All Posts Tagged ‘online-fundraising

Post

Online-Fundraising: der Realitätscheck

4 comments

Thilo Reichenbach hat dankenswerterweise auf der Plattform Fundraising & Sozialmarketing einen von Mal Warwick gehaltenen Vortrag zusammengefasst, der versucht, die Erfolgsfaktoren für Fundraising im Internetzeitalter herauszuarbeiten. Unter der Überschrift „Mehr Spenden sammeln im Zeitalter des Internets“ geht es im ersten Schritt darum, mit falschen Mythen aufzuräumen.

So wurde schon vor Jahren prophezeit: Direct Mail ist tot! Fakt ist aber, so schreibt Thilo Reichenbach, dass auf diesem Weg in den USA ein Spendenaufkommen generiert wird, das immer noch 20 bis 40 Mal über dem aller Online-Kanäle zusammen liegt. Interessant ist, dass Warwick davon ausgeht, dass der Anteil der Online-Spenden am gesamten Spendenaufkommen nur bei 1 bis 2 Prozent liegt. In den USA wohlgemerkt, was bedeuten würde, dass wir gar nicht so ehrfürchtig Richtung Westen schauen müssen.

Oft werde, so schreibt Reichenbach, behauptet, vor allem jüngere Menschen würden online spenden. Aus diesem Grund auf das Online-Fundraising zu setzen, ist gefährlich, denn

„(j)unge Menschen erreichen längst nicht die Spendenquoten der über 40-Jährigen. Zum einen haben sie weniger Geld, dass sie erst einmal für die eigenen Konsumbedürfnisse aufwenden müssen und zum anderen fehlt, laut Warwick, auch die nötige Lebenserfahrung, um den Wert philanthropischen Handelns zu erkennen“,

heißt es im Beitrag. Aber nicht nur dieser Aspekt spricht dafür, nicht ausschließlich auf Online-Fundraising zu setzen. Jugendliche SpenderInnen lassen sich von der guten alten Direct Mail nämlich genauso zum Spenden motivieren wie durch Online-Aktivitäten.

Bleibt noch Mythos Nummer drei: „Social Media ist der Schlüssel zum Fundraising-Erfolg“. Auch das stimmt nicht:

„Zwar integrieren sich Facebook, und vielleicht auch Twitter, mehr und mehr in das tägliche Leben der Menschen, aber heutzutage ist Social Media definitiv noch kein Schlüsselfaktor für den Fundraising-Erfolg und erlöst nur Promille des gesamten Spendenvolumens“,

schreibt Reichenbach. Das heißt nun aber nicht, dass wir das Internet links liegen lassen sollten. Warwick nennt vier Erfolgsfaktoren, die es zu beachten gilt:

  • Wahlfreiheit
  • Information
  • Engagement & Involvement
  • Commitment & Bindung

Gerade die letzten beiden Faktoren Engagement und Bindung lassen sich mit Hilfe von Social Media angehen. Schließlich ist Partizipation eines der Schlagworte des Social Web. Was für den NPO-Bereich ganz allgemein gilt, gilt auch für Kunst und Kultur. Darauf zu hoffen, dass in Kürze online die Gelder zu fließen beginnen, ist unrealistisch. Realistisch ist es aber, auf diesem Weg eine engere Bindung zwischen Kulturbetrieb und denen herzustellen, die ursprünglich als Spender bezeichnet wurden. Nur sind sie das so gesehen gar nicht mehr. Für mich taucht hier wieder das Thema Community auf.

Post

Online-Fundraising: „Build your network before you need it“

9 comments


© Rainer Sturm; Pixelio

Der Wunsch, mit Hilfe des Social Web zusätzliche Einnahmen zu generieren ist naheliegend. Man erreicht dank des Multiplikatoreffekts eine Vielzahl von Menschen, die sich dann hoffentlich für einen interessieren und entweder die angebotenen Produkte erwerben, die Veranstaltungen besuchen oder einem auf Spendenbasis Geld zukommen lassen.

Während der einfache Hinweis auf ein Produkt oder eine Veranstaltung häufig genügt, um jemanden zum Kauf oder Besuch zu bewegen, ist die Herausforderung, jemanden zum Spender werden zu lassen, eine ungleich größere.

Und noch größer ist die Herausforderung, wenn es darum geht, Online-Fundraising zu betreiben. Während es in verschiedenen NPO-Bereichen durchaus schon Beispiele gab, die zeigen, dass Online-Fundraising funktionieren kann, vor allem im angelsächsischen Raum, schaut es bei uns im Kunst- und Kulturbereich noch eher traurig aus.

