All Posts Tagged ‘npo

Post

Fundraising: Neue Ideen haben es schwer

4 comments
Die U-Bahn-Station vor meiner Haustüre scheint für Fundraiser ein beliebter Ort zu sein. Oft werde ich dort von ihnen angesprochen, um mich davon zu überzeugen, sie und die Arbeit ihrer NGO finanziell zu unterstützen. Habe ich mir anfangs die Sprüche immer brav angehört, bin ich heute eher genervt und abweisend. Wer mir da was erzählen möchte, interessiert mich eigentlich gar nicht mehr. Eigentlich ist das schade, denn die Arbeit der NGOs ist  wichtig und verdient auch Unterstützung. Nur dieser Weg ist nicht der richtige, zumindest für mich nicht. Gibt es da wirklich keine besseren Ansätze als die Phrase „Grüß Gott der Herr, haben Sie 5 Minuten Zeit für … (hier kann man wahlweise Themen wie Umwelt, Kinder, Menschenrechte, etc. einsetzen)?“ Diese Situationen fielen mir ein, als ich vom Österreichischen Fundraising Verband zu seiner 3. Fachtagung für Kulturfundraising und -sponsoring eingeladen wurde. Man bat mich, einen Vortrag darüber zu halten, wie das Neue in die Welt kommt, in diesem Fall in die Fundraising-Welt. Aber warum braucht Fundraising überhaupt etwas Neues? Bei meiner Recherche stieß ich im Critical Fundraising Blog auf den Beitrag „Share and share alike – until we’re all doing exactly the same thing“ von Joe Jenkins. Er konstatiert darin, dass im NGO-Bereich die Bereitschaft, Dinge zu teilen und mit anderen zusammen zu arbeiten, außergewöhnlich hoch sei. So toll das auch sei, dies führe dazu, so Jenkins weiter, dass alle NGOs gleich kommunizieren:
„To the rest of the world we mostly look, act, and appear to be the same.“
Eine mögliche Lösung dieses Problems besteht für ihn darin, mit Hilfe von Kreativität und Innovation Unterscheidungsmerkmale zu schaffen. Bei der Lektüre dieses Blogbeitrags fielen mir wieder die Fundraiser an der U-Bahn-Station ein. Wir beide sind der Ansicht, dass die Kommunikation immer nach dem gleichen Muster funktioniert, nur hat Jenkins das natürlich etwas profunder formuliert als ich das kann. Auf die Frage, wie das Neue in die Welt kommt, habe ich eigentlich zwei Antworten gefunden: Auf der einen Seite gibt es da das Neue, auf das wir nur sehr wenig Einfluß haben. Auf der gesellschaftlichen Ebene sind das Treiber wie
  • der demografische Wandel,
  • die Globalisierung,
  • die Digitalisierung und
  • der Wertewandel.
Auf der organisatorischen Ebene ist die Digitalisierung ebenfalls ein ganz wichtiger Treiber. Aber auch neue Managementansätze und -modelle verändern die Welt der Unternehmen und Organisationen. Basierend auf der Arbeit des amerikanischen Psychologieprofessors Clare W. Graves entwickelten Martina Bär-Sieber, Rainer Krumm und Hartmut Wiehle in ihrem Buch „Unternehmen verstehen, verändern, gestalten“ (Affiliate Link) ihren Ansatz für Unternehmen, in dem sie deren evolutionäre Entwicklung beschreiben. In eine ähnliche Richtung geht Frederic Laloux in seinem Buch „Reinventing Organisations“ (Affiliate Link), der darin zeigt, wie sich Unternehmen vom tribal impulsiven Organisationstyp in Richtung einer integral evolutionären Organisation entwickeln. Aber natürlich haben wir es auch selbst in der Hand, Neues zu schaffen. Mir ist in diesem Zusammenhang Professor Peter Kruse eingefallen, der sich immer wieder mit der Frage beschäftigt hat, welche Voraussetzungen es braucht, um kreativ beziehungsweise innovativ sein zu können. Zwei Dinge braucht es seiner Ansicht nach dafür:
  • Diversity, weil Unterschiedlichkeit im System zu internen Spannungen führt. Das Resultat sind instabile Phasen, in denen sich neue Muster entwickeln lassen.
  • Netzwerke, weil sie über ein hohes Maß an Komplexität und Dynamik verfügen, mit deren Hilfe wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, bewältigen können.
Wie aber „bauen“ wir uns ein Netzwerk? Laut Prof. Kruse braucht es dafür drei Charaktere,
  • den Creator, der ständig mit neuen Ideen kommt,
  • den Owner, der alles weiß und
  • den Broker, der jemanden kennt, der etwas weiß
Diese drei bilden seiner Ansicht nach das menschliche Gehirn ab und lassen sich als intelligentes System verstehen, dessen „Summenintelligenz“ höher ist als die Intelligenz der beteiligten Menschen (siehe dazu auch mein Blogpost „Bauen Sie Systeme, die stören„). Wenn es darum geht, kreativ zu sein, müssen also die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie alle kennen vermutlich die verschiedendsten Strategien, um solche „indirekten Möglichkeitsräume“, wie Prof. Kruse sie genannt hat, zu schaffen. Jake Knapp hat in seinem Buch „Sprint“   (Affiliate Link) einen möglichen Weg aufgezeichnet, um Raum sowohl für kreative Ideen, als auch für die praktische Lösung des Problems zu finden. Fünf Tage braucht er dafür:
  • Montag: Problem analysieren und einen Aspekt auswählen, auf den man sich konzentriert.
  • Dienstag: Mögliche Lösungswege skizzieren
  • Mittwoch: Entscheidung für einen dieser Wege
  • Donnerstag: Prototyp bauen
  • Freitag: Prototyp testen
Das ist in kurzen Zügen die Zusammenfassung meines Vortrags, für den ich die folgenden Folien verwendet habe:
 

Kein Interesse an technologischen Entwicklungen

Neue Impulse zu setzen, neue Ideen ins Spiel zu bringen, das scheint, so meine Beobachtung während der Fachtagung, im Fundraising-Bereich gar nicht so einfach zu sein. Während Bernard Ross von der Arts Fundraising School in London sich in seiner Keynote unter anderem mit der Frage beschäftigte, wie wir verhaltensökonomische Modelle in das Fundraising einfließen lassen können, ging es bei den Vortragenden aus Österreich eher um ganz klassische Themen. Zwar wurde oft über die knappen Ressourcen gesprochen, aber Lösungsansätze gab es keine. Gerade hier wäre viel Platz für neue Ideen, aber es blieb bei der Feststellung, dass es sehr schwer sei, gute MitarbeiterInnen für das Fundraising zu gewinnen. Zwei Punkte sind mir besonders aufgefallen. Erstens, Crowdfunding war auf dieser Tagung kein Thema. Ich finde das bedauerlich, denn diese Form der Finanzierung wird von vielen (noch) völlig unterschätzt. Beim Crowdfunding geht es nicht nur einfach darum, eine bestimmte Geldsumme einzusammeln, nein! Ich kann rund um die Kampagne mein Marketing aufbauen und erfahre sehr viel über meine Zielgruppe(n). Außerdem kann sich das Crowdfunding zu einem wichtigen Bestandteil meiner Fundraisingaktivitäten entwickeln. Hier sehen Sie etwas vereinfacht die Fundraisingpyramide: Die Grafik zeigt, dass wir uns eine Basis schaffen müssen, um nach einiger Zeit strategische Partner gewinnen können, die uns unterstützen. Viele Kultureinrichtungen haben deshalb Freundes- oder Fördervereine eingerichtet. Ihr Ziel ist eher der Aufbau einer Beziehung, denn der Aufwand ist meist recht groß, der Ertrag (noch) gering. Crowdfunding kann hier eine Alternative sein. Oder eine Ergänzung, denn natürlich ist auch in diesem Fall der Aufwand groß. Den Vorteil sehe ich in der engen Verschränkung mit dem Marketing und der Tatsache, dass eine Crowdfundingkampagne meist eine größere Sichtbarkeit aufweist als etwa ein Förderverein. Aufschlussreich war für mich zweitens, dass die technologischen Entwicklungen gar kein Thema waren. Eine der größten Herausforderungen besteht für mich darin, den Kontakt zu Menschen aufzubauen, sie für meine Arbeit zu interessieren und eine Beziehung aufzubauen. Vielleicht haben Sie schon von Chatbots gehört, die in den verschiedenen Messengern eingesetzt werden können. Wofür lassen sich diese „textbasierten Dialogsysteme“ nutzen? Jörg Reschke beschäftigt sich in einem Blogpost mit dem „Potenzial von Chatbots für Nonprofits“ und listet darin einige Möglichkeiten auf:
  • Ein Chatbot lässt sich abonnieren, um über ein bestimmtes Thema informiert zu werden.
  • Der Facebook Messenger bietet in den USA schon heute die Möglichkeit des Bezahlens via Chatbot an. Die Spende über ein Chatbot wird also vermutlich in nicht allzu ferner Zeit möglich sein.
  • Viele UserInnen werden über eingehende Nachrichten im Messenger ihrer Wahl per Push-Meldung benachrichtigt. Dazu gehören natürlich auch die mit einem Chatbot verschickten Nachrichten.
  • Chatbots ermöglichen ohne große Hürden den direkten persönlichen Kontakt. Wenn die Kommunikation einmal aufgebaut ist, kommen Sie zukünftig direkt zu ihrem Gegenüber.
  • Im Unterschied zum Email-Newsletter haben Messenger-Bots viel höhere Öffnungsraten.
Attraktiv sind Chatbots vermutlich so lange, bis jeder einen hat. Kreative Ideen sind also gefragt, womit wir wieder beim Anfangsthema gelandet sind. ;-) Eines der wohl gelungensten Beispiele war im letzten Jahr Walk with Yeshi: „Built for Facebook Messenger, Walk With Yeshi takes individuals on a 2.5 hour journey, matching the length of the average walk for water.“ Jetzt sagen Sie sich vielleicht, dass Kunst und Kultur als Thema viel schwieriger zu kommunizieren sind. Ich bin mir da nicht sicher, sondern denke, dass hier Kreativität gefragt ist. ;-)

