieht, ist nichts anderes als die Sessionplanung. Obwohl wir ungewöhnlich früh beginnen wollten, war einfach noch niemand da, der uns das Unperfekthaus aufsperren konnte. Und so begannen wir einfach mitten in der Fußgängerzone, das Programm für diesen Tag zu gestalten.

Dieser Tag ist übrigens leicht zu merken, FussballkennerInnen verbinden mit dem 3. Juli 2010 das Spiel der Fussballweltmeisterschaft Argentinien gegen Deutschland, das wir uns am Ende gemeinsam anschauten.

Warum ich das erzähle? Stefan Evertz hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem er nach dem ersten Barcamp fragt. Zwei Gründe sind es, die mich dazu motiviert haben, mich daran zu beteiligen. Der erste  hat mit dieser terminlichen Überschneidung von Fussball und stARTcamp zu tun. Fussballweltmeisterschaft, das ist ein Ereignis, das zwar nicht gestern stattgefunden hat, aber es liegt noch nicht sooo lange zurück, zumindest für mich. Schließlich hat es seitdem keine weitere Fussballweltmeisterschaft mehr gegeben, die Qualifikation für die nächste wird gerade abgeschlossen. Denke ich aber an das stARTcamp, das ebenfalls an diesem Tag stattgefunden hat, so kommt mir das schon fast wie ein anderes Zeitalter vor. Und ich bin ja eher ein Späteinsteiger, die ersten Barcamps im deutschsprachigen Raum gingen schon vier Jahre früher über die Bühne. Für mich zeigt diese unterschiedliche Wahrnehmung, wie rasch sich das Social Web weiterentwickelt.

Der Begriff „über die Bühne gehen“ führt mich zu meinem zweiten Punkt führt. Ein Session in Essen ist mir besonders in Erinnerung geblieben und witzigerweise hat sie Stefan Evertz damals moderiert. Eine der BesucherInnen, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, machte genau das, was ein Barcamp gegenüber der klassischen Konferenz auszeichnet. Sie wollte nichts vortragen, sondern hatte eine Frage, die damals wohl viel beschäftigte: Wie schaffe ich es, meinen Chef von Social Media zu überzeugen?

Die Frage ist heute noch so aktuell wie damals, aber während es heute mehr darum geht, ob sich Social Media überhaupt lohnt, beschäftigten wir uns damals mehr mit den Ängsten und Befürchtungen. Für mich war diese Session eine Art Initialzündung, denn sie zeigte mir, welches Potenzial im Barcamp-Format steckt. Während ich bei der klassischen Konferenz darauf hoffen muss, dass meine Bedürfnisse abgedeckt werden, habe ich es bei einem Barcamp in der eigenen Hand. Ich kann meine eigene Session vorschlagen und mich mit denen austauschen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigen wollen. Die Möglichkeit, sich inhaltlich auszutauschen und gleichzeitig interessante Menschen (wieder) zu treffen, hat mich mittlerweile mehr als zehn Barcamps besuchen lassen. Und ich habe vor knapp zwei Monaten zusammen mit der Kunsthalle Wien erstmals selbst ein Barcamp organisiert.

Stefan Evertz hat uns aber nicht nur aufgefordert, über unser erste Barcamp zu berichten, sondern auch die Frage zu beantworten, ob wir anderen den Besuch eines Barcamps empfehlen würden und wenn ja, warum. Mit dieser Frage müssen sich vor allem die beschäftigen, die ein Barcamp planen, denn vielen ist das Format einfach noch nicht bekannt und so kommen schon Zweifel auf, was man denn dort solle, wo es doch noch nicht einmal ein festes Programm gebe. So fand ich unter einem Facebookposting, in dem ich auf das stARTcamp hinwies, diesen Kommentar:

„Zum besseren Verständnis: Man hat keine Ahnung, worum es gehen wird und meldet sich ‚auf Verdacht‘ an, dass schon irgendetwas Interessantes herauskommen wird?“

Ich bin darauf schon in einem eigenen Beitrag auf dem stARTconference-Blog ausführlich eingegangen, deshalb möchte ich nur den wichtigsten Punkt herausgreifen. Der Erfolg eines Barcamps hängt – im Unterschied zu vielen anderen Formaten – vor allem von mir selbst, meinen Erwartungen und meinem Engagement ab. Wer an einem Barcamp teilnimmt, ist nicht Konsument, sondern ein wichtiger Baustein im Gesamtgefüge. Das geht schon bei der Vorstellungsrunde los und endet oft erst dann, wenn man in einem Blogbeitrag die Veranstaltung Revue passieren lässt. Wenn alle nur darauf warten, dass etwas passiert, dann wird das Barcamp ein Misserfolg. Wenn sich aber alle darauf einlassen, dann ist so ein Barcamp eine irrsinnig motivierende Geschichte, an deren Ende viele zwar erschöpft, aber auch zum Teil euphorisiert sind.