Die Gründe dafür sind nicht neu. Einerseits ist die Finanzierung von Kunst und Kultur dem allgemeinen Verständnis nach Sache des Staates. Andererseits beginnt sich die Akzeptanz, Geld online zu überweisen, erst so allmählich herauszubilden und drittens sind die Transaktionskosten vor allem wenn es um kleine und kleinste Beträge geht, einfach noch zu hoch.

Nun kann man daraus verschiedene Schlüsse ziehen. Wer die genannten Hürden – und vielleicht noch weitere – in den Vordergrund stellt, wird wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass sich Online-Fundraising nicht lohnt und wird in dieser Hinsicht nicht aktiv. Oder man geht davon aus, dass der Zug irgendwann einmal ins Rollen kommt und versucht möglichst bald Position zu beziehen, um dann gerüstet zu sein.

Eigentlich ist die Ausgangssituation für den letzteren Ansatz ideal, denn der Weg von einem Facebookprofil zum ersten eingenommenen Fundraising-Euro ist ein weiter. Wenn es heute auf dieser Basis noch nichts zu verdienen gibt, dann lohnt es sich trotzdem, eine entsprechende Community aufzubauen. Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass es einem erst jemand vormachen muss. Warum sollen nicht Sie die oder der erste sein, der/dem es gelingt, im Social Web erfolgreiches Fundraising zu betreiben?

Sehr hilfreich in dieser Hinsicht ist das Blogpost „The Right Way to use Social Media for Fundraising: Wildlife Direct“ von Beth Kanter. In ihm listet sie einige Punkte auf, die ihrer Meinung nach für Fundraising-Aktivitäten im Social Web wichtig sind. Zwei Punkte möchte ich dabei herausgreifen:

  • „Build your network before you need it.  Don’t have your first interaction be a request for money.
  • Focus on engagement and relationship building all the time.  You don’t have to be doing it at hyper level at the time, but remember relationship building doesn’t have an on and off switch.“

Ihre Anmerkungen erinnern mich an Chris Brogans Beitrag „Audience or Community„, in dem er die Unterschiede zwischen  Publikum und Community sehr schön herausarbeitet.

„Community happens when people feel they’re among like-minded others and when they feel their contributions matter“,

schreibt Chris Brogan. Wie so etwas dann in der Praxis aussieht, erfährt man in Beth Kanters Beitrag am Beispiel von WildLifeDirect. Aus der Community heraus entstand innerhalb kurzer Zeit eine Vielzahl von Weblogs, über die Spenden lukriert werden konnten. Das heißt, nicht die Tierschutzorganisation alleine sammelt Geld, sondern es ist die Community, die sich engagiert und zum Spenden animiert.

Aber so etwas braucht Zeit. „Community happens“ schreibt Brogan, d.h. Sie können nur für die geeigneten Rahmenbedingungen sorgen, der Rest geschieht dann „von alleine“.

Post

Das „ehrenwerte“ person-to-person-Fundraising

5 comments

Ich hätte diesen Beitrag jetzt auch als Nachtrag zur Nachbetrachtung der NPO-Blogparade bezeichnen können, aber das wirkt dann vielleicht doch etwas komisch. Warum ich diesen Beitrag schreibe? Mir ist ein Blogpost auf dem Kampagne 2.0 Blog von Ulrich Schlenker nicht aus dem Kopf gegangen, in dem er auf die Aktion Uwe von Ole Seidenberg zu sprechen kommt.

Schlenker stellt darin fest, dass sich an dieser Aktion idealtypisch die Merkmale des Online-Fundraising herausarbeiten lassen und es unter anderem wichtig sei, über die entsprechenden Ressourcen zu verfügen, um einen eventuellen Ansturm auch bewältigen zu können. Die braucht z.B. Ole Seidenberg, wenn seine Zugriffszahlen auf das Blog um bis zu 500 % steigen und er auf Kommentare und Anfragen reagieren muss. Da haben wir von der eigentlichen „Aktion Uwe“ noch gar nicht gesprochen.