Veranstaltungshinweis

Wenn Sie sich für das Thema Fundraising interessieren, dann habe ich noch einen Tipp für Sie. Am kommenden Mittwoch, den 22. November 2017 findet um 9 Uhr der nächste Treffpunkt Kulturmanagement statt. Zu Gast ist Eva Estermann vom Österreichischen Fundraising Verband, die sich mit der Frage beschäftigt, was kleine Kultureinrichtungen tun können, um geeignete Strukturen für erfolgreiches Fundraising zu schaffen. Der Treffpunkt KulturManagement ist das gemeinsame Onlineformat von Projektkompetenz.euKulturmanagement Network und der stARTconference. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, Sie müssen keine Software installieren, um dabei sein zu können. Es reicht wenn Sie am 22. November 2017 um 9 Uhr über diesen Link https://zoom.us/j/651295114 den Onlineraum betreten. Der #kmtreff wird außerdem via Facebook live gestreamt, Sie finden den Link dann am kommenden Mittwoch auf der Facebookseite des Treffpunkt Kulturmanagement.

Update: Aufzeichnung des Treffpunkt Kulturmanagement

Wer beim Webinar nicht dabei sein konnte, findet hier die Aufzeichnung. Bitte nicht von den technischen Problemen am Anfang irritieren lassen, wir haben das dann ganz gut hinbekommen. ;-)
Post

Eine Benchmarkstudie analysiert das Verhalten von NPO auf Facebook und Twitter

Leave a reply
In einem der letzten Beiträge habe ich festgestellt, dass das Potenzial derFacebook-Fanseiten noch viel zu wenig genutzt wird. Was häufig daran liegt, dass beispielsweise Kulturbetriebe gerade dabei sind, dort ihre ersten Erfahrungen zu sammeln und einfach noch nicht über das entsprechende Wissen verfügen, wie man Facebook optimal ausnutzen kann. Diese Unsicherheit wurde auch in einigen Kommentaren angesprochen, die auf meinen gestrigen Twitter-Beitrag folgten. Wie nutzt man aber nun Facebook bzw. Twitter richtig? Diese Frage lässt sich eigentlich nicht wirklich beantworten, vor allem nicht pauschal. Zu unterschiedlich sind die Ziele, zu unterschiedlich auch das Kommunikationsverhalten derer, die für ihre Organisation kommunizieren. Aber vielleicht sind ein paar Zahlen ganz hilfreich? Zahlen, die in einer von M+R Strategic Services verfassten Nonprofit Social Media Benchmarks Study (die Studie steht dort kostenlos als PDF zur Verfügung) zusammengetragen worden sind. Zwar muss das, was für die anderen passt, nicht unbedingt für einen selbst der richtige Weg sein, aber man kann sich zumindest an den Zahlen der anderen orientieren. Was für Neueinsteiger ganz hilfreich sein kann. Einer der interessantesten Ergebnisse betrifft die Zuwachszahlen derer, die sich für meine Informationen interessieren. Während bei den untersuchten NPO die Zahl der Fans auf Facebook monatlich  um durchschnittlich 3,5% zunahm, waren es auf Twitter immerhin 9%. Nur heißen sie da Follower. Hilfreich ist der Wachstumsvergleich mit der Gruppe der Email-Newsletter-Empfänger. Hier war bei den untersuchten NPO nur ein Wachstum von 1,4% zu verzeichnen. Das heißt, wenn es um Reichweite geht, ist Twitter derzeit nicht zu schlagen. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass sowohl bei Facebook als auch bei Twitter die Fans mit nur einem Mausklick auch schnell wieder weg sind. Während das „unfollow“ bei Twitter im Rahmen der Studie nicht messbar war, lag die Zahl der Fans, die sich auf Facebook wieder verabschiedeten bzw. den Empfang der Meldungen unterdrückten, bei 2%. Bei den Email-Newslettern liegt sie bei rund 1,6%, was in dieser Hinsicht für die Social Media-Kanäle spricht. Warum folgen einem Leute auf Twitter oder werden auf Facebook zu Fans? In der Regel hat das was mit dem Content zu tun, den man dort jeweils unter die Leute bringt? Wie oft sollte man twittern bzw. die Facebook-Fanseite mit Inhalten füttern? Die Studie ergab, dass die NPO duchschnittlich sechs Nachrichten pro Woche auf Facebook veröffentlichen und 4,5 Tweets pro Tag verschicken. Obwohl die Textlänge auf Facebook nicht eklatant größer zu sein scheint, wird dort aber wesentlich seltener etwas gepostet. Wer dann  völlig frustriert ist, weil niemand auf die Meldungen reagiert, der sollte wissen, dass die Anzahl der Reaktionen generell nicht besonders hoch ist:
„Each week, an average of 2.5% of each organization’s Facebook fans took action (e.g. contributed wall posts, “likes,” or comments)“,
heißt es in der Studie auf Seite 5. Auf Twitter wurden die Reaktionen nicht gemessen, festgestellt wurde aber:
„In our sample, the more organizations tweeted, the more their followers retweeted them.“ (S.5)
Was dann auch wieder zu einem Anstieg der Followerzahlen führte, so das Ergebnis. In einem nächsten Schritt müsste man dann untersuchen, inwieweit das Folgen auf Twitter und Facebook auch dazu führt, die Angebote der NPO in irgendeiner Weise in Anspruch zu nehmen. Ohne Zahlen zur Verfügung zu haben, vermute ich aber, dass der Anteil derer, die sich dann von den Angeboten überzeugen lassen, von der Qualität der Kommunikation abhängt. Das bedeutet, auf der einen Seite geht es darum, möglichst viele Fans bzw. Follower zu gewinnen. Neben der Quantität ist aber auch Qualität gefragt, denn davon hängt ab, ob meine Austellung, mein Konzert, etc. gut besucht bzw. meine Produkte, etwa ein Buch, gekauft werden. Die Häufigkeit der Reaktionen (Kommentare, Retweet, etc.) taugt da nur bedingt, hier besteht also noch Forschungsbedarf. Via Getting to the Point
Post

NPO-Blogparade: die internen Voraussetzungen für den erfolgreichen Social Media-Einsatz

15 comments
Ein Blog, in dem Sie nur Pressemeldungen finden, werden Sie wahrscheinlich, so Sie nicht JournalistIn sind, nicht lange lesen. Einer Organisation, die nur Veranstaltungsankündigungen über Facebook und/oder Twitter verschickt, werden Sie nicht folgen, weil Sie diese Informationen, so sie für Sie einen Wert darstellen, auch an anderer Stelle finden. Und das unter Umständen leichter als im Nachrichten-Stream auf Twitter. Katrin Kiefer spricht in diesem Zusammenhang von „alter Kommunikation in neuen Kanälen“ und bezieht das auf die vielen NPOs, die mittlerweile im Social Web zu finden sind. Was man anders machen könnte, wissen wir alle: Dialog, Transparenz, Authentizität und Partizipation sind die Schlagworte, mit denen sich umschreiben lässt, worauf es ankommt. Nur: so leicht lässt sich der Schalter nicht umlegen. Was aber tun? „Welche Schritte müssen NPOs intern vollziehen, um Social Media erfolgreich einsetzen zu können?“ Diese Frage stellt Katrin Kiefer im Rahmen der NPO-Blogparade auf ihrem Blog netzwerkPR. Vordergründig lässt sich die Frage ganz einfach beantworten: Abkehr vom Management-Ansatz des industriellen Zeitalters, wie es Mike Gotta in seinem Blogpost „Socializing At Work – No Longer A Waste Of Time“ genannt hat und die Entwicklung einer Unternehmenskultur, die vor allem auf partizipativen Ansätzen aufbaut. Ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht. Ein paar Anmerkungen:

Was heißt schon erfolgreich?