Das ist nämlich ein weiterer Pluspunkt dieses Formats: Viele sind anfangs sehr zurückhaltend, merken aber recht schnell, dass es nicht weh tut, sich einzubringen. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß und bringt einem enorm viel. Neues Wissen, neue Freunde.

Mein Wunsch ist es deshalb, Barcamps auch in Bereichen auszuprobieren, in denen es sie bis jetzt noch nicht gibt. Warum kann nicht ein Kulturbetrieb dieses Format wählen, um mit seinen BesucherInnen ins Gespräch zu kommen? Ein Architekturmuseum kann sich mit der regionalen Architektur beschäftigen, die Oper mit Wagner, das Theater mit zeitgenössischen TheaterautorInnen. Für mich ist das eine spannende Frage, ob es gelingt, das „Publikum“ auf diese Weise aktiv einzubinden und ich bin gespannt, wer sich zuerst auf dieses Experiment einlässt.

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Das Archiv des Treffpunkt KulturManagement

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Archiv
© Henrik G. Vogel / Pixelio

Immer wieder mal werde ich nach Präsentationen vom Treffpunkt KulturManagement gefragt und bekomme dann sehr positive Rückmeldungen, wenn ich darauf hinweise, dass wir bis jetzt alle 35 Folgen dieses Online-Events aufgezeichnet haben. Zugegeben, manchmal ist die Qualität nicht wirklich berauschend, aber die meisten kann man sich durchaus anschauen.

Am 1. Oktober 2008 zusammen mit David Röthler als Online-Frühstück und noch ohne Aufzeichnung gestartet, hieß diese Online-Veranstaltung ab Mai 2010 in Kooperation mit Kulturmanagement Network und der stARTconference Treffpunkt KulturManagement. In den vergangenen drei Jahren haben wir von zwei Ausnahmen abgesehen, Monat für Monat ein Thema aus dem Bereich Kulturmanagement behandelt.

Mir gefällt dieses Format, bietet es doch die Möglichkeit, Inhalte in sehr konzentrierter Form zu besprechen. Natürlich ist es häufig von Vorteil, wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, aber als Einführung in ein Thema eignet sich der Treffpunkt KulturManagement in meinen Augen ganz gut.

Wenn Sie in die alten Ausgaben reinschauen wollen, können Sie unser Wiki als Ausgangspunkt für Ihre Reise in die Vergangenheit nehmen. Dort finden Sie die Links zu allen Aufzeichnungen, die Sie ohne irgendeine Software in Ihrem Browser anschauen können. Ich selbst schaue auch immer wieder mal rein und finde es spannend zu sehen, wie sich der Treffpunkt über die Jahre entwickelt und verändert hat.

Der nächste Treffpunkt KulturManagement findet übrigens am 26. Juni um 9:00 statt, Dagmar Wittmann wird das Thema „Online-Werbung mit Google AdWords“ vorstellen und erklären, was das ist und wie dieses PPC-Verfahren funktioniert. Falls Sie zukünftige Veranstaltungen nicht verpassen wollen, schauen Sie einfach auf unsere Facebookseite oder beachten Sie auf Twitter den Hashtag #kmtreff. Auf beiden Kanälen – oder auch hier – bekommen Sie rechtzeitig den Link, über den Sie am Treffpunkt KulturManagement – kostenlos – teilnehmen können. Ich freue mich, wenn Sie beim nächsten Mal dabei sind.

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„Ruhratlas Kulturelle Bildung“: Von der Quantität zur Qualität

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Ruhratlas Kulturelle Bildung

Mit dem Themencluster „Kulturelle Bildung“ möchte die Stiftung Mercator den Stellenwert kultureller Bildung in Deutschland erhöhen. Zwar nehme Bildung, so heißt es dort, eine wichtige Rolle ein, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten, der Wert kultureller Bildung werde aber häufig noch unterschätzt. Zwar wissen wir, dass Kunst und Kultur Motoren gesellschaftlicher Entwicklung sein können, aber erst so allmählich tauchen Studien auf, die nicht nur deren Relevanz bezeugen, sondern auch Weg aufzeigen, welches Entwicklungspotenzial in diesem Bereich steckt.

Die Anfang des Jahres vom Zentrum für Kulturforschung erstellte und von der Stiftung Mercator herausgegebene Studie „mapping//kulturelle bildung“ (PDF, 17,5 MB) liefert eine Art Bestandsaufnahme, in dem sie erfasst, „welche Akteure an kulturellen Bildungsprozessen für Kinder und Jugendliche auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene beteiligt sind“, wobei sie sich aber auf die vier Bundesländer Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen konzentriert. Auf dieser Basis lassen sich nun datengestützte Aussagen über erfolgreiche Strukturmodelle machen, mit deren Hilfe es gelingen soll, Kunst und Kultur stärker im Bildungssystem zu verankern.