Thilo Reichenbach spricht auf seiner Seite Fundraising & Social Marketing in diesem Zusammenhang von „Modernen Helden“, was etwas pathetisch klingt, aber die Sache ganz gut auf den Punkt bringt. In der Beschreibung der Trends, die wir im Online-Fundraising erwarten dürfen, spielen diese modernen Helden eine wichtige Rolle. Sie sind es, die das person-to-person-Fundraising antreiben und sich damit in Konkurrenz zu den NPO und ihren Spendenaktionen begeben. Konkurrenz deshalb, weil beide sich um die (im Großen und Ganzen) gleiche Zielgruppe und deren Geld bemühen.

Hier setzt nun die Kritik von Ulrich Schlenker an, der es für fragwürdig hält, wenn bei solchen Aktionen Einzelschicksale herausgegriffen werden und dadurch sozialstaatliche Pflichtaufgaben substituiert werden. Aus der Sicht der NPO kann ich diese Kritik verstehen, halte sie aber für unbegründet. Wobei es eigentlich egal ist, wie man dazu steht, denn ich halte es hier mit Brigitte Reiser, die auf ihrem Blog Nonprofits-vernetzt.de geschrieben hat:

„Ob man diese Entwicklung hin zum person-to-person-Fundraising über Social Media gut oder schlecht findet, ist abhängig vom persönlichen Standpunkt des Betrachters. (…) Wie man die Entwicklung auch beurteilt – sie lässt sich nicht mehr rückgängig machen.“

Das heißt, es geht nicht mehr darum, ob oder ob nicht, sondern nur noch um das Wie. In dieser Hinsicht vermutet Ulrich Schlenker, dass bei solchen Aktionen (wie z.B. der Aktion Uwe) die Schicksale immer dramatischer werden müssten, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu erregen.

Das sehe ich allerdings völlig anders. Ich behaupte, der Erfolg einer solchen Aktion hängt nicht davon ab, ob sie spektakulär ist, sondern wie groß die Reputation der Person ist, die diese Aktion initiiert (siehe dazu diese beiden Beiträge). Bei Thilo Reichenbach lautet der dritte der Online Fundraising Trends:

„Erst die Beziehung, dann die Spende“

Natürlich müssen die (Spenden-)Projekte eine gewisse Qualität haben, aber viel wichtiger ist es, dass die potenziellen UnterstützerInnen  – diesem Fall – Ole Seidenberg vertrauen. Er ist dann „ehren-wert“. :-) Wenn dieses Vertrauen nicht da ist, kann das Vorhaben noch so gut und spektakulär sein, es wird nicht funktionieren.

Das gleiche Prinzip lässt sich übrigens, um nun die Kurve zu schaffen, auch im Kunst- und Kulturbereich anwenden. Das Vorhaben, für das ich Unterstützung benötige (in welcher Form auch immer), muss qualitativ hochwertig sein, keine Frage. Aber Unterstützung gibt es erst, wenn ich Projekt und Anliegen über mein Netzwerk kommunizieren kann und über die entsprechende Reputation verfüge, denn nur dann bringen mir die Leute das notwendige Vertrauen entgegen, ohne das der Erfolg nicht möglich ist.

Post

Online-Fundraising: das war die 4. Runde der NPO-Blogparade

9 comments

Als ich Mitte Januar im Rahmen der NPO-Blogparade nach Tipps und Tricks bzw. Praxisbeispielen für das Online-Fundraising gefragt habe, war ich natürlich auf die Antworten gespannt. Das Warten hat sich gelohnt, denn erstens kann ich hier auf insgesamt neun verschiedene Blogposts verweisen, in denen es um Online-Fundraising geht und zweitens wird das Thema aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet,  was die Sache noch interessanter macht.

Schön ist es, dass die NPO-Blogparade mittlerweile in der Blogosphäre wahrgenommen wird und sich die Zahl der beteiligten Blogs langsam aber sicher erhöht. Dazu hat sicher auch der Artikel von Brigitte Reiser auf Blog-Patenschaften beigetragen, in dem sie über die Ziele und Inhalte der Blogparade geschrieben hat. Je mehr davon erfahren und sich daran beteiligen, desto besser für die NPO-Blogparade.

Zurück zum Thema Online-Fundraising. Welche Möglichkeiten bieten uns die zahlreichen Social Media Tools, um Kontakt zu potenziellen GeldgeberInnen aufzunehmen und sie als UnterstützerInnen oder auch InvestorInnen zu gewinnen? Verena Lindner bietet in ihrem Beitrag „Fundraising mit dem Social Web“ eine sehr hilfreiche und übersichtliche Bestandsaufnahme, was so alles möglich ist.