Das erste Problem taucht bereits beim Versuch auf, den angestrebten Erfolg zu bestimmen. Erfolg heißt in der Regel, dass ich einen bestimmten Bedarf habe und aus dem Einsatz eines Produktes einen Nutzen ziehen kann (siehe dazu mein Blogpost „Wie verkaufen Sie Kundennutzen?“ ). Ob NPO oder Kunstbetrieb, meist wird es darum gehen, Aufmerksamkeit zu erregen, die eigenen Angebote besser zu verkaufen und höhere Einnahmen zu lukrieren. Das sind alles wichtige Punkte, keine Frage, aber das Social Web ist eigentlich nur ein Weg, um mit anderen Menschen zu kommunizieren und dabei über einen Rückkanal zu verfügen. Das heißt, ich habe die Möglichkeit, mit den verschiedenen Interessensgruppen einen Dialog zu führen. Gelingt mir das, kann man eigentlich schon von einem erfolgreichen Social Media-Einsatz sprechen, denn ob mir dann jemand Geld spendet (NPO) oder meine Ausstellung besucht (Kunst), hängt ja nicht von Twitter ab, sondern von vielen anderen Faktoren, die mit Social Media nicht unbedingt etwas zu tun haben. Auf der anderen Seite ist es schwierig, über Erfolgskriterien zu sprechen, wenn sich mir das Potenzial des Web 2.0 noch nicht vollständig erschlossen hat. Ein erfolgreicher Social Media-Einsatz kann auch darin bestehen, interne Prozesse zu verbessern. Ob das nun die konkrete Zusammenarbeit ist oder das Bewahren des vorhandenen Wissens, der interne Nutzen der verschiedenen Tools wird gerne übersehen oder ist vielleicht gar nicht gewünscht.

Enterprise 2.0 als Voraussetzung für Web 2.0?

Womit wir bei der Frage wären, ob sich in einer normalen – in der Regel hierarchischen – Struktur so einfach neue Strukturen einbauen lassen, die ganz anderen Grundsätzen gehorchen und völlig andere Abläufe haben als sie die Organisation kennt? Ich denke, die Behauptung, eine Organisation muss die Werte Transparenz, Vertrauen, etc. leben, damit sie auch über die Social Media-Kanäle authentisch rüberkommt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das würde dann aber heißen: erst wenn die Unternehmenskultur den Werten des Social Web entspricht, lohnt sich der Einsatz von Social Media. Das hieße: bitte warten, denn welches Unternehmen ändert seine Unternehmenskultur, um dann später mal twittern zu können? Der Ansatz, auf die passende Unternehmenskultur zu warten, ist also unrealistisch. Auf der anderen Seite wird aber eine streng hierarchische Organisation, die nur Top-Down-Entscheidungsprozesse kennt, Schwierigkeiten haben, ein Blog einzusetzen. Die Gefahr, die Kommunikation nicht kontrollieren zu können und öffentlicher Kritik ausgesetzt zu sein, wiegt zu schwer. Zwar gibt es dann unter Umständen eine Facebook-Seite, einen Twitter-Account oder ein Blog. Aber das ist dann halt lediglich alter Wein in neuen Schläuchen. Das heißt, Web 2.0 garantiert keine Unternehmenskultur 2.0. Vielleicht lohnt es sich, noch einmal einen Blick auf die dreiteilige Präsentation „Wissensmanagement im Enterprise 2.0“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3) von Simone Happ, Christoph Rauhut und Frank Wolf zu werfen.

„Die passende Kultur ist ein Ziel, keine Voraussetzung“

Dieser Satz befindet sich auf Folie 56 von Teil 3 und drückt für mich aus, dass sich die Unternehmenskultur und die Kommunikation (via Social Media) gleichzeitig  oder im Wechselspiel entwickeln müssen. Das eine kann ohne das andere nicht funktionieren. Die Frage ist, ob man das wirklich will. Würde man es ausdiskutieren, dann käme wahrscheinlich häufig ein klares Nein heraus. Veränderung ist immer mit einem Aufwand verbunden und wenn man sich irgendwo gemütlich eingerichtet hat, warum sollte man dann diesen netten Platz wieder aufgeben? Das heißt, eine Kommunikation über die verschiedenen Social Media-Kanäle unter Einbeziehung aller einzurichten ist eine ziemlich große Herausforderung, wenn man weiß, dass damit manch alte Strukturen und Werte obsolet werden. Dieser von allen getragene Veränderungswille ist wahrscheinlich nur selten irgendwo anzutreffen. Wie aber kommt die Sache ins Rollen? Häufig sind es Kleinigkeiten, die den Einstieg möglich machen und dann eine Entwicklung anstoßen, deren Ende man zu dieser Zeit gar nicht abschätzen und deren Konsequenzen man nicht einschätzen kann. Manchmal kann es eine Facebook-Seite sein, auf der ein Mitarbeiter zu kommunizieren beginnt, ein Twitter-Account, über den plötzlich aus dem Theater, dem Museum berichtet wird. Und das ohne irgendwelche Marketingziele, einfach, weil es Spaß macht. Die Impulse, die von solch einer „Aktion“ ausgehen, soll man nicht unterschätzen. Das Problem ist nur, dass sich so etwas kaum planen lässt. Solche Dinge passieren einfach und so weiß ich nicht, ob sich die Frage, die Katrin Kiefer im Rahmen der NPO-Blogparade gestellt hat, eigentlich wirklich beantworten lässt?
Post

Gemeinnützige Organisationen und ihre Bedeutung für die lokale Demokratie: das 7. Online-Frühstück am 2. September

Leave a reply
Frühstück_01 © Stephanie Hofschlaeger; Pixelio Am kommenden Mittwoch, den 2. September findet um 9 Uhr zum siebten Mal das von David Röthler und mir veranstaltete Online-Frühstück statt. Diesmal dürfen wir Brigitte Reiser begrüßen, die mit Nonprofits-vernetzt.de eines der interessantesten Blogs im NPO-Bereich betreibt und sich mit den gemeinnützigen Organisationen und ihrer Bedeutung für die lokale Demokratie beschäftigen wird. Auf der Grundlage ihres Blogposts „‚Bringing democracy back in‘ – warum Nonprofits neue Ziele brauchen“ stellt sie fest, dass der demokratiepolitische Auftrag von gemeinnützigen Institutionen immer mehr in den Hintergrund rückt und durch leistungsorientierte Ziele verdrängt worden ist. Diese leistungsorientierten Ziele machen auch dem Kunst- und Kulturbereich zu schaffen und fördern eine Entwicklung, an deren Ende eine möglichst hohe Auslastung steht. Aber war es das schon? Erfüllen Kulturbetriebe nicht auch noch eine andere Rolle? Ähnlich schaut das ganz allgemein bei den NPOs aus. Viele professionelle NPOs sehen sich in erster Linie als Dienstleister. Aber gemeinnützige Organisationen können viel mehr sein. Durch ihre vereinsrechtliche Struktur, ihre Verbindung zu freiwilligen Helfern, ihren Kontakt zu benachteiligten Bevölkerungsgruppen (im Sozialbereich) sind sie wichtige Akteure auf kommunaler Ebene, die Partizipationschancen bieten und Partizipationschancen einfordern können. Betrachtet man Partizipation als wichtigen Bestandteil unseres demokratischen und gesellschaftlichen Systems, dann stellen sich mehrere Fragen:
  • Wie kann man diese demokratiefördernde Funktion von Nonprofits stärken?
  • Wie müssen sich Nonprofits auf kommunaler Ebene weiterentwickeln, um örtlich eine wichtige Rolle in Bürgerbeteiligungsprozessen spielen zu können?
  • Welche Unterstützung kann hierbei das Internet leisten?
Mit diesem Online-Frühstück wollen wir das Themenfeld wieder ein Stück weit öffnen und richten uns nicht nur an den Kunst- und Kulturbereich, sondern laden all diejenigen ein, die im NPO-Bereich zu Hause sind oder sich für diesen Bereich interessieren. Die Teilnahme am Online-Frühstück ist wie immer kostenlos, im Idealfall besitzen Sie ein Headset, um am Gespräch teilnehmen zu können. Haben Sie keines, ist das auch nicht weiter schlimm, dann steht Ihnen der Chat zur Verfügung. Und wie immer bitten wir Sie, sich für die Veranstaltung anzumelden, entweder im Wiki oder auch auf Facebook. Dort finden Sie dann auch jeweils den Link zum „Frühstücksraum”. Falls Sie Fragen haben, melden Sie sich einfach bei mir. Entweder per Mail oder hier per Kommentar.
Post