In der Zusammenfassung ist von „viele(n) weiße(n) Flecken auf der statistischen Landkarte“ die Rede, genannt werden unter anderem die Kirchen und Rundfunkanstalten. Aber auch bei den öffentlich finanzierten kulturellen Bildungsangeboten fehle es häufig an Daten, was unter anderem mit dem ressortübergreifenden Charakter der Angebote zu tun hat, so die Studie. Aber auch die Frage, was überhaupt als kulturelles Bildungsangebot durchgeht und was nicht, lässt sich oft nicht beantworten, kritisiert wird in der Studie daher der fehlende „Mut zur Eingrenzung des Themenfelds Kulturelle Bildung für statistische Zwecke“.

Einige dieser Lücken zu schließen, das ist das Ziel des von Educult erstellten „Ruhratlas Kulturelle Bildung“ (PDF, 1,4 MB), der ebenfalls und fast zeitgleich von der Stiftung Mercator herausgegeben worden ist. An Hand von zwölf Beispielen brechen die AutorInnen Tanja Nagel, Anke Schad und Michael Wimmer das Thema bis auf die lokale Ebene herunter. Ausgehend von den zwei Fragen, was Qualität im Zusammenhang mit kultureller Bildung überhaupt bedeute und welcher Rahmenbedingungen es bedarf, um diese Qualität zu erzeugen, arbeiten sie anhand der Beispiele das weite Feld der kulturellen Bildung ab.

Partizipation als Qualitätsmerkmal

Nicht ganz überraschend zeigt sich auch in dieser Studie, dass kulturelle Bildung dann besonders erfolgreich ist, „wenn die Kinder und Jugendlichen möglichst aktiv in alle Prozessphasen eingebunden sind“ (S.76). Kunst und Kultur, daran nehmen viele Kinder und Jugendliche ihren eigenen Aussagen nach gar nicht teil. „Kultur ist wichtig, hat aber nichts mit meinem eigenen Leben zu tun“, bringt ein Zitat Birgit Mandels die Sichtweise dieser Zielgruppe wohl recht treffend auf den Punkt. Ein Ziel kultureller Bildungsaktivitäten sei es daher, heißt es in der Studie, die Teilhabe der Kinder und Jugendlichen an kulturellen Angeboten zu erhöhen. Während also für viele das „Dabeisein“ schon als Erfolg gilt, legen andere die Latte ungleich höher und fordern Partizipation als Qualitätsmerkmal für die kulturelle Bildung ein.

Die AutorInnen weisen darauf hin, dass es dabei unterschiedlich hohe Intensitätsgrade gibt und es natürlich auch von den Rahmenbedingungen abhängt, ob ein Austausch auf Augenhöhe möglich beziehungsweise erwünscht ist (siehe dazu auch mein Blogpost „Partizipation: wie das Publikum in das eigene Projekt einbinden„). Meist werden Formate gewählt, bei denen Interaktion nur eingeschränkt möglich ist, es ist den Kindern und Jugendlichen also nicht möglich, hier selbst Verantwortung zu übernehmen.

Wichtig sei es vor allem, Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der jungen Leute zu finden, fordern die AutorInnen. „Nur wenn Kunst und Kultur auch mit ihnen etwas zu tun haben, kann kulturelle Bildung erfolgreich sein“, diese Aussage ist in meinen Augen von zentraler Bedeutung. Dabei geht es aber nicht darum, sich anzubiedern, sondern authentisch zu bleiben und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Schön, dass im Zusammenhang mit dem Begriff der Partizipation auch auf die Bedeutung der digitalen Medien verwiesen wird. Vor allem YouTube und Facebook, aber auch Blogs werden als Kommunikationskanäle genannt, die hier von großer Bedeutung sind. Die an dieser Stelle angeführten Beispiele zeigen, dass der Schritt zur politischen Partizipation dann nicht mehr weit ist, denn, so die Schlussfolgerung der AutorInnen, es gehe darum, „nicht Inhalte und Fertigkeiten vermittelt zu bekommen, sondern sich diese selbst zu eigen und für das eigene Leben nutzbar zu machen“.

So positiv kulturelle Bildung gesehen wird und so erfolgreich viele Beispiele auch sein mögen. Angesichts der demografischen Entwicklungen und des finanziellen Drucks sehen die AutorInnen in der Ruhr-Region die Gefahr, dass viele Angebote nicht erhalten werden können. In der Studie wird aber nicht nur warnend der Zeigefinger gehoben, sondern es werden konkrete Empfehlungen (S. 93ff) formuliert. Sich mit diesen zu beschäftigen, lohnt sich, auch über das Ruhrgebiet hinaus, denn für die VerfasserInnen dieser Studie ist klar, dass das Ruhrgebiet mit seinen Entwicklungen exemplarisch für andere Regionen steht.