Durchaus kritisch Ihre Anmerkung, dass mit der zunehmenden Anzahl an Hilfsprojekten die Bereitschaft zur Unterstützung nachlasse.

„Es ist nicht so, dass es mich nicht berührt, sondern eher, dass ich kapituliere vor der erdrückenden Anzahl der Hilfsmaßnahmen (…).“

Noch erregen solche Aktionen aber Aufmerksamkeit, wie SocialBlogger Ole Seidenberg mit seiner Aktion Uwe gerade zeigt.

„Jetzt kommt es auf Euch, liebe Leser an – Eure Bereitschaft, mit einer – und sei sie noch klein – Spende, Idee, Jobangebot oder ähnlichem konkrete Hilfe zu leisten“,

schloss er sein erstes Blogpost vor knapp zwei Wochen. Vergleicht man die Größenordnung einer solcher Aktion mit Spendenaktionen von NPOs wie Rotes Kreuz, Caritas oder Amnesty, dann ist klar, dass das Fundraising (bei uns) noch nicht wirklich im Internet angekommen ist. Ulrike Schmid konstatiert daher in ihren „Anmerkungen zum Online-Fundrasing„, dass

„das Thema Web 2.0 und Social Networks noch stärker ins Bewusstsein sowohl der Fundraiser als auch der ‚potentiellen Geldgeber‘ gerückt werden (müsse). Und da bedarf es offline noch vieler Gespräche und teils Überzeugungsarbeit.“

Wie man die Lücke zwischen der offline- und der online-Welt schließen kann, habe ich in meinem Blogpost „‚Online goes offline‘ oder ‚Bitte warten‘?“ beschrieben. Eine meiner Schlussfolgerungen:

„Sie erreichen mit Hilfe verschiedener Social Media Tools Menschen, die damit noch gar nichts am Hut haben und haben so die Chance, Sie von Ihren Vorhaben zu überzeugen und um Unterstützung zu bitten.“

Für Brigitte Reiser entsteht mit dem Web2.0 eine neue Form des Fundraisings. Statt der konzertierten Aktionen großer Hilfsorganisationen gewinnt das person-to-person-Fundraising immer mehr an Bedeutung, schreibt sie in ihrem Beitrag „‚Aktion Uwe‘ – Entwicklungen im Online-Fundraising und wie Nonprofits darauf reagieren sollten„. Und wie sollten die NPO darauf reagieren? Brigitte Reiser hat fünf Tipps formuliert, u.a.:

„Transparenz herstellen und nach außen vermitteln: Spender wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert und welche Fortschritte ein Projekt macht.“

Ole Seidenberg zeigt mit seinem Projekt Uwe gerade, wie das dann aussieht. Sein „Erfolgsrezept“: er baut ein Vertrauensverhältnis zu den möglichen UnterstützerInnen auf. Dafür lässt sich das Web2.0 perfekt einsetzen, merkt Karin Janner an, die in ihrem Beitrag „Tipps und Tricks für das Online-Fundraising“ einen ganz wichtigen Punkt anspricht:

„Genauso wenig, wie ‚Offline-Fundraising‘ mit dem Zusenden eines Zahlscheins beginnt, beginnt ‚Online-Fundraising‘ mit dem ‚Spenden‘-Button.  Es fängt damit an, Vertrauen aufzubauen und Transparenz zu schaffen, schließlich will der Spender ja wissen, wem er sein Geld anvertraut.“

Das will der Sponsor natürlich auch, um den es sich im Beitrag auf dem Schlossblog von Alexander von Halem dreht. Schließlich sei die Kultureinrichtung auch in diesem Fall so etwas wie ein Bittsteller. Wie aber erfahren die Sponsoren überhaupt von der Kunst- und Kultureinrichtung? Richtig, über die diversen Social Media-Kanäle, damit das hier nicht passiert:

„Wie oft müssen wir als kleiner, regionaler Kulturveranstalter von Leuten aus der Region hören: ‚Ach! Wir wußten ja gar nicht, dass es soetwas in unserer Region gibt!'“

Dass sind allerdings alles erst „Vorstufen“ des Online-Fundraisings. Wie man Social Media Tools ganz konkret für das Sammeln von Spenden nutzen kann, habe ich anhand von Twitter zu zeigen versucht. Twitter kann natürlich für die Fun-Kommunikation eingesetzt werden, keine Frage. Es ist aber gleichzeitig ein interessantes Tool für das Online-Fundraising, das den Spendenprozess extrem beschleunigt.