Web2.0-Marketingstrategie für NPOs: der Freakfaktor (NPO-Blogparade)

4 comments
web20 © Gerd Altmann; PixelioGibt es eine eigene Web2.0-Marketingstrategie für Nonprofit-Organisationen?„, fragt Günter Bressau in der der derzeit laufenden siebten Runde der NPO-Blogparade. Eine reizvolle Frage, die wahrscheinlich auch kontroverse Antworten hervorbringen wird. Um sie zu beantworten, ist es hilfreich, wenn man sich überlegt, welche Faktoren eigentlich notwendig sind, um eine Web2.0-Marketingkampagne erfolgreich realisieren zu können.

Ohne Ziele kein Erfolg

Das klingt eigentlich ganz selbstverständlich, aber immer wieder zeigt es sich in Umfragen und Untersuchungen, dass viele Projekte – und darum handelt es sich ja bei einer Kampagne – scheitern, weil es keine konkreten Zielvorgaben gibt. Mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bzw. in den Medien, mehr finanzielle Unterstützung. Die Ziele können vielfältig sein, nur muss es sie halt geben. Und sie sollten, da es sich um operative Ziele handelt, realistisch, messbar, aus eigener Kraft und innerhalb einer bestimmten Zeit erreichbar sein (siehe dazu auch: „Social Media: wann weiß ich, ob ich erfolgreich bin?„) Damit sie nicht in der Luft hängen, bauen sie auf Mission („the reason why we exist“) und Vision („the reason why we must exist in the future“) auf, d.h. die geplante Kampagne trägt dazu bei, dass die Vision irgendwann einmal Wirklichkeit werden kann. Gibt es in diesem Punkt Unterschiede zwischen Profit- und Nonprofit-Organisationen? Natürlich werden sie sich in der inhaltlichen Ausrichtung voneinander unterscheiden, aber unabhängig davon brauchen beide Strukturen (operative) Zielvorgaben für die Kampagne, die auf Mission und Vision basiert.

Intuition hilft uns, komplexe Situationen zu bewältigen

Ein Ziel auf Papier zu formulieren, ist keine große Kunst. Wenn sich die Realität immer daran halten würde, wäre das Leben ein Wunschkonzert und wir hätten zahlreiche Probleme weniger. Nur leider sehen wir uns permanent vor Situationen gestellt, die so nicht vorgesehen waren. Kooperationspartner springen ab, das Video, mit dem wir die Marketingkampagne promoten wollten, erweist sich als Rohrkrepierer und das, obwohl wir alle im Vorfeld davon begeistert waren. Der Erfolg lässt sich nicht programmieren, weil wir die Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden, nicht beherrschen. Eigentlich wissen wir noch nicht einmal, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Wie damit umgehen? Vertrauen wir unserer Intuition, unserer Fähigkeit der emotionalen Bewertung, rät Prof. Peter Kruse in einem sehr sehenswerten Video, das zeigt, dass er damit mehr meint als das reine Bauchgefühl. Ist die Welt für profit- oder nonprofitorientierte Organisationen unterschiedlich komplex? Ich denke, die Unterscheidung macht keinen Sinn, da es wir Menschen sind, die unsere immer komplexer werdende Umwelt nicht mehr „verstehen“ können. Das heißt aber auch, wir können die Dinge immer seltener kontrollieren, eine Vorstellung, die vielen Marketingverantwortlichen die Haare zu Berge stehen und sie häufig einen großen Bogen um das Social Web machen lässt.

Keine Kontrolle? Eine neue Unternehmenskultur muss her

In einer Organisation, die hierarchisch strukturiert ist, werden Sie sich wahrscheinlich nicht beliebt machen, wenn Sie darauf hinweisen, wie „gefährlich“ eine Web2.0-Marketingkampagne sein kann. Da dürfen wildfremde Menschen mitreden und ihre Ideen einbringen. Da kann Kritik aufkommen, da werden Meinungen und Haltungen aufs Korn genommen und wenn es ungünstig läuft, schadet Ihnen die Kampagne mehr als sie Ihnen nützt. Allerdings ist es, denke ich, unsinnig, das Social Web erst dann zu betreten, wenn die Organisation eine Web2.0-affine Unternehmenskultur besitzt und Werte wie Transparenz, Vertrauen und Partizipation im Vordergrund stehen. Vielleicht geht von enem Blog oder der Kommunikation via Facebook der entscheidende Impuls aus, der dann alte Strukturen aufbricht und Neues in der Organisation entstehen lässt. Aber zumindest die Bereitschaft zur Veränderung sollte vorhanden sein. Auch bei diesem Faktor lässt sich aus meiner Sicht nicht sinnvoll zwischen profit- und nonprofitorientierten Organisationen unterscheiden, denn die Kontrolle geben wir wohl alle ungern aus der Hand, zumindest im ersten Reflex. Transparenz, Vertrauen und Partizipation klingen als Schlagworte gut, aber sie wollen erst einmal gelebt werden.

Wo liegen unsere Erfolgspotenziale?

Nun sind wir aber von unseren (Marketing)-Zielen ein ganzes Stück weit abgekommen. Nachdem wir von der Intuition, dem Wandel in der Unternehmenskultur, den fehlenden Kontrollmöglichkeiten gesprochen haben und wissen, dass Vertrauen und Partizipation gerade im Social Web (eigentlich ja nicht nur dort) wichtig sind, wäre es doch schön, wenn es jetzt irgendwo eine praktische Anleitung gäbe, wie man sein (Marketing)-Ziel erreichen kann. So a la „erfolgreiches Marketing in zehn Schritten“ oder „Marketingsstrategie für das Web2.0“. Nur funktioniert das leider in der Regel nicht so, wie wir uns das vorstellen. Einzelne Punkte lassen sich natürlich erfolgreich übernehmen, aber Schritt eins bis zehn? In meinem Beitrag „Was verstehen wir eigentlich unter Strategie?“ habe ich auf Aloys Gälweiler hingewiesen, der in diesem Zusammenhang den Begriff des Erfolgspotenzials eingeführt hat. Die Frage ist nicht, wie „man“ das erklärte Ziel erreicht, sondern welche Erfolgspotenziale bei einem selbst bzw. in der Organisationsstruktur vorhanden sind, um dieses Ziel erreichen zu können. Für ihn besteht eine Strategie darin, die eigenen Erfolgspotenziale zu suchen, aufzubauen und zu erhalten. Auf der operativen Ebene geht es dann darum, die Erfolgspotenziale zu realisieren. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass es die Web2.0-Marketingstrategie eigentlich nicht geben kann, weder für die NPOs noch die gewinnorientierten Unternehmen. Marketing im Social Web basiert meinem Verständnis nach auf den bisher genannten Faktoren (drei weitere folgen noch), aber als Strategie würde ich das nicht bezeichnen, höchstens als Meta-Stategie. Aber das sind Wortspielereien…