Siehe dazu:

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Treffpunkt KulturManagement am 19. Dezember: Didaktische Konzepte für das Online-Lernen

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© Günter Hommes ; Pixelio

Die Zeit solcher Schulen ist – hoffentlich – vorbei, selbst bei mir, dessen Schulzeit schon einige Jahre zurückliegt, sahen die Klassenzimmer etwas anders aus. Sie waren größer und heller, aber vorne standen, so wie in noch älteren Zeiten, die LehrerInnen und vermittelten uns die jeweiligen Lerninhalte. Oft bekamen wir auf diese Weise die Dinge erklärt und zogen dann nach Hause, um dort das – hoffentlich – Gelernte in Form von Hausaufgaben zu üben.

Dieses Prinzip dominiert unseren Aus- und Weiterbildungsbereich vermutlich heute noch, auf Wikipedia ist vom Anweisungsunterricht die Rede, die wie es dort heißt, „wahrscheinlich mit Abstand am häufigsten praktizierte Unterrichtsform im schulischen Unterrichtsalltag“. Sie entspreche meist keinem geplanten und reflektierten didaktischem Konzept und entstehe aus der Zeitnot der LehrerInnen, kann man auf Wikipedia weiter lesen.

Auch im Onlinebereich, z.B. bei Webinaren findet man diese Form der Wissensvermittlung und da sie hier oft ähnlich unbefriedigend ist wie in einem Klassenzimmer, stellt sich die Frage nach den Alternativen? Eine davon ist „Flipped Classroom“.

„Der Flipped Classroom (auch Inverted Classroom genannt) beschreibt ein Konzept des Unterrichtens mit Hilfe Neuer Medien, bei dem die Inhaltserschließung zu Hause und das Üben, Experimentieren und Analysieren in der Präsenzphase stattfinden“,

schreibt David Röthler in einem Blogbeitrag zu diesem Thema, in dem er mit „Lernen durch Lehren“ noch eine weitere Methode ins Spiel bringt, bei der die Lernenden sich den Stoff gegenseitig vermitteln. Wie genau diese Ansätze funktionieren, wird David Röthler beim nächsten Treffpunkt KulturManagement, der am 19. Dezember 2012 von 9 bis 10 Uhr stattfindet, genauer erklären.

Ich finde dieses Thema in zweierlei Hinsicht interessant. Einerseits interessiert es mich für meine (Offline- und Online)-Seminare und Workshops, aus denen ich des öfteren hinausgehe und mir denke, dass es jetzt eigentlich richtig losgehen müsste. Aber leider ist an diesem Punkt meist Schluss und so werden viele Fragen nicht gestellt und beantwortet.

Andererseits interessiert mich aber auch die Frage, ob, und wenn ja, in welcher Form, sich Webinare für die Kunstvermittlung eignen? Sehr viele Kulturbetriebe, aber auch KünstlerInnen bieten Führungen an und liefern dort Informationen, die sich vielleicht schon vorab vermitteln ließen. Wer dann an einer Führung teilnimmt, hat einen ganz anderen Wissensstand und kann, vereinfacht gesagt, ganz andere Fragen stellen.

Ich freue mich deshalb sehr auf diesen Treffpunkt KulturManagement mit David Röthler, der sich als Jurist, Berater für Social Media und EU-finanzierte Projekte schon länger mit innovativen Modellen der Partizipation beschäftigt. Er ist langjähriger Referent und Lehrbeauftragter bei öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen und steht als Mitgründer und Geschäftsführer dem Beratungsunternehmens Projektkompetenz.eu voran. Wir beide und das Team von Kulturmanagement Network laden Sie ganz herzlich zu diesem 31. Treffpunkt KulturManagement ein, die Teilnahme ist kostenlos.

Über den Treffpunkt KulturManagement

Der Treffpunkt KulturManagement ist ein gemeinsames Onlineformat von Projektkompetenz.eu, Kulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist kostenlos, die Installation einer Software nicht notwendig. Es ist zwar kein Nachteil, wenn Sie über eine Webcam und ein Headset verfügen, aber da die Adobe Connect-Plattform, die wir für diese Veranstaltung nutzen, über einen gut funktionierenden Chat verfügt, reicht es, am Mittwoch, den 19. Dezember, einfach diesen Link anzuklicken und dabei zu sein.

Wenn Sie sich über die bisherigen Veranstaltungen informieren wollen, können Sie das in unserem Treffpunkt KulturManagement-Wiki tun, dort finden Sie die Aufzeichnungen der bisherigen Online-Veranstaltungen. Der Treffpunkt KulturManagement ist darüber hinaus auch auf Facebook vertreten und wenn Sie schon vorab wissen wollen, wer alles am 19. Dezember dabei sein wird, dann können Sie im bereits angelegten Event nachsehen und sich auch gleich selbst dort anmelden.