Und es erwartet von den SpenderInnen keine großen Beträge, sondern Kleinstspenden in der Größenordnung von einem Euro. Um kleine Beträge geht es auch bei der idee, die foulder in seinem Blogpost „ein sozialer Umweg“ vorstellt. Eine Fundraising-Organisation hat ein Modell entwickelt,

„wie Internetnutzerinnen und -nutzer ohne großen Aufwand — und vor allem ohne einen Banktransfer anweisen zu müssen — Geld für soziale Zwecke spenden können.“

Sie sehen schon, die Bandbreite der Beiträge ist recht groß und es ist hoffentlich für jede/n etwas dabei. Falls Sie Lust und Zeit haben, sich an der NPO-Blogparade zu beteiligen, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie schreiben ein Blogpost zum jeweiligen Monatsthema und verlinken auf den Beitrag, in dem die Frage gestellt wird (so finden wir Ihr Blogpost). Oder Sie werden mit Ihrem Blog Host der NPO-Blogparade, d.h. Sie wählen das Thema und fassen am Ende die Ergebnisse der eingegangenen Beiträge zusammen.

Am 15. Februar gibt es die nächste Frage. Gastgeber ist dann Sebastian Schwiecker vom Helpedia-Blog.

Update: Helpedia-Blogger Sebastian Schwiecker hat sich auch noch mit dem Thema Online-Fundraising beschäftigt. In seinem Blogpost zeigt er, welche Transaktionsgebühren z.B. bei Paypal oder den Kreditkartenfirmen anfallen. Sehr hilfreich, danke!

Post

Online-Fundraising mit Hilfe von Twitter

2 comments

Über Twitter habe ich hier auf dem Blog eigentlich noch nie geschrieben, obwohl ich es nun schon längere Zeit verwende. Über Sinn und Unsinn dieses Tools, bei dem einem nur maximal 140 Zeichen pro Nachricht zur Verfügung stehen, gibt es unzählige Blogposts und Artikel. Selbst die New York Times ist mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und bietet „Twittering Tips for Beginners“ an. Ich selbst halte sehr viel davon, allerdings ist es, denke ich, nicht so ganz einfach, herauszufinden, wie sich Twitter für die eigene Arbeit einsetzen lässt.

Während viele sich dort über Dinge des täglichen Lebens und ihr Befinden austauschen, experimentieren andere mit diesem Tool, um es möglichst nutzbringend einzusetzen, zum Beispiel in Sachen Fundraising. Beth Kanter hat vor einigen Tagen in einem Beitrag auf Twestival aufmerksam gemacht. Worum geht es dabei?

„On 12 February 2009 175+ cities around the world will be hosting Twestivals which bring together Twitter communities for an evening of fun and to raise money and awareness for charity: water„,

lautet die Grundidee. charity: water ist eine Nonprofit-Organisation, die sich für sauberes Trinkwasser in den Entwicklungsländern engagiert.

Beteiligen kann man sich auf unterschiedliche Weise:

  1. Attending one of the events
  2. Uploading or buying music at Twestival.fm
  3. Taking part in the t-shirt design competition
  4. Donating to charity: water

Nein, hier geht es nicht darum, ein paar hundert Dollar einzusammeln, das Ziel ist äußerst ambitioniert, wie man diesem Tweet entnehmen kann:


Eine halbe Million USD, das ist keine Kleinigkeit. Aber egal ob Twestival oder die bereits erfolgreich abgeschlossenen Fundraising-Aktionen von Beth Kanter oder Laura Fitton, in allen Fällen geht es um zwei entscheidende Punkte:

  1. Der Spendenprozess wird extrem beschleunigt und
  2. es geht nur um kleine Spendenbeträge (z.B. 2USD)

Möglich machen das Tools wie Tipjoy, auf deren Website es heißt:

„Tipjoy makes it easy for people to leave tips for things they love online, and easy for content owners to be rewarded for making the stuff people love.“

Interessant dabei: man spendet erst und zahlt dann einmal monatlich per Paypal seine Rechnung bei Tipjoy. Gespendet wird mit Hilfe eines Tweets, der sich aus folgenden Bestandteilen zusammensetzt: p (=pay) + Betrag (z.B. $2) + Empfänger (z.B. @wellwishes).