Agilität statt starrer Pläne

An dieser Stelle kommt ein weiteres wichtiges Attribut ins Spiel, das nicht nur im Social Web immer wichtiger wird: Flexibilität. Angenommen, wir haben unsere Erfolgspotenziale gefunden und machen uns nun daran, sie zu realisieren, dann gilt es natürlich, diese Umsetzung auch zu planen, womit wir beim Thema Projektmanagement angekommen sind. Sich auf Intuitionen zu verlassen, keine Kontrollmöglichkeiten zu haben und andere an Entscheidungen teilhaben zu lassen, bedeutet, dass eine starre Planung, die die Schritte eins bis x zur Erreichung meines Zieles darstellt, eigentlich unsinnig ist. Die Hauptarbeit würde darin bestehen, die Pläne ständig zu ändern. Daraus den Schluss zu ziehen, dass Pläne daher unsinnig sind, sind aber nicht zulässig und daher falsch. Hier kommt der Ansatz des agilen Projektmanagements ins Spiel. Dahinter verbirgt sich, wie Bernd Oesterreich und Christian Weiss in ihrem Buch APM – Agiles Projektmanagement: Erfolgreiches Timeboxing für IT-Projekte schreiben,
„eine Ende der 1990er-Jahre entstandene Gegenbewegung zu den überreglementierten und starren Ansätzen der 1980er- und 1990er-Jahre“.
Der Ansatz des agilen Projektmanagements wird deutlich, wenn man sich das agile Manifest durchliest, in dem es auf die Softwareentwicklung bezogen heißt:
  • „Individuen und Interaktion sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfangreiche Dokumentation
  • Kooperation mit Projektbetroffenen ist wichtiger als Vertragsverhandlungen
  • Reaktion auf Änderung ist wichtiger als Festhalten an einem starren Plan.“
Wenn wir jetzt statt der funktionierenden Software von einzelnen Maßnahmen sprechen, die im Rahmen unserer Web2.0-Marketingkampagne umgesetzt werden sollen, wird schnell deutlich, dass die Grundidee darin besteht, möglichst schnell etwas auszuprobieren und herauszufinden, ob etwas funktioniert oder nicht. Wichtig: es geht nicht darum, auf die Dokumentation zu verzichten, ganz im Gegenteil, sondern erst einmal zu schauen, ob etwas funktioniert oder nicht. Beschränkt sich agiles Projektmanagement auf den kommerziellen Unternehmensbereich? Oder können auch NPOs mit diesem Ansatz arbeiten? Ich denke, auch hier gibt es keinen Grund, eine Unterscheidung vorzunehmen. Bis jetzt sind es also dieselben Faktoren, die zum Erfolg einer Web2.0-Marketingkampagne beitragen, unabhängig davon, ob wir es mit einem NPO oder einem gewinnorientierten Unternehmen zu tun haben.

Umsetzungsstärke: den Online-Erfolg offline realisieren

Bei diesem Begriff tue ich mir am schwersten. Unter Umständen gibt es andere Begriffe, die das, was ich ausdrücken möchte, sehr viel besser beschreiben. Worum geht es mir? Ich denke, eine Kampagne kann im Social Web äußerst gut ankommen und ein großer Erfolg werden. Aber als Museum, Theater oder Orchester (ich darf den Kunst-und Kulturbereich stellvertretend für die NPOs verwenden) geht es mir ja letzten Endes darum, dass z.B. mein Zuschauerraum voll gefüllt ist, d.h. ich muss es schaffen, den Online-Erfolg in das reale Leben zu transferieren. Gelingt mir das nicht, bleiben meine Social Web-Aktionen reiner Selbstzweck, sie führen letzten Endes zu nichts. Für mich stellt sich die Frage, ob wir so gesehen überhaupt von Web2.0-Marketing sprechen können? Geht es nicht letzten Endes um die Verknüpfung der Online- und Offline-Welten? Und auch hier macht es keine Sinn, zwischen profit- und nichtprofitorientierten Unternehmen zu trennen, denke ich, denn sie alle sind in der realen Welt verankert und wollen dort ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten bzw. ihre Werte und Haltungen kommunizieren.

Der Freak-Faktor

So und ganz zum Schluss kommt der wichtigste Faktor. Der, der den vielleicht entscheidenden Unterschied ausmacht zwischen Ihnen und der Konkurrenz. In meinem Beitrag „Social Media Einsatz im Kunst- und Kulturbereich: was der Bauer nicht kennt…?“ hatte ich Allen Benamer erwähnt, der der Meinung ist, der NPO-Bereich würde mangels ausreichender Kenntnisse den gesamten IT-Bereich vernachlässigen. Und wie hat es Frank Tentler so schön formuliert? „Was der Bauer nicht kennt,…“. In einem Interview auf dem stART.09-Blog spricht Benedikt Köhler im Hinblick auf den Einsatz von Social Media von einer Technik, einer Technik, die man lernen kann. Aber es gehört, denke ich, noch etwas mehr dazu als die Technik. Nennen wir es Begeisterung, Enthusiasmus oder eben den Freak-Faktor, der ein Weblog erfolgreich sein lässt und das andere nicht. Auch ein Blog kann verwaltet werden. Ich denke, Sie alle kennen genug Beispiele, bei denen es sich zwar um ein Blog handelt, aber keines, in dem Leben herrscht, das einen anspricht. In dieser Hinsicht sehe ich am ehesten einen Unterschied zwischen dem Profit- und dem Nonprofit-Bereich. Wobei ich meine Aussage auf den deutschsprachigen Raum beschränken möchte. Und auch da gibt es natürlich Ausnahmen. Vielleicht liege ich ja auch falsch mit meiner Einschätzung, aber ich habe das Gefühl, NPOs haben mehrheitlich die Bedeutung des Social Web noch nicht erkannt bzw. verstehen es einfach noch nicht (damit will ich nicht sagen, dass das Thema im Unternehmensbereich schon wirklich angekommen ist). Mittlerweile gibt es zwar eine steigende Zahl von NPOs, die ihr Glück im Web2.0 versuchen, aber oft habe ich den Eindruck, hier wird damit begonnen, weil andere das auch machen. Und innerlich wartet man nur darauf feststellen zu können, dass da eh Unsinn sei. Vielleicht sollten NPOs (und dazu zähle ich auch die Kunst- und Kulturbetriebe) sich so einen Social Web-Freak suchen und ihn mal machen lassen? Natürlich unter Einbeziehung der oben genannten Faktoren. Dazu gehört Vertrauen, gar keine Frage. Aber wäre es nicht mal einen Versuch Wert? Zum Beispiel eine Marketingskampagne im Social Web zu starten und all die Tools zu nutzen, die dort zur Verfügung stehen? Von einer Web2.0-Marketingkampagne würde ich sprechen, von einer Strategie im traditionellen Sinn eigentlich nicht. Was meinen Sie?
Post

NPO-Blogparade: Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?