Hier noch einmal die wichtigsten Infos:

Treffpunkt KulturManagement
Termin: 19.12.2012 von 09:00 bis 10:00
Thema: Webinare & „Flipped Classroom“ als innovatives didaktisches Format
Gast: David Röthler

Zugang: http://proj.emea.acrobat.com/treffpunktkulturmanagement

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Nürnberg, (k)ein Reisebericht

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Als ich vor einigen Wochen von einer Agentur kontaktiert wurde, die mich nach Nürnberg einladen wollte, war ich überrascht, denn der Anlass war der 350. Geburtstag der dortigen Akademie der  bildenden Künste und eine damit verbundene Ausstellung im Neuen Museum, dem staatlichen Museum für Kunst und Design.

Eigentlich ist das ja nicht mein Metier, schließlich beschäftige ich mich eher mit den Dingen, die hinter den Kulissen stattfinden. Aber die Neugierde und die Aussicht, nach vielen Jahren mal wieder den Ort zu besuchen, in der ich während des Studiums einige Jahre gelebt habe, ließen mich zusagen und so machte ich mich auf den Weg in die Stadt, mit der die meisten Menschen Dürer, den Christkindlmarkt und den Nationalsozialismus verbinden.

Aber die Stadt hat natürlich mehr zu bieten und genau das wollte man uns nun in diesen knapp zwei Tagen zeigen, die, ich nehme es vorweg, perfekt organisiert waren und uns interessante und in die Tiefe gehende Gespräche ermöglichten. Da waren wir also, wir Blogger. Irgendwie war es für mich etwas merkwürdig, wenn wir, wohin wir auch kamen, als „die Blogger“ vorgestellt wurden. Das klang so nach „fremdem Wesen“, denen man aber mit viel Freundlichkeit und Offenheit begegnete, ohne genau zu wissen, was das Ergebnis dieser Begegnung sein würde.

Nürnberg beherbergt die älteste Akademie der bildenden Künste

Nachdem der „Bloggerkollege“ schon sehr ausführlich über unsere Erlebnisse berichtet hat, erlaube ich mir einige Punkte herauszuheben, die mich beeindruckt haben. Da ist erst einmal die Geschichte der  Akademie, die, 1661/62 gegründet, die älteste Akademie im deutschsprachigen Raum ist und auf eine sehr wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Was als Akademie begann erlebte im 19. Jahrhundert einen Unterbruch, denn König Ludwig I. wollte aus der Stadt das zukünftige Gewerbezentrum Bayerns machen, wie Charlotte Kranz-Michaelis in ihrem Beitrag für die Festschrift „“350“ berichtet. Da war es folgerichtig, dass die Akademie in eine Kunstgewerbeschule umgewidmet wurde.

Mit ein Grund war des Königs Ansicht, die Akademie in München würde bereits genügend Maler ausbilden. Und noch einen Grund erwähnt Kranz-Michaelis: „Die Fortdauer eigener Akademien  in den Provinzen ist […] aus dem wichtigen Grunde untersagt, weil es diesen Instituten in der Entfernung von großen Galerien […] auch bei den bestbesetzten Lehrstühlen […] doch notwendig an den Voraussetzungen ihres Gedeihens fehlt,“ zitiert sie aus einer Ministerialentschließung von 1833.

Ein interessantes Argument, das, so mein Eindruck, der aus den Gesprächen dieser zwei Tage resultiert, auch heute nicht ganz von der Hand zu weisen ist. In der Stadt mit seinen rund 500.000 Einwohnern gebe es, so den Grundtenor, viel zu wenige Galerien, die sich der zeitgenössischen Kunst widmen.

Aber zurück zur – spannenden – Geschichte der Akademie, die mehr als einhundert Jahre als Kunstgewerbeschule Handwerk und Kunst einander verband und das durchaus erfolgreich, denn  „auf zahlreichen Ausstellungen bis hin zu den großen Weltausstellungen  von 1867 in Paris und 1873 in Wien (…) war die Schule mit ihren besten Arbeiten vertreten und erhielt aufgrund von hoher Qualität und eines eigenen, in der zeitgenössischen Rezeption sogenannten malerischen Stils der Nürnberger Schule zahlreiche Preise und Auszeichnungen“ (Regina Landherr-Weichert: „Demokratisierung und Globalisierung – August von Krelin und die erste reine Kunstgewerbeschule Deutschlands“ (erschienen in „350“, Verlag für Moderne Kunst, 2012 S. 58).

Erst 1940 wurde aus der Kunstgewerbeschule wieder eine Akademie

Adolf Hitler war es, der 1940 die „Nürnberger Staatsschule für angewandte Kunst“ zur „Akademie der bildenden Künste in der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg“ erheben ließ. Dieser historische Meilenstein in der Geschichte der Akademie wurde lange totgeschwiegen, erst jetzt, anlässlich des Jubiläums widmete man sich dieser „kurzen, aber einschneidenden Epoche“, wie es Julia Lehner, Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, im Vorwort zu der Publikation „Geartete Kunst“ formulierte.