Die Herausforderung besteht nun darin, solche Aktionen zu initiieren. Natürlich kann theoretisch jede/r ein geeignetes Spendenobjekt suchen und dann die Aktion per Tweet starten bzw. bewerben. Das Problem dabei: es muss Ihnen auch jemand zuhören und dann auch mitmachen bzw. Ihre Botschaft weitertragen. Wann wird Ihnen jemand zuhören und sich beteiligen?

Vielleicht erinnern Sie sich noch an mein Blogpost „Reputation ist etwas Soziales„. Nur wer über die entsprechende Reputation verfügt, wird – in diesem Fall – andere Twitterer davon überzeugen können, für ein Projekt etwas zu spenden. Wie solche Aktionen aussehen müssen, beschreibt Lucy Bernholz auf Philanthropy2173:

  • „Video, blogging, twitter, online payments, viral marketing, instant thank yous, etc as the minimal expected organization infrastructure;
  • Community building (you can identify other donors, everyone blogs about it), instant infrastructure (giving managed by chip-in, Paypal enables the back office);
  • Quick commitment – set a goal, reach it, move on;
  • Little gifts – and lots of them – are the holy grail;
  • Creativity matters – next year you’ll need a new twist;
  • Anyone at an organization might be the leader of your next campaign;“

Dazu kommen noch folgende Punkte, ergänzt Beth Kanter die Auflistung:

  • „It’s not about the reaching a large number at once, but identifying the right six or seven influencers who can re-tweet your message and have their networks respond
  • Small gifts, but incorporate some incentives or recognition for larger gifts
  • Have universal human theme or tell stories
  • Have a reporting page or widget that shows your real-time results
  • Incorporate something visual that can also spread across Twitter
  • It isn’t just about Twitter – remember you need multi-channels – blogger outreach, email, organizing a team of people to reach to their networks, private messaging, phone calls, etc
  • Use a hash tag and have that be part of the retweet so your campaign can benefit from extra visibility from the twitter trending
  • Don’t have your first foray onto Twitter be your campaign ask, build social capital first.“

Der letzte Punkt ist wahrscheinlich der allerwichtigste und geht in die gleiche Richtung wie der von mir angesprochene Aspekt der Reputation. Sie können noch so kreativ sein in dem, was Sie tun. Wenn Sie nicht über das notwendige „social capital“ verfügen, wird Ihr Vorhaben scheitern.

Nun werden Sie unter Umständen einwerfen, dass solche Aktionen, auch wenn man über Reputation verfügt, hier bei uns nicht zu realisieren sind. Wahrscheinlich haben Sie Recht, aber woran liegt es? Ich denke, der Überweisungvorgang ist zu kompliziert und dauert zu lange. Wenn es wirklich gelingt, Beträge von sagen wir 50 Cent per Twitter zu transferieren und das mit genau einem Tweet, dann behaupte ich, wird auch bei uns diese Form des  (Online-)Fundraisings möglich sein. Grund genug, sich damit zu beschäftigen, welche Möglichkeiten es eigentlich gibt. Allerdings wird sich das im Rahmen der NPO-Blogparade nicht mehr ausgehen, denn es geht nur noch bis morgen um das Thema Online-Fundraising. Am 15. Februar startet dann schon die nächste Runde.

Post

Die nächste Runde der NPO-Blogparade: Tipps und Tricks für das Online-Fundraising

21 comments

Die NPO-Blogparade geht bereits in die vierte Runde. Nach Brigitte Reiser („Folgen der Finanzkrise für Nonprofits – Bedrohung oder Chance?„), Karin Janner („Social-Media-Mix für Non-Profit-Einrichtungen – wie könnte er aussehen?„) und Ole Seidenberg („Die Kehrseite des Web 2.0 Hypes für den Nonprofit-Sektor„) bin nun ich dran und darf die Frage für den Monat Januar stellen.

Nonprofit-Organisationen konnten ja noch nie im Geld baden. Die leeren öffentlichen Kassen haben dazu geführt, dass das Geld vom Staat bei den meisten NPO nicht mehr zum Überleben reicht. Von Professionalisierung war und ist die Rede, was oft nur heißen soll: seid sparsam und kümmert Euch selbst um Eure Finanzierung!