3 comments
Im Rahmen der aktuellen NPO-Blogparade hat Ulrike Schmid auf ihrem Blog Kultur 2.0 die Frage gestellt, warum NPO im Online-Bereich so zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Bewegtbildern geht? Um diese Frage für den gesamten NPO-Bereich beantworten zu können, fehlt mir ehrlich gesagt das notwendige Wissen, daher beschränke ich mich auf den Kunst- und Kulturbereich. Schaut man sich dort die Online-Präsenzen der verschiedenen Einrichtungen an, dann stellt man in der Tat fest, dass die meisten noch nicht mit audiovisuellen Inhalte arbeiten. Ich finde es auch gut, dass Ulrike Schmid von Bewegtbildern spricht und nicht nur von Videos. Natürlich handelt es sich meist um Videos, die dann im Idealfall noch auf YouTube und den diversen anderen Plattformen zu sehen sind. Aber der Kunst- und Kulturbereich zeigt, dass es da auch andere Möglichkeiten gibt, z.B. das Online-Streaming von Konzerten bzw. Opernaufführungen. Die Metropolitan Opera experimentiert in diese Richtung und bietet neben den mittlerweile schon bekannten Kino-Liveübertragungen auch Übertragungen im Real-Player an. Und dann gibt es da noch die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker: Digital Concert Hall Sie sehen schon, es passiert etwas, aber natürlich sind es die „Großen“, denn solche „Experimente“ kosten Geld, womit wir schon eine erste Antwort auf die oben gestellte Frage hätten. Viele Kultureinrichtungen verfügen nicht über die entsprechenden Mittel, um sich eine solche Präsenz im Internet aufzubauen. Würde es nur am Geld liegen, dann hieße das, die Einrichtungen haben den Wert von Videos, Online-Streams, etc. bereits erkannt. Womit wir schon bei der zweiten Antwort wären: es fehlt häufig noch die Einsicht, dass sich unser Medienverhalten nicht zuletzt dank Breitbandinternet in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Zeiten, wo es ein Ärgernis war, sich ein Video am PC anzuschauen sind vorbei. Heute ist es möglich, qualitativ hochwertiges Bildmaterial anzubieten, das man sich dann auch gerne anschaut. Auch die (Online)-Medien haben das erkannt und binden immer häufiger Videos in ihre Berichterstattung ein. Welchen Gefallen würden Sie mancher RedakteurIn tun, wenn Sie ihr dann zum Textmaterial gleich auch noch ein kurzes Video zur Verfügung stellen könnten. Interessantweise haben auch die PR-Agenturen diese Entwicklung etwas verschlafen, wie Herbert Schmidt auf seinem Blog berichtet. Sein Fazit der Bewegtbildstudie 2008: die PR-Branche hat noch Nachholbedarf. Das fehlende Verständnis um die Bedeutung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Präsenz der Kultureinrichtungen im Bereich Web2.0. Videokanäle von Kultureinrichtungen auf YouTube sind noch immer eine Rarität. Die ersten zarten Pflänzchen sind aber schon zu entdecken, etwa die Video-Kanäle des Städel-Museums (hier ein Beispiel)
oder des Anaheim Ballett (auch hier ein Beispiel).
Sie sehen, da gäbe es schon einige Möglichkeiten. Aber um solche Videos produzieren zu können, braucht man auch eine entsprechende technische Ausstattung und das Wissen, wie man solche Videos gestaltet. Auch das fehlt vielen Kultureinrichtungen, was aber natürlich verständlich ist, denn woher soll das Know-How auch kommen? Vor allem, wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind. Vielleicht sollten sich Kultureinrichtungen, die zwar erkannt haben, wie wichtig die audiovisuellen Medien für sie ist, denen aber die Voraussetzungen fehlen, einen Blick auf die Plattform CastYourArt werfen? Dort wird einerseits die Produktion von Audio- und Videomaterial angeboten. Andererseits bemüht sich die Plattform aber auch darum, die Inhalte über die verschiedenen Web2.0-Kanäle zu verbreiten. Und das nicht nur am PC, sondern auch via Handy bzw. iPhone. Auch CastYourArt verfügt über einen eigenen YouTube-Kanal und natürlich gibt es auch hier ein Beispiel:
Sie sehen, die Videos können sehr unterschiedlich konzipiert sein, aber jeder Ansatz ist auf seine Art interessant. Vielleicht tragen ja solche und viele andere Beispiele dazu bei, dass die Frage von Ulrike Schmid in ein paar Jahren gar nicht mehr gestellt werden muss?
Post

NPO-Blogparade: spenden Sie nur, wenn keine Verwaltungskosten anfallen?

1 comment
Im Rahmen der NPO-Blogparade hat Sebastian Schwiecker auf dem Helpedia-Blog die Frage gestellt, warum die Höhe der Verwaltungskosten bei spendensammelnden Organisationen so oft im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte steht? Vermuten müsste man, dass niedrige Verwaltungskosten und das Ausmaß der Hilfe irgendie korrelieren. Also z.B.: je weniger Geld in die Struktur der Organisation fließt, desto mehr und besser kann geholfen werden. Ich denke, wir sind uns einig, dass das Unsinn ist. Woran liegt es dann aber, dass wir in einem solchen Fall auf den Verwaltungskosten herumreiten, die uns ansonsten eigentlich ziemlich egal sind? Das Problem: uns fehlen die Kriterien, um bewerten zu können, ob unsere Spende effizient eingesetzt wird oder nicht. „Sascha“ schreibt in einem Kommentar zu Sebastian Schwieckers Beitrag:
„Die Verwaltungskosten interessieren mich bei einer Pizza nicht, weil ich beim Essen merke ob sie gut oder schlecht ist. Bei Spenden wird mir so ein Test i.d.R. schwer fallen. Vielmehr verknüpfe ich als Hilfskonstrukt die Qualität der Leistung unmittelbar mit der Frage ‚wieviel Geld wird für Projektaktivitäten zur Verfügung gestellt‘. Als ‚Gut‘ ist eine Spende da eher einer Versicherung ähnlich, hier interessiert es mich auch, wie hoch die Verwaltungskosten sind, da überhaupt nur das Geld angelegt werden kann, was nicht für Bürotürme, Gehälter ausgegeben wird, die Rendite meiner Anlage kenn ich im Zweifel erst in 35 Jahren.“
Stimmt, über die „Rendite“ meiner Spende kann ich mich im Zweifel auch erst in ein paar Jahren informieren. Eigentlich ist sie eine Art Investment, bei dem ich nicht weiß, was wirklich dabei rauskommt. Und so wie die Höhe der Verwaltungskosten einer Versicherung nichts über die Summe aussagt, die ich am Ende ausgezahlt bekomme, ist deren Höhe auch wenig aussagekräftig, wenn es um den Nutzen oder die Nachhaltigkeit meiner Spende geht. Das heißt, es gibt Investments, bei denen ich sehr schnell weiß, ob sich der (finanzielle) Einsatz gelohnt hat oder nicht. Sebastian Schwiecker bringt als Beispiel die Pizza, die mir entweder schmeckt oder nicht. Schwierig wird es bei den Investments, bei denen ich erst sehr spät erkennen kann, ob sich der finanzielle Einsatz gelohnt hat, wie z.B. bei den Versicherungen. Da greife ich auf Hilfskonstrukte (Verwaltungskosten) oder Momentaufnahmen (aktueller Wert meiner Versicherung) zurück. Aber gerade jetzt erfahren wir, dass es unzulässig ist, von einer linearen Entwicklung auszugehen. Bei  vielen Spendenaktionen gibt es sowas wie das „Versicherungsende“ gar nicht. Auch hier sind Berichte über eine Aktion Momentaufnahmen und die Höhe der Verwaltungskosten ein Hilfskonstrukt. Aber welche Alternativen gibt es für mich als SpenderIn, um die Nachhaltigkeit meiner Spende einschätzen zu können? Dazu tragen meiner Meinung nach die Spendenorganisationen selbst bei, indem sie mich mit „falschen“ Informationen versorgen. Beispiel: die Höhe der bereits eingegangenen Spenden. Die Aussagekraft für mich als SpenderIn ist begrenzt. Ich weiß, dass andere auch gespendet haben, aber ob aus meiner Spende einen Nutzen resultiert, erfahre ich so nicht. Auf der anderen Seite kann ich es natürlich verstehen, wenn eine Organisation mit der Spendensumme wirbt, schließlich wirkt das anziehend auf andere SpenderInnen. Und im Falle von kurzfristiger Hilfe kann das auch zielführend sein, wenn ich weiß, dass für eine Summe x eine entsprechende Zahl von Zelten oder Decken gekauft und zur Verfügung gestellt wurden. Das heißt, wir können zwischen kurzfristiger und langfristiger Hilfe unterscheiden. Im Fall von kurzfristiger Hilfe ist die Höhe der eingegangenen Spenden ok, für langfristige Projekte müssen wir uns andere Kriterien überlegen. Diese Kriterien können von Projekt zu Projekt völlig unterschiedlich sein, wichtig ist in meinen Augen allerdings, dass ich als SpenderIn auch dementsprechend über einen längeren Zeitraum hinweg mit Informationen versorgt werde. Wie oft passiert das aber? Eher selten, vermute ich, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, über einen längeren Zeitraum von einer Hilfsorganisation mit Informationen versorgt worden zu sein, der ich Geld gespendet hatte. Das war zugegeben früher auch ziemlich schwierig und teuer. In Zeiten von Social Media ist das aber sehr wohl möglich. Wie so etwas funktioniert, zeigt derzeit Ole Seidenberg mit seiner Aktion Uwe. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass das Projekt noch nicht allzu lange läuft. Mal sehen, wie es in einem Jahr oder zwei aussieht? Das heißt, die Langfristigkeit eines Projektes muss auch kommuniziert werden, aber das kostet Zeit und Geld. Dieses Geld soll aber, so fordern es die SpenderInnen, bei den Begünstigten ankommen, nach Möglichkeit zu hundert Prozent. Wenn man bei Spendenaktionen liest, wie oft es da heißt, dass die Spenden ohne jeden Abzug bei den Empfängern ankommen, dann muss man sich nicht wundern, dass diese Haltung mittlerweile selbstverständlich ist. Stattdessen ist es unter Umständen zielführender, die ganzen Prozesse zu dokumentieren, die notwendig sind, damit die Spende auch bei den EmpfängerInnen ankommt. Transparenz macht meine Kompetenz sichtbar und fördert das Vertrauen in mich als Spendenorganisation. Diese Punkte scheinen mir besonders wichtig zu sein, denn mir ist in diesem Zusammenhang mein gestriges Blogpost zum Thema Fundraising eingefallen. Dort wurde in einer Studie im Hinblick auf die Spendenbereitschaft festgehalten, dass das Vertrauen viel wichtiger sei als der Zweck, für den das Geld eingesetzt werde. Vertraue ich einer Spenderorganisation, dann wird die Höhe der Verwaltungskosten für mich kein Thema sein. Aber dieses Vertrauen, das gilt es erst einmal zu gewinnen. Und das hat ganz viel mit Kommunikation zu tun.
Post