Diesen Tagungsband habe ich auf der Rückfahrt nach Wien gelesen und ich muss gestehen, ich war gefesselt von den Artikeln, die die Entwicklung der Akademie in dieser Zeit beschreiben und analysieren.

Erst fünf Jahre nach Kriegsende, die Akademie war 1943 nach Ellingen ausgelagert worden, beschloss der Stadtrat in Nürnberg den Neubau der Akademie. Den Wettbewerb gewann Sep Ruf, der vor allem als Architekt des Bonner Kanzlerbungalows berühmt geworden ist. „Obwohl  dem Bau aus der frühen Nachkriegszeit in ganz Deutschland kaum etwas Vergleichbares  an die Seite gestellt werden kann, ist die Akademie selbst in Fachkreisen immer noch nahezu unbekannt“, schreibt Irene Meister in ihrem Beitrag „Ein Hauptwerk der deutschen Nachkriegsarchitektur von Sep Ruf“ (erschienen in „350“, Verlag für Moderne Kunst, 2012, S. 127).

Abgeschieden und umgeben von Bäumen werden dort derzeit knapp 300 StudentInnen ausgebildet und vielleicht ist es ganz gut, dass so wenige von dieser Akademie wissen. Losgelöst von der Realität entsteht dort tagtäglich Kunst. Manche StudentInnen würden dort sogar wohnen, wurde uns  – natürlich inoffiziell – erzählt, was durchaus glaubwürdig erscheint, denn man, mit welcher Begeisterung hier gearbeitet wird. Während ich mir zu Beginn die Frage stellte, warum man nicht mehr Werbung für die Akademie macht, habe ich jetzt beim Schreiben dieses Blogposts schon fast Skrupel, zu viel darüber zu erzählen. Es ist eine sehr besondere Atmosphäre, die einerseits fasziniert, andererseits aber auch verwundert, wenn man bedenkt, dass nur die wenigsten hier den Sprung schaffen. Nur einer von hundert schafft den Sprung an die Spitze, meinte einer der Studenten. Und für diesen einen scheint die Akademie geschaffen. Aber was ist mit den anderen? Diese Frage habe ich mir einige Male gestellt. Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden.

Und dann gibt es da noch die Ausstellung, zu der das Neue Museum die Akademie der Bildenden Künste anlässlich ihres Geburtstags eingeladen hat.  In ihrem Vorwort erzählen Angelika Nollert, Direktorin des Museums und Ottmar Hörl, Präsident der Akademie, von einer Gemeinsamkeit, die beide Häuser miteinander verbindet. Beide zeichnen sich durch eine Architektur aus, „die mit ihren Wänden aus Glas hell und licht ist. Durch die Architektur der Akademie wird gleichsam die Kunst mit der sie umgebenden Natur verbunden, 50 Jahre später sucht das Neue Museum den direkten Kontakt zum urbanen Raum“, schreiben sie in ihrem Vorwort, das mit „Schaufenster zur Stadt“ überschrieben ist.

Die Ausstellung der Akademie in der Auslage

Daran lässt sich anknüpfen, denn die leicht gekrümmte Glasfassade des Museums gibt den Blick frei auf insgesamt sechs Fassadenräume, die die Meisterklassen der Akademie derzeit bespielen lassen. Wer auf dem Platz vor dem Haus steht, kann von draußen einen Blick hinein werfen und trifft dort auf sehr spannende Inhalte. Bei unserem Besuch waren die Aufbauarbeiten noch voll im Gang. Nur eine der Räume war bereits fertig eingerichtet und zeigte Bilder und Aufzeichnungen der beiden Voyager-Missionen zum Mars. Auch hier geht es um einen Raum, den größten aller Räume, den unendlichen Raum. Wie wir uns eines solchen Raumes zu bemächtigen versuchen, zeigt die Ausstellung. Wir füllen ihn mit unseren eigenen Vorstellungen, zum Ausdruck kommt das  in den Goldenen Schallplatten, die man den beiden Marssonden mitgab, falls sie auf Außerirdische treffen. Nicht nur die Inhalte dieser Datenplatte sind interessant und legen Zeugnis vergangener Jahrzehnte ab, auch die beiden Computerarbeitsplätze, von denen aus die beiden Sonden gesteuert werden, sind Relikte längst vergangener Jahrzehnte. Sie erinnern mich an meinen ersten Computer und auch der hätte manchmal das Hinweisschild „Bitte nicht berühren“ gebrauchen können, wenn ich wieder mal auf ihm herumprogrammierte und alles statt besser eher schlimmer machte. Ein paar Pressefotos zeigen, was ich noch nicht zu sehen bekam.

Abgesehen von dieser Ausstellung ist das Neue Museum ein spannendes Haus, in dem Kunst und Design gleichberechtigt ihren Platz gefunden haben. In dem es vor allem gelungen ist, die gesamte Technik hinter der Wand unterzubringen. Keine Leiste, kein Schalter stört, zu sehen sind „perfekte“ Räume.