So ist das Fundraising auch bei uns in Mode gekommen. Während sich NPO – und damit schließe ich die Kunst- und Kulturbetriebe mit ein – im angelsächsischen Raum schon immer intensiv um private Geldzuwendungen bemühen mussten, hat das Fundraising mittlerweile auch bei uns Einzug gehalten. Meistens handelt es sich dabei um Spenden, aber immer häufiger werden wir als Private auch dazu aufgefordert, zu „investieren“. Filmprojekte wie „A Swarm of Angels“, an denen man sich mit einem Betrag von £ 1 beteiligen kann, zeigen, wohin die Entwicklung gehen könnte.

Gerade bei solch kleinen Summen lohnt es sich wegen der Transaktionsgebühren nicht, mit Erlagschein oder Banküberweisung zu arbeiten.  Hier müssen Wege gefunden werden, die den Transfer solcher Minibeträge möglich machen.

Wenn wir nur einen Euro, einen Dollar, etc. von den Leuten wollen, brauchen wir natürlich eine Vielzahl von Spendern bzw. Investoren. Und wie erreicht man die? Richtig, das Internet macht es möglich. Während das Online-Fundraising z.B. in den USA schon weit verbreitet ist, steckt es bei uns noch in den Kinderschuhen. Aktionen wie die von Beth Kanter, die zu ihrem Geburtstag 6.255 USD über die verschiedenen Social Media-Kanäle einsammelte, um 625 kambodschanischen Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, sind bei uns (noch) unmöglich.

Ob es nun um solche Hilfsprojekte geht, um Gesundheits- oder Kunst- bzw. Kulturprojekte: meine Frage für diese Runde der NPO-Blogparade lautet: was können oder müssen wir als NPO tun, um das Online-Fundraising bei uns voranzutreiben? Ich wünsche mir von Ihnen möglichst viele Beiträge voller Tipps und Tricks oder ganz praktische Beispiele, von denen wir lernen können. Alle, die etwas dazu beitragen können und wollen, sind herzlich eingeladen, auf ihrem Blog einen entsprechenden Beitrag zu verfassen und ihn hierher zu verlinken.

Diese Runde der NPO-Blogparade läuft bis zum 7. Februar. Wenn Sie nicht wissen, was eine Blogparade ist und wie sie funktioniert, werfen Sie bitte einen Blick in das Blog zur NPO-Blogparade, in dem wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben. Falls etwas unklar bleiben sollte, deponieren Sie Ihre Frage hier als Kommentar oder schreiben Sie mir eine Email. Viel Spaß beim Schreiben und Lesen der Beiträge!

Post

Online Spenden sammeln: eine Präsentation liefert Anregungen

5 comments

Eigentlich sollte ich ja an einem EU-Förderantrag sitzen, denn morgen ist Abgabetermin. Aber ein paar Minuten bleiben immer, deshalb hier nur ein kurzer Hinweis auf eine Präsentation, die ich auf Beth’s Blog entdeckt habe.

Jonathan Waddingham hat sie auf dem London Fundraising Summit gehalten und zeigt darin Wege auf, wie man mit Hilfe der Tools, die uns das Internet zur Verfügung stellt, Beziehungen aufbauen kann. Beziehungen zu den Menschen, die uns finanziell unterstützen sollen.

Beth Kanter stellt in ihrem Blogpost richtigerweise fest: „Relationship Building is King“ und genau darum geht es in der Präsentation, aus der sie auf die von Jonathan Waddingham zusammengefassten Tipps (Folie 3) verweist, wie man online Beziehungen aufbaut und aufrecht erhält:

  • „Engagement is more than just a ‘donate now’ button
  • It’s about building relationships with supporters
  • Reaching out to people in their online world
  • Go to where your supporters are, don’t expect them to come to you
  • Hard to measure, may not reap immediate returns
  • The investment is time more than money
  • If you do it, do it well – be authentic“

Besonders wichtig in meinen Augen: wir müssen zu denen gehen, von denen wir etwas wollen. Darauf zu warten, dass jemand zu uns kommt, funktioniert nicht und ist der falsche Weg. Gut, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. Erstens ist es notwendig, dass wir uns Gedanken darüber machen, wen wir überhaupt ansprechen wollen? Zweitens gilt es herauszufinden, ob diese Zielgruppe überhaupt im Internet anzutreffen ist? Und drittens stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß das Angebot online zu spenden bereits angenommen wird bzw. wie groß das Potenzial eigentlich ist?

Ich bin derzeit noch eher skeptisch, denke aber, dass es wichtig ist, sich jetzt in die Thematik einzuarbeiten und Erfahrungen im Bereich Online-Fundraising zu sammeln, damit man dann dabei ist, wenn es los geht. Was denken Sie?