Das „ehrenwerte“ person-to-person-Fundraising

5 comments
Ich hätte diesen Beitrag jetzt auch als Nachtrag zur Nachbetrachtung der NPO-Blogparade bezeichnen können, aber das wirkt dann vielleicht doch etwas komisch. Warum ich diesen Beitrag schreibe? Mir ist ein Blogpost auf dem Kampagne 2.0 Blog von Ulrich Schlenker nicht aus dem Kopf gegangen, in dem er auf die Aktion Uwe von Ole Seidenberg zu sprechen kommt. Schlenker stellt darin fest, dass sich an dieser Aktion idealtypisch die Merkmale des Online-Fundraising herausarbeiten lassen und es unter anderem wichtig sei, über die entsprechenden Ressourcen zu verfügen, um einen eventuellen Ansturm auch bewältigen zu können. Die braucht z.B. Ole Seidenberg, wenn seine Zugriffszahlen auf das Blog um bis zu 500 % steigen und er auf Kommentare und Anfragen reagieren muss. Da haben wir von der eigentlichen „Aktion Uwe“ noch gar nicht gesprochen. Thilo Reichenbach spricht auf seiner Seite Fundraising & Social Marketing in diesem Zusammenhang von „Modernen Helden“, was etwas pathetisch klingt, aber die Sache ganz gut auf den Punkt bringt. In der Beschreibung der Trends, die wir im Online-Fundraising erwarten dürfen, spielen diese modernen Helden eine wichtige Rolle. Sie sind es, die das person-to-person-Fundraising antreiben und sich damit in Konkurrenz zu den NPO und ihren Spendenaktionen begeben. Konkurrenz deshalb, weil beide sich um die (im Großen und Ganzen) gleiche Zielgruppe und deren Geld bemühen. Hier setzt nun die Kritik von Ulrich Schlenker an, der es für fragwürdig hält, wenn bei solchen Aktionen Einzelschicksale herausgegriffen werden und dadurch sozialstaatliche Pflichtaufgaben substituiert werden. Aus der Sicht der NPO kann ich diese Kritik verstehen, halte sie aber für unbegründet. Wobei es eigentlich egal ist, wie man dazu steht, denn ich halte es hier mit Brigitte Reiser, die auf ihrem Blog Nonprofits-vernetzt.de geschrieben hat:
„Ob man diese Entwicklung hin zum person-to-person-Fundraising über Social Media gut oder schlecht findet, ist abhängig vom persönlichen Standpunkt des Betrachters. (…) Wie man die Entwicklung auch beurteilt – sie lässt sich nicht mehr rückgängig machen.“
Das heißt, es geht nicht mehr darum, ob oder ob nicht, sondern nur noch um das Wie. In dieser Hinsicht vermutet Ulrich Schlenker, dass bei solchen Aktionen (wie z.B. der Aktion Uwe) die Schicksale immer dramatischer werden müssten, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu erregen. Das sehe ich allerdings völlig anders. Ich behaupte, der Erfolg einer solchen Aktion hängt nicht davon ab, ob sie spektakulär ist, sondern wie groß die Reputation der Person ist, die diese Aktion initiiert (siehe dazu diese beiden Beiträge). Bei Thilo Reichenbach lautet der dritte der Online Fundraising Trends:
„Erst die Beziehung, dann die Spende“
Natürlich müssen die (Spenden-)Projekte eine gewisse Qualität haben, aber viel wichtiger ist es, dass die potenziellen UnterstützerInnen  – diesem Fall – Ole Seidenberg vertrauen. Er ist dann „ehren-wert“. :-) Wenn dieses Vertrauen nicht da ist, kann das Vorhaben noch so gut und spektakulär sein, es wird nicht funktionieren. Das gleiche Prinzip lässt sich übrigens, um nun die Kurve zu schaffen, auch im Kunst- und Kulturbereich anwenden. Das Vorhaben, für das ich Unterstützung benötige (in welcher Form auch immer), muss qualitativ hochwertig sein, keine Frage. Aber Unterstützung gibt es erst, wenn ich Projekt und Anliegen über mein Netzwerk kommunizieren kann und über die entsprechende Reputation verfüge, denn nur dann bringen mir die Leute das notwendige Vertrauen entgegen, ohne das der Erfolg nicht möglich ist.
Post

Online-Fundraising mit Hilfe von Twitter

2 comments

Twitter

Über Twitter habe ich hier auf dem Blog eigentlich noch nie geschrieben, obwohl ich es nun schon längere Zeit verwende. Über Sinn und Unsinn dieses Tools, bei dem einem nur maximal 140 Zeichen pro Nachricht zur Verfügung stehen, gibt es unzählige Blogposts und Artikel. Selbst die New York Times ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bietet „Twittering Tips for Beginners“ an. Ich selbst halte sehr viel davon, allerdings ist es, denke ich, nicht so ganz einfach, herauszufinden, wie sich Twitter für die eigene Arbeit einsetzen lässt.

Während viele sich dort über Dinge des täglichen Lebens und ihr Befinden austauschen, experimentieren andere mit diesem Tool, um es möglichst nutzbringend einzusetzen, zum Beispiel in Sachen Fundraising. Beth Kanter hat vor einigen Tagen in einem Beitrag auf Twestival aufmerksam gemacht. Worum geht es dabei?

„On 12 February 2009 175+ cities around the world will be hosting Twestivals which bring together Twitter communities for an evening of fun and to raise money and awareness for charity: water„,

lautet die Grundidee. charity: water ist eine Nonprofit-Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser in den Entwicklungsländern engagiert.

Beteiligen kann man sich auf unterschiedliche Weise:

  1. Attending one of the events
  2. Uploading or buying music at Twestival.fm
  3. Taking part in the t-shirt design competition
  4. Donating to charity: water

Nein, hier geht es nicht darum, ein paar hundert Dollar einzusammeln, das Ziel ist äußerst ambitioniert, wie man diesem Tweet entnehmen kann:

Twestival
Eine halbe Million USD, das ist keine Kleinigkeit. Aber egal ob Twestival oder die bereits erfolgreich abgeschlossenen Fundraising-Aktionen von Beth Kanter oder Laura Fitton, in allen Fällen geht es um zwei entscheidende Punkte:

  1. Der Spendenprozess wird extrem beschleunigt und
  2. es geht nur um kleine Spendenbeträge (z.B. 2USD)

Möglich machen das Tools wie Tipjoy, auf deren Website es heißt:

„Tipjoy makes it easy for people to leave tips for things they love online, and easy for content owners to be rewarded for making the stuff people love.“

Interessant dabei: man spendet erst und zahlt dann einmal monatlich per Paypal seine Rechnung bei Tipjoy. Gespendet wird mit Hilfe eines Tweets, der sich aus folgenden Bestandteilen zusammensetzt: p (=pay) + Betrag (z.B. $2) + Empfänger (z.B. @wellwishes).

tipjoy

Die Herausforderung besteht nun darin, solche Aktionen zu initiieren. Natürlich kann theoretisch jede/r ein geeignetes Spendenobjekt suchen und dann die Aktion per Tweet starten bzw. bewerben. Das Problem dabei: es muss Ihnen auch jemand zuhören und dann auch mitmachen bzw. Ihre Botschaft weitertragen. Wann wird Ihnen jemand zuhören und sich beteiligen?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an mein Blogpost „Reputation ist etwas Soziales„. Nur wer über die entsprechende Reputation verfügt, wird – in diesem Fall – andere Twitterer davon überzeugen können, für ein Projekt etwas zu spenden. Wie solche Aktionen aussehen müssen, beschreibt Lucy Bernholz auf Philanthropy2173:

  • „Video, blogging, twitter, online payments, viral marketing, instant thank yous, etc as the minimal expected organization infrastructure;
  • Community building (you can identify other donors, everyone blogs about it), instant infrastructure (giving managed by chip-in, Paypal enables the back office);
  • Quick commitment – set a goal, reach it, move on;
  • Little gifts – and lots of them – are the holy grail;
  • Creativity matters – next year you’ll need a new twist;
  • Anyone at an organization might be the leader of your next campaign;“