Am Ende stieg ich voller Eindrücke wieder in den Zug. Und noch immer wusste ich nicht, warum ich jetzt eigentlich in Nürnberg gewesen bin. Doch halt, neben drei dicken Katalogen beschwerten auch ein paar Nürnberger Lebkuchen meine Tasche. ;-)

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CrowdfunderIn: Ein neuer Job?

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© Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / Pixelio

Wer in den Bereichen Kunst und Kultur tätig ist oder das beabsichtigt,  weiß, dass es gar nicht so einfach ist, einen Arbeitsplatz zu finden. In Zeiten leerer Kassen werden viele Stellen gestrichen, was vor allem für BerufseinsteigerInnen die Sache nicht einfach macht. Mit der steigenden Bedeutung von Social Media könnten sich aber neue Chancen für sie ergeben, denn in der digitalen Welt sind sie heimischer als die meisten lang gedienten MitarbeiterInnen in den Kultureinrichtungen.

Aber wie sieht das konkret aus? Entstehen hier ganz neue Jobs und lohnt es sich, sich mit Themen zu beschäftigen, die in den Universitäten teilweise noch gar nicht in den Lehrplänen zu finden sind? Ich habe Nina Riedel interviewt, die in Frankfurt (Oder) Kulturwissenschaften studiert und ihre Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfundingkampagnen im Kunst- und Kulturbereich geschrieben hat. Den Einstieg in das Berufsleben hat sie nun in Form eines Praktikums bei einer Filmproduktionsfirma gefunden, in der sie im Bereich Social Media tätig ist und darüber hinaus die Crowdfundingkamapagnen betreut.

Frage: Du hast in Frankfurt/oder Kulturwissenschaften studiert und deine Abschlussarbeit über Crowdfunding geschrieben. Ist das ein Hinweis dafür, dass so Themen wie Social Media oder Crowdfunding mittlerweile an den Universitäten angekommen sind? Oder warst Du eher die Ausnahme?

Nina Riedel: Im Bereich Kulturmanagement stellt sich immer wieder die Frage nach neuen, innovativen Möglichkeiten. Social Media ist in diesem Bereich gerade eines der wichtigsten Forschungsthemen, vor allem weil es omnipräsent ist und einen direkten Draht zu den Fans, Unterstützern, Konsumenten und Beteiligten herstellt. Die sich dort bildende Community hat viel Potential, nicht nur in kreativer Hinsicht, sondern auch in finanzieller – für Kulturmanager eine unerschöpfliche Quelle.  Das Thema Social Media wird an den Hochschulen mittlerweile gründlich analysiert und kritisch erforscht. Crowdfunding jedoch kommt an den Hochschulen gerade erst an. In der letzten Zeit mehren sich aber die Abschlussarbeiten und Seminare zu Crowdfunding-Themen. Eine richtige Ausnahme war ich also nicht mehr, aber eine der ersten an meiner Universität.

Frage:  Du bist jetzt für Social Media und Crowdfunding verantwortlich. War das Dein Berufswunsch oder hat sich das ergeben?

Nina Riedel: Sowohl als auch. Durch diverse Projekte die ich bereits gemacht habe, spielt das Thema Kulturfinanzierung eine große Rolle in meinem Alltag und Crowdfunding ist nicht nur eines der Instrumente zur Finanzierung, sondern macht auch noch Spaß. Insofern war das schon mein Berufswunsch. Die Social Media Aktivitäten haben sich allerdings durch das Crowdfunding erheblich ausgeweitet und haben sich wohl eher ergeben.

Frage: Du bist in den letzten Monaten sehr aktiv im Social Web gewesen und hast dadurch vermutlich nicht nur Sichtbarkeit gewonnen, sondern Dir auch ein gutes Netzwerk aufgebaut. Hat Dir das bei der Jobsuche geholfen?

Nina Riedel: Erstaunlicherweise hat mir die Sichtbarkeit und vor allem die teilweise publizierte Abschlussarbeit  im Netz mehr geholfen als etwaige Kontakte. Es war schon spannend zu sehen, wie sehr die theoretische Expertise im Crowdfunding mir Türen geöffnet hat und letztendlich dazu führte, dass ich jetzt mehrere Kampagnen betreue und bei weiteren Projekten mitkonzipiere.

Frage: Bleibt dieser Job hier eine einmalige Tätigkeit oder wirst Du in Kürze eine begehrte Crowdfundingexpertin sein, um die sich Firmen aus dem Kreativ- und Kulturbereich  reißen werden? Mit anderen Worten: Haben wir es hier mit einem neuen Job zu tun?