Post

Online-Fundraising: Mühsam nährt sich das Eichhörnchen

2 comments

Wenn man wie ich zwei Wochen ohne Internetzugang auskommen musstedurfte, dann merkt man recht schnell, was einem auf der einen Seite an Infos entgeht. So habe ich beispielsweise erst jetzt am Wochenende vom Ende der österreichischen Regierung erfahren, denn in den Abruzzen gibt es nicht nur keine Internet-Cafes, sondern auch keine deutschsprachigen Zeitungen. :-(

Auf der anderen Seite kann man aber erkennen, wie viele Menschen eigentlich noch ohne das Internet auskommen und ich glaube nicht, dass sie im Bewusstsein leben, ihnen würde etwas abgehen.

Vor diesem Hintergrund ist mir eine Pressemeldung aufgefallen, in der festgestellt wird, dass die Bereitschaft zur Online-Spende im deutschsprachigen Raum zwar zunimmt. Der Ausgangspunkt scheint aber noch kaum wahrnehmbar zu sein. Bei aller Begeisterung für das Internet und die zahllosen Tools ist es, denke ich, wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, wie klein die Zahl derer ist, die sich völlig selbstverständlich im Internet bewegen und sich dort nicht nur informieren, sondern auch mit anderen kommunizieren oder zusammen arbeiten.

Das heißt nun nicht, dass ich zukünftig nicht mehr über das Online-Fundraising schreibe, sondern mich dem guten alten Brief widme. Nein, aber der „guter alte Spendenbrief“ hat immer noch seine Bedeutung.

Leider geizt die Pressemeldung mit Zahlen, aber wenn Ärzte ohne Grenzen in Deutschland seit knapp zehn Jahren das Online-Spenden anbietet und über diese Schiene zwischen zwei und fünf Prozent des gesamten Spendenaufkommens hereinkommen, dann ist das wahrscheinlich schon ein Spitzenwert im Nonprofit-Bereich. Von den Kunst- und Kultureinrichtungen will ich gar nicht reden.

Aber ich denke, es lohnt sich, am Thema dranzubleiben und mit solchen Angeboten zu experimentieren. Denn ich bin zuversichtlich, dass es irgendwann losgeht und dann ist es gut, wenn man zu den ersten gehört. Freuen wir uns also über den Aufwärtstrend und bleiben wir weiter am Ball.

via BFS Fundraising Weblog

Post

Diplomarbeit zum Thema Online-Fundraising

Leave a reply

Im Fundraising Forum habe ich die Diplomarbeit von Bettina Kroll entdeckt, die sich unter dem Gesichtspunkt des Online-Fundraising mit der Website der UNO-Flüchtlingshilfe auseinandergesetzt und ein dazu passendes Konzept entwickelt hat.

Unter dem Titel „Online-Fundraising für die UNO-Flüchtlingshilfe e.V. – Konzept für eine Website“ beschäftigt sich Kroll eingangs ihrer Arbeit mit dem Thema Online-Fundraising und beschreibt dabei verschiedene Ansätze und auch Tools, die dafür in Frage kommen. Das tolle an dieser Arbeit: sie wird immer „praktischer“. Die Autorin schreibt über die Kriterien für einen erfolgreichen Internet-Auftritt (Kapitel 4), erklärt die Grundprinzipien für den Bau einer eigenen Website (Kapitel 5) und analysiert dann im sechsten Kapitel den Internetauftritt der UNO-Flüchtlingshilfe.

Sehr aufschlussreich ist die Beschreibung des Ist-Zustands (S. 35ff), in dem die positiven und negativen Aspekte gegenübergestellt werden. Kroll analysiert so genau, dass sich die nächsten Schritte fast zwingend ergeben. Leider gibt es keine Möglichkeit, die alte Website zu sehen. Wenn man sich die aktuelle Seite der UNO-Flüchtlingshilfe anschaut, lässt sich aber sehr gut erkennen, wieviele Empfehlungen der Arbeit in den Relaunch der Website eingeflossen sind.

Für mich ist diese Arbeit ein tolles Beispiel, wie fundiert eine Website konzipiert werden kannmuss. Spannend wäre es natürlich, wenn es nach einiger Zeit (die Arbeit wurde im September 06 eingereicht) eine Evaluierung geben würde. Aber auch so lassen sich viele Anregungen aus der Arbeit ziehen.