Dazu kommen noch folgende Punkte, ergänzt Beth Kanter die Auflistung:

  • „It’s not about the reaching a large number at once, but identifying the right six or seven influencers who can re-tweet your message and have their networks respond
  • Small gifts, but incorporate some incentives or recognition for larger gifts
  • Have universal human theme or tell stories
  • Have a reporting page or widget that shows your real-time results
  • Incorporate something visual that can also spread across Twitter
  • It isn’t just about Twitter – remember you need multi-channels – blogger outreach, email, organizing a team of people to reach to their networks, private messaging, phone calls, etc
  • Use a hash tag and have that be part of the retweet so your campaign can benefit from extra visibility from the twitter trending
  • Don’t have your first foray onto Twitter be your campaign ask, build social capital first.“

Der letzte Punkt ist wahrscheinlich der allerwichtigste und geht in die gleiche Richtung wie der von mir angesprochene Aspekt der Reputation. Sie können noch so kreativ sein in dem, was Sie tun. Wenn Sie nicht über das notwendige „social capital“ verfügen, wird Ihr Vorhaben scheitern.

Nun werden Sie unter Umständen einwerfen, dass solche Aktionen, auch wenn man über Reputation verfügt, hier bei uns nicht zu realisieren sind. Wahrscheinlich haben Sie Recht, aber woran liegt es? Ich denke, der Überweisungvorgang ist zu kompliziert und dauert zu lange. Wenn es wirklich gelingt, Beträge von sagen wir 50 Cent per Twitter zu transferieren und das mit genau einem Tweet, dann behaupte ich, wird auch bei uns diese Form des  (Online-)Fundraisings möglich sein. Grund genug, sich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten es eigentlich gibt. Allerdings wird sich das im Rahmen der NPO-Blogparade nicht mehr ausgehen, denn es geht nur noch bis morgen um das Thema Online-Fundraising. Am 15. Februar startet dann schon die nächste Runde.

Post

Die Finanzkrise: das Ende der öffentlichen Kulturförderung?

4 comments
Untergang © Conny T.; Pixelio Bis jetzt hieß es ja immer, die Finanzkrise würde bei uns keine Auswirkungen auf den Kunst- und Kulturbereich haben, weil es vor allem der Staat sei, der diesen Bereich finanziere und für den Erhalt und Fortbestand der Kulturbetriebe sorge. Klang das anfangs noch sehr zuversichtlich, ist der Grundtenor der Meldungen heute schon ein etwas anderer. In der Albertina werde es wegen der Finanzkrise weniger Ausstellungen geben, in den nächsten vier Jahren müsse das Museum 12 Mio. Euro einsparen, so z.B. Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Und das Da Ponte Institut hat gleich ganz zusperren und Konkurs anmelden müssen. Das sind jetzt nur zwei Beispiele aus Wien, woanders wird es nicht besser aussehen, vermute ich. Wird es also das von Clay Shirky prophezeite Blutbad geben? Vielleicht liege ich gar nicht so falsch mit meiner Behauptung, dass das öffentliche Fördersystem obsolet werden könnte? Zwei Beobachtungen: als ich diese Woche die erste SocialBar hier in Wien besucht habe, ging es unter anderem um das Thema Social Entrepreneur. Bei den NPO ruft das Thema Widerstände hervor, denn die Organisationen fürchten, dass sich mit dem Aufkommen der Social Entrepreneurs der Staat aus seiner Verantwortung zurückziehen könnte. Ich kann das Argument verstehen, allerdings hat der Staat die NPO schon ohne Social Entrepreneurs in den letzten Jahren mit immer weniger Geldmitteln ausgestattet. Kann man darauf also bauen? Angesichts der enormen Geldsummen, die in verschiedene Wirtschaftsbranchen gepumpt werden, werden immer wieder mal Vergleiche angestellt, was man mit einem Bruchteil dieser Summen im NPO-Bereich (da schließe ich den Kunst- und Kulturbereich mit ein) alles bewirken könnte. Auch Educult-Geschäftsführer Michael Wimmer macht in einem Blogbeitrag einen Vorschlag, der in eben diese Richtung zielt, womit ich bei meinem zweiten Punkt bin. Er möchte 1% der Summe, die Österreich für seine beiden aktuellen Konjunkturpakete ausgibt, zusätzlich für den Kunst- und Kulturbereich haben. Bei 5,7 Mia. Euro wären das immerhin 57 Mio. Euro. Diese Forderungen sind in meinen Augen unrealistisch, denn die bis jetzt vereinbarten Konjunkturpakete werden nicht die letzten sein. Zuviel ist in den letzten Jahrzehnten auf Sand gebaut worden und die Löcher, die es zu stopfen gilt, sind noch nicht einmal alle bekannt. Überspitzt formuliert wird sich das Rad noch so lange nach unten drehen, bis jedem Kredit ein realer Gegenwert gegenübersteht. Die Frage ist nun, ob sich dieses System jemals wieder erholen kann? Fredmund Malik verneint dies. In einem Interview für die FAZ spricht er von der „größte(n) Systemtransformation der Geschichte“, einer Krise, die „mit herkömmlichen Methoden nicht zu lösen“ ist. Auf die Frage, wie er die bisherigen und die geplanten Maßnahmen bewerte, antwortet er:
„Man gibt dem Alkoholiker Schnaps, damit sein Zittern aufhört.“
Ein Großteil der Unternehmen dürfte eigentlich unter Innovationsgesichtspunkten nicht gerettet werden. Autokonzerne wie Chrysler oder GM, aber auch etliche Unternehmen aus anderen Branchen sollte man eigentlich in den Konkurs schicken, damit etwas Neues entstehen kann. Ich wähle hier bewusst den Konjunktiv, denn die Innovationszyklen sind nicht das einzige Maß, das zählt. Die staatlichen Gelder werden in solche Unternehmen gesteckt, um den sozialen Frieden zu erhalten. Um den Wandel von der „Geld- zu einer Wissensgesellschaft“, wie Malik es nennt, halbwegs kontrolliert über die Bühne gehen zu lassen. Um unser soziales System aufrecht zu erhalten, wird der Staat noch etliche Konjunkturpakete schnüren müssen, die nur dazu dienen, die Folgen zu lindern, aber noch nicht als Investition in die Zukunft zu verstehen sind. In dieser Phase, in der versucht wird, unser System am Leben zu erhalten, wird für Kunst und Kultur nicht mehr Geld zur Verfügung stehen, sondern eher weniger. Wenn es ungünstig läuft, sogar sehr viel weniger. Das wird die Phase sein, in der etliche NPO verschwinden werden, so wie jetzt schon das Da Ponte Institut. Vielleicht ist das die Phase, wo Social oder Cultural Entrepreneurship ein Ansatz ist, damit diese Bereiche überleben können?  Wo steht geschrieben, dass das alte System der staatlichen Förderung auch zukünftig noch existieren wird? Wir wissen es nicht und ich möchte auch nicht behaupten, dass diese Entwicklung so stattfinden wird, wie ich es hier andeute. Fahrlässig wäre es in meinen Augen nur, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu hoffen, dass schon alles gut werde. Wenn Malik mit seinen Vorhersagen Recht hat, dann schaut die Zukunft gerade für den Kunst- und Kulturbereich nicht schlecht aus. Wie sagt Malik?
„Die neuen Realitäten sind hyperkomplexe, ultradynamische, vernetzte Systemkonfigurationen. Herkömmliche Denkweisen und Methoden sind gänzlich untauglich um solche Systeme zu verstehen und zu managen.“
Ich behaupte, KünstlerInnen bewegen sich schon lange in äußerst komplexen Strukturen und sind prädestiniert, eine Vorreiterrolle im Umgang mit Komplexitäten zu übernehmen. Nicht mehr das Geld steht im Vordergrund, sondern das Wissen. Das klingt schon fast nach der guten alten Zeit, in der die KünstlerInnen hochgeachtet waren. Hochachtung mag sein, aber in den Netzwerken der Zukunft werden wir trotzdem vermehrt auf uns selbstgestellt sein. Um dort bestehen zu können, ist so etwas wie Social oder Cultural Entrepreneurship genau der richtige Ansatz. Das heißt, Vorhersagen lassen sich nicht machen, was in komplexen Situationen aber eigentlich auch kein Wunder ist.