Nina Riedel:  Definitiv. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die beiden aktuellen Kampagnen nicht die einzigen bleiben werden.  Gerade für Musik und Film stellt Crowdfunding eine vielversprechende Möglichkeit der Finanzierung dar, die allerdings zeitaufwendig ist und viel Engagement benötigt. Zeit, die ein Künstler oder Kreativschaffender vielleicht nicht hat oder die ich mit meinen Kenntnissen der Tools und Plattformen vielleicht verkürzen kann. Vor allem Beratungen sind ein gutes Mittel, um vielen Projektstartern zu helfen. Komplett betreuen kann man aber sicherlich nur einige wenige Kampagnen gleichzeitig, da eine intensive Auseinandersetzung und Identifizierung mit dem Thema notwendig ist, damit man mir glaubt was ich poste/schreibe/sage.

Frage: Ihr schließt jetzt gleich die erste Kampagne ab, vermutlich erfolgreich, und habt gerade die zweite begonnen. Worum geht es in dem Film und wie habt Ihr die Kampagne konzipiert?

Nina Riedel:  In unserem Dokumentarfilm „The First Sea“ geht es um palästinensische Kinder aus dem Westbank Gebiet, die von israelischen Friedensaktivistinnen eingeladen werden, um in Israel das erste Mal in ihrem Leben das Meer zu sehen.  Obwohl Israel und Palästina von drei Meeren umgeben sind, ist es den Kindern im Westbank Gebiet in der Regel nicht möglich zu einem dieser Meere zu fahren. Sie können von ihrer Veranda aus das Meer sehen, aber einfach hinfahren können sie nicht. Das Leben der Kinder dort wird von Krieg und Konflikten beherrscht, die sie noch gar nicht verstehen können. Es geht um Frieden, Grenzen und die Magie der ersten Male.

Wir sind drei Outreach Koordinatorinnen, die in Absprache mit der Produzentin Sarita Sharma und der Regisseurin Clara Trischler, die Kampagne konzipieren und durchführen. Dadurch, dass wir die Postproduktion finanzieren wollen, haben wir bereits Bildmaterial, welches wir verwenden können. Dies macht es uns recht einfach die Inhalte unseres Filmes zu transportieren. Bei diversen Meetings haben wir die gesamte Kampagne konzipiert. Unter anderem haben wir die meisten Texte vorbereitet, die Gegenleistungen durchdacht und Kommunikationsstrategien entwickelt.  Wir arbeiten auf Konzeptebene eng zusammen, weil wir so das breiteste Spektrum an Meinungen und Ideen bekommen und schließlich soll „The First Sea“  möglichst viele Menschen begeistern und erreichen.

Frage: Du hast ja Deine Abschlussarbeit über die Erfolgsfaktoren von Crowdfunding geschrieben.  Im ersten Projekt hat das ganz gut geklappt, auf welche Erfolgsfaktoren setzt Du jetzt beim zweiten Projekt?

Nina Riedel: Da unsere Kampagne auf IndieGogo läuft, versuchen wir auch ein internationales Publikum anzusprechen.  Wir kommunizieren viel mit unseren Unterstützern und haben bereits ein ganz gutes Netzwerk. Vor allem durch spannende Hintergrundinfos, eine später online stehende, exklusive Gegenleistung  und viel Engagement wollen wir überzeugen. Unsere Kampagne findet man auf Facebook, Twitter und natürlich auf Indiegogo. Wir freuen uns über jede Unterstützung.

Frage: Und wie geht es weiter? Welche Projekte habt Ihr in der Pipeline?

Nina Riedel: Wir arbeiten hier bei Kinomaton Berlin zurzeit an vielen spannenden Projekten. In Zukunft werden auch einige Filme produziert, die transmedial erreicht werden. Zum Beispiel Baltic Warriors, ein Dokumentarfilm über Aktivistengruppen aus 6 Ländern die sich für die ökologische Situation der Ostsee einsetzen.  Weitere Filme laufen jetzt auf den Filmfestivals an oder sind in der Planungsphase.

Frage: Und zum Schluss: Würdest Du anderen empfehlen, sich wie Du auf so Themen wie Social Media, Crowdfunding oder Transmedia Storytelling zu konzentrieren?

Nina Riedel: Nicht jedes Projekt ist ein Crowdfunding-Projekt und auch nicht jedes Projekt kann den entscheidenden Erfolg in den Social Media Netzwerken generieren. Aber es lohnt sich definitiv die Möglichkeiten zu kennen und abschätzen zu können ob zum Beispiel Crowdfunding in Frage kommt. Ich finde gerade Kulturinstitutionen sollten sich diese Themen aneignen und ihre Arbeit innovativ und am Zeitgeist ausgerichtet konzipieren. Vor allem bei jungen Projekten oder jungen Zielgruppen kann transmedia Storytelling gut funktionieren und spannende Projekte hervorrufen. Und wer keine Zeit hat sich auf diese Themen zu konzentrieren, der kann mich gern kontaktieren. Ich helfe gern.

Danke für Deine Antworten!